Ihren Wert erhalten die Vanilleschoten durch das bis zu 4 Prozent

in ihnen enthaltene, äußerst wohlriechende Vanillin, das eines der

am häufigsten benutzten feineren Gewürze darstellt. Außer in ihrem

Heimatlande Mexiko, wo die Vanille besonders in der Umgebung der

Stadt Oaxaca gezogen wird, kultiviert man sie heute an vielen Orten

der Tropen. So wurde sie wegen des hohen Preises der Schoten, von

denen 1821 1 Pfund 120 Mark und 1860 1 Pfund in Holland 22,50 Mark

kostete, von den Holländern 1819 nach Java eingeführt, gedieh dort

auch ganz gut, blühte reichlich, brachte aber keine Früchte hervor. Da

erkannte der Direktor des Versuchsgartens in Buitenzorg, Theysmann,

daß die Schuld nur der mangelnden Befruchtung der Blüten zukomme,

da eben an diesem neuen Standorte die bestimmten, in der Heimat die

Pollenübertragung vollziehenden Insekten fehlten. Sobald man diesem

Mangel durch künstliche Befruchtung der Blüten abhalf, indem man den zu

winzigen Kölbchen, den Pollinien, verwachsenen Blütenstaub mit Hilfe

von zugespitzten Bambusstäbchen auf die Narbe der Blüten übertrug,

hatte man einen vollen Erfolg. Alle Blüten müssen gleich am Morgen,

an dem sie aufgegangen sind, befruchtet werden, und zwar kann ein

flinker Arbeiter an einem Morgen 1000 Blüten bestäuben. Wenige Tage

danach kann man bereits diejenigen Blüten auslichten, die keine Früchte

ansetzen. Einen Monat nach der Blütenbefruchtung erreichen die Früchte

schon ihre endgültige Größe, bedürfen aber zu ihrer völligen Reife

noch weiterer fünf Monate, und zwar werden die der Sonne ausgesetzten

Schoten die besten. Die Ernte findet auf der nördlichen Erdhälfte von

Dezember bis Februar, auf der südlichen dagegen von Juni bis August

statt. Dabei rechnet man im Durchschnitt auf einen Ertrag von 100-200

kg marktfertiger Ware auf den Hektar. Seit Anfang der 1860er Jahre hat

man die Vanillekultur besonders intensiv auf den französischen Inseln

Réunion und Bourbon betrieben, die heute weitaus am meisten Vanille

exportieren, nämlich jährlich etwa 100000 kg. An zweiter Stelle kommen

die gebirgigen Seychellen-Inseln, auf denen diese Kulturpflanze im

Jahre 1868 eingeführt wurde. Doch lohnt die Kultur dieser Nutzpflanze

nicht mehr die Kosten, da der Wert der Vanille im Laufe des vergangenen

Jahrhunderts von 240 Mark auf 8-10 Mark für das Kilogramm sank. Zu

diesem gewaltigen Preisabschlag trug besonders die neuerdings gelungene

künstliche Herstellung des Vanillins bei, das man jetzt im großen

aus dem im Kambium (Bastmantel) der Nadelhölzer enthaltenen Glykosid

Koniferin gewinnt. Dabei leisten 10 g künstlich erzeugtes Vanillin so

viel wie 500 g feinste Bourbonvanille. Dieses Gewürz wird im Haushalt

und in der Konditorei viel gebraucht, sollte aber von reizbaren,

schwachnervigen Menschen recht mäßig oder gar nicht angewendet werden,

da es in größeren Mengen zu stark erregt und erhitzt. So meidet man im

heißen Amerika den Genuß der Vanille aus diesen Gründen fast ganz.

Die Vanillekultur ist verhältnismäßig sehr einfach. Sie wird meist

in unvollständig gelichteten Wäldern betrieben, in welchen man die

jüngeren Bäume als Schattenspender und zugleich Stützen für die

kletternde Orchidee stehen läßt. Da der wie bei allen Orchideen sehr

kleine Same bei der Kulturpflanze meist nicht mehr keimfähig ist,

verwendet man für die Vermehrung derselben meist Stecklinge von 1 m

Länge mit 3-4 Blättern, die 15-20 cm tief in die Erde gesteckt und

darin möglichst fest gedrückt werden, während die Spitze an einer

Stütze befestigt wird. Im dritten Jahre beginnt die Pflanze Früchte

zu entwickeln, die man aber zur Schonung der Pflanze nicht alle

befruchtet. Dieselben erreichen vom vierten bis zum achten Jahre ihre

höchste Vollkommenheit; doch bleibt die Staude bis zum zwanzigsten

Jahre tragfähig.

Die Vanillepflanze gedeiht nur in tropischen Gebieten mit möglichst

gleichmäßiger Wärme, ohne größere Temperaturschwankungen und

ausgiebiger Feuchtigkeit der Luft und des Bodens. Als Waldpflanze

erträgt sie keinen Wind, selbst dann, wenn er warm ist, deshalb schützt

man sie durch 4-5 m hohe heckenartige Umfriedigungen davor, oder indem

man sie im Schatten von Schutzbäumen (meist Banane oder Kalabassenbaum)

oder an Spalieren von ansehnlicher Höhe zieht, die ebenfalls den

nötigen Schatten gewähren müssen und aus diesem Grunde nicht von Osten

nach Westen gezogen werden dürfen. An diesen können nicht nur die

Zweige in der zweckentsprechenden Weise auseinander gebreitet werden,

sondern lassen sich alle Vorteile erzielen, welche man bei der Kultur

solcher kletternder Pflanzen erstrebt. Die in ihrer Heimat im Urwalde

wachsende Vanille wird meistens nicht reif, da die Affen eine besondere

Vorliebe für diese schmackhaften Schoten haben und dafür sorgen, daß

diese nicht in menschliche Hände geraten.

Tafel 71.

[Illustration: Eine Vanillepflanzung im Botanischen Garten von Viktoria

in Kamerun.]

Tafel 72.

[Illustration: An Stützbäumen emporrankende Pfefferreben auf Sumatra.]

Neuerdings hat man in den deutschen Kolonialgebieten mit bestem

Erfolg den Anbau dieser Kulturpflanze eingeführt und wird hier mit

der Zeit einen ansehnlichen Teil der gegen 330000 kg betragenden

Gesamtproduktion der Erde gewinnen, so daß das Deutsche Reich seinen

Bedarf von etwa 41000 kg im Werte von 1 Million Mark daraus zu

bestreiten vermag.

Ebenfalls eine an Bäumen emporrankende Kletterpflanze ist die in

Südasien heimische +Pfefferrebe+ (~Piper nigrum~), die sowohl den

schwarzen, als auch den weißen Pfeffer liefert. Ihr holziger, bis

2 cm im Durchmesser haltender Stamm steigt an den sich ihm zur Stütze

darbietenden Bäumen 6-7 m empor, indem er sich durch Luftwurzeln an

sie anklammert. Die herzförmigen, mit langer Träufelspitze versehenen,

etwas lederigen Blätter stehen an ziemlich langen Stielen spiralförmig

am Stamme. Denselben gegenüber brechen die ährenartigen Blütenstände

hervor, die nach der Befruchtung rote, mit einer dünnen Lage von

Fruchtfleisch umgebene Beeren liefern. Dieselben enthalten unter einer

innen braunroten, mit dem scharfen Piperin, einer gelben öligharzigen

Substanz, erfüllten Samenschale, die in einem reichen, mehligen

Nährgewebe liegenden, gleichfalls durch jenen scharfen Stoff vor dem

Gefressenwerden durch unberufene Tiere geschützten Samen.

Ihre Heimat hat die Pfefferrebe in den Wäldern der Malabarküste,

wo sich die Eingeborenen ihrer hübschen roten Früchte jedenfalls

schon im zweiten vorchristlichen Jahrtausend zur Würze ihrer an sich

etwas faden Reisnahrung bedienten. Denn gerade in den Tropen mit

ihrem erschlaffenden, warmen Klima besteht überall das unumgängliche

Bedürfnis nach scharfen Gewürzen als Zukost zur an sich wenig die

Geschmacksnerven reizenden Kost aus stärkemehlreichen Samen, Früchten

oder Wurzelknollen. Schon in den altindischen Epen ist vom Pfeffer

die Rede, welcher neben dem Salz als Würze der Speisen bezeichnet

wird. Wahrscheinlich bedeutet das Wort Malabar -- aus ~malichabar~

entstanden -- „Pfefferland“; denn im Sanskrit, der ausgestorbenen

Sprache Altindiens, ist ~malicha~ die ursprüngliche Bezeichnung für den

Pfeffer, während bar im Arabischen Land bedeutet. Dieser Name ihres

Landes ist übrigens den Eingeborenen von Malabar fremd; sie nennen es

vielmehr Malajálam, was Hügelland, oder Kéralam, was Kokosnußland heißt.

Von den Wäldern von Malabar, wo die Eingeborenen die Pfefferrebe

an Waldrändern an Stützbäumen oder, der leichteren Ernte wegen, an

Spalieren ziehen, hat sich der Anbau dieser Kulturpflanze besonders

nach der Halbinsel Malakka und dem benachbarten malaiischen Archipel

gewandt. Nicht mehr wie noch im Mittelalter in Indien, sondern hier

wird heute der meiste Pfeffer erzeugt. Der Hauptausfuhrhafen dafür

ist Singapur. Von den über 30 Millionen kg Pfeffer, die jährlich auf

den Weltmarkt gelangen, entfällt reichlich die Hälfte auf Sumatra, an

dessen Ostküste besonders dieses so geschätzte Gewürz erzeugt wird.

Neuerdings ist die Pfefferkultur auch auf Neuguinea, Westafrika und

Westindien ausgedehnt worden.

Sie wird ursprünglich in der Weise betrieben, daß man einen oder

mehrere Stecklinge von 30 cm Länge, meist Ranken, am Fuße eines

Baumes am Waldsaum oder einer Waldlichtung pflanzt und den gleichen

Vorgang bei allen benachbarten Bäumen wiederholt. Neuerdings aber

legt man regelrechte Plantagen an, indem man die Stecklinge an 3-4 m

hohen Stangen hinaufranken läßt. Schon nach zwei Jahren haben sie

rings um die Stütze einen dichten, grünen Mantel gebildet, im dritten

beginnen sich die Früchte zu zeigen und im vierten tritt die volle

Ertragsfähigkeit ein. Diese erreicht vom siebenten bis neunten Jahre

ihre Höhe, indem jede Pflanze bis zu 35 Fruchtähren mit je 20-30

Früchten hervorbringt, so daß die einzelne Pflanze nicht selten 3,5

kg Beeren liefert. Nach 15 Jahren vermindert sich der Ertrag und die

Pflanzungen müssen erneuert werden.

Zwischen Blüte- und Fruchtzeit verlaufen jeweilen drei Monate, so daß

im Jahre drei Ernten möglich sind. Meist erntet man aber nur zweimal

jährlich, zuerst von Dezember bis Februar und dann von Mai bis Juli.

Die Ernte nimmt ihren Anfang, wenn sich die Beeren zu röten beginnen

und währt mehrere Monate, da nicht alle Beeren gleichzeitig sich

röten. Um +schwarzen Pfeffer+ zu erhalten, sammelt man die Beeren vor

ihrer Reife, d. h. wenn die untersten Früchte sich zu röten beginnen,

läßt sie an der Sonne trocknen und sortiert sie je nach der Größe. Um

+weißen Pfeffer+ zu erhalten, läßt man die Beeren völlig reif werden,

legt sie 2-3 Tage in Wasser und entfernt dann die durch leichte Gärung

weich gewordene äußere Fruchthülle teils durch Reiben zwischen den

Händen oder Stampfen mit den Füßen, teils durch kaffeetrommelartige

Rotationsapparate, die an mehreren Stellen siebartig durchbrochen sind,

um die vom fleischigen Mantel befreiten Fruchtkörner hindurchtreten

zu lassen. Gereinigt und je nach ihrem Reifegrad sortiert, werden sie

in Ballen verpackt und kommen so in den Handel. Der Pfeffer verdankt

seinen scharfen Geschmack einem darin zu 1 Prozent enthaltenen

ätherischen Öl und dem bis zu 9 Prozent vorhandenen Piperin, das bei

Magenschwäche anregend auf die Absonderung der Verdauungssäfte wirkt.

Die Pfefferrebe ist ein echtes Tropengewächs, das außerhalb des engeren

Tropengürtels nirgends gedeiht. Als ursprüngliche Waldpflanze verlangt

sie wie die Vanille eine ziemliche Luft- und Bodenfeuchtigkeit nebst

Halbschatten. Wo diese Bedingungen erfüllt sind, bietet ihr Anbau

keinerlei Schwierigkeiten.

Wie die heutigen Hindus ihn mit Kardamomen, Ingwer, Kurkuma oder

Gelbwurzel und anderen Ingredienzen mit Zuhilfenahme von Kokosnußmilch

zur Herstellung ihrer als Curry (sprich Körri) bezeichneten scharfen

gelben Brühe benützen, mit welcher sie ihren dreimal täglich genossenen

gedämpften Reis, dem sie, wenn möglich, etwas getrockneten Fisch

zusetzen, würzen, so taten es schon ihre Vorfahren vor 3000 und mehr

Jahren. In den Veden finden wir außer der Bezeichnung ~malicha~ für

den schwarzen Pfeffer auch die Benennung ~pippali~ für den bald zu

besprechenden langen Pfeffer, der schärfer als jener ist. Da nun

die Hindus schon in der ersten Hälfte des letzten vorchristlichen

Jahrtausends ihre Fahrten bis zum Persischen Meerbusen und zum Roten

Meere ausdehnten, so kann es kein Wunder sein, daß die Kulturvölker

des Orients beide Arten schon früh kennen lernten. Zuerst erhielten

die Perser dieses Gewürz. Sie übertrugen wohl aus Mißverständnis den

indischen Namen ~pippali~ für den langen Pfeffer auf den schwarzen

Pfeffer, und da sie kein l in ihrer Sprache besitzen, machten sie

daraus ~pippari~. Die Griechen, denen sie die Kenntnis und den Gebrauch

dieses starken Gewürzes übermittelten, machten daraus ~péperi~, und

zwar bezeichneten sie den langen Pfeffer als ~péperi makrón~ (d. h. den

großen Pfeffer) im Gegensatz zum gewöhnlichen Pfeffer, den sie einfach

~péperi~ nannten. Die Römer lernten ihn von den Griechen kennen und

machten aus ~péperi piper~, dabei bezeichneten sie den langen Pfeffer

als ~piper longum~. Vom lateinischen ~piper~ entwickelte sich dann das

~pepper~, ~pfeffer~ und ~poivre~ der europäischen Sprachen.

Die erste Kenntnis vom Pfeffer erhielten die Griechen durch den dem

Abendlande eine neue Welt eröffnenden Siegeszug Alexanders des Großen

durch ganz Vorderasien bis nach Indien, das er im Jahre 327 v. Chr.

betrat. Nach Besiegung des indischen Königs Poros am Hydaspes (dem

heutigen Flusse Dschelam im Pandschab) durchzog der makedonische

König das Fünfströmeland (Pandschab), ward aber endlich durch die

Unzufriedenheit seines Heeres zur Rückkehr gezwungen, die er zu

Lande durch Gedrosien (Beludschistan) bewerkstelligte, während sein

Unterfeldherr Nearchos die Flotte nach dem Persischen Meerbusen

führte. Die erste genauere Kunde von diesem indischen Gewürz gibt uns

der Schüler von Alexanders Lehrer Aristoteles und nach dessen Tod

Haupt der peripatetischen Schule in Athen, Theophrastos (gestorben 286

v. Chr.). Dieser vortreffliche Pflanzenkenner unterscheidet bereits

schwarzen und langen Pfeffer. Erst der griechische Arzt Dioskurides

nennt in seiner reichhaltigen, um die Mitte des ersten christlichen

Jahrhunderts verfaßten Arzneimittellehre auch den weißen Pfeffer.

Sein Zeitgenosse, der ältere Plinius, teilt uns sogar die damals

geltenden Preisnotierungen für die verschiedenen Pfeffersorten mit.

Nach ihm kostete der lange Pfeffer, der sich als der schärfste aller

Pfefferarten bis weit ins Mittelalter hinein besonderer Wertschätzung

erfreute, 15 Denare (= etwa 9 Mark) das Pfund, während der schwarze zu

4 (= 2,40 Mark) und der weiße zu 7 Denaren (= 4,20 Mark) das Pfund zu

haben waren. Dem fügt er bei: „Es ist sonderbar, daß sich der Pfeffer

(~piper~) beliebt gemacht hat. Andere Dinge empfehlen sich durch

Süßigkeit, wieder andere durch Schönheit; der Pfeffer aber konnte

nur durch seinen scharfen Geschmack und dadurch gefallen, daß er aus

Indien kommt. Dort wächst er wild; bei uns wird er für Gold und Silber

gekauft. Verfälscht wird er mit Wacholderbeeren, die merkwürdigerweise

ihm im Geschmack ähneln; auch in bezug auf Gewicht wird er auf

mancherlei Weise durch beschwerende Zusätze gefälscht.“

Um Pfeffer, Zimt, Ingwer und die anderen so hochgeschätzten Gewürze

Indiens, die zu hohen Preisen guten Absatz fanden, nach dem Römerreiche

zu bringen, bestand damals ein reger Handel mit dem gepriesenen

Gewürzlande Indien, den zumeist wie in der Vorzeit die Bewohner

der Landschaft Jemen in Südarabien, dem „Glücklichen Arabien“

der Alten, als den schon durch die geographische Lage gegebenen

Zwischenhändlern übermittelten. Doch fuhren damals die römischen

Schiffe mit griechischer Bemannung aus Alexandrien durch den bereits

von den alten Pharaonen angelegten Südwasserkanal nicht nur bis zum

Stapelplatz ~Arabia felix~, sondern teilweise selbst bis nach Indien.

Der um 100 n. Chr. zu Nikomedia in Bithynien geborene und unter Kaiser

Marcus Aurelius um 170 verstorbene griechische Schriftsteller Flavius

Arrianus, der 136 unter Hadrian Präfekt von Kappadokien war, schreibt:

„Nach der Handelsstadt Nelekynda am südwestlichen Ufer Indiens kommen

viele Schiffe, weil dort vortrefflicher Pfeffer (~péperi~) in Menge zu

haben ist“, und sein schon ums Jahr 25 n. Chr. verstorbener Landsmann

Strabon, der weit in der Welt herumgekommen war, berichtet: „Früher

wagten sich kaum zwanzig Schiff aus dem Arabischen Meerbusen (dem

Roten Meere) hinaus; jetzt aber segeln große Flotten nach Indien und

bis ans äußerste Ende von Äthiopien (Afrika) und bringen die teuersten

Waren nach Ägypten, von wo sie wieder nach allen Ländern ausgeführt

werden. In Alexandreia ist die Hauptniederlage für jene Waren; denn die

Lage dieser Stadt ist für den Handel äußerst günstig.“ Dort unterlag

der Pfeffer wie die übrigen Gewürze und Kostbarkeiten Indiens und

Äthiopiens -- wie wir aus einem Berichte aus dem Jahre 176 n. Chr.

wissen -- einem römischen Durchgangszoll. Die vornehmen Griechen und

Römer der Kaiserzeit benützten ihn als Medizin, wie auch zu allerlei

Würze von Speise und Trank. Schon durch seine ferne Heimat und den

nicht für jedermann erschwinglichen Preis bildete er eine kostbare

Ware, mit deren Anwendung man gerne prunkte. So lernten ihn die

deutschen Barbaren kennen und schätzen. Von dem Gotenkönig Alarich wird

uns berichtet, daß, als er mit seinem Heere im Jahre 408 Rom belagerte,

er sich erst zur Aufhebung der Belagerung verstand, nachdem ihm die

Römer 5000 Pfund Gold, 30 000 Pfund Silber, 4000 seidene Kleider, 3000

Pfund Pfeffer und andere Kostbarkeiten entrichtet hatten.

Der erste Abendländer, der die Pfefferpflanze in ihrer Heimat wachsen

sah und später beschrieb, war der griechische Großkaufmann Kosmas

aus Alexandrien in Ägypten, ein Zeitgenosse des oströmischen Kaisers

Justinian I., der sich bekanntlich vom Bauer zum Basileus (König)

emporgeschwungen hatte und von 527-565 n. Chr. regierte. Mit einem

gewissen Menas hatte dieser Kosmas ums Jahr 540 eine Handelsreise

nach Indien und Ostafrika unternommen und später, als er mit jenem,

dem Zuge ihrer Zeit folgend, der bösen Welt entsagte, um das

engelgleiche Gewand anzuziehen, d. h. Mönch zu werden, schrieb er in

seiner Vaterstadt, dem lebenslustigen, reichen Alexandreia, wo er

predigend umherzog, einen uns erhaltenen Bericht über seine Reise,

der von musterhafter Gewissenhaftigkeit zeugt. Er gibt uns darin

eine ausführliche Beschreibung der von den Alten Taprobane genannten

Insel Ceylon, „jenseits dem Pfefferlande und indischen Meere“. Nach

seiner denkwürdigen Fahrt nach Indien, die damals noch als etwas ganz

Außergewöhnliches galt, erhielt dann dieser Mönch Kosmas von seinen

Zeitgenossen den Beinamen Indikopleustes, d. h. Indienfahrer.

Nach ihm war der Venezianer Marco Polo der erste Europäer, von dem

wir wissen, daß er die indische Pfefferrebe in ihrer Heimat wachsen

sah. Er war mit seinem Vater Niccolo und seinem Onkel Maffio Polo,

auf deren zweiter ostasiatischen Reise, die 1271 angetreten wurde,

nach China gekommen, wo er 17 Jahre blieb, um zuletzt ein hoher

chinesischer Beamter zu werden und als solcher das ganze Reich, außer

den beiden südlichen Provinzen Kwang-si und Kwan-tung kennen lernte,

auch Osttibet, Jün-nan und Nordbirma bereiste. Im Jahre 1292 traten

die Poli die Rückreise zu Schiff über Südasien an und besuchten bei

dieser Gelegenheit Hinterindien, Borneo, Sumatra, Ceylon, das westliche

Vorderindien, den Persischen Meerbusen, Nordpersien, Armenien und

Kleinasien. Auf dieser drei Jahre dauernden Rückreise, von der sie 1295

nach Venedig zurückkehrten, lernten sie auch Südasien so gut kennen,

daß sie während des ganzen Mittelalters die besten Kenner dieses

Kontinents blieben, außer etwa dem Araber Ibn Batûta (1302-1377),

der ebenfalls Vorderasien und China besuchte, aber sich nur kurz in

diesen Ländern aufhielt. Seinen Reisebericht diktierte Marco Polo

1298 in genuesischer Gefangenschaft, in die er während eines Krieges

zwischen Venedig und Genua geraten war. Das Buch wurde in mehrere

Sprachen übertragen und war im Abendlande bald so bekannt, daß es

zu den gelesensten Schriften des späteren Mittelalters gehörte.

Durch die glänzenden Schilderungen des fabelhaften Reichtums und der

ungeheuren Ausdehnung der Städte Ostasiens blendete es die Völker

des Abendlandes, die gar zu gerne jene vielbeneideten Länder kennen

gelernt oder noch lieber für sich gewonnen hätten. Deshalb trugen

Marco Polos Berichte über das goldreiche Ostasien und die Gewürzländer

Südasiens ganz wesentlich zu der zwei Jahrhunderte später erfolgten

Entdeckung Amerikas bei; denn der im Dienste des spanischen Königs

Ferdinands V., des Katholischen, am 3. August 1492 vom Hafen Palos mit

drei kleinen Caravellen mit 120 Mann Besatzung nach Westen segelnde

Genuese Cristophoro Colombi (Kolumbus) wollte nicht einen neuen

Weltteil entdecken, sondern das Gewürzland Indien und das goldreiche

Zipangu (Japan), den Pfefferstapelplatz Zaiton (Tsi-uen-tschou an der

Fokienstraße) und das reiche Quinsay (Hang-tschou-fu) entdecken. Und

nicht nur an jenem denkwürdigen 12. Oktober 1492, als er auf der Insel

Guanahani (jetzt Watlings Island) landete, sondern bis zu seinem 1526

erfolgten Tode hat Kolumbus dem Glauben gelebt, Indien aufgefunden

zu haben, dessen wertvolle Produkte es nun aufzufinden und mit gutem

Gewinn in Europa zu verkaufen galt.

Die nächste Folge der Reisen der Poli war die Ausbreitung des

Christentums in China, der die in religiöser Beziehung völlig

indifferente Mongolendynastie keine Hindernisse in den Weg legte.

Erst als 1368 durch die Revolution des echten Chinesentums gegen die

mongolische Dynastie der Yuen die usurpatorische mongolische Herrschaft

in China zusammenbrach und die christenfeindliche Dynastie der Ming

ihre Herrschaft antrat, blieb der Osten Asiens für das Abendland

wieder völlig in Dunkel gehüllt. Als einziger Europäer gelangte im 15.

Jahrhundert der Italiener Nicolo Conti, ein Venezianer und Kaufmann

wie Marco Polo, nach Indien, Ceylon und Birma, und zwar nachdem

er seinen christlichen Glauben abgelegt und den Islam angenommen

hatte. Infolgedessen vermochte er auch ungestraft Vorderindien zu

durchkreuzen, Hinterindien zu besuchen und sich sogar auf Sumatra und

Java längere Zeit aufzuhalten. Auch er sah die Pfefferrebe in ihrer

Heimat wachsen. Die nächsten Europäer, denen dies wieder beschieden

war und die dann den direkten Seeweg nach Indien fanden, waren die

Portugiesen, die, wie wir bald sehen werden, unter der Führung des

kühnen Seefahrers Vasco da Gama am 23. Mai 1498 in Kalikut an der

Malabarküste, mitten im Zentrum der damaligen Pfefferkultur, landeten,

um dann den Handel mit diesem über alles geschätzten Gewürz an sich zu

reißen.

Den Pfefferhandel in seine Hände zu bekommen, wollte damals etwas

heißen, und es war der größten Opfer wert, dieses Monopol den Arabern

und Venezianern zu entreißen; denn im Mittelalter steigerte und

verallgemeinerte sich der Gebrauch dieses Gewürzes so unsinnig, daß

die Krämer wie im alten Rom geradezu piperarii, d. h. Pfefferhändler

genannt wurden. In der Bezeichnung Pfeffersäcke, die sich für die

Kaufleute bis zur Gegenwart erhielt, liegt noch heute ein Beigeschmack

großen Reichtums. Der Pfeffer war das ganze Mittelalter hindurch

im ganzen Abendlande ein überaus gesuchter Handelsartikel, mit

dem man wie in der römischen Kaiserzeit Speise und Trank, sogar

das süße Gebäck, wie beispielsweise die mancherlei Pfefferkuchen,

würzte. Das Urteil über eine Mahlzeit hing damals geradezu von der

Pfefferbeigabe ab; so lautet eine häufig wiederkehrende Wendung in

den mittelalterlichen Beschreibungen von Festmahlzeiten: „Daz ezzen

was guot, wile wole gepfefferôt.“ Diese uns heute ganz unbegreifliche

Vorliebe für Pfeffer und alle scharfen Gewürze überhaupt kann man sich

nur dadurch erklären, daß eben unsere Altvordern wie heute noch die

Bauernbevölkerung sehr fette Speisen aßen und die Zugabe der scharfen

Gewürze die Verdaulichkeit dieser schweren Speisen durch Reizung der

Verdauungsdrüsen förderte.

Wie Zimt, Gewürznelken und Muskatnuß, wie wir bald sehen werden, in

der holländischen Geschichte von der allergrößten Bedeutung waren,

so spielte der ostindische Pfeffer eine sehr wichtige Rolle in der

Geschichte Venedigs während des späteren Mittelalters. Damals war

jene Stadt an der Adria der Mittelpunkt des Handels zwischen Europa

und Asien und hatte etwa 3000 Kauffahrteischiffe von allerdings meist

nur 10-100 und nur ganz ausnahmsweise bis 700 Tonnen (zu 1000 kg)

Ladefähigkeit im Mittelmeere schwimmen. Diese segelten teilweise bis

nach den Niederlanden, speziell Brügge, das damals neben Augsburg und

Nürnberg die wichtigste Handelsstadt nördlich der Alpen war, um die

kostbaren Produkte des Morgenlandes dem Abendlande zu vermitteln. Die

Marine Venedigs war die größte des Mittelalters und besaß zur Zeit

ihrer höchsten Blüte im 14. Jahrhundert 25-30000 Köpfe Bemannung.

Nach ihr kam diejenige von Genua, dessen Hauptbedeutung im westlichen

Mittelmeer lag. Während Pisas Blüte bereits gegen das Ende des 13.

Jahrhunderts zu welken begann, hob sich Florenz allmählich, um dessen

Erbe anzutreten. Nachdem es 1421 von Genua die Hafenstadt Livorno

gekauft hatte, konnte es als drittwichtigste Seestadt jener Zeit

gelten. Namentlich tat sich Florenz in Herstellung von Wollgeweben,

Seidenstoffen, Gold- und Silberbrokat hervor. Schon um 1338 gab es in

jener Stadt 200 Tuchwebereien, die jährlich 80000 Stück Tuch lieferten.

Den Handel unterstützte ein vorzüglich eingerichtetes Bankwesen, das

sich über alle wichtigeren mitteleuropäischen Städte ausdehnte.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte · 第 55 / 77 段