Wer in Samoa, der Perle der Südsee und wohl dem schönsten Stückchen

des ganzen deutschen Kolonialbesitzes reist, der darf überall,

wohin er kommt, bei der unbegrenzten Gastfreundschaft der Samoaner

der besten Aufnahme gewiß sein. In jedem Dorf ist eine Taupo

genannte Ehrenjungfrau vorhanden, der als Repräsentantin des

Dorfes die Unterbringung und Bewirtung des Fremden obliegt. Mit

untergeschlagenen Beinen läßt sich der Besucher auf den mit Matten

belegten Boden der sauberen, offenen Hütte nieder. Die Dorfältesten

folgen diesem Beispiel, und es beginnt die zeremonielle Bereitung

des Nationalgetränkes. Die Taupo, manchmal zusammen mit anderen

Mädchen, speit die durch längeres Kauen zerkleinerte Kawawurzel in

eine flache, auf mehreren Füßen ruhende Holzschüssel, gießt aus einer

hohlen Kokosnuß Wasser hinzu, läßt das Ganze etwas stehen, zieht zum

Schluß den ausgelaugten Brei zur Entfernung der holzigen Bestandteile

durch ein Bastsieb und die Bowle ist fertig. Lautes Klatschen des

Hausherrn zeigt die Fertigstellung der Kawa an. Die Taupo reicht den

Becher mit dem graugrünen, von den einen wie Pfefferminztee, von

andern wie Seifenwasser schmeckend angegebenen Getränk dem Gaste,

dessen Name verkündet wird und der ihn mit dem samoanischen Prosit

„~Manuia~“ leert und der Taupo zurückgibt. Das Trinkgefäß macht dann

die Runde bei allen Anwesenden, genau in der Reihenfolge ihrer Würde

und ihres Alters. Während des Rundtranks werden zahlreiche Reden

gehalten. Der Gast wird von den hervorragendsten Anwesenden begrüßt.

Man dankt ihm in wohlgesetzter Rede für seinen Besuch und bittet um

seine Freundschaft. Nach dem Bewillkommnungstrank werden die Speisen

aufgetragen: Bananen, Yams, Taro, Fische, Muscheln, Kokosnüsse, Hühner

und eventuell Schweine. Alles, auch das Obdach für die Nacht, soll der

Gast mit dem Wirte teilen. In derselben Hütte schläft auch die Taupo;

aber sie ist Tag und Nacht von zwei älteren Ehrendamen bewacht, die

auf ihre Reinheit acht haben. Denn im Gegensatz zu den gewöhnlichen

Mädchen Samoas, die sich in ihrem ledigen Stande alles erlauben dürfen,

ohne an Ansehen zu verlieren, muß die Taupo unantastbar bleiben, um

später die Frau irgend eines angesehenen Häuptlings zu werden. Wie zur

Begrüßung des Gastes spielen die Taupo und die Kawa bei allen Festen,

Versammlungen und sonstigen offiziellen Anlässen eine höchst wichtige

Rolle im samoanischen Leben.

Das andere berauschende Getränk gehört der Geschichte an und spielte

einst beim asiatischen Zweige der Indogermanen eine große Rolle. Es

ist dies der +Somatrank+ der alten Inder oder der +Haoma+ der alten

Perser. Von keinem berauschenden Getränke reichen die Urkunden so

weit zurück, keins ist durch seinen Gebrauch in ein so mystisches

Dunkel gehüllt und keins ist je höher gepriesen worden, als dieser

heilige, nicht nur belebende und beseligende, sondern Menschen und

Göttern Kraft und Gesundheit spendende Trank, mit dem auch Indra --

in der ältesten Zeit, von der wir hier sprechen, der oberste Gott der

Inder, der Schöpfer und Erhalter der Welt, der später zum Haupt der

niederen Götter wurde -- sich zum Kampfe gegen die Dämonen stärkte.

Nach den geschichtlichen Überlieferungen und den Angaben des Sâma-Veda

war dieser Somatrank eine Art Met, der aus einer in Gärung gebrachten

Honiglösung mit Zusatz von Gersten- oder anderem Mehl und Milch oder

Molken hergestellt wurde, wozu höchst sparsam als Würze der Saft einer

mit großer Sorgfalt in mondhellen Nächten auf Bergeshöhen gesammelten

Staude hinzugefügt wurde. Die blattlosen oder entblätterten Stengel

der als ~Soma-lata~ bezeichneten Somapflanze wurden dann unter dem

Gesange bestimmter Hymnen mit Steinen zerquetscht und ausgepreßt, um

den so hochgeschätzten Saft dem Gemisch von Gerstenmehl und Milch in

vergorener Honiglösung zu spenden. Sicheres über diese Pflanze wissen

wir nur so viel, daß sie auf dem Gebirge wuchs und Milchsaft führte.

Wie hoch die arischen Inder der vorgeschichtlichen Zeit ihren

heiligen Somatrank als Labung für Menschen und Götter priesen, mögen

folgende Stellen aus dem Sâma-Veda dartun: „Wir jauchzen dir zu, du

ausgepreßter Soma, dir, dem gerstengemischten Somatrank! Gar köstlich

schmeckend und von Milch strotzend, gehst du erhebend honigsüßer

Glanzstrahl. Du gehst, o Reiniger, unaufhaltsam strömend für Indra,

o Soma, ringsum flutbesprengt. -- Den schönen, gottersehnten Trank,

in Flut gereinigt und von Männern gepreßt, würzen mit Milch die Kühe.

-- Wie Vögel sitzen um dich her beim milchgekochten Met, dem süßen,

die Indra preisen. Ihm gebührt der milchgemachte Göttertrank. -- Wir

denken dein, Falbrossiger. (Damit ist Indra gemeint.) Im Opfer gedenke

unseres Lobgesangs in des Soma Rausch. -- Sprengt ringsum den Soma,

das wichtigste Opfer, das wir mit Steinen gepreßt haben. Diesen haben

wir, mit Gerste wie mit Milch ihn mischend, versüßt, o Indra, an diesem

Feste. -- Freue dich des kuhgemischten Trankes!“

Wie er im alten Indien bei keinem Opfer fehlte, so wurde bei den

alten Persern kein Gebet gesprochen, ohne ihn genossen zu haben. Von

ihm sollten sich die Götter ernähren. Der um 25 n. Chr. verstorbene

griechische Geograph Strabon aus Amasia in Pontos berichtet, daß

bei jedem Hause in Persien eine Haomapflanzung und in jedem Hause

ein Holzmörser mit Keule zum Stampfen und Auspressen des Saftes ein

unerläßliches, heiliges Gerät sei, welches gleich dem Feuer und dem

Bündel von Myrtenzweigen vor Entweihung geschützt werden müsse. Wie

in Indien so geschah auch in Persien die Bereitung des Haomatrankes

unter Lobgesängen und liturgischen Gebeten. Der in Rom als Lehrer der

Philosophie lebende griechische Schriftsteller Plutarchos (50-120

n. Chr.) beschreibt die Zubereitung des von ihm als Omomi (= Haomi)

bezeichneten Getränkes. Nach ihm wurde dazu der Saft einer in Armenien

und Medien wachsenden, dem Weinstocke ähnlichen Pflanze mit knotigen

Stengeln, Blättern wie Jasmin, Blüten wie Levkoje, traubenförmigen

Samen, duftend und von bitterem Geschmack genommen. Vielleicht ist der

auf assyrischen Bildwerken, in denen der König mit erhobener Schale

ein Trinkopfer darbringt, dargestellte, in seltsam verschlungener

Figur den heiligen Baum, die Dattelpalme, umrankende Gewächs, das

uns auch anderweitig auf Skulpturen, von geflügelten, adlerköpfigen

Gottheiten adorierend umstanden, entgegentritt, nichts anderes als

die Haoma der Alten. Und zwar glaubte man bis in die neueste Zeit

zwei nahe miteinander verwandte, in Indien und Persien einheimische

milchsaftführende Calotropisarten, die noch wildwachsend angetroffen

werden, für die heilige Somapflanze ansehen zu dürfen. Kürzlich hat

jedoch Joseph Bornmüller festgestellt, daß die indischen Parsen, die

die altiranischen Religionsgebräuche bis in die Gegenwart bewahrten,

zu ihren gottesdienstlichen Handlungen die auf felsigen Standorten

wachsende sehr ästige, blattlose und äußerlich einem Schachtelhalme

ähnliche Strauchart ~Ephedra vulgaris~ aus Persien beziehen. Man darf

also diese als die heilige Haomapflanze der Perser ansehen, die von

jeher als identisch mit der Somapflanze der Inder galt. Der aus ihr

ausgepreßte Saft, der später zum Gotte Soma erhoben wurde, erhielt

später bei den Ariern dieselbe Bedeutung wie der Wein im christlichen

Abendmahle.

Übrigens wird noch heute der Saft gewisser Calotropisarten von manchen

Stämmen des Sudans dem Hirsebrei zugesetzt, während andererseits manche

Tatarenstämme ihren aus Pferde- und Kamelmilch bereiteten Getränken

gern narkotische Säfte von Kräutern hinzufügen. Bei den alten Ariern

wird eben jenes ältere Genußmittel mit der Zeit durch bessere, jüngere

verdrängt worden sein, wodurch es bald in völlige Vergessenheit geriet,

bis auf die streng an den Gebräuchen ihrer Vorfahren hängenden Parsen,

von denen ja heute noch wie vor Tausenden von Jahren das Feuer als eine

Gottheit verehrt wird.

XVI.

Die betäubenden Pflanzenstoffe.

Ähnlich wie die geistigen Getränke, aber noch in weit stärkerem

Maße die Gehirntätigkeit in besonderer, vielfach krankhafter Weise

beeinflussend wirken andere narkotische Pflanzenstoffe, denen wir

nunmehr unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden haben. Bei der ungeheuer

wichtigen Rolle, die die hierher gehörenden Drogen spielen, sind die

sie erzeugenden Pflanzen von der größten kulturgeschichtlichen und

wirtschaftlichen Bedeutung. Denn, wie wir bereits zu Beginn des vorigen

Abschnitts sahen, sind die narkotischen Gifte dem Menschen vielfach

unersetzliche Genußmittel, die er sich schon auf niedriger Kulturstufe

unbedingt zu verschaffen sucht. Kein Volk der Erde ist so armselig

und primitiv, daß es nicht im Besitze irgend eines Mittels wäre,

dessen Genuß den Geist in einen Rauschzustand zu versetzen vermag. Und

zwar ist die Erlangung eines solchen Rauschmittels den Naturvölkern

vielfach wichtiger als der Besitz von Nahrung spendenden Pflanzen. So

bauen manche von Viehzucht lebende Negerstämme Tabak an, pflanzen aber

daneben keinerlei Getreide.

Unter diesen „Sorgenlösern“, die den Menschengeist in künstliche

Ekstase, d. h. in einen Zustand des Entrücktseins in andere Welten

versetzen, spielt der +Haschisch+ eine sehr wichtige Rolle. Sind doch

nicht weniger als etwa 250 Millionen Menschen in Asien und Afrika

Haschischesser oder Haschischraucher. Mit Vorliebe wird er in Konfekt

genossen, wie ja die Orientalen meist das Süße lieben. Dieser Haschisch

besteht aus einer ein ätherisches Öl, Harze und verschiedene Glykoside

enthaltenden Ausscheidung der in Ostindien heimischen und von dort sehr

früh schon in Persien eingeführten +Hanfpflanze+ (~Cannabis indica~).

Schon bei uns riecht diese mit dem Hopfen aufs engste verwandte, in

weiblichen und männlichen Exemplaren auftretende Krautart aromatisch

und betäubend. In noch viel höherem Maße ist dies in warmen Gegenden,

speziell im heißen Indien der Fall, wo sie allein ein gelblichgrünes,

aromatisch riechendes Gummiharz aus den Stengeln und namentlich den

Blütenständen ausscheidet. Dieses wird gesammelt, indem Arbeiter, in

der Regel nackt, nur ausnahmsweise mit einem Lederanzuge bekleidet,

durch die Hanffelder streifen. Dabei klebt ihnen die vom Hanf

ausgeschiedene harzige Masse an. Diese wird dann mit stumpfen Messern

abgeschabt und zu einem dem Opium ähnlichen Teig zusammengeknetet.

Wie dieses wird es in besonderen kleinen Pfeifen geraucht oder als

grünliches Extrakt mit allerlei meist parfümierten Kuchen, sogenannten

Fröhlichkeitskuchen, und in Form von Konfekt genossen. Die Wirkung des

Haschisch ist derjenigen des Tabaks ähnlich, nur viel stärker, indem er

rasch betäubt und Delirien erzeugt.

[Illustration: Bild 46. ~a~ blühender Sproß des weiblichen Hanfs

(~Cannabis indica~); ~b~, ~c~ einzelne Blüte, vergrößert; ~d~ Samen

von außen; ~e~ Durchschnitt durch denselben; ~f~ Harzdrüse, sehr stark

vergrößert. (Nach Hegi.)]

Besonders reich an diesem narkotischen, harzigen Gifte sind die

weiblichen Blütenstände, die deshalb auch getrocknet als solche

geraucht oder zur Extraktion von Haschisch verwendet werden. Von

der Anwendung des getrockneten Krautes, namentlich der weiblichen

Blütenstände als den am narkotischen Stoffe reichsten Teilen, zum

Rauchen wie Tabak, um eine beglückende Betäubung an sich hervorzurufen,

rührt der Name der Droge her; denn ~haschîsch~ heißt persisch das

Kraut. In Indien unterscheidet man zwei Sorten desselben: ~bhang~

oder ~siddhi~, die zur Blütezeit entnommenen, zerkleinerten Blätter,

die mit Wasser oder Milch, Zucker nebst schwarzem Pfeffer und anderem

Gewürz zu einer grünen Flüssigkeit zerrieben werden, und ~gânjâ~,

die getrockneten, jungen, weiblichen Blütentriebe, die, dem Tabak

beigemischt, in der Wasserpfeife geraucht werden. Letzterer gilt als

viel kräftiger und wird deshalb auch viel teuerer bezahlt. Während von

ersterem etwa 30 g für den daran Gewöhnten genommen werden müssen,

genügen von letzterem viel kleinere Mengen, um eine ausgiebige Wirkung

zu erzielen. In anderen Ländern bindet man die wirksamen Bestandteile

an Butter, mischt diese mit Gewürzen und formt aus der Masse Pillen,

die als beliebtes ~hadschi~ eingenommen werden.

Nächst Indien ist Persien das Hauptland der Erzeugung und des

Verbrauches von Haschisch. Hier ist, wie in Indien, die Kultur des

Hanfes als Rauschmittel uralt, und die altpersische Sprache bezeichnet

die Trunkenheit mit einem Worte (~banga~), das im Sanskrit Hanf

bedeutet. Von Persien drang die Hanfkultur früh schon westwärts vor

und gelangte schon um die Mitte des 2. vorgeschichtlichen Jahrtausends

nach Südrußland zu den Viehzucht treibenden Skythen. Der im Jahre 484

v. Chr. geborene griechische Geschichtschreiber Herodot nennt uns

den Hanf als Betäubungsmittel dieses Volkes. Nach ihm streuten die

Skythen, um sich zu betäuben, Hanfkörner auf glühend gemachte Steine,

die auf den Boden von kleinen Schwitzbadhütten gebracht worden waren,

und atmeten den so entstehenden Qualm ein. Dadurch wurden sie in einen

solchen Rausch versetzt, daß sie aus lauter Behagen laut brüllten.

Auch bei den Thrakern war sein Gebrauch damals schon üblich; außerdem

benutzten sie die Fasern des Hanfstengels, um Stoff daraus zu weben.

Beides war den Griechen, die die Pflanze noch nicht kannten, neu.

Ebenso bauten die Kelten bereits den Hanf an, um sich seiner sowohl als

narkotisches Genußmittel, als auch als Gespinstpflanze zu bedienen. Als

der König Hieron II. von Syrakus, der von 269-215 v. Chr. regierte,

ein ungeheures Prachtschiff baute, zu dessen Herstellung er aus allen

Ländern am Mittelmeer das Beste in seiner Art kommen ließ, wurden Hanf

zu Tauen und Pech von den Kelten des unteren Rhonetales im südlichen

Gallien bezogen. Also muß die Hanfkultur damals schon bei ihnen in

hoher Blüte gestanden haben. Von den römischen Schriftstellern ist der

ums Jahr 100 v. Chr. lebende Satiriker Lucilius der erste, der den Hanf

als Gespinstpflanze erwähnt und Plinius der ältere (23-79 n. Chr.)

berichtet in seiner Naturgeschichte, daß der Hanf um die Ortschaft

Reate im Sabinerlande Baumeshöhe erreiche.

Die alten Juden und Ägypter kannten den Hanf noch nicht. Erst die

Araber, die sich seiner vorzugsweise als Berauschungsmittel bedienten,

brachten dessen Kultur im Nilland, wie in Nordafrika in Blüte. Aber

noch am Ende des 18. Jahrhunderts wurde diese Pflanze nur zur Gewinnung

von Haschisch gepflanzt, der heute einen sehr großen Teil seiner

Anhänger in Afrika zählt. Als neuartige Gespinstpflanze erwähnt den

Hanf zum erstenmal in Palästina die jüdische Gesetzessammlung des

Mischna.

In geringen Dosen genossen bewirkt der Haschisch ein nicht

endenwollendes Lachen, zugleich wird die Phantasie mächtig angeregt

und entzückende Bilder ziehen am geistigen Auge vorüber. Die

Ideenverkettung wird durch ihn beschleunigt, die Sinneseindrücke

werden lebhafter und die Sexualsphäre wird erregt. Etwas größere Dosen

rufen ein traumhaftes Glückseligkeitsgefühl hervor, es entsteht ein

Gefühl der Körperlosigkeit, der für den Berauschten das Vorhandensein

von Raum und Zeit ausschließt. Noch größere Dosen lösen berückende

farbige Visionen aus, bewirken aber auch Delirien und Tobsuchtsanfälle.

Der Genuß dieses Mittels ist am größten bevor dessen Gebrauch zur

Gewohnheit wird. Sobald aber letzteres der Fall wird, stellen sich

hochgradige Schädigungen des Nervensystems und aller Körperorgane ein,

die eine zunehmende Melancholie mit fortschreitender Verblödung des

Geistes und körperlichem Verfall bewirken, bis schließlich der Tod

durch Schlaganfall oder Lähmung eintritt. Dieser durch Haschischgenuß

hervorgerufene Zustand einer Ekstase spielt bei manchen religiösen

Sekten des Morgenlandes eine große Rolle. Am bekanntesten unter ihnen

ist die heute nur noch in einigen hundert Familien im Libanongebirge

hausende Sekte der Assassinen, die von einem schiitischen Muhammedaner,

Hassan aus Chorasan, im Jahre 1090 gegründet wurde, indem er zunächst

eine Anzahl persischer Jünglinge um sich sammelte, die er durch

Haschischgenuß ihm völlig ergeben und zu willenlosen Werkzeugen seiner

fanatischen Ideen machte. Zur Zeit der Kreuzzüge waren die Assassinen

als Meuchelmörder von den Christen sehr gefürchtet. Die Burg Kahf im

Libanon war die Residenz ihres Häuptlings, des Scheich ul dschebel,

d. h. Oberhaupt des Gebirges, von den Europäern nur der „Alte vom

Berge“ genannt. In Syrien von den Machthabern namentlich im 12. und

13. Jahrhundert mißbraucht, sanken sie nach und nach zu gewöhnlichen

Meuchelmördern herab, die für Geld jedem dienten, so daß seither bei

den Romanen ~assassin~ so viel als Meuchelmörder bedeutet.

Bei uns sind alkoholhaltige Getränke die häufigsten, aber auch die

ärmlichsten Erreger der künstlichen Ekstase. Dazu dient im Orient,

dem der Alkohol nach dem Gebote des Propheten Muhammed in jeder Form

versagt blieb, außer dem Haschisch auch das +Opium+. Es ist dies

bekanntlich der eingetrocknete Milchsaft des +Schlafmohns+ (~Papaver

somniferum~), der ein Abkömmling des in den Mittelmeerländern,

besonders Kleinasien, heimischen ~Papaver setigerum~ ist, der sich

durch borstig behaarte Kelchblätter und Stengel von der kultivierten

Art unterscheidet. Dieser wilden Urform stand, nach der Beschaffenheit

der uns erhalten gebliebenen Samenkörner zu urteilen, noch der Mohn

sehr nahe, den die neolithischen Pfahlbauern der Schweiz in ihren wenig

sorgsam mit der Hacke bearbeiteten kleinen Feldern an den Seeufern

pflanzten. Wie andere vorgeschichtliche Völker werden sie sich der

Samen vorzugsweise als Ölspender, daneben aber auch noch als Heilmittel

zur Betäubung von Schmerzen bedient haben, wie dies heute noch bei der

Bauernbevölkerung auf dem Lande geschieht.

Bei den alten Griechen waren die jene Samenkörner bergenden

Fruchtkapseln des Mohns die sinnbildlichen Attribute des Schlafgottes

Morpheus. Also müssen sie schon früh die betäubende Wirkung dieser

Samen und überhaupt der ganzen Pflanze gekannt haben. Doch bauten auch

die Griechen der ältesten Zeit den Mohn nicht zur Opiumgewinnung,

sondern zur Ernte seiner ölreichen Samen, wie heute noch die

mitteleuropäische Bauernbevölkerung, an. Daneben mögen gelegentlich

die schmerzlindernden Eigenschaften der verschiedenen Produkte der

Pflanze benutzt worden sein; aber das waren große Ausnahmen. Der Mohn

war ihnen eine Ölpflanze. Zu diesem Zwecke muß er schon wenigstens

im 9. vorchristlichen Jahrhundert von Kleinasien her in Griechenland

eingeführt worden sein; denn der im 8. vorchristlichen Jahrhundert

in Böotien lebende Dichter Hesiod nennt uns in seiner Theogonie eine

Ortschaft Mēkṓne, d. h. Mohnstadt, wohl von der dort besonders intensiv

betriebenen Mohnkultur herrührend. Diese unweit von Korinth gelegene

Ortschaft wurde dann später infolge ihrer ausgedehnten Gurkenkultur

in Sikyon, d. h. Gurkenstadt umgetauft, als welche sie uns in

geschichtlicher Zeit entgegentritt.

Es ist bemerkenswert, daß noch Hippokrates von Kos, der von 460-364

v. Chr. lebende größte griechische Arzt, das Opium nicht kannte,

wenn er auch den Milchsaft opós der Blätter und Früchte als

Linderungsmittel bei Schmerzen anwandte. Auch der Schüler des großen

Aristoteles, Theophrastos (390-286 v. Chr.), kannte so wenig als die

Hippokratiker das Opium, und wo er von ~mēkóneion~ spricht, meint

er damit den betäubenden Milchsaft einer Wolfsmilchart (~Euphorbia

peplus~). Erst im 3. vorchristlichen Jahrhundert scheint in

Griechenland die Verwendung des durch Ritzen der unreifen Fruchtkapsel

des Mohns gewonnenen Milchsafts als Arzneimittel aufgekommen zu sein.

Wenigstens sind Diokles von Karystos und Herakleides von Tarent die

ersten griechischen Ärzte, von denen berichtet wird, daß sie diese

Droge zur Schmerzlinderung anwandten.

Das von der griechischen Bezeichnung dafür, nämlich ~opós~ Milchsaft,

abgeleitete ~ópion~ übernahmen dann die Römer mit der Droge, deren

Kenntnis ihnen die bei ihnen ihre Tätigkeit ausübenden griechischen

Ärzte vermittelten. Zu Beginn der römischen Kaiserzeit wurde außer

in Kleinasien besonders auch in Ägypten, später auch in Spanien und

Nordafrika Opium gewonnen, wie wir von den damaligen Schriftstellern

vernehmen. Zu Beginn des Mittelalters kam dann das Opium im Abendlande

fast ganz außer Gebrauch, während es die arabischen Ärzte noch

teilweise anwandten. Dafür wurden Abkochungen der Mohnkapseln, die für

weniger gefährlich galten, benutzt. Erst im späteren Mittelalter kam

das Opium im Abendlande wieder zur Benutzung, worüber das Nähere im

Abschnitt über die Heilpflanzen mitgeteilt werden soll.

Für jetzt genüge die Feststellung der Tatsache, daß, wie schon im

Altertum, so noch heute Kleinasien das beste Opium erzeugt. Dort wird

die Kultur des Schlafmohns und die Gewinnung des Opiums aus dessen

unreifen Fruchtkapseln in folgender Weise betrieben. Die einjährige

Pflanze mit den hübschen, weiß bis violett gefärbten Blüten wird nach

den Herbstregen in drei Perioden vom September bis März ausgesät, um

so den Wechselfällen des Klimas zu begegnen und die Arbeitskräfte

während einer längeren Periode auszunützen. Auf dem gut gedüngten

Boden wächst die Pflanze rasch heran, erreicht die Höhe von 1 m und

erzeugt durch reiche Verästelung 5-30 Blüten. Etwa 6-7 Tage nach dem

Abfallen der Blumenblätter bekommen die jungen, grünen Fruchtkapseln

einen bläulichweißen Anflug und sind zur Opiumernte recht. Nun muß die

Arbeit in 8-10 Tagen vollendet werden, da sie später keinen Milchsaft

mehr austreten lassen. Die Opiumgewinnung geschieht in der Weise, daß

die grünen Fruchtkapseln in den Nachmittagsstunden mit einem Messer,

dessen Klinge bis auf die Spitze mit Bindfaden umwickelt ist, mit

mehreren wagrechten Schnitten angeritzt werden. Der dabei aus den

Wunden austretende weiße Milchsaft gerinnt rasch an der Luft und nimmt

eine gelbrötliche und zuletzt bräunliche Farbe an. Am folgenden Morgen

wird er mit dem Messer vorsichtig abgelöst und auf ein Mohnblatt

abgestrichen. Ist eine größere Masse beisammen, so knetet man daraus

Kuchen von etwa 600 g Gewicht, die man in Mohnblätter einschlägt

und im Schatten gut trocknen läßt, damit sie nicht später auf dem

Transport faulen. Damit die Opiumbrote nicht zusammenkleben, werden

sie durch dazwischen gestreute trockene Rumex- oder Sauerampferfrüchte

getrennt. So werden sie in kleine Säcke und diese ihrerseits wieder

in Körbe gepackt, die nach Smyrna oder Konstantinopel ausgeführt

werden. Durchschnittlich produziert Kleinasien jährlich 400000 kg

Opium. Doch unterliegen Erzeugung, Ausfuhr und Preis desselben starken

Schwankungen, da der Ertrag der Fruchtkapseln an Milchsaft nach den

Jahrgängen sehr ungleich ist. Je reifer die Frucht wird, eine um so

geringere Saftmenge liefert sie. Doch hindert das Anschneiden der

Milchsaftröhren in den Kapseln, die nach dem Abfallen der Blumenblätter

prall gefüllt sind, die Früchte nicht am völligen Reifwerden; sie

fallen nur etwas kleiner aus. Die Samen werden dann nach deren Reife

geerntet und aus ihnen das Mohnöl als gutes Speisefett gewonnen.

Nach der Frühjahrsernte wird auf demselben Felde nach abermaliger

reichlicher Düngung eine zweite Mohnkultur angelegt und im Herbste

geerntet, und zwar erzeugt die Herbsternte den größten Teil des

Ertrages. Nach Flückiger liefert eine Mohnkapsel in Kleinasien in ein

bis drei Schnitten ungefähr 0,02 g Opium. Dabei ist es von Wichtigkeit,

die Schnitte nicht zu tief zu machen und die Kapselwandung nicht zu

durchschneiden, da sich sonst ein Teil des Milchsaftes ins Innere der

Kapsel ergießt und für die Opiumgewinnung verloren geht. Auch würden

derart geschädigte Kapseln keine Samen mehr reifen lassen. Zwischen dem

Einschneiden, wozu in Persien und Indien besondere Messer mit bis zu

fünf Klingen benutzt werden, und dem Sammeln des gebräunten Milchsaftes

dürfen nicht mehr als 24 Stunden verstreichen. Die getrockneten

Opiumkuchen sehen im Bruche zimtbraun aus, riechen stark narkotisch

und schmecken bitter. Vielfach werden sie mit Mohnkapselpulver, Mehl,

Aprikosen- und Feigenzusätzen, auch mit verschiedenen Gummiarten

verfälscht. Außerdem wird auch besseres mit schlechterem Opium

gemischt, um den medizinisch geforderten Morphingehalt von 10-20

Prozent aus dem gewöhnlich mehr davon enthaltenden Opium zu gewinnen.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte · 第 68 / 77 段