„Spielen gegangen; sie muß bald wiederkommen.“ Sie drückte die Klinke
fest; es klang, als ob sie etwas von ihm wollte.
Er schob sich wieder vor den Aktenstoß. Wie schön es ihm noch immer
war, dies edelsemitische Nasenprofil, zu dem die braune Flechtenkrone
um die Stirn so königlich paßte, daß die kleine Gestalt dadurch größer
schien. Er liebte sie +doch+ wohl noch. Also Vorsicht! Jetzt trat
sie hinter seinen Stuhl.
„Du! Erich!“
„Hm?“
„Ich muß dir etwas sagen. Ich habe gestern eine Rute gekauft.“
„So?“
„Ja. Es ging nicht mehr anders. Wirklich: sie wird mir gar zu unnütz.“
„Detta oder die Rute?“
„Nein du, wirklich, es ist mir ernst.“
„Mir auch!“ Er drehte sich um nach ihr. „Übrigens möchte ich morgen zu
den Eltern fahren und die Kleine mal allein mitnehmen; mach mir, bitte,
den Rucksack zurecht.“ Sie nickte. „Aber bitte, nur das Nötigste; auf
zwei Tage blos.“ Sie nickte wieder. „Und -- na aber, was hast du denn?“
Sie kämpfte mit Tränen.
„Erich!“ Sie bezwang sich. Nur das linke Auge kämpfte noch. Er zog sie
an sich.
„Sieh mal, Herze, verzeih! Aber wirklich: was sollt ich wohl erwidern?
Du kennst doch meine Ansicht! Kinder sind doch keine jungen Affen;
wenigstens dann nicht mehr, wenn die beliebte Prügeldressur beginnen
soll. Du nennst die Detta bockig, und wer weiß was alles, weil --: blos
weil sie jetzt im dritten Jahr ist. Wenn sie im zwanzigsten sein wird,
wirst du das Charakter an ihr nennen.“
„Aber --“
„Nein; genug jetzt, bitte. Ich wäre heute auch was Bessers, hätte mich
der Hundekantschu meines Alten nicht immer eigensinniger gemacht. Bring
ihr Pflichtgefühle bei, soviel du willst; aber nicht mit Schlägen,
muß ich bitten.“ Er wies auf seinen Bücherschrank: „Da! lies was über
Suggestion! Du hast doch deinen bewußten Willen.“ Um ihre Mundwinkel
huschte etwas wie ein feines Lächeln. Aha! sie dachte an den Hahnrei
des Bewußtseins; dieser verdammte Pole! -- „Die Rute jedenfalls verbitt
ich mir.“ Beinahe hätte er nach dem Ofen gezeigt.
„Du scheinst auf meinen bewußten Willen grade nicht viel Wert zu legen.“