Unsere +gemeine Gartenbohne+ oder +Fisole+ -- italienisch ~fagiolo~

und neugriechisch ~fasulia~ -- auch +Schminkbohne+ genannt, weil das

Mehl ihrer Samen die Haut glättet und deshalb als ein Bestandteil

der weißen Schminke benutzt wurde (~Phaseolus vulgaris~), die in 70

Spielarten windend als Stangen-, Speck-, Kugel-, Eier- und Negerbohnen,

oder nicht windend als Busch-, Zwerg-, Zucker- oder Frühbohnen auf

dem Felde und im Garten der grünen, unreifen Hülsen und reifen Samen

halber kultiviert wird, stammt mit der von den Peruanern ebenfalls

als Gemüsefrucht gezogenen +Feuerbohne+ (~Phaseolus multiflorus~)

aus Südamerika und verdrängte nach ihrer Einführung durch die

Spanier mit ihren ertragreicheren und härteren, weißen Samen bald

die schwarzsamige Dolichosbohne Ostindiens aus Südeuropa. Diese

heute bei uns allgemein verbreiteten neuweltlichen Gartenbohnen

hat man nicht nur in Südamerika, in den Gräbern des Totenfeldes

von Ancon in Peru, sondern auch in Nordamerika als Grabbeigabe in

vorgeschichtlichen Gräbern gefunden, als Beweis dafür, daß dieses

Gemüse schon lange vor der Entdeckung Amerikas durch die Europäer aus

seiner südamerikanischen Heimat, wo sie zur Kulturpflanze erhoben

wurde, durch den ganzen Kontinent, und zwar in mehreren Spielarten,

die wir heute noch kultivieren, bis weit nach Norden verbreitet

worden war. Die großen botanischen Werke aus der zweiten Hälfte des

16. Jahrhunderts unterscheiden sehr wohl zwischen amerikanischen und

ägyptischen, d. h. also Dolichosbohnen. Der französische Arzt und

Botaniker Clusius (Charles de l’Ecluse, geb. 1525 zu Arras, war von

1571-1587 kaiserlicher Gartendirektor in Wien unter Maximilian II. und

von 1593 an Professor der Botanik in Leiden in den Niederlanden, wo er

1609 starb) sah die weißsamige Gartenbohne zuerst 1564 bei Gelegenheit

einer naturwissenschaftlichen Reise in Spanien und kurz darauf die

Feuerbohne mit grellroten Blüten und schmutzig rot oder violett und

schwarz marmorierten Samen in einem Kloster zu Lissabon. Dort erhielt

er auch Bohnensamen aus Brasilien zum Geschenk. Diesen brachte er nach

seiner Heimat Frankreich mit und ließ ihn hier wachsen. Die daraus

erzielten Samen schenkte er an seine Freunde weiter, die sie wiederum

in ihren Gärten pflanzten. So verbreiteten sich diese „welschen“ oder

„Stangenbohnen“ in den verschiedensten Arten immer weiter unter dem

Volke und wurden zu dem unentbehrlichen Gemüse, das sie heute sind;

doch ging die Kunde der Einführung der ersteren aus der Neuen Welt

später verloren, bis erst im 18. Jahrhundert diese Tatsache aufs neue

erkannt wurde. So war der Regensburger Apotheker J. Weinmann einer der

ersten, der in seinem vierbändigen, von 1737-1745 herausgegebenen, in

Kupfer gestochenen Pflanzenatlas mit erläuterndem Text die Ansicht

äußert, daß die Gartenbohnen wie der Mais aus Amerika stamme. Er

unterscheidet diese als amerikanische und brasilische Bohnen sehr

wohl von den vor der Entdeckung Amerikas einzig in Europa gepflanzten

ägyptischen Bohnen der Gattung Dolichos.

Schon im 17. Jahrhundert waren diese amerikanischen Gartenbohnen so

volkstümlich, daß ihre Samen zu dem von den niederländischen Malern mit

Vorliebe dargestellten Bohnenfeste benutzt wurden. Dieses am 5. Januar

gefeierte „Bohnenkönigsfest“, in Frankreich unter der Bezeichnung „~Le

roi boit~“ bekannt, war ein Nachklang an die römischen Saturnalien,

einem der ältesten und volkstümlichsten italischen Feste, das in Rom

am 17. Dezember zu Ehren Saturns, des altitalischen Gottes der Saaten

und der Fruchtbarkeit überhaupt, gefeiert wurde. Dieses unter den

römischen Kaisern auf eine volle Woche ausgedehnte Fest bedeutete

eine sinnbildliche Rückkehr zu jenen glücklichen Zeiten, da unter

der Regierung des als Herrscher von Latium gedachten Gottes, den man

dem griechischen Gotte Chronos gleichstellte, nur Friede und Freude,

allgemeine Freiheit und Gleichheit unter den Menschen geherrscht haben

sollen. Daher wurden die Saturnalien mit ausgelassenem Jubel und

allgemeinem Schmausen begangen, an dem auch die Sklaven Anteil hatten.

Sie saßen mit ihren Herrn zu Tische und wurden von diesen zuerst

bedient, genossen überhaupt unbeschränkte Freiheit. Man beschenkte

sich gegenseitig mit allerhand Geschenken, besonders mit Wachskerzen

und kleinen Tonfiguren, wie sie die Kinder als Spielzeug gebrauchten,

eine Sitte, deren Nachhall in der christlichen Weihnachtsfeier nicht zu

verkennen ist.

Auch in der römischen Armee wurde das Fest, aber in ihrer Weise

gefeiert. Durchs Los wurde ein König für die Festzeit bestimmt, dem

sich alle zu fügen hatten. Seine unbeschränkte Macht hatte aber bald

ein Ende, indem er am Ende der Saturnalien als Sühnopfer geschlachtet

wurde. Ein Zeichen, wie brutal diese Berufssoldaten, die ja für

Straßenbau und andere Werke der Kultur in den Provinzen zweifellos sehr

große Verdienste sich erwarben, im tiefsten Grunde waren. Später wurde

meist ein Verbrecher mit dieser zweifelhaften Würde bekleidet, indem

man ihm einige Tage vor der Hinrichtung diese letzte Freude gewährte.

Und als das römische Weltreich in den Wirren der Völkerwanderung

zugrunde gegangen war, hatte sich in Frankreich, England, in den

Niederlanden und am Rhein dieser aus der Zeit der römischen Besatzung

stammende, ursprünglich ernsthafte Brauch als scherzhaftes Volksfest

erhalten. Es fand am 5. Januar statt und der König des Tages wurde in

jeder Familie in der Weise gewählt, daß ein Königskuchen verspeist

wurde, in welchem eine Bohne hineingebacken war; wer diese in seinem

Stücke fand, war König und wählte sich eine Königin und einen Hofstaat,

der ihn auf alle erdenkliche Weise bedienen mußte. So oft der König

trank, mußte der ganze Kreis rufen: Der König trinkt! weshalb eben

dieses Fest in Frankreich nur „~le roi boit~“ genannt wurde. Wer

den Ruf unterließ, der mußte „zur Strafe trinken“, wie man sich in

Studentenkreisen ausdrückt „in die Kanne steigen“, oder etwas zahlen

oder ein Pfand geben, das nachher ausgelost wurde und damit wiederum

Gelegenheit zu neuen Lachereien und ausgelassenen Scherzen gab. Bei

dieser burlesken Feier wurde auch das berühmte, bisher allerdings in

einem zuverlässigen alten Texte noch nicht aufgefundene „Bohnenlied“

gesungen, das mit Zweideutigkeiten so gepfeffert war, daß heute

noch das Sprichwort von einer allzustarken Zumutung sagt, es gehe

noch über das Bohnenlied. Daß solche ausgelassene häusliche Szenen

die derben, naturalistischen niederländischen Maler zur Wiedergabe

reizten, ist ja sehr wohl begreiflich. So haben flämische wie

holländische Maler, Katholiken wie Protestanten, wie Jakob Jordaens,

die beiden David Teniers, Jan Steen, Gabriel Metsu und wie sie alle

heißen, mit innerlichstem Vergnügen dieses lachende, mutwillige Fest

geschildert. Außer den Niederlanden kannten auch das von deutschen

Franken durchsetzte Nordfrankreich sowie England die Sitte sogut wie

in Deutschland die Rheingegend. „Diser Brauch der Künigreich, darinn

auch viel Buoberei geschicht, ist fürnehmlich gmein am Reinstrom“, sagt

im 16. Jahrhundert der bekannte süddeutsche, lange im Elsaß lebende

Sittenschilderer Sebastian Franck, der 1542 in Basel starb.

Eine noch weit wichtigere Rolle, als bei uns die aus Südamerika

eingeführten Gartenbohnen, spielt in ganz Ostasien die +Sojabohne+

(~Glycine hispida~) als eine überaus wichtige Kulturpflanze. Von

den vier in Asien und Afrika wachsenden Glycinearten kommt die

wahrscheinlich ihre Stammform bildende Art in China, Japan und den

Amurländern wild vor. Als solche ist sie viel kleiner und weniger

verzweigt als die Kulturpflanze, die sich in vielen Varietäten in

weiter Verbreitung in Asien, besonders in China und Japan vorfindet.

Sie ist eine einjährige Pflanze mit 0,5-1 m hohem, etwas windendem

Stengel, langgestielten, dreizähligen Blättern, die wie Stengel und

Zweige dicht rotbraun behaart sind, kurzgestielten Blütenträubchen

mit kleinen, unscheinbaren, blaßvioletten Blüten und sichelförmig

gekrümmten, trockenhäutigen, rötlich behaarten Hülsen mit 2-5 Samen.

Sie braucht zu ihrer Entwicklung viel Licht und hochgradige Wärme und

gedeiht außer in den Tropen nur in den Subtropen als Sommergewächs.

Für eine ergiebige Kultur verlangt sie trockenen, tiefgründigen, an

mineralischen Nährstoffen reichen Boden. Ein großer Vorzug derselben

besteht in einer bedeutenden Anpassungsfähigkeit an Boden und

Klima, in der Immunität gegen Schmarotzerpilze und nie versiegender

Fruchtbarkeit. Bei uns in Mitteleuropa hat sie begreiflicherweise

keine befriedigenden Resultate gegeben, da ihre Vegetationszeit selbst

im warmen Klima 130 Tage beträgt und daher die Samen hier nicht mehr

reifen. Diese letzteren sind rundlich, länglich oder nierenförmig,

gelblich, braunrot, grünlich oder schwarz. Ihr Nährwert ist gegenüber

den übrigen Hülsenfrüchten ein sehr hoher und durch hohen Fettgehalt

ausgezeichnet. In dem so überaus volkreichen China lebt ein großer

Teil der Bevölkerung von Sojagerichten, auch dient sie vielfach zur

Gewinnung von Speiseöl. Hier ist die Kultur der Sojabohne bereits seit

4700 Jahren nachzuweisen, indem Kaiser Schen-nung ums Jahr 2800

v. Chr. solche neben den damals gebräuchlichen vier Getreidearten:

Reis, Gerste, Weizen und Hirse beim Frühlingsfeste zur Aufmunterung des

Volkes höchst eigenhändig pflanzte. Wie in China wird auch in Japan,

das ebensowenig Tiermilch produziert und deshalb keine Butter besitzt,

der aus ihnen gewonnene fettige Brei zum Schmelzen der Speisen benutzt

und die sehr eiweißreichen Sojagerichte dienen in diesem Lande bis zu

einem gewissen Grade als Ersatz des nur selten gegessenen Fleisches.

Besonders wertvoll sind die Sojabohnen den Japanern zur Herstellung

der von ihnen als große Delikatesse geschätzten Sojasauce +Shoju+, die

nicht nur in ganz Ost- und Südasien sehr beliebt ist, sondern auch

in Europa mehr und mehr Anerkennung findet; dient sie doch in erster

Linie zur Bereitung der berühmten englischen Worcestersauce, die ja in

vielen vornehmen Haushaltungen auch des Kontinentes gebraucht wird. Um

die Shojusauce zu bereiten werden gleiche Teile Sojabohnen und Weizen

genommen und 1-3 Teile Wasser hinzugefügt. Die Bohnen werden halbgar

gekocht, der Weizen geröstet und gemahlen, darauf wird alles gründlich

vermengt und etwas gedämpfter Reis mit Kulturen des Schimmelpilzes

~Aspergillus oryzae~ dazu getan. Das Ganze wird in Holzkästen drei Tage

lang einer Temperatur von +25° C. ausgesetzt, wobei sich die Masse

vollständig mit Schimmel bedeckt. Hierauf wird sie mit Hinzugabe von

1-6 Teilen Kochsalz in große Holzkübel getan, worin sie längerer Gärung

bei möglichst niedriger Temperatur überlassen wird. Der anfangs dicke,

graue Brei wird wiederholt umgerührt, wobei er allmählich flüssiger

wird und schließlich eine braune Farbe annimmt. Die Gärung dauert 2-5

Jahre und das Produkt ist um so feiner, je länger sie bestanden hat.

Neben dem ziemlich dicken, tiefbraunen Shoju, von dem man wegen seiner

Stärke nur sehr wenig nehmen darf, wird in Japan noch ein anderes

Sojapräparat, ein weniger durchgreifend vergorener Brei, der +Miso+,

viel verwendet. Ebenfalls als Würzmittel dient der aus einem wässerigen

Auszuge der gekochten Sojabohnen durch Kochsalz gefällte +Tofu+.

Daneben werden verschiedene andere Präparate aus dieser Bohnenfrucht in

Verbindung mit Salz und meist auch gekochtem Reis von allen Schichten

der Bevölkerung Japans in großer Menge gegessen. Sehr beliebt und durch

Händler überall auf den Straßen der japanischen Städte feilgeboten sind

besonders süße Kuchen aus Sojabohnenmehl und ein aus gekochten und

zerquetschten Sojabohnen durch Gärung infolge Stehenlassens im Keller

erzeugter, mit Shojusauce gewürzter Käse. In Österreich dagegen werden

die Sojabohnen als beliebtes Kaffeesurrogat benutzt.

Die wichtigste Bohnenart Ostindiens ist die +Mungobohne+ (~Phaseolus

mungo~), deren junge Sprossen ebenfalls rotbraun behaart sind. Die

sehr kleine, 4-5 cm lange Hülse enthält 10-15 grasgrüne Samen, die

kaum ein Drittel so groß wie Erbsen sind und einen deutlichen Nabel

aufweisen. Sie ist im Lande selbst heimisch und wächst im Himalaja

bei etwa 2000 m Höhe wild. Die ansehnliche Zahl von Spielarten und das

Vorhandensein von drei verschiedenen indischen Namen für sie beweisen

mit Sicherheit, daß diese Nährfrucht schon sehr lange in jenem Lande

gebaut wird. Sehr früh kam sie nach Ägypten und in die Länder am oberen

Nil, später auch nach Ostafrika, wo sie ebenfalls sehr geschätzt und

wie unsere Gartenbohnen zubereitet wird. Sonst ist die hauptsächlich

in Afrika gepflanzte Bohne die hochwindende +Helmbohne+ (~Dolichos

lablab~) mit sehr langgestielten Blütentrauben, die nach dem Verblühen

noch weiter wachsen. Die kahle, ziemlich flachgedrückte Hülse enthält

2-5 bohnengroße Samen, deren weißer Nabel fast die ganze Längsseite

derselben einnimmt und durch seine Form an die Raupen früherer

Soldatenhelme, wie sie namentlich in Bayern getragen wurden, erinnert.

Ursprünglich im tropischen Afrika heimisch, wird diese Pflanze jetzt

der jungen Hülsen und schwarzen oder braunen Samen wegen überall in

den Tropen und Subtropen als eine der wichtigsten Gemüsepflanzen

in vielen Varietäten kultiviert. Ebenfalls afrikanischen Ursprungs

scheint die nirgends mehr wild angetroffene +Lubiabohne+ (~Dolichos

lubia~) zu sein, die schon lange in der Nilgegend, ebenso in Syrien,

Persien und Indien angebaut wird. Im alten Ägypten war sie noch nicht

bekannt; jedenfalls hat sie sich erst im Laufe der letzten zwei

Jahrtausende nach Vorder- und Südasien verbreitet. Gleicherweise ist

der gelbblühende +indische Bohnenstrauch+ (~Cajanus indicus~), der

namentlich in Ostindien, aber auch in Italien und Südamerika fleißig

kultiviert wird, in Afrika heimisch. Er findet sich im tropischen Teile

des Kontinents bis nach Oberägypten hin wild, und wird heute noch in

Nubien und dem ägyptischen Sudan der Samen wegen angebaut, die nach

Form und Größe unseren Erbsen gleichen, aber nicht so wohlschmeckend

und zudem schwer verdaulich sind. Dieser Schmetterlingsblütler muß

bereits im alten Ägypten angebaut worden sein, da man unter den vorhin

mehrfach genannten Gräberfunden des mittleren Reiches in Theben aus der

Zeit der 12. Dynastie (2000-1788 v. Chr.) auch einen Samen von ihm fand.

Die +mondförmige Bohne+ (~Phaseolus lunatus~) dagegen, die heute in

Afrika fast überall zwischen den Wendekreisen angebaut wird und sich

neuerdings über Indien nach China verbreitet hat, stammt zweifellos aus

Südamerika, wo sie ausschließlich in Zentralbrasilien und in der Region

des Amazonenstromes wild gefunden wird. Ihre Samen finden sich mehrfach

unter den Grabbeigaben des Totenfeldes von Ancon in Peru. Schon vor der

Ankunft der Europäer hatte sich diese Bohnenart in einer durch die

Kultur großfrüchtig gewordenen Form durch ganz Süd- und Zentralamerika

verbreitet und scheint dann durch portugiesische Sklavenhändler

zuerst nach der Guineaküste gebracht worden zu sein, von wo aus sie

sich mit der Zeit über ganz Afrika und später auch Süd- und Ostasien

verbreitete. Erst vor wenigen Jahrzehnten ist endlich die mit 30-40 cm

langen, hellgrünen Hülsen ausgestattete +Riesenbohne+ (~Phaseolus

sesquipedalis~), die ein ausgezeichnetes Gemüse liefert, aus ihrer

Heimat, dem tropischen Amerika, nach Südasien und Südeuropa gebracht

worden, wo sie sich zunehmender Beliebtheit erfreut.

Im warmen Afrika heimisch, wo sie in Nubien, Kordofan, Sennar und

Abessinien wildwachsend angetroffen wird, ist der heute vielfach

zwischen den Wendekreisen, auch in der Türkei und in Griechenland,

besonders aber in Ostindien als Gemüsepflanze angebaute +eßbare

Eibisch+ (~Hibiscus esculentus~) oder die +Gombobohne+, auch ~ochro~,

von den Arabern ~bamia~, im Sudan ~weka~ genannt. Sie hat gelbe Blüten

und wird medizinisch wie unser Eibisch verwendet. Die ganz jungen

Früchte werden wie Kapern eingemacht, die alten bis 8 cm langen

fünfkantigen Samenkapseln dagegen werden unreif als wohlschmeckende

und nahrhafte Speise ganz gekocht oder man benutzt dazu nur die

unreifen, bohnenförmigen, grauen Samen, die viel Schleim enthalten

und teilweise den Speisen hinzugesetzt werden. Die reifen Bohnen

dagegen verwendet man zu einem beliebten, warm getrunkenen, wie Kaffee

bereiteten und deshalb auch als Gombokaffee bezeichneten Getränk.

Sie werden gebrannt, zerstoßen und mit heißem Wasser ausgezogen; die

dadurch entstandene kaffeeartige Brühe besitzt einen sehr angenehmen,

gewürzhaften Geschmack und wirkt nicht nervenerregend wie der arabische

Kaffee. Die Kultur der Pflanze ist in Ägypten eine sehr alte und findet

sich bereits in einem Grabe der 12. Dynastie (2000-1877 v. Chr.) in

Beni Hassan dargestellt. In von der Darstellung der Rebenkulturen

abweichenden Laubengängen, die dicht mit den rankenden Schossen

der Pflanze überzogen sind, sind drei Arbeiter mit dem Abpflücken

der charakteristisch dargestellten Schoten beschäftigt. Einer

derselben, der hockt, da ihm der niedere Bogengang nicht erlaubt sich

aufzurichten, wirft die Früchte in einen hohen Korb mit durchbrochenem

Geflecht. Der daneben in einem höheren Bogen ganz aufrecht stehende

zweite Arbeiter trägt in seiner Linken einen kleinen, viereckigen,

an zwei Schnüren getragenen Korb und langt mit der Rechten nach den

Früchten in das Gerank hinein. Der dritte bückt sich, um Nachsuche in

den Stauden zu halten, während ein vierter Arbeiter in zwei großen,

an einer Stange über der Schulter getragenen Körben die gepflückten

Früchte wegträgt.

Im Mittelalter hat der arabische Gelehrte Abdul Abbas Enabati, der 1216

Ägypten bereiste, den Gombo gut beschrieben, ebenso der Venezianer

Prosper Alpino (1553-1617), der ihn nach einem Aufenthalt in Ägypten

in seinem Werk über ägyptische Pflanzen genau abbildete und als

~Bamia moschata~ beschrieb. Ein naher Verwandter desselben ist der

+Bisameibisch+ (~Hibiscus abelmoschus~), der ebenfalls in Ägypten wie

überall in den Tropen, auch in Amerika, kultiviert wird. Es ist ein

2-3 m hoher, in Ostindien heimischer Strauch mit großen, gelben,

im Grunde dunkelroten Blüten. Seine erbsengroßen, nierenförmigen,

schwarzbraunen, in frischem Zustande stark nach Bisam (Moschus)

riechenden und bitterlich schmeckenden Samen mit erhabenen braunen

Rippen, die Bisam- oder Abelmoschuskörner, dienten früher als

krampfstillendes Mittel; jetzt werden sie nur noch zu Parfümerien,

besonders zur Herstellung des wohlriechenden zyprischen Haarpuders

verwendet. Früher benutzte man sie auch, namentlich in Frankreich, zur

Anfertigung von Rosenkränzen. Die Stengel dieses, wie besonders auch

des zu diesem Zwecke in Indien gepflanzten ~Hibiscus tetraphyllus~

liefern juteartige Bastfasern, die als Bandakaifasern in den Handel

gelangen und in Nordamerika auch zur Papierfabrikation benutzt werden.

Unter den Doldenblütlern sind +Pastinak+ und +Mohrrübe+ die ältesten

Gemüsepflanzen, deren durch Kultur fleischig gewordene Wurzeln, wie wir

sahen, schon vor mehr als 4000 Jahren von den neolithischen Pfahlbauern

an den Ufern der Schweizerseen gegessen wurden. Allerdings mögen sie in

jener Frühzeit noch recht bescheidene Speise dem hungernden Menschen,

der sie in Kultur nahm, geboten haben; denn diese allenthalben in

Europa und Nordasien wild wachsenden Pflanzen haben von Natur aus eine

magere, dünne Pfahlwurzel, da eine fleischige für sie zwecklos ist.

Sie sind einjährige Pflanzen, die blühen und Frucht tragen wollen.

Selbst durch reichliche Ernährung und sorgfältige Pflege sind sie

nicht dazu zu bringen, fleischige Wurzeln zu bilden; das tun sie nur

dann, wenn man sie nicht in einem Jahre ihre Vegetationszeit vollenden

läßt, so daß sie gezwungen werden zur Beendigung ihres Daseins, das

in der Fruchtbildung gipfelt, für das nächste Jahr Nahrungsstoffe

aufzuspeichern. Hierdurch erst schwellen die Wurzeln an und geben

eine schmackhafte Kost ab. Diesen Prozeß hat man mehrfach künstlich

studiert, so unter den ersten der gelehrte französische Landwirt

Vilmorins vom Jahre 1832 an. Er mochte es anstellen wie er wollte,

durch kein Mittel konnte er von ihm ausgesäte wilde Mohrrüben zur

Verdickung ihrer Wurzel durch Aufspeichern von Reservenahrungsstoffen

bringen. Erst als er sie gegen Ende Juni zum drittenmal säte, zu einer

Zeit also, da die Pflanzen statt der ihnen sonst zu Gebote stehenden

acht Monate nur deren zwei zu ihrem Wachstume zur Verfügung hatten,

bildeten nicht alle, aber einige wenige Exemplare Reservespeicher

durch Anschwellung ihrer sonst dünnen Pfahlwurzeln, um im kommenden

Jahre ihren in der Fruchtbildung gipfelnden Vegetationsprozeß zu Ende

zu führen. Auf diese Weise hat die Pflanze, die nur +ein+ Jahr leben

sollte, aber nicht vergehen wollte ohne Frucht getrieben zu haben,

sich die Möglichkeit geschaffen, doppelt so lange zu leben. Diese paar

sorgsam überwinterten Möhren beendeten ihren Vegetationsprozeß im

nächsten Jahre, und unter den von ihnen erzielten Sämlingen erwies sich

etwa ein Fünftel als getreue Erbinnen der mütterlichen Fähigkeiten.

Die schönsten, dickwurzeligsten unter ihnen wurden ausgesucht, um zur

Vermehrung verwendet zu werden. Schon in der vierten Generation war die

Gewohnheit, im ersten Jahre keine Frucht zu treiben, bei der Mehrzahl

der Nachkommen vorherrschend. Noch einige Generationen weiter, und der

Prozentsatz der Pflanzen, die nach alter Sitte im ersten Jahre blühten,

war fast gleich Null, und aus der wilden Möhre war eine Gemüsepflanze

geworden, die als zweijährige in allen Fällen reichen Reservestoff in

ihrer dick und fleischig gewordenen Wurzel aufspeicherte.

Was in der Gegenwart das zielbewußte Experiment, das hat in der

Vergangenheit gelegentlich der Zufall gezeitigt. So sind vielfach

aus unschmackhaften Wildlingen vor Tausenden von Jahren schmackhafte

Gemüsepflanzen geworden. Unter ihnen hat der in manchen Gegenden

angebaute +Pastinak+ (~Pastinaca sativa~) eine weiße, der weißen

Varietät der gelben Rübe sehr ähnliche Wurzel. Durch ihren scharfen

Geruch und stark aromatischen Geschmack kann sie aber leicht von dieser

unterschieden werden. Ihre Stammform ist eine bei uns auf feuchten

Wiesen und an Flußufern häufig wild vorkommende einjährige Pflanze

mit gelben, stark aromatisch riechenden Blüten. Bei der zweijährigen

Kulturform, die 30-90 cm hoch wird, ist die Wurzel wie die der gelben

Rübe zu bedeutender Mächtigkeit gebracht worden. Sie kommt bei uns nur

vereinzelt auf den Markt und spielt fast mehr die Rolle eines Gewürzes,

als die eines selbständigen Gemüses, wie etwa die Petersilie. Sie

gedeiht am besten in tiefgründigem, lehmigem Boden und wurde wie bei

den Pfahlbauern der späteren neolithischen und Bronzezeit auch bei

den alten Ägyptern, die sie ~makmakchai~ nannten, angebaut; ebenso

bei den Griechen, die sie ~elaphobóskon~, d. h. Hirschfraß nannten.

Diese eigentümliche Bezeichnung erklärt uns der um die Mitte des 1.

Jahrhunderts n. Chr. lebende griechische Arzt Dioskurides, indem er

in seinem Arzneibuch schreibt: „Der Pastinak ist eine Doldenpflanze

mit zwei Finger breiten, sehr langen, zurückgebogenen und etwas rauhen

Blättern. Der Stamm hat mehrere Äste, die Dolden tragen, welche denen

des Dills ähnlich sind, gelbliche Blüten und Samen wie sie der Dill

hat. Die Wurzel ist etwa drei Finger breit lang, einen Finger dick,

weiß, süß, eßbar. Auch der junge, zarte Stamm wird als Gemüse gegessen.

Man sagt, die Hirsche fräßen die Pastinakwurzel als Schutzmittel gegen

Schlangenbiß und gibt deshalb zu gleichem Zwecke auch den Menschen

die Samen in Wein.“ Sein Zeitgenosse, der ältere Plinius, nennt auch

das ~elaphoboscon~, daneben aber auch ~pastinaca~, von dem er zwei

Arten erwähnt. Auch im Mittelalter wurde der Pastinak in Süd- und

Mitteleuropa angepflanzt. Noch vor hundert Jahren spielte er bei uns

eine ziemlich große Rolle als Gemüsepflanze, bis er durch den Anbau der

Kartoffel mehr und mehr eingeschränkt und in vielen Gegenden von jener

völlig verdrängt wurde, obschon er einige Vorteile vor der so häufig

gepflanzten Mohrrübe gewährt. Er liefert nämlich auf geeignetem Boden

höhere Erträge nahrhafteren Futters, seine Kultur ist leichter und sie

ist widerstandsfähiger gegen die Kälte und erträgt sogar im Freien

unsere strengen Winter. Die feineren Sorten werden nur für die Küche

gebaut und müssen frostfrei überwintert werden. Die Samen wurden früher

medizinisch benutzt. Eine nahe verwandte zweijährige Art, ~Pastinaka

sekakul~, die in Syrien und Ägypten heimisch ist, wird sehr viel im

Orient als wohlschmeckendes Wurzelgemüse angepflanzt.

Tafel 45.

[Illustration: Japanische Küche, in welcher teilweise Wurzelgemüse

zubereitet werden.]

[Illustration:

Tafel 46.

Japanische Gemüsehändler in Tokio.]

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte · 第 30 / 77 段