Nach einer Lithographie von Langlume]

Die Trauung in der Marienkirche war vorüber. Die Pröpstin hatte im

Gartensaal ihres Hauses eine kleine Tafel herrichten lassen. Daran

saßen neben dem Hochzeitspaare und den Zugehörigen des pröpstlichen

Hauses die Ehrengäste: die betagten Eltern des Gärtners, der Oberst

und der Major des schwedischen Regimentes, dem Kruse angehörte, und

einige Leutnants, die der Oberst von der Kirche her auf ihre Bitten hin

mitgebracht hatte. Die jungen wie die alten Herren hatten nur Augen

für die Braut, kaum daß des Bräutigams in den kurzen Trinksprüchen,

die seine Regimentsoberen hielten, gedacht wurde. Steif, mit einem

bösen, verbissenen Gesicht saß Johann Kruse wie angenagelt auf seinem

Stuhl. So oft Katharinens Wohl ausgebracht wurde, hob er den dicken

Glashumpen, der vor ihm stand, und leerte ihn mit einem Zuge. Je mehr

er trank, um so argwöhnischer belauerten seine runden, rollenden

Knopfaugen die ihm gegenübersitzende Katharina.

[Illustration: Graf Apraxin

Ein livländisch Herz: Katharina I. von Russland; geschichtlicher Roman · 第 31 / 98 题