Weitläufig verwandt mit dem Teestrauch ist der zu den Sterculiazeen

gehörende +Kakaobaum+ (~Theobroma cacao~), dessen Heimat das tropische

Amerika vom 23° nördlicher bis zum 20° südlicher Breite ist.

Lebensbedingung für ihn ist ein warmes, feuchtes Waldklima. Der wilde

Kakao, der von Südmexiko bis nach dem Staate Bahia in den Vereinigten

Staaten von Brasilien im Urwalde wild gefunden wird, liefert

minderwertige, äußerst herbe und bittere Samen in kleineren Früchten

als dies bei dem schon von den Indianern in vorgeschichtlicher Zeit in

Kultur genommenen, veredelten Baume der Fall ist. Gleichwohl werden

sie heute noch von den Indianern gesammelt und auf den Markt gebracht,

während sie das sie einhüllende angenehm süßsäuerliche, saftige

Fruchtfleisch als willkommene Nahrung selbst genießen.

Der Kakaobaum ist in seinem natürlichen Zustand ein etwa 10 bis 14 m

hoch werdender immergrüner Baum von 25-30 cm Stammdurchmesser mit

ausgebreiteter Krone. Gewöhnlich läßt man ihn aber nur 3-8 m hoch

werden. Die zimtbraune, ziemlich dicke Rinde liegt um einen porösen,

leicht rosa gefärbten Holzkörper. Der Stamm trägt eine Menge meist

schlanker Äste, an denen die kurzgestielten, länglich ovalen, spitz

zulaufenden, 20-35 cm langen Blätter sitzen. Jung sind sie pfirsichrot,

werden aber, nachdem sie sich entwickelt haben, glänzend dunkelgrün; an

der Unterseite sind sie matter gefärbt und leicht behaart.

Der Baum treibt das ganze Jahr hindurch Blüten und Früchte, die aus dem

Stamm und den älteren Zweigen unmittelbar hervorsprießen, was bei der

Größe und Schwere der letzteren eine äußerst zweckmäßige, ja notwendige

Einrichtung ist, da die schwächeren, dünneren Zweige solcher Belastung

nicht gewachsen wären und brechen würden. Die Stellen, an denen sie

erscheinen, entsprechen den Blattachseln; nur wird dieser Sachverhalt

durch den Abfall der Blätter verwischt.

Die Blüten brechen in Büscheln hervor und sind ziemlich langgestielt.

Über fünf rosenroten, lanzettlichen Kelchblättern finden sich

ebensoviel kappenförmige, zitronengelbe, rötlich geaderte

Blumenblätter. Von den zehn pfirsichroten Staubblättern erzeugen nur

fünf Pollen in je vier gesonderten Pollenfächern. Der Fruchtknoten

ist fünffächerig und umschließt mehrere zweireihig angelegte

Samenanlagen. Die Frucht ist eine kurzgestielte rotgelbe Beere, die

einer zugespitzten, von zehn stumpfen Längsrippen durchzogenen,

12-20 cm langen und 6-10 cm dicken Gurke gleicht, welche in einer

derben, bald holzig werdenden Schale in einem saftigen, farblosen

Fleisch 40-60 blaßrote, in fünf Längsreihen angeordnete mandelförmige,

aber dickere Samen umschließt. Sie sind von einer dünnen, wenn trocken

brüchigen Samenschale umgeben und bestehen ausschließlich aus dem

derbfleischigen Keimlinge, in dessen Kotyledonen das Nährgewebe sich

findet. In frischem Zustande schmecken sie, besonders bei der besten

Sorte von Soconusko, sehr herb und bitter. Man nimmt ihnen diese übeln

Eigenschaften durch eine besondere Zubereitung, von der bald die Rede

sein soll.

In den windgeschützten Tälern des tropischen Amerika, deren weicher,

humusreicher Boden von großen und kleinen Wasserströmen feucht

erhalten wird, trägt der Kakaobaum an den Flußufern das ganze Jahr

hindurch Blüten und Früchte nebeneinander. Dort wird er auch mit

Vorliebe in der durch Kultur veredelten Form vom Menschen angebaut.

Als Waldbaum, der nicht besonders fest im Boden wurzelt, muß er

namentlich Schutz vor starken Winden haben, die nicht bloß die Früchte

vor ihrer Reife abschlagen, sondern auch die Bäume entwurzeln. So warf

auf der Insel Martinique ein Orkan mit +einem+ Stoß alle Kakaobäume

der sehr umfangreichen Pflanzungen um. Deshalb errichtet man die

Kakaopflanzungen mit Vorliebe in windgeschützten Tälern oder zwischen

Waldstreifen als Windbrechern.

Wie der wilde Kakaobaum als Waldbaum gewöhnlich im Schatten größerer

Bäume wächst, so muß man auch dem veredelten Kakaobaum in der Kultur

Schattenbäume beigeben. So lange er jung ist, dienen meist Bananen als

solche, später gibt man ihm in Amerika den Korallenbaum (~Erythrina

corallodendron~) der deshalb von den Spaniern „Mutter des Kakaobaumes“

genannt wird. Dieser ist hierzu auch durch die geringen Ansprüche, die

er an den Boden stellt, sehr geeignet. Da nun den Kakaobäumen schon

durch die Schattenbäume viel Licht weggenommen wird, darf man nicht

zu dicht pflanzen, was zur Folge hat, daß eine Kakaoplantage stets

einen bedeutenden Raum beansprucht. Man rechnet vier- bis sechshundert

Kakaobäume auf einen Hektar Land.

Es gibt wohl kein landwirtschaftliches Produkt, dessen Kultur

mehr Mühe, Ausdauer und Unkosten verursacht, als der Kakao; aber

andererseits gibt es auch wenig Produkte, die, wenn sie gut

einschlagen, größeren Gewinn bringen, als er, da die Erträge von Jahr

zu Jahr verblüffend steigen. Vor allem verlangt der Kakaobaum zu seinem

Gedeihen einen lockeren, tiefgründigen, an Kalk und Phosphorsäure

reichen Boden, am besten Urwaldboden. Ferner muß ihm eine gleichmäßige

Temperatur von 24-28° C. und reichlich Feuchtigkeit zuteil werden, die

aber wieder nicht in der Form heftiger Güsse auf ihn fallen darf, weil

solche die Früchte beschädigen. Grundwasser muß durchaus vermieden

werden, auch sind die tierischen Schädlinge, namentlich die Termiten

und Schnecken, von ihm abzuhalten. Sodann muß der Boden reingehalten

und das überflüssige Holz abgeschnitten werden.

In solchen für seine Kultur geeigneten Boden wird der Samen der

Kakaobäume entweder direkt gesetzt, oder noch besser in weitmaschigen,

mit Moos ausgefütterten und Erde gefüllten Binsenkörben ausgesät, die

dann später, wenn die jungen Pflänzchen genügend erstarkt sind, direkt

in den Boden der Plantagen eingesetzt werden, da die Wurzeln aus ihnen

ungehindert in die Erde einzudringen vermögen. Gleichzeitig bieten

diese Pflanzkörbe in der ersten Zeit einen sehr wertvollen Schutz gegen

die Termiten, die gefährlichsten Feinde der jungen Kakaopflänzchen.

Die Sämlinge in Saatbeeten zu ziehen, ist durchaus unratsam, da deren

Wurzeln noch empfindlicher gegen äußere Eingriffe als selbst diejenigen

der Kaffeebäumchen sind.

Wenn die Sämlinge 8-10 Monate alt geworden sind, werden sie in 3,5-6 m

allseitigem Abstand eingepflanzt, während die definitiven Schattenbäume

in 12 m Abstand gepflanzt werden. Den jungen Kakaopflanzen spenden

zuerst Mais und später Bananen den nötigen Schatten. Wenn sie eine Höhe

von etwa 1 m erlangt haben, werden sie beschnitten. Man nimmt ihnen

alle Seitenschosse bis auf die drei oder vier obersten, damit sie eine

breite Krone ausbilden. Auch beim spätern Wachstum verhindert man das

in die Höhe Wachsen derselben, indem man sie nur 3 bis höchstens 8 m

hoch werden läßt, damit das Pflücken der Früchte bequemer vor sich

gehen könne.

Schon nach vier Jahren trägt der Baum die ersten Blüten und Früchte,

aber erst nach zwölf Jahren beginnt er seine ausgiebigste Entwicklung

zu erreichen. Von da an nimmt seine Fruchtbarkeit progressiv steigend

bis zum 25. oder 30. Jahre zu, um dann langsam abzunehmen; doch

kann der Baum bis zu seinem 50. Jahr Früchte tragen. Der Ertrag ist

den Jahren nach verschieden, auch wechselt er bei den verschiedenen

Bäumen. Alleinstehende Bäume produzieren am stärksten. Sie können

300-400 Früchte tragen, doch rechnet man bei einer größeren Pflanzung

durchschnittlich nicht mehr als 25 Früchte pro Baum jährlich, die

1 kg trockenen Kakao ergeben, weil das Trocknen der Bohnen einen

Gewichtsverlust von 30-40 Prozent zur Folge hat.

Die, wie gesagt, das ganze Jahr hindurch reifenden Früchte brauchen

vom Beginn ihrer Entwicklung bis zu ihrer Vollreife eine Zeit von vier

Monaten. Man erntet sie auch das ganze Jahr hindurch, doch finden die

Haupternten in Brasilien im Februar und Juli, in Mexiko im März und

April, in Westafrika im Oktober und November statt. Die Früchte müssen

mit größter Vorsicht teils von Hand, teils durch lange Stöcke, an deren

Ende ein Messer befestigt ist, von Stamm und Zweigen gepflückt werden,

damit die Blüten der kommenden Ernte dabei nicht Schaden leiden. Die

Reife der Früchte verrät sich durch die rotgelbe Farbe und den dumpfen

Ton, den sie beim Beklopfen geben als Zeichen dafür, daß sich der Same

von seiner Hülle gelöst hat.

Bei der Ernte werden die Früchte zum Nachreifen 3-4 Tage auf einen

Haufen gelegt, und zwar am besten in der Faktorei, nicht aber im

Freien, wo sie dem Ungeziefer und der Witterung schutzlos preisgegeben

sind. Während dieser Zeit soll bereits, begünstigt durch das umgebende

Fruchtmus, die Gärung der Bohnen beginnen. Darauf werden sie durch

Aufschlagen aufeinander oder auf einen harten Gegenstand „gebrochen“

oder mit einem stumpfen Messer in der Mitte quer aufgeschnitten,

wobei aber die mandelförmigen, im frischen Zustande weißen bis

rosenroten Samen, eben die Kakaobohnen, nicht zerquetscht oder

angeschnitten werden dürfen. Die Haufen leerer Fruchtschalen läßt man

in Verwesung übergehen und benützt sie als Düngemittel, da sie nicht

unerhebliche Mengen von dem für den Kakaobaum so wichtigen Kalk und von

Phosphorsäure enthalten. Auch das Fruchtmus wird unbegreiflicherweise

fortgeworfen, trotzdem es sich sehr gut zur Bereitung von Gelees und

Likören eignen würde. Benützten doch die Indianer am Orinoko, wie

Alexander von Humboldt mitteilt, nur das Fruchtmus und warfen alles

übrige, auch die bitteren Kerne fort. Und heute noch verwenden die

ärmeren Leute in Amerika die Fruchtschalen des Kakaos zur Herstellung

eines ganz angenehm schmeckenden Tees.

Bei der auf niedriger Stufe stehenden Kultur werden die Kakaobohnen

einfach getrocknet und zusammengepackt. Derartige Samen, die man im

Handel als „ungerotteten“ Kakao bezeichnet, haben einen bitteren,

herben Geschmack und sind zur Schokoladebereitung durchaus ungeeignet.

Sie finden nur bei der Fabrikation des entölten Kakaos Verwendung.

Für die Schokoladefabrikation müssen die Bohnen noch einer weiteren

Behandlung unterworfen werden. Zu diesem Zwecke werden sie in Körben

nach dem Fermentierhaus gebracht, wo sie auf einem hölzernen, mit

Löchern zum Ablaufen des Fruchtsaftes versehenen Boden möglichst

luftdicht auf einem Haufen, der alle 12 Stunden durcheinander

geschaufelt wird, vergären müssen; es ist dies ein sehr wichtiger

Prozeß, von dessen umsichtiger Leitung vor allem die Güte der Ware

abhängt. Die Fermentation, bei der es sich höchst wahrscheinlich

um eine Milchsäuregärung handelt, soll nämlich in erster Linie den

Geschmack der Kakaobohnen verbessern. Nach 3-4 Tagen werden die

Bohnen an der Sonne oder bei künstlicher Hitze getrocknet, wobei sie

alle Viertelstunden gekehrt werden müssen. Zum Schluß werden sie in

großen Trommeln mit fein gemahlener roter Erde herumgedreht, wobei sie

behufs einer besseren Konservierung außen an den Schalen rot gefärbt

werden. Der innere Teil bleibt von der Färbung unberührt. Durch dieses

Färben wird nicht bloß die sehr wichtige völlige Austrocknung der

Bohnen begünstigt, sondern erfahrungsgemäß auch das sonst so schnell

erfolgende Schimmeln derselben verhindert. Die „gerotteten“ Kakaobohnen

sind innen rotbraun, lassen sich durch einen leichten Druck mit dem

Finger von der sie umgebenden Schale lösen und zeigen einen angenehmen,

ölig milden Geschmack, der mit einem eigentümlichen süßlichen

Nachgeschmack verbunden ist. Das volle Aroma erhalten sie aber erst

nach einer bestimmten Lagerzeit, so daß der geerntete Kakao in der

Regel erst nach einem Jahre verkäuflich wird. Dabei gelangt er teils in

Ballen, teils in Fässern in den Handel.

Den meisten Kakao erzeugt Südamerika, und zwar speziell Ekuador, das

beinahe ein Drittel der Gesamtproduktion liefert, dann Trinidad,

während man in Venezuela, wo die Kakaopflanzungen sehr gut gediehen,

in neuester Zeit der Kaffeekultur den Vorzug gab. Mexiko, das die

berühmte Soconuscobohne liefert, führt wegen des starken eigenen

Gebrauchs wenig Kakao aus. Aus Brasilien kommen mehr minderwertige

Sorten, während die besten Sorten aus Carácas und Trinidad in den

Handel gelangen. Diese haben beinahe einen doppelt so hohen Wert als

die geringeren Sorten von Ekuador und San Thomé. Der Kakao von Surinam

steht an Wert ungefähr in der Mitte zwischen jenen. Aus den deutschen

Kolonien sind der Samoa- und Neuguineakakao weitaus die besten und

werden so hoch bezahlt wie der Carácaskakao, während der Plantagenkakao

von Kamerun und Togo ungefähr demjenigen von San Thomé gleichgeschätzt

wird. Doch ist dort die Kakaokultur in starkem Aufblühen begriffen

und verspricht zu einem der bedeutendsten Produktionsorte für dieses

wichtige Kolonialprodukt berufen zu sein. Derjenige der Philippinen,

wohin der Baum schon im Jahre 1670 verpflanzt wurde, ist wie derjenige

von Ceylon mittlerer Qualität.

Von Kakao kommen jährlich etwa 32 Millionen kg in den Welthandel.

Die Gesamtproduktion ist natürlich viel höher, läßt sich aber nicht

schätzen, da diese Frucht auch in den Produktionsländern reiche

Verwendung findet. Deutschland verbraucht jährlich für über 41

Millionen Mark Kakaobohnen und führt aus seinen Kolonien, besonders

Kamerun, dann Samoa und Togo, für gegen 3 Millionen Mark aus; doch

glaubt man in den nächsten Jahren das 3- bis 5fache dieser Summe zu

erreichen. Hauptmärkte für Kakao sind London, Havre, Amsterdam, Hamburg

und Bordeaux.

Der Kakao ist nicht nur ein köstliches Genußmittel, sondern zugleich

auch ein sehr wertvolles Nahrungsmittel. Er besteht nämlich zur Hälfte,

d. h. 52 Prozent, aus einem mild schmeckenden, butterartigen Fett,

der Kakaobutter, die vielfach, um die Verdaulichkeit des Kakaos für

schwache Magen zu erhöhen, in hydraulischen Pressen abgepreßt wird,

um an die Zuckerbäckereien, Parfümerien und Apotheken abgegeben zu

werden. An letzterem Orte wird sie, da sie nur sehr schwer ranzig

wird, zu feineren Pomaden, Stuhlzäpfchen und allerlei kosmetischen

Mitteln verarbeitet. Außerdem enthält sie 20 Prozent Eiweiß, 10 Prozent

Stärkemehl, 6 Prozent Wasser, 1,5 Prozent Zucker, 2 Prozent Zellulose

oder Zellstoff, 4 Prozent Kakaofarbstoff, 3 Prozent Nährsalze und 1,5

Prozent Theobromin, d. i. zweifach methyliertes Xanthin, das in seiner

Wirkung auf die Muskeln und das Zentralnervensystem etwas weniger

anregend als das Koffeïn oder Teeïn, d. h. dreifach methyliertes

Xanthin ist. Im Kakao sind auch noch Spuren von Koffeïn zu finden, doch

sind die Mengen desselben in den im wärmeren Südamerika zur Bereitung

der als Genußmittel sehr beliebten dunkelbraunen +Guaranapaste+

dienenden Samen der ~Paullinia sorbilis~, eines mit rankenden

Zweigen kletternden Strauches, neben dem Theobromin sehr viel größer.

Zu der leicht belebenden Wirkung des Kakaos trägt auch noch das

ätherische Öl bei, das beim Rösten der Bohnen entsteht und dem Kakao

sein spezifisches Aroma verleiht.

In den heißen Niederungen des östlichen Mexiko, speziell auf der

Halbinsel Yucatan und südlich davon bis nach Guatemala hinein, ist wohl

von einem der Mayastämme die wilde Kakaopflanze in Kultur genommen und

zur wertvollen Nutzpflanze des Menschen erhoben worden. Wenigstens

ist die Bezeichnung ~cacau~ ein Mayawort, das dann die benachbarten

Stämme Mexikos mit den Früchten und bald auch mit dem Fruchtbaum selbst

übernahmen, um ihm weitgehendste Pflege angedeihen zu lassen; denn sie

schätzten als für sie vornehmstes Genußmittel neben dem berauschenden

Pulque, der nur Männern von einem gewissen Alter an zu trinken

gestattet war, in hohem Maße die das Nervensystem anregende Wirkung der

Kakaobohne, die sie in der heute noch üblichen Weise rotteten, dann

rösteten und fein zerstoßen mit heißem Wasser und Maismehl angerührt

als ~choco latl~, d. h. Kakaowasser, genossen. Von diesem Worte stammt

unsere Bezeichnung Schokolade ab. Zum Versüßen der etwas bitteren

Brühe benutzten sie ausschließlich Honig und versetzten sie außerdem

gerne mit allerlei Gewürz, vor allem auch Vanille. Um die Masse zu

konservieren, wurden die zerriebenen, gerösteten Kakaobohnen zu Tafeln

und Blöcken gepreßt, denen man jeweilen die zur Herstellung des Trankes

nötige Menge entnahm. Das geringere Volk, dem dieses Getränk zu teuer

war, begnügte sich mit einem Aufguß der Schalen oder dem zerstoßenen

Fruchtfleisch der Kakaofrucht mit Maismehl und Pfeffer.

Als der spanische Abenteurer Fernando Cortez, von Velasquez, dem

Statthalter von Kuba, mit 11 Schiffen 670 Mann und 14 Geschützen

zur Eroberung von Mexiko ausgesandt, im Sommer 1519 in dieses Land

eindrang und es für den König von Spanien eroberte, fand er darin eine

ausgedehnte Kultur des Kakaobaumes in wohlgepflegten Plantagen vor. Die

Eingeborenen betrachteten ihn als eine für sie sehr wichtige Nahrung

spendende Pflanze und schrieben ihm und seinen Früchten gleichzeitig

auch wundertätige Eigenschaften zu. Ähnlich wie im Mittelalter der

Pfeffer in Europa, dienten die Kakaobohnen nicht nur in Mexiko, sondern

in ganz Mittelamerika als landläufige Münze, wobei tausend Stück

ungefähr den Wert von 2,80 Mark hatten. Cortez schrieb darüber an

Kaiser Karl V.: „Diese Samenkörner sind im ganzen Lande so geschätzt,

daß man sie als Münze gebraucht und auf dem Markt und allerorten seine

Einkäufe damit bezahlt.“ Auch die Steuern an den Herrscher wurden

darin entrichtet. So bezahlte die Stadt Tobasco jährlich 16 Millionen

Kakaobohnen an den Kaiser Montezuma, in dessen Staatsschatz bei der

Eroberung Mexikos die Spanier nicht weniger als 2½ Millionen Pfund

solcher Bohnen vorfanden. Übrigens dienen die Kakaobohnen heute noch in

einem großen Teil Südamerikas als landläufige Scheidemünze. Dabei sind

72 Bohnen = 43 Pfennigen.

Eine alte mexikanische Legende erzählt, Quezalcoatl habe aus dem

Lande, in welchem die ersten Söhne der Sonne wohnten, den Samen

des Kakaobaumes (~cacaohoaguahuitl~) auf die Erde gebracht, um

den Menschen eine angenehme Speise zu verschaffen, die auch von

den Göttern geschätzt wurde. Vielleicht hat der Schwede +Carl von

Linné+ diese Legende gekannt. Wenn dies aber nicht der Fall war, so

war er wenigstens selbst so entzückt von diesem Getränke, daß er

die Schokolade 1769 in den „~Amoenitates academicae~“, d. h. den

Akademischen Vergnügungen, eingehend behandelte und dem Kakaobaum den

Namen ~Theobroma~, d. h. Götterspeise ~cacao~, gab. Andere seiner

gelehrten Zeitgenossen verabscheuten aber aus Vorurteil dieses ihnen

unbekannte neue Getränk; ja die Botaniker Clusius (Charles d’Ecluse)

und Benzoni fanden dasselbe -- wohl weil ohne Zucker genossen -- nur

für die Schweine genießbar. Der fein gebildete Franzose Le Grand

d’Aussy bezeichnete noch im Jahre 1782 die Schokolade als eine recht

unschmackhafte Brühe „~une bouillie assez dégoutante~“.

Die Spanier, welche die Schokolade (~chocolatl~) am Hofe des Kaisers

Montezuma kennen gelernt hatten, brachten die erste Kunde davon nach

Europa. In seinen Berichten an Kaiser Karl V. berichtet Cortez, „daß

eine einzige Tasse von diesem kostbaren Getränk genüge, um einen

Mann auf einem Tagemarsch frisch zu erhalten“. Dieser gewalttätige

Mann zwang sie seinen Soldaten, die auf dem Eroberungszuge nach dem

Hochlande von Mexiko die größten Strapazen durchzumachen hatten,

geradezu auf, und diese lernten dieses Getränk bald schätzen. Schon im

Jahre 1520 sandten sie Kakaobohnen zur Herstellung der Schokolade nach

dem Mutterlande, hielten aber die Art der Gewinnung derselben geheim.

Allgemein bekannt wurde die Fabrikation erst im Jahre 1606 durch den

Florentiner Antonio Carletti, der während seines Aufenthaltes auf den

westindischen Inseln die Herstellung und den Gebrauch des Kakaos und

der Schokolade kennen gelernt hatte. Die Ausfuhr der Kakaobohnen war

aber nur der Regierung gestattet, bis im Jahre 1728 König Philipp V.

von Spanien das Monopol des Kakaoverkaufs in allen Ländern an eine zu

diesem Zwecke gebildete internationale Gesellschaft verkaufte.

Als die Spanier im Jahre 1519 unter Fernando Cortez in Mexiko

eindrangen, war der Anbau der Kakaopflanze und der Genuß ihres in

Wasser verrührten gerösteten Samenpulvers nicht bloß auf dieses Land

beschränkt, sondern auch als eine seit Jahrhunderten betriebene Kultur

in ganz Zentralamerika, Kolumbien, Venezuela, Guiana, Ekuador, Peru,

dem nördlichen Brasilien und einem Teil der westindischen Inseln

verbreitet. Allerdings übernahmen die spanischen Einwanderer zunächst

in Mexiko die Sitte des Kakaotrinkens von den Eingeborenen. Bald

frönten ihm in ganz Mittelamerika die vornehmen Damen in solcher

Weise, daß sie sich dieses Getränk von Dienerinnen sogar in die Kirche

nachtragen ließen. Als ein Bischof in Mexiko wagte, gegen diese Unsitte

aufzutreten, besuchten die erzürnten Schönen seine Kirche nicht mehr,

um ihren Kakao in der Kirche eines weniger strengen Priesters weiter

trinken zu können. Durch die mancherlei Beziehungen mit Westindien und

Mittelamerika wurde das Kakaotrinken bald auch in Spanien populär.

Von jenem Lande, in welchem die ersten europäischen Fabriken zur

Verarbeitung der Kakaobohnen entstanden, und das heute noch das am

meisten Kakao verzehrende Land Europas ist, kam die als Schokolade

bezeichnete gezuckerte Kakaobrühe zuerst an den eng mit Spanien

liierten Wiener Hof, von wo aus er 1615 durch Anna von Österreich,

die Gemahlin Ludwig XIII., an den Pariser Hof gelangte. Zu einiger

Geltung kam sie aber erst im Jahre 1661, unter dem Einfluß von Maria

Theresia von Spanien, der Gemahlin Ludwigs XIV., die sich aber --

wie die Herzogin von Montpensier in ihren Memoiren angibt -- noch

versteckte, um ihre Schokolade zu trinken. Der Genuß derselben mußte

also damals selbst am Hofe Frankreichs noch als etwas Ungewohntes oder

gar Verpöntes angesehen worden sein. Indessen schon 1671 konnte die

Freifrau von Sévigné an ihre Tochter, die Gräfin Grignan, schreiben:

„~Vous ne vous portez pas bien, le chocolat vous remettra~.“ Freilich

mußte damals die Schokolade als Heilmittel ihre Wirkung versagt haben;

denn in einem späteren Briefe wird sie als „~source des vapeurs~“, d.

h. Ursache von Blutandrang gegen den Kopf -- ~et des palpitations~

(also Herzklopfen) -- angegeben.

In Paris erhielt zuerst ein abgedankter Offizier namens Chaillon die

alleinige Erlaubnis, Schokolade auszuschänken. Er fand auch guten

Zuspruch von der Bürgerschaft, die dieses höfische Getränk gerne

kostete. So machte er glänzende Geschäfte und konnte sich schon nach

wenigen Jahren in den Ruhestand zurückziehen. Doch ging die Einführung

dieses neuen Genußmittels auch in Frankreich nicht ohne Angriffe von

den verschiedensten Seiten ab. Zunächst leisteten gewisse Kreise, so

besonders die Geistlichen, diesem von ihnen vielfach als „Erzeugnis

des Bösen“ bezeichneten neuen Getränk energischen Widerstand. Ja, in

einem Schreiben an den Bischof von Cleve im Jahre 1572 bezeichnete der

Italiener Benzoni dieses Getränk sogar als „Schweinefutter“. Allmählich

aber begannen ihn manche Ärzte gutzuheißen. So verteidigte ein Pariser

Arzt, namens Bachot, 1684 vor der dortigen Fakultät eine These, in

welcher er gut zubereitete und gesüßte Schokolade als eine der edelsten

Erfindungen pries, die weit mehr als Nektar und Ambrosia würdig sei,

die Speise der Götter zu bilden. Doch war sie durch ihren hohen Preis

zunächst nur ein Genußmittel der Reichen. Erst als im Jahre 1776 unter

der Regierung Ludwigs XVI. die erste Schokoladefabrik in Frankreich

errichtet wurde, die das Monopol für den Verkauf bekam und ihren Kakao

aus den französischen Kolonien bezog, begann der Schokoladekonsum in

Frankreich allgemeiner zu werden.

Der vorhin genannte Florentiner Antonio Carletti, der die Schokolade in

Westindien kennen gelernt hatte, führte sie ums Jahr 1607 in Italien

ein und machte die Verarbeitung der Kakaobohnen in jenem Lande bekannt.

Von Italien aus verbreitete sich diese Kenntnis allmählich über ganz

Mittel- und Nordeuropa.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte · 第 53 / 77 段