von Byzanz aus, wo sie mit einem persisch-aramäischen Wort als
~anguria~ bezeichnet wurden, als ~agurka~ zu den Slawen, die heute noch
leidenschaftliche Verehrer der Gurken sind, und unter der Bezeichnung
Gurken im 17. Jahrhundert zu den Deutschen. Schon vor 200 Jahren wußten
die Lausitzer Wenden auch ohne Mistbeete die schönsten Gurken zu
ziehen und heute ist der Spreewald die Gurkenkammer von Berlin, wo man
nach slawischer Sitte in Salzwasser eingelegte „saure Gurken“ oder in
Essig, Meerrettichstückchen, Pfeffer und Senf eingemachte „Essig- oder
Senfgurken“ als billiges Volksnahrungsmittel überall zu essen bekommt.
Erstere schmecken durch Milchsäuregärung, wobei die in Salzwasser von
richtiger Beschaffenheit sich entwickelnden Milchsäurebazillen aus
dem Zucker der Gurke Milchsäure bilden, sauer, ohne daß auch nur ein
Tropfen Essig dazukommt. Heute sind die Gurken als äußerst beliebtes
Salatgemüse über alle Weltteile, soweit Europäer sich angesiedelt
haben, verbreitet. Von den zahlreichen, durch die Kultur entstandenen
Spielarten wird nur die Feldgurke im großen kultiviert. Sie verlangt
warme, sonnige Lage, einen gut gedüngten, humusreichen, lockeren,
gleichmäßig feuchten Boden. Zur Aussaat nimmt man 3-4jährigen Samen.
Man bestellt die Beete im April und sät, wenn die Nachtfröste vorbei
sind. Die Haupternte findet im August statt, wobei man vom Hektar etwa
100000 Stück erntet. Die Hauptproduktionsgebiete sind Holland, das
schon im April ganze Schiffsladungen von in Treibhäusern gezogenen
Gurken nach England sendet, dann Böhmen, Mähren, Ungarn, Rußland, in
Deutschland der Spreewald, dessen Hauptort Lübbenau allein jährlich
2 Millionen Stück produziert, Erfurt, Quedlinburg, Naumburg und Ulm.
Meist werden die unreifen Früchte, welche im Orient wohlschmeckender
sind und daselbst roh und ungeschält zur Speise dienen, als Salat und
auf mancherlei Weise eingemacht gegessen.
Tafel 47.
[Illustration: (Phot. von E. Reinhardt.)
Artischockenpflanzung in der toskanischen Fruchtebene.
Verladung von Wassermelonen in Chile.]
Tafel 48.
[Illustration: Aus Mittelamerika stammender Kalabassen- oder Kürbisbaum
in einem Garten in Kamerun.]
Nach den Funden und Darstellungen auf den Denkmälern wurde im alten
Ägypten schon unter den ersten Dynastien die +ägyptische Gurke+ oder
+Aggurmelone+ (~Cucumis chate~) mit großer, länglicher Frucht, die
noch jetzt im Morgenlande allgemein kultiviert und frisch verzehrt
wird, neben der Wassermelone und dem Flaschenkürbis kultiviert. Diese
ägyptische Gurke, die außer in Südasien auch im tropischen Afrika
heimisch ist, wo sie von vielen Reisenden gesammelt wurde, ist eine
der wilden Stammform der Melone (~Cucumis melo~) sehr nahestehende, ja
vielleicht sogar mit ihr identische Art, die nach Schweinfurth von den
Ägyptern selbst zur Kulturpflanze erhoben wurde. Sie hieß altägyptisch
~kadi~, woraus die Araber ~katta~ und die Botaniker in Anlehnung an
das Arabische ~chate~ machten. Als die Israeliten unter Moses’ Führung
hungrig und durstig durch die wasserlose Wüste der Sinaihalbinsel
wanderten, gedachten sie sehnsüchtig der guten in Ägypten genossenen
Verpflegung, indem es im 4. Buch Moses 11, 5 heißt: „Wir gedenken
der Fische, die wir in Ägypten umsonst aßen, und der ~bischûim~ und
~battichim~ (von Luther fälschlicherweise mit Kürbis und Pfeben, d.
h. Feldkürbis übersetzt, heißt aber tatsächlich Aggurmelonen und
Wassermelonen), Lauch, Zwiebeln und Knoblauch.“ Diese beiden so überaus
saftige Früchte hervorbringenden Kürbisarten haben wir dem Weltteile
Afrika zu verdanken, und im alten Ägypten haben sie ihre erste
sorgfältige Zucht durch Kulturauslese erfahren. Wie sie heute noch
ein köstliches, hochgeschätztes Erzeugnis des Niltales bilden, muß es
schon zur Zeit der Pyramidenerbauer ein solches gewesen sein. Bald
nach der Überschwemmung des dem heißen, trockenen Lande eigentlich das
Leben spendenden und deshalb mit Recht einst göttlich verehrten Nils
schießen die Aggurmelonen und Wassermelonen in Ägypten üppig empor und
entwickeln ihre Früchte ungemein schnell, weshalb sie von den Frucht-
und Gemüsehändlern der ägyptischen Städte mit dem Rufe feilgeboten
werden: „Zart und frisch, und hat sich in der Nacht gestreckt!“ Auf
den Denkmälern des alten Ägyptens treten uns diese Melonen als häufig
angepflanzte und überall gern gegessene Früchte sehr häufig entgegen,
teils grün, teils gelb gemalt und vielfach braun oder rot umrissen,
bisweilen auch die Rippen durch braune Linien angedeutet. Sie fehlen
selten unter den Opfergaben und den bei Gesellschaften zur Erfrischung
gespendeten Speisen, welche die Diener auf Servierbrettern herumbieten,
damit sich jedermann nach Belieben davon bediene. Ihr Laub gehört
zu den pflanzlichen Resten in den Totenkammern, die zur einstigen
Schmückung des Sarkophags dienten.
Die Aggurmelone, die bereits der in Padua als Botanikprofessor wirkende
und 1617 verstorbene Prosper Alpino in seinem 1592-1640 erschienenen
Buche unter dem heute noch gebräuchlichen Namen ~chate~ erwähnt --
er sah sie bei seinem Aufenthalte im Niltale selbst dort wachsen --,
wird in Ägypten reif und unreif gegessen. Ihre länglichen, bis 40 cm
langen, gerippten Früchte sind grüner, weicher, süßer und verdaulicher
als diejenigen der gemeinen Gurke. Wenn sie auch nach Aussehen und
Geschmack der Gurke ähneln, so sind doch die Blätter und Blüten nicht
wie bei dieser, sondern wie bei der Melone, die ja eine sehr nahe Abart
derselben ist, gebildet.
Wie die Aggur- und Wassermelone war auch die eigentliche +Melone+
(~Cucumis melo~) den Griechen der homerischen wie auch der klassischen
Zeit vollkommen fremd. Von keinem griechischen Schriftsteller wird
deren honiggleiche Süßigkeit -- dient doch eingekochter Melonensaft
heute noch im Orient an Stelle des Zuckers zur Herstellung von
Limonaden und allerlei süßem Gebäck --, deren herrlicher Duft und der
köstliche Wohlgeschmack ihres goldgelben bis zartweißen Fleisches
hervorgehoben. Auch die römischen Schriftsteller wissen nichts von
einer solchen Frucht zu melden, die doch in einem Lande, in dem so
viele Feinschmecker lebten und in welchem alle irgendwie geschätzten
Früchte von den Dichtern besungen wurden, einmal hätte erwähnt werden
müssen. Wenn auch unsere süße Melone sicher fehlte, so lehren uns
doch einige Mosaikbilder und Wandgemälde aus den im Jahre 79 n. Chr.
verschütteten Städten Herkulanum und Pompeji und einige Stellen bei
Autoren, die von einem eßbaren Kürbisgewächs handeln, daß ein solches,
das griechisch ~pépōn~ oder ~mēlopépōn~ und lateinisch ~pepo~ oder
~melopepo~ genannt wurde, damals existiert haben muß. Schon der große
Hippokrates (460-364 v. Chr.) erwähnt in seiner Schrift über die Diät
den ~pépōn~ und nach ihm Plinius, Dioskurides und Galenos, aber kein
Schriftsteller rühmt sie als angenehm zu essen. Auch der griechische
Grammatiker Athenaios aus Naukratis in Ägypten, der um 200 n. Chr.
in Alexandrien und Rom lebte, spricht in seinen ~Deipnosophistae~,
die wichtige Nachrichten über Leben, Sitte, Kunst und Wissenschaft
der alten Griechen enthalten, von ihr, weiß aber nichts besonders
Rühmenswertes von der von ihm als Gurkenart bezeichneten ~síkyos
pépōn~ zu berichten. Auch Palladius gegen das Ende des 4. Jahrhunderts
spricht von einer ~melo~, deren Kerne im März zwei Fuß voneinander in
gutbearbeitetes, vorzugsweise sandiges Erdreich gelegt werden. „Vor
dem Legen werden die Samen drei Tage lang in Meth oder Milch geweicht,
dann erst getrocknet. Hierdurch bekommen die Früchte einen lieblichen
Geschmack. Wohlriechend werden sie, wenn sie viele Tage lang zwischen
trockenen Rosenblättern gelegen haben.“
Erst im 5. Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung wird von den
antiken Schriftstellern eine kurzweg nach dem griechischen ~mḗlon~, d.
h. Apfel oder Quitte als ~melo~ bezeichnete Gartenfrucht erwähnt, die
wie Pfirsiche zu den Delicien, d. h. Köstlichkeiten gerechnet wurde.
Damals erst ist die +süße+ oder +Zuckermelone+, die weder Ägypten, noch
die Mittelmeerländer vorher gekannt hatten, ebenfalls aus Westasien
in das Abendland gekommen. Nach Westasien scheint sie aus Indien
gelangt zu sein; denn in letzterem Lande wird eine in bezug auf Blätter
und Blüten mit der kultivierten Melone durchaus übereinstimmende
Pflanze gefunden, deren Früchte meist nur die Größe einer Pflaume,
nur ausnahmsweise diejenige einer Orange erreichen. Oft besitzen sie
einen ausgesprochenen Geschmack und Geruch nach Melonen, oft aber
sind sie ganz geruchlos und schmecken fade. Aus ihrer nordindischen
Heimat gelangte sie etwa zu Beginn der christlichen Zeitrechnung
westwärts nach Afghanistan und Turkestan, wo sie erst ihre höchste
Vollkommenheit erreichte. Aus den Landschaften Turkestans kam sie dann
im 8. christlichen Jahrhundert zu den Chinesen. Da nun diese seit dem
2. Jahrhundert v. Chr., wie wir durch die Gesandtschaft von Schang-kien
wissen, mit dem alten Baktrien und Sogdiana in Verkehrsbeziehungen
standen, muß ihre Kultur vorher auf die südlichen Oasen von Buchara
beschränkt gewesen sein. Der weitgereiste Venezianer Marco Polo, der
sich von 1271-1295 in Zentral- und Ostasien aufhielt, sagt von der
Landschaft am Amu-darja (dem Oxus der Alten) um die Stadt Balch, daß
dort die besten Melonen der Welt wachsen. Man schneide sie rundherum
in Streifen, lasse sie an der Sonne trocknen und halte sie dann als
Handelsware überall im Lande feil. So gedörrt seien sie süßer als
Honig. Dasselbe rühmt der arabische Reisende Ibn Batuta, der von
1340-1350 Zentralasien und China bereiste, von den Melonen von Charism,
und der ungarische Orientalist Hermann Vambéry, der von 1863-1869
als Derwisch verkleidet Persien und das Turkmenenland bereiste, von
denjenigen von Chiwa. Letzterer schreibt in seinem Buche: „Reisen
in Zentralasien“: „Für Melonen hat Chiwa keinen Rivalen, nicht nur
in Asien, sondern in der ganzen Welt. Kein Europäer kann sich einen
Begriff machen vom süßen, würzigen Wohlgeschmack dieser köstlichen
Frucht. Sie schmilzt im Munde, und mit Brot gegessen ist sie die
lieblichste und erquicklichste Speise, die die Natur bietet.“ Auch
Persien ist, wie alle Reisenden, die dieses Land besuchten, einstimmig
versichern, ein vorzügliches Melonenland, in welchem die feinsten
Sorten gezogen und in Unmengen auf den Markt gebracht werden. Es gibt
dort eine große Zahl von Varietäten, die oft von Dorf zu Dorf wechseln;
darunter einige von weitverbreitetem Ruhme, so süß, daß die Perser
darüber lachen, wenn man ihnen erzählt, daß man in Europa die Melonen
mit Zucker esse. Der berühmte Ägyptologe Heinrich Brugsch Pascha,
der 1883 Prinz Friedrich Karl von Preußen auf dessen Orientreise
begleitete und zweimal als Gesandtschaftsattaché Persien bereiste,
rühmt mit begeisterten Worten die Güte der überall in Persien zum Kaufe
angebotenen Melonen, deren vorzügliches Gedeihen er ganz wesentlich der
kräftigen Düngung mit Taubenmist zuschreibt. Überall im Orient sieht
man in den Ortschaften die aus mit der Mündung nach außen gekehrten
Tonkrügen aufgebauten Taubentürme, deren Bewohner als heilige Tiere
vor den Moscheen gefüttert werden und als einzigen Nutzen dem Menschen
ihren Mist gewähren, den dieser auch gerne als für ihn wertvolle Gabe
in Empfang nimmt, um ihn regelmäßig seinen Melonenkulturen zuzuführen.
Die +Wassermelone+ (~Citrullus vulgaris~), im südlichen Rußland
+Arbuse+ oder nach der Benennung der heutigen Griechen ~angúrion~
auch +Angurie+ genannt, ist im südlichen und mittleren tropischen
Afrika heimisch, wo die saftigen Früchte den Menschen und Tieren in
trockenen Gebieten als Labsal dienen. In ihrer Heimat überzieht die
Pflanze oft weithin die öden Länderstrecken, doch sind ihre ziemlich
kleinen Früchte bei sonst gleichem Aussehen der Stöcke das eine
Mal sehr bitter, das andere Mal ganz angenehm schmeckend. Selbst
die Eingeborenen, die sich ihrer als Nahrung bedienen, können nach
Livingstone diese Eigenschaft nicht nach äußeren Merkmalen feststellen,
sondern schlagen die Früchte erst mit einer Hacke an, um dann zu
untersuchen, ob der Saft des Fruchtfleisches angenehm oder bitter
schmeckt. Dieser Wildling hat durch Kulturpflege die großfrüchtige,
saftige Wassermelone aus sich hervorgehen lassen, die niemals mehr
bittere Eigenschaften zeigt. Sie kam sehr früh schon ins Niltal und
wurde, wie verschiedene Abbildungen an den Wänden der Grabkammern
beweisen, von den alten Ägyptern kultiviert, die sie ~banti~ nannten.
Die Juden sehnten sich auf ihrer Wüstenwanderung nach ihnen, die sie
~abattichim~ nannten. Schon damals muß sie in Syrien, Arabien und
selbst Indien, wo sie den Sanskritnamen ~chaya-pula~ führte, angebaut
worden sein. Die alten Griechen und Römer scheinen sie nicht gekannt zu
haben, da sie nirgends von den alten Autoren erwähnt wird. Dagegen fand
sie in Westasien weite Verbreitung. Aus Turkestan, wo sie im frühen
Mittelalter neben der Melone viel angepflanzt worden sein muß, gelangte
sie erst im 10. Jahrhundert n. Chr. nach China unter der Bezeichnung
~sikua~, was nach Bretschneider Melone des Westens bedeutet. Die
Araber, die sie in Anlehnung an das hebräische ~abattichim battich~
nannten, verbreiteten sie über ganz Nordafrika bis nach Spanien, wo sie
seither als ~batteca~, woraus dann das französische ~pastèque~ wurde,
sehr viel, wie auch in ganz Südeuropa bis nach Rußland hinein angebaut
wird und im Sommer überall eine Hauptnahrung der ärmeren Volksklassen
bildet. Wer kennt nicht die köstlichen Gemälde des spanischen Malers
Bartolomé Estéban Murillo (1618-1682) mit den verlumpten Sevillaner
Gassenjungen, die sich neben der Weintraube die Wassermelone, von
der sie sich gierig große Stücke in den Mund schieben, schmecken
lassen. Von Spanien kam sie sehr bald nach Westindien und dem Festland
von Amerika, wo sie jetzt von Chile bis in die Vereinigten Staaten
in großem Umfange angebaut wird. Allerdings gelangt sie hier wie
anderwärts nur in den warmen Gebieten zu ihrer Vollkommenheit. Schon
bei uns ist es ihr zu kalt. Die 10-15 kg schweren, fast kugeligen,
dunkel- oder gellgrünen, in letzterem Falle weißlich gefleckten Früchte
haben zu äußerst ein ungenießbares, härtliches, weißes und darunter ein
weiches, saftiges, süßes, dunkel- bis hellrotes, seltener gelbes oder
weißes Fleisch, worin die schwarzen, gelben oder roten Samen liegen. In
ganz Südeuropa und im Orient dienen sie roh als beliebte Volksnahrung;
härtere Arten werden gekocht und, mit Mehl vermischt, gebacken
genossen. Im Orient und in allen wärmeren Ländern werden ihre Früchte,
obschon den Melonen an delikatem Geschmack weit nachstehend, recht
süß und wohlschmeckend, so daß sie sehr beliebt sind. Aus der Krim
werden sie in einer etwas faden, aber außerordentlich saftigen Abart
überallhin transportiert und unter dem Namen „Arbusen“ spottbillig
verkauft, so daß jedermann sich im Herbst ihren Genuß leisten kann. Bei
den Tataren und Kleinrussen, bei denen sie als Steppenpflanze besonders
gut gedeiht, werden sie zu allen Mahlzeiten gegessen, indem ihr überaus
saftiges Fleisch statt des Wassers zum Brote geschlürft wird. Auch aus
ihrem Safte kann, wie aus demjenigen der süßen Melone, Zucker gewonnen
werden.
Bei ihrer großen Beliebtheit ist es sehr begreiflich, daß die Spanier
sie früh nach der Neuen Welt verpflanzten. In Peru und Chile, welch
letzteres im Norden schon 1541 von den Spaniern besetzt wurde, gedeihen
diese Früchte ausgezeichnet und sind eine wichtige Volksnahrung
geworden. So schreibt Prof. Otto Bürger in seinem Buche: Acht Lehr- und
Wanderjahre in Chile: „Von Januar bis März steht das Land im Zeichen
der Sandias und Melonen. Namentlich die Sandias, die Wassermelonen mit
dem roten Fleisch (~Citrullus vulgaris~), die auch in Südeuropa so
begehrt vom Volke sind, bilden für den Chilenen, ob hoch oder niedrig,
das Schönste des Jahres. Das gewöhnliche Volk und insbesondere der
~Róto~ (d. i. der Zerlumpte, die Kaste der armen Tagelöhner, in der das
indianische Blut noch am reinsten pulsiert und die die beharrlichsten
Trunkenbolde der Welt umfaßt), nährt sich in jener Zeit von kaum
etwas anderem. In den volkreichen Stadtvierteln entstehen zu dieser
Zeit besondere Baracken, in denen tagtäglich ganze Wagenladungen an
primitiven Tischen verzehrt werden. Das Stück kostet 15-50 Centavos (=
25,5-85 Pfennige), aber die teuersten besitzen eine kolossale Größe und
können von +einem+ nicht bezwungen werden. Billiger sind die gelben
Melonen (~Cucumis melo~), welche dem Ausländer mehr zusagen, und die er
~au naturel~ oder mit Zucker ißt, während sie der bessere Chilene am
leckersten mit Pfeffer und Salz findet.“
Außer der als ~pépōn~ bezeichneten Aggurmelone oder ägyptischen Gurke
haben die alten Griechen noch eine andere, als ~kolokýntē~ oder ~síkya
indikḗ~, d. h. indische Gurke bezeichnete Cucurbitazee gepflanzt, deren
kleine, wenig schmackhafte Früchte nur gekocht oder gebraten gegessen
wurden. Meist wird diese Frucht als Kürbis übersetzt, was indessen
durchaus unrichtig ist. Auch konnte sie nicht die +Koloquinte+ oder
+Bittergurke+ (~Citrullus colocynthis~) bedeuten, die im Orient und in
Nordafrika einheimisch ist, in Masse auf den trockenen Abhängen wild
wächst und einst den Straußen als Futter diente. Ihre faustgroße, runde
Frucht ist sehr bitter und wirkt abführend, wird aber gleichwohl von
den armen Tuaregstämmen in der Sahara, geröstet und auf den Handmühlen
vermahlen, verzehrt. Ähnlich ist die Wirkung der im Orient heimischen
+Prophetengurke+ (~Citrullus prophetarum~), so genannt, weil ihr
bitteres Mus dem Propheten Elias, mit Zusatz von geröstetem Mehl, als
Speise gedient haben soll.
Der einzige Kürbis, den die Alten kannten, war der +Flaschenkürbis+
(~Lagenaria vulgaris~), dessen Frucht in den Kulturen die
verschiedenartigsten Formen zeigt und durch die Härte seiner
Schale ausgezeichnet ist, so daß sie getrocknet und ausgehöhlt als
natürlicher Wasserbehälter benutzt werden kann. Charakteristisch für
sie ist auch die bei Kürbissen ziemlich seltene weiße Blüte. Ihr
Fruchtfleisch ist meist bitter, manchmal geradezu giftig, doch ist
es bei einigen Varietäten auch süß und schmackhaft. Seine Heimat
hat der Flaschenkürbis im mittleren Vorderindien, wo er heute noch
in den feuchten Wäldern von Malabar wildwachsend gefunden wird.
Ebenso hat man ihn auf den Molukken, in Abessinien und Ostafrika
wild in Felsengebieten entdeckt. Von diesen beiden Regionen der
alten Welt hat sich die Pflanze mit ursprünglich durchaus bitterem
Fruchtfleisch über alle Tropengebiete und gemäßigten Länder mit
genügender Sommerwärme ausgebreitet. Daß schon im Sanskrit der gemeine
Flaschenkürbis als ulavu von einer andern, ~kututumbi~ genannten
bitteren Art unterschieden wird, spricht für das hohe Alter seiner
Kultur. Im 1. Jahrhundert n. Chr. wird seiner in einem chinesischen
Werke von Tschong-tschi-tschu Erwähnung getan. In Ägypten tritt er
uns verhältnismäßig spät, nämlich erst im mittleren Reich zur Zeit
der 12. Dynastie (2000-1788 v. Chr.) entgegen, indem sich seine
Frucht, auch mehrfach ausgehöhlt als Behälter, unter den Totenbeigaben
vorfand. Doch hat seine Kultur dort, im Gegensatz zur Aggur- und
Wassermelone, keine große Bedeutung erlangt. Den älteren Griechen war
der Flaschenkürbis vollkommen fremd, ebenso den Römern zur Zeit der
Republik. Erst zur römischen Kaiserzeit im 1. Jahrhundert n. Chr.
beschreibt der römische, aus Spanien gebürtige Ackerbauschriftsteller
Columella verschiedene seiner Fruchtformen, welche als Behälter für
Flüssigkeiten aller Art, besonders Milch und Honig, und als Trinkgefäß
verwendet werden konnten, daneben aber auch den Jungen als eine Art
Schwimmblase zur Erlernung des Schwimmens dienten. Nach ihm spricht der
79 n. Chr. beim Vesuvausbruch umgekommene Plinius von ihr als einer
gurkenähnlichen Pflanze, die er ~cucurbita~ nennt. Er schreibt in
seiner Naturgeschichte darüber: „Den Gurken sind die Flaschenkürbisse
(~cucurbita~) ähnlich; wie jene scheuen sie die Kälte, lieben feuchten
Boden und Mist. Sie kriechen wie die Gurken mit ihren rankenden
Sprossen an rauhen Wänden hinauf bis aufs Dach, klettern überhaupt gern
in die Höhe, können sich aber nicht selbst tragen. Ihr Wachstum ist
sehr rasch, und man benutzt sie, um Zimmer mit ihnen auszukleiden oder
Lauben mit ihnen zu decken. Man hat zwei Sorten: bei der ersteren hängt
die schwere Frucht an einem dünnen Stiele, die letztere jedoch kriecht
an der Erde hin. Wie den Gurken gibt man auch den Flaschenkürbissen
allerlei Gestalten, vornehmlich in geflochtenen Formen, in die man
die jungen Früchte steckt. Sie nehmen dann beim Wachsen die Gestalt
der Form an und diese stellt gewöhnlich eine gewundene Schlange vor.
Läßt man sie freihängen, so hat man sie schon 9 Fuß lang werden sehen.
Ihre Anwendung ist verschieden. Beim Verspeisen wird die Schale
fortgeworfen. Sie gelten übrigens für eine gesunde und leichte Speise.
Die Kerne, welche an beiden Enden der Frucht liegen, geben lange
Früchte, die in der Mitte liegenden runde. (Natürlich ist dies eine
unsinnige Behauptung, wie Plinius deren nicht selten aufstellt.) Man
trocknet die Kerne im Schatten, weicht sie aber, wenn man sie pflanzen
will, zuerst in Wasser auf. Die längsten und dünnsten Früchte hat man
zum Verspeisen am liebsten. Diejenigen Flaschenkürbisse, deren Samen
man zur Aussaat gebrauchen will, schneidet man gewöhnlich erst mit
Eintritt des Winters ab, trocknet sie dann im Rauch und gebraucht
sie, um in ihrem hohlen Innern Sämereien, Wein und dergleichen
aufzubewahren. Man hat auch ein Verfahren erfunden, nach welchem man
die Flaschenkürbisse wie Gurken zum Verspeisen aufbewahren kann, so
daß sie sich fast bis zu der Zeit halten, da es wieder frische gibt.
Die Aufbewahrung geschieht in Salzbrühe. Man soll sie auch an einem
schattigen Orte in einer Grube, deren Boden mit Sand bedeckt ist,
aufbewahren können, indem man sie von oben mit trockenem Heu und dann
mit Erde zudeckt.“
In der Folge wurde der Flaschenkürbis überall in Südeuropa häufig
angepflanzt und fand nach der Entdeckung Amerikas auch im neuen
Kontinent, wohin ihn die Spanier zuerst brachten, überall willige
Aufnahme und rasche Verbreitung unter den Eingeborenen. Da man ihn
auch in manchen peruanischen Gräbern fand, glaubten einige Forscher,
er sei in Amerika zu Hause gewesen, was heute sicher als unrichtig
festgestellt wurde. Samen des Flaschenkürbisses stammen in Südamerika
stets nur aus Gräbern, die jüngeren Datums als das Jahr 1500 sind; denn
manche Gräberfelder wurden noch lange nach der Ankunft der Europäer auf
diesem Kontinente weiter benutzt.