Vorräte der verschiedenen Gewürze in den Vorratshäusern der
holländisch-ostindischen Kompagnie an. Wurden diese mit der Zeit zu
groß, so verbrannte man lieber große Mengen davon, als daß man sie
billiger ans Volk abgab. So erzählt uns der Holländer Valmont de
Bornare, daß er Augenzeuge davon gewesen sei, wie einmal in Amsterdam
drei große Schuppen voll Muskatnüsse, von denen jeder hingereicht
hätte, mit seinem Inhalt eine Kirche zu füllen, verbrannt wurden. Nach
dem Brande habe das müßig zuschauende Volk förmlich in der durch die
große Hitze ausgeschmolzenen Muskatnußbutter gewatet. Aber niemand
durfte bei schwerer Strafe eine Nuß oder einen Tropfen Öl nehmen. Der
Franzose Beaumaré sah noch am 10. Juni 1760 in Amsterdam in der Nähe
des Admiralitätsgebäudes für 8 Millionen Livres Muskatnüsse verbrennen,
und der Engländer Wilkocks erzählt, wie er durchgereist sei, habe man
just bei Middelburg in Zeeland solche Mengen Gewürznelken, Zimt und
Muskatnüsse verbrannt, daß die Luft viele Meilen im Umkreise von dem
aromatischen Dufte erfüllt gewesen sei.
Von den Bandainseln brachten die Franzosen geheimerweise den
Muskatnußbaum zugleich mit dem Gewürznelkenbaum im Jahre 1770 nach
Isle de France (dem heutigen Mauritius) und Bourbon und 1773 nach
Cayenne. Auf der erstgenannten Insel wurde dann die vom französischen
Statthalter Poivre eingeführte Kultur durch den Deutschen Josef Huber
bedeutend gehoben. Derselbe hatte nämlich zuerst ermittelt, daß
ein einziger männlicher Muskatnußbaum zur Befruchtung von hundert
weiblichen vollständig ausreiche. Er ließ deshalb die überflüssigen
männlichen Bäume stutzen und Zweige von weiblichen Bäumen auf sie
pfropfen, ein Verfahren, an das die Holländer nie gedacht hatten.
Im Jahre 1796 nahmen die Engländer den Holländern die für sie als
praktische Geschäftsleute so begehrenswerten Molukken ab und siedelten
den Baum auf dem damals ebenfalls von ihnen besetzten Sumatra und 1798
auch in Singapur, Penang und Bengalen an. Obschon sie jene Inseln bald
wieder ihren früheren Eigentümern zurückgeben mußten, so war doch
damit endgültig das so lange eifrig gehütete holländische Monopol
durchbrochen, so daß der Preis der Muskatnüsse, von denen das Pfund
1790 noch 20 alte holländische Gulden gekostet hatte, wie auch der
übrigen indischen Gewürze nun auf einen für jedermann erschwinglichen
Preis sank. Infolge davon wurde ihre bis dahin mehr auf die Apotheken
beschränkte Verwendung als Arznei eine allgemeine und fanden sie bald
als beliebtes Gewürz selbst der ärmeren Klasse Eingang. Welche große
Bedeutung noch vor kaum mehr als drei Menschenaltern wie den übrigen
indischen Gewürzen, so speziell der Muskatnuß zugeschrieben wurde,
beweist die Tatsache, daß der Arzt Paullini ein 876seitiges Buch über
sie und ihre Wirkung auf den Menschen schrieb.
Heute ist die übermäßig hohe Schätzung all dieser Gewürze auf
ein sehr bescheidenes Maß zurückgegangen. Der Muskatnuß- wie der
Gewürznelkenbaum dürfen zwar auf allen den Holländern gehörenden
Inseln angepflanzt werden, aber die Früchte dürfen nur an die
holländische Handelsgesellschaft zu einem bestimmten, sehr niedrigen
Preise verkauft werden. Dafür stellt die Regierung den holländischen
Pflanzern Sträflinge zur Verfügung, die den Plantagenbau und die Ernte
besorgen. Außer in ganz Holländisch-Indien wird der Muskatnußbaum
heute auch auf der Halbinsel von Malakka, ebenso in beschränktem
Maße in Südindien, auf Reunion, in Brasilien, Guiana und Westindien
kultiviert. Doch liefern heute noch die Molukken die beste Sorte und
bringen damit den Holländern, die nach wie vor den Haupthandel mit
diesem Gewürz in Händen haben, viel Geld ein. Zwei Fünftel der gesamten
Weltproduktion stammen von den drei kleinen, insgesamt nur 44 qkm
großen Inseln Groß-Banda, Neira und Ay, die Pflanzungen von 3000-30000
Muskatnußbäumen aufweisen und jährlich von etwa 400000 tragenden
Bäumen durchschnittlich 600000 kg Muskatnüsse und 150000 kg Macis nach
Java bringen, von wo aus sie mit noch weiteren 100000 kg dort erzeugter
Muskatnüsse in den Handel gelangen. England allein führt aus Malakka
und Südindien etwa 400000 kg Muskatnüsse und rund 40000 kg Macis aus.
Europa kauft vorzugsweise die Muskatnüsse, Nordamerika dagegen die
Macis, die dort höher geschätzt wird.
In neuerer Zeit gelangen noch einige andere Arten von Muskatnüssen
als Ersatz der echten in den Handel. So wachsen in den nördlichen
Molukken, auf den Inseln Batjan, Tidor und Halmahera, zwei der
echten Muskatnuß sehr nahe verwandte Arten (~Myristica speciosa~ und
~succedanea~) wild, deren Nüsse gleichfalls gesammelt werden und billig
in den Handel kommen. Diese werden ebensowenig kultiviert als der
+Onin-Muskatnußbaum+ (~Myristica schefferi~), der wild im westlichen,
holländischen Teil von Neu-Guinea wächst und sehr wohlriechende Früchte
liefert. Wichtiger als diese ist eine andere Muskatnußart, die in nicht
unbedeutenden Mengen mit dem Namen +lange+ oder +Papua-Muskatnuß+ auf
den Markt gebracht wird. Sie ist länger als die gewöhnliche Muskatnuß
und stammt vom silberblätterigen Muskatnußbaum (~Myristica argentea~),
einem ebenfalls im westlichen holländischen Teil von Neu-Guinea wild
wachsenden, dem gemeinen Muskatnußbaum sehr nahe verwandten Baume.
Dieser wird ebenfalls nicht kultiviert, sondern in wildem Zustande
abgeerntet, weshalb es auch möglich ist, seine Früchte billig auf den
Markt zu bringen; doch stehen sie den echten Muskatnüssen an Qualität
durchaus nach. Leider hat man im deutschen Teile von Neu-Guinea, wo
ebenfalls mehrere wilde Muskatnußarten vorkommen, bisher keine einzige
dauernd aromatische und daher für den Handel brauchbare Nuß gefunden.
Der Name Muskatnuß wird auch für die Früchte einiger Bäume angewandt,
die ganz anderen Pflanzengattungen angehören, so namentlich für die
+Kalabassen-Muskatnuß+ von Westafrika, die die Frucht eines zur
Familie der Anonazeen gehörenden Baumes, ~Monodora myristica~, eines
entfernten Verwandten der echten Muskatnußbäume, bildet und seit dem
18. Jahrhundert auch auf Jamaika kultiviert wird, wohin sie durch
westafrikanische Negersklaven gelangte. Von Lorbeergewächsarten stammen
die +brasilianische+, +guianische+ und +madagassische Muskatnuß+,
von Bäumen aus der Familie der Monimiazeen die +peruanische+ und
+australische Muskatnuß+, von Nadelhölzern endlich die nach Terpentin
riechende +kalifornische+ und +Floridamuskatnuß+. Diese teilweise in
Form und Struktur ihrer Früchte einige Ähnlichkeit mit der echten
Muskatnuß aufweisenden Früchte riechen wohl auch aromatisch, sind
aber im übrigen grundverschieden von jener, so daß sie nicht mit ihr
konkurrieren können.
[Illustration: Bild 42. Blütenzweig eines Gewürznelkenbaums
(~Caryophyllus aromaticus~).]
Als Fälschungsmittel der echten Macis gelangt von Bombay aus
der schön rote, aber durchaus nicht aromatische Samenmantel des
Malabarmuskatnußbaums (~Myristica malabarica~) häufig in den Handel,
während die vom silberblätterigen Muskatnußbaum Neu-Guineas stammenden
sogenannten Macisschalen zwar wohlriechend, aber unansehnlich braun
gefärbt sind und daher sehr niedrig im Preise stehen.
Als letzte der vier von der Kulturwelt des Abendlandes während der
vergangenen Jahrhunderte übermäßig geschätzten und infolge davon für
die gesamte Handelspolitik jener Zeit höchst bedeutsamen indischen
Gewürze sind außer Pfeffer, Zimt und Muskatnüsse auch noch die
+Gewürznelken+ zu nennen. Gleich dem Muskatnußbaum ist auch der
Gewürznelkenbaum (~Caryophyllus aromaticus~) ein 10-12 m hoher,
immergrüner Baum der Molukken aus der Familie der Myrtengewächse.
Sein 30-55 cm dicker Stamm mit glänzender, glatter Rinde spaltet sich
schon in 1,3-1,6 m Höhe in einige gleichstarke Äste, die sich reich
verzweigen und eine schöne, kegelförmige Krone bilden. Doch läßt
man den Baum in den Pflanzungen meist nicht höher als 5 m werden,
damit seine Blüten leichter geerntet werden können. Die länglich
ovalen, langgestielten Blätter sind lederartig, mit zahlreichen
kleinen Öldrüsen versehen, und laufen spitz aus. Die in Trugdolden
stehenden Blüten sind klein, aber zahlreich, anfänglich grün, voll
entwickelt jedoch karminrot. Auch die Blütenknospen sind rot. Die
Früchte sind 2 cm lange und 1 cm breite Beeren von dunkelroter bis
dunkelvioletter Farbe, die meist einen, seltener zwei länglichrundliche
Samen umschließen. Letztere kommen getrocknet unter der Bezeichnung
+Gewürznelkenmutter+ in den Handel. Weit aromatischer als sie sind
jedoch die Blütenknospen, die, sobald sie sich hellrot zu färben
beginnen, geerntet werden und, getrocknet, die Gewürznelken bilden. Sie
bestehen aus einem etwa 1 cm langen, zylindrischen Blütenkelch, der in
vier etwas ausgebogenen Zipfeln endet und als halbkugelige Bekrönung
die an ihrer Spitze verwachsenen, bei der Blüte als zusammenhängende
Kappe abgestoßenen vier Blumenblätter trägt. Nach ihrer nagelförmigen
Gestalt nannte man sie im Mittelalter (wie die Nelken) Nägelein, woraus
sich dann im Neuhochdeutschen die Bezeichnung Nelke ausbildete. Sie
enthalten ein als Nelkenöl bezeichnetes ätherisches Öl, das zu allerlei
pharmazeutischen Produkten und zum Mikroskopieren gebraucht wird.
Der Gewürznelkenbaum ist weniger wählerisch in bezug auf den Boden und
nimmt auch mit etwas weniger Luft- und Bodenfeuchtigkeit vorlieb als
der Muskatnußbaum. Auch genügt ihm eine spärlichere Beschattung als
jenem; in späterem Alter bedarf er einer solchen überhaupt nicht mehr.
Nur die jungen Pflänzchen müssen vor zu ausgiebiger Sonnenbestrahlung
geschützt werden, wozu Bananen und Rizinusstauden dienen. Wie der
Muskatnußbaum, so verliert auch er rasch die Keimfähigkeit seines
Samens. Daher dürfen zur Aussaat nur ganz frische Samen verwendet
werden. An ihrem definitiven Standort werden die in Saatbeeten
gewonnenen jungen Bäume auf sehr fruchtbarem Boden 9, auf geringem
Boden dagegen 6 m auseinander gepflanzt. Der Boden muß namentlich
während der Erntezeit im September von Unkraut gesäubert werden. Da die
Nelkenbäume als Waldbäume nicht sehr widerstandsfähig gegen heftige
Winde sind, so pflanzt man am Rande der Gewürznelkenplantagen und
hin und wieder in Reihen quer durch die Pflanzungen als Windbrecher
Kokospalmen und Mangobäume, die beide dieselben Ansprüche an Boden
und Klima stellen wie die Gewürznelkenbäume. Ihre erste Ernte geben
die Gewürznelkenbäume vom 5. Jahre an und tragen während 10 bis 15
Jahren, wobei man von jedem Baum einen jährlichen Ertrag von 2,5-5 kg
getrockneter Nelken rechnen darf. Die Ernte beginnt, sobald sich die
Knospen voll entwickelt haben und sich hellrot zu färben beginnen. Die
auf leichten Bambusleitern vor dem Aufbrechen mit der Hand gepflückten
Blütenknospen werden, auf Matten dünn ausgebreitet, an der Sonne,
seltener auf engmaschigen Bambushorden in einem Trockenhaus durch
Einwirkung eines schwachen, rauchenden Feuers getrocknet, wobei sie
wiederholt umgewendet werden. Dabei nehmen sie eine dunkelbraune Farbe
an. Schließlich werden sie gesiebt und gelangen, in Säcke oder Kisten
verpackt, in den Handel.
Dem alten Kulturvolke der Chinesen waren die Gewürznelken schon im 3.
Jahrhundert v. Chr. bekannt und dienten ihnen teilweise als Kaumittel.
In die Mittelmeerländer gelangten sie erst in der römischen Kaiserzeit,
und zwar ist Plinius der erste römische Autor, der sie erwähnt. In
einem Zolltarif Alexandriens im 2. Jahrhundert n. Chr. werden sie
angeführt und von Aëtios, Alexander Trallianus und Paulus Aegineta,
griechischen Ärzten des 6. und 7. Jahrhunderts, erwähnt. Sie wurden
damals durch malaiische Schiffer nach der von den Griechen und Römern
Taprobane genannten Insel Ceylon gebracht und von dort durch indische
Kauffahrteifahrer in die Häfen des Roten Meeres verfrachtet, um dann
von Alexandrien aus als äußerst kostbare Arznei in den abendländischen
Handel zu gelangen.
Von Ceylon und dem Gewürznelkenhandel berichtet als erster Abendländer,
der uns einen Bericht über seine Reise dorthin hinterließ, der
griechisch-ägyptische Großkaufmann Kosmas Indikopleustes (d. h. der
Indienfahrer) aus Alexandrien -- ein Zeitgenosse des oströmischen
Kaisers Justinianus I. (483-565) --, der mit einem ebenfalls später
Mönch gewordenen Genossen die weite Reise machte. Er schreibt
darüber: „Taprobane ist eine große Insel im Ozean jenseits des
Pfefferlandes (Malabarküste Indiens), welche die Indier Sielediva
(richtig Sihaladipa, d. h. Löweninsel, später von den Persern und
Arabern in Serendib verdorben), die Hellenen (älteren Griechen)
Taprobane nennen. Dort findet man den Edelstein Hyakinthos (d. h.
Saphir und Rubin). Diese große Insel, sagen ihre Bewohner, habe 300
Gaudia (= 900 römische Meilen) Länge und ebensoviel Breite. Zwei
Könige beherrschen sie, welche sich aber gegenseitig befehden. Einer
hat das Land der Hyazinthen (das zentrale Bergland) inne, der andere
besitzt den übrigen Teil der Insel, in welchem das ~emporion~ (der
Handelsplatz) und der Hafen liegen. Dort an dieser Insel sammeln
sich viele Schiffe aus ganz Indien und Äthiopien, weil sie in die
Mitte der Länder gestellt ist und gleichfalls viele Schiffe nach
allen Weltrichtungen entsendet; namentlich aus den dahinterliegenden
Gewässern, so von Tzinitza (China) und anderen Stapelplätzen bringen
sie Metaxin (Seide), Aloë (Aloëholz zum Räuchern), +Gewürznelken+ und
Tzandana (Sandelholz) zum Austausch; auch noch andere Waren jener
Gegenden, die sie zu den Völkern des vorderen Meeres bringen, nämlich
nach Male (Mahe in Malabar), wo der Pfeffer wächst, und nach Kalliana
(bei Bombay), wo Erz gewonnen wird und Sesamholz (?) und was Gewebe
zur Kleidung gibt; denn auch diese Stadt ist ein großer Handelsplatz.
Auch mit Sind, wo es Moschus, Bibergeil und Narden gibt, verkehrt diese
Insel, ebenso mit Persien, dem Glücklichen Arabien und Adule (Zeila
in Massaua in der italienischen Kolonie Erythräa am Roten Meer). Von
diesen Handelsplätzen tauscht sie wiederum Waren ein, welche sie nach
dem hinteren Indien führt, zugleich die Ausfuhr der eigenen Produkte
besorgend.“
In Deutschland erwähnt die Gewürznelken zuerst die heilige Hildegard,
Äbtissin von Rupertsberg (1098-1179) als ~nelchin~. Der erste Europäer,
der die Stammpflanze sah, war der venezianische Reisende Marco Polo,
der sie 1272 auf den Sundainseln wachsen sah. Im Mittelalter besorgten
die Araber den Zwischenhandel mit den Indern und lieferten die
Gewürznelken mit Zimt und Pfeffer den Venezianern, die diese Gewürze
ihrerseits wieder den Völkern Europas vermittelten und reichen Gewinn
aus diesem Handel zogen. Erst als der Weg nach den Gewürzländern um
Afrika herum von den Portugiesen erschlossen war, rissen sie das
höchst einträgliche Gewürzmonopol an sich. Wie Spanien etwa 300 Jahre
lang, bis zum Beginn des vorigen Jahrhunderts, den Handel mit ihren
reich mit Pflanzenschätzen und teilweise auch Gold ausgestatteten
amerikanischen Kolonien für sich beanspruchte, taten es gleicherweise
ihre Konkurrenten, die Portugiesen, in Ostindien und der malaiischen
Inselwelt, die sie 1524 in Beschlag nahmen. Von 1529 an mußten alle
aus Ostindien zurückkehrenden Schiffe ihre Rückfracht ausschließlich
in der Casa da India in Lissabon löschen und mehr wie einmal ordnete
der König, der sich den stolzen Titel „Herr des indischen Handels“
beilegte -- wie später sein Nachfolger, die holländisch-ostindische
Handelskompagnie -- die Vernichtung der kostbaren indischen Gewürze
an, wenn deren Vorräte zu sehr anschwollen und die Preise zu drücken
drohten. Erst im Jahre 1599 sprengten die inzwischen in der Seefahrt
erstarkten Holländer diese von den Portugiesen ausgeübte Ozeansperre.
Nach der Eroberung der von den Portugiesen nicht mehr zu haltenden
Molukken im Jahre 1621 übernahm die holländisch-ostindische Kompagnie
das Gewürzmonopol, das sie bis zum Jahre 1796 zu behaupten vermochte.
Während dieser ganzen Zeit bestimmte sie den Preis der vielbegehrten
Gewürze. Das äußerst gewinnbringende Monopol wurde, so gut es ging,
auch von den Engländern während deren Okkupation von Holländisch-Indien
in den Jahren 1796-1802 und 1810-1816 aufrechterhalten. Als dann die
Gewürzinseln im letztgenannten Jahre definitiv an Holland zurückfielen,
nützte diesen das, wie auch die Zwangskultur, bis 1873 theoretisch
festgehaltene Monopol für Gewürznelken und Muskatnuß nur noch wenig.
Wie in der Sage der Lindwurm seinen Schatz in der Höhle, so hüteten die
Holländer ihre von den zu Sklaven gemachten Eingeborenen kultivierten
Gewürznelkenbäume auf den Inseln Amboina und Saparna, nachdem sie alle
anderen als die von ihnen dort beaufsichtigten Gewürznelkenbäume auf
sämtlichen Inseln der Molukken zerstört hatten. Auf ihren Streifzügen
durch die Nachbarinseln, die zu dem Zwecke unternommen wurden, um alle
aus durch Vögel oder Menschen verschleppten Samen hervorgegangenen
Gewürznelkenbäume zu vernichten, vollführten die rohen von der
holländisch-ostindischen Kompagnie dazu angestellten Soldaten die
unerhörtesten Grausamkeiten gegen die armen Eingeborenen, die dem Baume
fast abgöttische Verehrung erwiesen. Sie nannten ihn einen König unter
den Gewürzpflanzen und führten Gewürznelken als wirksames Mittel gegen
Zauberei bei sich, was bis auf den heutigen Tag der Fall ist. Ja,
Vornehme tragen sie als auszeichnenden Schmuck in Unterlippe, Nase und
Ohren.
Das so eifrig von den Holländern gehütete Gewürzmonopol erlitt den
ersten Stoß als es 1770 dem französischen Statthalter von Isle de
France (dem heutigen Mauritius) Poivre gelang, ungeachtet der auf die
Ausführung der Bäume gesetzten Todesstrafe durch eine auf zwei kleinen
Schiffen nach deren Erlangung ausgesandte Expedition sich aus Samen
kleine Pflänzchen des Gewürznelken- und Muskatnußbaumes zu verschaffen.
Die schlauen Franzosen überlisteten die Holländer und vermochten auch
mit ihren beiden Schiffen der Verfolgung des ihnen nachgesandten
Geschwaders zu entgehen. Sie brachten den Gewürznelkenbaum zuerst nach
Isle de France, dann auf die Seychellen, Réunion und Bourbon, von wo er
1773 nach Cayenne und den übrigen westindischen Besitzungen Frankreichs
gelangte, wo er gleichfalls gut gedieh. Von der Insel Isle de France,
die die Engländer 1810 von den Franzosen eroberten, um sie nach der
Bezeichnung der vorher die Insel innehabenden Holländer, die sie nach
dem Statthalter der Niederlande Prinz Moritz von Oranien (1567-1625)
benannt hatten, wiederum Mauritius zu heißen, verbrachten ihn die
Engländer nach der Halbinsel Malakka und den von ihnen vorübergehend
besetzten Inseln Java und Sumatra. Auch wurde er auf Sansibar und
Pemba, wo die Kultur 1793 durch den Araber Harameh ben Saleh von
Mauritius aus eingeführt wurde, und an anderen Orten mit solch gutem
Erfolge verpflanzt, daß mit der Zeit die Gewürznelkenproduktion
der Molukken ganz in den Hintergrund gedrängt zu werden vermochte.
Gegenwärtig ist die wichtigste Bezugsquelle der Gewürznelken
Sansibar mit der Nachbarinsel Pemba, obgleich in den 1860er Jahren
ein gewaltiger Sturm -- eine sonst dort verhältnismäßig selten zu
beobachtende Naturerscheinung -- fast alle Gewürznelkenbäume zerstörte
und auch die Qualität der hier gewonnenen Gewürznelken keineswegs als
die beste gilt. Die feinste Sorte liefert immer noch Amboina, deren
Menge aber zu gering ist, als daß sie auf dem Weltmarkte eine große
Rolle zu spielen vermöchte.
Als +Nelkenzimt+ (~Cassia caryophyllata~) werden nelkenartig riechende
Rinden verschiedener Bäume bezeichnet, so z. B. der indischen
~Sizygium caryophyllatum~, der westindischen ~Pimenta acris~,
beides Myrtengewächsen, sowie des brasilianischen ~Dicypellium
caryophyllatum~, eines dem Zimt näher verwandten Baumes aus der Familie
der Lorbeergewächse. Doch haben diese Rinden nur eine lokale Bedeutung
und gelangen kaum in den Welthandel. Dafür aber liefert ein naher
Verwandter des Gewürznelkenbaums das +Piment+ (vom mittellateinischen
~pigmentum~ Farbstoff) oder den +Nelkenpfeffer+, dessen Geschmack und
Geruch allerdings weniger an Pfeffer als an Gewürznelken erinnert.
Feinschmecker wollen erkennen, daß das Piment den Geruch und Geschmack
von Gewürznelken, Pfeffer, Zimt, kurz von allen Gewürzen in sich
vereinige. Das gab Veranlassung zur Bezeichnung ~allspice~, d. h.
Allgewürz, unter welchem Namen ihn die Engländer als ein äußerst
beliebtes Gewürz ihrer westindischen Kolonie Jamaika viel verwenden.
Die Welt ist darauf angewiesen, ihren Bedarf an Piment von dieser Insel
zu beziehen, weshalb man ihn vielfach auch +Jamaikapfeffer+ bezeichnet.
Nur dort in seiner engeren Heimat Jamaika und einigen Nachbarinseln
erzeugt der Pimentbaum das volle Aroma seiner Früchte. Wild kommt er
nur auf Kalksteinhügeln in der Nähe des Meeres vor, wird aber schon
lange im großen angepflanzt. Er ist aber so empfindlich für Boden
und Klima, daß es nicht einmal gelang, seine Kultur in nennenswertem
Umfange auf den nördlichen westindischen Inseln einzuführen.
Der Pimentbaum (~Pimenta officinalis~) ist ein immergrüner,
breitästiger, im Wuchse dem Apfelbaum ähnlicher Baum, der in Westindien
häufig zur Anpflanzung von Alleen benutzt wird. Alle Teile des Baumes,
besonders die unreifen Früchte, besitzen einen starken, feurigen, aber
angenehmen aromatischen Geschmack. Die nahezu weiße Rinde des 10-12 m
hohen Baumes, deren äußerste Schicht er alljährlich abwirft, ist ebenso
aromatisch wie die 10 cm langen tiefgrünen, glänzenden, länglich
ovalen, etwas lederigen Blätter. Aus den Blattwinkeln und Zweigspitzen
treten Rispen von zahlreichen, kleinen, weißen, starkduftenden
Blüten. In Westindien blühen die Bäume gewöhnlich zweimal im Jahre;
aber nur die Blüten, die im April und Mai erscheinen, sind fruchtbar
und erzeugen erbsengroße, kugelige, zweisamige Früchte von bei der
Reife purpurroter Farbe. Sie enthalten dann ein süßes, kleberiges
Fruchtfleisch, aus welchem allerdings das feine Aroma zum größten
Teil verschwunden ist, das während ihres unreifen Zustandes so stark
hervortrat. Sie werden deshalb unreif grün geerntet, sobald sie die
Größe von Pfefferkörnern erlangt haben, und dann an der Sonne oder in
Darröfen getrocknet, wobei sie eine gelbbraune Farbe annehmen. Ein
vollkräftiger Baum liefert bis zu 60 kg grüner oder 40 kg getrockneter
Früchte, die ein dem Gewürznelkenöl sehr ähnliches und auch als Ersatz
desselben verwendetes ätherisches Öl enthalten.
Das allgemein als Küchengewürz verwendete Piment wird zuerst von
Clusius (Charles de l’Ecluse, 1526 zu Arras in Nordfrankreich geboren
und 1609 als Professor der Botanik zu Leiden in den Niederlanden
gestorben) erwähnt. Der Pimentbaum wird vorzugsweise auf der Nordseite
der Insel Jamaika, neuerdings aber auch in anderen Tropengebieten, so
seit dem 17. Jahrhundert in Ostindien kultiviert, doch liefert er,
wie gesagt, nur in seiner engeren Heimat die besten, gewürzreichsten
Früchte.
XV.
Die berauschenden Getränke.