ausschließlich von wildwachsenden Bäumen gewonnen. Seitdem wird er
durch Samen oder Stecklinge in Plantagen kultiviert, die jährlich
behackt und sorgfältig von Unkraut freigehalten werden. Dadurch wird
eine viel bessere Qualität als die von Wildlingen erzielt; doch eignet
sich zu seiner Kultur nur ein 20 km breiter Küstenstreifen im Südwesten
der Insel bis zu 500 m Meereshöhe. Die Anbauversuche in anderen
Tropengebieten haben vielfach fehlgeschlagen; nur das Kamerungebiet
scheint in einer Höhe von 500-1000 m günstige Verhältnisse darzubieten.
Am besten geeignet zu seiner Kultur ist sandiger, mit Humus
vermischter, kieselsäurereicher Boden; nur auf ihm erzeugt er eine
hellfarbige, dünne, aromatische Rinde. Wie anderer, besonders zu fetter
und zu nasser Boden, so beeinträchtigt auch zu üppiges, ebenso ein
kümmerliches Wachstum die Qualität der Rinde, die dann dunkler, dick
und arm an Aroma wird. Meist geschieht der Anbau des rascheren Ertrages
wegen durch Stecklinge, die man 3 m weit auseinander in Reihen,
zwischen denen Gänge hindurchführen, pflanzt. Den jungen Sträuchern ist
eine leichte Beschattung nötig. Haben die Stämmchen nach 3-4 Jahren
eine Länge von gegen 3 m erreicht, so werden sie 10-15 cm über dem
Boden abgeschnitten. Diese Erstlingsernte steht an Menge erheblich und
auch an Güte etwas den folgenden Ernten nach. Aus dem Stumpf treibt
nun bald eine ganze Anzahl von Schößlingen aus, von denen man aber nur
vier bis sechs sich entwickeln läßt. Nach 1½-2 Jahren werden auch diese
geerntet, sobald die grünlichgraue Farbe der Rinde beginnt, einen
bräunlichen Ton anzunehmen. Die Arbeiter in den Zimtplantagen haben
auch sonst noch allerlei Merkmale, an denen sie den richtigen Zeitpunkt
der Ernte erkennen. Zweimal im Jahr, jedesmal nach der Regenzeit, wenn
der Saftumlauf in den Zimtbäumen den höchsten Grad erreicht hat, werden
die Pflanzungen besichtigt und ihre reifen Schößlinge ausgehauen. In
Ceylon sind Mai-Juni und Oktober-November die beiden Erntemonate für
Zimt, und zwar wird dem Mai der Vorzug gegeben, weil die Schößlinge
dann saftreicher sind und sich infolgedessen leichter schälen lassen.
Mit einem Haumesser bewaffnet durchsuchen die Arbeiter die
Zimtpflanzung nach reifen Schößlingen, die ungefähr 1,5 cm Durchmesser
besitzen. Bevor solche abgeschlagen werden, ritzt man die Rinde an
einer Stelle mit dem Fingernagel, um zu sehen, ob sie sich leicht vom
Holz löst. Bleibt die Rinde zäh am Holz hängen, so wird der betreffende
Schößling geschont, bis er, wenn möglich, das nächste Mal ein
befriedigenderes Resultat liefert, oder, falls dies nicht der Fall und
der richtige Zeitpunkt der Ernte überschritten ist, dennoch abgehauen
und als alte Rinde in die Destillerie gegeben wird.
Jeder Arbeiter schneidet soviel Stücke ab, als er in einem Bündel zu
tragen vermag. Dann werden die abgehauenen Schößlinge in der Plantage
selbst von den Blättern und kleinen Zweigen befreit und nach einem
Schuppen gebracht, wo sie in der Weise geschält werden, daß in ihre
Rinde zwei Längsschnitte an einander gegenüberstehenden Stellen und
außerdem in Abständen von 30-50 cm einige Rundschnitte gemacht werden.
Mit Hilfe eines kleinen, sichelförmigen Messers, das zwischen Holz
und Rinde geschoben wird, geht dann das Schälen leicht von statten.
Bleibt die Rinde an einer Stelle hängen, so reibt man sie an der
betreffenden Stelle auf der Außenseite mit dem Messerstiel so lange,
bis sie sich löst. Mehrere der Rindenstücke werden dann ineinander
gesteckt, diese Ruten dann zu dicken Bündeln zusammengeschnürt, diese
auf Haufen gelegt und mit Tüchern bedeckt, um wenigstens 24 Stunden
so zu verbleiben. Dadurch tritt eine Art Gärung ein, welche das
Abschaben der geruch- und geschmacklosen äußeren Rindenschicht oder
Borke sehr erleichtert. Dieses Abschaben geschieht vermittelst des
vorhin erwähnten gekrümmten Messers. Dabei werden die Rindenstücke
mit der Innenseite auf einen glatten Stab gelegt, der eine solche
Dicke hat, daß das Rindenstück glatt auf ihm aufliegen kann. Diese
Arbeit erfordert viel Geschicklichkeit und Übung; denn, wenn ein Rest
von Borke zurückbleibt, gewinnt der Zimt einen bitteren Geschmack.
Andererseits dürfen keine Löcher in die Rinde geschabt werden, trotzdem
sie oft auf nur ¼ mm Dicke gebracht werden muß. Nachdem die geschabten
Stücke oberflächlich getrocknet sind, werden sie zu etwa 1 m langen
Ruten zusammengesteckt (lateinisch ~canella~ Röhrchen genannt, weshalb
der Zimt die Bezeichnung Kaneel erhielt), oben und unten auf die
richtige Länge geschnitten, auf Regalen getrocknet, wobei sich die
einzelnen Rindenstücke zur Form eines Zylinders zusammenrollen und
die Rute einige Festigkeit erhält. Zuletzt wird der Zimt sortiert
und zur Verschiffung in ungefähr 45 kg schwere Ballen verpackt. Die
minderwertige Rinde und aller Abfall, bisweilen sogar die Blätter,
wandern in die Destillerie, um das als Heilmittel wichtige Zimtöl
daraus zu gewinnen. In Ceylon, dessen Zimtkulturen fast den gesamten
Zimtbedarf der Erde decken, rechnet man auf das Hektar etwa 180 kg
marktfertigen Zimt; doch kann dieser Betrag bei sorgfältiger Pflege
und Erntebereitung erheblich überschritten werden. Der Ceylonzimt
ist weitaus der beste, da der ceylonische Zimtbaum bei der Kultur in
anderen Ländern überall ausartet. Der nach dem Verschiffungshafen
Tellichery an der Malabarküste genannte südindische Zimt ist auch sehr
gut. Zweiter Güte ist der javanische und dritter der amerikanische Zimt
aus Französisch-Guiana und Brasilien. Bis jetzt haben die Anbauversuche
dieses Gewürzbaumes weder in Kamerun, noch in Deutsch-Ostafrika, wo er
ganz gut gedeiht, nennenswerte Erträge gebracht.
Die ceylonischen Zimtgärten nehmen ungefähr 13500 Hektare ein, und
liefern jährlich etwa 900000 kg Zimt im Werte von 9 Millionen Mark.
Von der Ausfuhr gehen 80-90 Prozent nach England. Cochinchina baut
nordwestlich der Stadt Taifu etwa 150000 kg Zimtrinde, die meist
die Chinesen an sich ziehen. Im ganzen dürfte die jährliche Ernte
echten Zimts 1,5 Millionen kg nicht überschreiten. Feiner Ceylonzimt
wird in London durchschnittlich mit 2 Schilling (2 Mark) das Pfund
bezahlt, während Zimt anderer Herkunft nur 10 Pence (0,85 Mark) gilt.
Kassienzimt ist um vier Fünftel billiger als Ceylonzimt.
Dieser letztere, meist nur +Kassia+ genannt, stammt von verschiedenen,
dem echten Zimtbaum sehr ähnlichen, nur etwas größer und kräftiger
werdenden Verwandten derselben Gattung ~Cinnamomum~, die in
Hinterindien und Südchina wild wachsen und dort, wie auch in
Ostindien und dem malaiischen Archipel, neuerdings auch in Süd- und
Mittelamerika kultiviert werden. Die häufigst angepflanzte Art ist
~Cinnamomum cassia~. Dieser Baum wird in derselben Weise, nur nicht
so sorgfältig wie der echte Zimt kultiviert. Er findet sich außer
in Cochinchina besonders in den südchinesischen Provinzen Kuang-si,
Kuang-tung und Kuei-tschou angepflanzt. Von hier stammt weitaus der
größte Teil der als chinesischer Zimt bezeichneten Kassia, den die
Kulturländer verbrauchen. Nächstdem kommt Bengalen und Malabar in
Britisch-Indien und Java und Sumatra in Holländisch-Indien. Gute Kassia
ist ein billigerer Ersatz des teuren, echten Ceylonzimts und wird
häufig unter dessen Namen in den Handel gebracht. Sie ist dicker und
kräftiger als Zimt, bricht kürzer, schmeckt beißender und ist ärmer an
Aroma. Diese Unterschiede verschwinden um so mehr, je feiner die Kassia
und je geringer der Zimt ist. Besonders in gemahlenem Zustand wird
Kassia sehr häufig als Zimt verkauft, oder kommt mit Zimt vermischt als
reiner Zimt in den Handel. Die +Kassiablüten+ haben einige Ähnlichkeit
mit den Gewürznelken, sind nur etwas kleiner. Sie stellen die in der
Sonne getrockneten, ganz jungen Früchte des besonders in Südjapan
kultivierten ~Cinnamomum dulce~ bald nach dem Verblühen der Blüten
dar und werden gleicherweise wie die Rinde als Arznei und Gewürze
verwendet. Als Zimtnägelein standen sie im Mittelalter hoch im Preise
und wurden besonders zur Herstellung des als Hippokras bezeichneten
Würzweins benutzt. Die Kultur und Ernte der Zimtkassia ist ganz analog
derjenigen des echten Zimts.
Die Kassia wird seit Urzeiten vom alten Kulturvolke der Chinesen
als geschätzte Arznei und Würze verwendet. Schon in einem auf den
chinesischen Kaiser Schen-nung ums Jahr 2800 v. Chr. zurückgeführten
Kräuterbuche wird sie unter dem Namen ~kwai~ angeführt, der sich in
China unverändert bis heute für Zimt erhalten hat. Sie ist es auch,
welche unter dem heute noch gebräuchlichen Namen ~kasia~ neben dem
echten Zimt schon im frühen Altertum auf dem Seewege an die Küsten
des Roten Meeres gebracht und von dort aus an die Kulturvölker im
Bereiche des östlichen Mittelmeerbeckens weiter verhandelt wurde. In
einem uralten, an der Wand des Laboratoriums des Tempels von Edfu (18.
Dynastie 1580-1350 v. Chr.) in Hieroglyphen eingemeißelten Rezept zu
heiligem Räucherwerk wird Zimt als ~kainamaa~ aufgeführt. Und als die
unternehmende Tochter und Erbin des ägyptischen Königs Thutmosis I.,
Hatschepsut, die mit ihrem Halbbruder Thutmosis II. verheiratet war
und nach dessen Tode von 1516-1481 v. Chr. selbständig über Ägypten
herrschte, im 9. Jahre ihrer Regierung eine Expedition von fünf
Schiffen nach dem Lande Punt (Südarabien) sandte, brachte diese außer
Weihrauch, Gold und Elfenbein auch Zimt in größerer Menge nach der
Residenz Theben mit. Da nun im Lande Punt kein Zimt wuchs, müssen ihn
indische Handelsschiffe dahin gebracht haben.
Zu Ende des zweiten vorchristlichen Jahrtausends war der Zimt als
kostbarer Handelsartikel Vorderasiens auch den Juden und den Phönikiern
unter dem Namen ~kinnamon~ bekannt. So lesen wir in dem zur Zeit der
israelitischen Könige, deren drei erste Saul (1055 bis 1033 v. Chr.),
David (1033-993) und Salomo (993-953) waren, verfaßten Pentateuch im
2. Mose 30, 22 u. f. welche Wertschätzung dieses ferne Produkt Indiens
bei den ältesten Juden besaß. Dort heißt es: „Und der Herr (Jahve)
redete mit Mose (am Sinai um 1280 v. Chr.) und sprach: Nimm zu dir die
besten Spezereien 500 (Sekel) und Zimt halb soviel, nämlich 250, und
Kalmus auch 250, und Kassia 500 nach dem Sekel des Heiligtums und Öl
vom Ölbaum 1 Hin, und mache ein heiliges Salböl nach der Apothekerkunst
und salbe damit die Hütte des Stifts und die Lade des Zeugnisses,
den Tisch mit all seinem Geräte, den Leuchter mit seinem Geräte, den
Räucheraltar, den Brandopferaltar mit all seinem Geräte und das Handfaß
mit seinem Fuß; und sollst sie also weihen, daß sie das Allerheiligste
seien, denn wer sie anrühren will, der soll geweiht sein. Und sollst
mit den Kindern Israels reden und sprechen: Dieses Öl soll mir eine
heilige Salbe sein bei euren Nachkommen. Auf Menschen soll es nicht
gegossen werden, du sollst auch seinesgleichen nicht machen; denn es
ist heilig, darum soll’s euch heilig sein. Wer ein solches (Öl) machet
oder einem andern davon gibt, der soll von seinem Volk ausgerottet
werden.“
Dann findet sich der Zimt in der den Sprüchen Salomos nachgeahmten
„Weisheit Jesu, des Sohnes Sirach“, die ein gelehrter jüdischer
Priester von angesehener Lebensstellung ums Jahr 180 v. Chr. in
Alexandrien in griechischer Sprache verfaßte, und in der im Jahre 68
auf 69 n. Chr. in Ephesus ebenfalls griechisch abgefaßten Offenbarung
des Johannes erwähnt, und zwar in letzterer Schrift dort, wo von den
Waren die Rede ist, die die Kaufleute Babylons verkaufen: Silber,
Gold, Edelstein, Perlen, Seide, Purpur und Scharlach, Zimt, Weihrauch,
Thymian, Salben, Wein, Öl, Weizen, Vieh usw.
Phönikische Kaufleute brachten den Zimt unter der von ihnen dafür
gebrauchten Bezeichnung kinnamon zu den Griechen und müssen
ihnen dabei recht abenteuerliche Geschichten über dessen Herkunft
und Gewinnung erzählt haben; denn gleich der erste griechische
Schriftsteller, der diese kostbare, als Gewürz und Arznei
gleich hochgeschätzte Droge erwähnt, der Vater der griechischen
Geschichtschreibung Herodot (484 bis 424 v. Chr.), der selbst Ägypten,
Syrien und Babylonien bereiste, schreibt über ihn: „Die Araber sind
nicht imstande anzugeben, in welchem Lande der Zimt (~kinnámōmon~)
wächst, doch vermuten einige, er wachse in den Ländern, in denen
Dionysos (der angeblich aus Indien stammende, über Kleinasien nach
Griechenland gekommene orientalische Gott des Natursegens und der
bei seinen Festen zum Ausdruck kommenden ausgelassenen Lebensfreude)
erzogen worden. Große Vögel brächten die Späne herbei, welche die
Phönikier ~kinnámōmon~ nennen, welchen Namen wir von ihnen entlehnt
haben. Die Vögel trügen den Zimt in ihre an unzugängliche Felsen
gebauten Nester. Um ihn nun von da zu bekommen, legten die Araber große
Stücke Fleisch von krepierten Rindern, Eseln usw. unter die Felsen
und versteckten sich dann. Die Vögel trügen die Fleischstücke in ihre
Nester und überlüden sich so damit den Magen, daß sie herunterstürzten,
worauf der Zimt gesammelt und nach den anderen Ländern hin verhandelt
würde.“
Noch Aristoteles (384-322 v. Chr.), seit 343 Lehrer Alexanders des
Großen, -- sein Vater Nikomachos war in Stagira in Makedonien Leibarzt
und Vertrauter des Königs Amyntas II. von Makedonien gewesen -- meldet
uns solche zu seiner Zeit herum gebotene und geglaubte Märchen, indem
er in seiner Naturgeschichte sagt: „Das Zimtvögelchen soll in den
Gegenden, wo es heimisch ist, Zimt zusammentragen und sein Nest daraus
auf den Zweigen hoher Bäume bauen. Die Bewohner des Landes sollen es
von da mit Pfeilen, deren Spitze von Blei ist, herabschießen und so
den Zimt gewinnen.“ Sein Schüler Theophrast (390-286 v. Chr.) weiß
uns, nachdem inzwischen Alexander der Große seinen Zug nach Indien
ausgeführt hatte, schon Positiveres über den Zimt, wie auch über Kassia
zu berichten. Er schreibt in seiner Pflanzengeschichte: „Über Zimt
(~kinnámōmon~) und Kassia (~kasia~) berichtet man folgendes: Beide
sollen Sträucher von unbedeutender Höhe, dabei dem Keuschbaum (~ágnos~,
~Vitex agnus castus~) ähnlich sein und viele holzige Zweige haben. Wenn
man den ganzen Zimtbaum fällt, so soll man ihn in fünf Teile teilen.
Die jungen Triebe sollen den besten Zimt geben und man schneidet davon
Stücke eine Spanne lang oder wenig länger. Was darunter folgt gibt
die zweite Sorte und wird kürzer geschnitten; dann folgt die dritte
und vierte Sorte. Die letzte Sorte ist der Wurzel am nächsten und die
schlechteste; denn da ist wenig Rinde. Überhaupt wird nur die letztere
gebraucht, nicht das Holz. Deswegen sind eben die Zweige am besten;
denn sie haben die meiste Rinde.
Andere behaupten ebenfalls, es seien Sträucher, aber es gebe eine
weiße und schwarze Sorte. Es geht auch die Sage, daß sie in Schluchten
wachsen, worin viele Schlangen leben, deren Biß tödlich ist. In diese
Schluchten gehe man zum Sammeln des Zimts mit geschützten Händen und
Füßen. Das Gewonnene teile man in drei Teile, bestimme den einen für
den Sonnengott und entscheide durch das Los, welchen er bekommen solle.
Gehen die Leute fort, so soll der dem Sonnengott zuteil gewordene Zimt
sogleich verbrennen. Das ist aber natürlich nur Fabel.
Von der Kassia sagt man, sie habe dickere Ruten, deren Rinde man
nicht abschälen könne. Deswegen verfahre man, da man auch von ihr nur
die Rinde will, folgendermaßen: Man schneidet die Ruten in Stücke,
welche zwei Finger lang oder etwas länger sind. Diese näht man in eine
frische, abgezogene Tierhaut; dann erzeugten sich aus der Fäulnis der
Haut und des Holzes Würmer, die das Holz wegfräßen, die Rinde aber
wegen ihres scharfen Geruches und ihrer Bitterkeit nicht anrühren.“
Um 50 v. Chr. berichtet uns der griechische Geschichtschreiber Diodoros
aus Sizilien in seinem Geschichtswerk: „In Arabien wachsen Costus,
Kassia, Zimt und andere Herrlichkeiten in solcher Menge, daß man dort
Dinge, die man bei uns nur sparsam auf die Altäre der Götter legt, zum
Heizen der Kochherde verwendet, und daß Dinge, die man anderwärts nur
in kleinen Proben sieht, dort als Streu für die Leute gebraucht werden.
Namentlich wächst in Arabien der sogenannte Zimt, ein ausgezeichnet
nützlicher Stoff, nebst Gummi und wohlriechendem Terpentin in
unermeßlichem Überfluß.“
Auch der 25 n. Chr. gestorbene griechische Geograph Strabon, der weite
Reisen durch das Römerreich machte, war noch im Wahn befangen, daß
das Glückliche Arabien, das doch nur den Zimt und die anderen Gewürze
von Indien her bezog, solchen selbst hervorbringe. Er sagt in seinem
Geographiebuch: „Im arabischen Gewürzland soll Weihrauch und Myrrhe
von Bäumen, Kassia aber von Sträuchern gewonnen werden, die meiste
Kassia jedoch, wie manche behaupten, aus Indien. Es wächst in diesem
Gewürzland auch Zimt und Narde; den meisten Wein gewinnt man dort
von Palmen.“ Und an einer anderen Stelle schreibt er: „Daß der Nil
zu der Zeit schwelle, wo das oberhalb Ägyptens liegende Negerland
von Platzregen überschwemmt wird, hat man von Leuten erfahren, die
im Arabischen Meerbusen bis zum Zimtlande geschifft sind, oder von
solchen, die von den Ptolemäern auf die Elefantenjagd ausgesandt
wurden.“
Der um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. lebende griechische Arzt
Dioskurides zählt verschiedene Sorten Zimt und deren Eigenschaften auf
und meint, die beste müsse eigentümlich wohlriechen und scharf, fast
beißend und erhitzend schmecken. Er werde als Arznei, als Parfüm für
Salben und sonst zu gar mancherlei Zwecken gebraucht. Sein Zeitgenosse
Plinius, der 79 n. Chr. beim Vesuvausbruch umkam, war schon besser
als seine griechischen Vorgänger unterrichtet. Er schreibt in seiner
Naturgeschichte: „Zimt (~cinnamomum~) und Kassia (~casia~) trägt
Arabien nicht. Übrigens haben die alten Schriftsteller und namentlich
Herodot über den Zimt allerlei Fabeln berichtet, so z. B. daß er in
der Heimat des Bacchus von unzugänglichen Felsen und Bäumen aus dem
Neste des Vogels Phönix teils durch das Gewicht hineingetragenen
Fleisches herabgestürzt, teils mit Pfeilen herabgeschossen werde.
Ferner müsse man an den dortigen Sümpfen, um die Kassia zu gewinnen,
gegen die Krallen gräßlicher Fledermäuse und gegen geflügelte Schlangen
kämpfen. Das sind nun lauter Fabeln, durch die man den Preis der
Ware zu steigern suchte. Es schließt sich an die genannte Sage noch
eine zweite, daß nämlich durch die Hitze der südlichen Sonne auf der
ganzen Halbinsel ein unbeschreiblicher Wohlgeruch erzeugt werde, in
welchem sich die Würze und Balsamdüfte so vieler Pflanzen vereinten,
daß z. B. die Flotte Alexanders des Großen auf hohem Meere die Nähe
Arabiens zuerst durch den Geruch entdeckt habe. Lauter Erdichtung!
Denn Zimt und Kassia wachsen im Lande derjenigen Neger, welche mit den
Troglodyten verwandt sind. Die Troglodyten kaufen den Zimt von ihren
Nachbarn und verhandeln ihn weithin übers Meer auf Flößen, welche weder
durch Steuerruder gelenkt, noch durch Ruder oder Segel in Bewegung
gesetzt, ja nicht einmal durch den Verstand der Menschen regiert
werden, sondern nur auf gut Glück drauflos fahren. Sie gehen übrigens
Mitte Winters in See, zur Zeit da vorzüglich Südostwinde wehen. Diese
treiben sie geradewegs durch die Meerbusen hin, und nach der Fahrt um
das Vorgebirge führt sie der Westsüdwest in den Hafen der Gebaniter,
welcher Ocilia heißt. So kaufen denn die Gebaniter vorzugsweise den
Zimt auf und sagen, die Zimtverkäufer kämen in fünf Jahren kaum
einmal und viele von ihnen verunglückten. Für den Zimt tauschen die
Troglodyten Glas- und Bronzewaren, Kleider, Spangen und Geschmeide ein.
Der Zimtstrauch wird höchstens 2 Ellen, mindestens aber 1 Hand hoch
und sieht wie vertrocknet aus. So lange er grün ist, hat er keinen
Wohlgeruch; er hat Blätter wie der Dosten (~origanum~), steht gerne
trocken, wächst bei starkem Regen schlecht, verträgt den Schnitt gut.
Er wächst in Ebenen, aber zwischen dichtem Dornengebüsch, so daß man
ihm schwer beikommt. Die Ernte wird nur vorgenommen, wenn ein Gott es
erlaubt, welchen die Eingeborenen Assabinus nennen, manche aber für
den Jupiter halten. Die Erlaubnis zur Ernte gibt der Gott nur gegen
ein Opfer von 44 Rindern, Ziegen und Widdern. Vor Aufgang der Sonne
und nach deren Untergang darf nicht geschnitten werden. Der Priester
des Gottes teilt die Zweige mit einer Lanze, sondert den Anteil des
Gottes aus; das übrige verpackt der Kaufmann. Nach anderen Angaben
bekommt jener Gott ein Drittel, ein anderes die Sonne, ein Drittel der
Kaufmann. Über die drei Teile soll zweimal gelost werden; der Anteil
der Sonne soll von selbst in Flammen aufgehen. Am höchsten im Preise
stehen die Zweigenden, welche in Stücke von Handlänge geschnitten sind;
für geringer gelten die hinter jenen stehenden, kürzer geschnittenen
Stücke. Am wenigsten werden die der Wurzel zunächst stehenden Teile
geschätzt; denn sie haben am wenigsten Rinde, und gerade in der Rinde
liegt der Wert. Das Holz des Zimtstrauchs wird verachtet, weil es
scharf und nach Dosten riecht. Man nennt es ~xylocinnamomum~ und
bezahlt das Pfund mit 10 Denaren (6 Mark).
Manche unterscheiden eine hellere und eine dunklere Sorte von Zimt.
Früher gab man ersterer den Vorzug; jetzt gilt die dunkle und sogar die
gefleckte für besser. Am sichersten kann man den Zimt für gut erklären,
wenn er nicht rauh ist und wenn gegeneinander geriebene Stücke nur
langsam zerbröckeln. Weiche oder mit loser Oberhaut überzogene Stücke
achtet man gar nicht. Den Preis des Zimts bestimmt einzig der König der
Gebaniter. Das Pfund galt sonst 1000 Denare (600 Mark). Jetzt ist er
um die Hälfte im Preise gestiegen, weil die Barbaren, wie man erzählt,
ganze Wälder abgebrannt haben; aus welchem Grunde weiß man nicht
sicher. Es gibt auch Schriftsteller, welche behaupten, daß die Südwinde
im Zimtlande so heiß wehen, daß sie im Sommer die Wälder versengen.
Kaiser Vespasian (geb. 9 n. Chr., wurde 69 nach Othos Sturz von seinen
Legionen zum Kaiser ausgerufen, bestieg den Thron, nachdem sein
Legat Antonius Primus den Kaiser Vitellius gestürzt hatte, schloß 71
den Janustempel, starb 79) ist der erste gewesen, welcher in allen
Tempeln des Kapitols und im Friedenstempel in Gold gefaßte Zimtkränze
aufhing. Ich habe auch eine sehr schwere Wurzel des Zimtstrauches
im Palatinischen Tempel gesehen, den Augusta (dritte Gemahlin des
Augustus, 38 v. Chr. von Tiberius Claudius Nero geschieden, übte großen
Einfluß auf Augustus aus, sicherte ihrem Sohne Tiberius die Nachfolge
durch Wegräumung mehrerer Glieder des julischen Geschlechts, hieß
eigentlich Livia Drusilla, erhielt aber 14 n. Chr. im Todesjahre des
Augustus den Namen Julia Augusta, d. h. „die erhabene Julia“, starb 29)
ihrem Gemahl Augustus erbaut hat. Die Wurzel lag auf einer goldenen
Schale. Jahr für Jahr drangen Tropfen aus ihr hervor und verhärteten,
bis der Tempel von einer Feuersbrunst verzehrt wurde.“ Weiter berichtet
Plinius:
„Auch die Kassia ist ein Strauch, der auf Ebenen neben dem Zimte
wächst, auf Bergen aber stärkere Triebe bildet. Die Schale ist dünn,
bildet keine eigentliche Rinde und wird um so höher geschätzt, je
zarter sie ist, was sich beim Zimt gerade umgekehrt verhält. Der
Strauch wird 3 Ellen hoch und hat 3 verschiedene Farben. Schlägt er
aus, so ist er einen Fuß hoch weiß, einen halben Fuß höher rot, weiter
hinauf dunkelfarbig. Dieser Teil wird am höchsten geschätzt, der rote
geringer, der weiße gar nicht. Am wertvollsten ist die frische Kassia,
welche einen sanften Geruch und mehr einen brennenden, als allmählich
erwärmenden und sanft beißenden Geschmack hat, an Farbe purpurbraun,
an Gewicht leicht ist und kurze, nicht zerbrechliche Röhrchen bildet.
Man nennt diese Sorte mit einem ausländischen Namen lada, eine andere
heißt von ihrem balsamischen Geruch ~balsamodes~; sie ist aber bitter,
wird mehr von Ärzten gebraucht, wie die dunkelfarbige zu Salben. Keine
andere Ware hat so verschiedene Preise. So kostet das Pfund bester
Kassia 50 Denare (30 Mark), geringere nur 5 Denare (3 Mark).“
Neben Zimt und Kassia hat übrigens schon das Altertum aus Indien die
wohlriechenden Blätter und wohl auch die Rinde einer von uns als
+Mutterzimt+ (~Cassia tamala~) bezeichneten Kassienart bezogen, die
als ~malabáthron~ bei den Griechen und Römern als kostbares Parfüm
sehr beliebt waren. Aus ihnen wurde auch eine viel begehrte Salbe
hergestellt, die an Beliebtheit fast die berühmte indische Nardensalbe
erreichte. Der griechische Schriftsteller Arrianus, der im Jahre 136
unter Hadrian Präfekt von Kappadokien war und unter Mark Aurel starb,
sagt in seinem Bericht über die Umschiffung des Roten Meeres, daß
viele Schiffe nach dem am Südwestufer Indiens gelegenen Handelsplatz
Nelecynda fahren, weil dort Pfeffer und ~malabáthron~ in Menge und
besonderer Güte zu haben seien.