Ein anderer als Fettspender wichtiger Kreuzblütler ist der +Flachs+-

oder +Leindotter+ (~Camelina sativa~), eine 0,3-1 m hohe einjährige

Pflanze mit kleinen, gelben Blüten und länglichen, dottergelben, sehr

kleinen Samen, die 27-31 Prozent Fett enthalten. Diese im gemäßigten

Europa wie in Nordasien heimische Pflanze wird besonders in Belgien,

in den Niederlanden und in Süddeutschland als Ölpflanze angebaut. Sie

ist in ihrem Ertrage sicherer als der Sommerraps und der Sommerrübsen

und wird gern angebaut, wenn der Winterraps infolge zu intensiver

Kälte zugrunde ging. Dagegen saugt sie den Boden stärker aus und

ist weniger einträglich als jener. Das hellgelbe, fast geruch- und

geschmacklose aus den Samen gewonnene Öl dient als Speiseöl und zur

Seifenfabrikation; nur wird es leicht ranzig.

Die weißen, grauen, gelben bis schwarzen Samen der aus Mexiko

stammenden +Sonnenblume+ enthalten etwa 32 Prozent klares, blaßgelbes,

geruchloses, angenehm schmeckendes Öl, das sich gut als Speiseöl

verwenden läßt, meist jedoch der Seifen- und Firnisfabrikation dient.

Als die Europäer in das atlantische Gebiet Nordamerikas gelangten,

fanden sie außer Mais, das als Hauptnährfrucht diente, Bohnen, Kürbis,

Tabak auch Sonnenblumen von den Indianern angepflanzt, deren Samen

man röstete und zu Mehl zerrieb. Bald nach der Entdeckung Amerikas

gelangte die Sonnenblume nach Europa und verbreitete sich allmählich

bis Südasien. Heute stammt das meiste in den Handel gelangende

Sonnenblumensamenöl aus Ungarn, Italien, dem südlichen Rußland und

Indien.

Selbst die +Bucheckern+, die 15-28 Prozent Fett enthaltenden Früchte

der Rotbuche, werden in Thüringen, Hannover, am Rhein und in Frankreich

gepreßt und das hellgelbe, klare, mild schmeckende, fast geruchlose

Bucheckernöl daraus gewonnen. Kalt gepreßt liefert es ein gutes

Speiseöl und dient zur Fälschung des Mandelöls; heiß gepreßt dagegen

ist es bräunlich, dient als Brennöl und zur Seifenbereitung, wobei

es weiche, gelbliche, später grünlich werdende Seifen liefert. Die

Preßrückstände können nur an Schweine und Wiederkäuer, nicht aber an

Pferde verfüttert werden, da sie das giftige Cholin enthalten, gegen

das die ersteren unempfindlich sind, das aber Pferden schädlich wird.

Reiche Buchensamenjahre, wie sie alle 8-10 Jahre vorkommen, liefern

unendliche Massen dieser köstlichen, billigsten Ölfrucht, die man

meist nutzlos im Walde verfaulen läßt, statt sie auszunützen. Am

ausgiebigsten sammelt man die Bucheckern durch Anschlagen stärkerer

Äste mit einem hölzernen Hammer, wobei die herabfallenden Früchte in

untergelegte Tücher aufgefangen werden. Die Herstellungskosten für

einen Liter Bucheckernöl, das als Back- und Salatöl meist allen anderen

Schmälzmitteln vorgezogen wird, stellen sich insgesamt auf höchstens

40 Pfennige. Die Aufbewahrung desselben geschieht am besten in großen,

gut verschlossenen Steinkrügen; auch empfiehlt es sich, dasselbe nach

Verlauf eines halben Jahres nochmals abzudampfen. Derart behandelt hält

es sich wenigstens drei Jahre lang ohne zu verderben.

Die Früchte des zum Färben dienenden +Saflors+ (~Carthamus

tinctorius~), die 20 bis 30 Prozent eines sich besonders als Brennöl

eignenden Öles enthalten, und die der +Nigersaat+ (~Guizotia

abessinica~), einer Pflanze des tropischen Afrika, die 40-50 Prozent

enthalten, werden ebenfalls auf fettes Öl verarbeitet. Das Nigersaatöl

erinnert durch den Geschmack an Nußöl und findet besonders in

Ostindien, wo man den Wert dieses Öles schon lange schätzen gelernt

hat, bei der Zubereitung von Speisen vielfach Verwendung. Die Nigersaat

gedeiht sehr leicht auf jedem Boden und liefert schon vier Monate nach

der Aussaat reife Samen. Die Pflanze ist eine bis 1,5 m hohe, an ihren

oberen Teilen rauhhaarige, unten dagegen fast kahle Komposite mit

gegenständigen, schmalen, gezähnten Blättern und gelben Blüten, die

nach der Befruchtung durch Insekten etwa 5 mm lange und 3 mm breite,

glänzendschwarze Samen liefern. Da sie sehr eiweißreich sind, geben die

Preßrückstände ein außerordentlich nahrhaftes und deshalb gesuchtes

Futter. In ihrer Heimat, dem tropischen Afrika, hat dieser wichtige

Fettspender nicht die verdiente Kultur gefunden. Nur in Abessinien baut

man ihn in umfangreicherem Maße an. Besonders hat aber Ostindien den

Wert dieser Ölpflanze erkannt und kultiviert sie in Menge. Neuerdings

sollte ihr in Ostafrika, wo sie heimisch ist, vermehrte Aufmerksamkeit

geschenkt werden, da sie in ihren Samen einen wertvollen, viel nach

Europa eingeführten Handelsartikel bildet.

Aus den Samen von ~Bactris minor~ wird auf Trinidad und Jamaika

ein gelbliches Fett mit Veilchenaroma und süßem Geschmack, die

+Macajabutter+, gewonnen und allgemein als Speisefett verwendet.

Sehr ergiebig sind die Samen von ~Litsea sebifera~, deren Fett der

Kerzenfabrikation dient. Die Früchte eines einzigen Baumes geben

genügend Material zur Herstellung von 500 Kerzen. Das +Rettichöl+

wird in China wie das Sesamöl zur Bereitung der schwarzen Tusche zum

Schreiben verwendet; das +Senföl+ dagegen, das zu 22-29 Prozent in den

Senfsamen enthalten ist, dient in Indien als ausgezeichnetes Brennöl.

Heute wird der Senf in Indien nicht mehr als Gewürzpflanze, sondern

fast nur noch zur Gewinnung dieses Öls kultiviert.

Ein sehr feines, geruch- und farbloses, süßliches Öl ist dasjenige

von ~Moringa oleifera~, das +Behenöl+, das für die Parfümerie und

Uhrenmacherei sehr geschätzt wird. Ebenfalls für die Kosmetik von

Bedeutung ist das +Mandelöl+, zu dessen Bereitung man süße und bittere

Mandeln mischt; doch enthalten die bitteren Mandeln weniger Öl,

nämlich nur 43-48 Prozent, als die süßen, die 50-55 Prozent davon

aufweisen. Da sie aber außerdem über 24 Prozent Eiweißkörper besitzen,

so liefern die nach der Pressung zurückbleibenden Preßkuchen ein sehr

gutes Viehfutter. Das Mandelöl ist hellgelb, geruchlos, angenehm

schmeckend, dünnflüssiger als Olivenöl, wird aber leicht ranzig. Es

kommt mit Mohn-, Nuß-, Pfirsichkern- und Aprikosenkernöl verfälscht

in den Handel. Letztere beiden Öle werden auch an und für sich von

Südfrankreich aus als „süßes Mandelöl“ verkauft. Echtes Mandelöl, das

in der Parfümerie und zur Fabrikation der sehr festen Mandelseife

verwendet wird, stammt fast nur aus England.

In den bitteren Mandeln ist das Mandelöl an das Amygdalin gebunden,

einen Körper, der ihnen den bitteren Geschmack verleiht. Außerdem ist

darin ein Ferment, Emulsin genannt, enthalten, welches beim Verreiben

der bitteren Mandeln mit Wasser das Amygdalin in Traubenzucker,

Bittermandelöl und Blausäure spaltet. Da nun etwa 0,8 Prozent

der Verbindung Bittermandelöl-Blausäure in den bitteren Mandeln

enthalten ist, so ist es begreiflich, daß bittere Mandeln eine

giftige Wirkung äußern. Ein Dutzend derselben kann bei Erwachsenen

schon schwere Vergiftungen hervorrufen. Das Bittermandelöl wird in

der Likörfabrikation und Medizin, am häufigsten aber zum Parfümieren

billiger Seifen, z. B. der Kokosnußseifen, verwendet. Allerdings hat

hier der Mensch tätig eingegriffen und es der Natur gleichgetan,

indem er im synthetisch aus Benzol und Salpetersäure hergestellten

Nitrobenzol, auch Mirbanöl genannt, einen vollständigen Ersatz für

das Bittermandelöl als Parfümeriemittel schuf. Deshalb ist letzteres

in der gewerblichen Verwendung fast völlig durch das künstliche

Produkt verdrängt worden. Aus den süßen Mandeln dagegen wird die für

kosmetische Zwecke geschätzte Mandelkleie hergestellt.

Ebenfalls in der Parfümerie, Pharmazie und Seifenfabrikation viel

verwendet wird die aus den Kakaobohnen gewonnene +Kakaobutter+,

die zu 52 Prozent in diesen enthalten ist. Sie wird in der Weise

aus ihnen ausgezogen, daß die gerösteten und geschälten Bohnen auf

etwa 80° C. erwärmt, in Zwilchsäcke gepackt und das Öl dann zwischen

warmen Preßplatten ausgequetscht und hernach filtriert wird. Es

ist weißlich, von mildem, angenehmem Geschmack und Geruch nach

Kakao und wird schwer ranzig. In gleicher Weise wird das Fett der

Muskatnüsse, die +Muskatbutter+, aus den zurückgestellten, kleinen,

schadhaften, feingemahlenen Nüssen durch Auspressen in erwärmtem

Zustande gewonnen. Die talgartige, rötlichbraune Masse wird dann in

Metallgefäßen erstarren gelassen und kommt in kleinen Würfeln in den

Handel. Sie riecht angenehm nach Muskatnuß und dient besonders der

Parfümfabrikation.

Zur Kerzenfabrikation dient der +chinesische Talg+, das weiße bis

grünliche Fett der Samen des chinesischen Talgbaumes (~Sapium

sebiferum~), von welchem diese ganz umhüllt sind. Dieser Baum ist eine

kahle, in China und Japan heimische Euphorbiazee, die in diesen Ländern

seit alter Zeit kultiviert wird. Er wurde aber auch nach Ostindien

und allen wärmeren Ländern beider Erdhälften verpflanzt und gedeiht

meist sehr gut. Die in den Monaten November und Dezember gesammelten

Samen werden in große, mit Löchern versehene Holzzylinder gebracht und

mit heißem Wasserdampf behandelt, wobei der Talg abfließt, um nach

dem Erstarren noch einmal geschmolzen und filtriert zu werden. Er

bildet erstarrt mattweiße, brüchige Stücke, die in mächtigen Platten

von 40-50 kg Gewicht in den Handel gelangen und vornehmlich in der

Kerzenfabrikation Verwendung finden. Die zurückgebliebenen Samen,

deren Nährgewebe sehr ölreich ist, werden in Steinmörsern zerstampft,

mit Wasser erhitzt und gepreßt, wobei ein von den Chinesen ~fing-yu~

genanntes flüssiges Fett erhalten wird, das man zur Firnisfabrikation

und als Brennöl benützt.

Diesem chinesischen Talg ähnlich ist der in Ostindien durch Auskochen

der gerösteten und gemahlenen Samen der ~Vateria indica~ gewonnene

+Vateriatalg+, der zuerst gelblich, später aber farblos ist, ganz

angenehm schmeckt und riecht und in England zur Kerzenfabrikation dient.

Sehr verbreitet ist im Pflanzenreich die Ausscheidung eines Überzuges

von +Wachs+ an Organen, besonders Blättern, bei denen die Verdunstung

herabgesetzt werden soll. Auch an Früchten ist gelegentlich dieser

Wachsüberzug zu finden, man denke nur an den leichten Wachsüberzug

unserer Pflaumen und Zwetschen, der sie wie bereift erscheinen läßt.

Allerdings ist in der Regel die Wachsausscheidung eine viel zu geringe,

als daß sie sich ausbeuten und technisch verwerten ließe. Nur ganz

ausnahmsweise ist dies der Fall, so bei der in Nordamerika heimischen

+Wachsgagel+ (~Myrica cerifera~). Es ist dies eine unserer, auf den

norddeutschen Heiden weit verbreiteten, stark riechenden Gagel (~Myrica

gale~) verwandte Art, deren erbsengroße, braune Früchte von einer

schneeweißen Wachskruste bedeckt sind. Kocht man die Beeren in Wasser,

so sinken sie unter und das Wachs sammelt sich an der Oberfläche der

Flüssigkeit als fettige Masse an, wird abgeschöpft und in flachen

Schüsseln erkalten gelassen. Ein Strauch gibt 10-15 kg Beeren mit etwa

25 Prozent dieses als +~Myrica~+- oder +Myrtenwachs+ bezeichneten

vegetabilischen Wachses. Es ist härter als Bienenwachs, geschmacklos,

von schwachem Balsamgeruch und wurde von den Indianern in Menge

verzehrt. Jetzt dient dieses Myrtlewachs, wie es die Amerikaner nennen,

zur Anfertigung von Kerzen, die nach dem Auslöschen einen angenehmen

Geruch verbreiten. Diesem ähnlich ist das von ~Myrica carolinensis~

in Nordamerika, von ~Myrica carcassana~ in Neugranada und ~Myrica

quercifolia~, ~M. cordifolia~ und ~M. laciniata~ am Kap der Guten

Hoffnung durch ebenfalls Auskochen mit Wasser gewonnene grünliche, sehr

schwach balsamisch riechende vegetabilische Wachs, das wie Bienenwachs

benutzt und mit diesem vermengt verwendet wird.

Auf dieselbe Art wird in China und Japan das sogenannte +Japanwachs+

aus den Beeren des von Japan längs der Ostküste Asiens bis in den

Himalaja verbreiteten +Wachs-Sumachs+ (~Rhus succedanea~) gewonnen

und ebenfalls meist zu Kerzen verarbeitet. Auch die Beeren von ~Rhus

vernicifera~ und ~silvestris~ werden in gleicher Weise durch Auskochen

und Pressen zur Gewinnung von Wachs verarbeitet. Dieses ist blaßgelb,

nach längerem Liegen außen dunkelgelb bis bräunlich mit schneeweißem

Anflug. Es ist das für den Handel weitaus wichtigste Pflanzenwachs,

das seit dem Jahre 1854 in großen Mengen in Form zentnerschwerer

Blöcke oder Scheiben nach Europa und Amerika gelangt. Von ihm werden

in London allein jährlich mehr als 200000 kg umgesetzt. Es hat die

Eigentümlichkeit, beim Einschmelzen bis 30 Prozent Wasser aufzunehmen,

es wird daher auch oft mit Wasser verfälscht. In Japan wird es als

Ersatz für tierischen Talg und Bienenwachs, auch zum Aufpolieren von

gedrechselten Gegenständen aus Holz, bei uns dagegen hauptsächlich

für Wachsstreichhölzchen und Wachskerzen, überhaupt als Zusatz zu

Bienenwachs verwendet; es ist nämlich nur halb so teuer wie dieses.

Ein naher Verwandter des Wachs-Sumachs ist übrigens der giftige

+Firnis-Sumach+ (~Rhus vernicifera~), ein hoher Baum, aus dessen Stamm

durch Einschnitte der Firnis gewonnen wird, mit Hilfe dessen die

Japaner ihren so vortrefflichen, unverwüstlichen Lack herstellen, der

in einem späteren Abschnitte eingehender besprochen werden soll.

Außerordentlich reich an einem wachsartigen Harz sind manche

+Balanophoren+, fleischige Wurzelschmarotzer der Tropen von

staudenartiger Tracht, die, weil sie des Blattgrüns und größerer

Blätter völlig entbehren, eher an Pilze als an hoch organisierte

Gewächse erinnern. Die getrockneten Pflanzen brennen angezündet mit

leuchtender Flamme, deshalb werden sie beispielsweise in Südamerika als

~siejas~ auf den Märkten verkauft und an kirchlichen Feiertagen wie

Kerzen verbrannt. Auf Java zerstößt man solche frische Balanophoren zu

Brei und bestreicht mit dieser Paste dünne Bambusstäbchen, welche als

Taschenkerzchen dienen.

Technisch wichtiger ist das Wachs der +Wachspalme+ (~Ceroxylon

andicola~), die auf den Anden Südamerikas in den Staaten Columbien,

Ekuador und Neugranada in 2000-3000 m Höhe wächst. Sie besitzt einen

bis 75 m hohen, geringelten Stamm von mehr als 30 cm Durchmesser, der

in der halben Höhe anschwillt und von unten bis oben von einer etwa

6 mm starken Schicht blaßgelben, spröden Wachses bedeckt ist, das ihm

ein marmorartiges Aussehen verleiht. Obschon es zu ⅖ mit Harz vermischt

ist, wird es ziemlich wie Bienenwachs benutzt und neuerdings in großer

Menge in die verschiedenen Kulturländer, auch nach Europa, eingeführt.

Die gefiederten Blätter werden 6-7,5 m lang und sind oben dunkelgrün,

unten silberweiß. Das Wachs, das einen namhaften Handelsartikel bildet,

gewinnt man durch Abschaben der gefällten Stämme, von denen jeder

etwa 12 kg liefert. Mit Talg zusammengeschmolzen gibt es eine gute

Kerzenmasse, die aber gelb ist, weil dieses Baumwachs nicht gebleicht

werden kann. Das Holz ist sehr dauerhaft und wird besonders als Bauholz

geschätzt. Mit den Blättern deckt man, wie mit denjenigen der meisten

anderen Palmenarten, Dächer und benutzt sie zu allerlei Flechtwerk.

Ebenfalls in Südamerika, aber im östlichsten Zipfel dieses Kontinents,

nämlich in den brasilischen Provinzen Ceara, Pernambuco und Rio

Grande besonders an Flußufern heimisch, ist die gleichfalls Wachs

liefernde +Karnaubapalme+ (~Copernicia cerifera~). Es ist dies ein

12-15 m hoher Baum, dessen blaugrüne, bereifte, bis 2 m langen Blätter

eine kugelrunde Krone bilden. Auf feuchtgründigem Boden bildet er

oft ansehnliche Bestände. Sein Holz ist sehr dauerhaft und wird als

Nutzholz verwendet, während die Blätter zu Bedachung der Hütten und als

Flechtmaterial dienen, auch einen starken Faserstoff zur Herstellung

der in jedem Hause statt der Betten gebräuchlichen Hängematten, von

Stricken usw. liefern. Die jüngeren derselben, die als Viehfutter

verwendet werden können, liefern ein strohgelbes Wachs, das beide

Blattflächen bedeckt. An der Oberseite der Blätter ist die Wachsschicht

dicker und sitzt loser, so daß sie sich beim Schütteln der Blätter in

Form kleiner Schuppen ablöst, an der Unterseite jedoch ist sie dünner

und sitzt fester, so daß man das betreffende Wachs nur durch Abschaben

gewinnen kann. Wenn die jungen Fächerblätter sich eben auszubreiten

beginnen, schneidet man sie vorsichtig ab, trocknet sie und klopft

sie so lange mit einem Stock, bis die Wachsschichten vollständig

abgefallen sind. Das so erhaltene grauweiße Pulver wird dann über einem

freien Feuer zusammengeschmolzen oder mit wenig Wasser in einem Topfe

gekocht. Nach einer anderen Methode taucht man die Blätter in heißes

Wasser und sammelt das auf der Oberfläche sich abscheidende flüssige

Wachs, um es in tönerne Formen zu gießen, in denen es zu etwa 2 kg

schweren Kuchen erstarrt. Dieses rohe Karnauba-Wachs ist schmutzig

gelblichgrün, stellenweise bräunlich, hart, spröde, geschmacklos und

wird -- früher ausschließlich in Europa, jetzt meist schon in Brasilien

-- gereinigt und ist dann von blaßgrünlich-gelber Farbe, dichtem Gefüge

und sehr schwach aromatischem Geruch. Es wird seit dem Jahre 1852 in

zunehmendem Maße auch nach Europa ausgeführt, um hier zur Herstellung

von Siegellack, Kerzen, weichen Firnissen, als Schuhmacherwachs und

zum Glänzendmachen des Sohlleders verwendet zu werden. Es läßt sich so

wenig als das Wachs der Wachspalme künstlich bleichen, doch wird ihm

seine Sprödigkeit durch Beimengung von Talg oder Bienenwachs genommen.

Viele Menschen beschäftigen sich ausschließlich mit der Gewinnung

desselben. Jährlich werden etwa 2 Millionen kg exportiert und fast

ebensoviel im Lande selbst verbraucht. Aus den trockenen Blättern

flicht man Matten, die violetten, haselnußgroßen, bitteren Früchte

werden roh oder gekocht von den Indianern gegessen und deren geröstete

und gemahlene Kerne geben ein nahrhaftes Getränk als Ersatz des

Kaffees. Aus dem Marke des Stammes gewinnt man ein schmackhaftes Mehl

und die Blattknospen geben einen trefflichen Palmkohl.

Außer als Nahrung haben die verschiedenen Fettkörper im Laufe der

Kulturentwicklung der Menschheit besonders zur Gewinnung von Seife

und Beleuchtungsmaterial eine große Bedeutung gewonnen. Die Seife ist

eine keltische Erfindung, bestehend aus einer Mischung von Fett mit

Asche, später mit Aschenlauge, und stellt chemisch betrachtet ein

Salz dar, in welchem alkalische Basen mit Fettsäuren verbunden sind.

Von den Alkalien werden sowohl Kali als Natron verwendet; zuerst

benutzte man sie zusammen, später aber, als man beide voneinander zu

scheiden vermochte, getrennt, wobei die Kaliseifen als eine weiche,

schmierige Masse, die Natronseifen jedoch in harter Form gewonnen

wurden. Die keltische Bezeichnung für die Seife ist ~saipo~, ein Wort,

das im Deutschen sich als Seife erhielt. Unter der Bezeichnung ~sapo~

gelangte sie zu den Römern, die vorher, wie alle antiken Völker, außer

gefaultem Urin oder gewissen, Saponine oder Seifenstoff enthaltenden

Pflanzenabkochungen vor allem die Holzasche als natürliche Soda zum

Waschen benutzt hatten. Nach Plinius bereiteten die Gallier feste und

flüssige Seife aus Ziegentalg und Buchenasche und benutzten sie als

äußerliche Arznei und Haarverschönerungsmittel. Erst Galenos (131-200

n. Chr.) spricht von der deutschen Seife, die als Reinigungsmittel

benutzt werde. Durch die Verwendung von gebranntem Kalk bei der

Herstellung der Aschenlauge wurden dann später bessere Seifen erzielt.

Nachdem die Seifensiederei aus einem in jedem Haushalt für sich

hergestellten Geschäft in den gewerblichen Betrieb übergegangen war,

scheint sie sich jahrhundertelang durch das ganze Mittelalter hindurch

ohne besondere Fortschritte erhalten zu haben. Schon im 9. Jahrhundert

hatte Massalia, das heutige Marseille, einen bedeutenden Seifenhandel,

und zwar diente dort vorzugsweise das Olivenöl als Fett bei der

Seifenbereitung. Ihm verdankt die Marseillerseife bis auf den heutigen

Tag ihren guten Ruf. Im 15. Jahrhundert lag der Seifenhandel besonders

in den Händen Venedigs, und im 17. Jahrhundert hatten Savona, Genua

neben Marseille die Führung darin. Eine mächtige Förderung erhielt die

Seifenindustrie seitdem der französische Chemiker Chevreul die Natur

der Fette und mithin das Wesen des Verseifungsprozesses kennen gelehrt,

andererseits die Entwicklung der Sodaindustrie einen mächtigen Anstoß

zur Verbesserung des Verfahrens der Seifengewinnung gegeben hatte.

Gegenwärtig wird aus Liverpool allein mehr Seife jährlich ausgeführt

als vor der Begründung der Sodaindustrie aus sämtlichen Häfen

Großbritanniens zusammengenommen. Weiterhin wurde die Seifenindustrie

durch die Einführung von Palmöl, Kokosöl, südamerikanischem und

australischem Tiertalg und nordamerikanischem Fichtenharz begünstigt.

Das Kokosöl gestattete die Herstellung der Leimseifen; es kam um 1830

zuerst nach Deutschland und Douglas bereitete aus ihm auf kaltem

Wege die erste Kokosnußöl-Sodaseife für medizinische Zwecke. Heute

führt Deutschland rund 1,8 Millionen kg Seife ein und 10 Millionen

kg Seife aus. Was es selbst verbraucht, ist nicht anzugeben, doch

stellt dies eine sehr große Menge dieses heute völlig unentbehrlichen

Reinigungsmittels dar.

Wie die Seifenbestandteile, das Öl und die Holzaschenlauge, so

entstammt auch alles Beleuchtungsmaterial direkt oder indirekt dem

Pflanzenreiche. Der älteste Lichtspender ist das flackernde Holz des

Herdfeuers, das seinen warmen Schein schon dem unstet nach tierischer

Beute umherschweifenden Höhlenbewohner der Urzeit, wie dem durch

Feldbau und Viehzucht ansässig gewordenen Neolithiker in seiner

bescheidenen Behausung erstrahlen ließ. Ihm folgte auf einer späteren

Stufe als spezifiziertes Beleuchtungsmittel der schräg in einen Ständer

aus unverbrennlichem Material, am besten aus Metall, sobald solches

bekannt und zu haben war, gesteckte Kienspan; denn schon sehr früh

wird der Mensch die Beobachtung gemacht haben, daß Holz um so leichter

und mit um so größerer Flamme brennt, je harzreicher es ist. Deshalb

suchte er bei den Nadelhölzern die harzreichsten Teile, das Wurzelwerk,

zur Beleuchtung zu erlangen. Die Kulturvölker des Altertums benutzten

daneben auch mit Pech und Wachs getränkte Flachsschnüre, und in

späterer Zeit in Pech getauchte oder mit Wachs überzogene getrocknete

Binsen oder Streifen von dürrem Papyrusmark. Auch Schilfrohr, dessen

Höhlung mit Fett ausgegossen war, diente als Vorläufer der Kerze.

Diese selbst scheint erst in der römischen Kaiserzeit als ~candela~ --

das sich im französischen ~chandelle~ erhielt -- aufgekommen zu sein

und wurde schon damals sowohl aus Wachs, als aus Talg hergestellt und

demnach als ~cerea~ (von ~cera~ = Wachs) oder ~sebacea~ (aus ~sebum~ =

Talg) unterschieden. Man stellte sie in der Weise her, daß man dürre

Binsenstengel oder Streifen von Papyrusmark, später auch Flachsfäden

als Docht so oft in geschmolzenes Fett oder Wachs tauchte, bis die

Fetthülle im Verhältnis zum Kern eine ansehnliche Dicke erreicht

hatte. Besonders bei Leichenbegängnissen wurden bei den vornehmen

Griechen und Römern der späteren Zeit große Kerzen in den Dimensionen

unserer Kirchenlichter getragen, während im Haushalte besonders bei

festlichen Anlässen kleinere gebraucht wurden, die man in Leuchter der

verschiedensten Konstruktionen steckte. War der Lichtträger sehr hoch,

damit die dareingesteckten Kerzen weithin leuchteten, so hieß er (nach

~candela~ = Kerze) ~candelabrum~.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte · 第 45 / 77 段