Javakaffee in den Welthandel teilte, in hoher Blüte stand, ging im 19.
Jahrhundert infolge der Abschaffung der Sklaverei und fortwährender
politischer Umwälzungen so sehr zurück, daß man an seiner Stelle Tabak
und Zuckerrohr bevorzugte. In der Mitte des 19. Jahrhunderts lebte
sein Anbau jedoch in Mexiko und namentlich in Brasilien auf, in welch
letzterem Lande er allerdings schon seit 1808 für den Welthandel
zunehmende Bedeutung erlangt hatte. Früher noch kam er in Ostindien
auf, wo besonders Ceylon reiche Kaffeeplantagen besaß, bis im Jahre
1869 dort zuerst die durch einen Rostpilz, ~Hemileia vastatrix~,
hervorgerufene gefürchtetste Blattfleckenkrankheit des arabischen
Kaffeebaums ausbrach, die im Jahre 1875 dort und auf dem indischen
Festlande einen so verderblichen Charakter annahm, daß in der Folge
die Kaffeekultur in diesen Ländern fast ganz aufgegeben werden mußte
und durch den Anbau von Tee verdrängt wurde, soweit sie nicht durch
die Kultur des durch größere Samen ausgezeichneten, infolge seiner
größeren Robustheit mehr Widerstandskraft gegen den Pilz aufweisenden
Liberiakaffees ersetzt wurde. Dieser Pilz, der sich dann auch in den
Kaffeegärten Deutsch-Ostafrikas zeigte, hat dem Kaffeebau auf Ceylon
bis zum Jahre 1880, also in zehn Jahren, einen Schaden von über 300
Millionen Mark verursacht und viele vorher vermögliche Pflanzer
ruiniert.
[Illustration: Bild 35. Der Rostpilz des Kaffeestrauches (~Hemileia
vastatrix~).
~a~ vom Rostpilz befallenes Blatt, ~b~ aus einer Spaltöffnung des
Blattes sich hervordrängende Dauersporen in Büscheln.]
Dieser so verhängnisvolle Krankheitserreger, gegen den bis jetzt
kein sicheres Bekämpfungsmittel gefunden wurde, erzeugt ½–¾ cm
große orangegelbe Flecken an der Unterseite der Blätter der von ihm
befallenen Pflanze, indem sich hier aus den Spaltöffnungen des Blattes
zahlreiche Dauersporen in Büscheln hervordrängen, die abfallen und
allseitig ausstäuben. Sie sind so ungemein leicht, daß der leiseste
Lufthauch sie überallhin auf andere Blätter trägt, wo sie keimen und,
in das Zellgefüge der Blätter eindringend, die Krankheit verbreiten.
Der ganze Entwicklungsprozeß dauert nicht länger als einen Monat,
wodurch sich die schnelle Verbreitung der Seuche erklärt. Wenn viele
Blätter zu gleicher Zeit von der Krankheit befallen werden und
abfallen, so geht der Baum ein. In jedem Falle wird er aber durch
diese Infektion so stark in seinem Allgemeinbefinden angegriffen,
daß er mehrere Jahre hindurch einen ganz geringen Ertrag liefert.
Bordeauxbrühe und Tabakwasser töten zwar die Sporen der ~Hemileia~,
aber gegen das Umsichgreifen der Seuche schützt nur ein Radikalmittel
wie die Vernichtung aller von der Krankheit befallener Sträucher.
Besonders in Java, wo die Krankheit im Jahre 1876 zuerst auftrat, um
dann 1882 auf der ganzen Insel zu wüten, half man sich dadurch, daß
man die zarte arabische Kaffeepflanze durch die bedeutend kräftigere
Liberiakaffeepflanze ersetzte. Neuerdings wird dort wiederum erstere
als eine feinere Bohnensorte liefernde Pflanze vorgezogen, indem man
sie auf junge Sämlinge von Liberiakaffee pfropft, was recht gute
Resultate liefert, indem so der arabische Kaffeestrauch größere
Widerstandskraft gegen die Infektion erlangt.
Die gewaltige Verbreitung, welche dieser Pilz in den 1870er Jahren
erreichte, ist namentlich darauf zurückzuführen, daß er von einer Abart
der arabischen Kaffeepflanze, der ~Coffea travancorensis~, die er
zuerst befiel, auf ~Coffea arabica~ überging und in der letzteren eine
neue, ihm zusagende Nährpflanze fand, in der er sich, von dem zu seiner
Entwicklung außerordentlich geeigneten feuchtwarmen Klima begünstigt,
in der ausgiebigsten Weise ausbreitete. Dies hat man in ähnlicher Weise
auch an anderen Rostpilzen beobachtet, daß ein Übergang von der einen
Pflanzenart auf eine andere nahe verwandte, besonders wenn diese durch
längere Kultur verzärtelt war, einem solchen Krankheitspilz besondere
Bösartigkeit verlieh, so daß er eine bis dahin unbekannte Ausdehnung
erlangte und eine in hohem Maße zerstörende Wirkung ausübte. Da die
Ansteckung mit der ~Hemileia~ in den ersten Stadien nur sehr schwach
zu erkennen ist, sollten für den Plantagenbetrieb niemals junge
Pflänzchen von auswärts bezogen werden, sondern zur Anpflanzung sollten
jeweilen nur in Bordeauxbrühe desinfizierte Samen verwendet werden,
bei denen man eine Garantie hat, daß die Übertragung des Schädlings
ausgeschlossen ist.
In Ostafrika haben sich die Larven eines Bockkäfers, ~Herpetophyas
fasciatus~, als Schädlinge der Kaffeebäumchen erwiesen, in Westafrika
dagegen speziell beim Liberiakaffee ein Borkenkäfer, ~Apate
franciscea~. In Südamerika entstehen an den Kaffeesträuchern vielfach
Wurzelknoten durch die Invasion winziger Würmchen. Doch ist der dadurch
erwachsene Schaden bisher kein sehr großer gewesen. Endlich hat eine
Mottenlarve, ~Cemiostoma coffeellum~, in einigen Teilen Amerikas
wie auf der Insel San Domingo und in Brasilien große Verheerungen
angerichtet.
Die Republik Costarica führt den Kaffeebaum als Wappenschild.
Der Kaffeeverbrauch der Erde ist in beständigem Steigen begriffen.
Weitaus am meisten Kaffee wird in Amerika erzeugt und getrunken. Von
der jährlich auf der ganzen Erde hervorgebrachten Menge von gegen einer
Milliarde kg Kaffeebohnen erzeugt Brasilien gegen 700 Millionen kg und
das übrige Südamerika, namentlich Venezuela und Kolumbia, gegen 60
Millionen kg. Zentralamerika baut ebenfalls viel Kaffee an und seine
Produktion beläuft sich auf etwa 100 Millionen kg. Gegenüber dieser
Kaffeeproduktion Amerikas ist die in Ostindien und Java geerntete
Kaffeemenge eine verschwindend kleine; sie beläuft sich nämlich auf
nur etwa 40 Millionen kg. Erzeugt nun Amerika den meisten Kaffee, so
liefert Abessinien, die Heimat dieser Kulturpflanze, immer noch den
besten Kaffee. Dieses äthiopische Produkt wird nach der Somaliküste
gebracht und dort von indischen Händlern aufgekauft. Aus der Landschaft
Yemen in Südarabien stammt der arabische Kaffee, von seinem früheren
Exporthafen auch Mokka genannt, der aber leider nicht zu uns kommt,
da er in Persien, Vorderasien und Ägypten aufgebraucht wird. Unser
gewöhnlicher „Mokka“ ist nichts als ausgesuchter kleinbohniger
Java- oder Ceylonkaffee, welche Produktionsorte mit Celebes, das
den rötlichgelben großbohnigen Menadokaffee liefert, den besten
zu uns gelangenden Kaffee erzeugen. In Frankreich wird besonders
der von Manila exportierte ausgezeichnete Kaffee der Philippinen
verbraucht. Hinter diesen südasiatischen Kaffeesorten steht der
brasilianische und an Qualität rangieren in letzter Linie derjenige
von Venezuela und Haiti. Meist zieht man hellgefärbte Sorten den
dunkeln vor. Großbohnige, in Größe und Farbe gleichmäßige Sorten geben
im allgemeinen die beste Garantie für völlige Reife, sorgfältige
Behandlung und Sortierung.
Nach den Vereinigten Staaten, die jährlich gegen 500 Millionen kg
Kaffee verbrauchen, kommt Deutschland, das im letzten Jahre 189
Millionen kg Kaffee im Werte von 162 Millionen Mark einführte. Auf
die Zahl der Einwohner berechnet verbraucht Holland weitaus am meisten
Kaffee, nämlich 5,8 kg pro Jahr und Kopf der Bevölkerung. Ihm folgen
die Vereinigten Staaten von Nordamerika mit 5,75 kg, Deutschland mit
3,12 kg, die Schweiz mit 2,98 kg, Frankreich mit 1,38 kg, England mit
0,45 kg und endlich Rußland mit 0,10 kg. Der Kaffeekonsum der beiden
letztgenannten Länder ist nur deshalb so klein, weil dort an seiner
Stelle um so mehr Tee getrunken wird.
Zum Schluß sei noch erwähnt, daß Afrika außer dem Kaffeestrauch noch
eine andere anregende Nutzpflanze besitzt. Es ist dies der +Katstrauch+
(~Catha edulis~), ein dem Pfaffenhütchen (~Evonymus europaeus~) sehr
nahe verwandter Strauch aus der Familie der Spindelbaumgewächse, der
von Abessinien bis zum Kaplande in gebirgigen Gegenden verbreitet ist
und unter anderem auch in Arabien kultiviert wird. Der Gebrauch der
Blätter des Katstrauchs als Genußmittel ist in Arabien und Abessinien
älter als derjenige der Kaffeebohnen. Sie werden gekaut und frisch oder
häufiger getrocknet zur Herstellung eines mit Honig versüßten Aufgusses
wie diejenigen des chinesischen Tees benutzt. Auch sie enthalten eine
das Nervensystem anregende Substanz, das ~Celastrin~, das ebenfalls
dazu dient, körperlich und geistig anzuregen, die Müdigkeit und den
Schlaf zu verscheuchen; im Übermaß aber soll es betäubend wirken. Nach
Europa gelangt dieses Genußmittel durchaus nicht, da hier Kaffee und
Tee vollkommen eingebürgert sind und dieses dagegen nicht aufzukommen
vermag. Der Reisende ~Dr.~ Roth sagt von ihm: „Die Sitte des Katkauens,
die ich in Yemen kennen lernte, gehört zu den einladendsten, der sich
der Araber beim Frühstück, zum Mittagessen und selbst in den heitern
Nächten hingibt. Man zieht zu letzterem Zwecke die kultivierte Pflanze
der wildwachsenden weit vor. Es wird bei den Wohlhabenderen damit viel
Luxus getrieben, und so wie man bei uns dem Fremden eine Tasse Tee oder
Kaffee anbietet, wird derselbe dort mit den grünen Zweigbündeln des Kat
beehrt. Die im Zimmer der Vornehmen umherliegenden entblätterten Zweige
sind der Maßstab der Wohlhabenheit und der Gastfreundschaft.“ Im Aufguß
mit heißem Wasser genossen, schmecken und wirken die Katblätter ähnlich
wie chinesischer Tee, der uns im nächsten Abschnitt beschäftigen soll.
XII.
Der Tee.
Wie der Kaffee ostafrikanischen Ursprungs, so ist der Tee
ostasiatischer Herkunft, und zwar verdanken wir seine Verwendung als
Genußmittel dem uralten Volke der Chinesen, das ihn nach dem Berichte
alter Chroniken im 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung aus dem Süden
erhalten haben soll. Aber erst zu Beginn des 9. Jahrhunderts n. Chr.
kam der Teegenuß in China mehr in Aufnahme. Nach Japan wurde er durch
einige Priester eingeführt, die ihn in China kennen gelernt hatten;
aber erst im 15. Jahrhundert erreichte er in diesem Lande einen
größeren Umfang.
Der Teestrauch, dessen dunkelgrüne, lederartige, glänzende Blätter
den Ostasiaten den ihnen unentbehrlichen, das Nervensystem anregenden
Trank spenden, gehört mit der ihm sehr nahe verwandten Camellia zu
den den Myrtengewächsen nahestehenden Ternströmiaceen (nach dem
Schweden C. Ternström so genannt, der China durchforschen wollte,
aber vor Erreichung seines Zweckes 1745 starb). Er hat seine Heimat
im gebirgigen südlichen Asien, wo er außer auf der südchinesischen
Insel Hainan in Assam und den südlich davon gelegenen Bergländern noch
heute im wilden Zustande gefunden wird. Die Gattung ~Thea~ umfaßt
16 in Hinterindien, China und Japan wild wachsende Arten, die man
in Eutheen mit gestielten, nickenden Blüten und nicht abfallenden
Kelchblättern und Camellien mit ungestielten, aufrechten Blüten und
abfallenden Kelchblättern einteilt. Zu letzteren gehört die ~Thea
japonica~, die als Zierpflanze bekannte und beliebte Camellie,
zu ersteren dagegen die ~Thea chinensis~, deren Blätter uns den
chinesischen Tee liefern. Sie kommt in zweierlei Arten vor, die ~Thea
chinensis~ im engeren Sinne, die, sich selbst überlassen, etwa 7-10 m
Höhe erreicht, als Kulturgewächs jedoch zum bequemeren Einsammeln der
Blätter kaum 1,5-2 m hoch gehalten wird, und die 10-15 m hohe ~Thea
assamica~, die fast doppelt so große, schneller reifende Blätter wie
jene besitzt und weniger zur Bildung von Blüten neigt, die -- statt
wie beim chinesischen Teestrauch zu 2-5 Stück -- einzeln aus den
Blattwinkeln hervorbrechen. Letztere beansprucht wärmere Lagen und
fruchtbareren Boden und verhält sich zum chinesischen Teestrauch wie
der liberische Kaffeebaum zum echten arabischen. Beide Pflanzenarten
und die davon abgeleiteten Kreuzungsprodukte, deren Blätter aber oft
an Aroma minderwertig sind, gedeihen in verschiedenen Klimaten und
auf verschiedenem Boden üppig und überdauern sogar ziemlich kalte
Winter, vorausgesetzt, daß sie warme Sommer haben, in denen sie ihre
Blättermasse reichlich zu entwickeln vermögen. Frost können sie nicht
ertragen und haben auch von der Trockenheit zu leiden. Am besten sagt
ihnen ein mäßig warmes, feuchtes Klima auf subtropischen Inseln und
Küsten, näher am Äquator dagegen in kühlerer Berglage in 1000-2000 m
Höhe zu.
Die beiden Teearten sind buschig verzweigte, immergrüne Sträucher mit
wechselständigen, kurz gestielten, lanzettförmigen, gekerbten Blättern,
die wie die jüngsten Zweigspitzen nur in ihrer Jugend zum Wärmeschutz
seidig weiß behaart sind, während sie im entwickelten Zustande kahl und
lederartig erscheinen. Aus den Achseln der Blätter treten beim Assamtee
einzeln, beim chinesischen aber zu zweien bis fünfen, etwa den Umfang
eines Markstücks erreichende, schwach nach Jasmin riechende, weiße
Blüten hervor. Die kleinen Kelchblätter wie die Blumenblätter sind
in der Sechszahl vorhanden. Die über zweihundert Staubfäden sind am
Grunde verwachsen und der behaarte Fruchtknoten umschließt in jedem der
Fächer zwei hängende Samenanlagen. Die Frucht ist eine runde, gelbbraun
punktierte, dünnwandige, holzige Kapsel, die in drei aufspringenden
Fächern je einen kirschkerngroßen, glänzend braunen Samen mit
gelblicher Keimgrube birgt.
Der Teestrauch gedeiht am besten in einem feuchtwarmen Klima in
sonniger Lage; deshalb werden die Teegärten mit Vorliebe an nach
Süden gerichteten Abhängen angelegt, weil sich dann kein Wasser an
den Wurzeln der Pflanzen ansammeln kann, was ihrem Wachstum schaden
würde. Sie bedürfen keiner Schattenbäume und gedeihen am besten
auf lockerem, festem Boden. Nachdem das Erdreich, auf welchem eine
Teeplantage angelegt werden soll, durch Pflügen oder Umgraben und Eggen
gehörig bearbeitet worden ist, wird es sofort bepflanzt. Ist der Boden
sehr mager, so muß er zuvor gedüngt werden, damit er reichen Ertrag
liefere; auch muß er ziemlich viel Kalk enthalten. In ihm wird nun
die Teepflanze in der Regel durch etwa einjährige Samen, die man in
Reihen 1,25 m voneinander entfernt zu zweien oder zu dreien in
den Boden legt, gewonnen. Der Samen keimt unter günstigen Umständen
nach fünf bis sechs Wochen und ein paar Wochen später kann man schon
Pflanzen von 10 cm Höhe haben. Weniger empfehlenswert ist die
Anzucht in besonderen Saatbeeten, da die Wurzeln der jungen Pflänzchen
außerordentlich empfindlich sind und beim Überführen in die definitiven
Standorte fast immer leiden, wodurch nicht unerhebliche Ausfälle
entstehen. Dabei legt man, um den Boden auszunützen, in den ersten zwei
oder drei Jahren Zwischenpflanzungen, am besten von Mais, an, welche
auch für genügende Beschattung der jungen Teepflanzen sorgen.
Weil es dem Teestrauch ein Bedürfnis ist, dem Wind freien Durchtritt
zu gewähren, läßt man zwischen den einzelnen Exemplaren einen gewissen
Abstand; auch läßt man ihn nicht hoch aufschießen, sondern beschneidet
ihn immer wieder rücksichtslos, wie wir dies mit unseren Hecken tun,
damit er reichlich Seitenschosse erzeuge und zum dichten Busch werde.
Wenn der Teestrauch drei Jahre alt geworden ist, kann mit dem Pflücken
der Blätter begonnen werden. Gewöhnlich erntet man dieselben in China
dreimal im Jahre. Zuerst, Anfang März bis Mitte April, unmittelbar vor
der Regenzeit, pflückt man die ersten Frühlingsblätter, aus denen der
feinste Tee gewonnen wird. Nach der Regenzeit, Ende Mai oder Anfang
Juni, folgt die zweite, die sogenannte große Ernte, die qualitativ die
bedeutendste ist und zum großen Teil ins Ausland gesendet wird, aber
an Feinheit des Aromas der ersten Ernte nachsteht. Die dritte Ernte,
Ende Juli oder Anfangs August, ist wegen der groben, wenig aromatischen
Blätter recht minderwertig und wird daher in vielen Gegenden gänzlich
unterlassen, da die Erhaltung der betreffenden Blätter für das Gedeihen
des Strauches und somit auch für die Güte der ersten Ernte des nächsten
Jahres von großer Bedeutung ist.
In der Regenzeit wird alles Pflücken der Blätter vermieden, weil es für
die Qualität des Tees nachteilig ist, solche zu pflücken, die vom Regen
naß sind; der Tee schmeckt nämlich dann flau. Auch das Äußere des Tees
wird durch die Feuchtigkeit benachteiligt, da feuchte Blätter sich bei
der Bearbeitung zu mehreren zusammenzurollen pflegen und dann nur mit
großer Mühe auseinandergebracht werden können. Früh morgens, wenn der
Tau der Nacht verdunstet ist, beginnt man mit dem Pflücken der Blätter
und fährt damit fort, bis man eine zur betreffenden Tagesverarbeitung
genügende Menge hat. Dabei müssen die Blätter vor ihrer vollen
Entwicklung geerntet werden, wenn sie eben im Begriffe sind, die
Blattflächen auseinanderzurollen.
Wenn auch der Teestrauch bereits im Alter von drei bis fünf Jahren
beginnt, Erträge zu liefern, so erhält man erst vom zehnten Jahre
an Vollernten von 1 kg und mehr jährlich pro Strauch. Aber um diese
Zeit werden die Blätter oft schon groß und minderwertig, so daß man
sich, wie bei der Kultur der Rebe, damit behilft, den Strauch stark
bis auf einen oder wenige Zweige zu beschneiden, damit sich reichlich
junge Schosse bilden. Aber die Blätter dieser letzteren erreichen
nie die Güte, welche die ersten besaßen, so daß man es vorzieht, die
Bäumchen bereits nach dem zehnten Jahre zu entfernen und neue Aussaaten
vorzunehmen, wie dies z. B. auf Ceylon überall zu geschehen pflegt.
Je jünger und zarter die geernteten Blätter sind, desto besseren Tee
liefern sie; doch ist erst in den ganz ausgewachsenen Blättern der
Höchstgehalt an Teeïn, das mit dem Koffeïn identisch ist, und den
übrigen, dem Tee seinen Wert verleihenden Substanzen, erreicht. Diese
sind im mittleren Blattgewebe enthalten. Auf einen Hektar Teepflanzung
rechnet man durchschnittlich eine Ernte von 3000 kg Teeblättern
jährlich. Aber auf den besten Teepflanzungen erntet man bis 10000
kg pro Jahr. Beim Pflücken der Blätter, das meist Frauen und Kinder
besorgen, wird peinlichste Sauberkeit beobachtet. Die Pflückerinnen
müssen täglich baden und sich getrockneter Fische und anderer stark
riechender Speisen enthalten. Ja, die feinste Sorte aus den zartesten
Blättern der ersten Ernte, die in China den Kaiser- oder Blumentee
liefern, der kaum je in den Handel gelangt und vom Hofe selbst, der ihn
mit 600 Mark das kg bezahlt, aufgekauft wird, pflückt man sogar mit
Handschuhen. Damit beide Hände frei bleiben, tragen die Pflückerinnen
an einer Schnur um den Hals gehängt ein Körbchen auf der Brust,
ziehen mit der Linken einen Zweig an sich und brechen mit der Rechten
die Blätter am Stiel ab. Eine Person vermag täglich 6-7 kg Blätter
einzusammeln, die dann nach der Zubereitung zu Tee 75 Prozent ihres
Gewichts verlieren, so daß also 4 kg frische Blätter 1 kg Tee liefern.
Je nach der weiteren Bearbeitung erhält man nun zwei ganz verschiedene
Sorten, den +schwarzen+ und den +grünen Tee+, die durchaus nicht,
wie man früher glaubte, von verschiedenen Pflanzen, sondern von
derselben stammen, nur durch verschiedene Behandlung der Blätter
erzielt werden. Der +grüne Tee+, wie ihn die Ostasiaten lieben, weil
er infolge weit geringerer Zersetzung kräftiger auf die Nerven als der
von uns bevorzugte schwarze Tee wirkt, wird in der Weise gewonnen, daß
die Blätter unmittelbar nach dem Einbringen „gedämpft“ werden, damit
sie ihre Farbe behalten, und schließlich eine Röstung erfahren. Zu
diesem Zwecke werden sie in Hürden aus Bambusstäben über Kessel mit
dampfendem Wasser gehalten oder in tiefen Pfannen bei starker Hitze
in ihrem eigenen Safte gedämpft, wobei sie unausgesetzt mit Stöcken
rasch umgerührt werden, bis sie beginnen rote Ränder zu zeigen. Dann
werden sie wie beim schwarzen Tee, nur in schnellerer Aufeinanderfolge,
mit den Händen gerollt und über Feuer geröstet. Durch dieses rasche
Trocknen wird dem Gerbstoff in den Blättern keine Zeit zum Oxydieren
gelassen, während gleichzeitig auch einer späteren chemischen
Zersetzung in der Masse vorgebeugt wird. Zum Schluß werden sie, nachdem
man ihnen noch die gewünschte blaugrüne Farbe, die nicht jeder Tee
annimmt, durch Bestäuben mit einer Mischung von Indigo, Curcuma und
Gips verliehen hat, vermittelst Sieben sortiert und die Ware nach
nochmaligem Rösten noch warm in mit Stanniol gefütterte Kisten verpackt.
Der +schwarze Tee+, der weitaus die Hauptmenge des Fabrikats ausmacht,
da er vorzugsweise zum Export gelangt, wird ganz anders behandelt.
Zunächst läßt man die Blätter auf flachen Bambushürden 24 Stunden
und länger welken, wobei die Blätter unter allerlei chemischen
Veränderungen, die vorzugsweise in einem Freiwerden des Teeïns aus
seiner gerbsauren Verbindung und in einer Zunahme von löslichen
Stickstoffverbindungen bestehen, etwa 20-28 Prozent ihres Gewichtes
verlieren. Durch dieses Welken werden die Blätter zugleich für die
weitere Bearbeitung geeigneter gemacht. Da sie gerollt werden sollen,
wird dadurch das Austreten des Saftes bei jenem Prozesse vermindert und
bewirkt, daß sie sich später leichter rollen lassen und dabei weniger
leicht zerbrechen. Unmittelbar nach dem Welken werden die Blätter
20-30 Minuten lang auf Rolltischen mit den Händen gerollt. Die so
entstandenen Ballen werden auseinander gelöst, auf geflochtenen Tellern
ausgebreitet und mit feuchten Tüchern bedeckt, um das Austrocknen zu
verhüten und die Temperatur in der leicht gärenden Masse niedrig zu
halten. Diese Gärung findet durch ausschließlich im Teeblatte selbst
enthaltene Fermente statt, wobei durch das Freiwerden eines ätherischen
Öles das Aroma entsteht. Nach zwei bis drei Stunden ist dieser Prozeß
abgelaufen und dann hat sich die Blattmasse rotbraun verfärbt. Nun
werden die Blätter nochmals gerollt und danach getrocknet. Dieser
letztere Prozeß soll möglichst zuerst in der Sonne und dann in
Trockenmaschinen bei 100° C. geschehen. Danach folgt das durch Frauen
besorgte Verlesen oder das Sortieren durch Maschinen. Schließlich
wird der Tee nochmals in offenen Sieben über hellem Kohlenfeuer gut
getrocknet und erwärmt, um die absolute Luftfeuchtigkeit in der
Verpackung, welche beim Transport zur Schimmelbildung führen würde,
zu vermindern, sorgfältig in große, innen mit Stanniol ausgekleidete
Kisten verpackt und dann verlötet, damit er sein feines Aroma
möglichst unverändert behalte. Wie bei der Verpackung ist auch bei der
Aufbewahrung des Tees darauf zu achten, daß nicht riechende Stoffe
in der Nähe sind und die Ware nicht der Luft, dem Lichte und der
Feuchtigkeit ausgesetzt ist. Übrigens wird nur den besseren Teesorten
eine solch sorgfältige Behandlung zuteil. Für den Verbrauch im Inlande
werden die geringwertigen Blätter einfach an der Sonne getrocknet und
mit gefurchten Steinen gerollt. Der so gewonnene Tee hat ein angenehmes
Aroma, eine rötliche Farbe und einen süßlichen Geschmack, hält sich
aber nicht lang.
China erzeugt sowohl schwarzen wie grünen Tee in großen Mengen, während
Japan nur grünen, Ceylon und Java nur schwarzen, Indien nur wenig
grünen Tee (für die mittelasiatischen Länder) produziert und nach
Europa und Amerika fast nur schwarzen Tee verschifft. Die besseren
Sorten des bei uns wenig beliebten grünen chinesischen Tees -- von
den Chinesen Lo-tscha genannt -- sind: der Kaiser- oder Blumentee,
der aus etwas größeren Blättern der ersten Ernte zu ziemlich großen
Körnchen gerollt wird; er wird vom kaiserlichen Hofhalt, den Mandarinen
und reichen Chinesen verbraucht. Dann der Chu-tscha oder Perltee, der
aus den Blättern der Knospen der ersten Ernte zu ganz feinen Körnern
gerollt wird; er wird aus Ning-po und Schang-hai besonders nach den
Vereinigten Staaten und Marokko ausgeführt, wo vielfach wie in Ostasien
der grüne chinesische Tee dem schwarzen bevorzugt wird. Drittens der
Hei-son, d. h. blühender Frühling, der aus den gekräuselten Blättern
der ersten Ernte gerollt und in zwei Qualitäten hergestellt wird.
Aus den Abfällen dieser Sorten wird endlich ein Twan-kai genannter
Ausschußtee hergestellt.
Tafel 61.