weil sich der im Durchschnitt orangebraune Wurzelstock in eine Anzahl
mannsfingerdicker und -langer Seitentriebe verästelt -- gibt es mehrere
Spielarten, die nach ihren Produktionsländern benannt werden. Die
chinesische, die vorzugsweise auf der Insel Formosa erzeugt wird, gilt
für die beste, dann folgen an Güte diejenigen von Bengalen und Pegu,
die sich beide durch eine intensive Färbung auszeichnen. Auch die Sorte
von Madras wird als eine feine Qualität betrachtet, während diejenige
von Java wegen ihrer matten Farbe nur geringe Preise erzielt. Als die
geringwertigsten gelten diejenigen von Bombay und Scinde. Die Pflanze
treibt hohe, mit 30 cm langen, breit lanzettlichen Blättern besetzte
Schäfte, die in einen Blütenstand von dichtsitzenden, rahmgelben
Blüten enden, die von schön violett gefärbten Schaublättern überragt
werden. Da aber in der Kultur seit undenklicher Zeit die Blütentriebe
als nutzlose Kraftverschwendung der Pflanze ausgebrochen werden, so
hat sie die Fähigkeit, keimbare Früchte zu erzeugen, mit der Zeit
ganz eingebüßt, so daß sie jetzt ausschließlich durch Wurzelknollen
vermehrt wird. Diese werden in fruchtbaren, von Überschwemmungen
verschonten Boden in Abständen von 60 cm nach jeder Richtung im
April und Mai gepflanzt und im Dezember geerntet, wobei man als
Durchschnittserträgnis 5000 kg vom Hektar annimmt. Die Wurzelstücke
werden zunächst in heißes Wasser getaucht, um ihre Keimkraft zu
zerstören, dann 3-4 Tage an der Sonne getrocknet und schließlich in
Säcke verpackt.
Noch wichtiger und auch bei uns bekannter als sie ist ihr naher
Verwandter, der +Ingwer+ (~Zingiber officinale~), dessen etwa
daumendicke und in frischem Zustand fleischige Wurzelstöcke, die
2,2 Prozent eines hellgelben ätherischen Öles und ein brennend
schmeckendes Harz enthalten, wegen ihres aromatischen Geruches und
feurig gewürzhaften Geschmackes seit den ältesten Zeiten in ihrer
Heimat Ostindien als Medizin und Gewürz verwendet werden. Im Sanskrit
heißt er ~sringavera~. Früh schon wurde er durch den Handel nach Westen
gebracht und gelangte um die Wende der christlichen Zeitrechnung durch
das Rote Meer zu den Griechen und Römern, die ihn nach der arabischen
Bezeichnung ~zindschebil~, d. h. Wurzel von Zindschi, ~zingiberi~
nannten und als kostbares Gewürz und Medikament schätzten. Der
griechische Arzt Dioskurides, um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr.,
sagt in seiner Arzneikunde von ihm: „Der Ingwer (~zingíberis~) ist ein
eigentümliches Gewächs, das im troglodytischen Arabien sehr häufig
wächst. Das frische Kraut wird gekocht zu vielen Dingen, wie bei uns
die Raute (~pḗganon~) gebraucht, indem man es zu Tränken und gekochten
Speisen mischt. Die Wurzeln sind klein wie beim Cypergras (~kýpeiros~),
weißlich, wohlriechend und von pfefferartigem Geschmack. Man wählt zum
Gebrauch die nicht von Würmern zerfressenen Wurzeln. Weil sie leicht
verderben, werden sie eingemacht und in irdenen Gefäßen nach Italien
gebracht; sie sind dann zum Verspeisen fertig und werden samt ihrer
Brühe verbraucht. Der Ingwer erwärmt, befördert die Verdauung, ist dem
Magen gesund; er wird auch Gegengiften zugesetzt und hat in seiner
Wirkung Ähnlichkeit mit dem Pfeffer.“ Auch Plinius sagt in seiner
Naturgeschichte: „Der Ingwer, den man ~zimpiberi~ oder ~zingiberi~
nennt, hat einen pfefferartigen Geschmack, wächst in Arabien und bei
den Troglodyten. Das Pfund kostet 6 Denare (= 3.60 Mark).“
Das Ansehen des Ingwers wuchs im Abendlande noch bedeutend im Laufe
des Mittelalters, da er als eine der begehrtesten Spezereien des
Levantehandels durch die Vermittlung der Araber und Venezianer auf
den europäischen Markt gebracht wurde. Aus Italien kam er im 9.
Jahrhundert zuerst nach Deutschland und im 10. Jahrhundert nach
England. Scribonius Largus nennt ihn ~gingiber~ und die heilige
Hildegard von Rupertsberg bei Bingen im 12. Jahrhundert ~ingeber~.
Später ist er als ~imber~ allgemein bekannt und besonders auch von den
Ärzten angewandt. Er war damals als Gewürz und Arznei so angesehen,
daß in manchen Städten, wie beispielsweise in Basel, die Gasse der
Gewürzkrämer nach ihm als einem der wichtigsten Repräsentanten der von
jenen geführten Drogen einfach „Imbergasse“ hieß, eine Bezeichnung,
die sich hier bis auf den heutigen Tag erhielt. Immerhin wurde sein
übermäßiger Genuß von manchen gerügt. So sagt der württembergische
Dichter Bebel (1475-1516) von einem Bürgermädchen: „Wein und Gewürze,
Zimt, Pfeffer und Ingwer haben ihr Blut verdorben --“.
Die erste direkte Nachricht über die lebende Pflanze stammt vom
weitgereisten Venezianer Marco Polo (1256-1323), der 1295 aus China
nach seiner Vaterstadt zurückkehrte und später seine Erlebnisse und
Beobachtungen zusammenstellte. Um dieselbe Zeit beschrieb sie ein
anderer Italiener, Pegolotti, der 1292 bis nach Indien gelangte. Der
Spanier Mendoza brachte den Ingwer zu Anfang des 16. Jahrhunderts nach
Westindien, und schon 1547 sollen von dort, speziell von Jamaika, 1,1
Millionen kg exportiert worden sein. 1585 begann die Ausfuhr von San
Domingo und 1654 diejenige von Barbados nach Spanien. Noch heute wird
er in Westindien im großen angebaut; doch ist sein Hauptproduktionsland
nach wie vor seine alte Heimat Ostindien geblieben, wo er in ungeheurem
Maße verbraucht wird und an Wichtigkeit als Gewürz dem Pfeffer nur
wenig nachsteht. Er gilt dort als beinahe so notwendig als das tägliche
Brot, da man glaubt, die innern Organe des menschlichen Körpers
könnten ohne seine Mitwirkung ihre Tätigkeit nicht ausüben. Trotz dem
ungeheuren eigenen Verbrauche führt Ostindien noch jährlich über 5
Millionen kg Ingwer im Werte von 5 Millionen Mark hauptsächlich nach
England und seine Kolonien aus, wo er vorzugsweise zur Herstellung
des beliebten ~ginger-ale~, d. h. des Ingwerbieres, verwendet wird.
Cochinchina führt jährlich 4 Millionen kg Ingwer aus und China, das
selbst sehr viel davon konsumiert, beinahe ebensoviel, und zwar meist
mit Zucker eingemacht. Auch Jamaika und Sierra Leone exportieren große
Mengen. Auch in Afrika wird er vielfach von den Eingeborenen angebaut
und gedeiht vorzüglich.
[Illustration: Bild 39. Der Ingwer (~Zingiber officinale~).]
Der Ingwer verlangt neben ausgiebiger Sonnenwärme vor allem große
Luftfeuchtigkeit, kann aber keine allzugroße Nässe des Bodens ertragen.
Am besten gedeiht er auf lockerem, sandigem, nahrhaftem Lehmboden.
Hier wird er in derselben Weise wie die Kurkuma ausschließlich
durch Wurzelstöcke vermehrt, die zu diesem Zwecke in kleine Stücke
zerschnitten werden. Jedes mit Augen versehene Stück liefert ein neues
Exemplar der 1-2 m hohen Pflanze mit zwei Reihen langer, schilfartiger,
schmaler Blätter und kleinen, weißen, rotgestreiften oder
gelblichweißen und dann violett gefleckten Blüten, die aber infolge der
viele Jahrhunderte umfassenden, ausschließlich auf ungeschlechtigem
Wege durch Wurzelknollenableger bewirkten Fortpflanzung die Fähigkeit,
keimfähigen Samen hervorzubringen, vollständig eingebüßt haben.
Die Saatknollen werden im März in Abständen von 30 cm in den meist
gutgedüngten Boden gesteckt und liefern nach 9-10 Monaten, während
welcher Zeit sie von Unkraut rein gehalten werden müssen, eine
reichliche Ernte, die gleich wie bei den Kartoffeln erfolgt. Sobald die
Stengel vollständig verwelkt sind, werden die Wurzelstöcke ausgegraben
oder ausgepflügt, gereinigt und in Wasser gründlich gewaschen. Um
+schwarzen Ingwer+ zu bereiten, der seine Schale behält, werden sie
dann durch Kochen während einer Viertelstunde in Wasser ihrer Keimkraft
beraubt und abgetötet, dann in der Sonne vollständig getrocknet und
sind so versandfähig. Um aber +weißen Ingwer+ herzustellen, sucht
man aus den gewaschenen Wurzelstöcken die schönsten aus und schabt
mit einem Messer die dunkle Schale vollständig ab. Dabei werden alle
Auswüchse und dunkeln Stellen ausgeschnitten. Nach wiederholtem
Waschen in kaltem Wasser werden diese nunmehr weiß aussehenden
Ingwerknollen an der Sonne getrocknet, wobei sie, der schützenden
Schale beraubt, von selbst absterben. Der +gezuckerte Ingwer+, eine
beliebte Delikatesse, die in steigendem Maße nach Europa importiert
wird, wird aus den noch weichen, halbreifen Wurzelstöcken gewonnen,
kurz bevor die Blütenstengel austreiben. Diese werden nach sorgfältiger
Reinigung in lauwarmem Wasser mit heißem Wasser übergossen und dann
so lange gesotten, bis sie leicht mit einer Gabel durchstochen werden
können. Dann werden sie einen Tag in kaltes Wasser gelegt, mit einem
Messer geschabt, wiederum 2 bis 3 Tage in täglich erneutes frisches
Wasser getan und mit kochendem Sirup von 1 kg Zucker auf 2 Liter
Wasser zweimal in einem Zwischenraum von 2 Tagen übergossen, dann
auf Schüsseln oder Hürden gelegt und wie Zitronat getrocknet und
verpackt. In Indien und China kommt diese auf der Zunge etwas beißende
Spezerei seit sehr langer Zeit als beliebter Leckerbissen in mit
Bambus umflochtenen irdenen Töpfen in den Handel und gelangte wohl in
ähnlicher Verpackung schon zur römischen Kaiserzeit -- wie wir von
Dioskurides erfuhren -- nach Italien, wo allerdings nur die Reichen
seinem Genusse als sehr teure Arznei frönen konnten.
Eine andere Ingwerart Ostasiens, aus der nach dem als Botanikprofessor
1617 in Padua gestorbenen Italiener Prosper Alpini ~Alpinia~ genannten
Gattung der Liliazeen ist der +Galgant+ (~Alpinia officinarum~), dessen
bis 1 m langer und bis 2 cm dicker braunroter, angenehm gewürzhaft
riechender, aber ingwerartig scharf brennender Wurzelstock in 5-10 cm
lange Stücke geschnitten heute noch bei uns als aromatisches Mittel
zu Likören, Essig usw. dient. Seine ursprüngliche Heimat scheint an
der Süd- und Ostküste der chinesischen Insel Hainan zu liegen, wo die
Pflanze einzig wild angetroffen wird; doch wurde sie schon im Altertum
außer dort auch auf der gegenüberliegenden Halbinsel Leitschou und den
benachbarten Küsten, ebenso in Siam angepflanzt und in ganz China als
beliebtes Gewürz verhandelt. Auch in Indien wurde sie neben den vorhin
genannten Ingwerarten benutzt und erscheint im ~Ayur veda Susrutas~
als ~kula yoga~. Ob die alten Griechen und Römer diese Droge schon
kannten, ist höchst fraglich, wennschon einige Forscher -- wohl mit
Unrecht -- vermuten, der ~Cyperus babylonicus~ des Plinius sei unser
Galgant gewesen. Erst die arabischen Ärzte des früheren Mittelalters,
von denen der berühmte Razes (eigentlich Muhammed Ibn Zakkaria ar-Râzi,
lebte von 850-923 und stellte unter dem zweiten Kalifen aus dem
Stamme der Abbasiden, Mansur in Bagdad, das Gesamtgebiet der Medizin
dar), dann der ihm ebenbürtige, etwas jüngere Avicenna (eigentlich
Ibn Sina, 980-1037, der Verfasser eines Kanons der Medizin, der
wie der 9. Band des Werkes von Râzi bis ins 16. Jahrhundert an den
europäischen Hochschulen Gegenstand medizinischer Vorlesungen war),
ferner Alkindi und andere den Galgant als geschätztes Heilmittel
anführen, machten ihn im Abendlande bekannt. Der arabische Geograph
Ibn Khurdadbah im 9. und der sarazenische Reisende Edrisi aus Sizilien
im 12. Jahrhundert berichten über seine Einfuhr. Der bis nach Ostasien
gedrungene Venezianer Marco Polo, der die erste Kunde von der nach
ihm ~zipangu~ (verdorben aus dem chinesischen ~dschi-pon-kwo~, d. h.
Sonnenursprungsland, oder einfach ~Dschi-pon~, woraus die Japaner
~Nippon~ als die gebräuchliche Bezeichnung ihres Landes machten)
genannten und als sehr goldreich geschilderten „chinesischen Inselwelt“
Japan nach Europa brachte, schreibt nach seiner 1295 erfolgten Rückkehr
in seine Vaterstadt über den Anbau der Pflanze in China. Außer dieser
kleineren Galgantsorte kannte er bereits eine größere, aus Java
stammende, von ~Alpinia galanga~, mit doppelt so dickem, bis 4 cm
starkem, heller gefärbtem und weniger aromatischem Wurzelstock, die im
europäischen Handel nur wenig angetroffen wird. Auch der Portugiese
Garcia da Orta in Goa erwähnte 1563 diese beiden Sorten, eine kleinere
aus China und eine größere aus Java. Ähnliches berichten Acosta und
Linschotten. Die erste gute Abbildung veröffentlichte der Deutsche in
holländischen Diensten Rumphius im Jahre 1754.
Der von den 4-5-, besser aber 10jährigen Pflanzen gewonnene und an der
Luft getrocknete Wurzelstock des Galgants wurde etwa gegen das Ende des
8. Jahrhunderts durch arabische Vermittlung als arzneilich geschätzte
Pflanze in Deutschland bekannt. Der um die Mitte des 9. Jahrhunderts
lebende Bischof Salomo III. von Konstanz erwähnt in einem Formelbuche
den Galgant als ~calanganum~. Die heilige Hildegard, Äbtissin des
Klosters Rupertsberg bei Bingen im 12. Jahrhundert, behandelt die
~galgan~ benannte Wurzel ausführlich als Heilmittel. Die erste
Erwähnung des daraus gewonnenen ätherischen Öles findet sich in der
Arzneitaxe der Stadt Frankfurt am Main vom Jahre 1587. Erst 1870 wurde
durch den Engländer Fletcher Hancé durch das Auffinden der Stammpflanze
der kleinen Sorte die früher allgemein geltende Annahme berichtigt, daß
beide Sorten von demselben Gewächs abstammen. Die Bezeichnung Galgant
soll nach ihm aus dem chinesischen ~liang-kiang~ stammen, was so viel
bedeutet als „feiner oder milder Ingwer“. Hieraus wurde die arabische
Benennung ~khulendjan~ bzw. ~khalangian~ und aus letzterem unser
~galanga~.
Neben dem Galgant spielte auch der von den Deutschen als +Kostwurz+
bezeichnete +~Costus~+ besonders als Magenmittel im Mittelalter eine
große Rolle. Die Droge stammt von einer 1,5-2 m hohen Ingwerart
Ostindiens (~Costus speciosus~) mit großen, schönen, rötlichweißen wie
mit einem rostfarbigen Reif bestreuten Blüten, deren Wurzelstock aber
schärfer und bitterer schmeckt als derjenige des Ingwers. Schon im
Altertum wurde er neben dem Ingwer viel als Würze und Medizin in die
Kulturländer Vorderasiens und am Mittelmeer gebracht. Schon Theophrast
erwähnt ihn unter dem Namen ~kóstos~ als Gewürz. ~Dioskurides~ sagt:
„Der beste ~kóstos~ kommt aus Arabien, ist weiß, leicht und riecht
stark, aber angenehm. Ihm folgt an Güte der indische, der auch leicht,
aber dunkelfarbig ist. Die dritte Sorte ist der syrische, der schwer,
buchsbaumgelb und von stechendem Geruch ist. Man gebraucht ihn als
Arznei. Er wird auch durch Beimischung der stärksten Wurzeln des
Alants von Kommagene (in Syrien) verfälscht.“ In seiner Beschreibung
der Umschiffung des Roten Meeres sagt der griechische Schriftsteller
Arrianus im 2. Jahrhundert n. Chr., daß von Minnagara am Ausfluß des
Indus und der südöstlich davon gelegenen Hafenstadt Barygaza ~kóstos~
in den Handel gebracht werde. Im Mittelalter befaßten sich besonders
die Araber mit dem Zwischenhandel der in Menge nach Europa gebrachten
Droge, die heute für uns nur noch historisches Interesse besitzt.
Heute noch von einiger Bedeutung als Gewürz und Heilmittel ist dagegen
die +Kalmuswurzel+, die in derselben Weise wie der Ingwer kandiert
besonders in Persien und Arabien als äußerst beliebtes Konfekt gegessen
wird. Seit dem frühen Altertum wird der bitter aromatische Wurzelstock
des gegenwärtig überall bei uns an den Ufern der Weiher verwildert
angetroffenen Kalmus (~Acarus calamus~), in derselben Weise wie der
Ingwer mit Honig oder später Zucker eingemacht, aus Asien importiert.
Die Heimat dieser Wasserpflanze ist nach den neueren Untersuchungen
zweifellos Südostasien. Die Kalmuspflanze wird nämlich einzig in
Südchina und Hinterindien fruktifizierend angetroffen. Am Fuße des
Himalaja und von da an westlich setzt sie keinerlei Früchte mehr an
und pflanzt sich nur auf ungeschlechtigem Wege durch Wurzelausläufer
fort. Die wohlriechende aromatische Kalmuswurzel ist eines der
ältesten Gewürze und Heilmittel der südasiatischen Völker. Unter der
Sanskritbezeichnung ~vacha~ spielte sie in der altindischen Medizin
wie später in derjenigen des Morgenlandes eine große Rolle als die
Verdauung beförderndes und die Geschlechtstätigkeit anregendes Mittel.
Durch den morgenländischen Zwischenhandel gelangte die Droge als Arznei
zu den Babyloniern, Ägyptern, Juden und älteren Griechen, denen allen
jedoch die Pflanze selbst, von der sie herrührte, völlig unbekannt
blieb. Im alten Ägypten treffen wir die Kalmuswurzel unter der
Bezeichnung ~kanna~ oder heiliges Rohr, auch phönikisches Rohr, da die
Phönikier ihnen auf dem Handelswege diese orientalische Ware geliefert
zu haben scheinen. Sie wird in fast allen in den hieroglyphischen
Texten uns erhaltenen Parfümrezepten und in zahlreichen Arzneirezepten
erwähnt, ebenso gebrauchten sie die Juden unter demselben Namen
~kanna~; so wird sie schon in der von Jahve Mose um 1280 v. Chr. am
Sinai gegebenen Vorschrift zum heiligen Salböl erwähnt, das aus den
edelsten Myrrhen und Kassie zu 500 Sekel und Zimt und Kalmus zu 250
Sekel in einem Hin Olivenöl vermischt werden sollte. Damit sollte
die Bundeslade und sollten alle heiligen Geräte samt der Stiftshütte
gesalbt werden.
Noch der große Pflanzenkenner Theophrast sagt zu Beginn des 3.
vorchristlichen Jahrhunderts von ihrer Herkunft: „Der Kalmus
(~kálamos~, gleichbedeutend mit Schilf) wächst jenseits des Libanon
in einem großen Sumpf und erfüllt, wenn er trocken ist, die Luft mit
Wohlgeruch.“ Zu jener Zeit hatten die Griechen bei Gelegenheit von
Alexanders des Großen Siegeszug nach dem fernen Osten die damals
bereits in Westasien angesiedelte Pflanze kennen gelernt. Der aus
Kilikien gebürtige griechische Arzt Dioskurides und der römische
Naturforscher Plinius, die beide um die Mitte des 1. Jahrhunderts
n. Chr. lebten, kennen näher bei Europa gelegene Fundorte der Pflanze
als Syrien. Ersterer weiß einen Standort derselben in Kleinasien und
letzterer außer in Galatien auch auf Kreta. Plinius fügt dem hinzu:
„Der meiste Kalmus (~acoron~) wächst in Kolchis, sowohl am Flusse
Phasis, als auch überall in den Gewässern. Frisch hat die Wurzel
mehr Kraft als alt. Die kretische ist weißer als die pontische. Man
schneidet sie in fingerlange Stücke und trocknet sie im Schatten“,
und Dioskurides sagt, daß der aromatische ~kálamos~ Blätter wie die
Schwertlilie (~íris~) habe und daß der wohlriechende den Magen erwärme
und gegen viele innere Leiden gut sei.
Erst ums Jahr 1557 wurde der Kalmus in Mitteleuropa eingeführt. Die
erste Beschreibung und Abbildung der Pflanze, die er ~acorum~ nannte,
gab in einem 1565 erschienenen Buche der italienische Botaniker
Pierandrea Matheoli. Dieser hielt sich von 1554-1577 in Prag auf und
erhielt eine getrocknete Kalmuspflanze vom Gesandten des deutschen
Kaisers Ferdinand I. am türkischen Hofe in Konstantinopel, Ghislenius
Busbequius, die dieser in einem großen See bei Nicomedia in Bithynien
gesammelt hatte. Bald darauf wurde die Pflanze von dem damals als
Hofbotaniker in Wien lebenden Clusius (Charles de l’Ecluse), der sie
1574 aus Konstantinopel lebend erhalten hatte und in der Kaiserstadt
an der Donau kultivierte, an die verschiedenen botanischen Gärten
Mitteleuropas versandt und verbreitete sich von da aus überallhin, um
bald, der menschlichen Pflege sich entziehend, zu verwildern. Im Jahre
1588 gab Camerarius an, daß ~Acorus~ erst seit einigen Jahren in die
Gärten eingeführt sei, jedoch häufig in Lithauen und den pontischen
Ländern wachse. 1611 wird in der dritten Auflage seines Kräuterbuchs
von demselben Autor Pontus, Galatien und Kolchien als das Vaterland
der Pflanze angegeben. 1590 verpflanzte Kaspar Bauhins Sohn Johann
die Kalmuspflanze von Basel nach Montbéliard, und 1591 verbreitete
sie Sebitz bei Straßburg. Seitdem die Pflanze in Mitteleuropa gedieh,
machte man einen Unterschied zwischen asiatischer und europäischer
Kalmuswurzel. Erst am Ende des 17. Jahrhunderts erkannte man, daß die
Wurzel der bei uns wachsenden Pflanze der asiatischen gleichwertig
sei. Die erste gute Abbildung der Pflanze lieferte Rheede in seinem
von 1678 bis 1703 erschienenen ~Hortus malabaricus~. 1697 wird in der
Apothekertaxe des Rates von Halberstadt neben dem indischen Kalmus
auch der einheimische, und zwar beide zu gleichen Preisen, angeführt.
Das ätherische Öl findet sich zuerst 1582 in der Taxe der Stadt
Frankfurt am Main erwähnt. Heute findet sich der Kalmus nicht bloß in
ganz Europa, sondern auch in Nordamerika, wo er im 18. Jahrhundert
eingeführt wurde, wildwachsend und bringt überall seine zwitterigen
Blüten, niemals aber Früchte hervor. Diese rasche Verbreitung der
Pflanze hängt mit den offizinellen Eigenschaften ihrer Wurzel zusammen,
die noch von der heutigen Medizin gewürdigt werden. Sie enthält
außer ätherischem Öl einen Bitterstoff und zwei Alkaloide (Calamin
und Cholin) und wird außer als Magenmittel auch zur Likörfabrikation
verwendet.
[Illustration: Bild 40. Blütenzweig des echten Zimtbaums (~Cinnamomum
ceylanicum~).]
Eine sehr viel wichtigere Arzneidroge und sehr geschätztes Gewürz
Südasiens, das heute noch eine große Bedeutung für Europa hat, ist
der +Zimt+, der von einer in den Bergwäldern Ceylons heimischen
Lorbeerart gewonnen wird. Der Zimtbaum (~Cinnamomum ceylanicum~) ist
ein in der Wildnis, wo er nicht beschnitten wird, 6-10 m Höhe und
einen Stammdurchmesser von 45-52 cm erreichender immergrüner Baum von
unregelmäßigem Wuchs, dessen knotige Äste sich wagerecht ausbreiten. In
den Zimtgärten baut man ihn als 3-4 m hohen Strauch, weil die dünnen
Zweige der Sträucher einen feineren Zimt geben als die starken Äste
der Bäume. Die glatte Rinde ist außen graubraun, innen gelblichrot;
an jungen Schößlingen ist sie manchmal grün oder gelbgefleckt. Die
glatten, lederartigen, dunkelgrünen Blätter sind eiförmig, 10-15 cm
lang, stumpf zugespitzt und von fünf Hauptadern durchzogen. Bei ihrer
Entfaltung sind sie rot angehaucht, färben sich dann gelb, olivengrün
und schließlich dunkelgrün. Die in Rispen geordneten Blüten sind außen
seidenhaarig, weißlich und innen gelbgrün gefärbt und strömen zur
Blütezeit im Januar und Februar einen schwachen, nicht allen Menschen
angenehmen Geruch aus. Die Früchte sind einsamige, in reifem Zustande
braune Beeren mit einem dünnen Überzug von Fruchtfleisch.
Der Baum ist in allen seinen Teilen nützlich. Aus den Wurzeln kann
Kampfer gewonnen werden, das Holz nimmt eine schöne Politur an und
wird viel in der Tischlerei verwendet. Aus den Blättern, die wie
Gewürznelken schmecken und einen aromatischen Geruch ausströmen, wenn
sie zerquetscht worden, wird ein geschätztes Parfüm destilliert; ein
weniger beliebtes Parfüm liefern die Blüten. Durch Auskochen kann
aus den Früchten Pflanzentalg gewonnen werden. Die Rinde dient als
geschätzte Arznei und Gewürz. Aus den Schößlingen endlich werden
Spazierstöcke verfertigt.