704. Die unterirdische Verbindung des Schlosses Wildenfels

mit benachbarten Schlössern.

705. Der Judenborn zu Sayda.

706. Der Mühlengrabenstollen bei Schloß Scharfenstein.

707. Des Keglers Pflaster in Schneeberg.

708. Die übermütige Rede eines Schneebergers wird bestraft.

709. 1500 Gulden geben einen silbernen Löffel und einen kupfernen

Fischkessel.

710. Üppiges Leben in den Bergstädten wird mit Verarmung bestraft.

711. Eine Vogelbirne wird um 1500 Gulden verkauft.

712. Billig verkaufte Häuser in Schneeberg.

713. Historia, wie Silbererz im Holz gewachsen.

714. Reiche Ausbeute zu Mildenau.

715. Kostbarer Sand zum Häuserbau in Schneeberg.

716. Weshalb keine Hoffnung auf ergiebigen Bergbau da war.

717. Silberhaltige Schlacken werden von der Mulde fortgeführt.

718. Untergang der Höckendorfer Silberbergwerke.

719. Die Grabmäler der Ritter von Theler.

720. Vom früheren Bergbau in Niklasberg und Böhmisch-Moldau.

721. Das verschwundene Bergwerk im Theesenwalde.

722. Wie der Zwickauische Kohlenberg brennend wurde.

723. Ein kaiserliches Regiment versinkt bei Freiberg durch einen

Erdfall.

724. Von riesigen Schlangen im Erzgebirge.

725. Die Freiberger Bauernhasen.

726. Ursprung der ehemaligen Privilegien von Schöneck.

727. Das Märktlein Markersbach.

728. Die Räuberherberge im Hoyer bei Schneeberg.

729. Wittichs Schloß bei Glashütte.

730. Die dürre Bretmühle im Pöbelthale.

731. Der schwarze Teich auf Henneberg u. der Teufelsstein

bei Johanngeorgenstadt.

732. Das Schloß auf dem Hohen Steine.

733. Das Raubschloß auf dem Lautersteine bei Zöblitz.

734. Das Raubschloß Sommerstein.

735. Das Raubschloß auf dem Greifensteine.

736. Die Räuber auf Schloß Frauenstein.

737. Schloß Hauenstein.

738. Burg Neustein bei Görkau.

739. Das alte Schloß Mulda.

740. Tauben verraten das Schloß Schönfels.

741. Schön-Guta von Hassenstein.

742. Die heldenmütige Herrin des Schlosses Hartenberg.

743. Ein Beispiel von Vaterlandsliebe.

744. Der Hauptmann Gecko von Lauenstein.

745. Der treue Haberberger von Freiberg.

746. Ein Freiberger Bürger rettet Markgraf Friedrich dem

Freidigen das Leben.

747. Der Ritter von Bärenstein und der Löwe.

748. Ein Ritter von Schönberg wird von den Hussiten gejagt.

749. Hertha von der Planitz rettet die Kirche zu Öderan.

750. Die Zerstörung des Klösterleins »alte Zelle« bei Nossen.

751. Herzog Albrecht hält auf einer Silberstufe Tafel.

752. Der Kretscham und Fürstenbrunnen bei Neudorf an der Sehma.

753. Die Prinzenkleider in der Kirche zu Ebersdorf.

754. Von der Erbauung der Muldenbrücke zu Nossen.

755. Kunigunde Mathesius von Öderan.

756. Maximilian II. im Tharander Walde in Lebensgefahr.

757. Die Söhne des Ritters Conrad von Theler.

758. Der treue Rat von Freiberg.

759. Die Erfindung des Spitzenklöppelns.

760. Cristoph Schürer.

761. ~Dr.~ Luther vergilt einem Bergmanne zu Altenberg Böses mit

Gutem.

762. Die vierzehn Nothelfer bei Gottleuba.

763. Harras der kühne Springer.

764. Der Trompeterfelsen bei Seifersdorf.

765. Der Kärrner zu Stollberg.

766. Die lange Schicht zu Ehrenfriedersdorf.

767. Die Brautgabe aus der Kirche zu den vierzehn Nothelfern bei

Reichstädt.

768. Das steinerne Herz im Schwarzwasser.

769. Wie Meerane ehemals in üblem Rufe gestanden hat.

770. Die Entdeckung der Topase des Schneckensteins.

771. Das Paradies zu Zwickau.

772. Der Leichnam des Grafen Joachim Andreas Schlick.

773. Wie Bernsbach seine Waldungen verlor.

774. Aus welchem Grunde der Pfarrherr zu Reinsdorf Getreidezins

erhielt.

775. Warum in Zwickau kein Kürschner zum Ratstand gezogen wurde.

776. Ein altes Recht der Töpfer von Dippoldiswalde.

777. Warum die Griesbacher Gemeinde keinen eigenen Pfarrer hat.

778. Wie das Schnorr'sche Chor in der St. Wolfgangskirche zu

Schneeberg eine Thür von außen erhielt.

779. Der erste Klöppel in Annaberg.

780. Das Geschwistergrab in der Kirche zu Annaberg.

781. Das Blutopfer des Baumeisters der Kirche zu St. Jacob in

Chemnitz.

782. Die Zipperleinkur in Annaberg.

783. Der Blutfleck auf dem Pfarrhofe zu Elterlein.

784. Die Bäuerin in Frohnau.

785. Die beiden Brüder zu Frohnau.

786. Das Mönchskalb zu Freiberg.

787. Die Abschiedstanne zwischen Mitweida und Gottesgab.

788. Die Fichte auf dem Gottesacker zu Annaberg.

789. Die drei Eichen im Gründel bei Glauchau.

790. Woher der Name Preiselbeere stammt.

791. Was der Name Wismut bedeutet.

792. Woher die alte Bezeichnung »Schnieber« für Groschen stammt.

793. Redensarten.

~a.~ Zwickau gehört zum Vogtlande.

~b.~ Der Kas is och darnoch.

~c.~ Kein Hammerschmied stirbt, sondern er kommt von der Welt,

man weiß nicht wie?

~d.~ Man kann die sächsischen Eisenhämmer so wenig aufhalten,

als die schwedischen Truppen.

~e.~ Vom Silbergehalt unscheinbarer Steine.

~f.~ Fägel schweiget seine Gäste.

~g.~ Toffel, das gilt dir auch mit.

~h.~ Der Narr ist aus dem Häusel gekommen.

~i.~ Die Schlimmen von Öderan.

~k.~ Je, daß dich der Bär herze.

~l.~ Vom früheren Wohlleben in den Bergstädten.

~m.~ Redensarten Herzog Georgs.

~n.~ Weshalb man die Gottesgaber scherzweise »die Wölfe« nennt?

~o.~ Anhang. Sprichwörter und Rätsel.

794. Wie es kam, daß die Böhmisch-Wiesenthaler Kirche auf ihrem

jetzigen Platze erbaut wurde.

795. Von der Klugheit der Hauptmannsgrüner.

796. Wie die Ebelsbrunner den Mond fangen wollten.

797. Eine Eigentümlichkeit des Schlosses Augustusburg.

798. Sprüche von der Stadt Freiberg.

799. Das Todaustreiben.

800. Der Totenteich bei Tharand.

801. Altes Fastnachtsspiel der Bergleute.

802. Der Streittag der Freiberger Bergleute.

803. Der Schwerttanz der Tuchknappen in Chemnitz.

804. Strafe für zänkische Weiber.

805. Strafe für liederliche Weibspersonen.

806. Wie das Lehen gereicht wurde.

807. Gebrauch bei einer zweiten Verheiratung.

808. Das Bärenprivileg für Lößnitz.

Anhang.

809. Der Wegzug der Zwerge.

810. Der gespenstische Hund bei Unterscheibe.

811. Der Schmiedmönch von Thierfeld.

812. Warum einer von den Eingängen in die St. Wolfgangskirche

zu Schneeberg zugemauert wurde.

813. Die Befreiung der geraubten Prinzen Albert und Ernst.

814. Der Berggeist erscheint in Roßgestalt. (Zu No. 159.)

815. Eines Schmieds Tochter in Platten ist vom Teufel besessen.

(Zu No. 239.)

816. Das Gespenst in der Katzenmühle bei Buchholz. (Zu No. 247.)

817. Der Geldkeller auf dem Greifensteine. (Zu No. 284.)

818. Gottesspeise bei Zwickau. (Zu No. 435.)

819. Die Berggeister des Greifensteins beschenken einen

Wandersmann. (Zu No. 537.)

I.

Göttersagen.

Von den Höhen des Erzgebirge dehnte sich nordwärts bis in die Gegenden

von Chemnitz, Mittweida, Freiberg und Tharand der Miriquidi d. h.

Schwarzwald aus, ein Stück des alten Germanien, welches Tacitus als ein

Land voll grauser Waldungen oder abscheulicher Sümpfe bezeichnet. Auf

den dichtbewaldeten Höhen und in den düsteren Thälern des Miriquidi

wurde in jener Zeit die tiefe Stille nur von dem Geheul des Sturmes,

dem Rauschen der Gewässer, dem Geprassel der zusammenstürzenden

Riesenstämme, auf deren vermodernden Leibern wieder eine junge

Vegetation emporwucherte, und dem Geschrei der Vögel und des

zahlreichen Wildes unterbrochen; der Mensch hielt sich noch von dem

unwirtlichen Gebirge fern, da er an seinem Fuße im Nord und Süd Raum

genug für seine einsamen Wohnungen fand. Von der nördlichen Grenze

an, ausgebreitet zwischen Saale und Elbe, waren die Hermunduren, im

jetzigen Böhmen die Markomannen und in den südwestlich gelegenen Gauen,

im nordöstlichen Baiern und im Vogtlande, die Varisker seßhaft. Da,

wahrscheinlich schon am Anfange, besonders aber im letzten Viertel des

4. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung, begann die Erschütterung, das

Drängen und Vorrücken der Völker. Die slavischen Stämme rückten von

Osten her vor. Zwischen 454 und 495 drangen die Czechen in Böhmen ein

und ungefähr zu gleicher Zeit kamen aus der Weichsel- und Odergegend

die Milczener, Lusitzer, Lutitzier, Obotriten und Sorben bis in die

später sächsischen, mecklen- und brandenburgischen Länder. Von diesen

rückten die Sorben oder Serben, deren Name sie ganz besonders als

ackerbautreibendes Volk bezeichnet, in das spätere Meißnische, und

da 531 von den Franken und Sachsen das mächtige Reich der Thüringer

vernichtet wurde, westwärts bis zur Saale vor. Die Sorben waren demnach

die unmittelbar nördlichen Nachbarn des alten Miriquidi, und sie

gründeten sehr bald in den fruchtbaren Niederungen und Thälern Orte und

bebaueten das Land. Aber noch wurde dieses Volk von der Ansiedelung

auf den rauhen unwirtlichen Waldhöhen abgeschreckt, bis endlich nach

den langen Vernichtungskämpfen der mächtigen deutschen Kaiser im 9.

Jahrhunderte, denen die Erbauung der Burg Meißen (928 oder 929) folgte,

und ganz besonders als unter Otto I. die Grafen Hermann Billung und

Gero glücklich die letzte Erhebung an der niedern Elbe und in den

Lausitzen niedergeschlagen, die Macht der Slaven völlig gebrochen war.

Der Tributpflichtigkeit zu entgehen, festhaltend an dem Glauben ihrer

Väter, erfüllt mit tiefem Haß gegen die christliche Geistlichkeit,

welche von ihren Einkünften an Getreide und Vieh, Leinwand, Honig

und Wachs den zehnten Teil forderte, zogen sich nun nach den für

ihr Volk unglücklichen Kämpfen zahlreiche sorbische Familien in das

unfreundliche und von wilden Tieren bevölkerte, aber ihnen doch

Freiheit und Sicherheit gegen ihre Besieger verheißende Erzgebirge

zurück, und so wurden bereits gegen Ende des 10. Jahrhunderts von

diesen slavischen Einwanderern daselbst einzelne feste Niederlassungen

gegründet. Immer höher stiegen sie, vorzugsweise wohl in den Thälern

und so dem Laufe der Gewässer entgegen, auf der nordwestlichen Senkung

des Gebirges bis ungefähr zur Linie Eibenstock-Schlettau-Zöblitz-Sayda

auf. Erst vom 12. Jahrhundert an, da das Gebirge durch die Entdeckung

reicher Silbererze zum Erzgebirge wurde, drangen auch die Deutschen

zahlreicher vor, gründeten Städte und Dörfer, und das germanische

Element verschlang sehr bald die slavischen Reste, wo sich dieselben

bis dahin noch in einiger Selbständigkeit erhalten hatten. Wohl erhielt

sich noch, wenigstem am Fuße des eigentlichen Gebirges, ihre Sprache,

denn im Jahre 1327 wurde der Gebrauch derselben bei den Zwickauer

Gerichten und in Meißen sogar erst 1424 verboten (Rich. Andree,

Wendische Wanderstudien, S. 143.); jedoch auch in den höher gelegenen

slavischen Ansiedelungen wird die Muttersprache nach Berührung mit den

später vorgedrungenen Deutschen nicht sobald erloschen sein, da viele

slavische Worte, die selbst in der Gegenwart nicht verschwunden sind,

von den Deutschen festgehalten wurden.

Wenn wir nun vom Erzgebirge übereinstimmend mit dem Vogtlande und

der Lausitz wissen, daß sich germanische und slavische Bewohner in

die Kultur des Bodens teilten, daß demnach von beiden Volksstämmen

mythische Sagen in das Gebirge verpflanzt und im Laufe der Jahrhunderte

von den nachfolgenden Generationen, wenn auch vielfach umgewandelt,

festgehalten wurden, so mögen doch die verhältnismäßig spät und nur

sporadisch gegründeten Niederlassungen eine Ursache davon sein, daß

wir solche Sagen, denen eine naturreligiöse Bedeutung innewohnt,

in unserm Gebirge sparsamer, als in den vorhingenannten Provinzen

mit dem Volksleben verwachsen finden. Besonders sparsam sind die

eigentlichen Göttersagen, welche uns heidnische Gottheiten mit ihren

Namen vorführen, oder welche früher geheiligte Plätze durch die

ihnen innewohnende Poesie gleichsam erklären. Wo uns einige deutsche

Göttergestalten entgegentreten, da sind dieselben jedenfalls durch

spätere Einwanderer in unser Gebirge verpflanzt und möglicher Weise

infolge zufälliger Ähnlichkeiten der neuen Niederlassungen mit Orten

der verlassenen Heimat auf erstere übertragen worden. Dies gilt

zunächst von den Ueberlieferungen, welche im Erzgebirge einen Götzen

Crodo verehrt sein lassen. In Bothes 1492 erschienener »Kroneka der

Sachsen« tritt zuerst die Nachricht auf, daß man bei Goslar auf

der Harzburg das Bild eines alten Götzen, mit Namen Crodo, der als

Krankenhelfer galt, verehrt habe, jedoch wurde später nachgewiesen,

daß diese Nachricht eine erfundene ist, daß es also einen Sachsengott,

der diesen Namen führte, nicht gegeben hat. Immer aber ist hierbei

erwähnenswert, daß eine unserer Volkssagen einen Platz, an welchem

der »Krankenhelfer« verehrt wurde, in die Nähe von Meerane verlegt,

von wo aus früher bis zum Anfange dieses Jahrhunderts die sogenannten

»fahrenden Ärzte« ihre jährlichen, oft sehr weiten Reisen unternahmen.

Bergleute deutscher Abkunft aus dem Harze waren ja, wenn wir von dem

einige Jahrhunderte früheren Eisenbergbau und den hüttenmännischen

Arbeiten der Slaven auf der südlichen und nördlichen Abdachung des

Gebirges absehen (K. Schurig, Beiträge zur Geschichte des Bergbaues im

sächs. Vogtlande, Plauen 1875, S. 2), die ersten, welche im Erzgebirge

Bergwerke auf edle Erze anlegten und z. B. 1171 nach Mollers Chronik

von Freiberg die Gründung dieser Stadt veranlaßten. Liegt es da nicht

nahe anzunehmen, daß durch solche Bergleute und andere deutsche

Einwanderer aus Baiern und der Oberpfalz auch germanische Göttersagen

neben anderen Überlieferungen in die neue Heimat verpflanzt wurden, in

welche ja von ihnen, wie M. Körner in seinen Bockauischen Nachrichten

(1758, S. 278 und 279) nachweist, auch die Benennungen von Bergen

und Ortschaften, sowie von kleinen Gewässern aus der alten Heimat

übertragen wurden?

Weiter verweist die Sage vom Herdabilde bei Zwickau ganz deutlich auf

die Ueberlieferung von der mütterlichen Gottheit der Erde Nerthus

(Herda, altnord. Jördh), welche, nachdem sie in ihrem von Kühen

gezogenen Wagen im Lande umhergeführt worden war und frohe Tage

und Frieden gebracht hatte, in dem heiligen See auf Rügen gebadet

wurde. (Grimm, deutsche Myth. 1835, S. 155. Mannhardt, die Götter der

deutschen und nord. Völker, 1860, S. 316.)

Anders ist es mit zwei slavischen Göttern, welche im erzgebirgischen

Sagenkreise auftreten, dem Triglav und Ladon. Triglav oder Triglas, ein

Hauptgott oder vielmehr eine Göttertrias der Wenden, welche in Stettin

einen der vornehmsten Tempel hatte, wurde als eine Person mit 3 Köpfen

dargestellt. Bei den Wenden auf Rügen waren in ihr die drei Gottheiten

Swantowit, Radegast und Prowe vereinigt, und daß auch die Slaven an

der Mittelelbe, Mulde und Saale eine göttliche Trias gehabt haben

mögen, ist deshalb anzunehmen, weil die slavischen Völkerschaften in

den Hauptlehren ihrer Religion größtenteils übereinstimmten. (Liebusch,

Skythika, 1833, S. 198 und 205.) Unterstützt wird diese Annahme durch

folgende Mitteilung des Albinus (Meißnische Land- und Bergchronik, S.

184 und 149): »Man hat im Lande zu Meisen auch, wie ich berichtet bin,

an etlichen Orten alte Bilder in Stein gehauen mit dreyen Angesichten

gefunden. Vnd ist sonderlich zu Grimma auff der Brücken eines

dergleichen zu sehen gewesen, daran drey Angesicht vnter einem Hütlein.

Dannen her denn zu achten, daß die Sorben diesen Abgott (den Triglas),

wie ihre Nachbarn auch geehret«.

Ladon wird in unserer Sage ein Kriegsgott genannt. Nach Liebusch

(Skythika, S. 155) war Ladon ursprünglich der Mondgott und hieß

wahrscheinlich als Mondgöttin Lada; dieselbe war in ihrer Funktion

der russischen Led und der polnischen Leda ähnlich, weshalb man sie

mit dem Mars verglich; als Mondgöttin war sie zugleich Todesgöttin im

Kriegskampfe. -- Noch mag erwähnt werden, daß sich auch nach Vernaleken

eine Erinnerung an den Perun, die slavische Gewittergottheit, in

Eisenberg auf dem böhmischen Abfalle des Erzgebirges erhalten hat.

Ebenso sparsam wie die Überlieferungen von heidnischen Göttern

sind diejenigen von Opferplätzen. Der Volksmund nennt bei uns nur

wenige Haine, welche wir als einst geheiligte Orte ansehen könnten;

aber weiter liegt die Vermutung sehr nahe, daß der Taufstein bei

Oberkrinitz, welcher mit seinen Vertiefungen den zahlreichen

Opfersteinen im Fichtelgebirge und der Lausitz ungemein ähnlich ist,

ebenfalls in der heidnischen Vorzeit zu gottesdienstlichen Handlungen

bestimmt war. Nach ~Dr.~ Kalina Ritter von Jäthenstein war auch der

Berg, welcher heute die Ruinen der Burg Hassenstein bei Sonnenberg

trägt, einst ein heidnischer Opferplatz, da innerhalb des Schloßhofes

daselbst Asche, Kohlen, Knochen und Urnenreste nicht selten gefunden

wurden. (Erzgebirgszeitung, 4. Jahrg., 1. Heft, S. 19.) Endlich

mögen noch aus der Gegend des Bergstädtchens Graupen der Rosen- und

Geiersberg als alte Kultusstätten genannt werden. Wenn nun auch Albinus

in seiner Meißnischen Bergchronik (S. 98) bei dem Jahre 932 schreibt:

»Die Sorben sind endlich durch die christliche Religion so weit

gebracht, das sie sich ihrer barbarischen gewohnheit des stehlens und

raubens geschemet«, so teilt doch wieder Christian Knauth in seiner

Sorbenwendischen Kirchengeschichte (S. 145) mit, daß der Bischof Bruno

II. von Meißen den St. Petridom in Bautzen an Stelle einer älteren

Kirche im Jahre 1213 ausdrücklich zu dem Zwecke gegründet habe, um

die Sorben der Lausitz und Meißens zum Christentume zu bekehren; denn

dieselben »steckten annoch in großer geistlicher Finsternis, führten

wohl den christlichen Namen, hatten aber keine oder wenige Erkenntnis

vom Christentum; hingegen waren sie mit heidnischen Irrtümern behaftet,

lebten heidnisch, und einige mochten auch wohl hin und wieder im

Verborgenen, in Wäldern und Heiden, ihre heidnischen Greuel treiben.«

Diese Stelle wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf die im

Erzgebirge zerstreut lebenden Sorben angewendet werden können; denn

es ist wohl anzunehmen, daß dieselben bei ihrer Abgeschiedenheit in

dem einst fast undurchdringlichen Miriquidi noch längere Zeit ihre

Gottheiten verehrten. Obschon die zuerst von M. Körner ausgesprochene

Meinung, daß in dem Thale, in welchem sich jetzt das Dorf Bockau

hinzieht, einst ein slavischer Gott verehrt worden sei, der den Namen

des Ortes veranlaßte, hinfällig geworden ist, da man Bockau nicht als

»Gottesdorf« oder »Gotteshain,« sondern als »Buchholz« oder »Buchwald«

zu deuten hat, so weist doch dafür nach Immisch (Die slavischen

Ortsnamen im Erzgebirge, 1866) der Name des Dorfes Klaffenbach bei

Chemnitz, obschon er wie ein deutsches Wort klingt, in seiner Ableitung

von den slavischen Worten ~hlowa~ (oberlaus. wendisch), ~glawa~

(niederlaus. wendisch), ~hlawa~ (czechisch) = Haupt, Kopf und ~bòh~ =

Gott, also in seiner Deutung als »Hauptgott,« auf einen Platz hin, an

welchem ein slavischer Gott verehrt wurde. Die Geschichte erzählt auch,

daß im Jahre 892 der Bischof Arno von Würzburg auf der Klaffenbacher

Höhe, als er den daselbst zum Götzendienste zahlreich versammelten

Heiden das Christentum predigte und die Messe las, von letzteren

ermordet wurde (Immisch a. a. O.).

Endlich ist noch auf zwei Plätze hinzuweisen, welche offenbar zu

gottesdienstlichen Handlungen bestimmt waren; dabei mag es jedoch dahin

gestellt sein, ob hier slavischen Gottheiten geopfert wurde, oder ob

die Plätze vielleicht schon einer früheren germanischen Bevölkerung

zu Kultuszwecken gedient haben. Es sind zwei Steinkreise, von denen

der eine, auf dem Borberge bei Kirchberg, nur noch zu einem kleinen

Teile an der Westseite eines Granitplateaus vorhanden ist, während

der größere Teil im Jahre 1848 abgetragen wurde. Der andere Überrest

aus dem grauen Altertume ist ein Doppelsteinkreis auf dem Burgberge

zwischen Mulda und Lichtenberg. Beide Kreise lehnen sich hier an einen

steil abfallenden Porphyrfelsen, der in der Mitte zu einer felsigen

Kuppe aufragt, an, und wie auf dem Borberge liegt innerhalb der

Steinwälle ein in das Gestein gearbeiteter Brunnen, in welchem nach der

Volkssage das Wasser niemals verschwinden soll. Dieser Brunnen heißt an

beiden Örtlichkeiten »Jungfernbrunnen.« Es gleichen beide Steinkreise,

die einzigen, welche zur Zeit in dem Erzgebirge bekannt geworden sind,

denen in der Lausitz und in Böhmen, so daß wohl die Annahme, nach

welcher wir es an diesen Orten mit einst den Göttern geweihten Plätzen

zu thun haben, eine berechtigte ist. Wünschenswert wären Nachgrabungen

nach etwaiger Asche oder Kohlenresten.

1. Das Bild des Wendengottes Triglas in Zwickau.

(Tobias Schmidt, ~Chronica Cygnea~. Zwickau, 1656. S. 79 u. 360.)

In der Hauptkirche zu Zwickau ist des Triglas oder Triglaff Kopf

zweimal und außer der Kirche an einem Pfeiler noch einmal zu finden,

das eine Mal mit drei Bärten und die andern zweimal ohne Bart. An einem

Kopfe sind drei Gesichter mit Augen, Nasen und Mäulern. Andere halten

diese Bildnisse aber nicht für Köpfe des Götzen, sondern meinen, daß

man damit das Geheimnis der heiligen Dreifaltigkeit in einem göttlichen

Wesen habe andeuten wollen.

2. Der Slavengott Ladon.

(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 199.)

Der Schloßberg zu Teplitz trug einst eine starke Feste mit doppelten

Ringmauern, sowie sieben Türmen, welche jene zierten. Bereits im

achten Jahrhundert aber soll auf dem Berge ein Tempel des slavischen

Kriegsgottes Ladon gestanden haben.

3. Ursprung des Namens Crottendorf.

(Herm. Grimm, Das sächs. Erzgebirge, Dresden 1847, S. 204. Ziehnert,

Sachsens Volkssagen, Annaberg 1838--39. III. S. 201. Segnitz, Sagen,

Legenden etc., Meißen 1839--54. II. S. 73.)

Der Name des Dorfes Crottendorf würde richtiger »Crodendorf« zu

schreiben sein, da der Ort seinen Namen dem Götzen +Crodo+ verdankt,

welcher am östlichen hohen Gebirge, auf den Klippen der Wolfs- und

Liebensteine, lange nach Einführung des Christentums noch verehrt

worden ist. Denn als man im Orte eine Kirche bauen wollte, suchte dies

der Heidengott in Gestalt des Teufels zu verhindern. Er riß das am Tage

aufgeführte Mauerwerk in der Nacht wieder ein und das Bauholz schleppte

er weit bis an das andere Ende des Dorfs. Da ging einst ein frommer

Priester zu derselben Zeit vorüber, als die Bauleute eben beschäftigt

waren, den angerichteten Schaden wieder gut zu machen. Derselbe segnete

das sämtliche Holz und Baumaterial und nun mußte der Götze dasselbe in

Ruhe lassen, so daß der Bau bald vollendet werden konnte.

In der Einleitung ist bereits auf die unhistorische Gottheit Crodo

hingewiesen worden. Von späteren Schriftstellern wurde dieselbe

als ein Mann mit entblößtem Haupte, barfuß auf einer Säule stehend

und mit einem leinenen Schurze umgürtet, in der linken Hand ein

Rad, in der rechten einen Wassereimer haltend, dargestellt. Anders

bildet Großer in seinen Merkwürdigkeiten der Ober- und Niederlausitz

den Gott ab. Hier erscheint er als ein bekleideter Mann ohne

Kopfbedeckung; in der einen Hand trägt er einen Korb mit Früchten

(?), in der andern erhobenen ein Rad; er steht auf einem Fische,

welcher auf einer Säule liegt.

4. Der Crodensee in Eibenstock.

(Oettel, Hist. von Eibenstock. 1748, S. 5. Oesfeld, Historische

Beschreibung einiger merkwürdigen Städte im Erzgebirge. 2. Teil 1777,

Seite 51.)

Man hat behaupten wollen, daß die Harzländer, welche nach den Wenden in

die Gegend von Eibenstock gekommen, noch Heiden gewesen wären und den

Abgott Crodo verehrt hätten, davon auch der Croden- oder Crottensee,

der obere Stadtteil von Eibenstock seinen Namen haben soll.

5. Der Götze Crodo bei Meerane.

(H. Leopold, Chronik von Meerane, S. 9.)

Das Volk bezeichnet den Thalgrund bei Meerane, in welchem die Dörfer

Götzenthal, Crotenleide und Hainichen und Köthel liegen, als einen Ort,

wo der Götze Crodo verehrt wurde. Bei Crotenleide wurden auch einige

Altertümer, nämlich zwei steinerne Hämmer und unter uralten Eichen ein

Opfertisch, der jetzt im Wechselburger Parke steht, ausgegraben.

Als der obengenannte Opfertisch wird jene achtseitige, auf vier

steinernen Unterlagen ruhende Porphyrplatte, welche im Wechselburger

Parke der Eulenkluft gegenüber aufgestellt ist, bezeichnet. (S. C.

Ehrhardt, Ausflüge in das Sächs. Erzgebirge 1885, S. 40.)

Sagenbuch des Erzgebirges · 第 2 / 62 段