Trotz dieses hohen Preises und der starken Besteuerung, die auf dem Tee

lastete, war das Teetrinken in England ums Jahr 1700 schon allgemein

verbreitet, wenn auch gegen diese Neuerung, gleichwie gegen den Genuß

von Kaffee und Schokolade von manchen Leuten energisch zu Felde gezogen

wurde. So bezeichnete ein französischer Gelehrter, Patin, den Tee als

„~l’impertinente nouveauté du siècle~“, d. h. die unverschämte Neuheit

des Jahrhunderts. Nach dem im Jahre 1782 erschienenen Buche von Le

Grand d’Aussy über die Geschichte des Privatlebens der Franzosen war

nämlich der Tee im Jahre 1636 in Paris bekannt geworden und bald zu

Ansehen gelangt, weil ihn der Kanzler Séguier unter seinen besonderen

Schutz nahm. In Holland gab man ihm ums Jahr 1670 den Spottnamen

„Heuwasser“. Trotz diesen und zahlreichen anderen Angriffen behagte

aber doch das neue, zweifellos angenehm schmeckende und anregende

Getränk den Vornehmen, die sich dasselbe zu kaufen vermochten, zumal

damals auch der Rohrzucker in größerer Menge aus den in den Tropen

gelegenen Kolonien in Europa eingeführt wurde und als nötige Würze

den Geschmack desselben für die abendländischen Zungen bedeutend

verbesserte.

Von Autoren, die den Tee rühmten, sind Molinari 1672, Albino 1684,

Pechlin 1684, Blankaert 1686 und Blegna 1697 zu nennen. Der Mann

aber, der trotz den zahlreichen Anfeindungen das neue Getränk am

nachhaltigsten lobte und am meisten für seine Verbreitung tat, war

der im Jahre 1618 zu Alkmar geborene und als Leibarzt des Kurfürsten

von Brandenburg im Jahre 1686 verstorbene holländische Arzt ~Dr.~

Cornelis Dekker, besser bekannt unter dem Beinamen Bontekoe, der

davon herrührte, daß an der elterlichen Wohnung in Alkmar ein mit

einer bunten Kuh bemaltes Aushängeschild befestigt war. Dieser danach

gewöhnlich als Cornelis Bontekoe bezeichnete Holländer studierte in

Leiden und lebte nach beendigtem Studium im Haag, später in Amsterdam,

Hamburg und zuletzt in Berlin, wo er als Arzt ständig mit seinen

Kollegen in Streit lebte. Nur dem Schutze seines fürstlichen Patienten

und Gönners verdankte er seine große Popularität, die auch seinen

Werken zuteil wurde. Er war ein Anhänger der Lehre, daß das Blut des

Menschen schon zur Vorbeugung, besonders aber bei bereits entstandener

Krankheit, verdünnt werden müsse; dazu empfahl er in einer 1667

erschienenen, bald auch ins Französische und Lateinische übersetzten

Abhandlung besonders den Genuß von Tee, aber auch von Kaffee und

Schokolade. In Deutschland machte er den Tee zuerst ums Jahr 1657 am

Hofe des Großen Kurfürsten bekannt. Trotz mancher Übertreibungen und

zahlreicher Irrtümer über die Wirkung des Tees, deren sich Bontekoe

schuldig machte, ist nicht zu leugnen, daß er mit seiner Propaganda

für den Genuß desselben viel Gutes stiftete, sei es auch nur insofern,

als ihm das große Verdienst gebührt, als Erster den Kampf gegen den

übermäßigen Genuß alkoholhaltiger Getränke, die er durch Tee, Kaffee

und Schokolade ersetzt wissen wollte, aufgenommen zu haben. Und obschon

Generationen nach ihm dieser Kampf gänzlich ruhte und erst in unserer

Zeit mit größerer Energie wieder aufgenommen wurde, ist doch die Arbeit

von Cornelis Bontekoe nicht vergeblich gewesen; denn sie legte den Keim

zu der glücklicherweise immer weitere Kreise in ihren Bann ziehenden

Bewegung, die dahin zielt, geistige Getränke als für das Wohlergehen

des einzelnen Menschen wie des ganzen Volkes überaus nachteilige

und die größte soziale Gefahr in sich bergende Genußmittel immer

mehr zu unterdrücken und durch die viel harmloseren und hygienisch

ratsameren Getränke Tee, Kaffee und Schokolade, die durchaus keine so

allgemeingefährlichen Gifte wie die alkoholischen Getränke sind, zu

ersetzen.

Nach Bontekoe hat der holländische Arzt ~Dr.~ Steven Blankaert am

nachhaltigsten für die Empfehlung dieses neuen Genußmittels gewirkt.

In seinem 1686 erschienenen Werke über den Gebrauch und Mißbrauch

des Tees empfiehlt er dieses Getränk sehr, warnt aber zugleich

vor dem Übermaß desselben. Daß nun zunächst kein Mißbrauch mit

diesem Genußmittel getrieben wurde, dafür sorgte schon der teure

Preis, den man dafür bezahlen mußte, solange er das Monopol der

holländisch-indischen Handelsgesellschaft war und zudem vom Fiskus

hoch besteuert wurde. Der Tee war so teuer als der Kaffee und deshalb

nur für die Wohlhabenden erschwinglich. So steht beispielsweise in

einer Verordnung der Stadt Nimwegen in Geldern, daß für jedes Pfund

rohe Kaffeebohnen eine Abgabe von 8 Stuiver (etwa 60 Pfennigen), für

jedes Pfund gebrannte Bohnen oder Kaffeepulver aber 11 Stuiver und

Tee sogar ein Gulden an den Pächter der Akzise zu entrichten sei. Die

Wirte der Kaffeehäuser, von denen es schon damals eine ganze Anzahl

gab, wurden noch stärker besteuert, indem sie für rohen Kaffee 12 und

für gebrannten Kaffee oder Kaffeepulver 16 Stuiver bezahlen mußten. Und

damit das geliebte Getränk rein zu haben sei, wurden alle Kaffeehändler

und Schenker, die den Kaffee verfälschten, mit einer Strafe von 100

Gulden bedroht. Nach Sonnenuntergang durfte kein Kaffee mehr gebrannt

werden und das „Stampfen“ und „Präparieren“ des Kaffees durfte nur im

Laden geschehen. Kaffeemühlen kannte man damals noch nicht, die Bohnen

wurden wie heute noch bei den Arabern in Mörsern zerstampft, und daher

kommt es, daß auch wir noch von Kaffeepulver an Stelle von gemahlenem

Kaffee sprechen. Ähnliche Bestimmungen wie für den Kaffee gab es für

den Tee.

Die Ausfuhr von Kaffee und Tee wurden durch die Verordnung von

denselben Bestimmungen betroffen, wie sie heutzutage für den Export

von Spirituosen existieren. Kein Händler durfte Kaffee oder Tee aus

dem Distrikt des einen Akzisenpächters in den eines anderen bringen,

ohne mit einem Schein des Akzisenpächters, aus dessen Distrikt die Ware

ausgeführt wurde, versehen zu sein. Dieser Schein mußte außer dem Namen

des Exporteurs einen Vermerk über die Menge des Kaffees oder Tees, eine

Angabe, womit die Ware möglicherweise vermischt war, ob der Kaffee

gebrannt oder ungebrannt war und schließlich die Angabe des Ortes, nach

welchem sie ausgeführt werden sollte, enthalten.

Von der Mitte des 17. Jahrhunderts an wurde der chinesische Tee auch

in Deutschland zuerst als ~herba theae~ in den Apotheken geführt, so

1657 in der Taxe von Nordhausen, 1662 in derjenigen von Liegnitz,

1662 in derjenigen von Ulm. Im 18. Jahrhundert begannen ihn die

vornehmeren Leute als Genußmittel zu trinken und erst vom Beginne des

19. Jahrhunderts an bürgerte er sich hier auch beim Mittelstande ein,

erlangte aber bei weitem nicht die Popularität des Kaffees. Noch im

Jahre 1815 kostete eine Tasse Tee in Paris 1,25 Franken, während eine

Tasse Kakao mit 1 Franken und eine Tasse Kaffee mit 80 Centimes bezahlt

wurde. Daraus kann man sich einen Begriff über die damals anderwärts

bezahlten Preise machen. Diese hohen Preise wurden aber hauptsächlich

dadurch bedingt, daß der Fiskus dieses Genußmittel in weitgehendem

Maße besteuerte und zu einer ergiebigen Einnahmequelle machte. Durch

dieses ungerechtfertigte Vorgehen wurde beim Volke, das an diesem

Genußmittel bald Gefallen fand, viel böses Blut erregt. Manchenorts kam

es sogar zu Auflehnungen gegen die Regierung. So führte der Unwille

gegen die von England auch den Kolonien auferlegte hohe Teesteuer in

Nordamerika zum bekannten Teesturm, bei welchem einige kühne Bostoner

Bürger am 26. Februar 1773 eine Ladung von 18000 Pfund englischen Tees

ins Meer warfen. Diese Revolte war der Ausgangspunkt der Lostrennung

des englischen Nordamerika von seinem Mutterlande und der Bildung der

Vereinigten Staaten von Nordamerika. So hat Englands kurzsichtige

Krämerpolitik ihm damals seine reichste Kolonie entfremdet und der

Tee spielte eine geradezu weltgeschichtliche Rolle, wie sie sonst nur

wenigen pflanzlichen Erzeugnissen beschieden war.

Bis zur ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts versah China die ganze

Welt mit Tee. Heute noch ist China das Land, das die ausgedehntesten

Teegärten der Welt besitzt und im Shan-Lande zwischen Birma und Tonking

den besten, am chinesischen Hofe gebrauchten Tee hervorbringt. Den

Mittelpunkt der Teeproduktion bildet die nördlich von Jün-nan tief im

Innern, am Oberlauf des Jang-tse-kiang oder blauen Flusses gelegene,

bergige Provinz Sze-tschwan, wo besonders die große Stadt Tschöng-fu

den Export betreibt. Dort gedeiht der Teestrauch zwischen 40° und 27°

nördlicher Breite meist in Höhenlagen von 500 m und mehr. Außerdem

wird er in den Provinzen Kuan-tung, Fu-kian, Kiang-si, Tschi-kiang und

Ngan-hui kultiviert, und zwar entweder in zerstreuten Büschen oder in

Reihen zwischen den Feldern, besonders Reisfeldern, auf den mehr oder

weniger hohen Dämmen. Den durch Samen fortgepflanzten Tee stutzt man im

dritten Jahre auf etwa 60 cm und sammelt von da an die neu entwickelten

Blätter, um Tee daraus zu bereiten. Von dort ging die Teeausfuhr nach

Europa lange Zeit auf dem Landwege über Kiachta und Maimatschin nach

Nischni-Nowgorod und St. Petersburg. Noch heute genießt der russische

Karawanentee einen hohen Ruf, da er schon wegen der hohen Spesen des

weiten Transportes nur aus Blättern von bester Qualität hergestellt

wird. Später ging er größtenteils auf dem Seewege nach Europa, gelangt

aber seit der Erbauung der transsibirischen Bahn meist wiederum auf dem

Landwege dahin.

In Japan trifft man die besten Teeplantagen von 30° bis 25° nördlicher

Breite. Die allerbeste Teesorte in Japan liefert die Landschaft

Udsi, westlich von Kioto, in der Nähe des Meeres gelegen. Sie ist

ausschließlich für die Familie des Kaisers bestimmt und kommt

ebensowenig wie der sogenannte chinesische Kaisertee je in die Hände

von Europäern.

In den letzten Jahrzehnten ist die Teekultur in die verschiedensten

warmen Länder ausgedehnt worden, so zuerst auf Java, wo sie im

Jahre 1826 eingeführt wurde, dann 1827 in Bengalen und 1835 in

der sieben Jahre zuvor den Birmesen abgenommenen Provinz Assam am

Südfuße des Himalaja. Hier hatte der englische Botaniker Bruce die

als ~Thea assamica~ bezeichnete wilde Teepflanze entdeckt. Das gab

die Veranlassung, daß die Regierung 1835 die ersten Teepflanzungen

anlegen ließ, die 1839 an die damals gegründete Assam Tea Company

abgetreten wurden. Man kultivierte zunächst die einheimische Pflanze,

hatte aber erst vom Jahre 1851 an Erfolg, als man dieses an den Schutz

des feuchtwarmen Urwaldes gewöhnte Gewächs, das sich als zu zart für

die Kultur in offenen Gärten erwies, mit der chinesischen Teepflanze

kreuzte. Damit erzielte man so schöne Kulturen, daß ein wildes

Spekulationsfieber ausbrach, das 1865 seinen Höhepunkt erreichte.

Noch 1888 lieferte Assam zwei Drittel des in Indien erzeugten Tees.

Der Assamteestrauch hat größere, statt 12 bis 22 cm lange, außerdem

deutlicher zugespitzte Blätter als der chinesische, die der Textur

nach dünner und heller sind. Diese werden reichlicher erzeugt und

bleiben auch länger weich als diejenigen des chinesischen Teestrauches.

Überhaupt ist dieser Wildling noch nicht so abgehärtet wie der schon so

lange in Kultur befindliche chinesische Teestrauch, ist besonders gegen

Trockenheit und Frost empfindlicher als dieser. Diese nachteiligen

Eigenschaften wurden durch die Kreuzung beider zum größten Teile

behoben; doch läßt sich noch kein definitives Urteil über deren Wert

fällen.

Bald nach der Einführung des Teeanbaus in Assam wurde er auch in

den weiter westlich gelegenen Südabhängen des Himalaja, besonders

um Dardschiling, dann in den Nilgeris oder Blauen Bergen hinter der

Malabarküste und endlich auch in Ceylon eingeführt. 1842 begannen

die ersten Versuche der Teekultur in Ceylon; aber erst nach 1873

wurde die Kultur in immer größerem Maße eingeführt als Ersatz des

durch die Laubkrankheit des arabischen Kaffeestrauchs zugrunde

gerichteten Kaffeebaus. Diese gebirgige, für den Anbau des Teestrauches

außerordentlich günstig beschaffene Insel brachte dann in kurzer

Zeit mehr Tee auf den europäischen Markt als das doppelt so große

Java. Übrigens wird auf Ceylon, wie in ganz Indien und auf Java

ausschließlich die widerstandskräftigere Kreuzung der ~Thea chinensis~

mit der ~Thea assamica~ angepflanzt, der einen recht kräftigen und

gehaltvollen Tee liefert; doch erreicht dieser nicht das feine Aroma

des chinesischen Tees.

Auch in Brasilien wurden schon im Jahre 1810 in der Gegend von Rio de

Janeiro Versuche mit der Teekultur angestellt, aber der Anbau in der

Folge wieder aufgegeben, da die Blätter dort entschieden von ihrem

Aroma einbüßten und zudem die dortige Bevölkerung dem einheimischen,

gleichfalls koffeïnhaltigen Mate oder Paraguaytee den Vorzug gab.

Im Jahre 1828 ist dann auch in Kalifornien, 1848 in Südkarolina und

Tenessee und 1859 in Australien der Tee probeweise angebaut worden;

seine Kultur ist dann aber ebenfalls wegen zunehmender Verschlechterung

der hier erzeugten Qualität wieder aufgegeben worden. Bessere Resultate

erzielte man in Natal und besonders im Kaukasus, wo sich die russische

Regierung viel von der Zukunft dieser Kultur verspricht.

Die Gesamtproduktion von Tee läßt sich nicht schätzen, da China und

Japan gewaltige Mengen davon selbst verbrauchen. In den Welthandel

gelangen jährlich über 2 Milliarden kg, von denen 760 Millionen kg aus

China und Japan, 720 Millionen kg aus Britisch-Indien, 560 Millionen

kg aus Ceylon und 5,5 Millionen kg aus Java ausgeführt werden. Noch im

Jahre 1820 erhielten Europa und Nordamerika zusammen ausschließlich

aus China 16 Millionen kg, von denen ¾ auf England entfielen. Heute

konsumiert Deutschland jährlich etwa 4 Millionen kg im Werte von

beinahe 8 Millionen Mark. Das macht jährlich pro Kopf ⅙ kg Tee.

Wichtigere Konsumenten sind Holland mit ½ kg, dann Rußland mit 1 kg

und England mit 2-2½ kg Teeverbrauch pro Kopf und Jahr. Hauptteemarkt

Europas ist London, dann folgen Hamburg, Bremen, Marseille und Odessa.

Wie seit langer Zeit die Ostasiaten und neuerdings auch Russen und

Engländer ihren Tee außerordentlich lieben, so sind die Einwohner

von Paraguay, Argentinien, Südbrasilien, Chile, Peru und Bolivia

leidenschaftliche Trinker von +Mate+, den sie den ganzen Tag über

genießen. Mate bedeutet das Gefäß, in welchem der Aufguß der

betreffenden Blätter getrunken wird, und dieser Name ging schließlich

auf das Getränk selbst, sowie auf die dasselbe liefernde Pflanze über.

Die Spanier bezeichnen den Matetee als ~yerba mate~ und die Portugiesen

als ~erva mate~. Beide Wörter stammen vom lateinischen ~herba~ Kraut,

und ~yerba~ oder ~erva~ nennt das Volk gemeinhin den Trank, der vom

Ärmsten wie vom Reichsten getrunken und dem Gaste als erster Willkomm

dargeboten wird. Förmlich -- wie nun einmal der Südamerikaner, ob

Indianer oder Abkömmling der spanischen Eroberer ist -- wird derselbe

nie versäumen, dem Hausherrn ein Kompliment bezüglich der Güte seiner

~yerba~ zu machen, und die Gespräche über gute oder weniger gute

~yerba~ nehmen oft einen beträchtlichen Raum in der sonst einförmigen

Unterhaltung dieser ~caballeros~ ein.

[Illustration: Bild 36. Blätter und Blütenknospen von ~Ilex

paraguayensis~, des wichtigsten Mate liefernden Strauches in

natürlicher Größe. (Nach Neger und Vanino, Der Paraguay-Tee).]

[Illustration: Bild 37. ~a~ das ~bombilla~ genannte Saugrohr, das in

das Gefäß ~b~, die ~calabaza~, gesteckt wird, um den Mate zu schlürfen.

(Nach Neger und Vanino, Der Paraguay-Tee.)]

Der in seiner Wirkung dem chinesischen Tee ähnliche, wenn auch

weniger Koffeïn -- nämlich nur 0,5 bis 1 Prozent statt wie jener

1,5-3, ja 4 Prozent zu besitzen -- und auch weniger ätherisches Öl

enthaltende und etwas herb schmeckende +Paraguaytee+ wird von einer

großen, Sträucher bis kleine Bäume bildenden Stechpalmenart (~Ilex

paraguayensis~) ohne stachelspitzig gebuchtete Blätter und zahlreichen

nahe damit verwandten Arten gewonnen, die von Südbrasilien durch

Paraguay und Uruguay bis zu den Kordilleren Argentiniens in gebirgigen

Gegenden wild wachsen. Auf einem kurzen Stamm aus sprödem, leicht

faulendem Holz befindet sich eine ziemlich dichte, schön gewölbte

Krone von 5 cm langen, lanzettlichen, an den Rändern leicht gezackten,

immergrünen Blättern. Aus kleinen, weißlichen, im Oktober und November

erscheinenden Zwitterblüten, die aber durch Abort auf verschiedenen

Pflanzen zweihäusig sich entwickeln, so daß die einen nur weibliche

Stempelblüten, die anderen nur männliche Staubgefäßblüten tragen,

bilden sich dunkelviolette Kapseln, welche die sehr harten Samenkerne

enthalten. Die Matebäume treten einzeln und in Gruppen, untermischt mit

subtropischen und tropischen Gewächsen auf. Von den als „~mineros~“

bezeichneten Arbeitern, vielfach Indianern, werden die wildwachsenden

Bäume beschnitten, indem sie erst größere Äste und von diesen die

Zweige abhauen, die dann mit den daran befindlichen Blättern durch

Ziehen durch ein nicht rauchendes Feuer zum Welken gebracht werden,

worauf man sie auf einem hölzernen Gerüst über einem mäßigen Feuer

röstet. Dann bleiben sie eine kurze Zeit auf einem Haufen liegen,

um zu schwitzen, d. h. fermentieren. Hierauf werden sie nochmals in

Schuppen schnell über Feuer getrocknet, bis selbst die Zweige dürr

geworden sind. Endlich werden sie auf einer Tenne ausgebreitet, die

Blätter abgestreift und in Holzmörsern zerstampft, neuerdings aber

in eigenen Yerbamühlen zwischen Walzen zerkleinert und liefern so

den in Segeltuchsäcken oder Lederballen in den Handel gelangenden

Matetee. Aufgüsse desselben werden nicht nur in den Gegenden, in

denen der Strauch vorkommt, sondern auch in Chile, Peru und Bolivia

als Nationalgetränk von jedermann täglich genossen. Dies geschieht in

der Weise, daß man auf die nie verlöschende Glut des Herdes schnell

einige Zweige oder in manchen sehr holzarmen Gegenden trockene

Fladen von Lamaexkrementen oder polsterförmige Klumpen einer Llareta

genannten Umbellifere legt und darüber ein Gefäß mit Wasser erhitzt.

So viel pulverisierte Mateblätter als man zwischen zwei Fingern halten

kann, werden in eine mate genannten Kalabasse -- eine ausgehöhlte

Kürbisschale von eigentümlicher Gestalt -- getan, heißes Wasser

darauf gegossen und möglichst heiß getrunken, indem man den Aufguß

ohne Zuckerzusatz mit einem ~bombilla~ genannten, unten blasenförmig

erweiterten, rings geschlossenen, siebartig durchbrochenen Röhrchen,

meist aus Silber, aufsaugt. Dadurch wird wie beim chinesischen Tee das

Nervensystem angenehm angeregt. Fortgesetzter unmäßiger Genuß des Mate

soll Magenreizung und Nervenzerrüttung herbeiführen. Gewöhnlich gießt

man den ersten Aufguß, der wohl infolge der Zubereitung der Mateblätter

am Feuer etwas rauchig schmeckt, nach kurzem Verweilen an den Blättern

weg und kann dann durch Nachfüllen mit Wasser dieselbe Portion

wenigstens dreimal ausziehen lassen.

Schon die vorgeschichtlichen Peruaner liebten den Mate und gaben ihren

Toten als Speise im Geisterreich Mateblätter mit, die sich ziemlich

häufig in den Gräbern des Totenfeldes von Ancon in Peru als Grabbeigabe

vorfinden. Zur Zeit der spanischen Eroberung war er außer bei den

peruanischen Inkastämmen, von denen das Gräberfeld von Ancon herrührt,

auch bei den Guaranis und anderen Indianerstämmen in hohem Ansehen.

Es ist dies ein Beweis dafür, welch weitreichender Tauschverkehr

unter den Indianerstämmen Südamerikas schon lange vor der Ankunft der

Europäer bestand; denn der Matestrauch hat seine Heimat nur in den

Niederungen im Bereiche des La Platastromes und seine Blätter wurden

von dort über die hohen, beschwerlichen Andenpässe nach Peru, Chile und

Bolivia auf viele Tausende von Kilometern Entfernung als geschätzte

Tauschware transportiert. Zur Zeit der theokratisch-patriarchalischen

Jesuitenherrschaft in Paraguay von 1608-1768 übernahmen die weißen

Patres von ihren Schützlingen, den Indianern, den Mate, dessen

gute Eigenschaften sie bald erkannten, so daß sie ihn dem damals

schon in Amerika angebauten Kaffee vorzogen. Sie verstanden es, den

Ilexbaum zu pflanzen und besaßen ausgedehnte Kulturen davon, eine

Kulturerrungenschaft, die mit ihrer Vertreibung verloren ging. Spätere

Anbauversuche schlugen fehl, und erst ganz neuerdings ist es zuerst dem

Deutschen Friedrich Neumann auf der Kolonie Nueva Germania in Paraguay

gelungen, den Samen, der notorisch seine volle Keimfähigkeit erst

erlangt, wenn er einen Vogelmagen passiert hat, keimfähig zu machen,

indem er ihn mit Maiskörnern vermischt Hühnern verfütterte. In die

humusreiche Walderde ausgestreut, keimten nun die aus den Exkrementen

ausgewaschenen Samen, aber die Hühner, deren Magen die Samen passiert

hatten, kränkelten davon und starben schließlich. Diese nur einseitig

befriedigenden Resultate veranlaßten einen anderen Deutschen namens

Jürgens ein zweckmäßigeres Verfahren zur Erzielung keimfähiger Samen

zu entdecken. Nach zahlreichen Versuchen fand er, daß die Einwirkung

von reiner rauchender Salzsäure während drei Minuten mit nachfolgendem

gehörigen Auswaschen der Samen bis der letzte Rest von Säuregeschmack

aus dem Waschwasser verschwunden ist, sehr befriedigende Resultate

liefert. Die in besonderen Saatkästen ausgesäten Samen beginnen, recht

feucht erhalten, nach 1½-2 Monaten zu keimen und werden, wenn sie

30-50 cm hoch geworden sind im Juli und August in Reihen mit

3,5 m Abständen nach allen Richtungen ins Freie gepflanzt. Als

Schattenpflanzen benutzt man dazwischen gesäten Mais, bis die Bäumchen

erstarkt sind. Im dritten Jahre nach dem Anpflanzen werden die

inzwischen 1,5-2 m hoch gewordenen Bäumchen etwas zurückgeschnitten,

damit sie mehr Buschform annehmen. Von da an kann man jedes Jahr die

allmählich heranwachsenden Bäume etwas auslichten und deren Zweige zur

Gewinnung von Mate benutzen. Alle 3 Jahre kann eine ausgiebige Ernte

erfolgen.

Da durch den bis jetzt üblichen Raubbau die Bestände wildwachsender

Matepflanzen schon bedenklich gelichtet sind, andererseits der

Matekonsum in Südamerika von Jahr zu Jahr zunimmt und noch mehr

wachsen wird, wenn -- wie voraussichtlich -- der Mategenuß auch

in anderen Ländern als Südamerika allgemein geworden sein wird,

so hat die Matekultur eine sehr große Zukunft. Bis jetzt gibt es

Matekulturen nur in Nueva Germania in Paraguay und am Rio Pardo in

Brasilien, welche 4 Jahre nach dem Umsetzen der Keimlinge eine Ernte

von 4-6 kg trockener Yerba pro Strauch ergaben. Eine solche läßt

sich alle drei Jahre vornehmen. Die als Yerbales bezeichneten wilden

Matebestände Paraguays umfassen etwa 1460000 ha und waren vormals

Staatseigentum, bis sie nach dem Kriege von 1864-1869 vom Staate teils

verpachtet, teils verkauft wurden. Die Ernte dauert vom Dezember bis

August, weil zu dieser Zeit das Laub der Matesträucher am dichtesten

ist, und wird, wie gesagt, meist von Indianern unter Aufsicht von

weißen Aufsehern vorgenommen. Neuerdings wurde der Matetee, der in

Südamerika täglich von über 20 Millionen Menschen genossen wird, und

schon im 18. Jahrhundert als +Jesuitentee+ in den Handel gelangte,

auch in Nordamerika, England und der Schweiz eingeführt, hat aber

hier, obschon er weit billiger ist als der chinesische oder indische

Tee und ganz angenehm schmeckt, gleichwohl bisher nur sehr geringen

Beifall gefunden. Die Gesamterzeugung von Mate beträgt in Paraguay,

Argentinien und Südbrasilien jährlich etwa 100 Millionen kg, die, wenn

wir auch nur einen Ausfuhrpreis von 56 Pfennigen pro kg rechnen --

tatsächlich beträgt der Preis im Kleinverkauf bis 2,50 Mark pro kg --,

einen Gesamtwert von über 56 Millionen Mark repräsentieren. Gegenüber

der jährlichen Kaffeeproduktion der Welt von gegen 1000 Millionen kg

und von Tee im Betrag von 2000 Millionen kg ist dies ja wenig; doch hat

der Mateverbrauch in Südamerika in letzter Zeit riesig zugenommen, denn

noch im Jahre 1726 betrug die Mateproduktion erst 625000 kg. Im Jahre

1780 stieg sie bereits auf 2,5 Millionen kg und 1855 auf 7,5 Millionen

kg.

Endlich wird noch aus den getrockneten, lederartigen Blättern einer in

den Urwäldern der Insel Bourbon als Überpflanze auf Bäumen wachsende

Orchidee, ~Angraecum fragrans~, ein als +Fahantee+ bezeichneter Aufguß

bereitet, der pur oder mit Zucker versüßt wie Tee getrunken wird.

Dieser Tee entbehrt aber durchaus der belebenden Eigenschaften, wie

sie chinesischer Tee und Mate besitzen, und ist nur eine unschuldige,

aber angenehm zu trinkende Lösung des den Wohlgeruch des Waldmeisters,

des Ruchgrases und der Tonkabohne bedingenden Riechstoffes Kumarin,

der allerdings in größeren Mengen Kopfschmerzen verursacht. Dieses

Genußmittel hat sich nicht über seine engere Heimat verbreitet.

XIII.

Der Kakao.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte · 第 52 / 77 段