bei Halle, Erfurt, Hamburg, Nürnberg, Ostpreußen, Tirol, Norwegen,
Schweden, Finnland und Rußland auf Feldern kultiviert. Man sät ihn
während der Baumblüte in Reihen auf kalkhaltigen, warmen, trockenen
Boden, im Herbst schneidet man das Kraut bis zum Herzblatt ab und
verbraucht es als Viehfutter. Im folgenden Jahr blüht der Kümmel im
Mai und muß geschnitten werden, sobald die oberste Fruchtdolde zu
reifen beginnt und die übrigen noch grüne, aber entwickelte Früchte
haben. Man bindet ihn in kleine Bündel und trocknet ihn. Der Same
enthält viel ätherisches Öl, schmeckt beißend gewürzhaft und wird
den verschiedensten Speisen als Gewürz zugesetzt. Aus ihnen wird
durch Destillation auch das ätherische Kümmelöl gewonnen, das in der
Branntweinindustrie ausgedehnte Verwendung findet. Den besten Kümmel
liefert Holland, der dort schon in fränkischer Zeit kultiviert wurde.
Er wird in den mittelalterlichen Arzneibüchern als beliebtes Heilmittel
oft genannt; so pries ihn als solches schon im 12. Jahrhundert die
heilige Hildegard, Äbtissin des Klosters Rupertsberg bei Bingen, die
auch die erste Nachricht von der Verwendung des Hopfens als Bierwürze
gab. In den städtischen Spezereitaxen wird Kümmel zuerst 1304 in
Brügge, dann in der Mitte des 15. Jahrhunderts in Danzig angeführt. Die
Wurzelknollen des in Westdeutschland nicht seltenen +knolligen Kümmels+
(~Carum bulbocastanum~), auch Erdkastanie genannt, werden manchenorts,
besonders in der Walachei und Moldau gegessen.
Statt unseres Kümmels gebrauchten die alten Griechen und Römer als
Arznei und Gewürz die Samen des bei ihnen angebauten, in den östlichen
Mittelmeerländern wild wachsenden +römischen+ oder +Kreuzkümmels+
(~Cuminum cyminum~). Dieses heute auf Sizilien und Malta, wie auch
in Ostindien häufig angebaute einjährige Doldengewächs mit weißen
oder rötlichen Blüten besitzt doppelt so lange Früchte wie diejenigen
unseres Kümmels von stark aromatischem, unangenehmem, entfernt an
Fenchel erinnerndem Geruch und scharf bitterlichem Geschmack. Sie
enthalten ein ätherisches Öl von hellgelber Farbe und durchdringend
kümmelartigem Geruch, welches als römisches Kümmelöl bei der Bereitung
„magenstärkender“ Liköre verwendet wird.
Im ganzen Altertum war er wie in den Mittelmeerländern heute noch als
Küchengewürz und Arznei geschätzt. Er hieß bei den alten Ägyptern
~tapnen~, einem Worte, dem man häufig in dem medizinischen Papyri
begegnet. Daneben bedienten sie sich auch einer semitischen Bezeichnung
~kamnini~, die mit dem hebräischen ~kammôn~ zusammenhängt. Seine Samen
befanden sich mehrfach unter den Totenbeigaben in den altägyptischen
Gräbern. Die Griechen nannten ihn ~kýminon~ und danach die Römer,
die ihn durch jene kennen lernten, ~cyminum~. Dioskurides sagt von
ihm: „Das ~kýminon~ schmeckt gut, vorzüglich das äthiopische, das
Hippokrates (460-364 v. Chr.) das königliche nennt; nach ihm folgt
an Güte das ägyptische und dann die übrigen Sorten. Es wächst im
asiatischen Galatien, in Kilikien, bei Tarent und an mehreren anderen
Orten. Es dient als Gewürz und Heilmittel.“ Theophrast schreibt: „Das
~kýminon~ trägt schmale, gestrichelte Samen in reichlicher Menge; es
wird für die Küche angepflanzt und dabei vorgeschrieben, daß man bei
der Aussaat fluchen und schimpfen soll.“ (Damit wollte man die bösen
Geister vertreiben, die dem Wachstume der Saat schaden konnten.) Eine
Abart dieses Kümmels nennt Dioskurides ~káros~ und fügt hinzu: „er
ist ein kleiner, allbekannter Same, der ein gutes Gewürz gibt; auch
die Wurzel wird zur Speise gekocht“. Diesen Kümmel nannten die Römer
nach den Griechen careum; so sagt Columella: „Das ~careum~ dient als
Gewürz,“ und Plinius: „Der ~careum~ (= Kümmel) stammt aus dem Auslande
und hat seinen Namen von seinem Vaterlande Karien. Man benützt ihn
vorzugsweise für die Küche; er gedeiht in jedem Boden, der beste kommt
jedoch aus Karien und nächstdem aus Phrygien.“
Als Arznei gegen Blähungen und beliebtes Gewürz ist unter den
Doldenblütlern ferner der +gemeine Fenchel+ (~Foeniculum vulgare~)
mit ausdauerndem, 1-2 m hohem Stengel zu nennen. Er wächst von den
Azoren bis Persien und Kurdistan, von Nordafrika bis Ungarn wild und
wird stellenweise in Deutschland, Südfrankreich, Galizien, Rumänien,
Indien, China und Japan kultiviert. Die jungen Pflanzen werden auf
Saatbeeten gezogen und im Juli versetzt, wie der Kümmel behandelt
und im Herbste geschnitten. In kälteren Gegenden werden die Wurzeln
für den Winter gedeckt. Die Samen können zwei- bis dreimal geerntet
werden. Das Kraut dient als Viehfutter, während die durch das
ätherische Fenchelöl angenehm aromatisch riechenden und gewürzhaft
süßlich schmeckenden Früchte als Küchengewürz zum Einmachen von
Gurken usw., auch als Appetit anregendes Mittel angewendet werden.
Mit pulverisierten Sennesblättern und Süßholzwurzeln zusammen bilden
sie einen Hauptbestandteil des leicht abführenden „Brustpulvers“. Wie
anderswo Kümmel, bäckt man in Thüringen und Tirol Fenchel ins Brot.
Der +römische Fenchel+ ist eine Abart des ~Foeniculum dulce~, die in
Südfrankreich, Italien und auf Malta angepflanzt wird. Er schmeckt
etwas süßer und milder, sonst wie voriger. Auch die Früchte des in den
Mittelmeerländern wildwachsenden +beißenden Fenchels+ (~Foeniculum
piperitum~) werden als Gewürz benutzt.
Seit den ältesten Zeiten diente der Fenchel den Chinesen, Indern,
Ägyptern und den Völkern am Mittelmeer als Arznei und Küchengewürz. Als
~schamari hout~ findet er sich mehrfach in den medizinischen Papyri
angeführt. Auch bei den Griechen und Römern wurde er als Küchengewürz
und Arznei verwendet. Schon Theophrast im 4. Jahrhundert v. Chr.
erwähnt den Fenchel als ~márathron~ und Dioskurides sagt von ihm vier
Jahrhunderte später: „Vom Fenchel (~márathron~) wird das Kraut oder
der Samen gegessen, um die Milch zu vermehren. Der letztere bekommt
dem Magen gut. Man zieht aus der Pflanze und deren Samen den Saft,
um ihn für schwache Augen zu verwenden.“ Noch hundert Jahre später
schreibt der Arzt Galenos aus Pergamon: „Der Fenchel (~márathron~)
wächst wild, wird aber auch angesät, und nicht bloß als Gewürz, sondern
auch als Speise benutzt, zu welchem Zwecke man die Pflanze fürs ganze
Jahr in Essig oder eine Mischung von Essig und Salzwasser legt.“ Wie
ein griechischer Schriftsteller in der ~Geoponika~, sagt gleicherweise
der aus Spanien stammende Römer Columella: „Beim Einmachen der Oliven
dient Fenchelsamen als Gewürz.“ Die Römer nannten ihn ~foeniculum~.
Plinius schreibt von ihm: „Die Schlange bekommt im Winter eine neue
Haut und streift die alte mit Hilfe des Fenchels (~foeniculum~) ab.
Den Menschen dient der Fenchel als Gewürz, auch wird er zur Stärkung
schwacher Augen gebraucht, worauf man durch die Beobachtung gekommen
ist, daß ihn die Schlangen zu diesem Zwecke verwenden.“ Und Palladius
im 4. Jahrhundert n. Chr. schreibt: „Man sät den Fenchel (~foeniculum~)
im Februar auf einer sonnigen und etwas steinigen Stelle.“ Später
erfahren wir, daß Karl der Große dessen Anbau gleich demjenigen der
übrigen Doldengewächse mit würzhaft schmeckenden Samen auf seinen
Gütern anordnete. Im Mittelalter wurde er allgemein noch mehr als Anis
geschätzt.
Dem Fenchel sehr ähnlich ist der +gemeine Dill+, auch +Gurkenkraut+
genannt (~Anethum graveolens~), der seit dem Altertume in derselben
Weise wie jener verwendet wird. Er findet sich bereits in den
altägyptischen Texten als ammisi erwähnt und wurde nach dem
medizinischen Papyrus Ebers hauptsächlich gegen Kopfweh verordnet.
Er wächst noch heute in Ägypten und in Südeuropa wild. Die Griechen
nannten ihn wegen seines starken Geruches ~ánēthon~. Dioskurides sagt,
daß man die Dolde und den Samen desselben verwende, um die Verdauung
zu verbessern und die Milchabsonderung zu steigern; zu viel und zu
oft genossen schwäche er jedoch. Palladius schreibt: „Man sät den
Dill (~anethum~) im Februar. Er verträgt jedes Klima, doch ist ihm
das mäßig warme am liebsten. Man darf ihn nicht dicht säen. Manche
decken den Samen gar nicht mit Erde, weil sie glauben, kein Vogel gehe
daran. Fehlt es an Regen, so begießt man ihn.“ Die Römer brachten
dieses Gewürz über die Alpen, und Karl der Große ließ es in seinen
Gärten anpflanzen. Seither fehlt es nicht mehr in den Küchengärten
Mitteleuropas. Noch heute wird das junge Kraut, besonders aber die
Dolden mit den reifen Früchten wegen des kräftigen Geschmacks und
Geruchs als Küchengewürz, zum Einmachen von Sauerkraut, Gurken u. dgl.
benutzt. Das ätherische Öl wurde früher wie dasjenige des Anis gegen
krampfartige Unterleibsbeschwerden angewendet.
Ebenso alt ist in den Mittelmeerländern die Kultur des +Korianders+
(~Coriandrum sativum~), dessen Früchte ebenfalls erst durch die
Römer in Mitteleuropa bekannt wurden. Diese heute noch im Orient, in
Südeuropa und auch bei uns hier und da als Sommergewächs angebaute
und dann auch verwilderte Gewürzpflanze stammt aus Westasien, wird
30-60 cm hoch und trägt kugelige, braungelbe Früchte, die eigentümlich
angenehm und mildaromatisch riechen, mit schwachem, an Wanzen
erinnernden Beigeruch, der sich vor der Reife weit stärker, auch
am Kraut zeigt. Daher der Name, vom griechischen ~kóris~ Wanze, im
Deutschen Wanzenkraut lautend. Die Samen dienen als Küchengewürz,
zu Backwerk aller Art, Likören und wurden früher auch abführenden
Arzneien zugesetzt. Das frische Kraut soll betäubend wirken. Seine
Samen wurden von jeher als Gewürz und Arznei verwendet. Sie finden
sich schon in altägyptischen Gräbern. Die ärztlichen Papyri nennen
den Koriander mehrfach als ~unschi~ und erwähnen auch eine asiatische
Sorte desselben. Er wurde vielfach als Arznei gebraucht und seine Samen
dienten nach den hieroglyphischen Aufzeichnungen dazu, den Wein noch
berauschender zu machen. Auch die hebräischen und Sanskritschriften
kennen ihn. Theophrast und Dioskurides erwähnen ihn als ~koríannon~;
letzterer sagt, man nenne ihn auch ~kórion~, er sei allgemein bekannt
und werde äußerlich und innerlich zu Heilzwecken verwendet. Als
~coriandrum~ kam er zu den Römern. Plinius schreibt von ihm: „Den
Koriander findet man nicht wild; der beste kommt aus Ägypten. Er
dient als Arznei, auch rät Marcus Varro (116-27 v. Chr.), Fleisch im
Sommer mit Essig, worin sich zerstoßener Koriander und Kreuzkümmel
befinden, vor Fäulnis zu schützen.“ Sein Zeitgenosse Columella rät,
ihn im Frühjahr und Herbst auf gedüngten Boden zu säen. Karl der Große
ließ ihn auf seinen Krongütern anpflanzen, doch finden wir ihn in
Mitteleuropa erst wieder im 16. Jahrhundert erwähnt.
Ebenfalls ein einjähriger Doldenblütler ist der ursprünglich in
Ägypten, Kleinasien und auf den griechischen Inseln heimische +gemeine
Anis+ (~Pimpinella anisum~), der schon im Altertum kultiviert wurde,
um die angenehm, eigentümlich riechenden, süßaromatisch schmeckenden
Samen als Gewürz und Arznei zu verwenden. Dioskurides schreibt von
ihm: „Der Anis (~ánison~) ist als Gewürz und Arznei gesund. Der beste
ist frisch, voll, ohne Staub, hat einen starken Geruch. Dem kretischen
gibt man den Vorzug, ihm zunächst steht der ägyptische.“ Durch die
Griechen wurden die Römer damit bekannt gemacht. Plinius sagt von
ihm: „Der Anis (~anisum~) gehört zu den Speisen, welche Pythagoras
(aus Samos, siedelte 529 v. Chr. nach Kroton in Unteritalien über, wo
er als Gründer und Mittelpunkt des weit verbreiteten pythagoräischen
Bundes wirkte) besonders empfohlen hat, und zwar sowohl roh als
gekocht. Jedenfalls ist er, grün und getrocknet, an allen Speisen, die
gewürzt werden, gut. Er wird auch an die Bodenrinde der Brote getan.
Er gibt dem Atem einen guten Geruch, dem Gesicht ein jugendlicheres
Ansehen und erleichtert schwere Träume, wenn man ihn so über dem
Kopfkissen aufhängt, daß der Schlafende ihn riecht. Er bewirkt auch
tüchtige Eßlust; so hat man ihn denn auch wegen seiner vortrefflichen
Eigenschaften den Unübertrefflichen (~anicatum~) genannt.“ Sein
Zeitgenosse Columella gibt an: „Ägyptischer Anis dient als Gewürz beim
Einmachen der Oliven“, und Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. rät, ihn
im Februar oder März auf gut bearbeiteten, gedüngten Boden zu säen.
Durch die Römer wurden die Länder nördlich der Alpen mit ihm bekannt.
Heute wird er als sehr wichtiges Gewürz fast in allen Erdteilen
angebaut, so besonders in Deutschland, Böhmen, Mähren, Rußland,
Skandinavien, Holland, Frankreich, Spanien, Bulgarien, Syrien, Indien
und Chile. Er wird als Küchengewürz besonders zu Backwerk benutzt und
das daraus destillierte Anisöl wird zu Likören, speziell der Anisette,
verwendet. In Norddeutschland kocht man häufig Borsdorfer Äpfel mit
Anis. Sein Geruch ist den Tauben sehr angenehm, weshalb man sie mit
demselben leicht wieder auf den Schlag nach Hause lockt. Im Handel wird
der Anissamen zuweilen mit demjenigen des giftigen Schierlings (~Conium
maculatum~), dem sie sehr ähnlich sehen, vermischt, wodurch schon
wiederholt Vergiftungsfälle vorkamen.
An Geruch, Geschmack und Wirkung dem gemeinen Anis sehr ähnlich ist
der +echte Sternanis+, der von einem 6-8 m hohen, immergrünen, in
China, Japan und den Philippinen heimischen Baum aus der Familie
der Magnoliazeen (~Illicium anisatum~) gewonnen wird. Er wächst
vorzugsweise in den hohen Gebirgen von Jün-nan in Südwestchina,
wo er auch kultiviert wird und besitzt ziemlich große lederartige
Blätter, blaßgrünlichweiße Blüten und sternförmige, matt-graubraune
Kapselfrüchte von angenehm süß aromatischem, eigentlich mehr an
Fenchel als Anis erinnerndem Geschmack. In ihrer Heimat werden sie
schon lange als Heilmittel und Gewürz verwendet und wurden 1588 von
Sir Thomas Cavendish von den Philippinen zuerst nach Europa, und
zwar nach London gebracht; doch haben sie erst die Holländer als
Medikament und bei der Teezubereitung verwendet. Heute bilden sie
eine überaus wichtige Droge des Weltmarktes, da sie 5 Prozent des
farblosen ätherischen Anisöles enthalten und zu dessen Darstellung
benutzt werden. Letzteres ist namentlich für die Likörfabrikation ganz
unentbehrlich. Von diesem Baume kommt auch das Holz als Anisholz in
den Handel; es wird vielfach von Tischlern und Drechslern verarbeitet.
Dem echten Sternanis sehr ähnlich sehen die Früchte des +unechten
Sternanis+ aus, die von einem als ~Illicium religiosum~ bezeichneten,
weil um die buddhistischen Tempel in Japan angebauten und dort Sikimmi
genannten, dem echten Sternanisbaume nahe verwandten immergrünen Baume
stammen. Sie sind giftig und sind nur daran zu erkennen, daß sie nicht
wie jene nach Anis, sondern aromatisch nach Kardamomen oder Kampfer
riechen und zuerst sauer, dann bitter schmecken. Bisweilen werden sie
zur Verfälschung des echten Sternanis benutzt, wodurch wiederholt
Vergiftungsfälle vorkamen.
Neben Anis, Fenchel, Dill, Kümmel und Koriander war im Mittelalter
auch die durch einen reichen Gehalt an ätherischen Ölen aromatisch
duftende +Raute+ (~Ruta graveolens~) ein im Abendland sehr beliebtes,
in allen Bauerngärten angetroffenes Gewürz. Für Indien sehr wichtig
dagegen waren schon im Altertum wie heute die ebenfalls durch einen
reichen Gehalt an ätherischem Öl, das ihnen einen kampferartigen Geruch
und Geschmack verleiht, äußerst aromatisch schmeckenden +Kardamomen+,
die im Leben des gewürzeliebenden Südasiaten eine wichtige Rolle
spielen. Durch den Handel mit Indien wurden die Bewohner Westasiens
und schließlich auch die Mittelmeervölker mit ihnen bekannt. Der
griechische Arzt Dioskurides schreibt über dieses Gewürz, das den
reichen Griechen und Römern vornehmlich als Arznei diente: „Das beste
~kardámōmon~ wird über Komagene (nordöstlichste Provinz Syriens,
zwischen dem Euphrat und Amanosgebirge), Armenien und dem Bosporus
nach Italien gebracht, stammt aber aus Indien und Arabien. Man gibt
demjenigen den Vorzug, das nicht leicht bricht, voll und geschlossen
ist, einen angreifenden Geruch und einen scharfen, etwas bitteren
Geschmack hat. Es erwärmt und dient als Arznei.“ Sein Zeitgenosse
Plinius sagt: „Das ~cardamomum~ besteht aus länglichrunden Samen und
wird in Arabien gesammelt. Man unterscheidet davon drei Arten: eine
sehr grüne und fette mit scharfen Kanten, schwer zerreiblich, was man
vorzüglich schätzt. Die zweite Art ist rötlichweiß, eine dritte ist
kürzer und dunkler gefärbt; noch schlechter ist die gefleckte, leicht
zerreibliche, schwach riechende. Der Geruch des echten ~cardamomum~
muß demjenigen des ~costus~ gleichkommen. Diese Sorte wächst auch in
Medien. Das Pfund kostet 3 Denare (= 1.80 Mark).“ Im 6. Jahrhundert
n. Chr. erwähnt der römische Arzt Alexander Trallianus die Kardamomen,
dann 1154 der weitgereiste Araber Edrisi als Produkt Ceylons; 1259
waren sie in Köln zu haben. 1563 unterscheidet der Portugiese Garcia da
Orta eine Malabar- und eine Ceylonsorte. Auch der nach seiner Herkunft
von Bergzabern bei Straßburg als Tabernaemontanus bezeichnete Arzt am
kurfürstlichen Hofe von Heidelberg führt 1584 die Kardamomen in seinem
Arzneibuche an.
Noch heute kommen unter der Bezeichnung Kardamomen die Samen
verschiedener Arten ausdauernder Stauden aus der Familie der
Scitamineen oder Gewürzlilien in den Handel, um als Arznei, Gewürz und
zugleich zur Herstellung von Parfüm zu dienen. Weitaus die wichtigste
derselben, die in Deutschland und den anderen Kulturstaaten offizinell
ist, stammt von der echten +Kardamome+ (~Elatteria cardamomum var.
minor~), einer in den feuchten Bergwäldern Malabars an der südlichen
Westküste Indiens einheimischen Ingwerverwandten mit 2-3 m hohen
Stengeln, 40-75 cm langen, lanzettlichen Blättern und knolligen,
dichtgeringelten Wurzelstöcken. In den sich nach der Blüte bildenden
langen, dreifächerigen, gelben Kapseln finden sich 4 bis 5 mm lange,
braune, etwas eckige, rauhe Samen, die ihren würzigen Geschmack
einem flüchtigen, frisch in Wasser destilliert farblosen ätherischen
Öl, dem Kardamomöl, verdanken. Die Pflanze, die in ihrer Heimat an
Stellen abgeforsteter Wälder zahlreich aus dem Boden sprießt, wird
besonders in Malabar, aber auch in Ceylon, Cochinchina, Siam, Jamaika,
Deutsch-Ostafrika und anderen Orten des engeren Tropengürtels im
großen angebaut. Es geschieht dies teils durch Wurzelteilung, teils
-- was die Regel ist -- durch Samen, die in ziemlichen Abständen in
lockeren, humusreichen Boden gepflanzt werden. In einem Jahre sind
die Pflänzchen 30-40 cm hoch, geben im dritten Jahre die erste kleine
und im vierten Jahre eine Vollernte; dabei bleiben sie etwa sechs
Jahre tragbar. Vor der völligen Reife, wenn die grünen Kapseln in gelb
überzugehen beginnen, werden sie einzeln mit Scheren abgeschnitten und
zum Nachreifen zunächst einige Tage in einem Magazin auf Haufen gelegt.
Dann trocknet man sie vorsichtig in der Sonne, drischt die Samen
heraus und bringt sie zum Versand. Als Durchschnittsertrag rechnet man
an den Hauptproduktionsorten in Südwestindien und auf Ceylon 200 kg
marktfertige Ware auf das Hektar, ein Ergebnis, das unter günstigen
Verhältnissen und bei sorgsamer Pflege oft um die Hälfte und mehr
überschritten wird.
Von einer größeren, in Ceylon heimischen Kardamomart (~Elatteria
cardamomum var. major~) werden gelbrote, eckige, rauhe Samen von
eigentümlichem, starkem Geruch gewonnen und in kleinen Posten
nach England exportiert. In Siam, auf Sumatra, Java und einigen
anderen malaiischen Inseln wächst ~Amomum cardamomum~ mit vielen
keilförmigen Samen in Kapseln, die etwas kleiner als Kirschen sind.
Sie werden fast ausschließlich nach Südfrankreich exportiert. Als
Bastardkardamom kommen etwas stachlige, kleine Kapseln von Bangkok aus
in den Handel; auf Java dagegen ist der Javakardamom heimisch, der
von geringer Qualität ist. Besser ist der Nepal- und Bengalkardamom.
Wenig gekannt ist der auf Madagaskar an sumpfigen Standorten
wachsende schmalblätterige Kardamom. Sehr nahe verwandt damit ist der
Kamerunkardamom, der neuerdings nach Hamburg auf den Markt gebracht
wird und ein außerordentlich feines, wohlriechendes ätherisches Öl
liefert, kaum aber als Gewürz gebraucht wird. Eine andere äußerst
aromatische, nicht pfefferartig schmeckende Art ist der abessinische
Kardamom, der aber kaum nach Europa gelangt.
Mit schwachem Aroma, aber scharf beißend dagegen ist der Samen der in
Westafrika wachsenden ~Cardamomum malagetta~ mit rauher, brauner Schale
und weißlichem Kern, der als +Paradies+- oder +Guineakörner+ oder
+Malagettapfeffer+ in den Handel kommt. Die Pflanze, die von Oberguinea
bis Kamerun wild wächst, wird von den Negern vielfach angebaut, so daß
sie einem Distrikte den Namen Pfefferküste eintrug. Sie ist dann von
den als Sklaven dahingebrachten Negern auch in Westindien eingeführt
worden und wird dort häufig kultiviert. Auch sie besitzt einen
krautartigen Stengel mit schmalen, schilfartigen Blättern und einem
kurzgestielten Blütenschaft, der am Ende einen Schopf von prächtigen,
rosenroten, großen, an unsere Cannablüten erinnernden Blüten trägt. Die
Samen dieser Pflanze, die in England häufig dazu verwendet werden, dem
Brandy und Whisky einen schärferen Geschmack zu erteilen, wie ihn die
mit abgestumpften Geschmacksnerven ausgestatteten Gewohnheitstrinker
lieben, sind dem Neger Westafrikas für seinen faden, aus den
Wurzelknollen des Yams verfertigten, kleisterartigen Mehlbrei, genannt
~fufu~, ebenso unentbehrlich, wie der schwarze Pfeffer dem Hindu für
seine tägliche Reiskost.
Wie die Afrikaner bereiten sich die Inder ihre scharfe Pfeffersauce
mit den verschiedensten Zutaten zum schwarzen Pfeffer, so namentlich
auch mit der +echten+ oder +langen Kurkuma+ oder +Gelbwurzel+ -- auch
+gelber Ingwer+ genannt -- (~Curcuma longa~), einer nahen Verwandten
der Kardamomen, die im Hindustani Indiens ~haldi~, bei den Arabern
dagegen ~kurkum~ heißt, woraus sich unsere Bezeichnung Kurkuma bildete.
In Indien wird sie vielfach als Arznei, dann als Würze zu fast allen
Speisen, besonders aber als wichtiger Bestandteil des berühmten
Currypulvers verwendet. Schon im Altertum gelangte sie von dort aus mit
den Kardamomen zu den Kulturvölkern am Mittelmeer. Der griechische Arzt
Dioskurides sagt von ihr: „Es gibt eine Art Cypergras (~kýpeiros~), das
in Indien wächst, dem Ingwer ähnlich ist, aber beim Kauen safrangelb
wird und bitter schmeckt. Streicht man es auf ein behaartes Muttermal,
so gehen die Haare daselbst aus.“ Wie im Altertum hat die Kurkuma auch
im Mittelalter als Arznei bei den arabischen Ärzten eine gewisse Rolle
gespielt. Von Indien aus erstreckte sich damals der Handel mit ihr so
weit, als die arabische Herrschaft reichte. Ihre ursprüngliche Heimat
ist wahrscheinlich Hinterindien und der malaiische Archipel; doch ist
sie sehr früh nach Vorderindien gelangt, wo sie jetzt weit mehr als
anderswo kultiviert wird. Hingegen wächst in Vorderindien neben einer
Reihe Arten, die keinen Farbstoff enthalten, auch eine Art wild, die
einen gelben Farbstoff liefert, der allerdings weit weniger schön ist
und nur noch selten benutzt wird, sich aber für manche Zwecke, wie
z. B. zur Herstellung eines künstlichen Goldlacks, besser eignet wie
die gewöhnliche Kurkuma. Es ist dies die +runde Kurkuma+ (~Curcuma
aromatica~) mit birnförmigem Wurzelstock von 3-5 cm Länge und daran
befindlichen fingerdicken Ausläufern, die in Längsschnitten in den
Handel gelangt, aber kaum nach Europa kommt.