Der Bergschmied Bernhard ging eines Tages nach der Schönerzzeche,

um dort sein Gezähe in Ordnung zu bringen, all die Fäusteln und

Stopfer, Stecher und Bohrer, Hacken und Sägen, mit denen der Bergmann

hantiert. In der Mondscheinnacht kam er zwischen elf und zwölf Uhr am

Grauensteine an. Potztausend! Auf der blanken Wiese, wo weitum keine

Einschichte liegt, rings Wäsche um Wäsche, die ganze Wiese ist von

Linnen vollauf überspannt. Bernhard nahm sich sein klopfendes Herz

in die Hand, und eine innere Stimme sagte ihm: Ei! für wen liegt so

herrliche Wäsche ausgespannt? die Geister haben genug daran, unsereins

wäre reich fürs ganze Leben! Greif zu, Bernhard! Nimm, so viel du

schleppen kannst! Und er griff zu, faßte die Wäsche mit beiden Händen,

schlug sie über den Rücken, wand sie um den Leib und lief hastig;

doch horch! Hollah! hinterher welch ein Gepolter, welch ein Getümmel,

welch ein Gekrach! Ist der Grauenstein geborsten? Schnell, wie er sie

zusammenraffte, warf er die Wäsche wieder von sich. -- Da hat er die

Poltergeister versöhnt; denn mit einemmale ist es stille geworden

ringsum, und die Wäsche war verschwunden, als er sich umsah, und er

lief voll Entsetzen nach der Schönerzzeche.

Einem Weibe aus Joachimsthal träumte in einigen aufeinander folgenden

Nächten, sie solle auf ihre unweit des Grauensteins gelegene Wiese

gehen, dann könne sie reich werden. Als sie sich endlich in einer

mondhellen Nacht auf den Weg machte und zwischen 11 und 12 Uhr auf der

Wiese anlangte, sah sie zu ihrer Verwunderung auf derselben ringsum

Kinderwäsche ausbreitet. Find' ich auch kein Geld, dachte sie, so lasse

ich doch auch dieses Zeug nicht liegen. Sie nahm also die Wäsche in

ihre Schürze und trat die Heimkehr an. Doch siehe! Kaum näherte sich

das Weib einem Graben, da rührte es sich mit einemmale in der Schürze

und als sie dieselbe öffnete, erblickte sie darin lauter zischende

Ottern. Vor Furcht und Ekel warf sie alle in den Graben und lief

bestürzt nach Hause; nur zwei Schlangen erreichten den jenseitigen

Rand. Als das Weib des anderen Tages zu dieser Stelle kam, fand sie

zwei Häufchen Gold.

57. Die eifersüchtige tote Frau.

(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 943.)

Im Jahre 1666 im September hat sich in einer Bergstadt folgendes

begeben. Eine Frau war in der Fastenzeit gedachten Jahres Todes

verblichen. Da nun der Witwer zur andern Heirat schreiten wollte, kam

immer ein Gespenst in der Gestalt der verstorbenen Frau und ängstigte

ihn, daß er keine Ruhe haben konnte. Daher gebot er seinem Gesinde,

sie sollten in der Stube schlafen und ihr Bette vor seine Schlafkammer

schieben. Am Donnerstage zuvor spricht das Gesinde: Herr, wenn ihr

doch zuvor, ehe ihr wieder Bräutigam seid, eurer vorigen Frau einen

Leichenstein legen ließet, vielleicht bliebe sie außen. Er bestellte

am Freitage die Maurer und läßt ihn legen und sagt: Nun habe ich meine

Alte fein eingeschwert, sie wird nicht wiederkommen, der Teufel müßte

sie denn heraus führen. Er nimmt die Maurer mit sich nach Hause, ißt

und trinkt mit ihnen, bestellt einen Boten, der morgens frühe soll

weglaufen, gehet zu Bette, und das Gesinde liegt vor der Kammerthür.

Zur Mitternacht kommt ein Gespenst in die Stube, sucht erst in den

Registern und blättert darin, darnach rauschet es über das Gesindebette

weg, kam in die Kammer und würgte den Mann. Früh kam der bestellte Bote

und wartete zwei Stunden; das Gesinde hieß ihn anpochen, rufen und gar

hinausgehen, da findet er ihn tot. Und dieser Mann hat sich nach dem

Tode gleichfalls sehen lassen.

58. Eine gespenstische Frau in Joachimsthal wird zur Ruhe gebracht.

(Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 946.)

In Joachimsthal hat sichs begeben, daß ein Gespenst in Gestalt einer

daselbst verstorbenen Frau immer in ihres hinterlassenen Mannes Haus

kam und ihn bei Tag und Nacht beunruhigte. Der Witwer klagte seine Not

dem Pfarrer und bat, ob er nicht gegen Mittag zu ihm kommen und wider

den Geist beistehen möchte. Der Pfarrer kam endlich auf des Mannes

inständiges Bitten, und da erschien die gespenstische Frau gleich am

Mittage in ihrem Todeshabit, wie sie im Sarg war beschicket worden.

Der Pfarrer redete den Geist getrost an und fragte ihn, was er hier

im Hause zu schaffen habe. Das Gespenst sagte: Ich habe eine Kette

verborgen, die liegt da und da vergraben; ebenso fürchte ich auch, mein

Mann möchte eine Person in der Nachbarschaft heiraten, mit der ich

nicht kann zufrieden sein, darum kann ich auch im Grabe nicht ruhen.

Der Pfarrer aber verwies dem Teufel seine Bosheit und trieb ihn mit

Gottes Wort so weit, daß er keine Ausflucht mehr hatte, sondern es

verschwand die gespenstische Gestalt allmählich und ließ endlich an der

Stelle, da sie gestanden, eine Hand voll Asche übrig. Sie ist auch von

der Zeit an nicht wieder gesehen worden.

59. Eine Verstorbene verhilft ihrer Schwester zu ihrem Rechte.

(Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 947.)

Im Jahre 1694 hat sich im September in einem Bergstädtchen zugetragen,

daß eines Fleischhackers Frau vier Wochen nach ihrem Begräbnis wieder

kam. Sie hatte sonst den Nachruf eines frommen und eingezogenen

Lebens und man sagte von ihr, daß sie sich zu ihren Lebzeiten

unterschiedlichemal über das böse Leben beklagt habe, so ihr zweiter

Mann mit Fluchen und Streit nebst den Kindern treibe, und daß sie es

nicht vertragen könne, sie müsse viel leiden, daß es kein Wunder wäre,

sie ließe sich lebendig begraben. Als sie kurz darauf starb, hinterließ

sie auch eine arme Schwester, welche bei dem Witwer allerhand Erbstücke

suchte, aber nichts erhalten konnte. Ungeachtet nun diese Erbforderung

gerichtlich beigelegt worden war, wollte sich doch die blutarme

Schwester nicht so abweisen lassen und vergoß viel Thränen. Der Witwer

lag nebst seinem Sohne krank in der Unterstube. Da kommt ein Gespenst

zu Mitternacht in Gestalt der Verstorbenen und setzt sich vor sein

Bette. Er erschrickt und fängt an zu beten: Gott, der Vater steh' uns

bei! zu dreien malen, aber die gespenstische Frau will nicht weichen,

der Kranke kann nicht fort und schwitzet gar sehr. Es schlägt 12 Uhr,

da meint er, nun werde sie fortgehen, aber sie bleibet sitzen bis nach

2 Uhr. Da fängt er an: Alle guten Geister loben Gott den Herrn. Sie

antwortet, zwei Schritte zurücktretend: Ich auch. Der Kranke fragt: Was

wollet ihr hier? Gehet hin, wo ihr hingehöret. Sie antwortet: Ihr sollt

meiner Schwester Magdalena nicht alles nehmen. Und damit fuhr der Geist

zum vordern Fenster hinaus. Eine Hausgenossin wohnte in der Oberstube,

die auf der Bank liegend eben dieses Gespenst gesehen, welches sie

angegriffen und begehrt, man solle ihre Schwester nicht kränken; damit

warf's ein Biermaß nach ihr und blieb außen.

60. Die umherwandelnde Gräfin in der Kirche zu Wildenfels.

(Mündlich.)

In der früheren, jetzt nicht mehr vorhandenen Kirche zu Wildenfels

befanden sich die Begräbnisse der verstorbenen Glieder der erlauchten

gräflichen Familie der Herrschaft. Alte Leute erzählen noch jetzt,

einst habe eine verstorbene Gräfin daselbst nicht Ruhe finden können,

sondern sei oft in der Kirche umhergewandelt und habe die Orgel

gespielt. Als sich endlich der Pfarrer des Ortes entschloß, sie zur

Ruhe zu bringen, habe er den Kantor vor der Kirchthüre mit der Weisung

stehen bleiben lassen, während seiner, des Pfarrers Abwesenheit in

der Kirche, ein Gebet zu verlesen. Als der Kantor aus Neugierde durch

ein Schlüsselloch sah, soll eine Stimme gerufen haben: »Es guckt!«

Nach Beendigung der Beschwörung trat der Pfarrer aus der Kirche und

verkündete dem Kantor, daß sie beide in dem Jahre sterben müßten.

Solches soll dann auch geschehen sein.

61. Die grüne Frau zwischen Altenberg und Zaunhaus.

(Gießler, Sächs. Volkssagen. Stolpen, S. 618.)

Auf der Straße zwischen Altenberg und Zaunhaus, in der Nähe des

Kahlenberges gesellt sich nach der Sage manchmal eine schweigsame,

dunkelgrün und nach längst vergessener Mode gekleidete Frau zu

dem Wanderer, geht neben ihm her, ohne ihm Rede zu stehen, biegt

auch wohl auf einen sonst nicht sehr betretenen Waldweg ein und

verschwindet daselbst. Dieselbe zeigte sich zumeist nach Eintritt

der Abenddämmerung, seltener des Nachts, ist aber auch schon

im Morgengrauen bemerkt worden. Ein Mann erzählte, daß er in

seiner Jugend, als er am frühesten Morgen der verbotenen Lust des

Vogelstellens in der Nähe von »Paradies-Fundgrube« am Kahlenberge

nachgehen wollte, einer lustwandelnden Dame begegnete, die er höflich

begrüßte und anredete, da er selbige für die alte Schwester des

damaligen Bergmeisters hielt. Der junge Mann erhielt keine Antwort; die

Frau ging an ihm vorbei, in einen Waldweg hinein und verschwand dort

vor seinen Augen.

Diese Sage könnte vielleicht besser unter den Dämonensagen stehen,

da die grüngekleidete Frau an Holzweibchen erinnert, welche im

Vogtlande grün erscheinen. Ebenso erzählen Tyroler Sagen von den

grüngekleideten Norgen oder Wildmänneln, die zu den Pflanzendämonen

gehören und mit denen auch die grünen, in Menschengröße erscheinenden

Männchen der Burgundischen und Schweizer Sage, welche die Leute im

Walde irre führen, verwandt sind.

Grün ist auch die Farbe des Teufels. Auf dem Blocksberge erschien der

Teufel grün und ebenso waren auch die Hexen bei ihren Tänzen in Grün

gekleidet. (Österreich. Touristenzeitung, I. No. 5.)

62. Das Fräulein auf der Mulde bei Klösterlein Zelle.

(Nach einer Mitteilung von L. Fischer aus Aue.)

Vor langer Zeit war auf dem Rittergute Klösterlein bei Aue ein Fräulein

gestorben, welches nach seinem Tode des Nachts auf der Mulde dahin

schweben sollte. Da geschah es, daß zwei Bergleute einst eines Sonntags

in einer schönen Sommernacht von Schlema nach Zelle gingen, um daselbst

Musik zu machen. Ihr Weg führte sie über die sogenannte Ochsenwiese und

den Klostersteg. Als sie an die Ochsenwiese kamen, setzten sie sich

nieder, um ein wenig auszuruhen; dabei kamen sie auf den Gedanken,

dem Fräulein ein Morgenständchen zu bringen, und als sie eine Weile

geblasen hatten, näherte sich ihnen das in einen Schleier gehüllte

Fräulein und warf jedem ein Sträußchen in den Schoß. Der eine von

ihnen steckte dasselbe in eine Tasche seines Kittels, der andere aber

warf es weg. Als am nächsten Morgen derjenige, welcher sein Sträußchen

eingesteckt hatte, den Kittel wieder anziehen wollte, kam ihm derselbe

so schwer vor, und da er in die Tasche griff, um nachzusehen, zog er

sein Sträußchen heraus, welches sich in pures Gold verwandelt hatte.

Voll Freude teilte er dies seinem Kameraden mit. Da nun derselbe

eilends nach der Ochsenwiese lief, um das andere Sträußchen zu suchen,

konnte er es nirgends finden und er mußte unverrichteter Sache wieder

nach Hause zurückkehren.

Ähnlich ist die Sage von den Musikanten aus Kleingölitz, welche des

Nachts am alten Schlosse vorbeigehen und dem alten Grafen, welcher

in der Burg umgeht, ein Ständchen bringen. Jeder von ihnen erhält

ein grünes Buchenreis, welches jedoch nur einer behält; am andern

Morgen sieht er, daß es vom reinsten Golde ist. (Witzschel, Sagen aus

Thüringen, No. 193.)

63. Gespenstische Frauen in Eibenstock.

(Mündlich.)

Wenn man in Eibenstock in der Johannisnacht um 12 Uhr um eine

gewisse Straßenecke geht, so sieht man eine weiße Frau mit einem

weißen Tragkorbe. Redet man dieselbe furchtlos an, so wird man von

ihr beschenkt. -- Auf dem alten Gottesacker befindet sich eine

Begräbnishalle, in welcher oft des Nachts eine Frau mit einem Kindlein

auf dem Arme gesehen wurde, die heftig weinte. Welche Bewandnis es mit

dieser Frau hat, kann niemand sagen.

64. Die alte Frau in der Isenburg.

(Mündlich.)

In dem jetzigen Mehlhornschen Gute neben der Pfarre in Wildbach diente

vor Jahren ein Mädchen, welches draußen bei der damals noch besser

erhaltenen Isenburg die Kühe hüten mußte. Zu diesem Mädchen kam eines

Vormittags eine alte Frau, welche von ihm verlangte, es solle mit ihr

gehen. Sie führte dasselbe hierauf zwischen das zerfallene Gemäuer

der Burg und hier in ein bis dahin verborgen gewesenes Zimmer, dessen

Thür sie wieder zuschloß. Dann verlangte sie, das Mädchen solle ihr

das Zimmer kehren. Als solches geschehen war, gab sie ihm zum Lohne 2

Groschen. Dies wiederholte sich vielmals; jedesmal, wenn das Mädchen

das Wohnzimmer der Frau ausgekehrt hatte, erhielt es 2 Groschen. Da

geschah es, daß das Mädchen einmal zum Jahrmarkte nach Schneeberg ging.

In der Abwesenheit öffnete die Bäuerin, welche bereits längst gemerkt

hatte, wie ihre Dienstmagd mehr Geld besaß, als sie zum Lohne erhielt,

deren Lade und fand darin eine große Menge Zweigroschenstücke. Als

nun das Mädchen am Abend wieder heim kam, erzählte es auf dringendes

Befragen die Geschichte, wie es zu dem vielen Gelde gekommen war. Von

dieser Zeit an ist ihm jedoch die alte Frau von der Isenburg nie wieder

erschienen.

65. Das Fegeweib vom Katzenstein.

(Poetisch von Freih. v. Biedermann. Eine Sängerjugend. 1847, S. 27.

Darnach Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 452.)

In der letzten Zeit des Mittelalters lebte ein wilder Raubritter auf

einer Burg, die auf dem Katzensteine an der schwarzen Pockau bei

Pobershau gelegen war, und machte die ganze Umgegend durch seine

Unthaten unsicher. Da beschlossen denn die in der nächsten Umgebung

ansässigen Ritter diesem Treiben ein Ende zu machen, sie rückten also

vor die Burg, umschlossen sie aufs Engste und fingen an, sie aus

Kartaunen und Feldschlangen zu beschießen. Allein alle Kugeln fielen,

sowie sie die Mauern trafen, kraftlos und unschädlich nieder, denn

auf der Mauer stand die alte Amme des Ritters, welche mit dem Teufel

im Bunde war, hatte einen Besen in der Hand und fegte mit demselben

die fliegenden Kugeln aus der Luft weg; sie selbst natürlich traf

keine derselben, ebenso wenig wie irgend jemanden im Schlosse. Schon

wollten die Belagerer schier verzweifeln, da trat der Burgkaplan

eines der Ritter auf und sprach, er wolle die Kugeln segnen, denn er

wisse einen Spruch, dem nichts widerstehen könne. Wie gedacht, so

geschehen, er that es; die erste Kugel, die man abschoß, schmetterte

die Hexe zu Boden, die zweite riß ein großes Loch in die Mauer und

nicht lange dauerte es, so war die feste Burg so zerschossen, daß die

Mannschaft auf Gnade und Ungnade sich ergeben mußte. Der böse Ritter

ward hingerichtet und seine Burg der Erde gleich gemacht; noch heute

aber soll man um Mitternacht bei Mondschein die gespenstige Amme die

Trümmerhaufen fegen sehen.

66. Das Gespenst auf der Superintendentur zu Glauchau.

(A. Flader, Wiesenthälisches Ehrengedächtnis, 1719. S. 110. Darnach bei

Gräße, Sagenschatz d. K. S., No. 463.)

Im Jahre 1675 im Monat Oktober hat sich auf der Superintendentur zu

Glauchau ein Gespenst sehen lassen, welches einen weißen Trauerhabit

anhatte und sich für eine von Adel ausgab, so bei dem zu Glauchau

früher befindlichen Nonnenkloster die Stelle einer Äbtissin vertreten

habe. Das erste Mal ist dieses Gespenst, welches man später nur die

weiße Frau genannt hat, einer hier dienenden Nähterin aus Leipzig,

namens Marie Sabine Demantin erschienen, ist vor das Bett, in welchem

sie mit der Kindermagd lag, getreten, hat geächzt und geseufzt, dann

hat es die silbernen Eßlöffel, welche in einem Körbchen gelegen,

gezählt und, da ihrer nur elf gewesen, gesagt: »Ei, des Herrn Löffel

fehlt!« was auch der Fall gewesen. Hierauf hat es des Superintendenten

langen Mantel und die mit Pelz gefütterte Schaube seiner Frau, welche

an der Wand gehangen, heruntergenommen, den Mantel und die Schaube oben

darauf umgenommen und ist so in der Stube herumspaziert, als aber das

Kindermädchen darüber gelacht und gesagt: »Was macht denn der Narr!«

ist es ihr schlecht bekommen, denn sie hat augenblicklich im Munde

und Gesicht heiße Blasen bekommen und deshalb 14 Tage das Bett hüten

müssen. So oft aber, als das Gespenst erschienen, hat es einen hellen

Glanz und Schimmer um sich verbreitet, daß man einen Pfennig auf der

Erde erkennen konnte. So haben denn zwei Männer, G. C. Müller und A.

Flader, sich, nachdem die beiden Mädchen aus der Kammer weggebettet

worden waren, in dieselbe niedergelegt, um das Gespenst abzulauern,

es ist aber nicht von ihnen wahrgenommen worden, sondern hat sich nur

durch Geräusch kundgegeben, hat auch mit einem schweren Steine in die

Kammer geworfen, daß darüber alles erschüttert worden ist; darauf ist

es in den Stall gegangen, und hat daselbst einer alten Ziege den Hals

umgedreht, auch in dem Hühnerhause gegenüber eine Henne erdrückt. Seit

dieser Zeit ist das Gespenst fast alle Nächte zu der Nähterin gekommen

und hat sich mit traurigen Geberden vor ihr Bett gestellt, auch öfters

bitterlich geweint, da denn die herabfallenden Thränen wie weiße Milch

ausgesehen, welche das Gespenst mit einem schönen weißen Schnupftuch

abgewischt hat. Ob nun gleich der Superintendent dem Mädchen verboten,

sich mit dem Gespenste in ein Gespräch einzulassen, hat sie es doch

nicht lassen können, sondern gefragt, was es denn wolle, worauf es mit

einer ganz ungewöhnlichen Stimme geantwortet, sie solle mit ihm gehen

und einen Schatz heben, der gehöre zwar dem Superintendenten, allein

sie solle davon allen im Hause soviel bringen, daß sie alle genug

hätten.

Nun hat das Gespenst sein Begehren alle Nächte wiederholt, endlich

ist die Nähterin mitgegangen, und wie sie durch des Superintendenten

Studierstube gehen und zwei angezündete Unschlittlichter in den Händen

haben, thut sich auf einmal die Thüre auf den Saal hinaus von selbst

auf, worauf ihr ein ziemlicher Haufe von schwarzgekleideten Mönchen

entgegenkommt, unter welchen ein sehr langer war, der sich nach ihr

hinneigte und beide Lichter ausblies, daher sie seufzte: Ach Jesus!

Aber diese Worte zogen einen solchen Tumult nach sich, daß es schien,

es wolle alles zu Grund und Boden gehen. Hierauf ist sie vor Schreck

davon gelaufen, hat sich aber verirrt und ist in das Schlafgemach des

Superintendenten gekommen, der von dem Lärm aufgewacht war und gemeint

hatte, es sei ein großer Stein in seine Studierstube geworfen worden.

Als er aber die Nähterin erblickt, hat er ihr zugerufen zu beten, und

selbst angefangen zu singen; das Mädchen aber hat gesehen, wie die

ganze Kammer nach und nach durch das Absingen der geistlichen Lieder

von den schwarzen Mönchen, mit denen sie angefüllt war, leer ward. In

der nächsten Nacht ist das Gespenst zu der Nähterin, die mittlerweile

krank geworden war, wiedergekommen und hat gesagt, sie hätte sich nicht

fürchten sollen, denn die schwarzen Männer würden ihr nichts gethan

haben, der Schatz stehe schon außen und bestehe aus Kirchenkleinodien,

welche vor etlichen 100 Jahren dorthin gebracht worden seien, sie möge

nur nachsuchen lassen, so würden sich gewiß Vorzeichen finden. Als man

nun nachgesucht, haben sich verschiedene Gefäße von Zinn und etliche

Lampen von Thon gefunden, welche noch so neu und weiß waren, als wenn

sie erst gestern hineingelegt worden wären. Unter der Grundmauer hat

man auch ein mit Ziegelsteinen ausgemauertes Behältnis und am Ende

desselben starke Pfosten von Eichenholz und nach denselben schöne

Schiefertafeln gefunden, mit welchen das Behältnis oder die Kästen

zu den Kleinodien bedeckt gewesen waren, die letzteren sind aber

nicht mehr zu sehen gewesen, sondern waren, wie man meinte, verrückt

worden. Aber über den Ziegeln hat ein großer Ziegelstein, ein Quadrat,

gelegen, auf welchem ein Crucifix ganz kenntlich geprägt gewesen ist.

Während dem hat sich auch das Gespenst sehen lassen und außen an der

Mauer über der Erde ist ein ziemliches Getöse bemerkt worden, wie wenn

Bergleute da arbeiten und etwas bewältigen wollten, allein als man

zum Fenster hinabgesehen, hat man nicht das Geringste wahrgenommen.

Während des Grabens hat man auch etliche Totenknochen gefunden, welche

vermutlich Reliquien von diesem und jenem Heiligen gewesen, so zu

diesem Schatz gelegt worden, daß er sich nicht verrücken möchte. Es

hat auch das Gespenst bei dem Ausfüllen des gemachten Loches nicht

wenig Widerwillen, zum Teil auch Spötterei sehen lassen, denn nachdem

man lange Bratspieße genommen und an dem Orte, wo die Ziegelsteine

herausgegangen waren, herabwärts in den Erdboden gefühlt, ob sich

etwa die Kästen gesenkt, hat es bei der Nacht auch einen Bratspieß

mitgebracht und hin und wieder in der Kammer mit solchem gegen den

Boden gefühlt. Da man nun wirklich anfing, den Berg wieder einzufüllen,

hat es nicht allein mit Ziegeln und Steinen um sich geworfen, daß die

Arbeitenden davon liefen, sondern es hat auch in der folgenden Nacht

die Betten des Frauenvolks mit Schutt und Erde bestreut, daß darüber

etlichen, zumal den Mägden, der Mund mit Erde angefüllt ward, den sie

im Schlafen offen gehalten.

Sagenbuch des Erzgebirges · 第 7 / 62 段