Nach Deutschland kam der Kaffee von Holland und Frankreich her um 1670.

Am Hofe des Großen Kurfürsten war er im Jahre 1675 im Gebrauch. Das

erste deutsche Kaffeehaus wurde 1679 in Hamburg von einem englischen

Kaufmann errichtet. Ihm folgten Leipzig 1684, Nürnberg und Regensburg

1686, Köln 1687, Stuttgart 1712, Augsburg 1713 und Berlin 1721. Um die

Mitte des 18. Jahrhunderts war der Kaffeegenuß an allen deutschen Höfen

und bei der wohlhabenden Bevölkerung ziemlich allgemein verbreitet

und die Kaffeebohnen bildeten einen wichtigen Handelsartikel für

Hamburg und Bremen. Aber auch in Europa ging die Einführung des

Kaffees nicht ohne Widerstand vor sich. Besonders die Ärzte bekämpften

vielfach seinen Genuß der gesundheitschädlichen Wirkungen wegen und

verbreiteten besonders die von Alpino aus dem Orient mitgebrachte

irrtümliche Ansicht, daß der Kaffee Unfruchtbarkeit im Gefolge habe.

Die Volkswirtschaftler eiferten in jener Blütezeit des Merkantilismus

dagegen, daß große Summen für den teuren Kaffee ins Ausland gingen.

Deshalb wurde sein Genuß vielfach durch die Regierungen verboten oder

durch hohe Zölle und Steuern nur für die Bemittelten möglich gemacht.

In Schweden wurde er im Jahre 1750 und in Hessen-Darmstadt 1766

gänzlich verboten. Auch Friedrich der Große versuchte vergeblich seinen

Verbrauch einzuschränken. In dem Bestreben, Preußen wirtschaftlich

abzuschließen und das Geld im Lande zu behalten, hatte er besonders die

damals noch teueren Kolonialwaren mit hohen Zöllen belegt und suchte

sie zu monopolisieren. Am liebsten hätte er den Kaffee ganz verboten;

das Landvolk sollte sich nicht an ihn gewöhnen, „denn das ist mit die

Absicht“, antwortete er auf eine Beschwerde, „daß nicht so viel Geld

für Kaffee aus dem Lande gehen soll. Übrigens sind Seine Majestät

höchstselbst in der Jugend mit Biersuppe erzogen worden. Mithin können

die Leute ebensogut mit Biersuppe erzogen werden. Das ist viel gesünder

als der Kaffee.“

Wenn Friedrich der Große auch nicht so weit ging wie Landgraf

Friedrich von Hessen, der den Kaffee in seinem Lande bei 100 Talern

Strafe verbot, so wollte er die Sucht seiner Untertanen nach diesem

Genußmittel in andere Bahnen lenken. Zu diesem Zwecke wurden Marggraf

und einige andere Chemiker beauftragt, an Stelle des damals meist nur

in gebranntem Zustande von den Holländern bezogenen Kaffees Surrogate

zu schaffen, was zur Entstehung von Eichelkaffee, von Kaffee aus Gerste

und Roggen, ja selbst aus Rüben und Roßkastanien führte. Erst später,

nämlich um das Jahr 1790, kam der Zichorienkaffee auf, nachdem man

zuvor die gerösteten Wurzeln der Möhren, der Rüben und des Löwenzahns

als Kaffeesurrogate verwendet hatte. Aber alle diese Kaffeeersatzmittel

erfreuten sich durchaus nicht des Beifalls des Publikums, so daß

dieses nach wie vor lieber den sehr teueren echten Kaffee, der ihm

die gewünschte anregende Wirkung verschaffte, zu kaufen begehrte. Als

der König sah, daß er den Leuten den Kaffee nicht verbieten könne, so

wollte er wenigstens zugunsten des Fiskus ein gutes Geschäft damit

machen. So führte er im Jahre 1781 ein Kaffeemonopol in Preußen ein,

das die dem Bürgerstande angehörenden Konsumenten zwang, den gebrannten

Kaffee vom Staat, und zwar 24 Lot (= 408 g) zum Preise von einem Taler,

d. h. sechsmal so teuer als früher zu kaufen. Nur Adelige, Beamte und

Geistliche konnten Brennscheine erhalten, die ihnen erlaubten, den

billigeren rohen Bohnenkaffee zu kaufen und ihn selbst zu brennen.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts hat sich der Kaffee die ganze Kulturwelt

erobert und ist an Stelle der alten Breie von Hirse oder Hafer und

dicken Suppen zum eigentlichen Frühstücksgetränk geworden. Besonders in

Deutschland, das seiner Einführung so viel Widerstand entgegensetzte,

hat er geradezu eine Kulturmission erzielt, indem er ganz wesentlich

dazu beitrug, die noch bis zum Ende des 17. Jahrhunderts allgemein

gebräuchliche Unsitte, zu allen Tageszeiten Wein und Bier in großen

Mengen zu trinken, allmählich verdrängte und damit unwillkürlich

verfeinernd auf die Sitten der Bevölkerung einwirkte. Wir alle wissen,

daß der schwarze Trank die Nerventätigkeit und das Denken anregt, das

Unbehagen der Müdigkeit beseitigt und durch den ganzen Körper ein

wohliges Gefühl des Angeregtseins verbreitet. Außer dem Koffeïn, das

von 0,9-1,5 Prozent darin enthalten ist, wovon aber beim Rösten mehr

als die Hälfte verloren geht, haben wir im Kaffee einige Prozente

eines flüchtigen sogenannten empyreumatischen Öles, Koffeon genannt,

das sich durch das Rösten in den Bohnen entwickelt. Genießt man dieses

abdestillierte Öl in Substanz, so entstehen Schweiß, Schlaflosigkeit

und heftige Blutwallungen. Dieses Öl gibt dem Kaffee sein Aroma,

das aber durch die Beimischung eines in den feineren Sorten etwas

reichlicher vorhandenen zweiten Öles modifiziert wird. Dazu gesellen

sich Kaffeesäure, ziemlich viel Eiweiß, etwas Zucker und eine

Gerbsäure von besonderer Art, welche mit Eisenlösung einen grünlichen

statt wie sonst einen blauen Niederschlag gibt, dann etwas Fett und

Pflanzenschleim.

Guter Kaffee muß nicht nur vollständig reif gepflückt werden, sondern

auch nachher noch im grünen Stadium den nötigen Reifungsprozeß

durchmachen, wodurch er erst den köstlichen Wohlgeschmack und das

herrliche Aroma gewinnt, das der Kulturmensch an ihm schätzt. Nicht

genügend durch Lagern gereifter Kaffee schmeckt rauh und gehaltlos. Um

nun das unserem Geruchs- und Geschmackssinn so angenehme flüchtige Öl

und andere Zersetzungsprodukte der Bohnen zu gewinnen, röstet man den

Kaffee nach vorherigem, kurzem Abspülen der Bohnen in Wasser, wobei

man sich auch davon überzeugen kann, ob sie gefärbt waren, am besten

in kugelartigen verschlossenen Gefäßen, wobei die Bohnen unablässig

in Bewegung gehalten werden müssen. Dabei soll jede Bohne durch und

durch, aber doch nicht zu stark geröstet werden. Das Rösten ist zu

beenden, wenn die Bohnen plötzlich aufschwellen, braunrot werden und

zu glänzen beginnen. Dann setzt man ihnen etwas Zucker zu, der von der

Hitze sofort schmilzt und sie mit einer das Aroma besser bewahrenden

Karamelhülle umgibt. Der Röstprozeß darf nun durchaus nicht zu lange

fortgesetzt werden. Bloß braunrot gerösteter Kaffee enthält mehr Aroma

als solcher, der kastanienbraun gefärbt oder gar durch Verkohlen

schwarzbraun geworden. Je länger das Rösten fortgesetzt wird, um so

mehr verlieren die Bohnen an Gewicht, nehmen dafür aber an Größe zu.

So verliert z. B. braunroter Kaffee 15 Prozent an Gewicht und nimmt

30 Prozent an Größe zu; schwarzbraun gebrannter verliert dagegen 25

Prozent an Gewicht, gewinnt dagegen 50 Prozent an Umfang. Nach dem

Brennen soll der Kaffee durch Ausschütten auf eine kalte Platte rasch

abgekühlt werden, da um so mehr Aroma verloren geht und dabei ein

unangenehmer Beigeschmack entsteht, je länger die Bohnen ihre hohe

Temperatur behalten. Dann wird er fein gemahlen, wodurch das Ausziehen

der löslichen Stoffe mit kochendem Wasser erleichtert wird.

Die gebrannte Bohne ist außerordentlich empfindlich gegen alles sie

Berührende und muß am besten in metallenen oder gläsernen Gefäßen

aufbewahrt werden. Man soll nur kleine Mengen aufs mal, dafür aber

recht oft rösten, da frisch gebrannter Kaffee das beste Getränk liefert

und außerdem das fette Öl in den zu lange aufbewahrten gerösteten

Bohnen leicht ranzig wird. Auch ist das Wasser, das zur Herstellung

des Kaffeeaufgusses verwendet wird, von großer Bedeutung. Je weniger

es erdige Bestandteile, vor allem Kalk, und dafür doppeltkohlensaures

Natron enthält, um so mehr löst es die Bestandteile des Kaffees und

nimmt sie in sich auf. Deshalb sind Badeorte mit Mineralwasser, z. B.

Karlsbad, wegen ihres vorzüglichen Kaffees berühmt. Dasselbe läßt sich

erreichen, wenn man dem Wasser vor dem Aufgießen etwa eine Messerspitze

voll doppeltkohlensaures Natron zusetzt. Auch das Kochen des Kaffees

muß vermieden werden, da er dabei den größten Teil seines Aromas

verliert.

Tafel 59.

[Illustration: Ernte von Liberiakaffee durch Malaiinnen auf einer

Plantage Sumatras.]

Tafel 60.

[Illustration: Sträucher von Liberiakaffee auf Sumatra. Die auf der

primitiven Leiter aus Bambusrohr stehende Malaiin zeigt die schweren,

schwarzen Fruchttrauben, die sie zu pflücken im Begriffe steht.]

Um einen möglichst wohlschmeckenden Kaffee zu erzeugen, ist vor allem

auch die größte Sauberkeit bei der Zubereitung ein Haupterfordernis.

Besser als Filter aus Blech, die den Geschmack des durchlaufenden

heißen Wassers durch die Berührung mit Eisen sehr leicht verderben,

sind solche aus Porzellan, Email oder Flanell zu verwenden. Das

Wasser darf nicht mehr als 70° C. Wärme haben, da dann das feinste

Aroma erzielt wird und die weniger feinen Elemente des Kaffees

ungelöst bleiben. Am besten ist es, auf den im Filter befindlichen

zusammengedrückten, gemahlenen Kaffee zunächst eine kleine Menge

heißen Wassers zu schütten und etwas ziehen zu lassen. Eine größere

Menge würde die Löcher des Filters leicht verstopfen. Nachher gießt

man das übrige Wasser nach. Den Trank selbst genießt man mit Milch

und Zucker nach Belieben versetzt, am besten gleich nach seiner

Herstellung, warm. In einer Tasse Kaffee, die aus etwa 8 g Kaffeebohnen

bereitet wurde, findet sich dann 0,1 g Koffeïn. Gestützt auf diese

Feststellung läßt sich jeder Kaffee leicht auf seine Güte prüfen. Dies

tat kürzlich ~Dr.~ Strunk in Berlin und stellte dabei fest, daß man

den besten und stärksten Kaffee in den erstklassigen Hotels erhält,

denn in diesen wies die Tasse einen Gehalt von durchschnittlich 0,11

Koffeïn auf, geht also noch über den Durchschnitt hinaus. Sogenannter

Mokkakaffee enthielt sogar 0,12 Koffeïn. Demgegenüber wird ein

sehr dünner Kaffee in der Berliner Volksküche verabreicht; dieser

enthält nämlich bloß 0,01 Koffeïn. Nicht viel besser ist der in den

Studentenwohnungen verabreichte; derselbe weist durchschnittlich 0,02

Koffeïn auf. Er stellt also in bezug auf Koffeïnwirkung ein höchst

unschuldiges Getränk dar, das fürwahr keinerlei Schädigung auf das

Nervensystem ausüben dürfte.

Der Kaffee regt, wie wir alle durch vielfache eigene Erfahrung wissen,

in hohem Maße das Nervensystem an, beseitigt die Müdigkeit, belebt die

Gedanken und Vorstellungen und beschleunigt die Blutzirkulation. Auch

kalt ist dünner Kaffee bei anstrengenden Touren und bei der Feldarbeit

sehr angenehm und erhöht die körperliche Leistungsfähigkeit im

Gegensatz zu den geistigen Getränken, die vielmehr erschlaffend wirken.

Nur für nervöse, reizbare, leicht an Herzklopfen und Schlaflosigkeit

leidende Personen ist er nicht zu empfehlen; auch wirkt ein Übermaß

desselben schädlich selbst für Gesunde. In solchen Fällen ist der

neuerdings in den Handel gelangende koffeïnfreie Kaffee oder irgend

eins der zahlreichen beim Volke beliebten Kaffeesurrogate zu empfehlen.

Von den etwa 30 in Afrika wildwachsenden Arten des Kaffeestrauches

kommen nur zwei für die Kultur im großen in Betracht, nämlich der

sogenannte +echte+ oder +arabische Kaffee+ (~Coffea arabica~), der

aus dem südlichen Abessinien stammt, und der +Liberiakaffee+ (~Coffea

liberica~) -- so genannt nach dem Staate Liberia, wo er wild wächst --

aus Westafrika. Der letztere ist derber, größer und breitästiger als

der arabische Kaffeestrauch. Er ist im Gegensatz zu ersterem, der eine

Gebirgspflanze darstellt und als solche bergige Lagen bevorzugt, eine

Tieflandpflanze, die in ihrer Heimat nicht höher als 140 m über den

Meeresspiegel steigt und ein feuchtwarmes Klima, sowie einen leichten,

etwas sandigen Boden liebt. Bis vor etwa 40 Jahren wurde ausschließlich

der arabische Kaffeestrauch kultiviert; da er aber der später noch zu

besprechenden Kaffeeblattkrankheit in hohem Maße ausgesetzt ist, wurde

seither auch der dagegen und anderen Parasiten gegenüber viel weniger

empfindliche liberische Kaffeestrauch besonders in den asiatischen und

afrikanischen Produktionsländern angebaut.

Der arabische oder echte Kaffeebaum ist ein heute noch von Abessinien

und der Küste von Mozambique bis zum Victoriasee und bis Angola

wildwachsend angetroffener immergrüner Strauch von 5-6, selten 8 oder

9 m Höhe. Der schlanke Stamm ist mit grünlichgrauer, glatter Rinde

bedeckt und trägt viele dünne, wagerecht oder leicht abwärts geneigte

Zweige, die kurzgestielte, 6-10 cm lange und 3-4 cm breite, länglich

eiförmige, zugespitzte, glatte, oben glänzend dunkelgrüne, unten

blaßgrüne Blätter besitzen, aus deren Achseln 4-16 kurzgestielte,

sehr rasch verblühende, in Aussehen und Geruch den Jasminblüten

ähnliche weiße Blüten hervorbrechen und schließlich kirschengroße

Steinfrüchte mit schleimigem, süßem Fruchtfleisch zeitigen. Die

Blütezeit des arabischen Kaffeestrauches zieht sich durch drei Monate

hindurch, während der an der afrikanischen Westküste, besonders in

Liberia heimische, bis zu 16 m hochwerdende, großblätterige liberische

Kaffeestrauch fast das ganze Jahr hindurch blüht. Der letztere eignet

sich also seiner Herkunft nach viel besser für Niederungen bis

höchstens 200 m Seehöhe, wobei ihm das feuchte und warme Klima der

Küsten besonders zusagt, während ersterer als eine Gebirgspflanze erst

in Höhen, die über 200 m über dem Meeresspiegel liegen, gedeiht.

Der Kaffeestrauch verlangt zu seinem Gedeihen einen guten, fruchtbaren

Boden und eine gleichmäßige Wärme und Feuchtigkeit, viel Luft und

Licht, in heißen Gegenden aber genügend Schatten, Schutz gegen Wind

und sorgfältige Reinhaltung des Bodens von Unkraut. Zuerst zieht

man junge Pflänzchen in Samenbeeten. Wenn diese etwa zweijährig

sind, setzt man sie auf die eigentlichen Felder aus, die in tieferen

Lagen Schattenbäume enthalten müssen, da ihnen hier die direkte

Sonnenbestrahlung schädlich ist. In höheren Lagen, bis 1500 m,

können solche fehlen. Im dritten oder vierten Jahr beginnen die

Pflanzen Blüten und Früchte zu tragen, liefern aber erst vom sechsten

oder achten Jahre an vollen Ertrag daran, der nach 20-30 Jahren

zurückzugehen pflegt; dann müssen die Sträucher durch neu angepflanzte

ersetzt werden. Ein Strauch liefert 2-3, nur ganz ausnahmsweise 5 oder

gar 6 kg handelsreinen Kaffee.

Die Früchte des arabischen Kaffees sind erst dunkelgrüne, dann gelbe,

später dunkelkarmoisinrote, rundlich eiförmige Beeren von der Größe

kleiner Kirschen, während diejenigen des Liberiakaffees im reifen

Zustande blauschwarz und doppelt so groß als jene sind. In ihnen liegen

um ein saftiges, süßes Fruchtfleisch zwei von einer pergamentartigen,

glatten, strohfarbenen Hülle und darunter noch von einem silberfarbigen

Häutchen umgebene, innen flache und nach außen gewölbte Samen, deren

gelblichweißes Nährgewebe hornartig hart ist und keinerlei Stärke

enthält. Es kommt aber auch vor, daß gelegentlich nur eine Bohne

zur Entwicklung gelangt, die dann nicht innen abgeflacht, sondern

vollkommen rund und etwas größer als die gewöhnlichen Bohnen ist.

Es sind das die sogenannten männlichen Bohnen oder Perlbohnen, die

sorgfältig ausgesondert werden, weil sie höher im Preise stehen als

die gewöhnlichen Doppelbohnen. Als Perlkaffee bilden sie überhaupt die

teuerste Sorte Kaffee, die in den Handel gelangt, obschon diese ihre

hohe Bewertung nur ein Vorurteil ist.

Die Ernte darf erst nach der vollständigen Reife der Früchte

vorgenommen werden und muß mit großer Sorgfalt geschehen, da nicht

sämtliche Früchte zu gleicher Zeit das Reifestadium erreichen, beim

Liberiakaffeebaum auch Blüten geschont werden müssen. Nach Eintritt der

Reife lassen die Araber die Früchte an den Bäumen, bis sie von selbst

abfallen oder leicht zu schütteln sind. Dieser Behandlungsweise werden

die vortrefflichen Eigenschaften des nach dem Ausfuhrhafen im südlichen

Arabien als Mokka bezeichneten Kaffees zugeschrieben. Doch, was wir als

Mokkakaffee genießen, ist meist eine auserlesene brasilianische Sorte

mit eigentümlich ellipsoiden Bohnen. Diesen brasilianischen Kaffee

sammelt man auch durch Schütteln des Baumes über einem weißen Laken, um

sie vor Schmutz, Sand und dergleichen zu schützen. In Gegenden jedoch,

wo es viel regnet, wie auf Java, ist dieses Verfahren nicht möglich,

da das Fleisch der Früchte schnell fault und die Früchte durch einen

kräftigen Regenfall zu Boden geschlagen werden. Deshalb sammelt man sie

dort sobald sie einigermaßen reif sind und verarbeitet sie weiter. In

Ostindien gelten diejenigen Kaffeebohnen als die besten, die aus dem

Kote von Schleichkatzen und Schakalen gesammelt werden, was allerdings

begreiflich ist, da diese Tiere nur die reifsten Beeren fressen und

deshalb die von ihnen unverdaut abgehenden Samen von besonderer Güte

sind.

Früher trocknete man die abgelesenen Früchte auf der Erde und zerbrach

die äußeren Hüllen in Holzmörsern durch Handarbeit oder in einer

Art Mühle in Tierbetrieb, was auch jetzt noch teilweise geschieht.

In neuester Zeit und auf fortgeschrittenen Betrieben werden die

Früchte, um die Kaffeebohnen von dem sie einhüllenden Fleische zu

befreien, unmittelbar nach dem Pflücken in Maschinen zerquetscht und

auf ein Sieb gebracht, dessen Maschen gerade groß genug sind, um die

Bohnen durchzulassen, das Fruchtfleisch aber zurückzubehalten. Das

letztere findet als Dünger Verwendung. Die noch mit der Pergamenthülle

bedeckten Bohnen dagegen werden in den Gärraum gebracht, wo die an

ihnen haftenden Fruchtfleischreste einen Fäulnisprozeß durchmachen,

worauf sie sich durch Waschen leicht entfernen lassen. Nach dem Waschen

trocknet man sie an der Sonne, nach dem älteren System auf gemauerten

Tennen, nach dem neueren jedoch in großen, flachen Karren auf niedrigen

Rädern, die, auf Schienen laufend, des Nachts oder bei schlechtem

Wetter in einen langen Schuppen gerollt werden. Die Farbe der Bohnen

wird nur durch ihren Feuchtigkeitsgehalt bedingt. So sind die blauen

Bohnen feuchter als die grünen und die grünen wiederum feuchter als

die gelben, während ein langsames Trocknen bei feuchter Witterung dem

Kaffee eine bleierne Farbe verleiht.

Bei dem trockenen Verfahren werden die Bohnen gleich nach dem Pflücken

durch Ausbreitung am Boden vermittelst der Sonnenwärme getrocknet, bis

man beim Umrühren der Früchte die Bohnen in ihren Hüllen rasseln hört.

Dann bringt man sie in Speicher, wo man sie beliebig lange aufbewahren

kann. Zur Entfernung der Pergamenthülle werden sie dann, wie der auf

nassem Wege vom Fruchtfleisch befreite Kaffee, in Mörsern mit langen

hölzernen Stampfern, in der Regel aber in Maschinen bearbeitet.

Auf solche Weise von den Hülsen befreit, werden sie nach der Größe

sortiert und poliert. Der Reinertrag an verkaufsfertigen Bohnen beträgt

durchschnittlich ein Fünftel des Gewichts der frischen Früchte.

Neben der Hauptblüte des Kaffeebaumes gibt es eine Vor- und Nachblüte,

die aber weniger von Bedeutung sind; so handelt es sich gleichwohl um

eine Haupterntezeit, die auf Java alle 4-6 Monate stattfindet. Doch

wird auch hier in zunehmendem Maße der weniger empfindliche und rascher

wachsende liberische Kaffeestrauch, der stets Blüten und Früchte

nebeneinander trägt und deshalb eine periodische Ernte vollkommen

ausschließt, gepflanzt. Zur Aussaat werden jeweilen die schönsten und

größten Beeren ausgesucht, die von in der Fülle ihrer Kraft stehenden

Bäumen stammen, d. h. nicht zu jung und nicht zu alt sind. Da der Same

des Kaffees seine Keimkraft schnell verliert, bedient man sich, um ihn

in fern abliegende Gegenden zu verpflanzen, besser nicht der Samen,

sondern junger Pflänzchen, die in kleinen, mit Glas gedeckten Kisten

an Deck mit größter Behutsamkeit transportiert werden müssen. Beim

Anpflanzen werden sie gleich wie die aus Sämlingen an Ort und Stelle

gezogenen jungen Pflanzen unter dem Schutz von Schattenbäumen groß

gezogen. Häufig werden zwischen den Kaffeesträuchern, so lange diese

noch jung sind, auch andere Pflanzen angebaut, so in Brasilien Mais und

Bohnen, die gleichzeitig dazu bestimmt sind, die allzugrell scheinende

Sonne abzuhalten. Sobald jedoch die Kaffeepflanzen groß geworden sind

und anfangen Früchte zu tragen, müssen diese Zwischenpflanzen entfernt

werden, da sie dann den Ertrag verringern. Zwischen den Kaffeebäumen

muß das rasch emporwuchernde Unkraut regelmäßig entfernt werden, was

bei Großbetrieben durch besondere Maschinen geschieht. Dann muß die

Plantage auch gedüngt werden; besonders ist eine Zufuhr von Phosphor

vonnöten. Je tiefgründiger der Boden, um so mehr können sich die

Pfahlwurzeln entwickeln und um so älter werden die Bäumchen. Als

Gebirgspflanze gedeiht der arabische Kaffeestrauch am besten in Tälern

oder an Abhängen, wo er vor Winden geschützt ist. Am besten sagen ihm

Temperaturen zu, die zwischen 15 und 25° C. schwanken, und Regenmengen

zwischen 220 und 330 cm im Jahr.

Aus Abessinien ist der echte Kaffeestrauch zuerst nach dem

südlichen Arabien gelangt, wo seine Kultur beschränkt blieb, bis

auf Veranlassung des Bürgermeisters von Amsterdam, Nikolas Witsen,

Direktor der holländischen Handelskompagnie, der Gouverneur von

Batavia, van Hoorn, im Jahre 1650 einige Kaffeebäumchen von Mekka

nach Batavia auf der Insel Java bringen ließ, die aber infolge

einer Überschwemmung wieder eingingen. Keinen besseren Erfolg hatte

die Sendung des holländischen Kommandanten von Malabar, Adrian van

Ommeren, vom Jahre 1696. Kurz darauf gelang es Hendrik Zwaardekron

diese Nutzpflanze dort einzubürgern. Sie wurde in großen Plantagen

angepflanzt, von deren Ertrag bald auch die Muhammedaner Westasiens

mit diesem Genußmittel versorgt werden konnten. Später wurde die

Kaffeekultur von den Holländern auch auf die anderen Sundainseln

und auf Ceylon ausgedehnt. Im Jahre 1710 wurden von Batavia aus

mehr als hundert junge Kaffeebäumchen nach Amsterdam gesandt, wo

sie im Treibhaus des Botanischen Gartens Unterkunft fanden. Eines

derselben erhielt im Jahre 1713 Ludwig XIV. durch den Direktor

des Amsterdamer Gartens Namens Pancras. Er ließ es im Garten von

Marly bei Paris sorgsam aufziehen, und nach ihm veröffentlichte dann

der Botanikprofessor am ~Jardin du roi~ in Paris, Antoine de

Jussieu, in den ~Mémoires de l’Academie des sciences~ eine genaue

Beschreibung der Pflanze. Ein anderes Exemplar gelangte von Amsterdam

nach Surinam, wo dann die Holländer die Kaffeekultur erfolgreich

einzubürgern vermochten.

Von der einen Kaffeepflanze in Marly wurden Samen erzielt, die junge

Pflänzchen ergaben, von denen der vorgenannte Antoine de Jussieu

dem Schiffskapitän de Clieu d’Erchigny im Jahre 1721 drei Exemplare

mitgab, um sie nach der Insel Martinique zu bringen. Infolge großen

Wassermangels auf der langen Reise, die den Offizier zwang, die ihm

zugewiesene Wasserration zum größten Teile zur Erhaltung seiner

Pfleglinge zu verwenden und selbst Durst zu leiden, brachte er nur

+ein+ Exemplar lebend an den Bestimmungsort. Hier angepflanzt, mußte es

beständig von Sklaven bewacht werden, damit es nicht gestohlen werde.

Es gedieh vorzüglich und wurde die Stammpflanze aller westindischen

Kaffeebäume, deren Kultur sich in der Folge rasch über das tropische

Amerika verbreitete.

Im Jahre 1725 pflanzte de la Motte-Aigron, der Gouverneur von Cayenne,

daselbst das erste Kaffeepflänzchen, das er sich verstohlenerweise bei

seinem Aufenthalt in Surinam zu verschaffen gewußt hatte. Von dort her

gelangte die Pflanze 1740 nach Brasilien. Im Jahre 1730 wurde die erste

Kaffeeplantage auf Guadeloupe und durch Nicholas Lewes desgleichen auf

Jamaika angelegt. Gegen das Ende des 18. Jahrhunderts wurden in Sumatra

die ersten Anbauversuche gemacht, die aber erst von 1819 an, als die

Insel unter holländische Herrschaft kam, Erfolg hatten. 1822 begann

der Kaffeebau auf Celebes und 1832 in Costarica, und zwar an letzterem

Orte durch den deutschen Kaufmann Wallerstein. Endlich kam der

Kaffeebau 1892 auch nach Deutsch-Ostafrika, wo er heute besonders in

der Landschaft Usambara blüht. Auch in Kamerun sind neuerdings größere

Anpflanzungen von Liberiakaffee gemacht worden.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte · 第 49 / 77 段