[Illustration: Singhalesin auf Ceylon beim Pflücken der Teeblätter, die

sie hinter sich in den Korb wirft.]

Tafel 62.

[Illustration: Singhalesinnen auf Ceylon beim Pflücken der Teeblätter

unter Aufsicht eines sich mit Schirm gegen die Sonnenstrahlen

schützenden Aufsehers.]

Tafel 63.

[Illustration: Singhalesinnen auf Ceylon, die von ihnen gepflückten

Teeblätter nach der Qualität verlesend.]

Tafel 64.

[Illustration: Das Trocknen der Teeblätter auf Hürden in Ceylon.]

Der schwarze Tee Chinas wird in die beiden Gruppen +Oolong+ und +Bohea+

geschieden. Oolong bedeutet grüner Drache; dieser Name rührt daher,

weil er von vielen gelblichgrünen Blättern durchsetzt ist. Die Oolongs

geben einen kräftigeren Aufguß von mehr gelber Farbe als die

Boheas, die wirklichen schwarzen Teesorten Chinas, die einen dunklen,

schwächeren Aufguß geben. Sie werden in fünf Sorten geschieden: Die

feinste Sorte wird von den Engländern ~caper~, von den Chinesen

aber He-chu-tscha, d. h. schwarzer Perlentee, genannt. Sie ist

rötlichschwarz, glänzend und besteht aus zu Perlen gerollten Blättern

und gibt einen dunkelrötlichen Aufguß von reichem Aroma. Dann folgt als

noch sehr feine Qualität der Peko (eigentlich ~pak-ho~, d. h. weißer

Flaum), der aus den zarten, gegen die Spitze hin mit weißen, seidigen

Haaren bedeckten Knospenblättern und frisch entfalteten Blättern meist

der ersten Ernte hergestellt wird. Die reichlich bei der Herstellung

dieses Tees abfallenden Haare geben mit behaarten jungen Knospenteilen

und älteren Blättern vermengt die Pekoblüten. Der Souchong (eigentlich

~sou-tschong~, d. i. kleine Sorte) wird aus den kleinen Knospenblättern

der zweiten Ernte gebildet, während der Pouchong (~pau-tschong~, d. h.

gefaltete Sorte) aus den gefalteten mittelgroßen Blättern der zweiten

Ernte besteht. Der viel Zeit für die Zubereitung erfordernde Congou

(eigentlich ~kong-fo~, d. h. mühevolle Sorte) -- von den Chinesen meist

nur ~hung-tscha~, d. h. roter Tee genannt -- besteht aus den 3-8 cm

langen, 1-3 cm breiten Blättern der zweiten Ernte. Von ihm werden noch

zwei besondere Sorten unterschieden, nämlich der Karawanentee, der

meist nach Rußland exportiert wird, und der Kaisow-Congou mit kleinen,

feingekräuselten Blättern, der vielfach von Kennern für die beste aller

Teesorten angesehen wird.

Da in Japan die Ernte fast ununterbrochen stattfindet, treten in dem

vom grünen chinesischen und indischen weit an Güte übertroffenen

japanischen Tee keine so wesentlichen Unterschiede in der

Zusammensetzung je nach den einzelnen Ernten wie in China hervor.

Nichtsdestoweniger unterscheidet man Peko, welcher die kleinsten,

Souchong, welcher die mittleren, und Congou, welcher die größten

Blätter enthält. In seinen feinsten Sorten Uji, Kioto und Ogura

wird der japanische Tee in der Provinz Yamaschiro erzeugt. Die in

den benachbarten Landschaften Omi und Tamba gebauten Teesorten

sind geringwertiger, werden aber in den größten Mengen auf den

Markt gebracht. Der japanische Tee gibt einen hellfarbigen Aufguß

von eigentümlichem, reichem Geschmack und wirkt kräftig auf das

Nervensystem.

Wie der Chinese den grünen Tee zur Erzielung der gewünschten schönen

blaßgrünen Farbe färbt, so parfümiert er sowohl den grünen, als auch

den schwarzen Tee durch vorübergehenden Zusatz wohlriechender Blumen,

um ihn so für den europäischen Konsumenten angenehmer zu gestalten.

Die zu letzterem Zwecke am meisten gebrauchten Blüten sind diejenigen

von Jasmin, Orangen, Nelken, Rosen, der Gardenie, der wohlriechenden

Aglaia, von ~Illicium amsatum~, ~Magnolia fuscata~, ~Chloranthus

conspicuus~ und besonders diejenigen des wohlriechenden Ölbaums (~Olea

fragrans~); ferner werden die Wurzeln von ~Iris florentina~ und das Öl

von ~Bixa orellana~ dazu verwendet. In Indien und Ceylon ist solches

Parfümieren des Tees verpönt. Und in der Tat, wer sich erst an den

Geschmack unparfümierten, reinen Tees gewöhnt hat, dem widersteht der

apothekenhafte Geschmack dessen, was als chinesischer Tee den Europäern

aufgetischt wird.

Neben diesen beiden Hauptsorten, dem grünen und schwarzen Tee, gibt

es noch verschiedene andere, so besonders den für die Nomaden der

Mongolei, die Tibeter und Mongolenstämme Sibiriens und Rußlands, wie

die Kalmücken, zu einem eigentlichen Volksgetränk gewordenen und daher

als beliebtestes Tauschmittel dienenden +Backstein+- oder +Ziegeltee+.

Er wird aus Abfällen geringer Sorten, aus älteren, lederartigen

Teeblättern und anderen Blättern, namentlich von Weiden, mit Hilfe

von Reiswasser und Serum von Ochsen- und Schafblut zu viereckigen,

länglichen Tafeln von gegen 2 kg Gewicht zusammengepreßt und dann in

Öfen oder an der Luft getrocknet. Dieser Backsteintee macht auch das

schlechteste Wasser der Steppen trinkbar und wird vom Kaiser von China

seinen mongolischen Truppen als Sold verabreicht. Er muß beim Gebrauch

mit einem Hackmesser auseinandergeschlagen, in einem Holzmörser

zerstampft und darauf in Wasser gekocht werden, bis er auseinanderfällt

und weich genug ist, um mit Zusatz von meist ranziger Schaf- oder

Ziegenbutter und Salz weniger als Getränk, denn eine Art Gemüse, samba

genannt, verzehrt zu werden.

Das Teetrinken ist in China und Japan eine in allen Volksschichten

gleichmäßig verbreitete Sitte, die mit Kunst zu üben den Knaben und

Mädchen durch besondere Lehrer gelehrt wird, wie unsere Kinder etwa

Tanzunterricht erhalten. Man brüht den Tee dort in kleinen, irdenen

Töpfen an, die desto wertvoller sind, je länger sie im Gebrauche stehen

und je mehr Absatz sich im Innern des Gefäßes niedergeschlagen hat. Der

Tee wird stets warm in kleinen Täßchen ohne Zucker und Milch getrunken.

Bestellt man in jenen Ländern in einem Teehaus, die dort die Rolle

unserer Wirtshäuser spielen, Tee, so wird in der Regel kein Teetopf

benutzt, sondern der Tee wird einfach in den Tassen abgebrüht, während

ein schüsselförmiger durchlochter Deckel verhütet, daß die Blätter beim

Trinken in den Mund geraten.

Die vornehmen Chinesen pflegen eine durchlöcherte Kapsel aus Silber

oder Gold an einer kleinen Kette aus demselben Metall bei sich zu

führen, mit dem sie sich den Tee selbst bereiten, indem sie, falls

ihnen die Lust zu einem derartigen Genuß ankommt, die Kapsel mit Tee

füllen, und sie einige Minuten in eine Tasse mit heißem Wasser halten.

Während die Chinesen und Japaner einen sehr schwachen Teeaufguß

trinken, lieben ihn die Engländer sehr stark und bevorzugen dabei

ihren Ceylontee. Weniger stark lieben ihn die Russen, bei denen er

ebenfalls zum eigentlichen Nationalgetränk wurde. Die ärmeren Klassen

der russischen Bevölkerung trinken den ganzen Tag hindurch Tee, aber

sehr stark verdünnt. In jedem Hause brodelt das Wasser im Samowar,

einem meist urnenförmig gestalteten, gewöhnlich durch glühende Kohlen

geheizten Kessel, dessen Wasser ausschließlich zur Teebereitung

verwendet wird. Man nimmt dafür nur wenig Teeblätter und gießt immer

wieder heißes Wasser auf die schon ausgelaugten Teeblätter.

In den hohen Gesellschaftskreisen Rußlands wird wohl -- mit Ausnahme

derjenigen von China und Japan -- der beste Tee getrunken, den es gibt,

und zwar gewöhnlich ohne Zucker und Milch, dafür aber mit Zusatz von

einer Zitronenscheibe oder einigen Tropfen Zitronensaft, wodurch das

Aroma verstärkt werden soll. Nur die von Viehzucht lebenden Tataren

kochen ihn mit Milch unter Hinzufügen von etwas Salz. Im Norden

von Europa, wie in Deutschland und Frankreich, pflegt man vielfach

etwas Rum in den Tee zu tun. So dient er vor allem zur Bereitung

des Punsches. Das Wort Punsch stammt aus dem Indischen und bedeutet

ursprünglich das Zahlwort ~pandsch~, d. h. fünf (z. B. in der

wohlbekannten Bezeichnung Pandschab, d. h. Fünfstromland enthalten),

weil in dieses Getränk fünf Bestandteile eintreten, nämlich Wasser,

Zucker, Tee, Rum und Zitronensaft.

Der von China, Ceylon oder sonstwoher importierte Tee wird stets

von den großen europäischen Importfirmen je nach dem Geschmacke

der betreffenden Abnehmer und Konsumenten gemischt. Durch eine

solche Vermischung verschiedener Sorten wird eine Ergänzung der

Eigenschaften derselben bewirkt und kann so besser jede persönliche

Geschmacksliebhaberei befriedigt werden, und zwar bei gleichzeitiger

Verbilligung infolge des Zusetzens leichter Sorten zu schweren.

Durch solche Vermischungen, die von den großen Teeimportfirmen als

Geschäftsgeheimnis sorgfältig gehütet werden, erhält das Publikum

ein billigeres und zugleich ein ihm besser zusagendes Getränk, als

wenn es eine reine Sorte genösse. In letzterem Falle müßte es, um

einen wirklich guten Tee zu bekommen, eine feine, teure Qualität

verwenden, die es jedoch so zu nehmen hätte, wie sie gerade ist, auch

wenn ihr diese oder jene Unvollkommenheit anhaftete. Die Vermischung

muß stets bei trockenem Wetter vorgenommen werden, und danach hat

der Tee mindestens 10 Tage unberührt zu lagern, bis er seine guten

Eigenschaften erlangt hat. Übrigens wird auch der Kaffee in ähnlicher

Weise vermischt in den Handel gebracht, wobei jedes größere Geschäft

seine bei den Kunden als beliebt erprobte Zusammensetzung vornimmt.

Was den Teekonsum der Völker Europas anbetrifft, so steht England

weitaus an der Spitze mit gegen 3 kg pro Jahr und Kopf der Bevölkerung,

dann folgen Holland -- das daneben noch viel Kaffee verbraucht -- mit

0,6 kg und Rußland mit 0,5 kg. Weit weniger als diese verbrauchen die

Schweiz, nämlich 100 g, Deutschland 50 g und Frankreich nur 20 g,

ebenfalls pro Jahr und Kopf der Bevölkerung. Die Franzosen trinken

dafür als Frühstücksgetränk viel Schokolade, die in den letzten

Jahrzehnten in Paris geradezu ein Volksgetränk wurde. Doch erfreut sich

seit der letzten Weltausstellung auch der Tee in Paris zunehmender

Beliebtheit.

Daß dieser letztere zum Lieblingsgetränk so vieler Nationen geworden

ist, verdankt er seinem Gehalt an einem ätherischen brenzlichen Öle,

das ihm das angenehme Aroma verleiht, und zwei Alkaloiden, die in

gleicher Weise wie jenes das Nervensystem angenehm anregen. Das dem Tee

seinen spezifischen Geruch verleihende ätherische Öl ist zitronengelb,

abscheidbar, erstarrt leicht, schwimmt auf dem Wasser und regt, in

reinem Zustande genossen, ungeheuer auf und verursacht in großen Gaben

selbst den Tod. Da es aber im grünen Tee nur zu 1 Prozent, im schwarzen

sogar nur ½ Prozent enthalten ist und seine Wirkung außerdem durch

die Gerbsäure herabgesetzt wird, so wirkt es bei mäßigem Genusse des

Tees bloß anregend und belebend auf das Nervensystem, erzeugt aber

im Übermaß Aufgeregtheit, Schlaflosigkeit und Eingenommenheit des

Kopfes. Ebenso wirkt das mit dem Koffeïn identische Alkaloid Teeïn

von bitterem Geschmack, das zu 0,8 bis 4,5 Prozent neben dem ihm sehr

nahe verwandten Theophyllin darin enthalten ist. Die Gerbsäure aber,

die im Tee zu 10-25 Prozent enthalten ist, verleiht ihm einen herben,

zusammenziehenden Geschmack und wirkt leicht stopfend auf die Gedärme.

Beim Erkalten des Teeaufgusses bewirkt die Ausscheidung von Gerbsäure

eine Trübung desselben. Damit nun der Tee nicht bitter werde, darf das

heiße Wasser nicht zu lange mit den Blättern in Berührung bleiben. Nach

längstens 10 Minuten sind die erwünschten Bestandteile der Teeblätter

extrahiert und dann soll die dieselben bergende Kapsel aus dem Aufguß

entfernt werden.

Der angenehme Geschmack des Teeaufgusses wird durch das richtige

Verhältnis aller dieser Bestandteile zueinander bestimmt, und dieses

Verhältnis hängt ganz davon ab, wie das heiße Wasser verwendet wird.

Die Chinesen als die ersten Teekenner der Welt legen so großes Gewicht

auf die richtige Zubereitung dieses Getränkes, daß ausführliche

wissenschaftliche Werke darüber existieren. Über die Herstellung dieses

Getränkes sagt der chinesische Kaiser Kien-long in einem Gedicht:

„Setze über ein mäßiges Feuer ein Gefäß mit drei Füßen, dessen Farbe

und Form darauf deuten, daß es schon lange im Gebrauch ist. Fülle es

mit klarem Wasser von geschmolzenem Schnee. Laß dieses Wasser bis zu

dem Grade erwärmt werden, bei welchem der Fisch weiß und der Krebs

rot wird. Gieße dieses Wasser in eine Tasse auf feine Blätter einer

ausgewählten Teesorte, lasse es etwas stehen, bis die ersten Dämpfe,

welche eine dicke Wolke bilden, sich allmählich vermindern und nur

leichte Nebel auf der Oberfläche schweben. Trinke alsdann langsam

diesen köstlichen Trank, und du wirst kräftig gegen die fünf Sorgen

werden, welche gewöhnlich unser Gemüt beunruhigen. Man kann die süße

Ruhe, welche man einem so zubereiteten Getränke verdankt, schmecken,

fühlen, jedoch nicht beschreiben.“

Um einen guten Tee zu bereiten, muß das zum Anbrühen des Tees zu

verwendende Wasser weich sein, d. h. möglichst wenig Kalksalze

enthalten. Ist es hart, so muß ihm doppeltkohlensaures Natron, und

zwar eine Messerspitze voll pro Liter, zugesetzt werden. Das Wasser

soll kochen, aber nur ganz kurze Zeit, da es sonst schal wird. Bereits

gekochtes Wasser darf nicht ein zweites Mal gekocht und zum Teeaufguß

verwendet werden, da dann alle Gase aus ihm entwichen sind, die das

Aroma des Tees gut binden oder festhalten. Die Zubereitung muß in

einem Gefäß aus Porzellan oder gebranntem Ton vor sich gehen und darf

niemals in einem solchen aus Eisen geschehen, da die Gerbsäure das

letztere angreift. Das Gefäß wird vorher erwärmt, indem man es mit ein

wenig des eben zu sieden beginnenden Wassers ausspült, bevor man die

Teeblätter in einer Aluminium- oder Nickelkapsel hineintut, wenn man

nicht vorzieht, das an den in den Handel gelangenden chinesischen

und japanischen Teetöpfen befindliche Porzellan- oder Tonfilter zu

benutzen, das gleich nach dem Ausschänken der ersten Portion die

Blätter zurückhält und aus der Flüssigkeit heraushebt. 5-8 Minuten

nach der Hinzufügung des frisch siedenden Wassers wird die Kapsel mit

den Teeblättern herausgezogen. Indischer Tee darf nicht länger als 5

Minuten ziehen, da er sonst widerlich bitter schmeckt. Feinschmecker

lassen den Tee sogar nur 3 Minuten ziehen, und das ist durchaus

genügend, um die wertvollen Bestandteile des Tees aus den Blättern

zu extrahieren. Läßt man die Teeblätter zu lange im Aufguß, so wird

der Tee durchaus verdorben, indem er sich durch einen Überschuß

von Gerbsäure und Gummi dunkel färbt, unangenehm bitter wird und

nicht nur an Aroma und Milde, sondern auch an Bekömmlichkeit stark

Einbuße erleidet. Durch zu langes Ausziehenlassen der Teeblätter

erhält man statt eines wohlschmeckenden, erquickenden Getränkes eine

unschmackhafte, durch den reichen Gerbsäuregehalt bittere und den

Verdauungsorganen nachteilige Brühe. Richtig zubereiteter Tee darf

nicht zu dunkel, sondern muß hellbraun sein mit sanftem, an Rosenduft

erinnerndem Aroma. Um diesen würzigen Duft zu kosten, darf er nicht

durch Beifügen von Vanille verdeckt werden, was entschieden als eine

Geschmacksverirrung zu bezeichnen ist. Die meisten Teeliebhaber trinken

dunkeln, meist zu lange an den Blättern gelassenen Tee mit viel Zucker

und Milch. Da ihm die brenzlichen, aromatischen Öle des Kaffees, die

auf den Magen ungünstig wirken, fehlen, so ist besonders für Personen

mit schwachem Magen der Teegenuß entschieden zuträglicher als der

Kaffeegenuß. Im übrigen wirkt er ähnlich anregend wie der Kaffeeaufguß

auf das Nervensystem, beseitigt die Müdigkeit und üble Laune, bringt

ein Gefühl allgemeiner Behaglichkeit und Heiterkeit des Geistes

hervor und unterdrückt eine leichte Berauschung und Schläfrigkeit.

Die Chinesen sagen von ihm: „Der Tee entfernt das Fett und läßt den

Menschen nicht schlafen; er spült Unreinlichkeiten fort, vertreibt

Schläfrigkeit, heilt Kopfweh und verhütet es.“

Die Verwendung des Tees als belebendes und anregendes Genußmittel ist

in China sehr alt. Eine japanische Sage meldet, daß ein im Jahre 519

von Indien nach China gekommener buddhistischer Priester in frommem

Eifer das Gelübde tat, sich des Schlafes zu enthalten, um eine Zeitlang

anhaltend zu beten. Da ihn aber der Schlaf dennoch überwältigte,

schnitt er sich in heiligem Zorn zur Sühne seine Augenlider ab und warf

sie auf die Erde. Da geschah ein Wunder. Aus ihnen erwuchs plötzlich

die den Schlaf verscheuchende Teestaude, deren Blätter in ihrer Gestalt

und durch einen Besatz von Wimperhaaren die Form der abgeschnittenen

Augenlider nachahmen. So sinnig diese Sage auch erscheinen mag, so

ist sie schon in der Datierung grundfalsch; denn die Teepflanze ist

schon lange vor dem 6. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in China als

Arznei- und Genußmittel benutzt worden. Bereits im Jahre 2700 v. Chr.

erwähnt das Buch ~Pent-sao~ den Teestrauch, und 500-600 v. Chr. im

„~Rya~“ desgleichen. Seine Blätter sollen um 150 v. Chr. zuerst zur

Herstellung eines als Getränk benutzten Aufgusses verwendet worden

sein. Im 4. Jahrhundert n. Chr. hat der Ausleger des letztgenannten

Werkes Einzelheiten über die Pflanze und den Gebrauch ihrer Blätter

zu Aufgüssen gegeben. Damals soll schon ein chinesischer Minister Tee

getrunken haben; aber erst im 6. Jahrhundert verschaffte sich der Tee

allgemeinen Eingang und wurde in China Nationalgetränk, angeblich

nachdem ein Leibarzt des Kaisers seinem Herrn das Kopfweh damit

vertrieben hatte. Jedenfalls war die Pflanze ums Jahr 600 n. Chr. in

ganz China als Genußmittel angebaut. Seiner Wertschätzung für dieses

Getränk soll der chinesische Kaiser Kien-long dadurch Ausdruck gegeben

haben, daß er einen von ihm auf einer Jagdpartie gedichteten Lobgesang

auf den Tee auf Porzellantassen schreiben ließ, die er zu kaiserlichen

Geschenken verwendete. Im Geschichtsbuche ~Kiang-mo~ wird gesagt, der

Kaiser Te-tsing habe im 14. Jahre seiner Regierung, d. h. 782 n. Chr.,

einen Zoll auf Tee gelegt. Gegen das Ende des 9. Jahrhunderts berichtet

der arabische Reisende Abuzeid-el-Hazen, daß die Steuer auf Tee eine

der hauptsächlichsten Einnahmequellen des Kaisers von China sei.

Im Jahre 810 brachten chinesische Priester den Teestrauch nach Japan,

wo seine Blätter bald in derselben Weise wie in China zum beliebten

Volksgetränk wurden. Von Ostasien aus verbreitete sich die Sitte

des Teetrinkens erst im 15. Jahrhundert nach Mittelasien, wo die

Tibeter bald große Liebhaber desselben wurden. Die Araber, die seit

dem 9. Jahrhundert in Handelsbeziehungen, hauptsächlich Seidenstoffe

betreffend, zu den Chinesen standen, beschrieben den Tee zuerst unter

der Bezeichnung ~tscha~. Im Chinesischen bedeutet ~tschai-yé~ junges

Blatt und daraus zusammengezogen ~tscha~ = Tee; dieses wird im Dialekt

von Kanton wie ~tschai~ ausgesprochen. Dieses Wort ist als ~tsja~ in

die Sprache der Japaner und als ~tschai~ in diejenige der Russen und

Portugiesen übergegangen. Die bei den übrigen europäischen Völkern

gebrauchten Namen Tee, ~thé~, ~té~, ~tea~ und das lateinische ~thea~

stammen wahrscheinlich von dem im Dialekte Fo-kiens in Südchina

üblichen Worte ~tia~, das in A-moy ~tai~ und in Fu-tschan ~ta~ lautet.

Die älteste in Deutschland nachweisbare Bezeichnung für Tee stammt aus

dem Jahre 1657 und lautet ~herba schac~.

Die erste Nachricht vom chinesischen Tee als Genußmittel der Ostasiaten

soll ums Jahr 1550 durch einen persischen Kaufmann dem Geographen

Ramusio in Venedig zu Ohren gekommen sein. Aber wie falsch die

Vorstellung der Abendländer von diesem Genußmittel der Ostasiaten

war, beweist die Mitteilung des Italieners Giovanni Botero aus dem

Jahre 1590, wonach die Chinesen eine Pflanze anbauten, aus der sie ein

angenehmes Getränk preßten, das sie an Stelle des Weines tränken. Damit

war natürlich der Tee gemeint, aber seine Gewinnung völlig unrichtig

geschildert, als Beweis dafür, daß man über seine Herstellung noch

völlig im unklaren war. Der Reisende Maffei erwähnt ihn ebenfalls in

seiner lateinisch geschriebenen Historie Indiens vom Jahre 1588; aber

erst im Jahre 1610 brachten die Holländer in Bantam von chinesischen

Kaufleuten gegen Salbeiblätter eingetauschten Tee mit nach Hause. 1638

erhielt eine russische Gesandtschaft in der Mongolei als Gegengeschenk

für etliche Zobelfelle einige Pfund Tee, den sie nach ihrer Rückkehr

in Moskau nach chinesischer Sitte zubereiten ließ. Damit fand sie

ordentlichen Beifall, so daß sich die Reichen noch mehr dieses

neuartigen Genußmittels zu verschaffen suchten.

Im Abendlande war der Portugiese Alvarez Semedo, der sich längere

Zeit in Makao aufgehalten hatte, der erste, der 1643 den chinesischen

Teestrauch beschrieb und über die Zubereitung der Blätter

berichtete. 1658 wurde die Pflanze von Piso in seinem Werke über

die Naturgeschichte und Medizin beider Indien deutlich erkennbar

abgebildet. Im Jahre 1712 gab dann der berühmte Reisende, Arzt und

Naturforscher Kämpfer nicht nur eine gute Zeichnung des Teestrauches,

sondern auch eine ausführliche Beschreibung der Teefabrikation

in China. 1763 erhielt Carl von Linné durch den schwedischen

Schiffskapitän Ekeberg lebende Teepflanzen für den botanischen Garten

in Upsala und führte die damals schon gebräuchliche Bezeichnung ~thea~

in die wissenschaftliche Nomenklatur ein.

Tafel 65.

[Illustration: Zweige des Teestrauches (~Thea assamica~) mit Blättern,

Blüten und Früchten auf Ceylon.]

Tafel 66.

[Illustration: Eine Anhäufung von Matezweigen. Im Hintergrund Matebäume

(~Ilex paraguayensis~).]

Die erste abendländische Gesellschaft, die dieses neue Genußmittel

in Europa einzuführen versuchte, war die holländisch-indische

Handelsgesellschaft. Bis zum Jahre 1630 war es ihr auch in ziemlichem

Umfange gelungen, den Teegenuß in Holland populär zu machen. Dabei

wurde sie ganz wesentlich durch die Lobpreisungen unterstützt, die

einige namhafte holländische Ärzte dem daraus bereiteten Getränke

zuteil werden ließen. So sollte er die Lebenskraft steigern, das

Gedächtnis stärken, alle seelischen Tätigkeiten erhöhen und das Blut

in ausgiebigster Weise verdünnen. Gegen Fieber mußte man Dutzende von

Tassen desselben trinken, was von sehr guter Wirkung sein sollte.

Von Holland brachten die Lords Albington und Ossiro den Tee im Jahre

1660 zuerst nach England, und ihre Frauen servierten den Gästen

dieses neue Getränk und machten es in weiteren Kreisen Londons

bekannt. Bald darauf wurde es auch in einigen Londoner Trinkhäusern

als fremde Novität ausgeschänkt. Doch war der Tee noch im Jahre 1664

in London etwas so überaus Seltenes, daß die englisch-ostindische

Handelsgesellschaft ihrer Königin ein sehr kostbares Geschenk mit zwei

Pfund Tee zu machen glaubte. Das Pfund Tee wurde damals in London zum

Preise von 65 Livres verkauft, obwohl es in Batavia nur 3-4 Livres

kostete. Daraus kann man entnehmen, welch enormen Gewinn die Holländer

durch den Import des Tees nach Europa machten.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte · 第 51 / 77 段