Rom gekommene Columella um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr.:
„Mysien, Lydien, Apulien, Kampanien sind durch ihr herrliches Getreide
berühmt; der Tmolus (ein Gebirg Lydiens) und Korykus (eine Hafenstadt
Kilikiens) durch Safran (~crocus~), Judaea und Arabien durch kostbare
Wohlgerüche. Übrigens werden jetzt sogar in Rom Zimtkassien- und
Weihrauchbäume gezogen, auch sieht man ganze Gärten mit Myrrhen und
Safran bestellt. Hierin liegt ein Beweis, daß Italien ein Land ist,
in welchem bei gehöriger Pflege die Gewächse fast aller Erdstriche
gedeihen können.“ -- An einer anderen Stelle sagt dieser Autor: „In
den Gärten suchen die Bienen Nahrung an den weißen Lilien, auch
pflanzt man für sie (im Februar) Zwiebelknollen von korykischem und
sizilischem Safran.“ Sein Zeitgenosse, der aus Kilikien stammende
griechische Arzt Dioskurides schreibt: „Der beste Safran (~krókos~)
ist der korykische aus Sizilien, der zweite an Güte ist derjenige,
welcher auf dem Olymp in Lykien wächst, der drittbeste kommt aus Aegae
in Aeolien; der aus Kyrenaika (östlich von Tripolis) und aus Sizilien
ist schwächer, obgleich saftreich und leicht auszupressen; er täuscht
daher viele. Zum arzneilichen Gebrauch hat derjenige den Vorzug, der
ziemlich lang, frisch und gut gefärbt ist, beim Reiben gut riecht, beim
Befeuchten die Hände färbt, nicht verschimmelt ist und etwas scharf
schmeckt.“ Er führt dann die verschiedenen Verfälschungen und deren
Erkennungszeichen an und sagt, Thessalos behaupte, der Safran sei das
einzige wirklich gut riechende Ding. Plinius hält den wild wachsenden
Safran für den besten und sagt, in Italien bringe der Safranbau keinen
Vorteil. Dann fährt er fort: „Der angepflanzte Safran (~crocus~) wird
breiter, größer, glänzender, ist aber weit schwächer und artet überall
aus. Mucianus gibt an, man verpflanze in Lykien den Safran im 7. oder
8. Jahre auf einen bearbeiteten Boden, und so werde der Ausartung
vorgebeugt. Zu Kränzen braucht man den Safran nirgends, denn seine
Blätter sind fast haardünn. Dagegen ist Safran ein herrlicher Zusatz
zu Wein, insbesondere zu süßem. Gerieben dient er dazu, die Theater
mit Wohlgeruch zu erfüllen. Die Ernte fällt in die Zeit des kürzesten
Tages, und das Trocknen geschieht im Schatten. Man bewahrt ihn in
hölzernen Büchsen auf. Er dient als Arznei, hat auch die Eigenschaft,
daß man nach seinem Genusse vom Wein nicht trunken werden kann, und
daß selbst ein Kranz davon die Berauschung verhindert. Diese Blume hat
schon in Homers Zeiten in Ehren gestanden.“
Die Vornehmen des kaiserlichen Rom trieben einen gewaltigen Luxus
sowohl mit dem Safran, den sie außer als Arznei auch zur Würze von
Speisen und Getränken benutzten, als auch mit den wohlriechenden
Blüten des orientalischen Krokus. Wenn schon zur Zeit der Republik
der Dichter Lucretius Carus (98-55 v. Chr.) den Gebrauch kennt, die
Sitze der Aristokratie im Theater mit wohlriechendem Safranwasser
zu besprengen, und nach dem römischen Geschichtschreiber Sallustius
Crispus (86-35 v. Chr.) Metellus Pius durch ein Gastmahl gefeiert
wurde, bei dem der Speisesaal wie ein Tempel drapiert und der Boden mit
duftenden Krokusblüten bestreut war, so ist nicht zu verwundern, daß
der Luxus damit zur Kaiserzeit keine Grenzen mehr kannte. So wurden
zur Zeit des Kaisers Hadrian, der, nach Trajans Tod im Jahre 117
von seinem Heere in Syrien zum Kaiser ausgerufen, bis 138 regierte,
die Statuen im Theater mit duftender Safranessenz gesalbt und sogar
hohle Erzstatuen mit feinen Poren dermaßen eingerichtet, daß solches
Parfüm daraus nach Belieben hervorquoll. So schreibt Senecas Neffe
Lucanus (geb. 39 n. Chr. zu Corduba in Spanien, wurde Quästor und
Augur zu Rom und entleibte sich 65, als er wegen Beteiligung an der
Pisonischen Verschwörung gegen Nero zum Tode verurteilt wurde) in
einem Pharsalia betitelten Gedichtbuch: „In Afrika war ein junger
Römer von der Schlange Hämorrhois gebissen worden, da drang aus seiner
Haut Blut hervor, gleich wie mit Safran parfümiertes Wasser aus den
Poren hervorgepreßt wird, mit denen man künstlich die ganze Oberfläche
hohler Bildsäulen durchbohrt hat.“ Und Petronius berichtet in einer
seiner Satiren: „Bei einem Gastmahl war die Veranstaltung getroffen,
daß aus jedem Kuchen und jedem Obst bei der geringsten Berührung
flüssig gemachter Safran floß.“ Damals war der Safrangeruch einer der
beliebtesten Parfüms der vornehmen Griechen und Römer. Von Kaiser
Hadrian berichtet sein Biograph Aelius Spartianus ferner: „Kaiser
Hadrianus teilte zu Ehren seiner Schwiegermutter Gewürze (~aroma~)
unter das Volk aus und ließ zu Ehren (seines Vorgängers im Imperium)
des Trajanus (wohlriechenden) Balsam und (in Wasser oder Wein gelösten)
Safran die Stufen des Theaters herunterfließen.“ Der Geschichtschreiber
Aelius Lampridius schreibt vom Kaiser Heliogabalus, der 218 wie Hadrian
in Syrien auf Anstiften seiner Großmutter Julia Maesa von den Legionen
17jährig zum Kaiser ausgerufen wurde und den orgiastischen Dienst
seines syrischen Gottes Elagabalus, dessen Oberpriester er zu Emesa
war und nach dem er sich nannte (denn eigentlich hieß er Valerius
Avitus Bassianus), in Rom einführte, bis er schon 222 von seiner
Leibgarde, den Prätorianern ermordet wurde, er habe seine Betten und
bei Gastmählern die Polster, auf denen seine Gäste zu Tische lagen,
mit Safran wie mit Blumenblättern von Rosen oder Lilien, Veilchen,
Hyazinthen und Narzissen füllen lassen und habe nur in Bassins
gebadet, dessen Wasser mit wohlriechenden Essenzen, besonders Safran,
wohlriechend gemacht worden war.
Außer als Parfüm war der Safran bei den alten Griechen und Römern
besonders auch als Medikament geschätzt, das im Rufe stand, gegen die
verschiedensten Übel helfen zu können. Wenig Rezepte wurden damals
von den Ärzten der Vornehmen, meist Griechen, verschrieben, in denen
dieser Bestandteil fehlte. Diesem Beispiele folgten ihre geistigen
Erben, die byzantinischen und arabischen Ärzte. Und als durch die
Kreuzzüge das Abendland in engere Berührung mit dem ihm an Kultur
überlegenen Morgenlande kam, gelangte die hohe Wertschätzung des
Safrans als Gewürz und Heilmittel auch dahin. Diese Tatsache beweist
schon die im Abendlande geläufig gewordene Bezeichnung Safran, die aus
dem arabischen ~za’fran~ herrührt -- aus ~zahafaran~ abgekürzt --, ein
Wort, das seinerseits mit dem arabischen asfar gelbsein zusammenhängt.
Wie im Orient, der damals die Erzeugung und den Handel mit Safran
ausschließlich in den Händen hatte, wurde der Safran trotz seines
überaus hohen Preises auch im Abendlande als ein wichtiges Arzneimittel
und eines der hervorragendsten Gewürze überaus geschätzt. Vielfach
hieß -- wie beispielsweise in Basel -- die Zunft der Krämer nach
ihrem kostbarsten Handelsartikel im frühen Mittelalter die Zunft
zum Safran, und als ihr Gildeabzeichen figuriert die stilisierte
dreigespaltene Narbe dieses Liliengewächses, die ihrem Aussehen nach
der heraldischen Lilie der Bourbonen in Frankreich sehr nahe kommt.
Seitdem die Kreuzfahrer im 11. Jahrhundert die Pflanze nach dem
Abendlande brachten, wird sie in Italien und Südfrankreich angebaut.
Viel früher noch wurde der Safran in Spanien, wohin die Araber schon
im 10. Jahrhundert seine Kultur brachten, angepflanzt. Dieses Land
hat das ganze Mittelalter hindurch bis in die Gegenwart fast ganz
Europa mit seinem Produkte versorgt und besitzt heute noch besonders
in der durch den Ritter Don Quichote als dessen Heimat bei uns
bekannt gewordenen Landschaft Mancha, südlich von Madrid, ausgedehnte
Safranpflanzungen. Im 15. und 16. Jahrhundert war der Safranbau auch
in Mitteleuropa von Belang, ging aber hier mit dem Zurückgehen von
dessen Wertschätzung fast ganz ein. Kleinere Mengen davon werden nur
noch in Niederösterreich, dann bei Orleans, ziemlich viel dagegen in
Südfrankreich gewonnen. Letzteres liefert 2-4000 kg jährlich,
während die Produktion von Spanien 45000 kg beträgt.
Die Safrankultur erfolgt in der Weise, daß man die zwiebelartigen
Knollen, die übrigens auf der Balkanhalbinsel roh und gebraten als
beliebte Speise gegessen werden, in Abständen von 8-10 cm in 20 cm
auseinanderstehenden Reihen setzt. Bei der Blüte im Frühling werden
die orangeroten Narben meist von Frauen und Kindern gepflückt und
noch an demselben Tage über einem leichten Kohlenfeuer getrocknet.
Man erhält dadurch ein gesättigt rotbraunes, loses Haufenwerk sich
fettig anfühlender Fäden, die stark aromatisch, fast betäubend riechen,
gewürzhaft bittersüß schmecken und gekaut den Speichel intensiv gelb
färben. Die Masse zieht sehr leicht Feuchtigkeit aus der Luft an
und enthält außer Safrangelb von außerordentlichem Färbungsvermögen
ein gelbes, dickflüssiges, schweres, ätherisches Öl, das Safranöl,
von brennendem Geschmack und dem charakteristischen Safrangeruch.
Gegenwärtig schwankt der Preis des Safrans je nach der Ernte zwischen
32 und 160 Mark das kg. Dieser hohe Preis wird erklärlich, wenn man
erwägt, daß die Narben von 70000-80000 Blüten gepflückt werden müssen,
um 1 kg Safran zu ergeben. Er verlockt aber auch dazu, den Safran
zu verfälschen, indem man ihm pulverisierte Blüten des Saflors, der
Arnika, der Ringelblume, der Granate, dann gefärbte Kollodiumfäden
zufügt und ihn mit Baryt und Gips beschwert. Auch werden bereits
extrahierte Narben gefärbt und als ungebrauchte Ware verkauft.
Jedenfalls ist es sehr zu raten, ihn nicht in gemahlenem Zustande als
Pulver zu kaufen, da dann Verfälschungen leichter zu erkennen sind.
Schon die medizinischen Schriftsteller des Altertums beklagen sich über
solche Betrügereien an diesem kostbaren Stoffe. Der ältere Plinius
meint, daß überhaupt keine andere Ware so sehr gefälscht werde als
gerade er. Deshalb war während des ganzen Mittelalters der Handel mit
Safran scharf kontrolliert. So bestand im Jahre 1374 ein besonderes
~officio dello zafferano~ zur Überwachung des Safranhandels in
Venedig, und in anderen großen Städten waren ähnliche Kontrollstellen
vorhanden, so in Augsburg und Nürnberg, wo im 15. Jahrhundert strenge
Polizeigesetze diesem Handelsartikel besondere Aufmerksamkeit
schenkten. Die Strafe für Safranfälschung bestand darin, daß solche
Betrüger lebendig samt ihrer verfälschten Ware verbrannt wurden.
Solchen Tod erlitten 1449 Jobst Friedenkem, 1456 Hanns Kölbell und
Lienhard Frey, „weil sie gefälschten Safran für gut verkauft“. Die
Else Pragerin, die den beiden letztgenannten „darzugeholfen“, wurde
lebendig begraben. In demselben Jahre 1456 wurden in Zofingen in der
Schweiz zwei Bürger wegen Fälschung des Safrans und anderer Gewürze
lebendig verbrannt samt einer Frau, welche ihnen dabei behilflich
gewesen war. Noch 1499 wurden dem Hannsen Bock in Nürnberg wegen
„betrüglicher Arznei“ beide Augen ausgestochen. Später begnügte man
sich bei der Verfälschung des Safrans und anderer solcher Drogen
damit, diese öffentlich durch den Scharfrichter verbrennen zu lassen
und dem Schuldigen eine sehr hohe Geldstrafe aufzuerlegen. Noch ein
Erlaß Heinrichs II. von Frankreich (Sohn Franz I. und Claudias, Tochter
Ludwigs XII., seit 1533 mit Katharina von Medici vermählt, regierte
von 1547 bis zu seinem den 10. Juli 1559 infolge einer Augenverletzung
bei einem Tournier erfolgten Tode) bedrohte die Safranfälscher mit
energischer körperlicher Züchtigung, und auf dem Reichstage in
Augsburg 1551 wurde sogar ein für das ganze Deutsche Reich gültiges
Polizeigesetz gegen „geschmierten“ Safran erlassen. Neuerdings wird
als billiger Ersatz des echten Safrans der +Kapsafran+ in den Handel
gebracht, er besteht aus den getrockneten Blüten einer Skrofulariazee
vom Kap, ~Lyperia crocea~, die annähernd Geruch, Geschmack und
Färbungsvermögen des Safrans besitzen.
Von weiteren europäischen Gewürzen von größerer Bedeutung, die zugleich
eine wichtige Rolle als Arzneimittel spielten, haben wir zunächst
den +Hopfen+ (~Humulus lupulus~) zu nennen, der schon den Griechen
und Römern zu Heilzwecken diente. Die Griechen nannten ihn das
wildwachsende (~ágrion~) ~kléma~, die Römer dagegen nach Plinius ~lupus
salictarius~, d. h. Weidenwolf, weil er andere Pflanzen umschlingt
und ihnen Schaden zufügt. Gebraucht wurden damals schon wie heute
hauptsächlich die tannenzapfenähnlichen Fruchtähren, die am Grunde mit
goldgelben, körnerartigen Drüschen besetzt sind, welche der Pflanze
den eigentümlichen Geruch und den gewürzhaftbittern Geschmack geben.
Außer einer geringen Menge einer narkotisch wirkenden Substanz, um
dessen Willen der Hopfen in England wie Opium geraucht wurde und noch
geraucht wird, enthält das aus den Drüsenkörnern bestehende, getrocknet
rötlichgelbe Hopfenmehl der reifen Früchte ein aromatisches Öl, ferner
das Hopfenbitter, das dem Biere den bitterlichen Geschmack verleiht und
Hopfenharze, welche die Entwicklung der Milchsäurebakterien verhindern,
die die Güte des Bieres beeinträchtigen. Zugleich fällen die Gerbstoffe
des Hopfens die Eiweißstoffe des Malzes aus der Würze und wirken so
konservierend auf das Bier. Aus diesen Gründen wird der Hopfen seit
dem frühen Mittelalter dem Biere als Würze zugesetzt und hat als
solche eine sehr große Bedeutung erlangt, so daß er in bedeutendem Maße
angebaut wird.
[Illustration: Bild 38. Um eine Stütze sich windender Hopfensproß
(von ~Humulus lupulus~) mit ambosartigen Klimmhaken zum Festhalten,
von denen ein einzelner, abgelöster links bei stärkerer Vergrößerung
dargestellt ist.]
Die ersten europäischen Hopfengärten werden in einer Urkunde Pipins
des Kurzen vom Jahre 768 erwähnt. In der Folge legten sich besonders
die Klöster auf den Hopfenbau, da sie dieses Würzmittels bei der
Bierbereitung bedurften. Erst als das Bierbrauen in die Hände
der Bürgerlichen gelangte, pflanzte man auch in Laienkreisen den
Hopfen, der bis dahin von den Bauern meist nur von den wilden oder
verwilderten, in ganz Europa in Hecken und Gebüschen, besonders an
Flußufern wachsenden Exemplaren gesammelt wurde. Im Gegensatz zu diesem
wilden Hopfen, der noch häufig zur Fälschung des guten mitbenutzt wird,
ist der kultivierte heute durch Kulturauslese sehr viel gehaltreicher
geworden, weshalb er allein in den Handel kommt. Da die Hopfenpflanze
getrenntgeschlechtig ist, werden selbstverständlich nur weibliche
Pflanzen angebaut, deren Fruchtstände dann im Herbste geerntet werden.
Der Hopfen ist eine ausdauernde Pflanze, die zumeist 15-20 Jahre
aushält, bis sie wiederum frisch aus Samen gezogen wird. Er wird an
hohen Stangen oder Drahtgerüsten gezogen, von denen er im Herbste
herabgerissen wird, um zu Hause vorsichtig die Früchte abzupflücken,
die auf den geräumigen mehrstöckigen Speichern der Hopfenbauern in
Horden getrocknet werden, was in 4-5 Tagen geschehen ist. Dabei müssen
sie häufig gewendet werden. Unterbleibt dies, so wird der Haufen rot
und dadurch minderwertig, oft beinahe ganz wertlos. Die Hopfenfrüchte
müssen reichlich gelbes Hopfenmehl aufweisen und ein reines, würziges,
knoblauch- oder käseartiges Aroma besitzen. Nach dem Verkauf werden
sie gut getrocknet und, vielfach geschwefelt, damit möglichst wenig
Luft daran bleibt, in Ballen von 2 m Länge und 0,75 m Breite von
65-100 kg Gewicht zusammengepreßt. Da sich der Hopfen schlecht hält,
wird er am besten an einem kühlen Orte in Metallkisten aufbewahrt.
Andere Konservierungsmethoden, wie das Besprengen mit Alkohol haben
sich nicht bewährt; dagegen werden vielfach, so besonders in Amerika,
Hopfenextrakte verwendet. Doch vermögen sie nicht alle Eigenschaften
des Hopfens zu ersetzen. Die Stengel des Hopfens werden in nördlichen
Ländern zu Stricken, Matten, Säcken und anderen groben Geweben, sonst
in der Papierfabrikation, die Blätter als Viehfutter und die jungen
Schößlinge als Gemüse verwendet. Von der Welternte des Hopfens von
106,95 Millionen kg im Jahre 1908 entfallen 30 Prozent auf Deutschland,
das besonders in Franken, Schwaben, Baden und Elsaß in ausgedehntem
Maße Hopfen pflanzt. An zweiter Stelle steht England, doch suchen die
Vereinigten Staaten von Nordamerika den alten Kulturländern auch hierin
den Vorrang streitig zu machen.
Seit dem Altertum sind verschiedene Arten der Gattung ~Artemisia~,
+Beifuß+, mehr als Arznei, denn als Gewürz bekannt und geschätzt.
~Artemisía~ nannten sie die Griechen -- von ~artemḗs~ gesund -- weil
sie deren Gebrauch für die Gesundheit förderlich hielten. Unter ihnen
war speziell der +Wermut+ (~Artemisia absinthium~), ein 0,6 bis 1,25 m
hohes, stark aromatisch, aber widerlich riechendes, überall an
Zäunen und unbebauten Plätzen wachsendes Kraut mit feingefiederten,
ursprünglich weißgrauen Blättern und gelben Blüten, sehr beliebt.
Die Griechen nannten die Pflanze ~apsínthion~ und danach die Römer
~absinthium~. Von ihr schreibt der griechische Arzt Dioskurides: „Das
~apsínthion~ (von den Deutschen Wermut genannt, nach ~werm-uot~, d.
h. wärmende Wurzel wegen der erhitzenden Eigenschaft dieser Pflanze)
ist äußerst bitter, es ist allgemein bekannt. Die beste wächst im
Pontosgebiet und in Kappadokien auf dem Taurusgebirge. Sie erwärmt,
zieht zusammen, befördert die Verdauung und ist in vielen Fällen
ein wichtiges Heilmittel. Man versetzt auch die schwarze Tinte zum
Schreiben mit Wermut, weil sich dann die Mäuse nicht daran wagen.“ Und
Plinius schreibt in seiner Naturgeschichte: „Es gibt mehrere Arten von
Wermut (~absinthium~, auch ~apsinthium~ geschrieben); die sogenannte
santonische kommt aus einer Landschaft Galliens (die Santonen waren
Kelten und wohnten in Aquitanien), die pontische aus dem Pontus, wo
sich (wie er Theophrast nachschreibt) die Schafe damit mästen, aber
davon (Theophrast sagt vorsichtig: wie einige sagen, was Plinius
wegläßt) die Galle verlieren. Die pontische Wermut ist die beste,
weil bitterer als die italische, hat aber ein süßes Mark. Dieses
äußerst nützliche Kraut ist allgemein bekannt und zu sehr vielen
Heilzwecken im Gebrauch. Es wird auch bei den Latinischen Festen in Rom
verwendet, wo vierspännige Wagen am Capitolium um die Wette fahren.
Wer da den Sieg errungen hat, trinkt Wermut, wahrscheinlich weil
unsere Vorfahren geglaubt haben, Gesundheit sei eine recht ehrenwerte
Belohnung.“
Tafel 73.
[Illustration: Wild wachsender Hopfen aus Bayern.
Hopfengarten der Kgl. Akademie in Weihenstephan (Bayern).]
Tafel 74.
[Illustration: Hopfenpflücker in der Holledau, Bayern (meist böhmische
Wanderarbeiter).
Gedörrte und zum Versand bereite Hopfenfruchtähren.]
Dieses bitterste aller Kräuter mußte nach der uns erhaltenen Verordnung
über die auf den Krongütern zu haltenden Nutzpflanzen aus dem Jahre 812
auch in den Gärten der Meierhöfe Karls des Großen angepflanzt werden
und spielte das ganze Mittelalter hindurch als ~wermuota~ eine wichtige
Rolle als Heilmittel. Noch heute ist es als solches beim Volk in hohem
Ansehen und wird zu bitterem Tee und Magentropfen, zur Herstellung von
Wermutbier und Wermutlikören viel benutzt. Bekannt ist die Liebhaberei
der Franzosen zum angeblich erregenden, tatsächlich aber den Magen
reizenden Absinth, dessen Herstellung und Verkauf glücklicherweise
neuerdings in der Schweiz, wo besonders die Welschen bedeutende
Konsumenten desselben waren, verboten wurde.
Im Altertum wurde schon bei den Ägyptern und später bei den Griechen
und Römern auch der +baumartige Beifuß+ (~Artemisia arborea~)
angebaut und zur Herstellung von Arzneien aller Art, besonders
Wermutwein benutzt. Als der Heilgöttin Isis geweiht, trugen die
Priester derselben, wie uns Plinius berichtet, deren Zweige, die er
~absinthium~ nennt, bei den öffentlichen Umzügen feierlich vor sich
her. Auch in Europa dienen heute noch Wermutzweige, so wie der gemeine
Beifuß und andere stark riechende Kräuter zum Weihbunde, d. h. zu den
Kräutern, welche in katholischen Kirchen auf Maria-Himmelfahrt oder
Maria-Krautweihe (den 15. August) vom Priester geweiht werden. Es ist
dies ein direkt durch römische Vermittelung vom Isiskulte herrührender
Gebrauch; denn Isis mit dem Horusknäbchen auf dem Arm ist das
unmittelbare Vorbild der Gottesmutter Maria mit dem Jesuskinde.
Nicht minder berühmt war seit dem Altertum der halbstrauchartige,
in den Mittelmeerländern wild wachsende +Eberreis+ (~Artemisia
abrotanum~), den man häufig zu duftenden Kränzen, besonders aber als
Arznei verwendete. Schon Theophrast erwähnt ihn als ~abrótonon~ und
sagt, er werde zu Kränzen gebraucht, während ihn Dioskurides als
Heilmittel nennt und beifügt, er wachse häufig in Kappadokien, dem
asiatischen Galatien und in Syrien. Auch wurde er zur Herstellung
eines mit ihm und anderen Gewürzen bereiteten (Oliven-) Öls verwendet.
Und der aus Spanien im 1. Jahrhundert n. Chr. nach Rom gekommene
Ackerbauschriftsteller Columella meint: „Das Bauchweh verliert sich
beim Haarvieh, vornehmlich bei Maultieren und Pferden, augenblicklich,
wenn es schwimmende Enten sieht (!); als Arznei tut ihm aber ein Trank
von zarten Lorbeerblättern und Eberreis (~abrotanum~) sehr wohl.“ Es
wird jetzt noch in den Mittelmeerländern häufig in den Küchengärten
angepflanzt und heißt bei den Neugriechen ~pikróthanos~ und bei den
Italienern ~abrotano~.
Der +gemeine Beifuß+ (~Artemisia vulgaris~) wird ebenfalls kultiviert,
weil sein Kraut als Küchengewürz und die Wurzel als krampfstillendes
und schweißtreibendes Mittel dient. Ehemals wurde letztere als
Zaubermittel und Vorbeugungsmittel gegen das Ermüden an die Füße
gelegt; daher der Name Beifuß. Ein Büschel dieses Krautes hängen
die Landleute gerne in den Wohnstuben als „Fliegenkraut“ auf, weil
sich die Fliegen abends gern in Menge daran setzen und dann leichter
gefangen und getötet werden können. Die unmittelbar vor dem Aufblühen
gesammelten Blütenköpfe des in der Kirgisensteppe und südlich davon
wild wachsenden, neuerdings aber in zunehmendem Maße angepflanzten
+Wurmbeifußes+ (~Artemisia cina~) liefern eines der bekanntesten
Wurmmittel, die zur Abtreibung von Spulwürmern und Pfriemenschwänzen
(~Oxyuris~) dienenden +Zitwer+- oder +Wurmsamen+, deren bitterer
Extraktivstoff das Santonin bildet, das neuerdings statt der
Wurmsamenlatwerge in Zucker- oder Schokoladezeltchen als Wurmmittel
gegeben wird.
Noch weiter östlich in Asien, nämlich in der Mongolei heimisch ist
der +Dragonbeifuß+ (~Artemisia dracunculus~), das französische
~estragon~, das als geschätztes Küchengewürz in Mitteleuropa seit
alter Zeit kultiviert wird. Die blühenden Stengelspitzen riechen
angenehm gewürzhaft, schmecken bitterlich und dienen zur Bereitung des
Estragonessigs. Dragon kommt vom lateinischen ~draco~, Drache, Schlange
(~dracunculus~ heißt kleiner Drache) und wurde der Pflanze von den
mittelalterlichen Ärzten gegeben, weil nach Plinius das Tragen dieser
Pflanze vor dem Gebissenwerden durch Giftschlangen schütze.
Ein anderes viel verwendetes einheimisches Gewürz ist der +gemeine
Kümmel+, die getrockneten Früchte der zweijährigen Kümmelpflanze
(~Carum carvi~) aus der Familie der Umbelliferen, die im mittleren und
nördlichen Europa bis zur Birkengrenze auf guten, trockenen Wiesen
wild wächst. Sie ist die älteste in Europa nachweisbar als Gewürz
verwendete Pflanze, da im neolithischen Pfahlbau von Robenhausen aus
dem dritten vorchristlichen Jahrtausend verkohlte Samenkörner von ihr
zutage traten. Jedenfalls aber wird sie damals noch nicht vom Menschen
angepflanzt worden sein, da ihm die Wildlinge genug Samen boten. Doch
ist diese Gewürzpflanze in Vorderasien schon sehr früh kultiviert
worden, wie wir aus einer Stelle des seit 740 v. Chr. unter den Königen
Usias, Jothan, Ahas und Hiskias zu Jerusalem wirkenden Propheten
Jesaias in Kap. 28, 25 entnehmen, wo es vom Ackermann heißt: „er streut
Wicken und wirft Kümmel, er säet Weizen und Gerste, jegliches, wo er
es haben will, und Spelt an seinen Ort,“ und in Vers 27: „denn man
drischet die Wicken nicht mit Eggen und läßt auch nicht ein Wagenrad
über den Kümmel gehen, sondern die Wicken schlägt man aus mit einem
Stabe und den Kümmel mit einem Stecken“.