Unter der Bezeichnung +Yams+ oder +Igname+ werden seit uralter Zeit

verschiedene kletternde Knollenpflanzen aus der Gattung ~Dioscorea~

(nach dem griechischen Arzte Dioskurides im 1. Jahrhundert n. Chr. so

genannt) im tropischen Amerika, in Afrika und Asien kultiviert, deren

wilde Stammformen meist nicht mehr zu finden sind. Von den zahllosen

Formen sind ~Dioscorea batatas~, ~sativa~ und ~alata~ die wichtigsten.

Unter ihnen hat die erstgenannte mit Sicherheit in China und dem

indo-malaiischen Gebiet ihre Heimat; hier wird sie in den ältesten auf

uns gekommenen Schriften mit einheimischen Namen erwähnt. Ferner hat

sich herausgestellt, daß der in Südamerika für sie gebräuchliche Name

Igname, der sich mit dem Gewächs weithin verbreitet hat und beinahe

ebenso oft gebraucht wird als die Bezeichnung ~Yams~, aus Westafrika

stammt und wahrscheinlich mit der Frucht durch Sklaven dahin gelangte.

Alle Yamsarten sind windende Pflanzen mit bis 6 m langem, dünnem,

hartem, vielfach noch mit Dornen ausgestattetem Stengel, spiral darum

herumlaufenden herzförmigen Blättern, getrennt geschlechtigen,

unscheinbaren grünen, der Johannisbeertraube ähnlichen Blüten, harten,

herzförmigen, ungenießbaren Früchten, 0,5-1 m und mehr langen, bis

10 kg schweren fleischigen Knollen mit dunkler Rinde und mehlreichem

Inhalt. Bei vielen sind letztere stark bitter oder geradezu giftig,

in welch letzterem Falle sie einen ekelhaften Geruch beim Kochen von

sich geben. Durch Wässern und längeres Kochen werden aber diese Stoffe

vollständig beseitigt, so daß sie dann eine sehr wohlschmeckende

Speise abgeben, die an Nährwert der Kartoffel gleichkommt. Sie werden

geschält, zerschnitten, weich gekocht, in Holzmörsern zerstampft und

der so entstandene dicke Brei mit Pfeffer und Öl gewürzt verzehrt.

[Illustration: Bild 22. Der Yams (~Dioscorea batatas~). Ein rankender

Zweig und junge Wurzelknollen.]

Der Yams verlangt einen guten, durchlässigen, humusreichen Boden,

weshalb er meist auf früherem Waldboden kultiviert wird, und ein

feuchtwarmes Klima. Als Saatgut dienen kleine Knollen, die vielfach

nicht unterirdisch, sondern an den Blattwinkeln entstehen. Solche

überirdische Knollen werden besonders von einigen afrikanischen

Yamssorten erzeugt, die speziell in Abessinien kultiviert werden

und überhaupt keine unterirdischen Knollen bilden. Je größer die

gepflanzten Knollen oder Knollenstücke sind, um so kräftigere

Schößlinge treiben sie aus und um so mehr Frucht setzen sie an. In

Abständen von 1 m häufelt man die Erde zu kleinen Hügelchen auf,

pflanzt die Knollen dort ein und steckt gleichzeitig bei jeder eine

Stange, die zwar nicht die Höhe, aber die Stärke einer Hopfenstange

haben muß. Sobald die Ranken einige Fuß lang sind, bindet man sie wie

Bohnenranken an. Im übrigen besteht die Pflege in mehrmaligem Jäten des

Unkrauts und Auflockern des Bodens, außerdem in wiederholtem Anhäufeln

nach Bedarf um die sich bildenden Knollen herum. Eine Zwischenfrucht

ist nicht zu empfehlen, höchstens etwa Mais oder Bataten, wobei dann

aber selbstverständlich größere Abstände nötig sind.

Im ganzen wird der Yams von den Kolonisten nur selten feldbaumäßig

wie von den Eingeborenen angepflanzt, sondern nur zum Hausgebrauch

in Gärten den Zäunen entlang, oder zur Belaubung von Veranden gleich

den Zierkürbissen gezogen. Nach 9-11 Monaten sind die Knollen reif,

was man am Welken der Stengel merkt; man wartet aber, bis die Stengel

völlig abgestorben sind und ihre sämtlichen Nährstoffe in die Knollen

geschafft haben. Der Durchschnittsertrag darf auf 2-4 kg per Pflanze

gerechnet werden, was bei Abständen von 1 m 20-40000 kg pro Hektar

ergibt. Hat man schwächliche oder kleine Knollen zur Aussaat benutzt,

so braucht man mehrere Jahre zum Erzielen von großen Knollen; da

muß man mit 1 kg schweren Knollen zufrieden sein. Mittelstarke

Saatknollen geben Ernteknollen von 2-5 kg. Riesenknollen von 15-18

kg sind ausnahmslos das Produkt des Wachstums mehrerer Jahre. Auf

den Fidschiinseln, wo die Yamskultur durch die Eingeborenen in hoher

Blüte steht, versteht man Knollen von 1,8 m Länge und 50 kg Gewicht zu

erzielen. Die Leute dort geben an, daß man zur Erzielung von so großen

Knollen einen harten, nicht bearbeiteten Boden brauche; auch bereitet

man den Pflanzen durch untergelegte Steine einen künstlichen Widerstand

und pflegt dabei zu sagen, der Yams müsse sich erst ärgern, um seine

ganze Kraft zu zeigen. Auch die Eingeborenen von Neuguinea vermögen

Riesenknollen von 40 kg Gewicht zu erzielen.

In ganz Westafrika ist der Yams neben dem Maniok eine der wichtigsten

Nährpflanzen, ja geradezu die Kartoffel der Eingeborenen und der

dort lebenden Europäer. An der Küste gedeiht er nicht so gut wie im

Binnenlande; hier ist neben Mais der Cassava oder Stockyams genannte

Maniok die Hauptknollenfrucht, während die Knollen des gewöhnlichen

Yams in großen Mengen aus dem Innern eingeführt werden. Im Binnenlande,

in welchem der Yams zu Hause ist, wächst er dort am besten, wo am

Fuß der sanft ansteigenden Gebirgszüge und in den Tälern sich ein

guter, lockerer Humusboden abgelagert hat. Schon im Monat Februar,

zur Zeit des Harmattan und am liebsten nach dem Grasbrand, der den

Boden mit seiner fruchtbaren Asche düngt, begibt sich der schwarze

Yamsbauer in den Busch, um sich entweder auf dem eigenen Land oder

dem seiner Familie oder seines Stammes den Platz für die anzulegende

Pflanzung herzurichten, indem er mit seinem Buschmesser den Boden vom

niedrigen Gestrüpp, Buschwerk und Gras, falls der Brand letztere noch

nicht vernichtet hat, säubert. Palmen und größere Laubbäume bleiben

als wohltuende Schattenspender stehen, außerdem leitet er die rasch

wachsenden Yamslianen durch Palmrippen zu diesen Bäumen, an denen sie

dann ähnlich wie der Hopfen hoch hinaufranken. Zu dichte Baumgruppen

lichtet der Neger dadurch, daß er den einen oder andern Baum unten über

der Erde am Stamm abbrennt. Dadurch stirbt er ab, wird dürr und liefert

im kommenden Jahr gutes Brennholz für die Küche. Das abgehauene und

rasch dürr gewordene Gestrüpp wird nun auf Haufen gebracht und an Ort

und Stelle verbrannt. Dann werden in 1-1,5 m Abständen mit der Hacke

rundliche Erdhaufen in der Größe unserer Ameisenhügel gemacht und in

jeden solchen mit der Hand eine kleine Yamsknolle mit 1-2 Triebaugen

gepflanzt. Leicht mit Erde zugedeckt, treibt sie schon nach 2-3 Wochen

eine armlange Ranke, die nun einen Pfahl erhält. Ist ein Baum in der

Nähe, so erhält die Yamsranke nur eine Palmrippe der Ölpalme, die zwar

im Boden rasch morsch wird, aber nur dazu dienen soll, sie auf den

benachbarten Baum zu leiten. Die übrigen Pflanzen erhalten im Busch

gehauene, unten zugespitzte und in den Boden gesteckte Pfähle wie

unsere Bohnenstangen. Nun hat der Yamsbauer während der folgenden 6-8

Monate bis zur Ernte den Boden mit der kurzen Hacke zu lockern und vom

Unkraut freizuhalten. Ist das Yamsfeld weit entfernt, so baut sich der

Neger dabei eine kleine Hütte, in der er mit den Seinigen haust. Für

die jungen Söhne pflanzt der Vater gewöhnlich eine Reihe von 20 bis

30 Yamsstöcken, deren Ertrag sie für sich verkaufen dürfen. Auch die

Frau bekommt 2-3 Reihen, etwa 60-80 Yamspflanzen, über deren Ertrag

sie frei verfügen kann. Ist der Mann gut zu ihr, so darf sie zwischen

den einzelnen Yamsreihen Tomaten, Fetri oder Kaschokeln, Pfeffer und

Zwiebeln pflanzen. Zu Anfang Oktober schneidet der Neger die Yamsranke

am Kopfe der Knolle in der Weise ab, daß noch eine dünne Scheibe an

ihr hängen bleibt, und pflanzt sie in denselben Hügel etwas abseits

gleichsam noch einmal. Die ausgewachsenen, armdicken, 30-50 cm langen

und bis 10 und 12,5 kg schweren, reifen Knollen werden vorläufig noch

im Boden belassen und nach Bedarf daraus entnommen. Bringt der Neger

mehrere Lasten Yams nach Hause, so werden die einzelnen Stücke an

einer schattigen, kühlen Ecke im Hof in die Erde gegraben, damit sie

frisch bleiben, und nach Bedarf in der Küche verbraucht. Die wieder

gepflanzte Ranke setzt bei günstiger Witterung 3, 4 und mehr kleine,

etwas verkrüppelte Knollen, ~teta~ genannt, an. Diese Knollen sind

nach 6 bis höchstens 8 Wochen reif und bilden die Saatfrucht für das

nächste Jahr. Ende November, wenn die Ranken dürr geworden sind,

werden die großen und kleinen Knollen geerntet. Diese Yamsernte ist der

willkommene Anlaß zu einem fröhlichen mit Schmaus, Trinkgelagen aus

Palmwein und Tanz gefeierten Fest. Für die westafrikanischen Neger, die

wir hier besonders im Auge haben, ist es zugleich das Neujahrsfest.

Lautes Freudengeschrei ertönt überall auf den Feldern und in den

Dörfern. Am Morgen opfern die Priester den Fetischen, in denen sie die

Geister ihrer Verstorbenen hausend wähnen, Yams mit Palmöl gemischt.

Man beschenkt sich gegenseitig mit Yams, und das Lieblingsgericht der

Neger, der „Fufu“, wird in großen Mengen aus der Frucht hergestellt

und verzehrt. Zu diesem Zwecke werden die Yamsknollen von den Weibern

auf denen sonst alle Arbeit ruht, geschält, zerkleinert und gekocht,

um dann zuletzt in einem mörserartig ausgehöhlten Holzblock mit

Holzstampfern zu Brei gestampft zu werden. Dieser Brei wird dann in

Form eines brotleibähnlichen Klumpens aufgetischt und, da er etwas

fade schmeckt, mit Palmöl- und Pfeffersuppe, die daneben gestellt

werden, gewürzt gegessen. Der Hausherr bekommt mit seinen Söhnen eine

besondere Schüssel, die Hausfrau mit ihren Töchtern desgleichen. Beim

Essen trennt jeder mit Zeige- und Mittelfinger ein Stück des Brotbreies

ab, drückt mit dem Daumen eine Vertiefung hinein und fährt mit dem

Stück durch die daneben stehende scharfe Sauce, um bei dieser Prozedur

möglichst viel davon in der eingedrückten Höhlung aufzufangen. Schnell,

ohne lange gekaut zu werden, wird der Bissen hinuntergeschluckt. Was

der Neger täglich an Yams gebraucht, holt er sich jeweilen vom Felde.

Sobald aber die Ranken dürr geworden sind, werden die Yamsknollen

ausgegraben und in das auf der Plantage aus dünnen Pfählen mit quer

daran festgebundenen Palmrippen errichtete und mit Palmblättern

gedeckte Yamshaus gebracht, wo sie möglichst trocken aufbewahrt werden

müssen. An den vier Innenwänden des überaus luftigen Yamshauses wird

jede Knolle vermittelst Schlingpflanzen festgebunden und hält sich

so 6-8 Monate, gröbere Sorten sogar 10-12 Monate lang, da die Luft

beständig Zutritt hat. Diese Eigenschaft ist von großer Bedeutung, da

er die einzige Frucht bildet, die im Lande aufbewahrt werden kann.

Mais, der zweimal im Jahre geerntet wird, ist schon nach kurzer

Zeit vom Kornwurm angegriffen, und die Wurzelknolle des Maniok oder

Stockyams hält sich ausgegraben höchstens drei Tage. Missionar Fies hat

die Namen von 42 Yamssorten aus Togo notiert und sagt, es gebe noch

weitere, denen aber keine große Bedeutung zukomme. Ist die Yamsernte

gut ausgefallen, so verkauft der Yamsbauer von den Früchten an die

Küstenneger oder auch an die Europäer, die ihn ebenfalls gerne essen;

denn der Handel mit dem verhältnismäßig hoch im Preise stehenden Yams

ist recht einträglich und dürfte in der wirtschaftlichen Entwicklung

der hier gelegenen deutschen Kolonien, besonders von Togo, eine

wichtige Stellung einnehmen.

[Illustration: Bild 23. Der Taro (~Colocasia esculenta~).

Die in der Erde ruhende Knollenwurzel ist nicht sichtbar.]

Tafel 51.

[Illustration: In Holzmörsern Yamsknollen zum Fufu genannten Brei

zerstampfende Frauen an der Goldküste in Westafrika.

Neger mit Yamsknollen, Kokosnüssen und Bananen auf Jamaika.]

Tafel 52.

[Illustration: Yamsknollen, Ananas und Bananen in Kamerun.

Frauen in Bonaberi, Kamerun, gekochte Yamsknollen stoßend, um Fufu

daraus zu bereiten.]

Neben dem Yams spielen die Knollen eines in Polynesien +Taro+,

in Westafrika aber +Dinde+ genannten Aronsstabgewächses mit der

lateinischen Bezeichnung ~Colocasia antiquorum~, eine sehr wichtige

Rolle. Während der Regenzeit und der ersten Hälfte der Trockenzeit

ist er für die Polynesier und an der Küste lebenden Neger Westafrikas

sogar die wichtigste Feldfrucht. Auch im malaiischen Archipel, in

Ostasien bis Japan, in Indien, Südarabien, Ägypten und Ostafrika

ist die Tarokultur recht verbreitet, wenn sie auch fast nirgends

als Hauptkultur betrieben wird. Ebenso ist sie durch den Einfluß

der Araber nach Algerien und Südspanien gelangt, doch spielt sie

hier, wie auf den Kanaren, in Westafrika und in Amerika eine sehr

untergeordnete Rolle. Der Taro ist eine mehrjährige Pflanze mit

langgestielten, breiten Blättern in Herzform, einem kolbenförmigen,

von einer großen Scheide umgebenen Blütenstand von etwa 15 cm Länge

und einer bis kopfgroßen, rundlichen Wurzelknolle, neben welcher sich

am Wurzelhalse noch kleine Tochterknollen entwickeln. Je nach den

verschiedenen Arten, die sich schon äußerlich an der verschiedenen,

grünen oder violetten Färbung der Blattrippen und Stengel unterscheiden

lassen, sind die Knollen außen weiß, gelblich, rötlich oder violett,

innen aber stets weiß und recht stärkereich. Sie enthalten 2,5 Prozent

Eiweiß und 15 Prozent Stärke. Roh können sie nicht gegessen werden,

da sie einen scharfen Stoff enthalten, der aber schon beim Kochen und

Rösten in Asche oder auf heißen Steinen, welch letzteres Verfahren fast

ausschließlich in der Südsee geübt wird, verschwindet. Man genießt sie

in der verschiedensten Zubereitung wie unsere Kartoffeln, besonders

auch in Form von Taroschnitten geröstet, und ißt auch die Blätter,

nachdem man die starken Rippen von ihnen entfernt hat, gekocht als

Gemüse.

Die Heimat des Taro ist Südasien, speziell Indien, von wo aus sich die

Nutzpflanze allseitig verbreitete, soweit der Mensch sie in Pflege

nahm. In China wird sie etwa seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. erwähnt.

Die ersten europäischen Seefahrer trafen ihre Kultur bereits in Japan

und in ganz Ozeanien, bis zum nördlichen Teile Neuseelands vor. Bei

den Kulturvölkern Westasiens und des Mittelmeergebiets ist die Pflanze

im Altertum nicht heimisch geworden, nur im Niltal wurde sie etwa seit

der Mitte des letzten vorchristlichen Jahrtausends gepflanzt, wie uns

Theophrast berichtet. Die Beschreibung von Dioskurides und Plinius um

die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. einer ägyptischen Knollenpflanze,

dürfte sich eher auf den indischen Lotos als auf sie beziehen. Aber im

Mittelalter wurde sie unter der arabischen Bezeichnung ~kolkâs~, woraus

dann von den abendländischen Gelehrten, insbesondere vom Venezianer

Prosper Alpino, der eine Reise nach Ägypten ausführte, wonach er ein

Buch über „ägyptische Pflanzen“ schrieb, und als Professor der Botanik

in Padua 1617 starb, die Bezeichnung ~colocasia~ entstand, im Niltal

häufig gepflanzt und breitete sich damals über Nubien und Sennar nach

Afrika aus.

Die Kultur des Taro ist derjenigen des Yams ähnlich, nur daß man

natürlich, da sie keine Kletterpflanze ist, keiner Stangen bedarf.

Am besten eignet sich dazu sandiger Lehm, der recht feucht sein und

durch fleißiges Behacken locker gehalten werden muß. Das Wärmebedürfnis

der Pflanze ist kein besonders großes, vielmehr verlangt sie

außer reichlicher Wasserzufuhr Schatten, den man ihr meist durch

Dazwischenpflanzen von Bananen zuteil werden läßt. Andererseits benutzt

man sie wiederum vielfach und mit Erfolg zur Beschattung junger

Kaffee- und Kakaopflanzen. Die Vermehrung geschieht entweder durch

die Tochterknollen, die aber viel Zeit zur Entwicklung brauchen, oder

zweckmäßiger durch den oberen Teil der Knollen früherer Ernten, die in

Abständen von etwa 1 m gepflanzt werden. Die Güte und Zartheit des beim

Kochen eine gelbliche Farbe annehmenden und einen etwas schleimigen,

jedoch nicht unangenehmen Geschmack aufweisenden Fleisches der 0,5-2

kg schweren Knollen hängt neben der Sorte, der Feuchtigkeit und dem

Boden, von der Sorgfalt der Bearbeitung ab. Namentlich muß das Feld von

Unkraut rein gehalten werden. Schon nach zwei Monaten sind die ersten

Knollen genießbar, nach fünf bis sechs Monaten haben die frühreifen

Sorten bereits ihre definitive Größe erreicht, die anderen werden

nach acht bis zwölf Monaten geerntet; länger darf man nicht warten,

da sonst die Knolle wieder austreibt. Die gleichfalls gut brauchbaren

Tochterknollen kann man aber schon vorher mit Vorsicht ausgraben, ohne

die Pflanze zu schädigen. Nur in Gegenden mit ausgeprägter Trockenzeit

welken die Blätter vollständig; man muß sich deshalb die Zeit des

Auspflanzens merken, um die Erntezeit nicht zu verpassen. Ein großer

Vorteil ist, daß die Knolle sich im Boden wenigstens einige Monate

hindurch hält, so daß man ernten kann je nach Bedarf; auch ist die Zahl

der Tochterknollen in gutem Boden eine sehr reiche, was die Vermehrung

sehr erleichtert. Nur einen Nachteil besitzt der Taro, daß er nämlich

in bezug auf Boden und Klima wählerisch ist und bedeutend weniger

Ertrag gibt als die meisten anderen, für den Anbau zur Verfügung

stehenden Knollengewächse.

Außer dem Taro werden übrigens in Ostasien und Polynesien noch eine

Reihe anderer Aronsstabgewächse wegen ihrer mehlhaltigen Knollen

angebaut, so z. B. die 1 m hohe ~Alocasia macrorhiza~ mit noch größeren

Blättern, deren Knolle aber dem Taro an Güte nachsteht und zudem

einen außerordentlich scharfen, giftigen Saft enthält. Zur Entfernung

desselben muß sie lange eingeweicht und unter Erneuerung des Wassers

gekocht werden. Ferner werden in denselben Gegenden hier und da Arten

der Gattung ~Amorphophallus~ kultiviert, die aus einer mächtigen, oft

über 15 kg schweren Knolle nur ein einziges, bis 3 m hohes, riesiges,

mehrfach gelapptes Blatt erzeugen, nach dessen Absterben dann ein

ebenfalls sehr großer, kolbiger, mit dunkelvioletter Scheide umgebener

Blütenstand hervortreibt, der in der Vollblüte einen ekelhaften

Aasgeruch verbreitet. Die Schärfe der Knollen muß ebenfalls durch

mehrfaches Auswässern und längeres Kochen zerstört werden. In Japan

wird besonders ~Alocasia rivieri~ kultiviert, aus deren Knollen die

Japaner ein ~konniyak~ genanntes Stärkemehl gewinnen. Auf den Molukken

wird zuweilen die auch in wildem Zustande sehr gemeine ~Alocasia

campanulata~ gepflanzt. Andere Arten werden in Vorderindien und Afrika

benutzt, freilich aber nicht kultiviert.

Den Taro vertreten im tropischen Amerika seit alter Zeit andere

Aronsstabgewächse der Gattung ~Xanthosoma~, die in Westindien +Taya+,

in Brasilien dagegen +Mangareto+ genannt werden. Wie der Maniok und

andere amerikanische Nutzpflanzen sind sie dann durch die Portugiesen

schon sehr früh nach Westafrika übergeführt worden, wo sie in manchen

Gegenden der Küste, z. B. in Kamerun, noch heute eine weit größere

Rolle spielen als der Taro. Von den asiatischen Arten unterscheiden

sich die Pflanzen leicht durch den milchigen Saft, während er beim Taro

durchsichtig ist. Die wichtigste Art ist ~Xanthosoma sagittifolium~,

die wegen ihrer weißen, ganz angenehm, wenn auch weniger gut als die

Kartoffel schmeckenden mehligen Knollen ~Mangareto branco~, d. h.

weiße Mangareto genannt wird. Die apfelgroße, als sehr schmackhaft

geltende Hauptknolle wird von einer Anzahl nur nußgroßer Tochterknollen

umgeben, die besser als die größeren schmecken. Die violette Taya hat

violette Blattstiele und grünviolette Blätter; eine andere Sorte wird

Bananentaya genannt. Die Touca besitzt viel kleinere und mehr graugrüne

Blätter; ihre besonders wohlschmeckenden Knollen sind innen gelb und

behalten die Farbe auch beim Kochen. Auch von diesen Pflanzen ißt man

die gekochten Blätter als Gemüse.

Ein anderes amerikanisches Knollengewächs, das mühelos reiche

Ernten liefert, ist eine Kürbisart, die schon die Azteken in Mexiko

kultivierten. Sie nannten sie ~chayotli~, was „stacheliger Kürbis“

heißt. Daraus wurde ihre heutige mexikanische Bezeichnung +Chayote+.

Ihre Verbreitung nach Westindien, wo sie +Chocho+ genannt wird,

wurde durch die Tatsache begünstigt, daß sie außer den mehlreichen

Wurzelknollen, die oft 10 kg schwer werden und äußerlich wie im

Geschmack der Yamswurzel gleichen, nur im frischen Zustande ein

bitteres, abführendes, durch Kochen in Wasser leicht zu beseitigendes

Prinzip enthalten, 10-15 cm lange, rauhhaarige, bleichgrüne oder

gelblichweiße Früchte liefern, welche große, eßbare Samen enthalten.

Letztere können roh kaum genossen werden, schmecken auch gekocht

recht fade, doch lassen sich aus ihnen durch Hinzufügen von Zucker

und Zitronensaft ausgezeichnete Marmeladen und Fruchtspeisen

herstellen. Sie vertragen auch gut den Export, nur muß man sich vor

Verletzung derselben hüten, da sie dann alsbald zu faulen beginnen.

Gute Sorten haben etwa Nußgeschmack und sind viel mehliger als der

Kürbis oder die Gurke. In Algier und auf Réunion hat man sie als

Gemüseobstpflanze eingeführt, auch findet man sie jetzt vielfach in

Ostindien angepflanzt. Wo sie sehr häufig ist, wie in Westindien,

dient die Frucht auch als Schweinefutter, aber wohl nirgends in so

ausgedehntem Maße wie in Jamaika, wo diese Pflanze eigens zum Zwecke

der Schweinemast angebaut wird. Die jungen, noch nicht beblätterten

Sprosse werden in Mexiko als Spargel gegessen und sollen ähnlich wie

dieser schmecken. In Paris und anderswo wird das leichte Fasergewebe

der Pflanze zur Herstellung von Damenhüten verwendet. Die Kultur

erfolgt wie bei einem gewöhnlichen Kürbis in sandiger Erde in Abständen

von 1 m in der einen und von 3 m in der andern Richtung durch Pflanzen

der der Frucht entnommenen Samen. Wenn nicht geduldet wird, daß das

Unkraut den Boden überwuchert, wachsen die Pflanzen außerordentlich

schnell und liefern noch in demselben Jahre eine Ernte ihrer großen,

grünen, stacheligen Früchte. Im nächsten Jahre kann eine Aberntung

von Wurzelknollen stattfinden; diese erzeugt nämlich Nachkommen, die

abgelöst werden können, ohne daß die Lebenstätigkeit der Pflanze

gestört wird. Zugleich kann abermals eine Ernte von Früchten

stattfinden. Diese Doppelernten können noch sechs bis sieben Jahre

wiederholt werden, wenigstens in Gegenden, wo kein Frost auftritt. Nach

Ablauf dieser Zeit ist aber die Pflanze erschöpft und muß durch Stecken

eines Sämlings neu gepflanzt werden. Da sie keinerlei Kulturarbeit

erfordert und sich innerhalb der heißen Zone leicht an Boden und Klima

anpaßt, verdient sie als äußerst nützliches Tropengewächs allgemeine

Beachtung und weitere Verbreitung.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte · 第 39 / 77 段