esculentus~), auch Erdmandel genannt, deren Knollen man auch
bisweilen mit anderen Pflanzenresten in den altägyptischen Sarkophagen
als beliebte Totenspeise findet. So fand man welche in Gräbern des
mittleren Reiches (2160-1788 v. Chr.) in Der el bahri bei Theben.
Die im Berliner ägyptischen Museum aufbewahrten sollen nach A.
Braun rundlicher und kleiner sein, als die heutigentags in Ägypten
kultivierten. Die Pflanze hieß bei den alten Ägyptern gaiu und die
Wurzelknolle ~schabin~. Der erste Grieche, der die Pflanze erwähnt,
ist Theophrast. Er sagt von ihr: „Die ~malinathállē~ wächst in der
Nähe der Flüsse Ägyptens auf sandigem Boden, ist rund von Gestalt,
an Größe der Mispel gleich, ohne Kern und ohne Schale. Aus dieser
Masse kommen Blätter wie beim Zypergras hervor. Die Leute sammeln die
Knollen und kochen sie in Gerstenbier; auf diese Weise werden sie sehr
süß. Sie werden auch allgemein zum Nachtisch gegessen.“ In ähnlicher
Weise drückt sich der ältere Plinius (23-79 n. Chr.) aus: „In Ägypten
wächst das ~anthalion~; es hat die Größe und Rundung einer Mispel,
weder Kern noch Schale, aber Blätter wie Zypergras. Es wird gegessen,
nachdem es durch Feuer zubereitet ist.“ Noch heute ist die Erdmandel
oder Chufa eine für die Völker Nordafrikas sehr wichtige und deshalb
allgemein angebaute Nährpflanze, deren Knollen überall in den Basaren,
auch in Ägypten und im Orient als ~hab el asis~, d. h. vorzügliche
Knolle, zu kaufen sind. Aus letzteren bereiten die Araber ein sehr
süßes, wohlschmeckendes Getränk, ~scherbet~ genannt (vom Arabischen
~schariba~ = trinken abzuleiten). Überall, wo die Araber einst
herrschten, wurde die Pflanze häufig angebaut, so auch in Sizilien
und Süditalien, und neuerdings wird sie wegen des süßen Geschmacks
ihrer nahrhaften Wurzelknolle auch in Süddeutschland und Österreich
kultiviert. Vielfach trifft man sie auch in Südasien und sogar in
Amerika an. Die stärkemehl-, öl- und zuckerreichen Wurzelknollen von
ausgezeichnetem mandelartigem Geschmack werden vielfach in den Handel
gebracht und dienen zur Gewinnung eines als Speiseöl sehr geschätzten
Öles. Da die Pflanze auch längere Trockenzeiten mit Leichtigkeit zu
überstehen vermag, so bilden ihre Knollen, die roh und gekocht in
der verschiedensten Zubereitung gegessen werden, in dem trockeneren
Südafrika eines der wichtigeren Nahrungsmittel, weshalb die Erdmandel
in vielen Teilen Afrikas, u. a. auch in Deutsch-Südwestafrika, angebaut
wird.
Auch die nahrhaften Wurzeln verschiedener anderer Pflanzen wurden und
werden manchenorts vom Menschen gegessen. So bildeten die mehlhaltigen
Wurzelstöcke gewisser +Farnkräuter+ die fast ausschließliche
Pflanzennahrung der Maori Neuseelands vor ihrer Entdeckung durch
die Europäer. Sie waren um 1300 n. Chr. von Norden her auf dieses
Eiland eingewandert und bewohnten ausschließlich die Nordinsel, sich
hier vorzugsweise vom Fischfang und der Jagd ernährend. Noch als der
berühmte Seefahrer James Cook den Südwinter 1773 bei ihnen verbrachte,
hatten sie daran und am Fleische der gewaltigen, flügellosen Vögel,
die in zahlreichen Arten jene Insel bewohnten, genügend zu essen;
als aber letztere zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausgerottet wurden
und die Eingeborenenbevölkerung sich so weit vermehrt hatte, daß die
Fleischnahrung als notwendige Zukost zur eiweißarmen Wurzelnahrung
im Innern, wo kein Fischfang möglich war, mangelte, da begannen die
Maori notgedrungen, sich gegenseitig aufzufressen, bis die Europäer
durch Einführung der Schweine als Eiweißnahrung und der Kartoffeln
an Stelle der viel geringwertigeren Farnwurzeln als Pflanzenkost der
chronischen auf dieser übervölkerten Insel herrschenden und zu den
Gräueln des Kannibalismus führenden Hungersnot ein Ende machten, worauf
der Menschenfraß von selbst aufhörte. Heute noch dienen allerlei
Farnwurzeln, namentlich von ~Pteris aquilina~, im Himalaja und in Japan
zur Ernährung des Menschen.
Noch häufiger aber werden andere stärkemehlhaltige Wurzelstöcke als
Nahrung benutzt, so vor allem diejenigen der in der ganzen Inselwelt
des Stillen Ozeans und Südasiens heimischen +Tahitipfeilwurz+ (~Tacca
pinnatifida~), auf Tahiti und den benachbarten Inseln ~pia~ genannt.
Diese niedrige, ausdauernde Staude wird hier überall, wie auch in
Queensland, dem malaiischen Archipel, Indien, Südchina und der
Ostküste von Afrika um Sansibar herum wegen ihrer stärkemehlreichen
Wurzelknollen kultiviert, obgleich dieselben eine Schärfe besitzen,
welche selbst durch mehrmaliges Auswaschen nicht vollständig entfernt
werden kann. Von den Europäern wird sie deshalb gewöhnlich mit Essig
gegessen, der die Schärfe unterdrückt. In China und Cochinchina dienen
auch die gekochten Blattstiele zur Nahrung. Von dieser Pflanzenknolle
wird ein sehr geschätztes Stärkemehl gewonnen, das als ostindisches
~Arrowroot~, d. h. Wurzelmehl, in den Handel gelangt, meist aber an Ort
und Stelle verbraucht wird. Neuerdings wird diese Pfeilwurz mit bestem
Erfolg auch im Kamerungebiete und in Deutsch-Südwestafrika angebaut
und zur Gewinnung von Stärkemehl benutzt, das vielfach auch von den
Fidschi-, Samoa- und Sandwichinseln, wie auch von Neuguinea in den
Handel kommt.
Sonst wird das Arrowroot des Handels meist aus Wurzelstöcken
verschiedener im tropischen Südamerika heimischer Pflanzen aus der
Familie der Marantazeen, einer Art Gewürzlilien, gewonnen. Dieses
Wurzelmehl gewannen die Indianer schon lange vor ihrer Bekanntschaft
mit den Europäern und nannten es ~aruruta~ (von ~aru~ Mehl und ~ruta~
Wurzel), woraus die Engländer irreführenderweise ihr ~arrowroot~
machten, was also „+Wurzelmehl+“ und nicht „Pfeilwurz“ bedeutet, wie
man glauben könnte. Das beste Stärkemehl liefert ~Maranta arundinacea~,
eine 2-3 m hohe Staude mit geradem, schlankem Stengel, langen,
ovallanzettlichen, unterseits etwas behaarten Blättern, kleinen weißen
Blüten, die in kurzen Ähren an den verzweigten Blütenständen erscheinen
und welchen Kapselfrüchte von der Größe der Johannisbeeren folgen.
Der fleischige Wurzelstock verzweigt sich im Boden; seine einzelnen
Glieder, „Finger“ genannt, werden 25 bis 45 cm lang, sind weiß und
müssen zur Zeit des Absterbens der Stengel, wenn sie am stärkereichsten
sind, geerntet werden. Wenn der Wurzelstock jung ist, enthält er nur
7-8 Prozent Stärkemehl, dann wächst der Gehalt allmählich und erreicht
im 10.-12. Monat, je nach der Gunst des Klimas, 25-26 Prozent. Die
abgeschnittenen Stauden dienen als Gründüngung, während die mit Hacken
ausgegrabenen Wurzelstöcke geschält, gewaschen, zwischen Walzen
zerquetscht und die Stärkemehlkörnchen auf feinen Sieben ausgeschlämmt
werden. Darauf folgt die Trocknung in großen, flachen Kupferpfannen,
in welche die Stärke mit neusilbernen Schöpflöffeln übertragen wird,
und darauf das Verpacken in Fässer oder noch besser in Zinnkisten.
Aus ihrer Heimat im tropischen Südamerika war die Pfeilwurz vor der
Ankunft der Europäer überall in Westindien verbreitet und wird schon
lange auch in Ostindien, Afrika und Australien im großen kultiviert.
Besonders in Süd- und Westafrika hat sich ihr Anbau in neuerer Zeit
sehr gehoben. Natal führt davon jährlich bis zu 300000 kg aus, wovon
das kg im Großhandel etwa 1 Mark kostet. Solches Arrowroot wird in
Westindien auch von ~Calathea allouya~ gewonnen, einer Pflanze mit
rundlichen, kleinen Knollen, die wie die Maranta von den Eingeborenen
Guianas und Westindiens häufig als Knollenpflanze bei den Häusern
angebaut wird. Dann wird aus verschiedenen Cannaarten, die mit Maranta
nahe verwandt sind und wie diese kultiviert werden, Arrowroot gewonnen,
das unter dem Beinamen Tulema (verdorben aus ~tous les mois~) bekannt
ist, ~Canna discolor~ aus Mittelamerika soll wenig, aber eine sehr gute
Sorte geben, die in Trinidad unter dem Namen ~Cannaroot~ in den Handel
kommt. Während die verschiedensten südamerikanischen Cannaarten, so
namentlich ~C. gigantea~ aus Brasilien und ~C. paniculata~ aus Peru,
zur Stärkemehlgewinnung angepflanzt werden, wird nur die ebenfalls
in Peru heimische ~Canna edulis~ in Süd- und Mittelamerika, wie seit
langer Zeit auch im östlichen Australien für den Export im großen
angebaut. In ihrer Heimat Peru heißt sie ~adeira~ und werden ihre
Knollen wie bei uns die Kartoffeln gegessen. Sie ist außerordentlich
zähe und genügsam an den Boden und wird im Gegensatz zur weißen
Arrowrootpflanze (~Maranta arundinacea~ mit der weißen Blüte), weil
sie scharlachrote Blüten und dunkelpurpurfarbene Früchte besitzt, die
rote Arrowrootpflanze genannt. In Queensland hat sie infolge ihrer
leichteren Erntebereitung, trotzdem ihr Produkt weit geringere Preise
erzielt, die Marantakultur schon fast ganz verdrängt. Sonst kommt die
meiste Cannastärke von St. Kitts in Westindien nach London auf den
Markt.
Andere nennenswerte Arrowrootquellen sind einige Ingwerarten Ostindiens
aus der Gattung Curcuma, deren eine die als Gewürz gebrauchte Gelbwurz
liefert; die beste Sorte liefert ~Curcuma angustifolia~. Das daraus
gewonnene Stärkemehl wird meist auf den indischen Basaren unter
einheimischen Namen verkauft und kommt kaum in den europäischen Handel,
doch soll es vielfach zur Verfälschung des echten Arrowroots aus
~Maranta arundinacea~ gebraucht werden. In Westindien dient zu der
seltener vorkommenden Verfälschung derselben eine ihr ähnlich sehende
Stärke, die von verschiedenen Cycadeen oder Palmfarnen, besonders
~Zamia tenuis~, ~furfuracea~ und ~pumila~, gewonnen wird. Dem gleichen
Zwecke dienen die im Tieflande Mexikos wachsenden großen Samen des
Palmfarns ~Dioon edule~. In Chile ist ~Astroemeria pallida~ eine
Arrowrootquelle; das gewonnene Produkt dient aber nur dem einheimischen
Verbrauch.
Eine als Nahrungsmittel außerordentlich wichtige Knollenfrucht
liefert die südamerikanische Wolfsmilchart ~Manihot utilissima~.
Dieses Wurzelgewächs wird in Westindien und den Vereinigten Staaten
+Cassava+, in Zentralamerika, Kolumbien, Venezuela, Peru, Ekuador und
Bolivien +Yuca+, in Brasilien, Argentinien und Paraguay aber +Mandioca+
genannt. Und als +Maniok+ wird es auch von den Europäern in Amerika
gewöhnlich bezeichnet, während es die in Westafrika, wo es früh durch
südamerikanische Sklavenhändler eingeführt wurde, lebenden Weißen als
Cassada oder Stockyams bezeichnen. Besonders an der Küste Westafrikas,
wo es die Eweer Agbeli nennen, wird es neben dem ebenfalls aus
Südamerika eingeführten Mais als Hauptbrotfrucht gepflanzt. Man
unterscheidet in seiner Heimat bittern und süßen Maniok; der letztere
wird als ~Manihot aipi~ bezeichnet, ist mehr in Südbrasilien, Paraguay
und Nordargentinien zu Hause, hat lange Staubbeutel und ungeflügelte,
nur etwas eckige Kapseln, während ersterer dagegen mehr aus
Nordbrasilien, Guiana und Westindien stammt und kurze Staubbeutel und
breitgeflügelte Kapseln besitzt. Obschon der süße Maniok, namentlich
in kühleren Gegenden, besser gedeiht als der bittere, auch in bezug
auf den Boden weniger anspruchsvoll ist und kürzere Zeit, nämlich 8-10
Monate, zur Reife gebraucht, wird er weniger als der bittere angebaut,
der reicheren Ertrag geben soll und dessen Knollen sich im Boden auch
besser halten sollen als die süßen. Sie sind größer als letztere und
nicht weißlich, sondern dunkel gefärbt. Die Pflanze gehört zu den
halbholzigen Sträuchern, der weißliche, spröde Stengel ist mit dickem
Mark gefüllt, mehrfach verästelt und wird 1,5-2 m, unter günstigen
Verhältnissen sogar 3 m hoch. Er ist schwach mit bläulichgrünen,
drei- bis siebenlappigen Blättern besetzt und trägt rispiggestellte
unscheinbare Blüten männlichen und weiblichen Geschlechts, aus welch
letzteren Kapselfrüchte hervorgehen. Die fleischigen Wurzeln stehen
in Büscheln beisammen und bilden den Dahlien- oder Georginenknollen
ähnliche, nur bedeutend größere und schwerere, außen meist rotbraun,
innen dagegen gelbweiß wie die Kartoffel gefärbte, fingerförmig
auseinanderstehende Knollen mit derber Schale. Meist erreichen sie
nur 30-45 cm Länge, können aber auch bis 70 cm Länge und ein Gewicht
von 4-5 kg erlangen. Sie enthalten gleich dem Strauche einen äußerst
giftigen Milchsaft, der schon wenige Minuten nach dem Genuß den Tod
herbeiführt. Durch Unkenntnis dieser Verhältnisse bei der ihnen bis
dahin unbekannten Knollenfrucht gingen zahlreiche der schwarzen, aus
Ostafrika mitgenommenen Suaheliträger auf dem letzten großen Zuge
Stanleys kongoaufwärts zum Entsatze von Emin Pascha an Vergiftung
zugrunde. Glücklicherweise läßt sich aber das Gift, das aus Blausäure
besteht, schon teilweise durch sorgfältiges und wiederholtes
Auswaschen, vollständig aber durch Rösten und Kochen entfernen. Die
Hitze verflüchtigt es so schnell, daß dünne Wurzelschnitten, einige
Stunden an der Sonne getrocknet, dem Vieh als Futter verabreicht werden
können, und sogar, falls sie völlig trocken sind, auch vom Menschen
gegessen werden dürfen. Vor ihrer Zubereitung raspelt und zerreibt
man die Knollen, preßt die Masse aus, wäscht sie wiederholt im Wasser
aus und drückt sie schließlich durch ein Bambusrohrgeflecht. Das
dabei Zurückbleibende ist das Mandiocamehl, in Südamerika meist nur
~farinha~, d. h. Mehl genannt, das, zu Brot oder Kuchen gebacken oder
mit Wasser zu Brei verrührt, in einem großen Teile Südamerikas für die
ärmere Bevölkerung das ist, was die Kartoffel für Irland. Aus dem durch
das Bambusgeflecht abgelaufenen Wasser schlägt sich reines Stärkemehl
nieder, das als +Tapioka+ (aus dem ~tipiok~ der Indianer entstanden),
Manioksago oder brasilianisches Arrowroot in den Handel gelangt und
als Kindermehl oder zu feinem Backwerk verwendet wird. Damit sich das
Mandiocamehl leichter zu Brot backen läßt, wird es in Amerika vielfach
mit Weizenmehl vermischt. Als Würze zu den etwas fade schmeckenden
Maniokklößen oder dem Tapiokabrei genießt man vielfach den mit Pfeffer
gekochten frischen Milchsaft der Pflanze, und sogar die Blätter werden
gekocht als Gemüse gegessen. Da die Kultur des Manioks eine äußerst
einfache ist, die Pflanze selbst mit geringem Boden vorlieb nimmt und
bei geringer Arbeit einen hohen Ertrag liefert, so ist es kein Wunder,
daß sie sich aus ihrem Stammland Brasilien, wo sieben verschiedene
Arten derselben angebaut werden, über ganz Südamerika, Mexiko und
die Antillen schon vor der Ankunft der Europäer verbreitet hatte.
Im 16. Jahrhundert kam sie durch die Portugiesen nach Westafrika,
wo sie sich mit der Zeit weithin verbreitete; später ward sie auch
nach Asien gebracht und wird da stellenweise angebaut, so besonders
auf der Halbinsel Malakka. Doch nimmt heute noch Brasilien weitaus
die erste Stelle in bezug auf den Export von Tapioka ein. Hat doch
dieses Land eine Jahresausfuhr von 15 Millionen kg im Wert von über
einer Million Mark, nach ihm kommt Singapur mit 12,4 Millionen kg. Die
deutschen Kolonialgebiete in Westafrika produzieren fast nur für den
Eigenbedarf, weil von seiten der Europäer bis jetzt keine Nachfrage
nach diesem Artikel besteht. Doch hat Togo immerhin im Jahre 1906 schon
250000 kg im Werte von fast 22000 Mark ausgeführt. Die Kultur ist so
überaus einfach und ergiebig, daß sie selbst dem arbeitsscheuen Neger
einleuchtet und sich von selbst bis nach Westafrika quer durch den
Kontinent ausbreitete. Sowohl in Deutsch-Ostafrika als auch namentlich
im portugiesischen Teile spielt sie heute eine große Rolle. Der Maniok,
der von den Deutschen Westafrikas im Gegensatz zum eigentlichen, wie
wir gleich sehen werden, rankenden Yams auch als Stockyams bezeichnet
wird, gedeiht am besten auf trockenem Sandboden, während er bei zu
großer Feuchtigkeit, z. B. im Gebirge, durch starken Giftgehalt
ausgezeichnet ist und dann mit der größten Vorsicht durch die vorhin
genannten Maßnahmen entgiftet werden muß.
In seiner Heimat Brasilien, wie in Afrika und auf Malakka, wird der
Maniok in der denkbar einfachsten Weise angepflanzt, indem man ein
Stück Urwald mit Axt und Feuer lichtet und den Grund behackt. In
Abständen, die mit Rücksicht auf die Größe des sich entwickelnden
Strauches durchschnittlich 1,5-2 m betragen, werden etwa 30 cm lange
Stengelstücke, an denen in ausgiebigster Weise Knospen angelegt sind,
die in der folgenden Vegetationsperiode zur Entwicklung gelangt
wären, bis nahezu zur Hälfte schräg in den Boden gesteckt. Schon nach
2 bis 3 Wochen bemerkt man das Austreiben der Knospen, welche sich
dann sehr schnell entwickeln, so daß bereits nach sieben Monaten,
während welcher nur ein- bis zweimal zur Beseitigung des gröbsten
Unkrauts gehackt zu werden braucht, die Ernte der Knollen beginnen und
infolge der stetigen Entwicklung neuer Knollen mehrere Monate fast
ununterbrochen fortgesetzt werden kann. Dabei müssen die Knollen,
die sich an der Luft nicht gut halten, bis zu ihrem Verbrauche im
Boden belassen werden, worin sie sich ausgezeichnet konservieren. In
Westafrika wird der Maniok in ausgedehnten, meist sorgsam gehegten
Feldern bei den Negerdörfern gebaut, indem um jede Pflanze ein
Erdhaufen zusammengeharkt wird, welcher infolge der Belaubung der über
Mannesgröße erreichenden Stauden meist frei von Unkraut bleibt. Dabei
kann man auf einen Ernteertrag von 5 kg Knollen pro Pflanze rechnen mit
einem Mehlertrag von etwa 33 Prozent. Die anfänglich leeren Abstände
benützt man vielfach zum Anbau schnellwachsender Pflanzen wie Mais oder
Bergreis und legt häufig Mischkulturen von Maniok und Bananen an. Auch
der Maniok hat seine Feinde, von denen namentlich Raupen mitunter in
größeren Mengen an die Pflanze herangehen. Bedeutend mehr wird aber
die durch einen Fadenpilz hervorgerufene Kräuselkrankheit der jungen
Triebe gefürchtet. Einfallende Schwärme von Wanderheuschrecken können
durch Abfressen des für sie trotz der Giftigkeit unschädlichen Laubes
großen Schaden anrichten, ebenso Wildschweine und in Amerika Agutis
durch Wegfressen der Knollen trotz ihrer Bitterkeit. Die Blätter fallen
vielfach auch Hirschen und Antilopen zum Opfer.
[Illustration: Bild 21. Die Batate oder süße Kartoffel (~Ipomaea
batatas~). Blühender Zweig und Wurzelknollen.]
Eine andere uralte Kulturpflanze des tropischen Amerika ist die
+Batate+ oder +süße Kartoffel+ (~Ipomaea batatas~), die durchaus nicht
mit der gemeinen Kartoffel verwandt ist, sondern ein Windengewächs mit
eßbaren Wurzelknollen ist. Wegen der großen Ähnlichkeit der letzteren
mit den Kartoffelknollen in Verbindung mit deren ausgesprochen süßem
Geschmack wurden sie als süße Kartoffeln bezeichnet. Die Pflanze
ist ausdauernd, sie hat aus einer Wurzel mehrere lange, auf dem
Boden kriechende Stengel, langgestielte, breite, tiefeingeschnittene
Blätter, zu 3-4 an einem ebenfalls langen Stiele aus den Blattwinkeln
hervorbrechende große, purpurrote, rötliche oder weiße Trichterblüten
und entwickelt mehrere lange, walzen- oder spindelförmige, spitz
zulaufende, außen purpurrote, weiße oder gescheckte, inwendig aber
weiße, weiche mehlreiche Wurzelknollen, die im allgemeinen nur
ein Gewicht von 1-2 kg erreichen; doch sind solche von 6 kg keine
Seltenheit, und auf Java soll man sogar Knollen von 25 kg gezogen
haben. Obschon die Pflanze noch nirgends im wilden Zustande angetroffen
wurde, so ist doch höchst wahrscheinlich Brasilien ihre engere
Heimat, da dort verwandte wilde ~Ipomaea~-Arten angetroffen werden,
deren Knollen gleichfalls gegessen werden können. Seit den ältesten
Zeiten wird sie durch das ganze tropische Amerika von Paraguay und
Peru, in welch letzterem Lande sie ~apichu~ genannt wird und nach den
Gräberfunden von Ancon schon von den vorgeschichtlichen Indianerstämmen
angepflanzt wurde, bis Mexiko und den Antillen kultiviert, und zwar in
einer großen Zahl von Kulturvarietäten, die indessen nicht durchweg
beständig zu sein scheinen. Sie wurde im Jahre 1519 in Europa bekannt,
indem Pigafetta über ihre Kultur in Brasilien berichtete. Bald darauf
wurde sie in Spanien eingeführt und von dort und den Kanaren kam sie
noch vor der Kartoffel nach England. Wegen ihrer großen Vorzüge als
Nährfrucht verbreitete sie sich sehr rasch über die Alte Welt und
fand sich schon im 17. Jahrhundert in ausgedehntem Maße in Ostasien,
besonders China, angepflanzt. Man baut sie gegenwärtig außer sehr
allgemein in Amerika, wo sie sich den ganzen Süden der Vereinigten
Staaten erobert hat, in Nordafrika, Ostindien, China, Japan und dem
malaiischen Archipel an. Selbst in Südeuropa hat man sie einzubürgern
versucht; doch ist es ihr hier nicht warm genug, so daß sie nicht recht
zu gedeihen vermag.
Die Kultur der Batate, deren Namen die Engländer als die ihnen von den
beiden Knollengewächsen zuerst bekannt gewordene als ~potatoe~ auf
die Kartoffel übertrugen, erfordert in den warmen Ländern sehr wenig
Arbeit. Sie wächst in jedem Boden, ist aber für ausgiebige Düngung
dankbar. Man steckt die Saatknollen, oder falls man Stecklinge erhalten
kann, meist diese in Abständen von 1 m in den Boden, nachdem der Boden
durch Hacken gelockert und das Unkraut als Gründüngung untergegraben
ist. Die beste Pflanzzeit ist in den Tropen die zweite Regenzeit oder,
falls nur eine existiert, die zweite Hälfte derselben; doch pflanzt
man meist während der ganzen Regenzeit, um stets frische Süßkartoffeln
zu haben. Meist setzt man sie als Zwischenfrucht auf Feldern, die zum
zweiten Male Mais tragen. Und zwar wählt man die Zeit, da der Mais
schon 30-40 cm hoch ist und als Schattenpflanze für die jungen Bataten
dienen kann. Nach zwei Monaten wird der Mais geerntet, nach fünf
Monaten aber die Bataten entweder ohne Zwischenfrucht, oder man sät
noch einmal Mais dazwischen. Andere Zwischenfrüchte, wie z. B. Bananen,
wählt man jetzt nicht mehr oder nur selten. Dadurch, daß die Stengel
der Bataten auf dem Erdboden kriechen und mit zahlreichen Blättern
versehen sind, unterdrücken sie die Entwicklung von Unkräutern. Man
braucht also nicht zu hacken, sondern kann den Boden fest lassen,
wodurch auch die Ausbildung großer und mehr runder Knollen begünstigt
wird. Bei der Ernte, welche etwa Anfang April beginnt, werden die
Knollen für den jedesmaligen Bedarf oder in gewissen, meist nicht sehr
großen Quantitäten mit möglichster Schonung der Pflanze herausgenommen.
Diese setzt dann fortwährend neue Knollen an, so daß die Felder oft
erst nach zwei bis drei Jahren erneuert werden. Nachher aber werden
die Blätter kleiner und die Knollen bleiben aus, so daß die Kulturen
frisch angelegt werden müssen. Die Ernte soll man möglichst nur bei
trockenem Wetter vornehmen. In vielen Fällen heben die Knollen zur
Zeit der Ernte, da das Laub gelb zu werden beginnt, die Erde empor und
lassen sich leicht auffinden und mit der Hacke ausgraben. Der Wert der
durch einen großen Reichtum an Stärkemehl und Milchsaft ausgezeichneten
Knollen wird durch ihre geringe Haltbarkeit beeinträchtigt, zumal in
einem feuchten Klima. Vor allem müssen sie in einem trockenen, luftigen
Raum aufbewahrt werden. Zu diesem Zwecke baut man gutgedeckte Scheuern,
worin sie aufgehängt oder, wie es die Neger meist machen, lose
aufeinander geschichtet werden. Man ißt sie aber meist bald nach der
Ernte und bereitet sie in derselben Weise wie die Kartoffeln zu, indem
man sie in Butter geröstet und als Puree oder Salat zubereitet ißt.
Sie sind sehr bekömmlich und nahrhaft, zart und von angenehmem, süßem
Geschmack, sind leichter verdaulich, stehen aber für unser Empfinden
in bezug auf Wohlgeschmack weit hinter den Kartoffeln zurück. Im Ofen
getrocknet oder in Zucker eingelegt, lassen sie sich auch konservieren;
auch benutzt man sie zur Gewinnung eines berauschenden Getränkes, das
in Westindien ~mobby~, bei den Portugiesen aber marmoda heißt. Die von
Würmern angefressenen, die leicht faulen, und die unreifen Knollen
können als Viehfutter verwendet werden. Als ebensolches dienen auch die
Blätter und Stengel; erstere werden bisweilen auch solange sie jung
sind wie Spinat gekocht vom Menschen gegessen, schmecken aber nicht
sehr gut.