Katharinas Hochzeitstag war gekommen. Glühend rot stieg sein Morgen
aus dem weißlichen Dunst, den die Nacht über den erntereifen Feldern
zurückgelassen hatte. Vor den ersten Strahlen der Sonne wich das
schwebende Wallen, wandelte sich in kühlen Tau, den die Erde durstig
einsog, und durch die schwindenden Schleier schwangen sich die Lerchen,
stiegen hinauf, hoch hinauf in den strahlend blauen Himmel, um ihren
Weckruf über das Land zu jubeln.
Es war ein eiliges Wecken in jener Frühe. Mit den Lerchen um die Wette
schlugen die Glocken und schmetterten die Böller. Immer dringender
mahnte das Dröhnen, rief das Hallen. Sturm! hieß das: Sturm! Die
Wolke, die wochen-, monatelang gewitterschwanger am Horizont gestanden
hatte, zog in rasender Eile herbei: Scheremetjef mit seinen Truppen.
Und vor ihnen her von Angst gejagt die Leute von Settinghof und
Rosenhof, von Sommerpanlen und Romeskalm. Zu Fuß, zu Pferde, zu Wagen.
Hochaufgetürmt den Hausrat und allerlei Kram auf Hucken und Gefährten.
Kinder und Alte und die Kranken zwischen Kasten und Truhen, Heubündeln
und Strohgarben. Das schob und drängte, weinte und zeterte, jammerte
und fluchte. Auf allen Gesichtern die Schatten der friedlosen Nacht.
Welk und müde die Züge, die Augen tief, fast erloschen in den Höhlen,
stumpf der nahen Zuflucht zugekehrt, doch immer wieder herumgerissen
von der Erinnerung an durchlebtes Schrecknis. Dunkel wälzte sich der
Strom in die Stadt, zwängte sich in die Straßen und Gassen, füllte sie
mit Not und Geschrei.
[Illustration: Peter I. der Große