Als man aber mit dem Aufkommen des Hackbaus in neolithischer Zeit

Vorräte von Getreidekörnern anlegte, die stark austrockneten, war es

geboten, die hartgewordenen Körner ohne Aufweichen in Wasser zwischen

Steinen zu zermalmen. So kamen die immer zweckmäßiger gestaltenen

Mahlsteine als die primitivsten Mühlen der Menschheit auf. Anfänglich

geschah dieses Mahlen noch äußerst roh und ungenügend; so finden wir

in den als Vorläufer des Brotes mit Zuhilfenahme von Wasser bereiteten

Fladen der neolithischen Pfahlbauern der Schweiz ohne irgend welche

Poren neben abgeriebenen kleinsten Steinpartikeln, die beim Kauen

förmlich geknirscht haben müssen, noch halbe und ganze Getreidekörner

als Zeichen der sehr lässigen, wenig sorgfältigen Arbeit der solche

Speise bereitenden Frauen. Da man nun irdene Gefäße besaß, die man

immer besser durch gründlicheres Brennen zu härten verstand, so zog

man diesen unschmackhaften, trockenen Fladen bald allgemein den durch

Einrühren des grob zerkleinerten Getreidekorns in Wasser hergestellten

+Mehlbrei+ vor, der noch zu Anfang der christlichen Zeitrechnung

bei unseren germanischen Vorfahren an Stelle des ihnen unbekannten

getriebenen Brotes als Hauptnahrungsmittel gegessen wurde. Auch bei den

Kulturvölkern des Altertums, so besonders bei den in allem konservativ

gesinnten Römern, war er, von ihnen ~puls~ genannt, während ihn

die Griechen als ~maza~ bezeichneten, bis in ihre Blütezeit hinein

gebräuchlich. So sagt der ältere Plinius in seiner Naturgeschichte:

„Die Römer haben lange Zeit von Brei (~puls~) und nicht von Brot

(~panis~) gelebt; daher nennt man auch jetzt noch dasjenige, das

man zum Brote ißt, ~pulmentarium~. Ein Bissen solchen Breies hieß

~offa~, wie man z. B. aus Ennius (dem von 239 bis 168 v. Chr. lebenden

römischen Dichter) ersieht. Noch jetzt wird an Festen, die aus alter

Zeit stammen, namentlich an Geburtstagen, solcher Brei bereitet, den

man ~puls fritilla~ (gebackenen Mehlbrei) nennt.“ An einer anderen

Stelle gibt er an, daß man in Kampanien aus gemeiner Hirse (~milium~)

weißen ~puls~ und wohlschmeckendes Brot bereite. Und der unter Nero

aus Bilbilis in Spanien nach Rom gekommene, um 120 n. Chr. gestorbene

Epigrammendichter Martialis, ein Schmeichling und Günstling der

Kaiser, schrieb in einem uns erhaltenen Gedichte: „Komm zu mir, lieber

Turanius, und nimm vorlieb mit einem Würstchen (~botellus~), das auf

schneeweißem ~puls~ (Brei) liegt.“ Auch der römische Geschichtschreiber

im 1. Jahrhundert n. Chr. Valerius Maximus versichert: „Die alten Römer

lebten sehr mäßig, genossen mehr Brei (~puls~) als Brot (~panis~).

Von ihnen stammt auch der Gebrauch des Opferschrots, welches aus

geröstetem Spelt mit Zusatz von Salz besteht und womit man die (als

Opfer verbrannten) Eingeweide bestreut (während das Fleisch von den

Opfernden zu Ehren der Gottheit selbst verspeist wurde). Die jungen

Hühner (~pullus~), welche wahrsagen, werden mit ~puls~ gefüttert.“

Sonst wurden als Opferkuchen (~libum~) aus solchem Brei mit Zusatz

von einem Ei hergestellte und auf der heißen Herdstelle unter einer

Schüssel, wie uns der ältere Cato berichtet, langsam gebackene

Fladen hergestellt. Und Plutarch erzählt vom spartanischen Feldherrn

Pausanias, der mit Aristeides die Perser bei Platää (479 v. Chr.)

besiegte und später (467), des verräterischen Einverständnisses

mit ihnen beschuldigt, im Tempel der Athene in Sparta, wohin er

sich geflüchtet, durch Hunger umkam, er habe nach der Schlacht bei

Platää, wie er die mit Leckerbissen besetzten persischen Tafeln sah,

ausgerufen: „Wahrhaftig, die Perser sind merkwürdige Leckermäuler!

Sie haben vielerlei und verspüren doch ein Gelüste nach unserem Brei

(~maza~).“

Aus solchem frischen, ungesäuerten Mehlbrei durch Backen auf heißen

Steinen oder in der heißen Asche des Herdes hergestellte Fladen

bildeten das älteste +Brot+, dessen Herstellung in das hohe Altertum

zurückreicht. Wie bei den neolithischen Pfahlbauern war es, wohl in

etwas verfeinerter Form, zur mykenischen Zeit und auch noch bei Homer

gebräuchlich. So heißt es in der den homerischen Epen nachgedichteten

Aeneis des römischen Dichters Vergilius Maro (70-19 v. Chr.), das

Brot habe zuerst als Teller für die Zuspeise gedient und sei dann

selbst gegessen worden. Noch heute lebt die ländliche Bevölkerung

Vorderasiens, Ägyptens und Abessiniens von derartigem altertümlichem,

dichtem Brot, während die in bezug auf Kultur weiter vorgeschrittene

städtische Bevölkerung mehr modernes, gesäuertes, getriebenes Brot

genießt.

Die Erfindung des viel schmackhafteren und leichter verdaulichen

+gesäuerten Brotes+ schreibt man gemeinhin den Ägyptern zu, doch kann

sie ebensogut irgendwo in Vorderasien, wo die Rebe kultiviert wurde,

gemacht worden sein. Nach den alten Autoren bediente man sich nämlich

zum Lockern des Teiges durch Gärung dreitägigen Weinmostes, den man

mit Mehl mischte, wodurch die Hefekolonie haltbar gemacht wurde.

Besonders Hirse- und Weizenmehl wurde dazu verwendet, wie uns Plinius

berichtet. Solcher Gärstoff (~fermentum~) wurde nach ihm nur zur Zeit

der Weinlese bereitet und damit das zu backende Brot fermentiert. Und

jedesmal wurde beim Backen ein Stück des mit Hefe versetzten Teiges

aufbewahrt, um es das nächste Mal zum Treiben des frischen Teiges zu

verwenden. Durch diesen Hefezusatz wird nämlich eine alkoholische

Gärung mit Bildung von Kohlensäure bewirkt, das den sonst kleistrigen

Kuchen porös und so leichter durchbackbar macht. Heute benutzt man

dazu die sogenannten Bierhefen -- auch als Preßhefen bezeichnet --

die jetzt meist in besonderen Betrieben eigens gezüchtet werden.

Es sind schnellwachsende, möglichst gut durchlüftete Hefen, die nur

eine geringe Gärkraft besitzen. Diese reine Hefegärung wird vor allem

bei der Herstellung des Weißbrotes und der verschiedenen Kuchen

verwendet. Dagegen dient zur Bereitung des bäuerlichen Schwarzbrotes

der sogenannte Sauerteig, in welchem sich außer der Hefe noch

Milchsäurebildner und andere Bakterien finden. Ein besonders wichtiger

Pilz der Sauerteiggärung scheint das genauer bekannte ~Bacterium

levans~ zu sein, das neben Kohlensäure auch Wasserstoff bildet. Auch

Essigsäurekeime und unlösliches Eiweiß in lösliche Peptone verwandelnde

Bakterien sind im Sauerteige vorhanden. Auch wird durch die gebildeten

Säuren der Kleber des Mehles gelöst, wodurch letzteres die Eigenschaft

annimmt, sich beim Backen rasch dunkel zu färben, wodurch erst das mit

Sauerteig bereitete Brot eine dunklere Farbe als das mit Hefe bereitete

erhält.

Der Zweck, den diese Gärungserreger im Teige erfüllen, ist dreierlei

Art. Erstens wird durch sie die Stärke zum Teil gespalten und in Zucker

verwandelt, der von den Hefen dann teilweise zu Kohlensäure und Alkohol

weitergespalten wird, teilweise verbleibt er aber auch unangetastet

als solcher und verleiht dem Gebäck einen schwach süßen Geschmack.

Zweitens wird durch die Gasbildung der Teig stark aufgelockert, so

daß er beim Backen nicht zu einem zähen, schwerverdaulichen Kuchen

wird. Und drittens wird speziell dem Schwarzbrote der gewünschte

säuerliche Geschmack verliehen. Die spezifischen Erreger der Brotgärung

werden in der Praxis immer von einem Teig auf den andern übertragen.

Hat dann der „Vorteig“ eine Weile unter dem Einflusse der Gärung

gestanden, so wird er mit der Gesamtmenge vermischt und dann tüchtig

durchgeknetet. Darin, daß dies sehr sorgfältig und in der richtigen

Mengenverteilung geschieht, liegt die Kunst des Bäckers nicht weniger,

wie in der richtigen Leitung des Backprozesses, bei welchem die im

Teig entstandene Kohlensäure und der Alkohol zu entweichen suchen,

dies aber wegen der zähen Beschaffenheit desselben nur langsam und

unvollständig tun können, wobei sie ihn stark lockern und ihm eine

schwammige Beschaffenheit verleihen. Bei Herstellung eines Brotes von 5

kg entstehen etwa 25 g Alkohol, und Graham hat berechnet, daß allein in

London bei der Brotbereitung jährlich etwa 13 Millionen Liter Alkohol

in die Luft entweichen. Versuche, denselben zu gewinnen, sind bisher

erfolglos geblieben. Frisches Brot enthält noch immer 0,3 und altes

noch 0,1 Prozent Alkohol. Durch dieses Treiben vor dem Backen, das bei

einer Temperatur zwischen 250 und 300° C. vorgenommen wird, wobei nur

die Rinde 150-180° warm wird und eine oberflächliche Karamelbildung

erfährt, wird das Brot leichter zerkaubar, bietet den Verdauungssäften

eine größere Oberfläche zum Angriffe dar und wird infolgedessen

auch besser im Darme ausgenutzt als das feste, kleisterartige

Nahrungsmittel, das früher vor der Erfindung des Treibens als Brot

gegessen wurde.

Der Verlauf der Vorgänge im Innern des Brotes ist beim Backen ungefähr

folgender: Bei der zunächst noch immer andauernden Gärung bildet sich

bis 42° C. Kohlensäure, welche den Teig auftreibt; dann stirbt die Hefe

ab. Etwas längere Zeit bleiben die Bakterien am Leben; aber auch die

widerstandsfähigsten derselben, die Milchsäurebakterien, stellen noch

vor 75° ihre Tätigkeit ein und gehen bald zugrunde. Alle krankmachenden

Bakterien werden nach den Untersuchungen Ballands während des Backens

getötet, während der das Schleimigwerden des Brotes bewirkende

~Bacillus mesentericus vulgaris~ auch die Backtemperatur überdauert.

Durch die Backhitze verliert der Kleber seine Elastizität und die

Fähigkeit zu quellen und gibt dadurch dem Brot seine feste Gestalt.

Die Stärkekörnchen quellen in der heißen Flüssigkeit, verkleistern

dann und bilden lösliche Stärke. Dies ist ungemein wichtig, da die

Verdaulichkeit derselben eine ungleich größere ist, als die der

rohen Stärke. Ein Teil der Stärke geht bei der Hitze in Dextrin

beziehungsweise Gummi über, besonders in der Rinde. Einen diätetisch

wichtigen Vorgang beim Backen bildet das Abtöten der Gärungserreger.

Würde dies nicht geschehen, so würden sie auch nach Entfernung des

Brotes aus dem Ofen ihre Tätigkeit fortsetzen, das Gebäck weiter

verändern und selbst nach dessen Genuß im Verdauungskanal des Menschen

Gärungserscheinungen hervorrufen.

Um nun die beim Gären entstehenden Verluste an organischer Substanz,

die die Mikroorganismen für sich verbrauchen, zu umgehen, hat man

sich vielfach bemüht, die Lockerung des Mehlteiges durch Kohlensäure

aus mineralischen Salzen zu bewirken. Justus v. Liebig berechnete

seinerzeit, daß man bei Vermeidung der Verluste an organischer Substanz

in Deutschland täglich allein gegen 200000 Pfund Brot gewinnen könnte.

Deshalb schlug er vor, dem Teige kohlensaures Natron und Salzsäure

zuzusetzen, deren Mischung Kohlensäure entwickelt. Denselben Zweck

verfolgt die Zugabe des Horsford-Liebigschen Backpulvers, das aus

saurem phosphorsaurem Kalk und doppeltkohlensaurem Natron mit Stärke

vermengt besteht. Zurzeit finden sich eine ganze Reihe von Backpulvern

im Handel, bei welchen die Kohlensäurequelle stets dieselbe ist.

Großen Beifall haben diese Neuerungen allerdings nicht gefunden, zum

Teil wohl wegen des eigentümlichen Geschmackes, den sie der Backware

verleihen, zum Teil auch aus dem Grunde, weil es eine Neuerung war, der

das Bäckergewerbe überhaupt recht wenig zugetan ist. Kurz sei noch das

Treibeverfahren des englischen Arztes Dauglish erwähnt, der vorschlug,

die Kohlensäure, der man zur Auflockerung bedarf, in einem besondern

Apparate zu entwickeln, dann in Wasser einzupressen, letzteres in

einem geschlossenen Behälter innig mit dem Mehle zu einem Teig zu

mengen, diesen portionenweise austreten zu lassen und zu verbacken. Ein

Vorzug dieser Methode ist die absolute Sauberkeit; jedoch soll auch

die Schmackhaftigkeit eine geringere sein. Dieses ~aereted bread~ wird

besonders in England hergestellt.

Das Brot ist noch heute, wie bei den alten Kulturvölkern am Mittelmeer

vor 2000 und mehr Jahren, bei allen Nationen der gemäßigten Zone neben

der Kartoffel das wichtigste Nahrungsmittel für jedermann, für alt und

jung, für reich und arm, für hoch und niedrig. Es bildet die Grundlage

unserer ganzen Ernährung. Morgens, mittags und abends findet es sich

auf dem Tische; es begleitet den Arbeiter bei seinem Tagewerke, das

Kind zur Schule, den Reisenden auf seinen Wanderungen. Obgleich täglich

genossen, ist es stets in gleichem Maße begehrt und beliebt. Nie

entleidet es uns, obschon wir es immer wieder essen. Alle unsere Arbeit

gipfelt in der Beschaffung des „täglichen Brotes“ als des notwendigsten

Existenzmittels. „Gib uns heute unser tägliches Brot!“ lehrte

Christus die Seinen zu Gott beten, und ~panem et circenses~ „Brot und

Zirkusspiele!“ verlangte der von den Machthabern verwöhnte Pöbel in

Rom. Schon Platon, der große Schüler des Sokrates (439-347 v. Chr.),

legte seinem Idealstaate die Brotnahrung zugrunde, indem er sagt: „Die

Hauptnahrung der Republikaner soll aus Gerstenschrot und Weizenmehl

bestehen, welche mit Wasser vermengt gekocht und gebacken werden, so

daß ein tüchtiger Brei (~máza~) und Brot (~ártos~) entsteht und beides

in Körben oder auf reinen Blättern aufgetragen werden kann.“

Tafel 87.

[Illustration: Elektrisch getriebene Knetmaschinen in einer größeren,

modern eingerichteten Bäckerei.

(Eingerichtet von Werner & Pfleiderer in Cannstatt.)]

Tafel 88.

[Illustration: Backraum einer größeren Bäckerei mit Dampfbacköfen.

(Eingerichtet von Werner & Pfleiderer in Cannstatt.)]

Der jüdische Erzvater Abraham (um 2000 v. Chr.) kannte durch Gärung

getriebenes Brot noch nicht. Seine Nachkommen scheinen es erst in

Ägypten kennen gelernt zu haben, wo das Herstellen von Brot aus

Hefe und Sauerteig schon lange geübt wurde und, wie uns die alten

Grabdenkmäler lehren, vielerlei Brot und Gebäck hergestellt wurde.

Nur fiel es den später nach Ägypten gekommenen Griechen, so Herodot

und Strabon, auf, daß die Ägypter zwar den Lehm mit den Händen,

den Brotteig aber mit den Füßen kneten. Tatsächlich sehen wir auch

in einem großen Gemälde im Grabe Ramses’ III. aus der 20. Dynastie

(1198-1167 v. Chr.) zu Theben dargestellt, wie einst in der königlichen

Hofbäckerei das Brot auf diese Weise mit den Füßen geknetet wurde. Die

als ~er-aeiks~, d. h. Brotmacher, bezeichneten Knechte sind eifrig

an der Arbeit. Neben einem Korb mit gärendem Teig sind zwei junge

Bäckerknechte eben damit beschäftigt, in einem Holztrog die schon

gesäuerte Masse mit den Füßen zu kneten. Lustig scheinen sie dabei in

der zähen Masse herumzuspringen und, um das Gleichgewicht zu halten,

den Schwerpunkt ihres Körpers durch Holzstäbe zu unterstützen. Sonst

aber ist auf den bildlichen Darstellungen das Kneten des Brotteiges

mit den Füßen die Ausnahme und dasjenige mit den Händen die Regel.

Meist geschieht solches in schüsselartigen Körben oder auf flachen, auf

dem Tisch oder am Boden befindlichen Steinen. Bisweilen begegnen wir

abgeschrägten Knetsteinen, auf denen Teigballen von den davor hockenden

Arbeitern hin- und hergerollt werden. Auf einem weiteren Gemälde aus

dem Grabe Ramses’ III. tragen Knaben dem Teigformer in Krügen Wasser

und Teig herbei und dieser ist eifrig beschäftigt, einem vor ihm auf

dem Knetstein des Tisches liegenden Teigballen Gestalt zu geben. Rechts

davon schneidet ein Bäckerknecht den gerollten Teig in Streifen,

ein anderer bildet Ringel daraus, welche Spiralform aufweisen und

unserem Schneckengebäck ähneln. Hinter ihnen reinigt ein Arbeiter den

ausgebrannten Backofen von der Asche, während ein anderer Bäckergeselle

die garen Brote von der Außenseite eines andern Ofens abnimmt, auf

dessen Außenseite noch ein einziger runder Fladen zum Garwerden klebt.

Der altägyptische Backofen war etwa 1 m hoch, aus Lehm gebaut und

glich einem auf den Kopf gestellten bodenlosen Steinkruge. In seinem

Innern wurde ein Holzfeuer angezündet, dessen Flammen auf dem soeben

erwähnten Bilde über den Rand emporschlagen. Wenn er dann hinlänglich

erhitzt war, klebte man die flachen Brote außen hin und ließ sie

gar backen. Die ärmere Bevölkerung buk ihre Fladenbrote einfach auf

erhitzten Steinplatten oder in der heißen Asche. Auf der anschaulichen

Darstellung der Hofbäckerei Ramses’ III. ist abgebildet, wie einer

der Bäckerjungen die eben geformten runden, gelben Brote in einem

flachen Korbe dem Ofen zuträgt und zwei andere bereit sind, ihm die

Last abzunehmen; ein vierter bestreut das Gebäck mit einem Gewürz,

das vermutlich aus Sesamkörnern besteht. Endlich sehen wir einen

Bäckerknecht in einem sehr großen, flachen Korbe das fertiggestellte

Brot wegtragen, um es vermutlich dem in Inschriften erwähnten

„Wohnungsvorsteher“ zu bringen. Aus der Zeit des Aufenthaltes der

Juden in Ägypten -- also um 1300 v. Chr. -- stammt der in Paris

aufbewahrte Papyrus Rollin, in welchem des „Chefs der königlichen

Bäckerei“ Erwähnung getan wird, durch welchen allein 114064 Brote

in das königliche Magazin geliefert wurden. Derselbe gibt zugleich

auch genauen Aufschluß über Ämter und Verpflichtungen der Hofbäcker,

über die ihnen gelieferten Mehlmengen und wie sie beim Backen und

Brotverteilen vorgehen sollen.

[Illustration: Bild 49. Verschiedene Formen altägyptischer Brote. (Nach

Woenig.)]

Die altägyptischen Brote waren nicht über daumendicke, runde, ovale,

halbkugelige, dreieckige oder stumpfkantig viereckige Fladen mit

teilweise erhabenem Rand und mancherlei Verzierung wie Strichen,

Punkten, Bogen und Streifen. Letztere wurden, wie aus den Reliefs

deutlich hervorgeht, besonders aufgesetzt. Neben den fladenförmigen

finden sich ausnahmsweise auch kegelförmige Brote. Auf den Gemälden

sind sie weiß (mit Mehl bestreut), hellgelb oder gelbbraun gemalt.

Feineres Gebäck wurde auch zu allerlei Figuren, wie Sternchen,

Scheiben, Dreiecken, Triangeln, Cymbeln, Blumen, Ochsen, Kühen,

Kälbern, Schafen, Gänsen, Fischen usw. geformt; denn Gebäck in Tierform

wurde in Ermangelung von Opfertieren von den Armen den Göttern und

Verstorbenen dargebracht.

Nach Form und Güte unterschied man eine große Zahl verschiedener

Brotsorten, die in den Hieroglypheninschriften gewissenhaft vermerkt

wurden. So wird uns darin von Brotsorten das ~ak~, ~pes~, ~pesen~ und

~pesennu~ genannt. Das ~ak~ war in späterer Zeit der vergöttlichten

Prinzessin Berenike geweiht, führte einen besonderen Stempel und

stand als Geschenk für die Frauen der Priester hoch in Ehren. Eine

gewöhnliche Art hieß ~sens~, und das oben erwähnte spiralige Gebäck war

unter dem Namen ~uten-t~ beliebt. Außer den zahlreichen einheimischen

Brotsorten wurden dann besonders im neuen Reich (1580 bis 1205

v. Chr.) auch allerlei Backwerke aus Syrien, Kleinasien und

Mesopotamien importiert. So wird in den Inschriften als Speise für

die Götter das syrische Kamhbrot genannt; auch das Keleschet- und

Arupusabrot waren ausländische Produkte.

Interessante Aufschlüsse über die Brotarten und den gewaltigen

Brotkonsum des mit äußerst zahlreichem Gefolge reisenden Pharao liefern

auch einige Verproviantierungslisten, die dem Reisemarschall diktiert

wurden, wenn sich der königliche Hof auf Reisen begab. So erfahren

wir aus dem Briefwechsel des Schreibers Eunana mit seinem früheren

Lehrer und Vorgesetzten Kagabu, daß eine Stadt durch den Reisemarschall

strenge Order erhielt, für die Durchreise seiner Majestät bereit zu

halten: 16000 Stück gute Brote, und zwar in sechs Sorten, 13200 Stück

von andern Brotsorten, 4000 Stück Kuchen von allerlei Art usw. usw.

In dem aus der Zeit Ramses’ III. herrührenden großen Festkalender, der

an der südlichen Außenwand des Tempels von Medinet-Habu die riesige

Fläche von 62 m Länge und 4 m Breite einnimmt, wird bezüglich des

Apetfestes ein Extrageschenk für die Priesterschaft erwähnt und genau

berechnet, welche Mengen von Aanebnebgebäck, Hakgetränk, süßem und

frischem Rak- und Ukgetränk an den Tempel geliefert werden sollen; denn

Brot gehörte nicht nur zu den Hauptabgaben an die Tempel, sondern es

bildete auch in verschiedener Form und Güte einen Hauptbestandteil der

Opfer. Und wo wir auf den bemalten Flächen der Grab- und Tempelwände

Gabentische abgebildet finden, sehen wir zwischen dem bunten

Allerlei des Dargebotenen die flachen Brote oft in mehrfachen Lagen

übereinander abgebildet. Die alten Ägypter verstanden es auch, durch

testamentarische Verfügung in Form langer Opferlisten zur Speisung

ihres ~ka~ (Seele) auch für kommende Zeiten zu sorgen, und es ist

geradezu erstaunlich, was für Mengen von Brot, Kuchen, Krügen mit Wein

und Bier, Öl, Weihrauch und „Tausenden von allen guten, reinen und

süßen Dingen“ ein vornehmer Ägypter als stehende Totengabe für sich

beanspruchte. So steht schon in den Gräbern des alten Reichs, während

welcher Zeit auch die Lebenden viel bescheidener als zu derjenigen des

seine Herrschaft bis weit nach Vorderasien und Äthiopien erstreckenden

neuen Reichs lebten, daß sich der Tote für das Leben in den westlichen

Gefilden 10 verschiedene Arten Fleisch, 5 Arten Geflügel, 16 Arten

von Brot und Kuchen, 5 Arten Wein, 4 Arten Bier, 11 verschiedenerlei

Früchte, außerdem alle Arten von Süßigkeiten und viele andere Dinge

wünsche.

Auch die alten Kulturvölker des Orients aßen die verschiedensten Sorten

von getriebenem oder gesäuertem Brot. Nur an gewissen Festen wurde

etwa als Erinnerung an die Vorzeit das damals übliche ungesäuerte

Brot verspeist. So untersagte der in einem vornehmen ägyptischen

Hause erzogene Jude Moses seinen Volksgenossen, als er sie um 1280

v. Chr. aus Ägypten führte, den Genuß gesäuerten Brotes beim Passahfest,

ein Gebot, das bis auf den heutigen Tag von den Angehörigen jenes

Volkes befolgt wird. Bei dem mannigfaltigen Verkehr mit dem an Kultur

weit älteren Orient kann es uns nicht wundern, daß das getriebene

Brot schon sehr früh den Griechen bekannt wurde. In Athen galt der

aus dem Morgenlande über Kleinasien und Thrakien mit der Gabe des

Weinbaus nach Griechenland gekommene Gott des Natursegens, Dionysos,

als der Erfinder des Brotbackens und wurde darob hochgefeiert. An

seinem Feste, den Dionysien, wurden ihm zu Ehren große Schaubrote in

Prozession herumgetragen. Die Griechen der späteren Zeit scheinen

die Kunst des Backens wesentlich verfeinert zu haben. Aus den

verschiedenen Getreidearten, besonders aber aus Weizenmehl, stellten

sie mit Zuhilfenahme von Öl, Milch, Käse, Wein, Honig und Eiern die

mannigfaltigsten Arten von Backwerk her.

Von Griechenland kam dann die Brotbäckerei über die süditalischen

Kolonien zu den Römern nach Mittelitalien, die den griechischen Wald-

und Weidegott Pan als Erfinder der Kunst des Brotbackens feierten.

Nach ihm sollen sie das Brot ~panis~ (im italienischen ~pane~ und

französischen ~pain~ bis heute erhalten) genannt haben. Erst im Jahre

170 v. Chr. wurde der Gebrauch des Backofens, dessen sich die Griechen

schon lange vorher bedient hatten, in Latium bekannt, während man

vorher das neben dem Brei gegessene Brot auf heißgemachten Steinen oder

in der heißen Asche zu backen pflegte, und zwar jede Haushaltung für

ihren eigenen Bedarf. Damals bildete sich in Rom das Bäckerhandwerk

aus, und zwar wurden die Bäcker nach der Tätigkeit des Stampfens

des gerösteten Getreides ~pistores~ genannt. So schreibt der ältere

Plinius in seiner Naturgeschichte: „Bäcker (~pistores~) hat es in

Rom bis zum Kriege gegen Perseus (den König von Makedonien, der 168

von Lucius Ämilius Paullus bei Pydna geschlagen wurde und 166 als

Gefangener in Alba in Mittelitalien starb), also bis zum Jahre 580

nach Erbauung der Stadt nicht gegeben. Die Römer bereiteten sich ihr

Brot selbst, und dies Geschäft lag insbesondere den Weibern ob, was

noch jetzt bei den meisten Völkerschaften Sitte ist. Für Leckermäuler

pflegten Köche (~coqui~), die man aus den Garküchen mietete, das

Brot zu bereiten. Damals nannte man nur die Leute, die das Getreide

stampften, ~pistores~, nicht die Bäcker. Von den von ihnen gebrauchten

Werkzeugen sind die aus Pferdehaar geflochtenen Siebe (~cribra~)

in Gallien erfunden, die Mehl- und Staubbeutel (~excussoria~ und

~pollinaria~) aus Leinengewebe in Spanien, die aus Papyrus und Binsen

dagegen in Ägypten.“ Weiterhin sagt er: „Es scheint mir überflüssig,

die verschiedenen Arten von Brot (~panis~) ausführlich zu besprechen.

Manches davon hat seinen Namen von der Fleischspeise, die man dazu

ißt, z. B. das Austerbrot, anderes von seinem Wohlgeschmack, wie das

Kuchenbrot, anderes von der Schnelligkeit der Zubereitung, wie das

Schnellbrot, oder von der Art, wie es gebacken wird, wie das Ofen- oder

Topf- oder Pfannenbrot. Vor nicht gar langer Zeit haben wir auch durch

die Parther eine Brotsorte kennen gelernt, welche parthisches oder

Wasserbrot genannt wird, weil seine feinen, schwammartigen Höhlungen

Wasser einsaugen. Es gibt auch Völker, die Butter in den Brotteig

kneten. Den Picentinern verdanken wir das Graupenbrot. Neun Tage läßt

man die Graupen (~alica~) weichen; am zehnten knetet man die Masse mit

dem Saft getrockneter Trauben zur Gestalt eines Kuchens und bäckt sie

im Backofen (~furnus~) in Töpfen (~ollae~), die im Ofen platzen sollen.

Solches Graupenbrot verzehrt man nur, nachdem es eingeweicht ist,

was gewöhnlich in süßer Milch geschieht. -- Als noch Gerstenbrot im

Gebrauch war, wurde es durch Zutat von Erbsen und Kichererbsen gesäuert

und zwei Pfund davon genügten für fünf halbe Scheffel (~modius~, dieser

war das größte römische Maß für trockene Dinge und maß 8,75 Liter).

Jetzt gewinnt man das Gärungsmittel (~fermentum~) aus dem Brotmehl

selbst. Man knetet es nämlich, ehe Salz hinzukommt, kocht es dann wie

Brei (~puls~) ab und läßt es nachher stehen, bis es sauer wird. Noch

gewöhnlicher ist es aber, vom jedesmaligen Backen Teig aufzuheben und

ihn beim folgenden Backen als Sauerteig zu verwenden.“

Unerschöpflich ist besonders der biedere ältere Cato (234-149 v.Chr.)

in der Angabe der verschiedensten Rezepte für Brei, Fladen, Kuchen

und Brot aus allen möglichen Ingredienzen, unter denen Eier, Käse,

besonders Schafkäse, Honig, Anis, Kreuzkümmel, Mohnsamen und Schmalz

oder Olivenöl eine große Rolle spielen. Es würde uns aber zu weit

führen näher darauf einzugehen; es genüge hier zu bemerken, daß in

Pompeji die Backöfen allemal mit den Mühlen in einem Hause gefunden

wurden und wie die unsrigen aus einer stark ummauerten Höhlung

bestehen, welche unten wagrecht und eben, oben aber halbkreisförmig

gewölbt ist. Auch Brote haben sich noch darin gefunden, die kreisrund,

1 Fuß im Durchmesser, 15 cm hoch sind. Durch vom Mittelpunkt

ausstrahlende Schnitte sind sie in acht gleiche Teile geteilt, und

tragen vielfach mit einem Stempel den Namen des Bäckers in erhabener

Schrift aufgedruckt. Schon zur Zeit von Augustus gab es in Rom über

300 öffentliche Bäckereien; doch stellten damals noch die meisten

Haushaltungen ihr Brot selbst her.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte · 第 73 / 77 段