Und als habe das Bündelchen Leben verstanden, schwieg es.
Sorgsam bettete der Zar es in die Kissen.
Von Wiege ging er zu Wiege. Er fühlte sich reich wie nie zuvor, fühlte
den Beginn unendlicher Möglichkeiten in seiner Hand.
Wahrlich, Unfähigkeit sollte ihnen den Weg nicht verbauen. Der
Tüchtigkeit gehörte die Welt!
Eine Woche danach wurde in allen Gemeinden Rußlands bekanntgegeben, daß
es dem Zaren gefallen habe, das Recht der Erstgeburt aufzuheben, damit
die Eltern jenes ihrer Kinder in ihren Besitz einzusetzen vermöchten,
das nach seinen Fähigkeiten und Gaben am meisten geeignet sei, das
Bestehende zu erhalten und zu mehren.
* * * * *
Der Zarewitsch erhielt die Kunde von diesem Ukas zugleich mit der
Meldung vom Ableben seiner Gattin. Die eine wie die andere traf ihn
kaum. Er war seit langem auf beides gefaßt gewesen. Er reichte das
Manifest Euphrosyne:
»Mein Sohn hat es eilig,« meinte er gleichgültig, »kaum geboren, tritt
er schon mein Erbe an.«
Die Finnin knirschte zornig mit den Zähnen: »Du solltest dir ein
Beispiel daran nehmen.«
»Ich?« Er starrte sie verständnislos an: »Ich? Gegen meinen Vater?«
Sie packte ihn an den Schultern, rüttelte ihn rauh: »Begreifst du
nicht? Er oder du! Er oder du!«
Seine Augen weiteten sich in namenlosem Grauen, sein Mund öffnete sich
wie zu einer Erwiderung, doch die Kinnlade sank nur schlaff herab. Mit
einem ächzenden Gurgeln warf er die Arme um Euphrosynens Leib und barg
den Kopf in ihrem Schoße.