Als Behälter zur Aufnahme von Flüssigkeiten ist jedenfalls die

getrocknete und ausgehöhlte Kürbisschale, die man gewöhnlich als

+Kalabasse+ bezeichnet, uralt. Jedenfalls haben wir in ihr die

Urform des Gefäßes zu erblicken, die erst in sehr viel späterer

Zeit vom Menschen in gebranntem Ton nachgeahmt wurde. Wie nun der

Flaschenkürbis in der alten Welt dem Menschen einen natürlichen

Behälter darbot, benutzte der Mensch der neuen Welt zu demselben

Zwecke außer den getrockneten hohlen Schalen der einheimischen

Kürbisse, von denen alsbald zu reden sein wird, auch die ähnlich

beschaffenen Früchte des in Mittelamerika heimischen +Kalabassenbaums+

(~Crescentia cucurbitana~), der in fünf verschiedenen Arten vorkommt.

Allgemein in Westindien, Südamerika und neuerdings auch in Westafrika

kultiviert wird die 6-9 m hohe ~Crescentia cujete~ mit gebüschelten,

lanzettförmigen Blättern, grünlichen, gelb und rot gescheckten Blüten

und großen, rundlichen, 30 cm im Durchmesser haltenden Früchten, die in

einer grünen, holzigen Rinde ein schwammig-saftiges, säuerlich-süßes

Mark mit den Samen beherbergen. Dieses Mark wird in Amerika arzneilich

benützt, aus der Fruchtschale, der eigentlichen Kalabasse, verfertigt

man oft mit Schnitzereien verzierte Gefäße, Schalen, Löffel usw. Das

Holz dagegen dient in der Möbeltischlerei.

Wie der Flaschenkürbis in Südasien heimisch ist eine andere in ihren

Früchten technisch wichtige Kürbisart, nämlich der +Schwammkürbis+

(~Luffa cylindrica~), der heute im ganzen Tropengebiet kultiviert

wird, auch nach Amerika gebracht wurde und dort verwilderte. Die

ziemlich großen, länglichen, glatten Früchte können besonders unreif

wie die Blätter gekocht genossen werden; wichtiger aber ist das in

den reifen Früchten erhärtende, stark ausgebildete Gefäßbündelnetz,

das den +vegetabilischen+ oder +Luffaschwamm+ liefert. In Wasser

erweichend dient er statt des tierischen Schwammes zum Reinigen und

Frottieren der Haut, dann zu Schuhsohlen, Badepantoffeln, Mützen,

Körbchen, Sattelunterlagen, Bilderrahmen und kommt zum Teil aus

Ägypten, besonders aber aus Japan in den Handel. Die unreifen Früchte

der gleicherweise in Südasien heimischen ~Luffa acutangula~, deren

Kultur sich heute über die ganzen Tropen erstreckt, werden wie Gurken

gegessen, die Wurzeln und Samen dagegen als Abführmittel benutzt.

Sämtliche +echten Kürbisse+ dagegen sind in der Neuen Welt heimisch

und haben sich erst seit deren Entdeckung durch die Europäer, also

seit dem 16. Jahrhundert, über die Alte Welt verbreitet. Alle zehn

bekannten Arten sind im warmen Amerika, nördlich bis Kalifornien, zu

Hause, doch sind mehrere, so namentlich die drei einjährigen Arten, im

wilden Zustande noch nicht aufgefunden worden. Daß sie schon lange in

der Kultur des Menschen stehen, beweist die Tatsache, daß Samenkerne

verschiedener Arten als Totenbeigaben auf dem vorkolumbischen

altperuanischen Gräberfelde von Ancon gefunden wurden. Auch wurden in

ganz Amerika schon lange vor der Ankunft der Europäer verschiedene

Kürbisarten von den Indianern angebaut, die den dahin gelangenden

Weißen, wie auch den Botanikern in Europa, die sie später kennen

lernten, vollkommen neu waren. Dies wird uns von Acosta und anderen

Spaniern von Peru und Mittelamerika, von späteren Einwanderern auch

von Nordamerika bezeugt. Bis zum Lande der Huronen an den kanadischen

Seen gab es Kürbisse. Von den letzteren berichtet uns ein französischer

Reisender des 16. Jahrhunderts, daß sie in Menge „~les citrouilles du

pays~“ anpflanzten. Ein anderer gleichzeitiger Schriftsteller nennt die

„~citrouilles~“ des südlichen Kanada süß und verschieden von denjenigen

Europas. Sie seien so groß wie unsere Melonen und ihr Fleisch sei so

gelb wie Safran.

Der +gemeine Kürbis+ (~Cucurbita pepo~) hat seine Heimat in Mexiko und

Texas, von wo aus er durch die Spanier sehr bald nach der Entdeckung

der Neuen Welt nach Spanien gebracht wurde, um sich von da rasch

ostwärts über Südeuropa zu verbreiten. Gleichzeitig mit dem Mais und

dem spanischen Pfeffer oder der Paprikapflanze finden wir ihn als

Novität in dem 1543 in Basel gedruckten Kräuterbuch des Leonhard Fuchs

sehr gut dargestellt mit zwei- bis dreiteiligen Ranken und rotgelben

Blüten. In Analogie mit dem als „türkisch Korn“ -- was wohl so viel

als von weither gekommen heißen soll -- bezeichneten Mais benennt

dieser Autor den Kürbis als „türkisch Cucumer, auch Meer-Cucumer

oder Zuccomarin“ und versichert, „daß er vor kurtzen jaren erst zu

uns gebracht worden, was man aus seinen Namen wohl mag abnehmen“. Im

Laufe des 16. Jahrhunderts hat sich dann diese Gartenfrucht rasch bei

uns eingebürgert, teils wegen ihres eßbaren Fruchtfleisches, teils

aber auch der schmackhaften Fruchtkerne wegen, auf welche nach einer

Bemerkung von M. Lobelius aus dem Jahre 1576 die Bauern sehr erpicht

waren. Die einjährige Pflanze mit liegenden, bis 10 m langen Stengeln,

dottergelben, einzelstehenden Blüten und kugeligen, oft sehr großen

Früchten mit weißem oder gelbem, genießbarem Fleisch wird in vielen

Varietäten kultiviert. Sie gedeiht, wo der Mais gedeiht, und liefert

bei gutem Anbau bis 60000 kg vom Hektar. Jede Pflanze soll nur acht

Früchte zur Reife bringen; sobald sie vier Nebenranken getrieben hat,

bricht man die Spitze der Hauptranke ab und nach dem Fruchtansatz

auch diejenigen der Nebenranken. In ganz Südeuropa dienen die Früchte

auf die mannigfaltigste Weise zubereitet der ärmeren Volksklasse

als geschätzter Zusatz zur Brotnahrung, sie bilden ferner ein

vortreffliches Mastfutter für Schweine, auch wird aus ihnen Branntwein

gewonnen. Aus den Samen läßt sich ein feines Speiseöl pressen. Zur

Herstellung von Kompott eignen sich besonders der +Markkürbis+ und

der nichtrankende +virginische Kürbis+. Zum Verspeisen sind auch der

+silbergraue+, der +melonengelbe+, der +Astrachan-+ und +Ohiokürbis+ zu

empfehlen. Der besonders in Südasien viel gepflanzte +Moschuskürbis+

hat wohlschmeckende, melonenähnliche Früchte, deren Fleisch nach

Moschus duftet und schmeckt. Sehr zahlreich sind die +Zierkürbisse+,

von denen etwa zu nennen sind: der +Türkenbundkürbis+, mit grün, gelb

und rot gestreiften Früchten, der nichtrankende +Pastetenkürbis+, auch

Bischofsmütze genannt, mit flacher, am Stiel gewölbter, gelber, grüner

und orange mit weiß gestreifter Frucht, dann der +Mantelsackkürbis+ mit

dunkelgrüner, am Ende sackartig aufgetriebener Frucht, dessen Samen

mit solchen von anderen Arten in den altperuanischen Gräbern von Ancon

gefunden wurden, und viele andere Formen wie +Apfel-+, +Birnen-+,

+Zitronen-+, +Glocken-+, +Warzenkürbis+. Die weitaus größten Früchte

besitzt der +Riesenkürbis+. Sie werden 20-100 kg schwer, sind kugelig,

plattgedrückt oder gerippt und haben ein feineres, wohlschmeckenderes

Fleisch als die eigentlichen Zierkürbisse, deren Fleisch nicht gegessen

wird.

Endlich hat uns Südamerika auch zwei als wertvolle Bereicherungen

unseres Gemüsegartens gepflanzte Nachtschattenarten geliefert, nämlich

den Liebesapfel oder die Tomate und die Eierpflanze oder Aubergine. Der

+Liebesapfel+ (~Lycopersicum esculentum~) mit übelriechenden, behaarten

Blättern, gelben Blüten, glänzend roten, gelbroten, gelben oder weißen

Früchten, heißt mit einer amerikanischen Bezeichnung +Tomate+. Der

große Baseler Botaniker Kaspar Bauhin (1560-1624) bezeichnet die Art

1596 als ~Tumatle Americanorum~, und die ersten von den Botanikern des

16. Jahrhunderts ihr beigelegten Namen wie „peruanischer Apfel“ lassen

vermuten, daß man sie aus Peru erhalten hatte. Jedenfalls wurde sie auf

dem südamerikanischen Festlande von den Eingeborenen früher angebaut

als auf den Antillen. Die Ausgangsform war eine ganz kleinblütige Art

mit kirschgroßen Früchten, die im Küstengebiet Perus heute noch wild

wachsend angetroffen wird. Heute wird die einjährige Pflanze in der

ganzen Kulturwelt, besonders in den englischen Kolonien, in Indien,

dann in Süd- und Mitteleuropa in vielen Varietäten angebaut und liefert

in ihren Früchten ein wohlschmeckendes und zuträgliches Gemüse, das

auch gerne roh als Salat gegessen wird. Um Neapel und Rom sieht man

ganze Felder mit dieser Frucht bepflanzt. Den Namen Liebesapfel

verdankt sie dem Glauben, daß die so schön gefärbte Frucht zärtliche

Gefühle erwecke.

Die +Eierpflanze+ (~Solanum melongena~), von den Franzosen ~aubergine~

genannt, mit 60 cm hohem, krautartigem Stengel, eirunden Blättern und

lilafarbigen, großen Blüten trägt ovale bis längliche, dunkelviolette,

gelbe oder weiße Früchte, denen man durch kochendes Wasser das in

ihnen enthaltene Narkotische entzieht. In Spanien, Südfrankreich,

Italien, der Wallachei und im Orient werden sie häufig auf Feldern

zum Küchengebrauche gezogen. Bei uns verwendet man sie vorzugsweise

als Zutat an Saucen, Suppen, Ragouts usw.; auch werden sie vielfach

gedünstet gegessen.

Ein naher Verwandter, ~Solanum quitoense~, ein bis 2 m hoher

Halbstrauch aus Peru, trägt genießbare Früchte von der Größe und Farbe

einer kleinen Orange, die im ganzen westlichen Südamerika als Obst

beliebt sind und auch zur Herstellung von kühlenden Getränken dienen.

Weil sie vielfach um Quito, die Hauptstadt von Ekuador kultiviert

werden, nennt man sie meist +Orangen von Quito+. Neuerdings werden sie

auch in England gezogen.

Von ~Solanum anthropophagorum~ endlich, der +Tomate der Kannibalen+,

einem auf den Fidschiinseln kultivierten, etwa 1,5 m hohen Halbstrauch,

wurden die tomatenähnlichen Beeren als Würze zu den einstigen

Menschenopferschmäusen gegessen, weshalb man diese Pflanze auch bei

jeder Bure, d. h. einem Opferplatz, wohin die Körper der Erschlagenen

gebracht wurden, um dort verzehrt zu werden, in kleinen Anpflanzungen

regelmäßig zog. Heute, da der Menschenfraß auf jenen Inseln abgeschafft

ist, dient sie als beliebte Würze zu allerlei Tierfleisch. In gleicher

Weise werden verschiedene andere Nachtschattenarten ihrer genießbaren

Früchte wegen in den Tropen kultiviert, so ~Solanum aethiopicum~ in

Afrika, ~Solanum edule~ in Guinea, ~Solanum macrocarpum~ auf Mauritius

und Madagaskar.

Endlich wäre noch die derselben Familie der Nachtschatten angehörende

+Juden-+ oder +Blasenkirsche+ (~Physalis alkekengi~) zu nennen, die

aus dem Laubwalde Europas als Zier- und Nutzpflanze in die Gärten

übernommen wurde. Sie hat schmutzigweiße Blüten und kirschgroße,

glänzendrote Beeren, die von dem nach dem Verblühen sich stark

vergrößernden und zur Zeit der Fruchtreife als Schauapparat ebenfalls

lebhaft rot gefärbten Kelch tutenförmig umschlossen werden. Während

das Kraut giftig ist, sind die süßlich sauren Früchte eßbar. Sehr

viel wohlschmeckender aber als sie sind die in ihrer Heimat roh oder

eingemacht eine sehr beliebte Speise bildenden Früchte der peruanischen

Verwandten, ~Physalis edulis~, die jetzt in den tropischen und

subtropischen Gärten allgemein kultiviert wird. Ihre als Ananaskirschen

bezeichneten Früchte werden bisweilen auch zu uns gebracht und in den

Delikateßläden feilgehalten.

VIII.

Eßbare Knollengewächse.

Außer den mancherlei Früchten waren wohl die stärkemehlreichen

Wurzelknollen, die keine Gifte oder sonst schädliche Stoffe enthielten,

die vom Menschen zur Stillung seines Hungers am meisten gesuchten

Pflanzenteile. Am Feuer geröstet, waren sie sehr wohl geeignet, seinen

stets regen Hunger zu stillen. Daß dabei die Menschen der Urzeit

keine Kostverächter waren und viele Wurzelknollen und andere Teile

von Pflanzen aßen, die wir heute zu essen verschmähen, das ist ganz

selbstverständlich. So verzehrten die Pfahlbauern Mitteleuropas zur

späteren Stein- und Bronzezeit nicht bloß die mehlreichen Früchte

der +Wassernüsse+ (~Trapa natans~), deren Schalen wir in ihren

Speiseabfällen finden, sondern wohl auch deren fleischige Wurzeln, die

heute noch viele Liebhaber unter den Naturvölkern finden. So werden

sie, wie die nach Kastanien schmeckenden Nüsse, geröstet, in Menge

selbst von den Bewohnern Kaschmirs, und in einer nahe verwandten Art

(~Trapa bicornis~) von den Chinesen, die sie in besonderen Teichen

kultivieren, als Speise namentlich der ärmeren Volksklasse gegessen.

Den alten Ägyptern dienten zu demselben Zwecke die Wurzelknollen der

+Papyrusstaude+ und verschiedener +Seerosen+. Man aß sie roh, geröstet

oder gekocht und verwendete sie, zu Brei zerstoßen, wie die alten

Schriftsteller berichten, insbesondere zur Ernährung der Kinder, die

noch keine gröbere Kost ertragen konnten. An der in ihrer Gestalt und

Farbe unserer weißen Seerose ähnlichen +ägyptischen Lotospflanze+

(~Nymphaea lotus~) und deren Schwester, der +himmelblauen Seerose+

(~Nymphaea coerulea~), war aber nicht bloß der knollige Wurzelstock,

dessen angenehm süßlicher Geschmack gerühmt wird, als Speise geschätzt,

sondern auch die kleinen braunen, eiweißhaltigen Samen, die in einer

fächerreichen, kugeligen Frucht von schmutziggrüner Farbe liegen. Die

Lotospflanze hieß bei den alten Ägyptern ~suschin~, im Hebräischen

-- daraus entlehnt -- ~schuschan~, eine Bezeichnung, welche später

auf die weiße Lilie überging und uns in dem Namen Susanna erhalten

ist. Noch heute heißt die weiße Lilie im Arabischen ~susan~. Auch bei

den ältesten Griechen wurde die weiße Lotos als Lilie (~leírion~)

bezeichnet. Der älteste griechische Geschichtschreiber, Herodot, der um

460 v. Chr. selbst in Ägypten war, berichtet darüber: „Die Früchte der

Lotospflanze (~lōtós~) aber schneiden sie (die Ägypter) ab und trocknen

sie an der Sonne. Hierauf zerstoßen sie die darin befindlichen Körner,

welche dem Mohn ähnlich sind, und bereiten sich mit Hilfe des Feuers

Brot daraus. Auch die Wurzel ist eßbar und schmeckt nicht übel; sie

ist rundlich und von der Größe einer Quitte.“ Nach ihm berichtet der

große, pflanzenkundige Schüler des Aristoteles, Theophrast (390-286

v. Chr.): „Der Lotos wächst in Ägypten auf den Feldern, wenn sie der

Nil überschwemmt. Ihre weiße Blüte schließt sich bei Sonnenuntergang

und verbirgt die Frucht; bei Sonnenaufgang aber tritt sie wieder über

das Wasser und öffnet sich. Dies wiederholt sie bis die Frucht reif

ist und die Blumenblätter abgefallen sind. Die Frucht ist so groß wie

der größte Mohnkopf und ebenso in Fächer geteilt. In dieser liegt der

Same dicht und sieht so aus wie Hirsekorn (~kénchros~). Die Ägypter

legen die reifen Früchte in Haufen zusammen und lassen sie liegen,

bis die Schale gefault ist, worauf die Samen herausgenommen werden.

Diese trocknet man, zerstampft sie und bäckt Brot daraus. Die Wurzel

des Lotos heißt kórsion, ist rund, so wie eine Quitte, hat eine

schwärzliche Rinde wie die Kastanie. Das Innere ist weiß; gekocht oder

gebraten wird es wie Eidotter gegessen und ist sehr wohlschmeckend. Man

kann sie auch roh essen.“

Als dann um 500 v. Chr. von Persien her der rosenrot blühende +indische

Lotos+ (~Nelumbium speciosum~) im Niltal eingeführt und kultiviert

wurde, haben die Ägypter auch dessen olivenkerngroße, braune, in

Vertiefungen der der Brause einer Gießkanne ähnelnden Frucht steckenden

Samen und die mehlreichen Wurzelknollen gern gegessen. Der vorhin

erwähnte Herodot meint sie, wenn er sagt: „Neben dem Lotos haben die

Ägypter auch noch andere im Wasser wachsende Lilien, deren Frucht einer

Wespenwabe gleicht, worin Samen, so groß wie Olivenkerne, in Menge

sitzen; man ißt sie frisch und gedörrt.“ Diese Samen waren die ~kýamoi

aigýptioi~ oder ~fabae aegyptiacae~, d. h. ägyptischen Saubohnen der

griechischen und römischen Schriftsteller des Altertums, die eine

sehr beliebte Volksnahrung der alten Ägypter bildeten und nur von

den Priestern gemieden wurden, da die sie erzeugende Pflanze in den

Kult aufgenommen war und als heilig galt. Von dieser Pflanze, der

heiligen ~padma~ der Inder, die noch heute in ihrer Heimat Südasien,

besonders aber in China und Japan der mehlreichen Wurzelknolle und

der wohlschmeckenden Samen wegen in stehenden Gewässern viel gezogen

wird, schreibt Theophrast in seiner Pflanzenkunde: „Die ~kýamos~

wächst in Sümpfen und stehenden Gewässern Ägyptens. Ihre Stämme

werden bis vier Ellen lang, sind fingersdick, krustenlos, haben aber

inwendig Scheidewände, welche quer durchgehen. Auf den Stämmen stehen

die Fruchtköpfe, die wie runde Wespennester aussehen und in jeder

Vertiefung eine etwas hervorragende saubohnenähnliche Frucht tragen.

Es sind in jeder Frucht gewöhnlich 30 Bohnen enthalten. Die Blume

ist doppelt so groß wie eine Mohnblume und tief rosa gefärbt. Die

Frucht steht über der Wasserfläche. Neben den Früchten kommen große

Blätter hervor, wie breitkrempige Hüte; ihre Stiele sehen aus wie

die der Früchte. Die Wurzel ist dicker als die des dicksten Schilfes

und hat ebensolche Scheidewände wie der Stamm. Sie wird roh, gekocht

und geröstet verzehrt. Die Pflanze wächst häufig wild, wird aber

auch gesät, indem man deren Samen in Ton wickelt und mit diesem ins

Wasser senkt. Wo die Pflanze einmal steht, da dauert sie sehr lange

aus. Die Wurzel ist stark, der Schilfwurzel ähnlich, aber dornig.

Deswegen vermeidet sie das Krokodil, weil es fürchtet, seine Augen

an den Dornen zu verletzen. Die Pflanze wächst auch in Syrien und

Kilikien, trägt dort aber keine reifen Früchte. Sie wächst auch bei

Torone in Chalchidike in einem mäßig großen See und in diesem bringt

sie ihre Frucht zur Reife.“ Später schreiben der aus Kilikien gebürtige

griechische Arzt Dioskurides um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr.

und der um 200 n. Chr. in Alexandria und Rom lebende, aus Naukratis in

Ägypten stammende griechische Grammatiker Athenaios, daß der ~kýamos

aigýptios~ in Ägypten in reicher Fülle wachse, sich aber auch in Asien

und Kilikien in stehenden Gewässern finde. Die eßbaren Samen würden

auch ~kibórion~ genannt, während die Wurzel ~kolokásia~ genannt und

ebenfalls gegessen werde.

Schon bei den ältesten Griechenstämmen war die durch unbestimmte

Berichte aus Ägypten beeinflußte Sage von den Lotophagen, d. h.

Lotosessern, sehr verbreitet. Läßt doch schon Homer in der Odyssee

seinen Helden Odysseus zu den Lotophagen, worunter wohl zweifelsohne

die Ägypter zu verstehen sind, gelangen und erzählt in phantasiereicher

Weise von der seltsamen Wirkung der Frucht:

„Doch von den Lotophagen geschah nichts Leides den Männern

Unserer Schar; sie reichten vom Lotos ihnen zu kosten.

Wer des Lotos Gewächs nur kostete, süßer denn Honig,

Nicht an Mahnung zum Aufbruch dachte der, noch an die Rückkehr,

Sondern sie trachteten dort in der Lotophagen Gesellschaft

Lotos pflückend zu bleiben und abzusagen der Heimat;

Aber ich führt an die Schiffe die Weinenden wieder mit Zwang hin,

Zog sie in die geräumigen Schiffe und band sie fest an die Bänke;

Doch die andern ermahnt ich und trieb die werten Genossen

Schleunig hinwegzufliehn, in die hurtigen Schiffe sich rettend,

Daß nicht einer, vom Lotos gereizt, noch vergäße der Heimat.

Alle stiegen hinein auf die Ruderbänke sich setzend,

Saßen gereiht und schlugen die grauliche Woge mit Rudern.“

Nun kann aber dieser honigsüße Lotos Homers nicht die Frucht der

ägyptischen Lotosblume, die keineswegs süß ist, gewesen sein, sondern

war vermutlich diejenige des dem Judendorn nahe verwandten ~Zizyphus

lotos~, eines dort und in anderen Ländern am Mittelmeer wachsenden

Strauches mit längeren Dornen und größeren Früchten, die ein

gelblichweißes, mehliges Fruchtfleisch von schleimigem, sehr süßem, an

Datteln erinnerndem Geschmack besitzen und heute noch im Orient, wo der

Strauch wild wächst, gern von der einheimischen Bevölkerung gegessen

werden.

Tafel 49.

[Illustration: Japanische Bäuerin mit Wurzelgemüsen und Blumen.

Japanischer Bauer mit Regenmantel aus Reisstroh.]

Tafel 50.

[Illustration: Papyrusdickicht am Flusse Anapo bei Syrakus.

Fünf Monate alter Maniok oder Cassave (~Manihot utilissima~) in Buenga,

Westafrika.]

Der +Papyrus+ (~Cyperus papyrus~) -- altägyptisch ha -- ist ein niemals

in schnellfließenden, tiefen Gewässern, sondern im seichten Wasser der

Strombuchten, am Rande der Seen und in Sümpfen wachsende, bis 5 m hohe

Grasart des tropischen Afrika, die einst in ganz Ägypten sehr häufig

war, heute aber nur noch in Nubien und den Ländern am Oberlaufe des

Nils wildwachsend in ausgedehnten Beständen angetroffen wird. Ihre

fleischige Grundachse ist ein Hauptnahrungsmittel der Flußpferde, die

sie mit ihren kräftigen, weit vorstehenden Schneidezähnen leicht aus

dem schlammigen Boden heben, um sie schmatzend zu verzehren. Ihrem

Beispiel folgten die Menschen. Wie heute noch die Stämme im oberen

Nilgebiet, so haben schon die alten Ägypter die saftige, mehlreiche,

aromatisch schmeckende Grundachse der Papyruspflanze, die erst im Alter

verholzt, roh und gekocht als beliebte, billige Speise gegessen. Auch

das untere Ende des saftreichen dreikantigen Stengels wurde von

ihnen, weil infolge des reichen Zuckergehaltes süß schmeckend, gern

wie anderwärts das Zuckerrohr gekaut, um den Saft auszusaugen. Schon

der Vater der griechischen Geschichtschreibung, Herodot (484 v. Chr.

in der kleinasiatischen Stadt Halikarnaß geboren, bereiste Ägypten und

Babylonien, war seit 456 wieder in Griechenland, ging dann 443 nach der

griechischen Pflanzstadt Thurii in Süditalien, wo er um 424 verstarb)

schreibt: „Die Bewohner des ägyptischen Marschlandes reißen den Papyrus

(~býblos~), der alljährlich nachwächst, aus dem Schlamm, schneiden

das Obere ab, um es sonst zu verwenden; das ellenlange Wurzelstück

dagegen essen oder verkaufen sie. Soll es recht gut schmecken, so

wird es zuvor in einem heißen Ofen geröstet und dann erst gegessen.“

Eine ausführliche Beschreibung der Pflanze und ihres Nutzens gibt uns

der pflanzenkundige Theophrast (390-286 v. Chr.), der von ihr sagt:

„In Ägypten kommen zahlreiche Wasserpflanzen vor; dieselben sind im

allgemeinen süß und eßbar. Der ~pápyros~ wächst nicht in tiefem Wasser,

sondern nur etwa 2 Ellen oder auch weniger tief. An Dicke kommt die

Wurzel der Handwurzel eines starken Mannes gleich und dabei wird sie

über 10 Ellen lang. Sie tritt über den Boden hervor, schickt seitlich

viele dünne Wurzeln nach unten, nach oben aber dreikantige, bis 4

Ellen hoch wachsende Stengel, die man insbesondere ~pápyros~ heißt.

Solche Stengel treibt die Wurzel überall in Menge. Diese sind zu

vielerlei brauchbar. Man macht aus ihnen Fahrzeuge, und aus dem Baste

(~bíblos~) werden Segel, Matten, Seile, Kleider und viele andere Dinge

geflochten. Im Ausland ist das daraus gewonnene Papier (~ta bíblia~)

allgemein bekannt. Für die Eingeborenen ist aber die Nahrung, die sie

aus dem ~pápyros~ ziehen, am wichtigsten. Sie kauen ihn roh, gekocht

und geröstet, verschlucken den Saft und speien das übrige aus. Die

(älteren) Wurzeln dienen statt Holz zum Brennen und zum Verfertigen

von allerlei Geräten.“ Fast dreihundert Jahre später schrieb der aus

Sizilien gebürtige griechische Geschichtschreiber Diodor, da er vom

häuslichen Leben und der Kinderpflege der Ägypter handelte, daß den

Eltern unglaublich wenig Kosten für die Ernährung der Kinder erwachsen,

„denn sie kochen ihnen die nächste beste einfache Speise; auch geben

sie ihnen von der Papyrusstaude den untern Teil zu essen, soweit man

ihn im Feuer rösten kann... Daher kostet ein Kind seinen Eltern, wenn

es erwachsen ist, im ganzen nicht über 20 Drachmen“ (etwa 12 Mark).

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte · 第 37 / 77 段