Nutzpflanze gedeiht als echte Tropenpflanze innerhalb des Tropengürtels
weitaus am ergiebigsten, kann aber auch noch in den Subtropen gebaut
werden. Sie gedeiht auch ohne große Feuchtigkeit auf sandigem Boden.
Das Pflanzen findet kurz vor oder bei Beginn der Regenzeit statt und
ist sehr einfach. Man macht nämlich in bestimmten Abständen kleine
Löcher in den Boden und legt in jedes zwei Samen. Nach 10-12 Tagen
erscheinen dann die jungen Keimlinge, die bald zu buschigen Pflanzen
aufwachsen. Der Raum zwischen den jungen Erdnußpflänzchen muß in der
Folge durch Jäten von Unkraut freigehalten werden. Bei der Ernte, die
in der Regel am Ende der auf die Regenzeit folgenden Trockenperiode
stattfindet, wenn sämtliche Blätter abgestorben sind, wird der Boden
leicht mit der Hacke oder einem anderen Gerät gelockert und die
mehr oder weniger vertrockneten Reste mit den anhängenden Früchten
vorsichtig ausgehoben. Diese bleiben nun zum Trocknen 14 Tage am
Boden liegen; dann erst werden sie abgepflückt und verwendet oder in
entsprechender Verpackung nach Europa gesendet.
In neuerer Zeit werden die Erdnüsse, welche 38-55 Prozent eines dem
Olivenöl ähnlichen und demselben fast gleichwertigen fetten Öles
enthalten, zur Darstellung des Erdnußöles in großen Mengen auch nach
Europa gebracht, und zwar meist nach Marseille, wenig nach Deutschland.
Dort wird das Öl fabrikmäßig aus ihnen gewonnen. In erster Linie dient
es zur Seifebereitung; daneben findet ein großer Teil als Speiseöl
und bei der Schokoladefabrikation Verwendung, meist mit Olivenöl
vermischt, dessen etwas herber Geschmack durch das milde Erdnußöl
gemildert wird. Dieses gemischte Speiseöl kommt unter dem Namen
Oliven- oder +Tafelöl+ in den Handel. In der Regel werden die Erdnüsse
dreimal ausgepreßt. Die erste Pressung liefert das feinste Tafelöl,
die zweite Öl zur Seifenbereitung, die dritte Schmieröl. Die eiweiß-
und stärkemehlreichen Rückstände werden zu sogenannten Erdnußkuchen
geformt und in gleicher Weise wie die Kokosnuß-, Sesamkuchen usw. als
außerordentlich nahrhaftes Viehfutter in der Landwirtschaft verwendet.
Auch das Erdnußstroh wird vom Vieh sehr gern gefressen. Für die
Menschen aber sind in den Hülsen geröstete Erdnüsse ein beliebter
Leckerbissen, nach welchem besonders die Kinder sehr lüstern sind. Wie
in Nordamerika, wo sie ~peanuts~ heißen, werden sie auch bei uns in
zunehmendem Maße verzehrt. Außerdem finden sie, gemahlen und mit Zucker
und Gewürzen versetzt, zur Herstellung von Biskuits und Suppen von sehr
hohem Nährwert, die in ihrem Geschmack lebhaft an Bohnensuppe erinnern,
vielfache Verwendung. Auch würden sie sich sehr zur Vermischung mit
Schokolade eignen.
Seinen Bedarf an Erdnüssen deckt der europäische Großhandel zum weitaus
größten Teil aus Westafrika, wo sie an der Küste vom Senegal bis
zum Kunene überall in ziemlicher Menge angepflanzt werden. Und zwar
liegt die gesamte Erdnußkultur bemerkenswerterweise in den Händen der
Eingeborenen, ist also ein Erzeugnis freiwilliger und selbständiger
Negerarbeit. Diese Leute sind also doch nicht ganz so faul, wie sie
in der Regel von den Europäern gescholten werden. Schon im Jahre
1902 betrug die westafrikanische Ausfuhr an Erdnüssen 160 Millionen
kg im Werte von 21,5 Millionen Mark. Daran beteiligt sich in erster
Linie Senegambien, wo die französische Kolonialregierung diesem
Erzeugnisse verstärkte Aufmerksamkeit zuwendet. In diesem Lande,
das nach Dr. Westermann schon im Jahre 1837 670000 kg ausführte,
betrug die Erdnußausfuhr im Jahre 1897 76 Millionen kg im Werte von
etwa 15 Millionen Mark. Sierra Leone verschifft jährlich 30000 kg,
Oberguinea etwa 10 Millionen kg (1840: 1200 kg). In Togo, Kamerun und
Deutsch-Ostafrika, wo der Anbau der Erdnuß seit langem bekannt ist und
ebenfalls ausschließlich von den Eingeborenen geübt wird, beträgt die
Ausfuhr zusammen jetzt schon etwa 3 Millionen kg im Werte von etwa
400000 Mark. Sie wird aber mit den Jahren bedeutend steigen, da die
Kultur dieser Nutzpflanze wegen der geringen Anbauschwierigkeiten und
der großen Ergiebigkeit auch hier einen gewaltigen Aufschwung zu nehmen
beginnt.
Eine weitere ölreiche Hülsenfrucht, die ihre Samen ebenfalls erst in
der Erde reifen läßt, ist die +Erderbse+ (~Voandzia subterranea~). Es
ist dies ein im tropischen Afrika in umfangreichem Maße angebautes
einjähriges Kraut, das außer einer Pfahlwurzel weithin auf dem Boden
kriechende Verzweigungen des Stengels entwickelt. Es trägt kleeartige
dreiteilige Blätter und kurzgestielte einzelne Blüten, die nach der
Befruchtung sich dem Boden zuwenden und sich durch eine drehende
Bewegung der Blütenachse, unterstützt von rückwärts gerichteten
steifen Borsten, in denselben hineinbohren. Die in der Erde reifenden
Früchte sind kurze Hülsen mit in der Regel nur +einem+ Samen, der
länglich-kugelig, dunkelbraun oder gelblich, größer als eine Erbse ist
und reichlich Öl enthält. Besonders in Ostafrika, wo die Heimat der
Pflanze zu suchen ist, werden die Früchte gerne gegessen, kommen aber
nicht in nennenswerten Mengen zum Export.
[Illustration: Bild 31. Die Erderbse (~Voandzia subterranea~). ~a~
ganze Pflanze, ~b~ einzelne Frucht.]
Afrika ist auch das Ursprungsland der +Rizinusstaude+ (~Ricinus
communis~), die an mehreren Orten, wie im Ambolande, am Kilimandjaro,
in Abessinien und Kordofan wildwachsend angetroffen wird und
stellenweise größere Bestände bildet. Diese wegen ihrer schönen
Erscheinung bei uns öfter in Gärten als Zierpflanze gezogene große,
einjährige Staude wird in Europa nur 2-2,5 m hoch, während sie in
ihrer Heimat bis 12 m Höhe erreicht. Ihre großen, handförmig gelappten
Blätter dienen in Bengalen als Futter des großen Eria-Seidenspinners
(~Saturnia cynthia~), der dort zur Gewinnung einer allerdings gelben
Seide gezogen wird. Die 16 Varietäten, die es von ihr gibt, weisen auf
eine uralte Kultur im Schwarzen Erdteil hin; und tatsächlich haben
schon die ältesten Ägypter sie angepflanzt. Sie hieß bei ihnen ~dekam~
und der Same ~kiki~. Die alten Griechen nannten aber die Pflanze selbst
~kiki~ und sagten, daß die Ägypter daraus ein Brennöl herstellen. Schon
Herodot im 5. vorchristlichen Jahrhundert schreibt, daß die Ägypter
den Wunderbaum (~sillikýprion~), den sie ~kiki~ nennen, anpflanzen.
„Dieser trägt seine übelriechenden Früchte sehr reichlich. Sie werden
gesammelt, zerstampft, gepreßt, oder geröstet und dann gekocht. So
fließt das Öl aus, das ebenso gut wie Olivenöl in der Lampe brennt,
aber stark rußt.“ Der 400 Jahre später lebende griechische Geograph
Strabon sagt: „In Ägypten wird der ~kiki~ auf Feldern angebaut. Er
liefert Öl, das fast überall den Bauern zum Brennen und ärmeren Leuten,
sowohl Männern als Weibern, zum Salben dient.“ Und der griechische Arzt
Dioskurides im 1. Jahrhundert n. Chr. meint, das Kikiöl tauge nicht als
Speise, wohl aber als Brennöl und zum Herstellen von Pflastern.
Zur Gewinnung von Brennöl hat sich die Pflanze vom Niltal über
Westasien nach Indien verbreitet. Bei den alten Juden hieß sie
~kikajon~, wie wir aus der Stelle beim Propheten Jonas lesen, der unter
Jerobeam II. von Israel, dem Sohn und Nachfolger des Joas (regierte von
790-749 v. Chr.), von Jahve den Auftrag erhielt, dem gottlosen Ninive
den Untergang anzudrohen, wenn es sich nicht bessere. Und als sich
die Bewohner tatsächlich zu Gott wandten und verschont blieben, ging
Jonas verdrossen aus der Stadt hinaus, „setzte sich gegen Morgen der
Stadt und machte sich daselbst eine Hütte; in deren Schatten setzte
er sich, bis er sähe, was der Stadt widerfahren würde. Gott der Herr
aber verschaffte ihm einen ~kikajon~ (von Luther fälschlich mit Kürbis
übersetzt) -- also eine Rizinusstaude --, der wuchs über Jonas, daß
er Schatten gab über sein Haupt. Und Jonas freute sich sehr über den
~kikajon~; aber der Herr sandte des Morgens, da die Morgenröte anbrach,
einen Wurm, der stach den ~kikajon~, daß er verdorrete.“
Heute wird die Rizinusstaude außer in Westafrika besonders in Süd-
und Ostasien, wie auch in Amerika in großer Menge zur Ölgewinnung
angebaut. Man sät sie meist als Zwischenfrucht zu Beginn der Regenzeit
und schneidet am Ende der Trockenzeit die Rispen, kurz bevor sich
die Fruchtkapseln öffnen, ab, um sie an der Sonne zu trocknen.
Dabei öffnen sie sich von selbst und lassen die ziemlich großen,
meist glänzendgrauen, mitunter auch schwarzen oder rotbraunen Samen
herausfallen. Diese sind innen weiß, öligfleischig, talgweich,
enthalten 52-55 Prozent des durch Pressung gewonnenen gelblichen,
dickflüssigen +Rizinus-+ oder +Kastoröls+, das bekanntlich ein mildes
Abführmittel ist, aber gleichwohl von den Chinesen vielfach als
Speiseöl benutzt wird. In Südasien wird es meist als Brennöl gebraucht,
da es ein helles, weißes Licht gibt. Sonst wird es vielfach zur
Herstellung von Kerzen und Seifen verwendet. Leider wird es an der Luft
leicht ranzig, so daß in Europa die Samen eingeführt werden, aus denen
hier erst das Öl gepreßt wird. Da aber die Rückstände das Ricin, ein
äußerst heftiges, das Blut zur Gerinnung bringendes Gift enthalten,
sind sie trotz ihres hohen Nährwertes als Viehfutter ungeeignet.
Noch viel schärfer reizend wirkt auf die Darmschleimhaut das
+Krotonöl+, das aus den Früchten von ~Croton tiglium~, einem nur
4 bis 6 m hohen, in Indien heimischen Baum aus der Familie der
Wolfsmilchgewächse gewonnen wird. In seiner Heimat wird er als
Schattenspender für Kaffee-, Kakao-, Vanille- und Kardamompflanzen
oder zur Bildung von Hecken, die von allen Tieren streng gemieden
werden, angebaut. Von dem zähflüssigen gelben Öl genügt ein Tropfen
zur ausgiebigen Darmentleerung und, ebensoviel auf die Haut
gebracht, bewirkt Blasen. Ebenfalls, wenn auch schwächer abführend,
ist das tiefgelbe, zähflüssige +Purgiernußöl+, das von den Samen
der im nördlichen Südamerika heimischen ~Jatropha curcas~ stammt.
Als Heckenpflanze oder Stützpflanze für Vanille und Pfeffer wird
der Strauch jetzt in fast allen, tropischen Ländern gezüchtet, am
ausgedehntesten wohl auf den Kapverdischen Inseln, die jährlich bis 5
Millionen kg Samen nach Europa ausführen, um hier das Öl zu pressen,
das ein vorzügliches Brennöl ist und auch als Schmieröl und in der
Seifenfabrikation befriedigt.
Tafel 55.
[Illustration: Schibutterbäume in der Steppe von Togo (nach
Photographie von W. Busse in „Karsten und Schenck, Vegetationsbilder“).
(Phot. von Missionar Schkölziger.)
Szenerie aus dem Urwald am Mongofluß bei Bombe in Kamerun.
Im Vordergrund ist ein zur Gewinnung von Bauholz gefällter Naybibaum,
dessen Früchte zur Bereitung einer weißen Pflanzenbutter verwendet
werden. Dahinter befindet sich eine junge Ölpalme.]
Tafel 56.
(~Copyright by F. O. Koch.~)
[Illustration: Rizinusplantage in Ostafrika.
Karnaubapalme (~Copernicia cerifera~) in Brasilien (nach Photographie
von Ule in „Karsten und Schenck, Vegetationsbilder“).]
Ein Öl, das zunehmende Bedeutung in der Industrie erlangt hat und
von dem Deutschland jährlich, zumeist aus Amerika, für 25 bis 30
Millionen Mark einführt, ist das +Baumwollsamenöl+, das in China und
in Mittelasien schon seit Jahrhunderten in sehr primitiven Mühlen
gewonnen wird. Aus ägyptischem Baumwollsamen gepreßtes Öl wurde zuerst
1852 versuchsweise auf den europäischen Markt gebracht. Bis man auf
diese neue Verwendungsmöglichkeit aufmerksam wurde, bildeten die Samen
der Baumwollarten bei der Gewinnung des Spinnstoffes ein Nebenprodukt,
das lange Zeit als lästiger, wertloser Abfall angesehen und als
solcher verbrannt oder in den nächsten Fluß geschüttet wurde. So hat
der Mississippi Millionen Zentner davon in den Atlantischen Ozean
getragen. Heute ist dieses lästige Abfallsprodukt ein so wertvoller
Rohstoff geworden, daß die Samenernte und das daraus gewonnene Öl noch
lukrativer sind als die Baumwollernte selbst. Von einem 1 Hektar großen
Baumwollfeld kann man etwa 1000 kg Samen ernten, und da diese 20-25
Prozent fettes Öl enthalten, so ist deren Ausbeute sehr beträchtlich.
Die Baumwollsamen werden in Ölmühlen gemahlen und das daraus gewonnene
Öl dient hauptsächlich zur Herstellung von Kunstbutter und Seife. Es
ist dickflüssig, trübe, von brauner bis schwarzbrauner Farbe, gereinigt
dagegen hellgelb und von angenehmem nußartigem Geschmack. Es findet
namentlich in Nordamerika als Speiseöl, aber auch zur Verfälschung
anderer wertvoller Speiseöle Verwendung. Das in den Vereinigten Staaten
unter dem Namen Olivenöl verkaufte Tafelöl besteht zu 90 Prozent
aus Baumwollsamenöl. Die Preßrückstände, die man heute schalen- und
haarefrei herzustellen vermag, bilden ein sehr wertvolles Kraftfutter
für das Vieh.
Im Gegensatz zu den anfänglich besprochenen Fettstoffen, die nicht
trocknende Öle darstellen, sind die beiden letztgenannten, das Rizinus-
und Baumwollsamenöl, trocknende Öle, welche infolge des Besitzes von
Olëinsäure an der Luft zu einem durchsichtigen, harzartigen Körper
eintrocknen. Zu solchen gehören ferner das Lein-, Leindotter-, Mohn-,
Hanf-, Raps-, Rübsen-, Sonnenblumensamen-, Haselnuß-, Walnuß-,
Kürbissamenöl u. a. m.
Die älteste in Europa nachweisbare, Fett liefernde Kulturpflanze ist
der +Lein+ oder +Flachs+, den schon die neolithischen Pfahlbauern
nicht bloß zur Gewinnung eines Faserstoffes, sondern vor allem
auch zum Verspeisen der ölreichen Samen anpflanzten, wie sie dies
gleicherweise mit dem Mohn taten, dessen Samen sich ebenfalls
in ihrer Hinterlassenschaft im moorigen Schlamm der seither
größtenteils verlandeten Seen an den Stellen vorfand, die einst
Pfahlbauansiedelungen trugen. Er wurde teils allein, teils mit anderen
Körnerfrüchten zusammen in Form von Brei oder Fladen verspeist. So
fand man in der Hinterlassenschaft des neolithischen Pfahlbaues von
Robenhausen im Kanton Zürich eine Art Flachskuchen in Form einer aus
Flachssamen zusammengesetzten dünnen Scheibe, außerdem Reste eines
Hirsebrotes, dem einzelne Weizenkörner und Flachssamen beigemengt
sind. Heute noch wird in Indien der Lein nur seiner ölreichen Samen
wegen angebaut, während seine Fasern keine Verwendung finden; auch in
Abessinien dient der Lein ausschließlich als Speisepflanze. Noch im
Altertum aßen die Mittelmeervölker seine Samen regelmäßig; deshalb
finden wir sie unter den Totenspeisen der Ägypter aus dem alten und
mittleren Reiche, also bis zur Mitte des vorletzten christlichen
Jahrtausends. Ebenso finden wir sie bei den alten Griechen zeitig als
beliebte Speise neben den Mohn- und Sesamkörnern; und zwar wurden
sie mit Vorliebe als Beimischung zu Hirsebrot verwandt oder für sich
als Brei, oftmals mit Honig vermengt, genossen. Urkundlich erwähnt
sie zuerst in solcher Zubereitung im 7. vorchristlichen Jahrhundert
der Dichter Alkman aus der Stadt Sardes in Kleinasien, der von süßen
Kuchen, aus Mohn-, Lein- und Sesamsamen spricht. Der griechische
Geschichtschreiber Thukydides berichtet, daß in dem 431-404 v. Chr.
zwischen der dorisch-spartanischen und der ionisch-attischen
Bundesgenossenschaft geführten sogenannten peloponnesischen Kriege, der
die Macht Athens brach, gleichzeitig aber ganz Griechenland schwächte,
Taucher der von den Athenern belagerten Inselstadt Sphakteria unter
dem Wasser in Schläuchen Mohnsaat in Honig und zerstoßene Leinsaat als
willkommene Speise zuführten. Auch in dem nördlich vom Po gelegenen
Oberitalien gab es nach Plinius um die Mitte des 1. Jahrhunderts
n. Chr. bei den dort wohnenden keltischen Stämmen eine sehr süße
ländliche Speise aus Leinsaat, die aber damals nur noch bei Opfern
Verwendung fand, von den Lebenden aber nicht mehr gegessen wurde.
Während heute die meisten Länder den Lein als Gespinstpflanze bauen,
wird er außer in Indien und Abessinien nur noch in Ägypten und Rußland
vornehmlich der ölhaltigen Samen wegen kultiviert. Nur die guten,
ausgereiften Samen dienen in diesen Ländern zur Aussaat; die minder
guten oder unreifen dagegen werden zur Gewinnung eines als pflanzliches
Speisefett sehr geschätzten Öles benutzt, mit dem man in jenen Gegenden
wie auch manchenorts in Europa, z. B. in Böhmen, Schlesien, Thüringen
und wohl auch Brandenburg, das landesübliche Gebäck schmälzt. Die
Fruchtkapseln der Leinpflanzen enthalten je zehn eiförmige, glatte,
bräunliche Samen, die 31-35 Prozent eines aus indischen Produkten
hellgelben, aus nördlicheren dagegen bräunlichgelben Öles bergen, das
durch kaltes Pressen in feinerer Qualität als Speiseöl, durch warmes
Pressen dagegen in geringerer Qualität als Industrieöl gewonnen wird.
Doch müssen die Samen vorher 2 bis 6 Monate lagern, da das Öl sonst
trübe und schleimig wird. Das meist goldgelbe, dickflüssige, etwas
scharf, aber sonst angenehm schmeckende und riechende Öl wird an der
Luft durch Sauerstoffaufnahme leicht ranzig, heller und trocknet ein.
Bis auf 290° C. erhitzt, wird es zäher, trocknet leichter ein und
liefert den Firnis, der als schützender Überzug auf Holz und Eisen
gebraucht wird. Ganz besonders wird er mit Mennige verrieben zum
konservierenden Anstrich aller Eisenkonstruktionen an Brücken, Häusern,
Einhegungen usw. verwendet, da er mit jener eine äußerst fest haftende,
lange vor Rost schützende Vereinigung eingeht. Auf diesen ersten
Überzug wird dann in der Regel graue Ölfarbe aufgetragen. Auf höhere
Temperatur gebracht wird es noch konsistenter und als Buchdruckerfirnis
brauchbar. Auch zu wasserdichten Stoffen, besonders zu Linoleum,
wird es verwendet. Mit Schwefel zusammengeschmolzen, liefert es eine
plastische, erhärtende, aber brüchige Masse, die zur Verfälschung und
als sehr schlechter Ersatz für Kautschuk auf den Markt gelangt. Die
frischen Leinsamen werden bekanntlich in der Apotheke geführt, weil
sie in Wasser gekocht, wie die Quittensamen und andere, große Mengen
Schleim aus der obersten Samenschale abgeben, welcher zu Umschlägen und
als Breikissen gebraucht wird. Die nach dem Pressen zurückbleibenden
Reste endlich bilden als Lein- oder Ölkuchen ein vorzügliches
Viehfutter.
Bis zum Mittelalter hat man die Samen dieser Ölpflanze zerquetscht
und gegessen. Erst nach der Zeit der Kreuzzüge begann man das Öl als
solches zu gewinnen und zu verwenden. Vorher hatte man in Deutschland
alles zu ritualen und Speisezwecken verwendete Öl für Kirchen und
Klöster in Form von Olivenöl aus dem Süden, aus den romanischen Ländern
als vielbegehrten Handelsartikel eingeführt. Dieser Import hörte dann
auf, und da das einheimische Öl billig zu stehen kam, fand es bald
ausgedehnte Verwendung. Dabei wurde seit dem 13. Jahrhundert neben
dem Leinsamen auch der 51-55 Prozent Öl enthaltende +Mohnsamen+ als
Fettspender gezogen, um aus letzterem das ~mâgöl~ zu gewinnen. Denn
~mâgo~ oder ~mâg~ hieß althochdeutsch der Gartenmohn, den schon Karl
der Große in den Verordnungen für seine Landgüter anzupflanzen befahl.
Auch der fränkische Mönch Walahfried Strabo empfahl um die Mitte des 9.
Jahrhunderts dessen Anbau in einem uns erhaltenen lateinischen Gedicht,
weil den Körnern schlafbringende Kraft innewohne. Zur Gewinnung der
ölreichen Samen haben schon die neolithischen Pfahlbauern eine der
Stammpflanze des Gartenmohns sehr nahe stehende Mohnart in ziemlicher
Menge angebaut. Dies beweist uns die große Menge von Mohnkörnern, die
sich in manchen ihrer einstigen Niederlassungen vorfanden. So kam in
Robenhausen, wo wir selbst schon vor 20 Jahren Ausgrabungen beiwohnten,
außer zahlreichen vereinzelten Sämchen ein Mohnkopf und ein ganzer
Kuchen aus verkohlten Mohnsamen zum Vorschein, der aus Tausenden
kleiner, zu einer Masse zusammengebackener Sämchen besteht. Es scheinen
also schon damals die Samen in Form von Mohnkuchen gegessen worden zu
sein. Aber ein Öl daraus zu pressen, verstand man damals wie noch lange
später nicht. Erst nach den Kreuzzügen kam solches in Mitteleuropa
auf, und im späteren Mittelalter trat dann die Erzeugung von Öl aus
Mohnsamen so sehr in den Vordergrund, daß man die Pflanze selbst
~mâgöl~ nannte.
Heute ist in den weiten Gebieten, in denen Opium gewonnen wird,
der Mohnsamen ein wichtiges Nebenprodukt, und zwar gibt der weiße
Mohnsamen feineres Öl, während der blauschwarze einen reicheren
Ertrag daran liefert. Man gewinnt aus ihnen 60-80 Prozent eines
dünnflüssigen, klaren Öles. Und zwar finden auch hier zwei Pressungen
statt. Das erstemal wird der Samen kalt gepreßt. Dadurch gewinnt man
ein blaßgelbes Öl von angenehmem Geschmack und Geruch, das den großen
Vorteil hat, schwer ranzig zu werden; deshalb findet es vorzugsweise
als Speiseöl Verwendung. Bei der zweiten warmen Pressung erhält man das
dunkelgefärbte sogenannte rote Mohnöl, das unangenehm nach Leim riecht
und einen kratzenden Geschmack besitzt, weshalb man es nur industriell
verwendet. Besonders dient es zur Seifenfabrikation, aber auch zur
Herstellung von Firnis und Malerfarben, da es ebenfalls an der Luft
mit der Zeit eintrocknet. Zur Bereitung feiner Ölfarben benutzt man
lieber das Öl der 40 bis 70 Prozent davon enthaltenden +Walnußkerne+,
das ohne rissig zu werden trocknet. Auch als Speiseöl ist letzteres
vortrefflich und fand früher auch als Brennöl Verwendung, da es ein
schönes, helles Licht liefert. In derselben Weise werden bisweilen auch
die 60 Prozent Fett enthaltenden +Haselnüsse+ zur Ölgewinnung gepreßt.
Soweit der Haschisch im Orient als betäubendes Genußmittel Verwendung
fand, verzehrte man auch die 31-33 Prozent Öl enthaltenden Samen des
ihn liefernden +Hanfes+ als willkommene pflanzliche Fettspeise. Erst
sehr viel später fanden die zähen Fasern der Stengel dieser Pflanze
zu allerlei Gespinsten Verwendung, zu welchem Zwecke ausschließlich
der mittelasiatische Hanf aus dem Morgenlande in Europa eingeführt
wurde. Zuerst bauten ihn hier nach dem Berichte des griechischen
Geschichtschreibers Herodot die Skythen, aber noch nicht zur Verwendung
des Faserstoffs, wie ausdrücklich bemerkt wird, sondern als Genußmittel
an, um sich durch Verbrennen der Hanfsamen auf im Feuer heiß gemachten
Steinen in niederen, allseitig geschlossenen Zelten aus Wollfilzdecken
mit einem tragenden Gerüst aus Holzstangen zu betäuben. Die ölreichen
Samen jedoch werden sie kaum gegessen haben, da sie wohl aus der
Milch ihrer Herdentiere Butter gewannen, die sie zur Schmälzung ihrer
Mehlgerichte verwendeten.
Viel wichtigere Ölpflanzen sind bei uns +Raps+ und +Rübsen+, die heute
fast in ganz Europa, besonders aber in Frankreich und Belgien viel
angepflanzt werden. Sie treten uns geschichtlich erst spät, und zwar
zuerst um Erfurt herum angebaut, entgegen, breiteten sich dann aber
auch am weitesten aus, da sie sich vorzüglich zum Brennen am Docht
eigneten. Aus diesem Grunde hielt man sie in der Vorzeit, bevor das
Petroleum als Beleuchtungsmittel aufkam, in hohen Ehren. Das Rapsöl
ist dickflüssiger als das olivenbraune Rüböl. Heute dienen sie weniger
als Brenn-, denn als Schmieröle, werden aber auch der Kunstbutter
zugesetzt, um sie salbenförmig, streichfähig zu machen. Bei dem
ungeheuren Bedarf der Seifen- und Schmierölindustrie genügen aber
die europäischen Kulturen nicht, vielmehr werden aus Ostindien große
Mengen davon importiert. Der Raps ist eine gelbe Kohlrübe, auch Erdrübe
genannt, die, weil man sie in Blüten schießen läßt, nur eine dünne und
holzige Pfahlwurzel hat; der Rübsen ist die dem Raps entsprechende Form
der weißen Rübe. Beide werden in zwei Formen gezogen, als im Herbste
gesäte und im folgenden Sommer zur Reife gelangende Winterform und
eine andere, im Frühjahr gesäte, die noch in demselben Jahre ihren
Vegetationszyklus vollendet. Dabei ist die Winterform ölreicher als die
Sommerform. So enthält der Sommerraps 35 Prozent, der Sommerrübsen 34
Prozent Öl, während der Winterraps 37-39 Prozent und der Winterrübsen
35-38 Prozent desselben aufweist. Die Kultur dieser Fettspender ist in
vorgeschichtlicher Zeit von um die Nord- und Ostsee wohnenden Völkern
vorgenommen worden und hat sich im vorletzten vorgeschichtlichen
Jahrtausend nach Westasien und im letzten vorgeschichtlichen nach
Ostasien verbreitet.