Auf der Hochebene der Anden Perus wird auch eine als +Maca+ bezeichnete

Art Kapuzinerkresse (~Tropaeolum tuberosum~) ihrer kastanienförmigen

Knollen wegen gepflanzt. Frisch soll sie wässerig und von fadem

Geschmack sein, doch wird sie von den Eingeborenen gerne gegessen

und deshalb viel angebaut. Ähnlich wie die Oca kann man auch sie

durch Besonnung und nachheriges Gefrierenlassen zum Süßwerden, zur

Einschrumpfung und zu jahrelanger Haltbarkeit bringen. Ebenso werden

in Chile die Knollen einiger Arten der Gattung ~Tropaeolum~ von den

Eingeborenen gegessen und teilweise angebaut. Wichtiger als diese ist

der +Ulluco+ (~Ullucus tuberosus~), eine Meldenart mit zarthäutigen,

je nach der Varietät außen weiß, rosa, rötlich, gelb, violett, innen

dagegen gelb bis grünlich gefärbten, länglichen oder runden Knollen,

die etwas kleiner sind als Kartoffeln. Die kletternden, überall Wurzeln

bildenden Stengel tragen langgestielte, herzförmige, glänzend-grüne,

dicke Blätter. Es gibt unter ihnen schlechtere und bessere Sorten;

letztere werden sehr gerühmt, schmecken aber in Wasser gekocht etwas

fade, weshalb man sie mit Pfeffer ißt. Auf solche Weise gewürzt munden

sie sehr und sollen an Güte den Ocas gleichkommen, sollen aber schwerer

verdaulich sein und sich frisch nur zwei Monate halten. Besonnt aber

und dem Frost ausgesetzt, sollen sie sich wie die vorigen über ein Jahr

aufbewahren lassen. Außerdem läßt sich das Kraut wie Spinat benutzen.

Die Ernte findet im Spätherbst statt, wenn das Kraut abgestorben ist,

und zwar ist die Ergiebigkeit eine ganz außerordentliche. So hat man

beispielsweise aus fünf ausgepflanzten Knollen in Gent und in Riga

nicht weniger als 2000 allerdings meist ziemlich kleine Knollen erzielt.

In weit tieferen Lagen als die vorgenannten Knollengewächse gedeiht in

den Bergen von Venezuela und Kolumbien ein als +Arracacha+ bezeichnetes

Doldengewächs mit fast einem halben Meter langen, dreiteilig

gespaltenen Blättern und gelblichen oder dunkelvioletten Blüten. Die

Güte und der Nährwert der Knolle wird vielfach von den Reisenden

gerühmt. Sie wird wie die Kartoffel verwendet, auch Stärkemehl und ein

alkoholisches Getränk wird daraus gewonnen; doch wird die Pflanze kaum

je außerhalb ihrer Heimat angetroffen, da sie sich nicht sehr leicht

akklimatisiert. Eine dieser als ~Arracacia xanthorhiza~ genannten

Umbellifere nahe verwandte Art, ~Arracacia moschata~ wird in Mexiko

in ähnlicher Weise benutzt und ziemlich häufig angepflanzt. Auch sie

dürfte vor allen Dingen für solche Gebirgsgegenden in den Tropen in

Betracht kommen, wo die Kartoffel wegen zu großer Feuchtigkeit schlecht

gedeiht, während die vorher besprochenen Knollengewächse in besonders

hohen und trockenen Gebirgsgegenden der Tropen versucht werden sollten.

Im östlichen Nordamerika dagegen ist ein anderes Knollengewächs

heimisch, das sich sehr wohl zum Anbau in kälteren Gegenden eignet

und auch in Mitteleuropa reiche Erträge liefert. Es ist dies der

+Erdapfel+ oder +Topinambur+ (~Helianthus tuberosus~), ein im Staate

Indiana wildwachsend gefundener Verwandter unserer Sonnenblume

(~Helianthus annuus~), der schon von den Indianern im Gebiet der

heutigen Vereinigten Staaten und von Kanada angepflanzt wurde. Er

hat einen 2,5-3,8 m hohen, blattreichen Stengel und gelbe, 8 bis 10 cm

im Durchmesser haltende Blütenköpfe, die bei uns nur in warmen

Herbsten zur Entwicklung gelangen. Zuerst kam er 1617 nach England

und ein Jahr später durch Lescarbot nach Frankreich, wo man ihn bald

darauf als ~topinambaux~ zu verkaufen anfing. Die Wilden aber nannten

ihn, wie letzterer Autor in seiner ~histoire de la nouvelle France~

erzählt, ~chiqiuebi~. Der erste Europäer, der in Nordostamerika die

Bekanntschaft der ovalen, außen rötlichen, innen aber weißen, spitz

zulaufenden Knollen bei den Indianern machte, war der Engländer

Champlain, der im Jahre 1603 berichtet, daß die Eingeborenen diese

den Geschmack von Artischocken besitzenden Wurzeln anbauen. Auch der

Name Topinambur scheint aus der Sprache eines nordamerikanischen

Indianerstammes herzurühren. Die Pflanze gedeiht noch im schlechtesten

Boden und ist winterhart; ihr Ertrag kommt im allgemeinen demjenigen

der Kartoffel ziemlich nahe, dabei ist sie viel einfacher und billiger

zu pflanzen. In nahrhaftem Boden setzt eine Pflanze 4-5 kg sehr

nahrhafter, nach dem Kochen in Wasser angenehm süßlich schmeckender

Knollen an. Diese können im November geerntet und den Winter über in

trockenem Sand aufbewahrt werden; oder man kann sie auch im Boden

belassen und nach Bedarf herausnehmen, in welchem Falle sie mit Stroh

bedeckt werden, damit die Erde zur leichteren Entnahme frostfrei

bleibe. Trotz der großen Vorzüge hat die Pflanze, nachdem sie kurz nach

dem 1648 zu Ende gegangenen Dreißigjährigen Krieg nach Deutschland

eingeführt wurde, nur vorübergehend für den Menschen Bedeutung als

Nährpflanze erlangt und wurde im Laufe des 18. Jahrhunderts durch die

Kartoffel verdrängt. Noch dient sie in manchen Gegenden dem Menschen

zur Speise, doch wird sie bei uns fast nur noch als Viehfutter und zur

Spiritusgewinnung angepflanzt, obschon ihre Wurzelknollen einen sehr

angenehmen Artischockengeschmack besitzen und sehr nahrhaft sind. In

neuester Zeit bindet man den Flugsand mit Vorliebe mit Topinambur.

Weit größere Bedeutung als er scheint eine andere nahe Verwandte

aus dem südlichen Nordamerika erlangen zu wollen. Es ist dies der

+~Helianthi~+, in seiner Heimat meist ~Salsifis~ genannt, ein

Kreuzungsprodukt von ~Helianthus doronicoides~ und ~decapetalus~,

das eine Pflanze von 3,5 m Höhe mit dunkelgrünem Laub und goldgelben

Blütenköpfchen darstellt. Das Kraut gibt ein vorzügliches Grünfutter

und die saftigen, verdickten Wurzeln bilden ein sehr schmackhaftes,

leichtverdauliches und dabei sehr nahrhaftes Gemüse, das mit der Zeit

noch große Bedeutung erlangen wird. Der Ertrag ist sehr bedeutend,

indem eine einzige Pflanze bis 9,5 kg Wurzelknollen ergibt. Ein

Hektar Land mit ~Helianthi~ bepflanzt bringt wenigstens 100000 kg

Knollen, also um die Hälfte mehr, als wenn die Fläche mit Kartoffeln

bepflanzt worden wäre. Man pflanzt ihn von November bis Ende April in

irgendwelchen gedüngten Boden. Ein einmaliges Behacken und Behäufeln

genügt. Gegen Mitte November beginnt die Ernte, sobald die Stengel

vertrocknet sind. Man kann aber auch die Knollen an Ort und Stelle im

Boden lassen, die Büschel abschneiden und die Oberfläche mit einer

guten Schicht Stroh bedecken, damit der Frost das Herausnehmen der

Knollen nicht erschwere. Die Pflanze widersteht der größten Hitze wie

der größten Kälte Nordamerikas und ist berufen, nicht als Ersatz der

Kartoffel, wohl aber als wichtiges, billiges Wintergemüse eine ungemein

bedeutende Rolle zu spielen. Sind die Knollen des ~Helianthi~ gegen das

Frühjahr hin geschrumpft, so genügt es, sie einige Stunden ins Wasser

zu legen, damit sie Aussehen und Geschmack von frischen erhalten.

Dem östlichen Nordamerika, von Kanada bis Virginien, gehört eine dem

~Topinambur~ ähnliche Knollenwurzel von ~Apios tuberosa~ an. Dieselbe

soll wie Artischocken schmecken und wird stellenweise angepflanzt und

als Speise gegessen. Desgleichen finden ihre Samen Verwendung. Für die

Westküste Nordamerikas jenseits des Felsengebirges dient die mehlreiche

Wurzel von ~Lupinus littoralis~ denselben Zwecken. Am meisten wird

sie von den Bewohnern des Staates Kolumbia als Nahrung benutzt. Eine

dritte Leguminose, die +Batatenbohne+ (~Stizolobium tuberosum~) auf den

Antillen, zeichnet sich durch eine kindskopfgroße Knollenwurzel, eine

vierte, die +Rübenbohne+ (~Pachyrhizus angulatus~) auf den Philippinen

und Molukken, durch eine dicke, rübenartig schmeckende Wurzel aus. Sie

ist im ganzen tropischen Asien bekannt und wird teilweise angebaut. Von

der Batatenbohne dienen auch die Samen dem Menschen zur Nahrung.

Im Orient werden die großen Zwiebeln von ~Crocus edulis~, zur Zeit, da

sie eben zu treiben beginnen, gern gegessen und kommen in Menge auf den

Markt. In ähnlicher Weise wird in der Türkei die Zwiebel des Safrans

roh oder gekocht verzehrt. Als Gemüsepflanze kommt für uns Europäer

neuerdings auch der in China und Japan heimische Knollenziest (~Stachys

tuberifera~) in Betracht, der ebenfalls sehr nahrhafte Wurzelknollen

bildet, die kastanienähnlich schmecken und sehr leicht verdaulich sind,

so daß sie sich besonders für Leute mit schwacher Verdauung eignen.

Die Pflanze wurde 1887 zuerst in Crosnes in Frankreich eingeführt,

gedeiht mit Leichtigkeit in einem durchlässigen, nahrhaften Boden und

leidet nicht durch Frost. Nach dem Absterben des Krautes können die

Knollen geerntet werden, doch läßt man sie gewöhnlich bis zum Gebrauch

im Boden, da sie sich außerhalb der Erde nicht lange halten. Ihr

Geschmack ist sehr fein; mit Vorliebe werden sie wie die vorigen mit

holländischer Sauce zubereitet.

Berühmt durch äußersten Wohlgeschmack sind manche unterirdische

Knollenbildungen bei Pilzen. Von den in Europa wachsenden sind die

+Trüffeln+ die geschätztesten. Es sind dies die unter der Erde sich

bildenden fleischigen Fruchtkörper einiger Pilze aus der Familie der

Tuberazeen, deren als Mycel bezeichnetes feines Geflecht von weißen

Fäden sich spinnwebeartig im Waldboden ausbreitet und nach Art der

~Mykorrhiza~ in Symbiose mit den Wurzeln der verschiedensten Waldbäume

lebt. Vorzüglich gedeihen diese Pilze im humusreichen, kalkhaltigen

Boden um Eichen, Hain- und Rotbuchen, Kastanien und Haselnußsträucher.

Wird der Waldbestand abgeholzt, so verschwinden auch die Trüffeln;

wenn aber der Boden wieder mit Gehölz bewachsen ist, so erscheinen

sie alsbald aufs neue. Von den etwa 50 Arten in Europa ist die in den

Laubwäldern, besonders Eichenwaldungen, Südfrankreichs und Italiens,

selten auch in der Rheingegend vorkommende +schwarze Trüffel+ (~Tuber

melanosporum~) mit dunkelbrauner Oberfläche und schwärzlichen Adern

besser als die außen gleichgefärbte, innen aber mit schwärzlichgrauen

Adern durchzogene ~Tuber brumale~, die bis zu 1 kg schwer und dann über

faustgroß wird. Die meisten in den Handel kommenden Trüffeln haben

die Größe einer mittleren Kartoffel oder einer welschen Nuß, sind

kugelig und mit zahlreichen Wärzchen besetzt. Sie zeigen die Härte

einer Kartoffel und sind außen schwarzrötlich, innen dagegen hell- oder

dunkelviolett gefärbt. Am geschätztesten sind die von Périgueux in

Südfrankreich versandten sogenannten Périgordtrüffeln, die man durch zu

diesem Zwecke abgerichtete Hunde oder Schweine, die dem aromatischen

Geruch des Fruchtkörpers des Trüffelpilzes nachgehen und den Erdboden

an den Stellen, wo sich solche finden, aufzuwühlen beginnen, aufsucht.

Übrigens gibt es in Frankreich auch viele geübte Trüffelsucher, die

ohne weitere Hilfsmittel das Vorhandensein von Trüffeln an gewissen

Veränderungen, kleinen Spalten oder dergleichen, der Bodenoberfläche

erkennen. Sie liegen 2 bis 10 cm tief und geben den spezifischen

Geruch von sich, um allerlei Insekten und Würmer herbeizulocken, die

die winzigen Sporen, mit denen sie sich beim Fressen an der Trüffel

besudeln und die sie auch in ihrem Kote von sich geben, zu verbreiten

haben.

[Illustration: Bild 27. Fruchtkörper einer Trüffel (~Tuber rufum~),

schwach vergrößert. Im Innern dunkle Scheidewände, an denen die

Sporenmasse ausreift.]

Bei der in Südfrankreich betriebenen Trüffelkultur handelt es sich

nicht um die Aufzucht aus den Sporen, die bis vor kurzem nicht gelingen

wollte, sondern um Verbreitung und reichlichere Entwicklung bereits

im Boden befindlicher Mycelien durch die von ihnen bewohnten Wurzeln

lebender Bäume, besonders Eichen. Bei Aufzucht von solchen Sämlingen

aus Trüffelrevieren lassen sich schon nach zehn Jahren reichliche

Trüffelernten gewinnen. Erst in jüngster Zeit hat man regelrechte

Trüffelkulturen zustande gebracht, indem man die in Laboratorien

zum Keimen gebrachten Sporen der Trüffel mit Rübenschnitzeln oder

zerkleinerten Eicheln vermischte und die darin erzielten Mycelien,

d. h. Pilzfäden, mit der Beigabe von Rüben oder Eicheln in jungen

Eichenwäldern sorgfältig in den Boden eingrub, damit der Pilz die

Symbiose mit dem Wurzelgeflecht der Bäume eingehe. Solche Kulturen

lassen schon nach 4 bis 5 Jahren die erste ausgiebige Trüffelernte

gewinnen. Der französische Trüffelhandel datiert seit dem Jahre

1770 und erstreckt sich jetzt nicht bloß über Süd-, sondern auch

Mittelfrankreich. Am meisten dieses von den Feinschmeckern überaus

hochgeschätzten Leckerbissens erzeugt die Provence. Besonders berühmt

sind die Trüffelkulturen am Fuße des Mont Ventoux im Departement

Vaucluse, der bei allen Gebildeten durch die Schilderung bekannt ist,

die der berühmte italienische Dichter Francesco Petrarca von seiner im

Jahre 1336 mit seinem Bruder Gerardo unter großen Schwierigkeiten und

ohne Führer unternommenen Besteigung gab, als die Freude an pittoresker

Naturbetrachtung zum erstenmal bei den Menschen des Abendlandes zum

Durchbruch gelangte. Die Abhänge dieses Berges wurden seit 1858 neu

mit Eichen aufgeforstet, die nun eine reiche Trüffelernte abwerfen.

Seither kommt in der Stadt Apt im Departement Vaucluse jeden Winter

eine Trüffelernte von 15000 kg zu Markt. Der Ertrag dieser Knollenart

für ganz Frankreich läßt sich auch nicht annähernd abschätzen, doch

muß er ein ganz gewaltiger sein, wenn man bedenkt, daß die Ausfuhr

dieses Landes sich auf mehr als 1,5 Millionen kg im Werte von etwa 35

Millionen Franken jährlich beziffert.

[Illustration: Bild 28. Das Innere der Trüffel, sehr stark vergrößert.

Das Pilzmyzel endet in Fruchtschläuchen (~asci~), in denen je vier mit

stacheliger Hülle umgebene Sporen sich befinden. (Nach Tulasne.)]

Das Trüffelsammeln, das heute berufsmäßig betrieben wird, war früher

ein Sport, dem viele große Herren mit Leidenschaft oblagen. Damals

beherrschten die vornehmen Dilettanten das Feld, das heute einen

lohnenden Beruf für viele bildet. Der Herzog Victor Amadeus II.

von Savoyen (1675-1730), der im Frieden von Utrecht 1713 außer dem

Königstitel die Insel Sizilien bekam, die er dann 1720 gegen die

Insel Sardinien vertauschte, hatte eine besondere Vorliebe für die

Trüffel„jagd“, wie sie von den Franzosen gern genannt wird. Sein

Sohn Karl Amadeus III., der von 1730 bis 1773 das Land regierte,

teilte diese Vorliebe und hielt sich ganze Meuten von Trüffelhunden

und erfahrenen Jagdgehilfen, mit denen er alljährlich mehrmals große

Trüffeljagden abhielt. Mit Vorliebe wurden solche den Gästen zu Ehren

abgehalten. Auch der Herzog von Cumberland war ein passionierter

Trüffeljäger, gleich Ludwig XV. und vielen deutschen und polnischen

Königen. Zu diesem Zwecke wurden an den Höfen des 18. Jahrhunderts

stets sorgfältig abgerichtete Trüffelhunde gehalten, deren erste

Exemplare ums Jahr 1720 von Burgund nach Deutschland kamen.

In Deutschland kommt die schwarze Trüffel nur im wärmeren Südwesten,

besonders im Rheintal vor. Hier könnte sie mit Erfolg gezüchtet werden,

wodurch viel deutsches Geld, das für französische Trüffeln außer Land

geht, im Lande behalten werden könnte. Außer den beiden genannten

berühmtesten Trüffelarten werden aber noch verschiedene andere

gegessen, so die +weiße italienische Trüffel+ (~Tuber magnatum~) mit

hellbrauner, glatter Oberfläche und starkem knoblauchartigem Geruch,

dann ~Tuber aestivum~ und ~T. mesentericum~, deren Fruchtfleisch mit

hellbraunen Adern durchzogen ist, ferner die sogenannte +Holztrüffel+

(~Tuber excavatum~ und ~T. rufum~), die alle am häufigsten in

Frankreich und in Italien, doch auch stellenweise in Deutschland

vorkommen. Eine der wichtigsten Arten für letzteres Land ist die

sogenannte +weiße deutsche Trüffel+ (~Choiromyces maeandriformis~) mit

etwa faustgroßen, außen blaßbraunen, innen weißen, mit wenigen dunkeln

Adern durchzogenen Knollen. Sie findet sich besonders in Schlesien

und Böhmen, außerdem in Oberitalien und England. Volkswirtschaftlich

von großer Bedeutung sind zwei in den Mittelmeerländern vorkommende

Arten, ~Terfezia leonis~ und ~T. boudieri~, die schon von den Römern

sehr geschätzt wurden und von ihnen in großer Menge aus Nordafrika und

später auch aus Syrien bezogen wurden. Hier überall schmarotzen diese

Pilze an den Wurzeln von Helianthemumarten. Von der nordafrikanischen

Bezeichnung ~terfez~ für sie ist nicht nur die wissenschaftliche

Bezeichnung ~Terfezia~, sondern wahrscheinlich auch die italienische

Benennung ~tartufi~ und daraus unser Trüffel wie auch Kartoffel (aus

dem Italienischen ~tartufoli~) abzuleiten. Diese Trüffelarten besitzen

ein sehr angenehmes Aroma und galten bei den Alten wie alle Trüffeln

überhaupt als die Sinnlichkeit anregendes Mittel. Sie wurden damals

schon gebraten oder mit Rotwein gekocht und mit Olivenöl genossen,

auch als Bestandteil von Pasteten, oder als Zusatz zu Fleischspeisen,

Brühen, Suppen usw. verwendet. An den Rändern der Sahara kommen

diese letztgenannten Arten in solchen Mengen vor und werden von

der Eingeborenenbevölkerung, besonders in Algerien, in derartigen

Quantitäten gesammelt, daß sie für jene fast ebenso wichtig ist als die

Kartoffeln für uns. Die Trüffeln müssen in luftigen Räumen aufbewahrt

werden und kommen in Fässern verpackt oder als Konserven oder in Wein

gekocht und dann in Öl eingemacht in den Handel. Frische Trüffeln

halten sich im Erd- oder Sandbett in guten Kellern bis 14 Tage und

länger.

Den Trüffeln schließen sich naturgemäß, obschon sie keine

unterirdischen Knollen, sondern oberirdische Fruchtkörper in Form

von Hüten bilden, die verschiedenen andern +eßbaren Pilze+ an, die

im Gegensatz zum grünen Gemüse verhältnismäßig sehr reich an Eiweiß

sind, so daß man sie mit Recht als das Fleisch des Waldes bezeichnet

hat. Durch ihre Schmackhaftigkeit und ihr angenehmes Aroma haben sie

von jeher ihre Liebhaber besonders bei den Feinschmeckern gefunden,

wenn sich auch die große Menge des Volkes, aus Angst sich zu vergiften,

bis jetzt, sehr mit Unrecht, ablehnend dagegen verhielt; denn es

sind an wirklich giftigen Pilzen noch sehr wenig Menschen gestorben.

Diejenigen, die davon krank wurden, wurden es dadurch, daß sie im

Übermaß alte, bereits in Zersetzung übergegangene Pilze aßen. Solche

nachteilige Folgen können aber auch von andern überständigen und in zu

großen Mengen gegessenen Speisen hervorgerufen werden.

Die Pilze verdienen es in der Tat, ein Volksnahrungsmittel zu werden,

da sie nicht nur herrlich schmecken, sondern auch recht nahrhaft sind.

Wenn sie auch zu neun Zehnteln aus Wasser bestehen, so ist doch ein

Viertel des verbleibenden Restes für den Menschen ausnutzbares Eiweiß,

so daß sie bei den steigenden Lebensmittelpreisen und der zunehmenden

Fleischteuerung gerade für die weniger Bemittelten einen willkommenen

Ersatz des Fleisches bilden. 1 kg frische Pilze enthält etwa ebensoviel

ausnutzbares Eiweiß als 100 g frisches Fleisch. Und zwar sind junge

Pilze nach den Untersuchungen von Kohlrausch und Lösecke eiweißreicher

als alte. So beträgt der Eiweißgehalt des getrockneten Hutes junger

Pilze nach Margiewicz beim Steinpilz 44,99 Prozent, beim Birkenröhrling

43,90, beim Rothautröhrling 40,91, beim Butterröhrling 40,74, beim

Filzröhrling 39,85, beim echten Reizker 38,12, beim Hallimasch 28,16,

beim echten Gelbling 27,77 Prozent. Zudem besitzen sie außer etwas

Fett und Kohlehydraten einen reichen Gehalt an Nährsalzen, besonders

phosphorsauren und Kaliverbindungen, so beim getrockneten Steinpilz,

als dem nährsalzreichsten, 19 Prozent, während im besten Ochsenfleisch

nur 17 Prozent davon enthalten sind. In frischem Zustande beträgt der

Nährsalzgehalt durchschnittlich ½-2 Prozent. Auf die Trockensubstanz

berechnet enthält an Nährsalzen der Steinpilz also 19 Prozent, der

Pflaumenrößling 15, der Nelkenschwindling 10,75, die Spitzmorchel 9,0,

der echte Gelbling 8,19, der Butterröhrling 6,38, der Traubenziegenbart

6,23, der Kuhröhrling 6,0, das Schafeuter 2,8 Prozent. Bei diesem

Nährwert lohnt es sich schon der Mühe, die zahlreichen eßbaren Pilze,

die der Wald umsonst bietet, und die der Mensch aus Unkenntnis

und Trägheit darin verfaulen läßt, zu sammeln, wobei das Suchen

dieser Pflanzen an sich schon Körper und Geist günstig beeinflußt.

Welche Freude bietet nicht eine solche Exkursion für alt und jung,

welcher Jubel schallt da nicht durch Wald und Feld, wenn sich die

verschiedensten Pilze an den dem Kenner wohlbekannten Standorten

finden, und wie schmecken zu Hause diese Schwämme, die man selbst

gesucht hat, weit besser als Markthallenware! Zudem lassen sie sich

durch Trocknen oder Sterilisieren oder Einmachen in Essig konservieren

und so jederzeit als schmackhafte Würze und Beilage verwenden. Um die

eßbaren von den giftigen Pilzen zu unterscheiden, gibt es zahlreiche

Pilzbüchlein mit schön kolorierten Tafeln, unter denen das vom

Kaiserlichen Gesundheitsamte in Berlin herausgegebene Pilzmerkblatt,

das zur Orientierung vollkommen genügt, schon für 10 Pfennige zu haben

ist. Hauptsächlich sollte es die Schule übernehmen, auf Ausflügen die

Jugend mit den eßbaren und nichteßbaren Pilzen bekanntzumachen. So

würde die übertriebene Furcht vor giftigen Pilzen durch Aufklärung

weiterer Volksmassen am ehesten zu beheben sein; denn es gibt

glücklicherweise nur verhältnismäßig wenig giftige Pilze, und diese

sind zudem von der Natur als solche deutlich gekennzeichnet, so daß man

sie mit einiger Übung leicht und untrüglich als solche herausfinden

kann. Die Hauptsache aber bleibt stets, daß die Pilze frisch und in

mehr jugendlichem Zustande gepflückt als Speise verwendet werden,

da alte, verdorbene Exemplare von eßbaren Sorten vielfach ebenso

schädlich als die eigentlich giftigen sind. Fast alle Pilzvergiftungen

lassen sich darauf zurückführen, daß solche verdorbene Pilze verspeist

wurden. Und wer im Volke sie nicht selbst essen mag, der sammle und

verkaufe sie und kaufe sich mit dem daraus erworbenen Gelde eine

ihm besser zusagende Speise. Die Armen ernähren sich auch nicht mit

Erdbeerschnitten, obgleich die Erdbeeren im Walde umsonst zu haben sind.

Tafel 53.

[Illustration: Champignonkultur der Konservenfabrik ~Amieux frères~ in

unterirdischen Gewölben bei Paris.

Champignonernte für ~Amieux frères~ in Paris.]

Tafel 54.

[Illustration: Verarbeitung von Champignons in der Konservenfabrik

~Amieux frères~ in Paris.]

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte · 第 41 / 77 段