überaus beliebte Würze und Zukost zur faden Brotnahrung sind
die meist im Innern Asiens heimischen Laucharten, deren scharfe
Zwiebeln von den ihre Herden hütenden Nomaden eifrig gesucht
und als Delikatesse gegessen werden. Sehr frühe sind diese
zentralasiatischen Zwiebelgewächse als geschätztes Zugemüse in
die alten Kulturländer Vorderasiens und am Nil eingeführt worden.
Soweit wir es zurückverfolgen können, waren Zwiebeln und Knoblauch
Bestandteile der allgemeinen Volksnahrung Ägyptens. Sie galten sogar
im Lande als heilig, so daß man bei ihnen schwur und die Priester und
Frommen aus Scheu sie nicht einmal zu berühren wagten. Während ihrer
Wüstenwanderung sehnten sich die Israeliten nach den Lauchgewächsen
des Niltals, wie 4. Mose 5, 11 gesagt wird: „Wir gedenken der Fische,
die wir in Ägypten umsonst aßen, und der Aggurmelonen, Wassermelonen
(~battichim~, von Luther irrtümlich mit Pfeben, d. h. Kürbisse
übersetzt), Lauch, Zwiebeln und Knoblauch.“ Diese alle wurden im
Niltal in Menge gepflanzt und von den Ägyptern gerne gegessen, wenn
wir auch, wie Wildemann zuerst schlagend nachwies, von der Wahrheit
der Herodotschen Angabe abstrahieren müssen, wonach beim Bau der
großen Pyramide des Cheops (um 2900 v. Chr.), wie auf derselben noch
zu seiner Zeit mit Hieroglyphen soll verzeichnet gewesen sein, allein
für die Rettich-, Zwiebel- und Knoblauchkost der Fronarbeiter 1600
Silbertalente, d. h. über 7,5 Millionen Mark aufgewendet worden seien.
Schon zur Zeit der ältesten ägyptischen Dynastie, die mit der
Thronbesteigung des Menes 3400 v. Chr. beginnt, waren die Zwiebeln und
Knoblauch im Pharaonenlande viel kultivierte Pflanzen, deren große
Wertschätzung als gesunde, schmackhafte Speise die ihr im ganzen Lande
gespendete Verehrung genugsam erklärt. Zwiebeln in überreicher Menge
gehörten in Ägypten zu den gebräuchlichsten Opfergaben. So finden wir
sie -- altägyptisch ~hudsch~ und ~badschar~ genannt, welch letzteres
mit dem hebräischen ~besel~ (Plural ~besalim~) zusammenhängt, aus
welch letzterem sich dann das arabische ~basal~ bildete -- mit dem
nicht minder geschätzten Knoblauch, altägyptisch ~schagin~, und der
Schalotte auf den Darstellungen an den Wänden der Totenkammern schon
des alten Reiches, teils in Füllhörnern steckend, teils in Bündeln
frei auf den Opfertischen liegend, teils zu glockenartigen Gebilden
zusammengebunden, sehr deutlich abgebildet. Die Zwiebeln in solcher
Glockenform den Göttern zu spenden war vielleicht ein Vorrecht der
durch das Tragen des Leopardenfells ausgezeichneten Priesterkaste.
Einen solchen opfernden Priester erblicken wir auf einem Grabgemälde
des mittleren Reiches in der Totenstadt Theben. Derselbe hält in
seiner linken das Weihrauchbecken und bringt mit seiner Rechten das
Trankopfer dar, indem er aus einem Gefäße geweihten Wein auf die unter
der Zwiebelglocke liegenden Früchte spendet. Der Genuß von Zwiebeln
und Knoblauch war zwar den Priestern selbst verboten, weil sie, wie
der griechische Schriftsteller Plutarch (50-120 n. Chr.) meint, den
Durst reizen. Als eigene Erklärung der Priester führt Plutarch dagegen
an, daß die Enthaltung vom Genusse der Zwiebelgewächse deshalb bei
ihnen geschehe, weil die Pflanze bei abnehmendem Monde wachse. Seiner
persönlichen Meinung gibt er Ausdruck, indem er hinzufügt: „In der
Tat schickt sich die Zwiebel weder für fastende Büßer, noch für die,
welche fröhliche Feste begehen: den ersteren erweckt sie Begierden und
den letzteren lockt sie Tränen ins Auge“. Doch galten die Zwiebeln wie
die übrigen Lauchgewächse den Alten als gesunde Speise und heilsam,
weil sie, wie Plinius erklärt, „die Verdauung befördern und Winde in
Bewegung setzen“. Dieser Autor kennt die Zwiebel ausschließlich als
Kulturgewächs; denn er sagt ausdrücklich in seiner Naturgeschichte:
„Wilde Zwiebeln gibt es nicht.“ Wie in Assyrien, Babylonien und ganz
Vorderasien wurden die Zwiebeln in verschiedenen Kulturrassen seit
den ältesten nachweisbaren Zeiten auch in Ägypten kultiviert und vom
Volke roh und gekocht in Menge gegessen. In einem Grabe des mittleren
Reiches in der Totenstadt von Theben finden wir auf einem Gemälde
die Zwiebelernte geschildert. Ein Gärtner zieht diese ansehnlichen
Knollengewächse aus den quadratischen Gemüsebeeten, in denen sie
kultiviert wurden, aus, um sie zu je vieren in Bündel zu binden. So
brachte man sie in Körben auf den Markt. Auf einem Relief in Sakkara
trägt eine, vermutlich aus dem Gemüsegarten heimkehrende dienende Frau
einen Korb mit Artischocken auf dem Kopfe und drei sehr langblättrige
Zwiebeln über die Schulter geschlagen.
[Illustration: Bild 17.
Zwiebeln (~Allium cepa~) als Opfergaben. Nach einem altägyptischen
Gemälde in Beni Hassan. (Aus Lepsius, Denkmäler.)]
Diese ägyptischen Zwiebel- und Knoblaucharten, die heute noch in Menge
im Niltal wie im ganzen Morgenland gegessen werden, halten keinen
Vergleich mit den unsrigen, viel schärfer beißenden aus, so daß wir
sehr wohl die Sehnsucht der in der Wüste hungernden und durstenden
Juden nach dieser schmackhaften, saftigen Speise begreifen können.
Wie vor Jahrtausenden kommen sie noch jetzt in Menge auf den Markt
und können um geringes Geld selbst von den Ärmsten gekauft werden, um
als meist roh genossene Zukost zum Brote zu dienen. Die ägyptischen
Zwiebeln sind schneeweiß, besitzen namentlich jung äußerst zarte
Häute, sind ungemein mild und besitzen durchaus nicht die Schärfe und
den beißenden Geschmack, der unsere Zwiebelarten kennzeichnet. Auch
der dortige Knoblauch ist sehr mild schmeckend. Schon Plinius rühmt
den lieblichen, süßen Geschmack, den er in Ägypten und Palästina
besitze. Wie die Zwiebel fand er bei den alten Ägyptern in zahlreichen
Krankheitsfällen, selbst bei Zahnschmerzen, Verwendung.
[Illustration: Bild 18.
Gärtner, Zwiebeln zu Bündeln bindend. Nach einem altägyptischen Gemälde
in Beni Hassan. (Aus Lepsius, Denkmäler.)]
Auch in späterer Zeit waren die Zwiebelgewächse in Vorderasien
höchst wichtige und beliebte Gemüse. So wird uns von griechischen
Schriftstellern berichtet, daß am persischen Hofe in Susa der Verbrauch
von Zwiebeln und Knoblauch an der Tafel des Großkönigs und seines
Gesindes ein gewaltiger war. So soll außer Kümmel, Silphion und anderen
Würzen ein Talent Gewicht (26,2 kg) Knoblauch und ein halbes Talent
Zwiebeln, letztere von der scharfen Art, als tägliches Bedürfnis
des Hofes angesetzt gewesen sein. Das hohe Alter der Zwiebeln als
Würzmittel bei den Völkern am Mittelmeer wird auch durch Homer bezeugt,
der sie schon unter dem Namen ~krómmyon~ kennt. In der Ilias heißen
sie Beiessen zum Mischtrank, den die schönlockige Hekamede dem durstig
aus der Schlacht heimgekehrten Nestor bereitet, und dieser Held läßt
(im 11. Gesange) seinen Gästen einen Tisch vorsetzen, auf dem sich
neben frischem Honig und Brot „aus heiligem Mehl“ eine eherne Schüssel
mit Zwiebeln (~krómmyon~) befand, „die zum Trunke trefflich munden“.
Dabei stand ein mit Wein gefüllter Krug, in welchen noch Ziegenkäse auf
einem Reibeisen gerieben und weißes Mehl darein gestreut war. In der
Odyssee trägt der weit gereiste Odysseus eine prächtige Tunika „fein
wie das Häutchen um die trockene Zwiebel“. Ebenso alt oder vielleicht
noch älter als diese homerischen Stellen ist vermutlich der Name einer
einst megarischen Ortschaft Krommyon, der jedenfalls von der dort in
besonderer Menge oder Güte angebauten Zwiebel abzuleiten ist. In ganz
Griechenland, wie später in Italien, waren die Zwiebelgewächse eine
sehr beliebte Volksnahrung; aber mit der steigenden Bildung schlug
bei den höheren Ständen die Vorliebe dafür in ihr Gegenteil um, und
Zwiebel- und Knoblauchgeruch verriet den Mann aus dem niedrigen
Volke. Wie der Lustspieldichter Aristophanes (455-387 v. Chr.) das
bäuerliche Zwiebelessen geißelt, so verwünscht der feinfühlende Horaz
(65-8 v. Chr.) den Knoblauch, den man künftig Verbrechern statt des
Schierlings geben möge! Vermöge ihres durchdringenden Geruches und
scharfen Geschmackes schrieb man den Zwiebelgewächsen im allgemeinen
auch abergläubische Heilkraft zu, besonders die Fähigkeit, bösen Zauber
zu brechen. Schon in der Odyssee wird die von den Menschen schwer,
von den Göttern aber leicht zu grabende Pflanze ~móly~ mit schwarzer
Knollenwurzel und milchweißer Blüte erwähnt, die dem Odysseus von
Hermes zum Schutze gegen den Zauber der Kirke gegeben wurde. Damit ist
jedenfalls ~Allium nigrum~ gemeint.
Die +Sommerzwiebel+ oder +gemeine Zwiebel+ (~Allium cepa~) ist in
wildem Zustande nicht mehr bekannt; doch sind neuerdings durch kleinere
Dolden ausgezeichnete Wildlinge in Zentralasien gefunden worden,
die mit der Stammpflanze sehr nahe verwandt, ja vielleicht mit ihr
identisch sein dürften. Jedenfalls ist das innere Asien ihre Heimat,
von wo sie sich schon früh allseitig verbreitete. So wird sie im
Chinesischen durch einen einzigen Buchstaben (~tsung~) bezeichnet,
was nach Bretschneider auf ein sehr altes Vorkommen bei jenem Volke
hinweist und sehr wahrscheinlich macht, daß diese Pflanze in den einst
von ihnen vor ihrer im 3. Jahrtausend v. Chr. vor sich gegangenen
Wanderung nach Osten innegehabten Ursitzen in Oasen am Südrande des
Tarimbeckens zwischen Chotan und Lop-nor einheimisch war. Das Sanskrit
kennt für die Zwiebel die drei Namen: ~palandu~, ~latarka~ und
~sukandaka~, was auf Invasion der Würzpflanze auf verschiedenen Wegen
nach Altindien spricht. Wie von alters her wird die Zwiebel heute noch
in ganz Asien in zahlreichen Varietäten mit runden, plattrunden oder
birnförmigen Knollen angepflanzt. In bezug auf Geschmack gibt es alle
Abschattierungen von sehr scharfen bis ganz milden Sorten. Schon bei
den Mittelmeervölkern des Altertums wurden milde, süße und scharfe,
herbe Zwiebeln unterschieden. Erstere, die noch jetzt hauptsächlich
im Orient gezogen werden, lassen sich gut roh essen ohne irgendwie
die Tränendrüsen zu reizen. Sie dienten auch den Kulturvölkern am
Mittelmeer vorzugsweise als Volksnahrungsmittel, das bei den Griechen
und Römern in besonderen Abteilungen des Gemüsegartens, bei ersteren
~krommyónes~ (vom griechischen ~krómmyon~, Zwiebel), bei letzteren
~cepinae~ (vom lateinischen ~cepa~, Zwiebel) genannt, gepflanzt
wurde. Besondere fliegende Händler (griechisch ~krommyopóles~,
lateinisch ~ceparii~) boten in den Straßen der Städte diese Ware feil
und fanden guten Absatz. Schon der pflanzenkundige Theophrast im 4.
vorchristlichen Jahrhundert unterschied mehrere Zwiebelarten, die er
wie seine Zeitgenossen nach den Orten, von wo aus sie in den Handel
kamen, benannte, so sardische, knidische, samothrakische, sethamische
und askalonische Zwiebeln. Nach ihm war besonders die Insel Kimolos,
nördlich von Melos, das uns die berühmte Venus von Milo im Louvre in
Paris bescherte, durch ihre Zwiebelkulturen berühmt und erhielt daher
den Beinamen ~Krommyúsa~, d. h. Zwiebelinsel.
Nicht minder beliebt als in Griechenland waren die Zwiebeln auf
der italischen Halbinsel, wo die Römer ausgedehnte Zwiebelgärten
besaßen. Als geschätzte Speise siedelten sie dieses Küchengemüse
auch in ihren Provinzen an. So brachten sie die Zwiebel als ~cepa~
zu Beginn der christlichen Zeitrechnung auch in die Länder nördlich
der Alpen, speziell Germanien. Hier wurde sie aber erst zu Beginn des
Mittelalters beim Volke gebräuchlicher unter dem Namen Zwiebel oder
Bolle, was beides aus dem spätlateinischen ~cepulla~ (Diminutivum
von ~cepa~), wie das italienische ~cipolla~, entstand. Allerdings
schätzten die Deutschen dieses Gewächs viel weniger als die Romaioi im
oströmischen Reiche, bei denen beispielsweise an der kaiserlichen Tafel
in Byzanz der Zwiebelverbrauch so stark war, daß der langobardische
Bischof Liudprand von Cremona in Oberitalien, der Gesandte des
Deutschen Kaisers Ottos des Großen am Hofe Königs Nikephoros II.
(963-969), sich daran stieß. „Der Beherrscher der Griechen“, sagt er
in seinem Gesandtschaftsbericht vom Jahre 968, „trägt langes Haar,
Schleppkleider, weite Ärmel und eine Weiberhaube..., nährt sich von
Knoblauch, Zwiebeln und Lauch und säuft Badewasser (d. h. mit Wasser
verdünnten resinierten, d. h. geharzten Wein)“. Und ein anderes Mal:
„Er befahl mir zu seiner Mahlzeit zu kommen, die tüchtig nach Zwiebeln
und Knoblauch duftete und mit (Oliven-) Öl und Fischlake besudelt
war.“ Um dieselbe Zeit machte freilich ein Morgenländer, der Araber
Ibn Hauqual, der die Hauptstadt von Sizilien, Palermo, besuchte, den
Einwohnern dieser Stadt den Vorwurf, daß sie morgens und abends rohe
Zwiebeln äßen, wodurch ihr Gehirn verstört und ihre Sinne abgestumpft
würden. Man sehe das an ihrem Benehmen und an ihrem Aussehen. Sie
trinken lieber stehendes als laufendes Wasser, scheuen sich vor keiner
stinkenden Speise, sind schmutzig am Leibe, ihre Häuser sind unrein, in
den prächtigsten Wohnungen laufen die Hühner herum usw.
Auch im Abendland werden eine Menge von Kulturvarietäten der Zwiebel
angepflanzt. Die bemerkenswertesten darunter sind die gewaltig
große, rötliche bis weiße, fast kugelige Madeirazwiebel von mildem,
süßem Geschmack, aber im Winter nicht haltbar und nur in wärmeren
Gegenden ihre volle Größe erreichend, und die leider ebenfalls nicht
haltbare Bellegarde von ovaler Form, oft von 50 cm Umfang und 1,5 kg
Gewicht, mit feinem, süßem Fleisch. In der ganzen Kulturwelt werden
die Zwiebeln als Küchengewürz benutzt, in Süd- und Osteuropa dagegen
roh oder geröstet wie Obst oder Gemüse gegessen. Sie enthalten ein
schwefelhaltiges ätherisches Öl und wirken dadurch in Übermaß reizend
auf den Magen, erzeugen übelriechende Atmung und Ausdünstung. Die
Vermehrung geschieht durch die sogenannten Steckzwiebeln, kleine
Zwiebelchen, die sich nach der Aussaat im ersten Jahre bilden und, im
zweiten Jahre ausgesetzt, die küchenfähige Zwiebel liefern. In Essig
eingemacht kommen sie unter dem Namen Perlzwiebeln in den Handel.
Im ganzen milder als diese zweijährige gemeine oder Sommerzwiebel
schmeckt die ausdauernde +Winterzwiebel+ oder der +Röhrenlauch+
(~Allium fistulosum~) mit mehreren länglichen, nebeneinander stehenden
Zwiebeln, sonst der vorigen ähnlich. Sie stammt aus dem südlichen
Sibirien, vom Altai bis nach Daurien, und kam erst am Ausgang des
Mittelalters über Rußland nach Europa. Im 16. Jahrhundert gab Dodoens
eine wenig kenntliche Abbildung von ihr. Weil sie sich sehr stark
vermehrt und winters im freien Lande aushält, wird sie in Gärten häufig
kultiviert; doch benutzt man meist nur die Blätter als Küchengewürz und
zum Füttern von jungen Truthühnern.
Die +Schalotte+ (~Allium ascalonicum~) -- deutsch auch Aschlauch -- hat
ihren Namen von der Stadt Ascalon, wo sie früher viel gebaut wurde und
von wo aus sie durch Kreuzritter nach Europa gebracht wurde. Sie wird
nirgends mehr wild gefunden und scheint eine mit der gemeinen Zwiebel
verwandte Form zu sein, die schon im Altertum in Syrien, Palästina
und Kleinasien gepflanzt wurde. Die vorderasiatischen Semiten waren
von jeher wie heute noch die Juden große Zwiebelfreunde und pflanzten
und aßen sie in Menge. Ammianus Marcellinus erzählt uns aus dem Leben
des Kaisers Marcus Aurelius, daß, als er auf einer Reise nach Ägypten
im Jahre 175 n. Chr. durch Palästina kam, ihm der Gestank und Lärm
der Juden so lästig wurde, daß er schmerzlich ausgerufen haben soll:
„O Markomannen, Quaden und Sarmaten (es sind dies Stämme, die er vor
kurzem besiegt hatte), habe ich doch noch schlimmere Leute als ihr
seid gefunden!“ -- Noch heute werden die Zwiebelgewächse von den
Israeliten, wie auch von den Orientalen und Russen sehr geschätzt. Die
Schalotten haben pfriemenförmige und nicht aufgeblasene Blätter wie die
vorigen, sind ausdauernd und werden, da bei uns der Same nicht reift,
durch Brutzwiebeln fortgepflanzt. Die Zwiebeln mit äußeren braungelben
und inneren violetten Hüllen schmecken milder und feiner als die
gewöhnlichen Zwiebeln und werden als besseres Küchengewürz benutzt. Um
sie ein Jahr lang zu erhalten, dörrt man sie über dem Ofen.
Der +Porree+ oder die +Welschzwiebel+ (~Allium porrum~) mit weißer,
rundlicher Zwiebel, fast ohne Nebenzwiebeln und hellpurpurroten,
statt wie bei der Schalotte violetten Blüten, ist eine Kulturform
des im Mittelmeer heimischen ~Allium ampeloprasum~, welche Art als
Sommerporree gepflanzt wird und pikanter als der gemeine Porree
schmeckt. Wie Zwiebeln und Knoblauch wurde der Porree schon im Altertum
in Gärten kultiviert und besonders im Orient sehr geschätzt. Die alten
Ägypter nannten ihn edsche und auch im Alten Testament wird er mehrfach
erwähnt. Bei den Griechen hieß er ~prasiás~, bei den Römern dagegen
~porrum~ und hatte nach Plinius bei letzteren besonders dadurch ein
hohes Ansehen erlangt, daß ihn Kaiser Nero seiner Stimme wegen in jedem
Monat an bestimmten Tagen mit Öl aß und dabei gar nichts anderes, nicht
einmal Brot, genoß. Derselbe Autor meldet, daß der römische Ritter
Mela, als er wegen schlechter Verwaltung seiner Provinz vor den Kaiser
Tiberius gefordert wurde, sich in der Verzweiflung damit vergiftete,
daß er soviel Porreesaft trank als drei Silberdenare wiegen. Er sei
dann auf der Stelle und ohne Schmerzen gestorben. Sonst galt der Porree
den Alten -- nach Dioskurides am besten gekocht, wobei das Wasser
zweimal abgegossen wurde, und dann in kaltes Wasser gelegt -- als
schleimlösendes Mittel bei Husten und wurde nach Columella, mit Öl und
Gersten- oder Weizenmehl vermischt, zu demselben Zwecke dem Rindvieh
gegeben. Der bissige Epigrammendichter Martial (40-120 n. Chr.), der
aus seiner spanischen Heimatstadt Bilbilis zur Zeit Neros nach Rom
kam und Schmeichler und Günstling der auf jenen folgenden Kaiser war,
rät einem Freunde: „Hast du stinkenden Porree gegessen, so schließe
wenigstens den Mund, wenn du jemand küssen willst.“
Wichtiger als er ist der +Knoblauch+ (~Allium sativum~), der in
der Dsungarei in Zentralasien heimisch ist und, wie wir bereits
feststellten, schon bei den ältesten Babyloniern und Ägyptern
gepflanzt wurde. Er ist ausdauernd, hat breitlineale, flache Blätter
und eine Blütendolde, in der zwischen zahlreichen Zwiebelchen wenige
weißlichrosenrote Blüten stehen, die keinen Samen entwickeln. Er
kommt bei uns verwildert vor und wird wie die vorigen am besten in
sandigem Boden kultiviert. Mit den Zwiebeln wurde er schon im hohen
Altertume bei den alten Kulturvölkern Vorderasiens und in Ägypten
angebaut. Im Sanskrit hieß er ~mahuschuda~, bei den Juden ~schumin~,
bei den Griechen ~skórodon~, bei den Römern ~allium~, das dann in
die verschiedenen Sprachen lateinischen Ursprungs überging, z. B.
italienisch ~aglio~, französisch ~ail~. Die Mitteleuropäer kannten ihn
schon bevor die Römer ihre Kultur über die Alpen brachten. Lauch ist
ein gemeingermanisches Wort, das vornehmlich Knoblauch bezeichnet,
der den Germanenstämmen eine beliebte Würze bildete. Beklagt sich
doch schon der byzantinische Gesandte Sidonius Apollinaris über den
üblen Geruch des germanischen Volkes der Burgunder vom vielen Lauch-
und Zwiebelnessen. Nach Plinius wurde er viel als Arznei angewandt,
besonders auf dem Lande. Esse man ihn ungekocht, so gebe er dem Atem
einen sehr unangenehmen Geruch. Der Schriftsteller Menandros behaupte
zwar, man könne dem Munde den Knoblauchgeruch nehmen, wenn man
geröstete Runkelrüben hernach kaue. Um ihn und die Küchenzwiebel lange
aufzubewahren, befeuchte man sie mit lauem Salzwasser oder hänge sie
eine Zeitlang zum Dörren über glühenden Kohlen auf; manche höben den
Knoblauch auch in Spreu auf. Auf den Feldern wachse wilder Knoblauch,
den man ~alum~ nenne. Man koche ihn und werfe ihn aus, wo Vögel der
Saat Schaden zufügen; diejenigen, welche davon fräßen, würden alsbald
betäubt, so daß man sie mit Händen greifen und unschädlich machen könne.
Schon im Altertum aß das gemeine Volk in den Mittelmeerländern wie
noch heute gern den Knoblauch, der bei den Griechen und Römern
in besonderen, griechisch ~skorodṓnes~, lateinisch ~alliinae~
genannten Abteilungen des Gemüsegartens gepflanzt und durch ambulante
Knoblauchhändler (griechisch ~skorodopṓles~, lateinisch ~alliarii~)
verkauft wurde. Noch in unseren Tagen lebt der arme Grieche oft
wochenlang vom Genusse des Knoblauchs. Die Geizigen gaben ihren
Sklaven Knoblauch zu essen, wie uns die Schriftsteller mehrfach
berichten, und eine ~skorodálmē~ genannte Brühe aus Knoblauch und Salz
gehörte zu den altgriechischen Volksgerichten. So beliebt er aber
beim ungebildeten, armen Volke war, so sehr wurde er wegen seines
starken Duftes von den gebildeten, vornehmen Kreisen verabscheut und
sein Geruch von ihnen durchaus verpönt. ~Allium olet~, der Knoblauch
stinkt, war eine Redensart, mit der ihn diese Kreise besonders im
reichen Rom abweisend kennzeichneten. In einer Komödie des lateinischen
Dichters Plautus (254-184 v. Chr.) wird ein Mann aus dem Volke mit
dem Ausruf angeschnauzt: „Mensch, schere dich zum Teufel, du stinkst
nach Knoblauch!“ Und Marcus Terentius Varro, der fruchtbarste und
bedeutendste Gelehrte Roms (116-27 v. Chr.) sagt in einer seiner
Schriften: „Unsere Väter und Urgroßväter waren recht brave Leute,
obgleich ihre Worte einen derben Knoblauch- und Zwiebelgeruch hatten.“
Feinfühlige Römer der späteren Zeit entsetzten sich ob dieses
plebejischen Genußmittels; so läßt der Dichter Horaz (65-8 v. Chr.)
in einer seiner Epoden seinen Gönner Maecenas, den Freund des Kaisers
Augustus, der ihm sein Landgut Sabinum schenkte, wissen: „Du hast
mich, mein verehrter Gönner, Maecenas, mit einem Futter bewirtet, das
giftiger ist als Schierling und tödlicher als Vipernblut; du hast
mir Knoblauch zu essen gegeben, dieses Teufelszeug, das die harten
Eingeweide der Schnitter vielleicht verdauen können, das aber in
meinem Leibe wie ein wütendes Ungeheuer tobt, dieses Teufelsgift, mit
dem Medea einst den Jason so gräßlich beschmierte, daß selbst die
feuerschnaubenden Stiere sich nicht an ihn wagten. Wart, verehrter
Gönner, wenn du dir wieder so ein Knoblauchspäßchen mit mir erlaubst,
so werde ich meinerseits dir alles mögliche Unheil an den Hals
wünschen.“
Heute sind nur noch die Juden, wie auch die Russen und Türken besondere
Freunde des Knoblauchs, der sonst wegen seiner widerwärtigen, lange
anhaltenden Ausdünstung auch bei den Kulturvölkern des Abendlandes in
Verruf erklärt ist. Er wird in verschiedenen Varietäten kultiviert,
von denen der spanische Lauch und der Schlangenlauch die feinsten
sind. Letzterer liefert die Perlzwiebeln oder Rockambolen (aus
dem italienischen ~rocambole~), die stets nur durch Zwiebelbrut
fortgepflanzt werden können. Wie der Knoblauch wird auch der in
Südeuropa wild wachsende +Sandlauch+ (~Allium scorodoprasum~)
kultiviert und als Küchengewürz verwendet. Die Italiener nennen
ihn ~agliporro~. Der auch von uns vielfach benutzte +Schnittlauch+
(~Allium schoenoprasum~) mit kleinen, weißen, länglichen, in Büscheln
beisammenstehenden Zwiebeln, einen Rasen bildenden hohlen Blättern
und wenig höheren Blütenschäften von rotvioletten Blüten wächst auf
Gebirgswiesen in ganz Europa bis nach dem südlichen Schweden, in
Sibirien bis nach Kamtschatka und auch in Nordamerika, da aber nur in
der Nähe der kanadischen Seen. Nach De Candolle steht die in den Alpen
vorkommende Form der angebauten am nächsten. Von den Alten wurde sie
nicht angepflanzt, höchstens etwa auf freiem Felde gesammelt und als
Medizin oder Küchengewürz verwendet. Erst im Mittelalter wurde sie zur
Kulturpflanze erhoben und wird heute auch in Norditalien als ~erba
cipollina~ gezogen. Die kleinen, dichtgedrängten Zwiebelchen setzen
einen umfangreichen Wurzelstock zusammen, dessen röhrenförmige Blätter
man wegen ihres angenehm würzigen Geschmacks abschneidet, um sie als
Würze in die Suppe zu tun oder dem Salat beizufügen. Nicht zu tief
abgeschnitten, wachsen sie bald wieder nach und bilden daher ein sehr
dankbares Gartengewächs.