Seit sehr langer Zeit werden die fleischigen Blätter des über Asien,

Europa und Afrika verbreiteten und längst auch in die Neue Welt

verpflanzten +Portulaks+ (~Portulaca oleracea~) -- bei den Griechen

~andráchnē~, bei den Römern ~portulaca~ genannt -- roh als Salat

angemacht oder gekocht als Gemüse gegessen. Nach Columella wurden

sie wie der späte Kohl gegen die Zeit der Weinernte mit Salz und

Essig eingemacht. Sonst waren der Lattich (~lactuca~) und die Endivie

(~intubum~) die Hauptsalatkräuter der Römer, indem sie aus ihnen

mit Zuhilfenahme von Fleischbrühe, Olivenöl, Zwiebeln, Honig und

Essig ihren nach dem Essig (~acetum~) als ~acetarium~ bezeichneten

Salat herstellten. Im Mittelalter genoß man mit Salz, Essig und

Öl angemachten Salat vorzugsweise aus Lauch, Zwiebeln, Boretsch,

Pfefferminze und Petersilie. Heute werden die verschiedensten

Blattgemüse und Wurzeln dazu verwendet. Salat kommt vom italienischen

~salato~ gesalzen, woraus zunächst das französische ~salade~ und

daraus erst unser deutsches Salat wurde. Essig, Öl, Salz, Pfeffer und

Senf sind die Hauptingredienzien dazu, und zwar mische man das Öl

vor dem Essig mit den Blättern, damit der Saft infolge der fettigen

Umhüllung ganz in den pflanzlichen Teilen bleibe und das Fett den

Salat durchdringen könne. Ein altes Sprichwort sagt, der Salat solle

von einem Verschwender mit Öl, von einem Geizhals mit Essig, von einem

Weisen mit Gewürzen und Salz versehen und von einem Narren gemischt

werden, dann werde er recht sein. Die Römer der Kaiserzeit pflegten

ihr Abendessen mit Salat zu beginnen, während ihre Vorfahren zur Zeit

der Republik es mit ihm zu beschließen pflegten. Dazu wurde gewöhnlich

Lattich genommen, der im Rufe stand, den Schlaf zu befördern. Der

Geschichtschreiber Flavius Vopiscus berichtet uns von dem im Jahre 275

75jährig vom Senate gewählten und schon im folgenden Jahre auf einem

Zuge gegen die Goten in Kleinasien von den Soldaten ermordeten Kaiser

Marcus Claudius Tacitus, er habe sehr mäßig getrunken und gespeist,

aber viel Salat gegessen, um sich einen recht sanften Schlaf zu

verschaffen. Desgleichen berichtet Suetonius vom Kaiser Augustus, daß

er, wenn er durstig war und doch kein Getränk zu sich nehmen wollte,

ein Stückchen Gurke oder von einer Lattichstaude in den Mund nahm,

um daran zu kauen. Einmal soll ihm die Klugheit seines Arztes Musa

das Leben gerettet haben, indem er ihm Salat verordnete, den ihm der

vorige Arzt Gajus Ämilius aus allzugroßer Ängstlichkeit verboten hatte.

Nach dieser Aufsehen erregenden Heilung des Staatsoberhauptes stieg

das Ansehen des Salates, wie Plinius uns berichtet, in Rom so hoch,

daß man sogar die Erfindung machte, ihn in mit Essig versetztem Honig

aufzubewahren, bis es wieder frischen gab.

Durch die Römer kam dann der Salat in die Länder nördlich der Alpen

und wurde hier in der Folge sowohl in den Klostergärten, als auf den

Edelhöfen gepflanzt. Zuerst wird der Salat auf deutschem Gebiet in

Ekkehards Benediktionen aus dem Kloster St. Gallen, später dann auch

als Gericht höherer weltlicher Kreise erwähnt, allerdings mit dem

Hinzufügen, daß solche Speise auf die Dauer für Kraft und Aussehen

unvorteilhaft sei. Erst im 15. Jahrhundert wurde sein Genuß, besonders

in der Form von Lattich, in Mitteleuropa gemein, und zwar in der von

Italien her gebräuchlichen Weise, ihn, außer mit Essig zu versetzen,

mit Öl einzufetten. Genießt doch heute noch der Italiener mit Vorliebe

auch andere grüne Gemüse mit Öl übergossen.

Der +Gartenlattich+ (~Lactuca sativa~) stammt von dem im gemäßigten und

südlichen Europa und in Westasien wachsenden wilden Lattich (~Lactuca

scariola~) und wurde schon im frühen Altertum als Salatpflanze gezogen,

so von den Persern zur Zeit des Königs Kambyses, des Sohnes von Kyros,

der diesem 529 v. Chr. folgte, 525 Ägypten eroberte und 522 auf dem

Rückzuge nach Persien starb. Die alten Griechen nannten ihn ~trídax~

und bauten ihn in wenigstens drei Sorten an, die Römer hießen ihn nach

dem Milchsaft ~lac lactuca~ und pflanzten hauptsächlich vier Sorten:

den cäcilianischen Salat mit grünen bis roten, krausen Blättern, den

kappadozischen mit bleichen, kammförmig eingeschnittenen, dicken

Blättern, den weißen, sehr krausblätterigen aus der Provinz Bätica (dem

südlichen Spanien, nach dem Flusse Bätis so genannt) und aus der Nähe

der Stadt Gades (dem heutigen Cadix) und den zyprischen rötlichweißen

mit glatten, sehr zarten Blättern. Columella, der uns diese aufzählt,

berichtet uns zugleich, daß sie in der hier angegebenen Reihenfolge von

Januar bis April in gut gedüngten Boden gesät würden, reichlich Wasser

erhielten und durch Auflegen einer Scherbe auf den Wipfelsproß am

Aufschießen verhindert und gezwungen würden, mehr in die Breite als in

die Höhe zu wachsen.

Aus den frühmittelalterlichen Klostergärten und den Gärten der

Vornehmen, besonders des mächtigen Frankenkönigs Karl, dem späteren

Kaiser, ging der Gartenlattich mit den anderen von den Römern

übernommenen Gemüsearten in die Gärten Mittel- und schließlich

auch Nordeuropas über und aus dem lateinischen ~lactuca~ wurde

das französische ~laitue~, das deutsche Lattich und das englische

~lettuce~. Und mit diesem Salatkraut wurde auch sein alter Begleiter,

der +Boretsch+ (~Borrago officinalis~) übernommen, der fortan keinem

Gemüsegarten fehlte. Diese aus Südeuropa und Kleinasien stammende

Pflanze mit borstenhaarigen Blättern, gewöhnlich dunkelblauen, in

manchen Varietäten aber himmelblauen, blaßroten und weißen Blüten

war schon im Altertum außer als Bienenweide auch als Heilmittel für

mancherlei Krankheit geschätzt, und schon die alten Griechen und Römer

fanden, daß ihre Blätter und Blüten, fein gewiegt, dem Lattichsalat

einen feinen, gurkenähnlichen Geschmack verleihen. Aus diesem Grunde

ist sie bis auf den heutigen Tag im ländlichen Garten in Ehren

geblieben.

Heute unterscheiden wir drei Hauptarten von Lattich: 1. den

+Schnittsalat+ mit hell- oder dunkelgrünen, rotgefleckten oder

dunkelroten Blättern in offener Rosette, die man allmählich von innen

nach außen absticht. 2. den +Bindsalat+ oder +römischen Salat+ mit

länglichen, aufrechten, eine geschlossene Rosette bildenden Blättern,

die man zusammenbindet, um die inneren zu bleichen. Mit Recht findet

der als ~laitue~ bezeichnete französische Bindsalat durch die ganze

Kulturwelt rasche Verbreitung. 3. den +Kopfsalat+ mit breiten, blasig

aufgetriebenen, kopfförmig zusammenschließenden Blättern; dieser

wird am häufigsten gebaut und unter Strohmatten überwintert. Alle

diese Salatarten, die heute noch in Südeuropa die Lieblingsspeise

des gemeinen Mannes bilden, haben sich heute über die ganze Erde

verbreitet. Nach China gelangte der Lattich ums Jahr 600 n. Chr. aus

dem Westen.

In derselben Weise wie der Salat wurde von den Griechen und Römern die

Endivie angepflanzt und, wie Plinius uns berichtet, über den Winter in

Krügen eingemacht und später gekocht, als ob sie frisch sei. Früher

nahm man an, daß sie aus Indien stamme, doch wissen wir jetzt, daß sie

von der im Mittelmeergebiet wild wachsenden ~Cichorium divaricatum~

gewonnen wurde. Die +Endivie+ (~Cichorium endivia~) wird besonders

in der krausen Varietät häufig als Salatpflanze in den Gemüsegärten

kultiviert. Die breitblätterige Abart kommt dagegen unter dem Namen

Eskariol auf den Markt. Bei beiden werden wie beim Bindsalat die eine

lockere Rosette bildenden und meist zu einem Kopf zusammenschließenden

Blätter gewöhnlich zusammengebunden, um durch Lichtentzug gebleicht zu

werden. Dadurch schmecken sie ungemein zart; aber selbst die feinste

Pariser ~chicorée~ ist immer noch härter als Kopfsalat.

Bei den Alten galt die überall in den Mittelmeerländern wildwachsende

Endivie, mit Essig vermischt gegessen, als dem Magen gesund und

allerlei Übel heilend. Plinius berichtet, daß die wildwachsende

Endivie in Ägypten ~cichorium~, die zahme dagegen, die kleiner und

saftiger sei, ~seris~ heiße. Die Magier behaupten, wer sich mit dem

Saft einer ganzen Zichorie und Olivenöl einreibe, der werde anmutiger

und erreiche seine Wünsche leichter. Deshalb nennen manche die Pflanze

auch ~chreston~ (d. h. brauchbar), andere ~pankration~ (d. h. alles

beherrschend), die wildwachsende heiße auch ~hedypnois~ (d. h. süßen

Schlaf bewirkend). Nach dem gelehrten Varro (116-27 v. Chr.) wurde die

Endivie für die Gänse gesät, die aber nicht darauf getrieben wurden,

weil sie die Blätter teils zertreten, teils so viel von ihnen fressen

würden, daß sie stürben. Man schneide deswegen die Blätter selbst für

die Tiere ab und gebe ihnen ihre richtige Portion davon. Und Palladius

im 4. christlichen Jahrhundert gibt an, daß man sie im Monat Oktober

säe; sie liebe einen lockeren, feuchten Boden und man weise ihr ein

ebenes Beet an, damit die Wurzeln nicht durch Regengüsse entblößt

würden.

Sehr viel bitterer als die Endivie ist die gemeine +Zichorie+

oder Wegwart (~Cichorium intybus~), eine, im Gegensatz zu jener

einjährigen, ausdauernde Pflanze mit kurzgestielten, blauen Blüten.

Sie findet sich wild in ganz Mittel- und Südeuropa, Nordafrika und dem

gemäßigten Asien, wurde aber, da sie häufig an Wegen und auf Feldern

auftritt, vielfach vom Menschen über die Grenzen ihres ursprünglichen

Vaterlandes hinaus verbreitet. Die jungen Blätter wurden schon von den

Griechen und Römern teils von wildwachsenden, teils aber auch schon

kultivierten Pflanzen als Gemüse und Salat benutzt. Columella sagt

um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., daß sie, die er ~intybum~

nennt, dem übersättigten Gaumen behage. Auch sein Zeitgenosse, der

ältere Plinius, spricht mehrfach von ihr und empfiehlt sie als gesunde

Speise. Heute pflanzt man zu diesem Zwecke den Brüsseler Witloof und

den französischen Kapuzinerbart, deren Wurzeln, in einem dunkeln

Keller in Pferdedünger eingepflanzt, farblose, äußerst zarte Blätter

treiben, die als Salat gegessen werden. Die lange, möhrenförmige,

ungemein bitter schmeckende Wurzel wird arzneilich benutzt und bildet,

mit Zucker eingemacht, die Hindläufte der Konditoren; namentlich

aber hat sie im letzten Jahrhundert als Kaffeesurrogat eine ungemein

große Bedeutung erlangt. Deshalb wird die Zichorie in Frankreich,

Belgien, Holland, Mittel- und Süddeutschland, Böhmen, Ungarn und

Rußland im großen angebaut. Die kultivierte Wurzel ist stärker als

die wild gewachsene, fleischig, mit verhältnismäßig breiter Rinde und

erreicht ein Gewicht von 200-400 g. Ende September, wenn die untersten

Blätter gelb werden und abzusterben beginnen, werden die Wurzeln,

die frisch auch als Beigabe zu Viehfutter verwendet werden, um den

Stoffwechsel anzuregen, geerntet, gewaschen, zerschnitten, getrocknet,

dann in eisernen Trommeln geröstet und gemahlen. Ein Zusatz von 1-5

Prozent Sesam- oder Erdnußöl beim Rösten verbessert den Geschmack.

Das Zichorienmehl wird zuletzt in Dampftrommeln feucht gemacht, in

Pakete verpackt und kommt als +Zichorienkaffee+ in den Handel. Sein

Aroma erinnert entfernt an den Kaffee, doch entbehrt er natürlich der

auf das Nervensystem anregend wirkenden Bestandteile und wirkt bei

anhaltender Benutzung nachteilig auf die Verdauung. Er wird vielfach

mit Runkelrübenpreßlingen, Ziegelmehl, Ocker und Ton verfälscht. Schon

um die Mitte des 18. Jahrhunderts röstete man in Haushaltungen am

Nordrande des Harzes Zichorienwurzeln, um sie als Kaffeesurrogat zu

benutzen; um 1790 begannen Braunschweiger und Magdeburger Kaufleute

dieses Präparat für den Handel herzustellen. Es vermochte sich dann

besonders während der Kontinentalsperre bei der ärmeren Bevölkerung

einzubürgern, so daß immer mehr Fabriken errichtet wurden. Gegenwärtig

besitzt das Deutsche Reich über 100 und Europa 450 Zichorienfabriken.

Deutschland liefert für rund 9 Millionen Mark Rohstoffe und für 18

Millionen Mark Fabrikate von Zichorie.

Als weitere Salatkräuter sind die Kressearten zu nennen, die teilweise

schon von den alten Griechen und Römern angepflanzt und, wie der

griechische Arzt Dioskurides um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr.

berichtet, mit Wasser, Salz und Milch gegessen wurden. Besonders die

+Gartenkresse+ (~Lepidium sativum~), die von Südeuropa und Nordafrika

bis Indien heimisch ist, wurde, wie heute noch, so schon im Altertum

in Ägypten kultiviert. Doch dürfte ihr Anbau dort nicht erheblich

über das 2. Jahrhundert v. Chr. hinausgehen. Den alten Alexandrinern

galt sie als leckeres, gewürzhaftes Gemüse, das als Salat gegessen

wurde. Auch von den Griechen der späteren Zeit wurde sie geschätzt.

Von den Römern wurde sie ~nasturcium~, d. h. Nasenquäler genannt, weil

ihre Schärfe bis in die Nase hinein verspürt werde. Sie scheint im

östlichen Mittelmeergebiet, vielleicht in Kleinasien, zur Kulturpflanze

erhoben worden zu sein und wird heute bei uns häufig kultiviert, um

als Salat und Beilage zu Fleisch und Gemüse zu dienen. Dabei hat

sie den Vorzug, außerordentlich rasch zu wachsen; auch wirken ihre

jungen Triebe anregend auf Appetit und Verdauung. Früher wurde sie

auch medizinisch benutzt, wie ihre Verwandte, das +Pfefferkraut+

(~Lepidium latifolium~), die am Meeresstrand und an Salinen in Europa,

Mittelasien und Nordafrika wächst. Auch sie wird seit dem Mittelalter

in Gärten kultiviert, um die pfefferartig scharf brennenden Blätter

zu Saucen verwenden zu können. Die in Quellen, Bächen und Gräben mit

schlammigem Grund in ganz Europa, Nord- und Ostasien heimische, auch

nach Nordamerika übergeführte +Brunnenkresse+ (~Nasturtium officinale~)

wird bei uns vielfach kultiviert, um ihre durch den Gehalt an einem

ätherischen Öle rettichartig scharf schmeckenden Blätter als Salat

zu essen. Sie verlangt reines, leicht strömendes Wasser und wird vom

Oktober bis April geerntet. Später hört die Ausbeute auf, da dann

die Blütenbildung beginnt, in deren Verlauf die Blätter steif und

ungenießbar werden. Sie galt seit den ältesten Zeiten als heilkräftig

und stand daher als Zugemüse in hohem Ansehen. So erwähnt sie schon

die heilige Hildegard, Äbtissin des Klosters Rupertsberg bei Bingen,

als brunnencrassum besonders als Mittel gegen Fieber. Heute wird sie

im großen gezogen und gelangt in Menge auf den Markt, und zwar sind

die Hauptproduktionsorte Dreienbrunnen bei Erfurt und die Umgegend von

Paris. Um aber als Salat gegessen zu werden, soll sie mit Zitronensäure

statt Essig angemacht werden, da der Essig ihren charakteristischen

Geschmack beeinträchtigt. Endlich wird auch die aus Südamerika

eingeführte +Kapuzinerkresse+ (~Tropaeolum majus~), weil ähnlich scharf

schmeckend, als Salat gegessen, während ihre Blütenknospen und unreifen

Früchte, in Salz und Essig eingelegt, wie Kapern Verwendung finden.

Eine beliebte Salatpflanze ist ferner der +Feldsalat+ oder das

+Rapünzchen+ (~Valerianella oliteria~), das in ganz Mittel- und

Südeuropa als Ackerunkraut wächst, aber, um zartere Pflänzchen zu

bekommen, auch im Gemüsegarten kultiviert wird, wo sie größer, kahler

wird und sich durch Selbstbesamung fortpflanzt. Sie gehört der den

Korbblütlern nahestehenden Familie der Baldriangewächse an und wird

im ersten Frühjahr gesammelt und auf den Markt gebracht. Dann der

+Sellerie+ oder +Eppich+ (~Apium graveolens~), dessen Stammpflanze

mit kleinen, etwas knollig verdickten Wurzeln fast in ganz Europa,

Westasien und Nordafrika an feuchten Orten in der Nähe der salzhaltigen

Meeresküste wild wächst. Bei den Griechen hieß er ~sélinon~, bei den

Römern dagegen ~apium~. Schon in Homers Odyssee wird erzählt, daß auf

der Insel der Kalypso die Wiesen mit Veilchen und Sellerie bedeckt

gewesen seien, so schön, daß sie selbst den Göttern wohlgefielen. Mit

Kränzen aus wildem Sellerie pflegten die Griechen ihre Grabmäler zu

schmücken und solchen auch bei den Leichenschmäusen zu verzehren. Nach

Plinius stimmten Chrysippos und Dionysios darin überein, daß es unrecht

sei, den Sellerie an Speisen zu tun, da er nur zum Leichenschmaus

gehöre. Er war den Göttern der Unterwelt geweiht und bezeichnete

im griechischen Volksglauben Trauer und Tränen. Der griechische

Geschichtschreiber Plutarch (50-120 n. Chr.) erzählt uns in seiner

Biographie des korinthischen Feldherrn Timoleon, der 343 v. Chr. die

Stadt Syrakus von ihrem Tyrannen Dionysios dem Jüngeren befreite und

340 die Karthager am Flusse Krimissos besiegte, daß ihm einst mit

seinem Heere Maulesel begegnet seien, die mit Sellerie beladen gewesen

seien. Das hielten die Soldaten für eine üble Vorbedeutung, weil es

Sitte war, die Denkmäler der Toten mit Sellerie zu bekränzen. Plinius

aber berichtet, daß man dem Sellerie in Achaja die Ehre erweise, mit

ihm diejenigen zu bekränzen, die in den heiligen Spielen zu Nemea

gesiegt haben. Auch bei den alten Römern galt er durch griechischen

Einfluß als Sinnbild des Todes und der Trauer. So hieß die Redensart

~apio indiget~, es gibt nur noch Eppich für ihn, so viel als es steht

schlimm mit ihm, er ist dem Tode nahe. Bei den heutigen Griechen

dagegen gilt er als glückbringend und wird nebst Knoblauch und Zwiebeln

in den Zimmern aufgehängt.

Während der wilde Sellerie widerlich durchdringend riecht und eine fast

ungenießbar bittere Wurzel besitzt, ist ihr Geschmack beim kultivierten

Sellerie bedeutend gemildert. Das hohe Alter seiner Kultur erklärt uns

das Vorhandensein der so verschiedenen Kulturvarietäten. So pflanzt

man +Krautsellerie+ mit langgestielten, aufrecht stehenden Blättern

und kleiner Wurzel, +Bleich-+ oder +Stengelsellerie+ mit fleischigen,

zarten Blattstielen und +Knollensellerie+ mit kurzgestielten Blättern

und großer, rundlicher Wurzel, welche als Küchengewürz und Salat mit

Essig und Öl gegessen wird. In Zucker eingemacht, liefert sie mit

Weißwein ein der Ananasbowle täuschend ähnliches Getränk. Sie wirkt

reizend auf die harnabsondernden Organe und gilt als sexuell reizendes

Mittel.

Die +Petersilie+ (~Petroselinum sativum~) ist eine zweijährige

Umbellifere der Mittelmeerländer, die vom Arzte Dioskurides unter dem

Namen ~petrosélinon~, d. h. Felsensellerie, als eine wildwachsende

Heilpflanze erwähnt wird, die dann auch die Römer unter derselben

Bezeichnung als Medikament verwendeten. Ob sie schon im Altertum

angebaut wurde, ist uns nicht bekannt; doch wird dies aus der römischen

Kaiserzeit wohl anzunehmen sein. Erst im ~Capitulare de villis~ Karls

des Großen vom Jahre 812 wird sie bestimmt unter den anzubauenden

Pflanzen erwähnt. Im 16. Jahrhundert wurde sie im Garten von Olivier de

Serres gezogen. Die englischen Gärtner erhielten sie nach dem Berichte

eines Zeitgenossen im Jahre 1548. Obgleich ihre Kultur weder ein hohes

Alter aufweist, noch von besonderer Wichtigkeit ist, so hat sie sich

doch bereits in zwei Rassen gespalten, eine Form mit krausen Blättern,

die als Suppengewürze dienen, und eine andere, deren fleischige Wurzel

gegessen wird.

Aus dem gemäßigten Westasien scheint der +Gartenkörbel+ (~Scandix

cerefolium~) zu stammen, den die älteren griechischen Autoren nicht

erwähnen, gleichwohl aber gekannt haben müssen. Um die Mitte des

1. Jahrhunderts n. Chr. wird sie als Gemüsepflanze von Dioskurides

und Plinius unter der Bezeichnung ~cerefolium~ genannt. Sie wurde

angepflanzt und muß schon im 2. Jahrhundert v. Chr. von den Griechen zu

den Römern gelangt sein, um dann zunächst zu den Romanen zu gelangen,

die sie heute noch ~cerfeuil~ nennen. Viel wichtiger als sie war einst

das heute ganz aus unserem Gemüsegarten verschwundene +Myrrhenkraut+

(~Smyrnium olus-atrum~), von der schon der Aristotelesschüler

Theophrastos als einer wichtigen medizinischen Pflanze unter dem

Namen ~hipposélinon~, d. h. Pferdesellerie spricht. Drei Jahrhunderte

später sagt Dioskurides von ihr, daß man ihre Blätter und Wurzeln als

Speise benütze. Als ~olus antrum~ wurde sie von den Römern kultiviert,

als ~olisatum~ befahl sie Karl der Große auf seinen Meierhöfen

anzupflanzen. Später wurde diese in den Mittelmeerländern wildwachsend

angetroffene Pflanze auch bei den Italienern des Mittelalters als

~macerone~ angebaut. Noch zu Ende des 18. Jahrhunderts kannte man in

Frankreich und England die Überlieferung, daß diese Pflanze einst

in den Gemüsegärten gehalten wurde, später aber wird sie nicht mehr

erwähnt.

Ein von den älteren Griechen als köstlichste Beigabe jeder Speise

gehaltene Würzpflanze, die zugleich, noch mehr als alle vorgenannten

Kräuter, für eine kostbare Medizin galt, die alle Gifte aufhebe,

die bösartigsten Wunden heile, Blinde sehend und Greise jung mache,

war das +Silphium+, griechisch ~sílphion~. Es war eine in der

nordafrikanischen Landschaft Kyrene wildwachsende Doldenpflanze,

deren etwas knoblauchartig riechende Blätter und junge Sprosse als

feinstes Gemüse in ganzen Schiffsladungen nach Griechenland gebracht

wurden. Sie bildete den Reichtum des Landes von Kyrene, der ihren

Bewohnern großen Wohlstand brachte und als wichtigstes Landesprodukt

auf den dortigen Münzen abgebildet wurde. Der Silphionhandel ist uns

auch auf der berühmten Arkesilasschale im ~Cabinet des Médailles~ der

Nationalbibliothek in Paris abgebildet. Auf ihr sitzt an Deck eines

Schiffes, das bald absegeln und die kostbare Ware in die Fremde tragen

soll, Arkesilas, der König von Kyrene, auf einem Klappsessel, auf dem

bärtigen Kopfe einen spitzen Strohhut mit aufgebogenen Rändern und mit

einem langen, weißen Chiton und einem schwarzrot gestreiften Himation

bekleidet, dessen Bordüre eingewebte Stickerei trägt. Zu Füßen des

Königs, unter dem Sessel, liegt, um das Land Afrika anzudeuten, ein

Panther. Der König hält das Szepter in der Rechten und weist mit der

Linken nach der Wage, auf der das Silphion abgewogen wird, das in

Binsensäcken verpackt ist. Ein Mann scheint dem Könige zu melden: Es

besteht Gleichgewicht. Die große Wage ist an einer Rahe aufgehängt.

Ein als Silphiumarbeiter bezeichneter Mann legt das Silphium zurecht.

Neben ihm stehen zwei Korbträger, von denen einer sich umwendet und den

König frägt: Soll ich wegnehmen? Er fürchtet offenbar zu gut gewogen

zu haben. Darunter sehen wir unbärtige Matrosen unter der Aufsicht

eines Wächters die mit Silphium gefüllten Binsensäcke im Schiffsraum

aufeinander legen. Sogar die Jahreszeit der Handlung ist sehr sinnig

angedeutet. Es ist Spätherbst; denn über dem Schiffe sehen wir Zugvögel

dahinziehen, von denen sich einige, von der langen Meerfahrt erschöpft,

auf dem Takelwerk des Schiffes niederlassen wollen, aber von einem

zahmen Affen wenig liebenswürdig verscheucht werden.

Alle Teile der kostbaren Silphionpflanze wurden von den danach

lüsternen Griechen verwendet. Die jungen Blütenschäfte wurden sowohl

roh als gekocht als Salat und Gemüse gegessen; der Stengel galt

als hochfeine Delikatesse, während die Blätter als Gemüse gekocht

wurden. Der eingedickte Saft von Stengel und Wurzel wurde als sehr

geschätztes Gewürz und Allheilmittel fast mit Gold aufgewogen; er

bildete das kostbare ~laserpitium~ der Römer. Schon unter dem Kaiser

Nero verschwand diese Pflanze mit ihren so geschätzten Produkten völlig

aus dem Handel, und trotz eingehenden Forschungen konnte bis heute

nicht ermittelt werden, welche Pflanze eigentlich unter dem Silphion

der Alten zu verstehen sei. Vielleicht, daß man später einmal in einem

entlegenen Gebiete des Innern von Barka in Tripolis diese spurlos

verschwundene, und nicht in Kultur genommene Silphionpflanze der

Alten findet. Ihr sehr ähnlich, aber nicht mit ihr identisch, ist die

+Teufelsdreckpflanze+ oder der +Stinkasant+ (~Ferula asa foetida~), der

seit Alexanders des Großen Zug nach Persien und Indien als „persisches

Silphion“ bekannt war und in gleicher Weise wie das seit dem 7.

vorchristlichen Jahrhundert verwendete echte afrikanische Silphion von

den Griechen und Römern benutzt wurde. Heute noch werden die einzelnen

Teile der Pflanze wie einst diejenigen der kyrenischen Art teils roh

als Salat, teils gekocht als Gemüse, speziell als Beigabe zu Fleisch,

der eingedickte Saft aber als Allheilmittel verwendet. Im Gegensatz

zum echten Silphion, das als wohlriechend bezeichnet wird, riecht

das persische widrig knoblauchartig. Von Persien bis China dient der

Stinkasant als hochgeschätzte Arznei und sein eingedickter Milchsaft

kommt noch heute in großer Menge als wertvolles Heilmittel zu uns nach

Europa und in alle Kulturländer der Erde. Über ihn und seine Geschichte

soll im Abschnitt über Heilpflanzen Genaueres mitgeteilt werden.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte · 第 33 / 77 段