gelangten, so wurden sie über das Rote Meer und Alexandrien nach den
Mittelmeerländern ausgeführt. Und als später die Droge durch die
Wirren der Völkerwanderung immer seltener und unerschwinglicher wurde,
bedienten sich besonders die Ärzte ihrer als wertvolle Arznei. So
ging durch sie das lateinische ~cinnamomum~ ins mittelhochdeutsche
~cinment~, weiter Zimmet und schließlich das neuhochdeutsche Zimt über.
Ein großer Teil der Ware muß aber zu Beginn des Mittelalters aus China
bezogen worden sein, welche Tatsache allein uns den bei den Persern und
Arabern üblichen Ausdruck dar ~Chini~ (Holz von China) für Zimt und
Kassia erklärlich macht. Später nannten die Venezianer und Portugiesen
den Zimt wie jede aromatische Rinde ~canella~, welcher Ausdruck dann
als ~canelle~ ins Französische überging.
Die Zimtwälder um Kolombo auf Ceylon werden erst im Jahre 1340 von
dem 1302 in Tanger geborenen, bis China und Südasien vorgedrungenen
arabischen Reisenden Ibn Batuta erwähnt, der 1352 auch Timbuktu
besuchte und 1377 in Fes starb. Im Jahre 1444 beschrieb der
venezianische Kaufmann Nicolo Conto die Zimtbäume der von ihm als
Saillana bezeichneten Insel Ceylon, teilte aber nichts über die
Ausfuhr des Gewürzes mit. Erst der Portugiese Lorenzo da Almeida, der
im Hafen von Point de Galle Schiffe mit Zimt und Elefanten verladen
sah, berichtete darüber eingehend im Jahre 1505. Die Portugiesen, die
sich an der Küste Ceylons niederließen, legten zunächst auf diesen
Handelsartikel keinen großen Wert, wurden aber bald eines anderen
belehrt. So unterschied bereits 1536 Garcia da Orta den Zimt von Ceylon
von demjenigen der Philippinen und Java; der erstere war damals 40mal
teurer als die letzteren, im Jahre 1644 aber nur noch 5mal teurer.
Im Jahre 1546 erfahren wir aus einem Briefe des Florentiners Filippo
Sassetti an Franzesco I. di Medici, daß die Zweige regelmäßig alle drei
Jahre geschält würden. Zur Erlangung von Stockausschlägen wurden die
Bäume einfach gekappt. Dies und das Einsammeln der Rinde der wilden
Bestände, die vorzugsweise durch eine Drossel vermehrt wurden, welche
die reifen Beeren verzehrte und die unverdaulichen Samen in noch völlig
keimfähigem Zustande von sich gab, besorgten Angehörige einer
besonderen Kaste, die Chalias oder Zimtschäler.
Tafel 75.
[Illustration:
(~Copyright by F. O. Koch.~)
Zimtbaum auf Ceylon.
(~Copyright by F. O. Koch.~)
Das Schälen der Zimtrinde.]
Tafel 76.
[Illustration: Muskatnüsse.
(Nach Photographie von H. Schenck in „Karsten u. Schenck,
Vegetationsbilder“.)
Gewürznelkenbäume (~Caryophyllus aromaticus~) auf Zanzibar.
(Nach Photographie von Busse in „Karsten u. Schenck,
Vegetationsbilder.“)]
Bis zur Ansiedelung der Portugiesen, die seit 1505 einen regelmäßigen
Verkehr mit der Insel unterhielten, war der Zimthandel ein
einträgliches Monopol der einheimischen Könige, deren Geschlecht aus
Nordindien stammte und seit 543 v. Chr. die Singalesen beherrschte.
Als die Portugiesen sich der Küste Ceylons im Jahre 1580 bemächtigten,
legten sie den Herrschern im Innern einen Tribut von 125000 kg Zimt
auf und versprachen ihnen dafür die Hilfe Portugals. Bald aber machten
sie sich so verhaßt, daß der König von Kandy die Holländer gegen
sie zu Hilfe rief. Diesen hatte schon Philipp II. den Handel mit
Lissabon untersagt; so versuchten sie, sich den Zimt auf direktem
Wege zu verschaffen. Im Jahre 1596 kamen die ersten wohlbewaffneten
holländischen Handelsschiffe in den Indischen Ozean und 1632 begann
die Verdrängung der Portugiesen von Ceylon, die 1658 eine vollständige
und dauernde war. Sofort erhoben die Holländer den Zimt zu ihrem
ausschließlichen Monopol. Die arme Kaste der Chalias oder Zimtschäler
wurde schwer bedrückt. Jedes Mitglied derselben mußte vom 12. Jahre
an einen Pingo, d. h. 28 kg Zimtrinde während einer Ernte abliefern
und im Laufe der Jahre stieg die Menge sogar auf 303 kg! Die
Gegenleistung bestand in Befreiung von Steuern und kleinen Rationen an
Reis. Begreiflicherweise suchten die Chalias sich dieser unwürdigen
Behandlung durch Flucht in die Berge zu entziehen. Dafür mußten die
Zurückbleibenden um so anstrengender arbeiten. Niemand sonst durfte
Zimtbäume pflanzen oder Zimt schälen. Jeder Grundbesitzer mußte es dem
holländischen Beamten melden, wenn er auf seinem Grund und Boden eine
Zimtpflanze entdeckt hatte. Verheimlichung wurde sehr strenge, unter
Umständen mit dem Tode bestraft. Die kleinsten Veruntreuungen beim
Einsammeln der Rinde brachten Täter wie Hehler unerbittlich den Tod.
Ein Jahrhundert lang zogen die Holländer aus dem Zimtmonopol einen
reichen Gewinn, der manchmal 7 Millionen Mark im Jahre überstieg. Die
meisten Zimtbäume befanden sich auf dem Gebiete des Königs von Kandy.
Wenn dieser aber feindselig auftrat, sank die Einnahme bedeutend und
brachte nur etwa 1 Million Mark ein. Um sich nun von den Launen dieses
Herrschers unabhängig zu machen, schlug ein Einnehmer des Distrikts
Kolombo namens de Koke dem holländischen Gouverneur Falk im Jahre 1765
vor, den Zimtbaum auf eigenem Gebiete zu pflanzen. Anfangs wies der
Große Rat in Batavia diesen Vorschlag zurück; doch waren die Vorteile
zu verlockend, so daß man sich endlich zu einer Einwilligung verstand.
Die Ausführung war indessen nicht leicht. Die Häuptlinge behaupteten,
daß kultivierter Zimt minderwertig sei; auf ihr Betreiben hin
widersetzten sich dieser Neuerung auch die Eingeborenen. Schließlich
drang die holländische Regierung mit ihren Forderungen doch durch, aber
die Eingeborenen suchten den Kulturen insgeheim zu schaden, indem sie
dieselben mit heißem Wasser begossen oder anderweitig die Pflänzlinge
zu ruinieren suchten. Nur drakonische Strenge sicherte das Unternehmen.
So wurde jedes Zerstören von jungen Pflanzen mit Abhauen der rechten
Hand bestraft. Bald versuchten die Holländer mit etwa 200000 kg
Zimtrinde, die sie aus den eigenen Kulturen gewannen, den gesamten
europäischen Bedarf zu decken, ohne Bezüge der Ernte aus dem Königreich
Kandy im Innern der Insel machen zu müssen. Dabei sorgten sie durch
gewaltsame Mittel dafür, daß die hohen Preise dieser Droge nicht etwa
durch Überproduktion herabgedrückt wurden. Vor allem beschränkten sie
die Kulturbäume auf eine bestimmte Anzahl und ließen in gesegneten
Jahren stets einen Teil der zu reichlichen Ernte ins Meer werfen oder
verbrennen. Auch im Mutterlande räumte man, um eine Preisdrückerei zu
verunmöglichen, im Übermaß sich ansammelnde Vorräte durch Verbrennen
hinweg; lieber sollte die Arbeit ganz umsonst gewesen sein, als daß man
sich selbst seinen Volksgenossen gegenüber zu einer Verbilligung der
Ware herabließ. So berichtet der Franzose Beaumaré, er sei im Juni 1760
Augenzeuge davon gewesen, wie man beim Admiralitätsgebäude in Amsterdam
zwei Tage nacheinander -- abgesehen von Muskatnuß -- für zusammen
etwa 16 Millionen Livres Zimt verbrannt habe, was einen köstlichen
Wohlgeruch über das ganze Land verbreitete.
Im Kriege mit den Holländern besetzten die nach den Zimtgärten jener
lüsternen Engländer 1795 Ceylon, das ihnen 1802 im Frieden von Amiens
regelrecht abgetreten wurde. Sie fanden die Zimtkulturen im blühendsten
Zustande und nutzten sie als Erben der alten Machthaber in derselben
Weise wie jene aus. Die englisch-ostindische Handelsgesellschaft
übernahm das höchst einträgliche Monopol und führte es im Sinne der
Holländer weiter. Der erste Gouverneur, North, erließ sogar eine
Verordnung, durch welche nicht nur Neuanlagen verboten wurden, sondern
auch die bereits bestehende Anzahl der Zimtgärten eine Einschränkung
erfuhr. 1815 kam nach Beseitigung des bis dahin noch regierenden
Eingeborenenfürsten die ganze Insel unter die Administration der
englischen Krone, die das Zimtmonopol bis 1833 aufrechterhielt, dann
aber aufgeben mußte, da der Zimtbaum inzwischen durch die Holländer
auf Sumatra, Java und Borneo und durch die Franzosen auf Isle de
France (dem heutigen Mauritius), Bourbon und in Cayenne angesiedelt
worden war, ohne allerdings dort das vorzügliche Produkt wie in Ceylon
zu geben, das heute mit seiner höchst aromatischen Rinde noch immer
den Weltmarkt beherrscht. Wenn nun auch die englische Regierung das
Zimtmonopol notgedrungen aufheben mußte, so belegte sie dafür den
Zimt 1833 mit einem sehr hohen Zoll von 200 Prozent; erst im Jahre
1853 wurde dieser aufgehoben und der Zimtbaum und der Handel mit
dessen Rinde freigegeben, worauf sich die Zimtgärten auf der Insel
wieder vermehrten. Doch haben neuerdings andere Kulturen den Zimt auf
Ceylon zurückgedrängt, so daß China, das schon zu Anfang des vorigen
Jahrhunderts durch Anbau von Zimt und Kassia im großen England scharfe
Konkurrenz gemacht hatte, jetzt den meisten Zimt liefert.
Erst in der Gegenwart ist diese Droge, die früher in der Arzneikunde
und feinen Küche eine sehr viel wichtigere Rolle spielte als heute,
billig und damit jedermann zugänglich geworden. Noch im späten
Mittelalter war dies nicht der Fall. Es sei hier nur an jene mehrfach
von Malern geschilderte Begebenheit erinnert, da Kaiser Karl V., „in
dessen Reich die Sonne nicht unterging,“ im Frühling 1530, von Italien
zurückkehrend, den in den Grafenstand erhobenen reichen Kaufherrn Jakob
Fugger in Augsburg besuchte. Dieser damals reichste Mann Deutschlands
hatte dem trotz seines gewaltigen Länderbesitzes und seiner reichen
Einnahmen nur zu oft in Geldnöten steckenden Kaiser gegen Schuldschein
eine sehr bedeutende Summe geliehen. Als dieser sich bei seinem Besuche
entschuldigte, daß er dem Kaufmanne das Geld noch nicht zurückerstattet
habe, fröstelte ihn und er begann über den Unterschied des deutschen
und italienischen Klimas zu sprechen. Da brachte der reiche Jakob
Fugger einige Bündel der überaus kostbaren indischen Zimtrinde herbei,
legte sie in den Kamin, des Kaisers Schuldschein darauf und zündete das
an. Das war in den Augen der Zeitgenossen nicht nur ein fürstliches
Geschenk, sondern die größte Ehre, die er dem Kaiser erweisen konnte;
denn damals kostete ein Lot (15 g) Zimt etwa 10 Mark.
[Illustration: Bild 41.
Blütenzweig und Frucht eines weiblichen Muskatnußbaums (~Myristica
fragrans~).]
Viel mehr geschätzt als heute war im Mittelalter neben Pfeffer und
Zimt auch die +Muskatnuß+, die von einem den Zimtbäumen weitläufig
verwandten, 10-15 m hohen, immergrünen, in allen seinen Teilen stark
aromatisch riechenden Baume (~Myristica fragrans~) stammt. Er wuchs
ursprünglich wild auf den Bandainseln in den Molukken und einem Kranz
darum gelegener kleiner Inseln. Heute existiert er jedoch nur noch
als Kulturform. Die sehr große Krone sitzt auf einem bis 70 cm dicken
Stamme, dessen schmutzig olivengrüne Rinde und rötliches Mark einen
Saft besitzen, der durch Berührung mit der Luft rot wird. Es gibt von
ihm männliche und weibliche Bäume, die an den reich verästelten Zweigen
bis 10 cm lange, länglicheiförmige, dunkelgrüne, glatte, lederige,
kurzgestielte Blätter tragen und aus den Blattwinkeln die unscheinbaren
Blüten hervorbrechen lassen. Die männlichen Blüten bilden Rispchen
mit einfacher weißer Blütenhülle, während die gelblichen weiblichen
einzeln stehen und innerhalb der etwas kleineren, dreizähnigen Hülle
einen einfächerigen Fruchtknoten besitzen, der eine einzige Samenanlage
umschließt. Die äußerlich einigermaßen einem Pfirsich ähnliche Frucht
ist eine kugelige, zuerst grüne, dann leuchtend ockergelbe, hängende
Beere von 3-7,5 cm Durchmesser, deren äußeres Fruchtfleisch sich bei
der Vollreife spaltet und den fleischigen, in längliche Lappen sich
teilenden, karminroten Samenmantel erblicken läßt, der den nußartigen
Samen umschließt und, getrocknet, wobei er allerdings seine schöne
Farbe einbüßt und goldgelb wird, als +Macis+ oder +Muskatblüte+ in
den Handel gelangt. Der darunter liegende nußartige Samen besitzt
unter einer dünnen, harten, holzigen Schale einen Kern, der getrocknet
die bekannte Muskatnuß bildet, die außer einem ätherischen Öl, dem
Muskatnußöl, ein Fett, die Muskatnußbutter enthält, die ausgepreßt
werden kann. Die Muskatnuß zeigt auf ihrer Oberfläche die Furchen,
die von den Lappen des Samenmantels hervorgebracht werden, und die
marmorierte Zeichnung in ihrem Innern rührt davon her, daß das
Nährgewebe des Samens tief zerklüftet ist; und gerade in diesen
Klüften befindet sich in einer bräunlichen Substanz das aromatische
Muskatnußöl, nebst der Butter, die zusammen 33 Prozent ihres Gewichtes
ausmachen. Sie werden durch Pressen der erwärmten Samen in Form einer
bräunlichen, stark muskatnußartig riechenden Masse gewonnen, die häufig
in den Apotheken Verwendung findet.
Nächst einer gleichmäßigen, hohen Temperatur verlangt der Muskatnußbaum
viel Feuchtigkeit im Boden und in der Luft und eine nährstoffreiche,
lockere Erde, wie sie der durch Verwitterung von trachytischer Lava und
vulkanischem Sande entstandene sandiglehmige, humusreiche Boden seiner
Heimat aufweist. Er verleugnet niemals seine Waldbaumnatur, indem er
sein ganzes Leben in der wasserdampfgeschwängerten Luft des Urwaldes,
oder wenigstens im Schatten von Nachbarbäumen stehen will. Auf den
Bandainseln gibt man ihm durchwegs den hohen gemeinen Canarienbaum
(~Canarium commune~) als schattenspendenden Gesellschafter. Dieser
ist auf den Molukken heimisch, seine Fruchtkerne werden wie süße
Mandeln gegessen und sein Harz dient zur Herstellung von Fackeln. Der
Muskatnußbaum wird in von Bananen beschatteten Beeten, die sorgfältig
von Unkraut und Ungeziefer rein gehalten werden müssen, aus den Samen
gezogen und, wenn er 0,8-1,0 m hoch geworden ist, in Abständen von
6-8 m an seinen bleibenden Standort versetzt, an welchem durch
vorheriges Pflanzen jener größeren Schattenbäume für die Abhaltung
allzu großen Sonnenbrandes gesorgt wurde. Dabei pflanzt man auf 20
weibliche Bäume, die ja einzig Frucht tragen, einen männlichen, der zu
deren Befruchtung dient. Die weitere Pflege und das Beschneiden des
Baumes, das nicht allzu ausgiebig erfolgen darf, da er sehr empfindlich
gegen Verwundungen ist, geschieht vollständig wie beim Kakaobaum. Bei
guter Pflege wird der Muskatnußbaum im achten Jahre tragbar, erreicht
aber erst im 14. bis 16. Jahre seine Vollkraft, die er ungefähr 30
Jahre lang bewahrt. Dann geht er seiner Erschöpfung entgegen, deren
rascherer oder kürzerer Verlauf von der Behandlung abhängt. Wenn
dieselbe mustergültig ist, kann der Baum seine Tragfähigkeit auf 80 und
sogar 90 Jahre ausdehnen. Gut gehaltene Bäume liefern mit Leichtigkeit
1500 bis 2000 Nüsse jährlich, doch rechnet man beim Plantagenbau meist
nicht mehr als 2,5 kg getrockneter Nüsse und ein Viertel dieses
Betrages für Macis.
Von der Blüte bis zur Reife der Früchte vergehen neun Monate. Wenn
nun auch das Blühen und Fruchttragen unabhängig von der Jahreszeit
beständig vor sich geht, so spricht man gleichwohl von zwei bis drei
Erntezeiten im Jahr, weil sich innerhalb derselben die Reife am meisten
häuft und man es nicht für lohnend hält, unausgesetzt einzelne reife
Früchte zu ernten. Daher läßt man, soweit es angängig ist, die Früchte
hängen, bis sie in Massen abgenommen werden können. Dies geschieht,
wenn die äußere Schale berstet, im April (beste Qualität), Juli (größte
Menge) und November. Zur möglichsten Schonung der tragenden Zweige
werden die Früchte mittels langer Bambusstangen, an denen vorn ein
Körbchen nebst Haken befestigt ist, gepflückt und zunächst ihres gelben
Fruchtfleisches beraubt, was -- weil die Hülle geborsten ist -- leicht
mit den Händen ausgeführt werden kann. Dieses Fruchtfleisch wird von
den Eingeborenen gegessen und gelangt eingemacht auch nach Europa; doch
wird es in den Plantagen meist weggeworfen. Die von der Macis umgebenen
Nüsse werden in Tragkörben nach Hause gebracht, daselbst der rote
Samenmantel behutsam abgestreift, an der Sonne getrocknet und dabei
mehrfach mit den nackten Füßen platt gestampft, bis er schließlich
dünn und gelb erscheint. Die Kerne dagegen werden ein bis zwei Monate
lang in einem Trockenhaus, in dessen Mitte ein offenes, rauchendes
Feuer unterhalten wird, bei schwacher Hitze getrocknet, indem man sie
jeden zweiten oder dritten Tag vermittelst platter Holzrechen umwendet.
Wenn sie soweit trocken sind, daß die Nuß in der Schale rasselt, wird
letztere mit einem Holzhammer aufgeschlagen und hernach die Muskatnüsse
ausgesiebt. Dann werden letztere mit den Händen sortiert, als Schutz
gegen Insektenfraß mit gepulvertem Kalk eingerieben und, sorgfältig in
Fässern verpackt, in den Handel gebracht. Früher wurden sie von den
Holländern extra eine Zeitlang in einem Kalkwasserbad liegen gelassen,
um in erster Linie ihre Keimfähigkeit zu zerstören und dadurch eine
Weiterverbreitung des Baumes zu verhindern, was wegen des von ihnen
ausgeübten Monopols sehr wichtig war. Doch weiß man jetzt, daß diese
Maßregel vollständig überflüssig ist und das Trocknen der geschälten
Nüsse allein schon genügt, um ihre Keimkraft zu vernichten. Die kleinen
und schadhaften Muskatnüsse werden jetzt gleichfalls meist nach Europa
exportiert, um in Fabriken gemahlen und, in Säcke gefüllt und in
warmem Zustande einer kräftigen Pressung ausgesetzt, das bräunliche,
aromatisch riechende Fett abzugeben, das als Muskatnußbutter in den
Handel gelangt.
Die alten Griechen und Römer scheinen die Muskatnüsse nicht gekannt
zu haben. Eine angebliche Erwähnung durch den griechischen, um die
Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. in Rom lebenden Arzt Dioskurides
ist unsicher. Die erste sichere Nachricht von ihnen findet sich
beim byzantinischen Arzte Aëtios um die Mitte des 6. Jahrhunderts.
Die Araber dagegen kannten sie im 9. Jahrhundert sehr gut, und der
gelehrte arabische Arzt Avicenna, eigentlich Ibn Sina aus Bochara
(980-1037), der Leibarzt mehrerer Sultane, spricht von ihnen als einer
gebräuchlichen indischen Droge. Die später heilig gesprochene Äbtissin
Hildegard im Kloster Rupertsberg bei Bingen (1098-1197) berichtet, daß
man zu ihrer Zeit die Muskatnüsse als kostbares Gewürz benutzte und
sogar davon ins Bier rieb. Diese Sitte blieb das ganze Mittelalter
hindurch gebräuchlich. Der byzantinische Hofarzt Joannes Aktuarius
in Konstantinopel erwähnt die Muskatnuß zu Ende des 12. Jahrhunderts
als ~nux unguentaria~, ~quam myristicam appellant~, d. h. die zur
Bereitung von Salben benützte Nuß, welche man ~myristica~ (griech. zum
Salben gehörig) nennt. Das ganze Mittelalter hindurch genoß man die
Muskatnuß, den verschiedensten Speisen beigemischt, als magenstärkendes
Mittel. Vielfach diente sie auch zu aromatischen Räucherungen, wie
z. B. bei der Krönung Heinrichs VI. im April 1191 in Rom, wo als
solche Balsama neben Weihrauch und Ambra auch die ~myristica~ genannt
wird. Albertus Magnus (1193-1280) schildert Muscata als einen sehr
schönen, lorbeerblätterigen Baum Indiens, dessen Blüte die Macis sein
sollte. 1158 treffen wir ~nuces muscatarum~ aus Alexandrien unter den
Handelsartikeln der Genuesen und 1180 befinden sich Muskatnüsse unter
den in Akkon im südlichen Syrien eingeführten indischen Spezereien. In
einem Festspiel zu Treviso 1214 warf man Muskatnüsse unter die Menge,
und 1228 wurde in Marseille auf die Einfuhr derselben und der Macis
bereits ein Zoll gelegt. Dieselbe Maßregel wurde 1380 von der Stadt
Brügge getroffen, in welcher die Einfuhr dieser Handelsware schon
ballenweise erfolgte.
Vom 12. Jahrhundert an werden die ~nuces moschatae~, d. h. nach Moschus
riechenden Nüsse, woraus unsere deutsche Bezeichnung Muskatnüsse
hervorging, in jeder abendländischen Aufzählung von Heilmitteln und
Gewürzen genannt; dabei findet sich vielfach die Bemerkung, daß sie
aus Indien eingeführt werden. Bald nach der Entdeckung des Seeweges
nach Ostindien um das Kap der Guten Hoffnung durch den portugiesischen
Schiffskapitän Vasco da Gama 1498 sahen auch schon die ersten Europäer,
und zwar Portugiesen, ums Jahr 1504 die ersten Muskatnußbäume auf
den Bandainseln. Dort trieben die einheimischen Fürsten einen
schwunghaften Handel mit den in den westlichen Kulturländern
vielbegehrten Muskatnüssen. Namentlich waren die Sultane von Ternate
und Tidor, zweier kleiner Inseln an der Westküste von Dschilolo in der
ostmalaiischen Inselwelt, wegen ihres durch den Handel mit jenen Nüssen
erworbenen großen Reichtums und ihrer dadurch bedingten königlichen
Prunkentfaltung berühmt. So gibt uns der englische Seefahrer Sir
Francis Drake (1540-1596), der bei einer Reise um die Erde 1579, also
bereits nach der Vertreibung der Portugiesen, Ternate besuchte, eine
eingehende Schilderung der dort entfalteten Pracht. Er schreibt. „Über
dem König wurde ein sehr kostbarer Baldachin von getriebener Goldarbeit
getragen, und zwölf Lanzenträger waren seine Beschützer. Vom Gürtel
bis auf den Boden waren alle Kleider von Gold und prächtig verziert.
In seinen Kopfputz waren verschiedene über einen Zoll breite Ringe
geflochtenen Goldes eingewebt, was ihm ein fürstliches Aussehen gab
und der Form nach einer Krone glich. Um den Hals trug er eine Kette
aus gediegenem Gold mit sehr großen Gliedern, zweimal herumgelegt. An
seiner Linken blitzten ein Diamant, ein Smaragd, ein Rubin und ein
Türkis und an seiner Rechten in einem Ringe ein dicker tadelloser
Türkis und in einem anderen viele Diamanten von geringerer Größe.“
Mit Waffengewalt setzten sich nun die Portugiesen zu Beginn des
16. Jahrhunderts auf den solch kostbares Gewürz hervorbringenden
Bandainseln fest und erhoben die Erzeugung und den Handel mit dieser
Droge zu ihrem Monopol. Fast ein Jahrhundert lang besaßen sie es
und übermittelten ausschließlich den Völkern des Abendlandes die
so geschätzten Muskatnüsse, Gewürznelken und den Zimt, was ihnen
reichen Gewinn brachte. Erst 1605 vertrieben sie die nach dem blutigen
Kampfe gegen die spanischen Habsburger als seefahrende Nation
erstarkten Holländer von den Gewürzinseln und erhoben den Handel
mit den obgenannten Gewürzen zu ihrem ausschließlichen Monopol,
das sie mit äußerster Strenge handhabten. Sie beschränkten die
Kultur des Muskatnußbaumes auf die Inseln Banda und Amboina, deren
Bevölkerung, soweit sie nicht geflüchtet war, zu Sklaven gemacht und
ihr Grundbesitz unter die holländischen Ansiedler verteilt wurde.
Diese mußten ihr ganzes Gelände mit Muskatnußbäumen bepflanzen und
die Ernten zu festgesetzten Preisen an die Regierung, d. h. an die
niederländisch-ostindische Kompagnie verkaufen. Diese machte natürlich
ausgezeichnete Geschäfte und geriet erst in den 1790er Jahren, als das
Monopol durchbrochen war, in Bedrängnis, so daß der holländische Staat
selbst jene Gewürzinseln in Regie nahm.
Da nun aber die auf den Molukken zahlreich vorkommenden, teilweise
bunt gefiederten Tauben aus der Gattung ~Myristicivora~, d. h.
Mußkatnußfresser, sich vorzugsweise von den Früchten des Muskatnußbaums
ernähren und dabei nicht selten die reife Frucht mit dem für sie
allein verdaulichen Fruchtfleisch verschlucken und mit dem Kote die
Nuß mit unverminderter Keimkraft wieder von sich geben, so konnten
sie es nicht verhindern, daß hin und wieder auf benachbarten Inseln
auf solche Weise verschleppte Muskatnußbäume auftauchten. Wer nun von
Eingeborenen das Vorhandensein solcher Bäume auf unerlaubtem Gebiete
verheimlichte und durch den Verkauf der Nüsse das von der holländischen
Handelsgesellschaft für sich in Anspruch genommene Gewürzmonopol zu
durchbrechen versuchte, der wurde erbarmungslos von den holländischen
Beamten mit dem Tode bestraft.