IV.

Katharinas Hochzeitstag war gekommen. Glühend rot stieg sein Morgen

aus dem weißlichen Dunst, den die Nacht über den erntereifen Feldern

zurückgelassen hatte. Vor den ersten Strahlen der Sonne wich das

schwebende Wallen, wandelte sich in kühlen Tau, den die Erde durstig

einsog, und durch die schwindenden Schleier schwangen sich die Lerchen,

stiegen hinauf, hoch hinauf in den strahlend blauen Himmel, um ihren

Weckruf über das Land zu jubeln.

Es war ein eiliges Wecken in jener Frühe. Mit den Lerchen um die Wette

schlugen die Glocken und schmetterten die Böller. Immer dringender

mahnte das Dröhnen, rief das Hallen. Sturm! hieß das: Sturm! Die

Wolke, die wochen-, monatelang gewitterschwanger am Horizont gestanden

hatte, zog in rasender Eile herbei: Scheremetjef mit seinen Truppen.

Und vor ihnen her von Angst gejagt die Leute von Settinghof und

Rosenhof, von Sommerpanlen und Romeskalm. Zu Fuß, zu Pferde, zu Wagen.

Hochaufgetürmt den Hausrat und allerlei Kram auf Hucken und Gefährten.

Kinder und Alte und die Kranken zwischen Kasten und Truhen, Heubündeln

und Strohgarben. Das schob und drängte, weinte und zeterte, jammerte

und fluchte. Auf allen Gesichtern die Schatten der friedlosen Nacht.

Welk und müde die Züge, die Augen tief, fast erloschen in den Höhlen,

stumpf der nahen Zuflucht zugekehrt, doch immer wieder herumgerissen

von der Erinnerung an durchlebtes Schrecknis. Dunkel wälzte sich der

Strom in die Stadt, zwängte sich in die Straßen und Gassen, füllte sie

mit Not und Geschrei.

[Illustration: Peter I. der Große

Ein livländisch Herz: Katharina I. von Russland; geschichtlicher Roman · 第 27 / 98 题