Nach einer Lithographie von Langlume]

Sie stieß die Schultern mit einer abtuenden Bewegung hoch: was konnte

ihr geschehen? Ihr, nichts. Wohl aber dem, der in zwei Stunden ihr

Mann sein würde. Er sah schmuck aus in der Trompeteruniform. Schade,

daß er sie mit Unlust trug. Er meinte, ein junger Ehegatte habe andere

Pflichten, als sich in Gefahr zu begeben. Er hatte Angst, daß er seinen

Platz neben ihr allzubald würde verlassen müssen. – Sie nickte, während

sie ihre krausen, ruscheligen Haare langsam zu einem dicken Knoten

schlang: sie brauchte nicht zu sorgen, daß sie allein bleiben würde.

War es nicht der Johann Kruse, so war es ... Ihre Brust dehnte sich.

Sie beendete den Gedanken nicht, aber der feste, bestimmte Ausdruck

ihrer Züge zeigte, daß sie in ihrem Geiste Möglichkeiten erwog, die

weit über das Dasein einer behäbigen Gärtnersfrau hinausgingen. –

[Illustration: Fürst Alexander Menschikoff

Ein livländisch Herz: Katharina I. von Russland; geschichtlicher Roman · 第 30 / 98 题