67 Prozent Fett enthaltenden +Kokosnüsse+ als beliebtes Speisefett
im Gebrauch. Das ölreiche, weiße Nährgewebe derselben ist für die
Eingeborenen ein wichtiges Nahrungsmittel, das feingerieben den
verschiedensten Mehlspeisen zugesetzt wird. Außerdem stellt es einen
wichtigen Handelsartikel dar, das sich seit der Mitte des vorigen
Jahrhunderts den europäischen Weltmarkt erobert hat. Hierzu wird es an
der Sonne getrocknet und heißt dann +Kopra+. Als solches kommt es nach
Europa, wo es in großen Kesseln erwärmt wird; das dabei ausgeschmolzene
Fett sammelt sich oben an und wird abgeschöpft. Es ist schön weiß
und schmeckt milde, hat aber einen unangenehmen Geruch, wird auch
leicht ranzig. Die moderne Technik hat es aber zustande gebracht, das
Kokosnußfett von seinen unangenehm riechenden Bestandteilen zu befreien
und ein Fett in den Handel zu bringen, das als sehr geschätzter,
billiger und sehr haltbarer Ersatz für tierische Fette unter dem Namen
+Kunerol+, +Palmin+ usw. sich mit Recht einer zunehmenden Verwendung
als Speisefett an Stelle oder gemischt mit Milchbutter erfreut. Der
weitaus größte Teil des Kokosnußfetts wird aber zur Herstellung
von Kerzen und Seifen verbraucht. Weil Kokosseife die einzige ist,
die auch im salzigen Meerwasser schäumt, ist sie besonders bei den
Seeleuten sehr beliebt. Die Gesamteinfuhr Deutschlands an Kopra beträgt
gegenwärtig etwa 18 Millionen Mark, wovon es jetzt schon über ein
Drittel aus seinen Kolonien decken kann. Weitaus am meisten liefert
Samoa im Werte von gegen 3 Millionen Mark. Aus 7000 Früchten erhält
man 1000 kg Kopra. Das Zerschneiden und Trocknen der Kokoskerne wurde
zuerst von den Franzosen in Ostafrika praktiziert und dann von einer
Hamburger Firma auch auf den Südseeinseln eingeführt.
Für den europäischen Markt war früher und ist heute noch das +Olivenöl+
das wichtigste Speise- und Brennfett. Aus den am besten mit der Hand
abgenommenen Oliven, die 56-70 Prozent Fett enthalten, wird bei
schwacher Pressung in der Kälte das gelbliche, süße, feine Speiseöl
gewonnen, während man bei stärkerem Druck und warmer Pressung das
gewöhnliche Öl gewinnt, das vielfach als Lampenöl Verwendung findet,
besonders aber bei der Seifenfabrikation benutzt wird. Dem guten
Olivenöl der Provence verdankt die Marseiller Seife ihren guten
Ruf, von der nach beiläufiger Schätzung jährlich 600000 Zentner
gewonnen werden. Die Preßrückstände werden schließlich noch mit
Wasser ausgekocht, wodurch allerdings nur geringwertige Ölsorten
gewonnen werden, die höchstens als Maschinenöl dienen können. Sie
sind trübe und werden in Knochenkohlefiltern geklärt. Aber selbst
aus ihren Rückständen läßt sich durch langsame Zersetzung in halb mit
Wasser gefüllten Zisternen, wobei sich alles noch vorhandene Öl auf
der Oberfläche der fürchterlich riechenden Flüssigkeit sammelt und
abgeschöpft wird, ein noch für Fabriken verwendbares Öl gewinnen.
Solches Öl ist auch das Tournantöl, das in der Türkischrotfärberei eine
große Rolle spielt.
Noch wichtiger als die bisher genannten Öle ist das +Palmöl+, das
aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme (~Elaeis guineensis~) gewonnen
wird. Es kann geradezu als das wichtigste aller Fettstoffe aus dem
Pflanzenreiche gelten, von dem Deutschland jährlich für gegen 40
Millionen Mark einführt. Es dient hauptsächlich zur Seifen- und
Kerzenfabrikation, wird aber auch zur Herstellung von Kunstbutter
verwendet. Die Preßrückstände bilden ein beliebtes Viehfutter, aber
auch ein Verfälschungsmittel für Gewürze, namentlich für Pfeffer.
Die Heimat der Ölpalme ist, wie wir sahen, das tropische Westafrika,
wo sie manchenorts weit sich erstreckende Wälder bildet. Eigentlich
angebaut wird sie selten; in der Regel beschränken sich die
Eingeborenen darauf, vor Beginn der Regenzeit die überflüssigen Wedel
mit dem Buschmesser zu entfernen und die ganze Krone durch Ausbrennen
von Ungeziefer zu reinigen. Sie haben dann nur zu ernten, aus den
Palmnüssen das Fruchtfleisch auszubrechen, dasselbe durch Kochen in
Wasser oder Liegenlassen in der Sonne zu erweichen und in Mörsern zu
zerstampfen, wobei das Öl heraustritt. Dasselbe ist orangegelb, hat
einen angenehmen Geschmack, riecht leicht nach Veilchenwurzel und hat
bei Zimmertemperatur Butterkonsistenz. Den Negern dient es allgemein
als Speisefett; doch wird es mit der Zeit weiß und ranzig. Den
Überschuß ihres Öles und die Palmkerne verkaufen sie an die Europäer,
die aus den letzteren in Europa vermittelst eigens dazu konstruierter
Maschinen das Palmkernöl gewinnen, das noch wertvoller als das Palmöl
aus dem Fruchtfleische der Palmnüsse ist.
In Westafrika ist auch die +Schibutter+ beliebt, die aus den Samen des
im Sudan heimischen Schibaums (~Butyrospermum parkii~) gewonnen wird.
Hier findet sich der etwa 9 m hohe, zu den Sapotazeen gehörende Baum
von der Tracht eines Apfelbaums vorzugsweise an trockenen und steinigen
Orten von Senegambien bis zu den Ufern des Nils, meist im lichten
Buschwald. Der Stamm ist rauh, reich verästelt und hat eine breite,
aber nicht dichte Krone. Die langgestielten, ovalen, etwas lederigen,
in der Jugend mit rostfarbenem Filz bedeckten Blätter sind büschelartig
an den Enden der dicken Zweige zusammengedrängt. Die Blüten sind
kurzgestielt und haben ebenfalls einen rostfarbenen Filzbelag. Die
Früchte sind eirunde, einsamige, grüne Beeren, deren äußere Schicht von
einem weichen, wohlschmeckenden, gelben Fleische gebildet wird, das die
Eingeborenen gerne essen. Darunter liegt +ein+ glänzendbrauner Samen
von Taubeneigröße ohne Nährgewebe, aber mit ölreichen, fleischigen
Kotyledonen (Samenlappen), die die Schibutter liefern. Diese ist ein
hellgrünliches Fett von angenehmem Geruch und Geschmack, das nicht
leicht ranzig wird und von den Eingeborenen zum Backen und Kochen, zum
Einreiben des Körpers, zum Brennen in den Lampen usw. gebraucht wird.
In der europäischen Industrie dient sie zur Herstellung von Kerzen und
Seife. Hierzu ist sie so geeignet als das Palmöl, vor dem sie noch den
Vorzug hat, daß sie nicht gebleicht zu werden braucht.
In den deutschen Kolonien Togo und Kamerun kommt der Schibaum überall
in den Steppen wild vor. Die Neger bauen ihn kaum an, weil die wilden
Bestände ihrem Bedarf vollständig genügen. Weil der Baum vorzugsweise
im Innern vorkommt und der Transport an die Küste durch Träger viel
zu teuer ist, lohnt sich der Absatz an die europäischen Faktoreien in
den meisten Fällen schlecht. Mit den besseren Transportmitteln und der
stärkeren Nachfrage würde sich auch das Angebot an Schinüssen steigern.
Auch würde der Anbau des Baumes den Eingeborenen keine Schwierigkeit
machen, zumal er mit dem schlechtesten Boden vorlieb nimmt und sehr
geringer Feuchtigkeit bedarf. Aus Togo werden etwa für 30000 Mark
Schifrüchte jährlich ausgeführt. Obwohl die Schibutter den Vorzug hat,
sich auch bei der Berührung mit Luft lange zu halten, ohne ranzig
zu werden, so eignet sie sich weniger für den Handel als die reifen
Früchte. Aus diesen gewinnen die Eingeborenen das Fett, indem sie die
Samen nach Entfernung der Schale in Wasser kochen und dann zerstampfen.
Das sich an der Oberfläche sammelnde Öl wird abgeschöpft und erkalten
gelassen.
Ähnlich wie die Früchte des Schibutterbaumes werden diejenigen eines
im westafrikanischen Urwald wachsenden, ansehnlichen, 30-40 m hohen,
von den Duallas in Kamerun +~nyabi~+ genannten Baumes, den wir auf
beifolgender Tafel gefällt vorführen, verwendet. Derselbe besitzt
eine dicke Borke ähnlich der Eiche, darunter eine Milchsaft führende
Schicht, und ein außerordentlich hartes, rötliches Holz ähnlich dem
Mahagoni, nur noch feinporiger, das gerne als Werkholz benutzt wird,
obschon der bei der Bearbeitung desselben entwickelte Holzstaub die
Schleimhäute stark reizt. Die apfelgroßen, grünen Beerenfrüchte
enthalten drei kastanienartige, nur länglichere Samenkerne, die
bei der Reife in einem schleimigbreiigen Fruchtfleische liegen. Bei
der während der Regenzeit erfolgenden Reife sammeln die Neger die
abgefallenen Früchte, kochen sie in Wasser weich, drücken sie nach dem
Erkalten mit den Händen aus und sieden das so entstandene Mus dann
nochmals, wonach sie das weiße, gänseschmalzartige Fett abschöpfen.
Trotz seinem etwas eigentümlichen Beigeschmack wird es von den
Eingeborenen so gerne wie Palmöl als Speise zu ihrer sonst fettarmen
Pflanzenkost gegessen.
Als weiteren Fettspender besitzt das tropische Westafrika den
+Butterfruchtbaum+ (~Pentadesma butyraceum~). Es ist dies ein hoher
Baum mit gegenständigen, großen, länglicheirunden Blättern, großen,
roten, einzelstehenden Blüten, aus denen fleischige Früchte von der
Größe kleiner Melonen hervorgehen. In ihnen liegen 4 cm lange und 3 cm
dicke rote Samen, aus deren fleischigen Kotyledonen die Eingeborenen
ein gelbes Fett gewinnen, das sie als Zusatz zu ihrem ~fufu~ genannten
Brei aus stärkemehlhaltigen Knollen sehr lieben.
Fernerhin wachsen dort einige baumartige Sapotazeen mit gestielten,
lederartigen Blättern und eirunden Früchten, die als +Illipenüsse+
von den Negern gesammelt werden, um aus den ölreichen, fleischigen
Kotyledonen ein ebenfalls geschätztes Speisefett zu gewinnen. Ebenso
finden sich dort baumartige Euphorbiazeen mit großen, langgestielten
Blättern und Steinfrüchten, die als +Osangilenüsse+ aus dem
Kamerungebiet in den Handel kommen. Aus diesen, die von den Deutschen
als Kerzennüsse bezeichnet werden, gewinnt man gleichfalls durch Kochen
der Samen mit fleischigen, ölreichen Samenlappen ein als Speisefett
geschätztes Öl.
In den Küstenregionen des tropischen Westafrika, aber auch im Innern,
wächst stellenweise in größeren Mengen der zu den Leguminosen
gehörende +Owalabaum+ (~Pentaclethra macrophylla~) mit gelblichweißen
Blüten und 60-80 cm langen und 10 cm breiten Hülsen, deren verholzte
Klappen sich bei der Reife oft plötzlich und mit großer Gewalt
zurückrollen, so daß die 8-10 Samen mitunter weit fortgeschleudert
werden. Letztere sind 8 cm lang, 5 cm breit und 1 cm dick. Sie
haben eine glänzende holzige Samenschale, die sie befähigt, wenn
sie von den an der Küste befindlichen Bäumen aus ins Meer fallen,
unbeschadet der Keimkraft weite Reisen mit den Meeresströmungen zu
machen. So hat man an der norwegischen Küste wiederholt solche und
andere Hülsen tropischer Leguminosen angeschwemmt gefunden, die noch
vollkommen entwicklungsfähig waren. Die dicken Kotyledonen sind sehr
ölreich, enthalten außerdem über 30 Prozent Stickstoff, sind also
stickstoffreicher als unsere Hülsenfrüchte. Das daraus gepreßte Öl
eignet sich sehr gut für die Kerzen- und Seifenindustrie, und die
Preßrückstände liefern ein vorzügliches Viehfutter. Die Eingeborenen
benutzen sie als geschätztes Nahrungsmittel, das sie teils roh, teils
gekocht, teils zu einem sehr nahrhaften Brot gebacken genießen.
Nicht minder beliebt ist das Dika-Brot, das besonders die Gabunneger
gerne essen. Es wird durch Einwirkung eines milden Feuers aus den
ebenfalls sehr ölreichen Samen des +Dikabaumes+ (~Irvingia gabunensis~)
hergestellt. Es ist dies ein bis 30 m hoher, breit ausladender Baum des
tropischen Westafrika mit langen Zweigen, welche erst nach den Enden zu
reichlicher verästelt sind und große lederartige Blätter tragen. Die
Frucht ist eine grüne, eirunde, ziemlich große Steinfrucht mit saftigem
Fruchtfleisch, in welchem die sehr eiweiß- und ölreichen Samen stecken.
Große ölreiche Samen haben auch die bis 30 m hohen +Karapabäume+
(~Carapa guianensis~), die die Küsten des tropischen Westafrika,
aber auch Guianas und der Karaiben bewohnen. Ihre Frucht ist eine
10 cm dicke, fünffächerige, kugelige, holzige, in jedem Fache 6-8
kantige, kastaniengroße, braune Samen enthaltende Kapsel, welche sich
mit fünf Klappen öffnet. Die rundlichen Samen enthalten eine braune,
holzige Schale, welche sie befähigt, durch die Meeresströmungen
getrieben, unbeschadet der Keimkraft, weite Seereisen zu machen.
In ihren fleischigen Kotyledonen enthalten sie zu 60 Prozent ein
für die Industrie sehr wertvolles Öl, das Karapaöl, dessen große
Bitterkeit indessen eine Verwendung desselben bei der Bereitung von
Speisen ausschließt; doch ist es für die Seifenfabrikation sehr gut
geeignet. Gleichfalls in Guiana, wie auf den Antillen und an der
westafrikanischen Küste wächst ~Carapa procera~, das ein ähnliches
bitteres Öl liefert, das von den Negern hauptsächlich zu dem Zwecke
gewonnen wird, um ihre Körper zum Schutze gegen Insekten damit
einzuschmieren. ~Carapa moluccensis~ in Südasien dagegen liefert
ein Öl, das in der Seifenfabrikation verwendet wird. In Indien und
Ceylon betrachten die Eingeborenen dieses Öl als ein gutes Mittel
gegen Rheumatismus. Wie das westafrikanische Karapaöl dient dasjenige
der Samen eines eben dort heimischen rankenden Strauches ~Omphalea
diandra~, die bis zu 65 Prozent eines bernsteinfarbenen Öles enthalten,
den Negern zu mannigfacher Verwendung.
Ein anderer Fettspender, der im tropischen Afrika weit verbreitet ist
und namentlich im Gebiet des oberen Niger und in Sierra Leone seit
längerer Zeit, in Togo dagegen erst neuerdings von den Eingeborenen
gepflanzt wird, ist ~Polygala butyracea~, ein Strauch von mehr
als 1 m Höhe mit rutenförmigen, behaarten Stengeln und langen,
schmalen, kurzbehaarten Blättern. Endständig entwickeln sich aus den
Blütentrauben Kapselfrüchte mit länglichen Samen, die 18 Prozent eines
bräunlichgelben, butterartigen Fettes enthalten, das einen angenehmen,
nußartigen Geschmack besitzt und die Speisen, denen es zugesetzt wird,
trefflich würzt.
Ostafrika besitzt einen Ölspender im +Fettbaum+ (~Allanblackia
stuhlmanni~), einem von den Eingeborenen ~mkani~ genannten, über 20 m
hohen Baum mit lederartigen, glänzenden Blättern und 30 cm langen
goldgelben Früchten, von denen eine einzige 0,5 kg Fett liefert. Da
dasselbe sich für die Kerzen- und Seifenfabrikation wohl eignet, dürfte
dieser Baum einige Bedeutung erlangen, sobald bessere Verbindungen mit
dem Innern hergestellt sein werden.
Wichtiger noch ist für das tropische Ostafrika eine riesige
Schlingpflanze, die sich an den Bäumen des Urwaldes emporrankt. Es ist
dies der +Kouëme+ oder +Talerkürbis+ (~Telfairia pedata~). Er bringt
30-50 cm lange und 15-20 cm breite, gelbe, gurkenartige Früchte hervor,
die unter einer faserigen Hülle eine erhebliche Zahl von in Längsreihen
angeordneten, dunkelbraunen, fast talergroßen, runden, auf beiden
Seiten abgeplatteten Samen bergen. Ihr Geschmack ist ein angenehmer,
mandelartiger; deshalb bilden sie in ähnlicher Weise wie bei uns die
Mandeln eine beliebte Speise, die roh, geröstet oder gekocht von den
Negern gegessen wird. Aber sie enthalten nicht bloß 59 Prozent eines
schmackhaften, leicht verdaulichen Fettes, sondern auch viel Eiweiß,
bilden also ein wertvolles Nahrungsmittel, das einst in größeren
Mengen ausgeführt werden wird, sobald die Eingeborenen sie häufiger
pflanzen und die Samen regelmäßig auf den Markt bringen werden. Zur
Zeit scheitert ihre Einführung in die europäische Industrie daran, daß
es noch keine Maschine zum Schälen der Samen gibt; und wiederum können
Schälmaschinen erst dann gebaut werden, wenn eine größere, dauernde
Anfuhr nach Europa gesichert ist. Übrigens existiert auch in Togo eine
verwandte Kürbisart mit ähnlichen Früchten.
Südasien besitzt einen trefflichen Fettspender in der der Mangostane
verwandten ~Garcinia indica~, einem Baum mit hängenden Zweigen,
dunkelgrünen Blättern, apfelgroßen Früchten mit purpurrotem
Fruchtfleisch und nieren- oder halbmondförmigen Samen, aus denen man
die +Kokumbutter+ gewinnt, ein talgartiges, weißes, brüchiges Fett
von schwachem, nicht unangenehmem Geruch, das bei 35° C. schmilzt,
bei 24° C. erstarrt und zur Verfälschung der Schibutter, in England
auch zur Bereitung von Pomade dient. Ferner im +indischen Butterbaum+
(~Illipe butyracea~), einem etwa 16 m hohen Baum mit behaarten,
verkehrt eiförmigen Blättern, hängenden, blaßgelben Blüten und
länglichen Beerenfrüchten. Er ist im Himalaja heimisch und wächst in
Ostindien auf Anhöhen. Seine Samen liefern die +Fulwabutter+, ein
talgartiges, angenehm riechendes und schmeckendes, weißes Fett, das
zur Herstellung von Seife, als Brennmaterial und auch zu medizinischen
Zwecken verwendet wird. Vor allem aber wird es von den Eingeborenen
als Speisefett geschätzt, das sich selbst im heißen Klima Indiens
monatelang unverändert erhält. Deshalb wird es im Lande selbst völlig
verbraucht, so daß es nicht im Handel erscheint. Auch die Preßkuchen
dienen dem Menschen als Nahrung. Der Saft der Blüten wird auf Zucker
verarbeitet.
Auch die Samen von ~Illipe malabrorum~, dem +Gallertbaum+ auf Malabar
und Ceylon, liefern ein grünlichgelbes Speiseöl, das nicht leicht
ranzig wird. Seine weißen, fleischigen Blüten und die gelblichen,
dichtbehaarten, kugeligen Früchte werden gegessen. Der +Mahdukabaum+
(~Illipe latifolia~) liefert in seinen Samen ein als +Mahwabutter+
bezeichnetes Fett, das als Brenn- und Speiseöl, zur Herstellung von
Seife usw. verwendet wird. Die Preßkuchen dienen zur Betäubung der
Fische. Dieser Fettspender ist ein mäßig hoher Baum mit gelben,
wohlriechenden Blüten und mit 5 cm langen, eiförmigen, braunen
Früchten, der im gebirgigen Ostindien, besonders in Bengalen, wächst.
Seine Blüten verwelken nicht nach der Befruchtung, werden vielmehr
fleischig und speichern reichlich Zucker in den Blumenblättern auf,
um erst nach dem Fruchtansatz abzufallen. Sie schmecken wie Rosinen,
werden getrocknet und bilden eine wichtige Nahrung der Eingeborenen.
Ein Baum liefert bis 150 kg der süßen Blüten. Sie sind um so mehr
geschätzt, als sie mit großer Regelmäßigkeit auftreten und deshalb
bei Mißernten eine wichtige Ersatzspeise bilden. Man verarbeitet sie
auch auf Branntwein, der in Gudscherat und in Bengalen in großer Menge
verbraucht wird, frisch den Europäern aber verderblich sein soll.
Den hier aufgezählten südasiatischen Fetten ähnlich ist in Südamerika
das gelbliche, frisch nach Muskatnußbutter riechende, aber bald
ranzig werdende +Virolafett+, das in der Kulturwelt zur Kerzen- und
Seifenfabrikation dient. Unendlich viel wichtiger als Fettspender
ist aber nicht nur für diesen Erdteil, sondern überhaupt die zur
Familie der Leguminosen gehörende +Erdnuß+ (~Arachis hypogaea~),
deren Heimat Südamerika, und zwar speziell Brasilien ist, von wo sie
sich noch vor dem Eintreffen der Weißen über das ganze tropische
Amerika verbreitete, nach der Entdeckung des Erdteils durch Kolumbus
bereits im 16. Jahrhundert nach Westafrika gelangte und sich bald
über den Tropengürtel der Erde ausdehnte. Der Spanier Oviedo, der
sich von 1513-1524 auf der Insel Kuba aufhielt, nennt sie zuerst in
seiner Chronik von Indien (also Amerika) vom Jahre 1547. Er sagt von
der Erdnuß, daß sie in den Gärten der Indianer gemein sei und von
ihnen ~mani~ genannt werde, ein Name, den sie übrigens auch jetzt
noch dort führt. Ausführlicher beschreibt sie der spanische Arzt
Nikolaus Monardes (1493-1578) in seinem erst nach seinem Tode 1579 in
Antwerpen gedruckten Werke über Indien. Er sagt darin, daß in Peru
eine merkwürdige Frucht ohne Wurzel und Stengel in der Erde wachse
gleich der Trüffel. Sie besitze mehrere Kerne, die, wenn die Früchte
trocken seien, in ihnen klappern wie die Mandel in ihrem Gehäuse. Die
Erdnuß bildet ein einjähriges, niedriges, sich am Boden ausbreitendes
Kraut, das mit magerem, selbst sandigem Boden zufrieden ist, der aber
durchaus einen bestimmten, wenn auch nicht sehr bedeutenden Kalkgehalt
besitzen muß. Bei völligem Mangel an Kalk bringt nämlich die Erdnuß,
wie eingehende Versuche unwiderlegbar bewiesen, ihre Früchte nicht zu
voller und ausgiebiger Entwicklung.
Von dieser Nutzpflanze, die eine uralte Kulturform der in Brasilien
nicht seltenen ~Arachis prostrata~ zu bilden scheint, unterscheidet
man zwei Formen, welche aber nicht selten ineinander übergehen,
nämlich eine niederliegende und weniger behaarte, die vorzugsweise
in Afrika kultiviert wird, und eine aufrechte, etwas mehr behaarte,
die vornehmlich in Asien gepflanzt wird. Nach diesen ihren
Hauptkulturgebieten bezeichnet man sie auch als ~Arachis africana~ und
~A. asiatica~.
[Illustration: Bild 30. Die Erdnuß (~Arachis hypogaea~).]
Dieses in den größten Kulturformen bis 50 cm hoch werdende Kraut von
ausgebreitetem Wuchs mit behaarten Stengeln und Blättern trägt eine
Pfahlwurzel, welche an ihrem unteren Teile zahlreiche Nebenwurzeln
entwickelt. Diese sind meist mit Bakteroidenknöllchen gespickt,
jenen kleinen symbiontischen Laboratorien, in denen mit Hilfe der
von der Pflanze herbeigelockten und in der Wurzel angesiedelten
Stickstoffbakterien der sonst dem Gewächs unzugängliche Stickstoff
der Luft zu salpeter- und salpetrigsauren Salzen gebunden wird. Auf
diese Weise kann sich die Pflanze, wie die übrigen Leguminosen, die
alle diese Lebensgemeinschaft mit bestimmten, mit dieser Fähigkeit der
Stickstoffbindung ausgestatteten winzigen Bodenbakterien eingegangen
sind, selbst in dem an gebundenem Stickstoff ärmsten Boden ansiedeln
und darin vortrefflich gedeihen. Die Blätter sind abwechselnd gestellt
und tragen nur zwei Paare länglicheiförmiger Fiederblättchen. Aus den
Blattachseln entspringen kurze Ähren von 2-3 ziemlich großen, gelben
Schmetterlingsblüten. Nach deren Verblühen infolge eingetretener
Befruchtung streckt sich die bis dahin kaum entwickelte Blütenachse
allmählich zu einem 5-20 cm langen, an seinem Ende den Fruchtknoten
tragenden Stiel, wird, während er, so lange er die Blüte trug, positiv
heliotropisch war, d. h. dem Sonnenlichte zustrebte, damit die die
Befruchtung vollziehenden Insekten die Blüten leicht finden konnten,
auf einmal negativ heliotropisch, d. h. flieht das Licht und bohrt
sich mehr und mehr in die Erde ein, wo die Samen vor den Angriffen
lüsterner Tiere geschützt heranreifen. Die Frucht ist eine mit einem
Netz von stärkeren Längs- und schwächeren Querrippen bedeckte, ziemlich
dickwandige Hülse, die 1-4, meist jedoch 2 bohnengroße, ölige, süße
Samen mit dünner, spröder, weißlicher, rötlicher oder bräunlicher
Schale umschließt. In ihnen fehlt zwar das Nährgewebe, doch ist
der Nährstoffvorrat der jungen Pflanze in den dicken, fleischigen
Kotyledonen aufgespeichert. Ihr großer Gehalt an Fett, Eiweißstoffen,
Stärkemehl und Zucker (zusammen 80-85 Prozent des Gewichtes) verleiht
den Samen einen sehr großen Nährwert, weshalb sie überall in den
Tropen als Nahrungsmittel von den Eingeborenen sehr geschätzt werden.
Sie werden von ihnen geröstet, gekocht oder gemahlen und gebacken
gegessen.