Katharina stand am Fenster, als der Schwarm sich vorüberschob.
Sie hatte ihren kleinen Spiegel an den Riegel des offenen Flügels
gehängt und war damit beschäftigt, ihr Haar aufzustecken. Über die
hocherhobenen vollen Arme fluteten die schweren roten Wellen hinab
auf den weißen, sanftgeschwungenen Nacken. Prall und fest spannten
sich die runden Brüste unter dem zarten Leinen des Hemdes. Im Takt
glitt der Kamm durch die dichten Strähnen. Katharina warf den Kopf
zurück und zeigte ihrem Spiegelbilde die Zähne: hei, es ging lustig
zu in der Welt. In dem winzigen engen Rahmen, darin der Spiegel ihr
ein Stück der Straße einfing, wurde sie der Flüchtenden gewahr. Kleine
verhuzelte Menschlein krochen über den Weg, zogen randvoll beladene
Kärrchen, stießen und balgten sich vorwärts. Wurden immer mehr, wurden
ein dichter wimmelnder Klumpen, hatten weder Arm noch Bein, nur Buckel,
lauter Buckel, hochaufgetürmte Buckel. Sie kümmerte sich nicht um das,
was unten, dort, wo das unglückliche Volk sein bißchen Dasein durch
die rettende Gasse schleifte, in Wahrheit vorging, unverwandt blieb
ihr Blick auf den putzigen Widerschein gerichtet. Sie lachte, lachte,
lachte –. Eine jauchzende Tollheit befiel sie. Sie sprang durchs
Zimmer, wirbelte sich im Kreise und klatschte in die Hände: einen
solchen Hochzeitstag hatte sobald keine.
[Illustration: Fürstin Darja Menschikoff