Nach den Angaben der Schriftsteller des Altertums war die Linse von

alters her ein Nahrungsmittel besonders der ärmeren Volksklassen;

in Zeiten der Not wurde ihr Mehl mit Gerstenmehl vermischt zu Brot

verbacken. Ihrer großen Bedeutung als Volksnahrungsmittel entsprechend

war ihr Anbau ein sehr ausgedehnter. Noch zur Römerzeit bildete sie

einen wichtigen Exportartikel des Landes. Auch die Griechen der älteren

Zeit bauten sie unter dem Namen ~phakós~ viel an und bezeichneten

das daraus bereitete Gericht ~phakḗ~, doch aß sie seit der Mitte des

5. vorchristlichen Jahrhunderts in Athen nur noch das niedere Volk.

Der Begüterte und Gebildete enthielt sich jedoch dieser gemeinen

Nährfrucht. In einer Komödie des attischen Dichters Aristophanes (geb.

um 455 v. Chr., trat 427 zuerst als Dichter auf und starb 387) heißt

es von einem Athener: „jetzt, da er reich geworden ist, mag er keine

Linsen mehr, während er früher, da er noch arm war, aß was ihm vorkam.“

Und beim Lustspieldichter Phenecrates aus Athen, der um 440 bis 415

v. Chr. dramatisch tätig war, ruft eine Person in einem Stücke: „Nur

keine Linsen! -- Wer Linsen ißt, riecht aus dem Munde.“ Die Römer

nannten sie ~lens~, was darauf hindeutet, daß sie diese Nährfrucht

schon vor ihrer Bekanntschaft mit den Griechen kannten, und bezogen sie

während der Kaiserzeit, wie wir bereits sahen, in großen Mengen aus

Ägypten. Der ältere Cato (234 bis 149 v. Chr.) lehrt in seinem Buche

über die Landwirtschaft, wie man Linsen zu säen habe und wie man sie

am besten mit Essig zubereite. Auch bei den Totenmählern setzte man

im alten Italien wie dem Verstorbenen, so auch den Lebenden Linsen

und Salz als geschätzte Speise vor. Durch die Vermittlung der Römer

lernten dann die Völker nördlich der Alpen, wie schon die hier heute

noch gebräuchlichen Bezeichnungen dafür beweisen, diese ihnen bis dahin

unbekannte Nährfrucht kennen.

Wie einst im Altertum sind die Linsen heute noch den Beduinen

Palästinas, Mesopotamiens und Arabiens ein sehr wichtiges

Nahrungsmittel, weshalb sie außer in Westasien auch in ganz

Nordostafrika viel angebaut werden. Im Hochlande von Abessinien wird

übrigens eine besondere Varietät unserer Linse in verschiedenen Sorten

kultiviert und dient als beliebtes Volksnahrungsmittel.

Die einzige in vorgeschichtlicher Zeit in Mittel- und Nordeuropa

angepflanzte +Bohne+ ist die +große+ oder +Saubohne+, auch +Puffbohne+

genannt (~Vicia faba major~ und ~minor~) mit schwarzgefleckten weißen

Blüten, die heute in zahlreichen Varietäten kultiviert wird. Es war

dies die Bohne der alten Germanen, der ~kýamos~ der Griechen, die

~faba~ der Römer, nach der das berühmte Patriziergeschlecht der Fabier

genannt wurde, dessen Mitglieder, 306 an der Zahl, im Jahre 477

v. Chr. im Kampf gegen die Bewohner von Veji bis auf einen einzigen,

in Rom zurückgebliebenen Knaben fielen. Allerdings besaß die Bohne bei

den Völkern des Altertums nicht solche Verbreitung und Beliebtheit wie

Erbse und Linse; aber bei manchen Völkern stand sie in um so höherem

Ansehen. Bei den Hebräern war die Saubohne nach dem Zeugnisse der

Bibel schon ums Jahr 1000 v. Chr. als Volksnahrungsmittel bekannt und

beliebt. Auch die alten Ägypter aßen sie. So haben sich in einem Grabe

des mittleren Reiches aus der 12. Dynastie (2000-1788 v. Chr.) in der

Totenstadt von Theben einige, gegenüber der heutigen etwas kleinere

Samen der Saubohne als Totenbeigabe gefunden. Immerhin erlangte

diese Nährfrucht keinerlei Bedeutung für das Land, so daß wir die an

sich falsche Behauptung des griechischen Geschichtschreibers Herodot

(484-424 v. Chr.), der ja selbst in Ägypten und Babylonien war und

dem wir ein Urteil in dieser Sache zuerkennen dürfen, einigermaßen

begreifen. Er schreibt nämlich: „Saubohnen pflanzt man aber nicht in

Ägypten, und die herauskommen, ißt man nicht so (wie bei uns -- also

roh, so lange die Samen noch unreif sind), noch speist man sie gekocht.

Die Priester ertragen nicht einmal ihren Anblick.“ Als Grund der

Verpönung mutmaßt Herodot die starken Blähungen, die sie verursachen.

Der griechische Schriftsteller Plutarch (50-120 n. Chr.) dagegen

sagt, die Saubohnen seien den ägyptischen Priestern verboten, weil

sie zu stark nähren. Das ist natürlich eine falsche Annahme dieses

Autoren. Wir werden bald erkennen, was der wirkliche Grund dieser

Speiseentsagung war.

Bei den Griechenstämmen dagegen spielten die Saubohnen schon seit den

ältesten Zeiten eine nicht unwichtige Rolle als Nahrungsmittel. So

werden schon in der Ilias ~kýamoi melanochrōes~, d. h. schwarzsamige

Bohnen, die nichts anderes als Saubohnen waren, als Speise der Helden

erwähnt, und in den Trümmern von Troja sind reichliche verkohlte

Vorräte von Saubohnen gefunden worden, die heute noch nach Schliemann

eine der gewöhnlichsten Ackerfrüchte der Troas bilden. In Griechenland

und noch mehr in Italien war sie von jeher bis heute ein sehr

beliebtes Volksnahrungsmittel. Auf griechischem Boden tritt sie uns

vorgeschichtlich in einem bronzezeitlichen Fund aus Heraklea auf Kreta

entgegen. In Oberitalien ist sie sogar aus dem Ende der neolithischen

Zeit vor etwa 4000 Jahren nachgewiesen. Nördlich der Alpen läßt sie

sich, wie die Funde der Pfahlbauten des Bieler, Neuenburger und Murtner

Sees beweisen, erst in der Bronzezeit zwischen 1800 und 1500 v. Chr.,

und in Norddeutschland erst zu Beginn der als Hallstattperiode

bezeichneten ersten Eisenzeit nach 750 v. Chr. nachweisen. Im

europäischen Norden haben wir Funde von Saubohnen bis jetzt erst aus

der Völkerwanderungszeit, doch beweist der gemeingermanische Bohnenname

-- althochdeutsch ~bôna~ --, der nur dem Gotischen fehlt, daß ihr Anbau

bis in die vorgeschichtliche Zeit zurückreicht. Jedenfalls kannten sie

die Angeln und Sachsen vor ihrer Auswanderung nach England, wie die

angelsächsische Bezeichnung ~bean~, altnordisch ~bon~, althochdeutsch

~bôna~, mittelhochdeutsch ~bone~ für das neuhochdeutsche Wort Bohne

beweist. Wenn freilich der ältere Plinius, der von 45-52 n. Chr. in

der römischen Reiterei in Germanien diente und unter den Kaisern

Nero und Vespasian mehrere hohe Zivil- und Militärämter bekleidete,

in seiner Naturgeschichte berichtet, die römischen Soldaten hätten

die Nordseeinsel Burcana (vielleicht das heutige Borkum) wegen der

Menge der dort angeblich wild wachsenden Bohnen Fabaria genannt, und

wenn derselbe Autor an einer anderen Stelle eine weitere Nordseeinsel

mit dem augenscheinlich germanischen Namen Baunonia „Bohneninsel“

erwähnt, so ist unter diesen wildwachsenden ~fabae~ oder Bohnen nach

de Candolle, Buchenau und Krause nicht die Saubohne, sondern eine

Erbsenart, ~Pisum maritimum~, zu verstehen, die heute noch massenhaft

auf den Dünen der Nordseeinseln wild wächst.

Nach den eingehenden Untersuchungen von Buschan lassen sich unter den

seit der Bronzezeit kultivierten vorgeschichtlichen Bohnen wenigstens

zwei Abarten unterscheiden, nämlich eine kleinere, rundliche, die den

östlichen Fundstätten: Kleinasien, Griechenland, Ungarn und Schweiz

eigen ist, und eine längere, flache, die in Spanien, Südfrankreich

und Deutschland ausschließlich gefunden wird. In Oberitalien scheinen

beide zusammenzutreffen. Wahrscheinlich sind sie von entgegengesetzten

Richtungen ausgegangen, die kleinere, rundliche vom Orient und die

lange, flache von Westen. De Candolle hat diesen doppelten Ursprung

vermutet und seine Ansicht ist durch Buschans Untersuchungen bestätigt

und ergänzt worden. Die Heimat der ersteren ist in Südkaspien,

diejenige der letzteren dagegen in Spanien und Nordafrika zu suchen.

Beide Abarten, die unserer Sau- und Pferdebohne entsprechen, sind nahe

Verwandte der wilden Wicke, und zwar dürfte die Stammart der Form

mit längeren, flachen Bohnen ~Vicia narbonensis~ sein, eine in den

Mittelmeerländern und in Westasien bis nach dem Kaukasus, Nordpersien

und Mesopotamien hin wild wachsende Wickenart, die schon im Altertum

kultiviert wurde. Heute noch wird diese als schwarze Ackerbohne

bezeichnete Art in Frankreich und Italien, aber auch bei uns in

leichtem Boden als Viehfutter angebaut und gibt in mildem Klima einen

reichen Ertrag an Körnern.

Die schwarzen Flecken in den weißen Blüten der Saubohne galten im

Altertum als Schriftzeichen des Todes; demgemäß galt die Pflanze

als Symbol des Todes. Deshalb durften die ägyptischen Priester

keine Saubohnen essen, während das Volk solche, im Altägyptischen

~arschan~ genannt, aß. Auch der 580 v. Chr. in Samos geborene große

griechische Philosoph Pythagoras der 529 nach Kroton in Unteritalien

übersiedelte, um der Gewaltherrschaft des Tyrannen Polykrates von

Samos zu entgehen, und hier einen später weit verbreiteten, durch die

ägyptische Geheimlehre weitgehend beeinflußten Bund stiftete, der

ethische und politische Zwecke verfolgte, verbot seinen Schülern den

Genuß von Saubohnen. Sonst wurden solche vornehmlich bei Totenmählern

und Trauerfesten als Speise aufgetragen. Auf dem heiligen Wege von

Athen nach Eleusis stand ein dem Bohnengott Kyamites geweihter Tempel,

in welchem das zu den dem Dienste der unterirdischen Mächte und des

Unsterblichkeitsglaubens gewidmeten Mysterien ausziehende Volk dem mit

dem Tod in Zusammenhang gebrachten Gotte Saubohnen als Todessymbole

opferte. Auch im alten Italien brachte man den Unterirdischen

Bohnenopfer dar, so warf der Hausvater an dem am 9., 11. und 13. Mai

gefeierten Feste der Lemurien zur Versöhnung der als schreckhafte,

übelwollende Spukgeister gedachten Lemuren oder bösen Geister

Verstorbener nachts schwarze Saubohnen über den Kopf hinter sich, um

sich und die Seinigen von deren Macht zu lösen; und am 21. April, an

welchem Tage der Sage nach die Stadt Rom gegründet worden sein soll,

besprengte man am Feste der altitalischen Hirtengöttin Pales -- deren

Name, nebenbei bemerkt, dem Worte ~palatium~ auf dem palatinischen

Hügel zugrunde liegt, woraus dann unsere Bezeichnung Palast

hervorging --, den Palilien, den Boden mit einem in Wasser getauchten

Lorbeerzweige, entzündete darauf ein Feuer mit Bohnenstroh und sprang

zur Entsühnung darüber, trieb auch seine Herdentiere hindurch, um sie

im kommenden Jahre vor Erkrankung und allem Bösen zu schützen. In Athen

dienten weiße und schwarze Bohnen, die als Ja und Nein galten, zur

Abstimmung.

Auch bei anderen Völkern Europas, besonders bei den Germanen und

Slawen, wurden Saubohnen speziell zu Totenopfern gebraucht. Die

verschiedenen, auf die Saubohnen bezüglichen Zeugnisse der Inder,

Griechen, Römer, Germanen und Slawen hat nun L. von Schröder eingehend

geprüft und kam dabei zum sichergestellten Ergebnis, daß die Saubohnen

schon in der indogermanischen Urzeit als Speise für die Lebenden und

dann auch als Opfer für die Geister der Abgeschiedenen bekannt und

beliebt waren. Während sich dieser uralte Gebrauch bei den meisten

indogermanischen Stämmen mehr oder weniger verwischte, blieb er

besonders bei den in sakralen Dingen so überaus konservativen Römern in

der altertümlichen Form als nächtlicherweile mit abgewandtem Gesicht

dargebrachtes Opfer an die Geister der Verstorbenen erhalten. Das

altertümliche ist hier eben die scheue Abwehr dieser gefürchteten

Geister. Aber über die Indogermanen hinaus muß dieses Bohnenopfer

an die Totengeister in der Urzeit in der Alten Welt weit verbreitet

gewesen sein; denn auch die Ägypter und Vorderasiaten übten solches

einst, und daher rührt die Scheu der Lebenden, besonders wenn sie

priesterliche Funktionen ausübten, diese mehr und mehr als Totenspeise

geltende Frucht zu essen. Weil sie den Toten geopfert wurde, galt sie

eben vielen als unrein und ungeeignet als Speise der Lebenden.

Bei den Indogermanen Südeuropas blieb die Saubohne aber auch für die

Lebenden späterhin die wichtige Speise, die sie den Vorfahren jener

Stämme seit grauer Vorzeit gewesen war. Zahlreiche Stellen aus den

Schriften des Altertums sprechen von ihr als geschätztem Nahrungsmittel

für Menschen und Tiere. Schon in Homers Ilias werden sie wie die

Kichererbsen auf der Tenne durch Worfeln gereinigt. Nach dem römischen

Ackerbauschriftsteller Columella im 1. Jahrhundert n. Chr. wurden

sie von Mitte November bis Ende Dezember auf recht fettem oder gut

gedüngtem Boden, am besten im Tale nach vorhergehendem Pflügen, wie

das Getreide gesät und dann geeggt, damit sie recht tief zu liegen

kamen. Er meint: „Die Saubohnen (~fabae~) erschöpfen das Land nicht so

sehr wie manche andere Frucht; jedenfalls gedeiht aber das Getreide

auf einem Acker, der brach gelegen hat, besser, als auf einem, der

jene Hülsenfrucht (~siliqua~) getragen hat. Das Ausdreschen der

Bohnen macht keine Schwierigkeit. Man legt eine mäßige Anzahl von

aufgelösten Bündeln an das eine Ende der Tenne, vier bis fünf Leute

treiben die Bündel mit den Füßen allmählich bis ans andere Ende und

schlagen sie dabei mit Stöcken. Sind sie ans Ende gelangt, so legen

sie das ausgedroschene Bohnenstroh auf einen Haufen; die Bohnen selbst

liegen auf der Tenne, und über diese werden auch die übrigen Bündel

hingetrieben und ausgedroschen. Um dann die Bohnen noch von der

Spreu zu sondern, bringt man sie auf einen Haufen, wirft sie mit der

Worfschaufel (aus Holz) weit weg, wobei die Spreu eher niederfällt

und sich dabei absondert.“ Wenig später als Columella schreibt der

ältere Plinius in seiner Naturgeschichte: „Unter den Hülsenfrüchten

nimmt die Saubohne (~faba~) den ersten Rang ein. Das aus ihnen

gewonnene Mehl heißt ~lomentum~ und vergrößert das Gewicht anderer

Mehlsorten, was auch die übrigen Hülsenfrüchte tun. Die Saubohne wird

vielfach für Menschen und Vieh als Nahrung gebraucht und deswegen

in den Handel gebracht. Bei den meisten Völkern wird sie unter das

Getreide, besonders die Kolbenhirse, gemischt. Nach alter Sitte

wird auch Saubohnenbrei bei Opfern verwendet. Übrigens glaubt man,

daß der Genuß der Saubohnen die Sinne abstumpft und Schlaflosigkeit

verursacht. Aus diesem Grunde hat Pythagoras ihren Genuß verboten,

oder, wie andere meinen, weil er glaubte, in ihnen stäken die Seelen

Verstorbener. Jedenfalls braucht man sie um dieses Glaubens willen bei

Leichenfeierlichkeiten (zum Totenschmause). Varro gibt an, der Priester

der Schutzgottheiten esse erstens deswegen keine Saubohnen, weil Seelen

in ihnen stecken, und zweitens, weil auf ihren Blüten Trauerbuchstaben

stehen. Es gilt übrigens als ein gutes Vorzeichen, wenn man vom Felde

eine Saubohne mit nach Hause bringt; deshalb wird sie auch ~referiva~

genannt. Bei Versteigerungen steckt man sie ebenfalls zu sich, um einen

guten Kauf zu machen. Jedenfalls ist sie die einzige Feldfrucht, welche

sich bei zunehmendem Monde wieder füllt, wenn sie hohl genagt ist.

(Natürlich auch ein Aberglaube, der daran trotz ihrer hohen Bildung

so reichen Römer!) In Seewasser oder anderem gesalzenen Wasser kann

man sie nicht weich kochen. Man sät sie entweder im Herbste, oder im

Frühling; doch glauben die meisten Leute, die Herbstsaat gebe Hülsen

und Stengel, die das Vieh lieber frißt. Während der Blütezeit ist ihr

reichliche Bewässerung zuträglich, nachher aber nicht. In Mazedonien

und Thessalien pflügt man sie, sobald sie zu blühen begonnen hat, zur

Düngung unter.“ Der um 150 n. Chr. lebende römische Schriftsteller

Gellius sagt: „Der römische ~flamen dialis~ (Oberpriester des Jupiter)

darf weder eine Ziege, noch rohes Fleisch, noch Efeu, noch Saubohnen

berühren, noch auch deren Namen aussprechen.“ Der griechische Arzt

Dioskurides, im 1. Jahrhundert n. Chr., behauptet von der Saubohne

(~kýamos~), sie sei jung oder alt schwer zu essen, blähe, mache

schweren Atem und störe den Schlaf. Doch bekomme sie besser, wenn

man das erste Wasser beim Kochen weggieße. Das Mehl der Bohne werde

äußerlich als Heilmittel aufgelegt. Auch sein Volksgenosse und Kollege

Galenos im 2. Jahrhundert n. Chr. urteilt über sie, sie blähe, man

möge sie zubereiten wie man wolle. Man gebe sie als Brei gekocht oder

gebacken vornehmlich den Gladiatoren zu essen, da sie viel Fleisch

ansetze, das aber nicht fest, sondern mehr schwammig sei. Junge, grüne

Saubohnen essen manche Leute roh oder kochen sie mit Zusatz von Fett.

Auch als Pferdefutter waren sie neben der Gerste sehr beliebt. So

schreibt Columella: „Sind gesunde Pferde mager, so kommen sie schneller

durch gerösteten Weizen als durch Gerste zu Kräften. Auch gibt man

ihnen Wein zu trinken. Später geht man allmählich von dieser Fütterung

ab und gewöhnt sie an Saubohnen und reine Gerste.“

Trotz ihrer blähenden Wirkung war die Saubohne auch bei den Kelten und

Iberiern als Nährfrucht sehr verbreitet. Von der keltischen Bevölkerung

der Poebene sagt Plinius, daß sie, wie die übrigen Gallier, zum

Mehle der Kolbenhirse (~panicum~) stets auch Saubohnenmehl mischten.

Überhaupt werde dort nichts ohne Beigabe von Saubohnenmehl bereitet.

Diese Vorliebe hat sich lange erhalten. Auch die Germanen nahmen später

diese Nährfrucht von ihren Nachbarn an. So ist ihr Anbau durch das im

5. Jahrhundert in mittelalterlichem Latein aufgezeichnete Volksrecht

der salischen Franken und durch das Breviarium und das ~Capitulare

de villis~ Karls des Großen vom Jahre 812 genugsam bezeugt. Da in

letzterem von ~fabae majores~, d. h. größeren Saubohnen die Rede ist,

so waren damals offenbar neben diesen auch die kleineren in Kultur,

letztere vielleicht nur als Viehfutter, wie heute noch. Die größere

Art aber, die eigentliche Saubohne, dient noch jetzt in ganz Südeuropa

als beliebtes Volksnahrungsmittel und ihre unreifen Samen werden

gern roh mit Brot verspeist. Vom frühen Mittelalter an bildeten sie

mit den Erbsen und Linsen recht eigentlich eine Hauptnahrung weiter

Kreise der Bevölkerung Mitteleuropas. Alle drei Hülsenfrüchte wurden

in der christlichen Zeit mit der Einführung strenger Fasttage als

gebräuchlichste Fastenspeise besonders häufig kultiviert.

Im Morgenlande dagegen waren die Saubohnen früh in Mißkredit geraten.

So vermieden es die alten Ägypter schon im letzten vorchristlichen

Jahrtausend, Saubohnen als nach ihrer Ansicht unreine Speise zu essen.

Sie zogen deren Samenkörnern diejenigen der in den Teichen massenhaft

gezogenen, aus dem fernen Indien zu ihnen gelangten blaublühenden

Lotosblume (~Nelumbium speciosum~) vor, die lange Zeit allgemein

als Nahrung dienten, so daß sie die Griechen und Römer geradezu als

ägyptische Bohnen (~fabae aegyptiacae~) bezeichneten. Als aber die

sie liefernde Pflanze eine immer größere Rolle im Kultus spielte und

damit zu einer heiligen gestempelt wurde, verboten die Priester auch

dem gemeinen Volke den Genuß dieser Speise, die sie selbst wegen der

Heiligkeit, die von ihnen der Erzeugerin der Samen beigemessen wurde,

schon längst mieden. Dieses Verbot war um so leichter durchzuführen,

als die alten Ägypter in den Samen der bereits erwähnten Wolfsbohne

(~Lupinus termis~) -- arabisch ~termus~ -- eine kräftige, heute

noch im Niltal vielfach angepflanzte Nahrung besaßen. Später wurden

dann in jenem Lande als wichtige Körnerfrucht die im tropischen

Afrika heimische Bohnenart mit schwarzgenabelten Samen, ~Dolichos

melanophthalmos~, eingeführt.

Die alten Griechen dagegen lernten durch den Zug Alexanders des

Großen nach Indien im Jahre 327 v. Chr. eine damit verwandte niedere

Bohnenart kennen, von der sie Samen in ihre Heimat mitbrachten. Es

ist dies die heute noch in Ostindien im großen angebaute ~Dolichos

biflorus~, deren junge Hülsen und reife Samen als beliebte Nahrung

für Menschen und Tiere dienen. Ihre Blüten sind violett oder weiß,

die Samen dunkel gefärbt und werden nur von der vornehmsten Kaste der

Brahmanen als für sie, die Göttersöhne, unpassende Speise verschmäht.

Der ausgezeichnete Pflanzenkenner Theophrast, der nach Alexander dem

Großen Schüler des Aristoteles war, erwähnt sie unter der Bezeichnung

~dólichos~. Er schreibt über sie in seiner Pflanzengeschichte: „Die

~dólichos~ ist eine Hülsenfrucht; sie steigt hoch an Stangen empor und

trägt dann Früchte. Fehlt die Stange, so mißrät sie und überzieht sich

mit Mehltau.“ Der griechische Arzt Dioskurides um die Mitte des 1.

Jahrhunderts n. Chr. dagegen nennt sie ~phasíolos~ und sagt von ihr,

sie sei schwer zu verdauen, blähe, mache einen schweren Atem. Grün

gekocht bekomme sie besser. Als ~phasiolus~ tritt sie uns bei Plinius

entgegen, der in seiner Naturgeschichte angibt, man esse von ihr die

grünen Hülsen mit den Samen. Man könne sie in jedes beliebige Land

von Mitte Oktober bis Anfang November säen. Sind sie reif, so müssen

sie bald geerntet werden, da sonst die Samen leicht ausfallen und

dann verloren gehen. Sein Zeitgenosse Columella nennt sie ~faseolus~

und sagt, man säe sie zur Zeit, da die Hirse geerntet werde, wenn

nämlich die Hülsen jung vom Menschen gegessen werden sollen. „Sollen

aber reife Samen gezogen werden, so sät man sie erst Ende Oktober oder

Anfang November. -- Wenn man Salat einmacht, so legt man auch ganze

grüne Bohnen (mit der Hülse: ~faseolus viridis integer~) dazwischen;

sie müssen vorher einen Tag und eine Nacht in Salzwasser geweicht

und dann wieder etwas getrocknet sein.“ Mit den Römern, die sie

ziemlich häufig gegessen zu haben scheinen, gelangte sie auch in die

Länder nördlich der Alpen, wo sie aber nicht gedeihen konnte, da es

ihr hier zu kalt war. Wenn wir daher im ~Capitulare de villis~ Karls

des Großen vom Jahre 812 neben den ~fabae majores~, den Saubohnen,

die uns von gleichzeitigen Geschichtschreibern als beliebte Speise

der Franken hingestellt werden, als weiteres Gemüse den ~faseolus~

erwähnt finden, so kann dies kaum eine der durch ihr Wärmebedürfnis

ausgezeichneten Dolichosarten, wie sie noch in Italien gedieh, gewesen

sein, sondern war nach Körnicke vermutlich die rotblühende Felderbse

(~Pisum arvense~), von der wir sahen, daß sie schon im Altertum in

den Mittelmeerländern kultiviert wurde. Jedenfalls steht fest, daß

der Name ~phaseolus~ im Mittelalter auf die Erbse übertragen wurde.

Die Bezeichnung ~fasol~ (und das davon herrührende faseln) war in

Oberdeutschland bis zum Bekanntwerden der amerikanischen Gartenbohne,

ja noch bis ins 17. Jahrhundert hinein der allgemein angewandte

volkstümliche Name für Erbsen. Vom 16. Jahrhundert ging er dann auf

die damals neu eingeführte Gartenbohne über, begünstigt vom zufälligen

Gleichklang des amerikanischen Wortes ~frisol~ für letztere, woraus das

spanische ~frijol~ für Saubohne und ~fajol~ für Gartenbohne und daraus

endlich das neuhochdeutsche Fisole stammt.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte · 第 29 / 77 段