Atchison von 2200 bis 2800 m Höhe gefunden wird, über Nordpersien bis
nach Kleinasien ist der +Walnußbaum+ (~Juglans regia~) heimisch, der
überall in seiner Heimat in größeren Beständen im Gebirge wächst und
den Anwohnern in seinen Nüssen eine willkommene Nahrung spendet. Zu den
Griechen kamen sie gleich den Kastanien unter der Bezeichnung persische
oder königliche Nüsse (aus dem bereits mitgeteilten Grunde, weil dort
im persischen Kleinasien ein König herrschte) oder als sinopische
Nüsse (~káryon~), weil sie auch von der Hafenstadt Sinope am Südrande
des Schwarzen Meeres in größeren Mengen nach Griechenland gebracht
wurden. Dem Namen nach sind sie also für uns nicht von den Kastanien
unterscheidbar. Wie die Kastanie wurde sie von den Griechen auch ~Diós
bálanos~, d. h. Zeus-Eichel genannt, unter welcher Bezeichnung sie
dann später durch Vermittlung der Griechen Süditaliens zu den Römern
kam, welche sie in derselben Weise ~juglans~ (zusammengezogen aus
~Jovis glans~, d. h. Jupiterseichel) nannten. Ihre ölreichen Kerne
scheinen sich bei den Griechen keiner besonderen Wertschätzung erfreut
zu haben; denn der griechische Arzt Dioskurides im 1. Jahrhundert
n. Chr. schreibt: „Die königlichen Nüsse (~káryon basilikón~), welche
bisweilen auch persische Nüsse genannt werden, sind schwer zu verdauen,
schaden dem Magen, erzeugen Galle, machen Kopfweh, sind namentlich bei
Husten zu vermeiden. Dagegen ist ihr Genuß Nüchternen, welche Erbrechen
bewirken wollen, nützlich. Mit Feigen und Raute vermischt gibt man sie
als Vorbeugungsmittel gegen Gift, vertreibt mit ihnen, wenn man sie
in Menge verzehrt, die Bandwürmer, benutzt sie noch sonst innerlich
und äußerlich, setzt auch die verkohlten Schalen und Kerne einigen
äußerlich anzuwendenden Mitteln bei. Aus den zerstampften Nüssen preßt
man Öl. Übrigens bekommen frische dem Magen weit besser als alte.“
Sonst schweigen sich die griechischen Autoren über den Walnußbaum
aus. Wir wissen nur, daß die lakedämonischen Jungfrauen zur Zeit des
Einsammelns der Nüsse (~plur. kárya~) ein danach ~Kárya~ genanntes Fest
zu Ehren der ~Artemis karyátis~ feierten, und daß deshalb ~karyatízein~
den bei diesem Feste abgehaltenen Tanz tanzen bedeutete. Danach heißen
Karyatiden die an einem solchen Nußfeste tanzenden Jungfrauen, die ein
attischer Bildhauer als Gebälkträgerinnen -- auch einfach Koren, d. h.
Mädchen genannt -- an der Südhalle des Erechtheions auf der Akropolis
in Athen in für alle Zeiten vorbildlicher Weise darstellte.
Geschätzter als bei den Griechen waren die Walnüsse bei den Römern,
die den Walnußbaum ziemlich häufig angepflanzt zu haben scheinen. Der
überaus gelehrte Marcus Terentius Varro (116-27 v. Chr.) schreibt
über die Walnuß: „Diese herrliche, große Frucht heißt ~glans~, weil
sie in ihrer grünen Schale einer Eichel (~glans~) ähnlich sieht;
~juglans~ heißt sie von Jupiter (Stamm ~Jov~) und ~glans~. Sie heißt
auch Nuß (~nux~), weil sie den Körper schwarz färbt, wie die Nacht
(~nox~) die Luft.“ An einer anderen Stelle sagt er: „Hat man Walnüsse
(~nux juglans~), Datteln (~palmula~) und sabiner Feigen (~ficus~)
eingemacht, so schmecken sie um so besser, je eher man sie verzehrt;
denn die Dattel wird durch das Alter blaß, die Feige morsch, die
Walnuß trocken.“ Er hält aber dafür, daß die Nußbäume ihrer Umgebung
schädlich seien: „Neben einem Eichenwald gedeiht der Ölbaum schlecht,
neben Kohl (~olus~) der Weinstock, der sich sogar von jenem wegneigt;
auch die Walnußbäume (~juglans~) machen rings um sich her das Erdreich
unfruchtbar.“
Der berühmte Redner Cicero, der im Jahre 43 v. Chr. ermordet wurde,
sagt an einer Stelle seiner nach seinem Landgute Tuskulanum bei der
altlatinischen Stadt Tusculum im Sabinergebirge benannten Schrift: „Der
syrakusanische Tyrann Dionysius (der ältere, 431-367 v. Chr.) war so
mißtrauisch, daß er sich vor dem Rasiermesser fürchtete und sich den
Bart von seinen Töchtern mit glühenden Walnußschalen wegbrennen ließ.“
Der 79 n. Chr. beim Vesuvausbruch umgekommene Plinius meint wie Varro:
„Der Schatten der Walnußbäume ist von großem und schädlichem Einfluß,
tötet gleich dem der Pinien, Rot- und Weißtannen alle anderen Pflanzen,
verursacht sogar dem Menschen Kopfweh.“ Und von seinen Früchten sagt
er: „Die Walnüsse (~nux juglans~) haben keinen großen Wert, obgleich
ihr Gebrauch bei Hochzeitsfeierlichkeiten eingeführt ist. Die Natur
hat diese Frucht dadurch ausgezeichnet, daß sie den in einer holzigen
Schale liegenden Kern noch in eine weiche Schale einschloß. Daß sie
von den Königen Persiens stammt, beweist der Umstand, daß sie bei den
Griechen königliche Nüsse (s. vor. Stelle bei seinem Zeitgenossen
Dioskurides) heißen; auch nennt man jetzt noch die beste Sorte
~persicon~ und ~basilicon~. Kopfnuß (~káryon~) heißt eine Sorte
wahrscheinlich deswegen, weil sie durch ihren starken Geruch Kopfweh
verursacht. Die gerbstoffreiche grüne Schale wird zum Färben der Wolle
benutzt, die ganz jungen Nüsse dienen zum Braunfärben der Haare. Im
Alter werden die Walnüsse ölig. Die Sorten unterscheiden sich nur nach
der Schale, welche fest oder zerbrechlich, dünn oder dick, in Fächer
geteilt oder einfach ist. Die Schale zerfällt in zwei Teile, der Kern
selbst ist durch Zwischenhäute vierteilig.“
Auch andere, besonders griechische Schriftsteller sprechen von der
Sitte, die sich bis heute in Griechenland erhielt, im Augenblicke da
die Neuvermählte das hochzeitliche Gemach betrat, Nüsse unter die Gäste
und Kinder zu streuen, damit Zeus-Jupiter, nach welchem die Nüsse
hießen, der jungen Frau Fruchtbarkeit schenken möge. So fordert der
römische Dichter Vergil (70-19 v. Chr.) in einer seiner Eklogen auf:
„Streuet Nüsse (~nuces~) dem Hochzeitspaar aus!“ Auch Ovid (43 v. bis
7 nach Chr.) spricht an zwei Stellen von Walnüssen, das eine Mal, da
er von seiner Geliebten Amaryllis (Pseudonym, nach der Bezeichnung der
schönen, von Vergil in seinen Hirtengedichten besungenen Hirtin oder
Nymphe gleichen Namens, der die „Glänzende“ bedeutet) sagt: sie liebte
Kastanien und Nüsse, und das andere Mal, da er von derselben meldet:
ihr fehlten weder Nüsse noch Mandeln. Palladius im 4. Jahrhundert
n. Chr. sagt von der Kultur des Walnußbaumes: „Die ~nux juglans~
liebt feuchte, kühle, steinige Höhen, kommt aber auch an wärmeren
vor. Man zieht sie aus an der Sonne getrockneten Nüssen, die in der
Weise gepflanzt werden, daß man einen Stein oder Backstein unter sie
legt, damit sie keine einfache Pfahlwurzel, sondern geteilte Wurzeln
treiben. Die Bäumchen sollen alle 2 bis 3 Jahre versetzt werden,
dadurch gedeihen sie besser. Die Wurzeln dürfen dabei nicht beschnitten
werden; man bestreicht sie aber mit Rindermist, streut auch Asche in
die Grube. Man macht die Gruben recht tief und auch weit voneinander
entfernt, weil ein Walnußbaum selbst dem anderen durch seine Traufe
schadet. Man lockert die Erde rings um den Stamm zuweilen auf, damit
dieser im Alter nicht so leicht hohl wird. Ist er aber doch hohl
geworden, so haut man ihn von einer Seite bis zur Höhlung auf, damit
Sonne und Wind eindringen und die Fäulnis hemmen können. Werden die
Nüsse zu hart oder knotig, so muß man einen Schnitt rings in der
Rinde machen, um die schlechten Säfte abzuführen. Andere schneiden in
diesem Fall die Wurzelspitze ab, oder bohren ein Loch in die Wurzel
und schlagen einen Pflock von Buchsbaumholz hinein. Will man gemeine
Walnüsse in die tarentinische Sorte (mit weicher Schale) verwandeln,
so steckt man nur den von der harten Schale befreiten fleischigen
Kern, wickelt ihn aber zuvor zum Schutz gegen Ameisen in Wolle. Will
man einen schon tragenden Baum in einen tarentinischen verwandeln,
so begießt man ihn ein ganzes Jahr lang monatlich dreimal mit Lauge.
Die Reife der Nuß erkennt man daran, daß sich ihre äußere Schale
ablöst. Ihre Aufbewahrung geschieht entweder unter Spreu oder Sand
oder trockenen Walnußblättern oder in einem Kasten von Walnußholz oder
zwischen Küchenzwiebeln, denen sie zugleich den scharfen Geschmack
benehmen. Man kann nach Angabe vieler Gärtner Walnußreiser im Februar
auf Erdbeerbäume (~arbutus~) pfropfen, am besten in den Stamm, ebenso
auf Pflaumen- oder auf Walnußbäume.“ Dem fügt ein griechischer Autor in
der ~Geoponika~ bei: „Pfropfreiser des Walnußbaumes (~káryon~) wachsen
nicht leicht an, jedoch gelingt die Veredlung, wenn man sich nicht
gleich abschrecken läßt und sorgfältig zu Werke geht. Einige Gärtner
heben 2- und 3jährige Walnußbäumchen aus, pfropfen die Wurzeln und
setzen sie wieder ein.“
Mit den Kastanien brachten die Römer auch die Walnüsse über die Alpen
und pflanzten sie um ihre Militärstationen. So fanden sich auch im
Wegwurf der Saalburg zerbrochene Schalen von Walnüssen, die dort einst
von den Legionären oder deren Angehörigen verspeist wurden. So scheint
der Walnußbaum zuerst um die römischen Kastelle gewachsen zu sein, um
im Laufe von Jahrhunderten von da weiter ins Land hinauszugelangen. So
sind Ortsnamen, die mit Nuß- zusammenhängen, in der Rheingegend schon
in den ältesten auf uns gekommenen Urkunden nachweisbar, so der Flecken
Nußloch bei Heidelberg, der zuerst im Jahre 776 und das Dorf Nußbaum
bei Bretten in Baden, das zum ersten Male im Jahre 883/884 belegt ist.
Dazu kommen später Nußdorf (erster Beleg 1134), Nußbach bei Oberkirch
(1196), Nußbach bei Triberg (1284) und Nußbaum bei Mosbach (1335). Daß
der Baum in Gallien besonders intensiv kultiviert wurde beweist der
spätlateinische Name ~nux gallica~, dessen Reflex wir im deutschen
Walnuß und im englischen ~walnut~ haben. Die Anpflanzung des Nußbaums
wird sowohl im ~Capitulare de villis~ wie in den beiden uns erhaltenen
Garteninventaren Karls des Großen aus dem Beginne des 9. Jahrhunderts
angeordnet. In der Hünenburg bei Rinteln an der Weser aus dem 10. bis
11. Jahrhundert n. Chr. wurden Stücke von Walnußschalen gefunden.
Heute hat sich der Nußbaum überallhin, wo es ihm nicht zu kalt ist,
verbreitet und wird seiner ölreichen Nüsse, die ein sehr gutes Tafelöl
liefern, und seines sehr gesuchten Holzes wegen viel gepflanzt.
Die +Haselnuß+ (~Corylus avellana~) ist fast in ganz Europa und in
Vorderasien heimisch. Hier war sie schon den Menschen der Steinzeit
ein beliebtes Nahrungsmittel und wir finden ihre zerbrochenen Schalen
im Wegwurfe der Pfahlbauern der jüngeren Stein- und der Bronzezeit. An
einzelnen Fundstellen finden sie sich zu ganzen Schichten angehäuft.
Erst die Griechen und hernach die Römer haben außer der einheimischen
wilden Art auch schon größere und feinere, kultivierte Arten gekannt,
so die +lombardische+ oder +Lambertsnuß+ (~Corylus tubulosa~) und die
+türkische Haselnuß+ (~Corylus colurna~). Der Erzeuger der ersteren
ist ein stattlicher Strauch, derjenige der letzteren dagegen ein Baum,
der in seinem Vaterlande, im Pontusgebiet bis Armenien, ganze Wälder
bildet. Beide kamen aus dem nördlichen Kleinasien über die Städte am
Pontus als ~kárya póntika~, d. h. pontische Nüsse, nach Griechenland,
von wo sie in die griechischen Kolonien Siziliens und Unteritaliens
gelangten. Hier wurden sie mit besonderer Vorliebe kultiviert, so daß
die bei der Stadt Abella in Campanien wachsende Haselnuß -- welche
der beiden vorhin genannten groß-kernigen Sorten es war, ist nicht
entschieden -- als ~nux abellana~ von den Römern, die deren Kultur von
den Griechen übernahmen, besonders geschätzt wurde.
Durch die Römer wurden diese pontischen Haselnußrassen gleichzeitig
mit Walnuß und Kastanie in ihren transalpinen Provinzen eingeführt.
So fand man im Wegwurf in den Brunnen des römischen Feldlagers der
Saalburg nicht nur zahlreiche Schalen der gewöhnlichen Haselnuß,
sondern auch der großen Lamberts- und türkischen Haselnüsse. Auf Grund
dieser Funde dürfen wir annehmen, daß die ~avellanarii~, d. h. die
Haselnußstauden, die in den Gärten Karls des Großen gezogen wurden,
nicht sowohl einheimische, wilde, die ja sonst gar nicht besonders
angeführt worden wären, als vielmehr die lambertsche oder die türkische
Haselnuß waren. Im 16. Jahrhundert wurden dann echte türkische
Haselnüsse durch Valerius Cordus, der sie von einem ungarischen
Gesandten in Konstantinopel erhielt, direkt bei uns eingeführt und in
Gärten Mitteleuropas kultiviert. Allerdings erreicht sein Erzeuger bei
uns lange nicht die stattliche Größe, die er in seiner Heimat in den
Pontusländern aufweist.
Solche haselnußartige Samen bieten sehr zahlreiche Pflanzen aller
möglichen Länder, unter denen wir nur die chilenische, brasilische,
westindische und nordamerikanische Haselnuß, die Waldmandel Westindiens
und verschiedener Waldbäume des nördlichen Südamerika mit teilweise
mandelartigem Aussehen nennen wollen. Die brasilischen Nüsse, von den
Einheimischen ~juvias~ genannt, sind vierkantige, braune Samen von der
Größe einer Walnuß mit ölreichem Kern, der wie Mandeln schmeckt. Der
sie hervorbringende stattliche Baum (~Bertholletia excelsa~) wächst
überall in den Wäldern von Guiana, Venezuela und Nordbrasilien und
wird zur Zeit der Samenreife stets von den Indianern aufgesucht, die
diese wohlschmeckenden Nüsse sehr lieben und viele Wochen hindurch
davon leben. Leider werden sie bald ranzig und lassen sich deshalb
nicht längere Zeit aufbewahren. Außerdem gibt es in denselben Gebieten
einen souari genannten hohen Baum (~Caryocar butyrosum~) und in
Ekuador einen nahen Verwandten desselben, den ~pequi~-Baum (~Caryocar
amygdaliferum~), die den Mandeln ähnliche ölreiche Samen aufweisen.
Von geringerer Bedeutung, aber für uns wichtiger sind die
Pistaziennüsse und das Johannisbrot, die wir ebenfalls aus dem warmen
Süden erhalten. Ihre Erzeuger, die Pistazie und der Johannisbrotbaum,
ohne die wir uns die alten Kulturländer am Mittelmeer nicht mehr
vorstellen können, sind ebensowenig wie die früher betrachteten
Fruchtbäume hier heimisch, sondern erst in geschichtlicher Zeit vom
Menschen dort angesiedelt worden. Die +echte Pistazie+ (~Pistacia
vera~) hat ihre Heimat im südlichen Kaukasus, in Mesopotamien
und Syrien, wo sie stellenweise noch wild wachsend in größeren
Beständen angetroffen wird. Sie ist ein 6-9 m hoher Baum mit unpaarig
gefiederten, abfallenden Blättern, kurzen Blütenrispen und eiförmig
länglichen, 2,5-4 cm großen Steinfrüchten. Diese besitzen einen dünnen
Überzug von grünem, rot angehauchtem Fleisch und darunter unter
holziger Schale angenehm mandelartig schmeckende, haselnußgroße,
länglich dreikantige, grüne Kerne, die Pistazienmandeln oder syrischen
Nüßchen (ital. ~pistacchi~), die im Orient roh gegessen und zu allerlei
Backwerk, auch zur Gewinnung von Öl verwendet werden, das aber leicht
ranzig wird. Früher dienten sie auch als Heilmittel; jetzt werden sie
nur noch in der Küche, von Zuckerbäckern und Metzgern zum Würzen der
feineren Würste verwendet.
In Babylonien ist die Pistazienkultur uralt und schon damals werden die
Früchte wie heute noch in Syrien und Ägypten eine Lieblingsnäscherei
der vornehmen Haremsdamen gewesen sein. Sie hießen im Assyrischen
~butnu~ und als ~botnim~ kamen sie nach Syrien und Palästina, wo sie
zur Zeit der jüdischen Erzväter bekannt waren. Als die Brüder Josephs,
von der Hungersnot gedrängt, zum zweitenmal nach Ägypten zogen, nahmen
sie als Geschenke an den Minister des Pharao, in dem sie ihren Bruder
nicht vermuteten, unter den erlesenen Landesfrüchten auch Pistazien
mit. Von da an hat man keine Nachricht mehr vom Vorhandensein dieses
Fruchtbaums in Syrien, bis nach der Erschließung Vorderasiens durch den
Zug Alexanders des Großen ums Jahr 330 v. Chr. die Griechen Kunde von
ihm erhielten. So berichtet Theophrast, der Schüler des Aristoteles:
„In Indien wächst ein Baum, der der Terebinthe ähnlich ist, dessen
Früchte aber wie Mandeln sind. Er soll auch in Baktrien wachsen; die
Früchte sollen besser als Mandeln schmecken und werden deshalb dort
lieber gebraucht als diese.“ Dieser Autor kennt noch keinerlei Namen
für diese Frucht. Ein solcher erscheint erst hundert Jahre später, zu
Ende des 3. vorchristlichen Jahrhunderts beim griechischen Dichter
Nikander, der schreibt: „Am wild brausenden indischen Strome Choaspes
-- es ist dies der Fluß von Susa -- tragen die Äste der Pistazien
(~pistákia~) Früchte gleich Mandeln.“ Den Namen ~pistákion~, d. h.
Pistazie nennt wiederum hundert Jahre später der aus Apamea in Syrien
gebürtige Geschichtschreiber Poseidonios. Er sagt, daß in Arabien und
Syrien die sogenannte Pistazie wachse, deren grünliche Kerne zwar
den Pinienkernen an Geschmack nachstehen, aber einen angenehmen Duft
haben. In der Folge wird der Pistazienbaum mehrfach von medizinischen
Schriftstellern erwähnt, so vom griechischen Arzte Dioskurides,
der um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. eine reichhaltige
Arzneimittellehre verfaßte und darin über dessen Früchte schreibt:
„Die Pistaziennüsse (~pistákion~), welche in Syrien wachsen, sind
den Piniennüssen (~stróbilos~) ähnlich und bekommen dem Magen gut.“
Ähnlich schreibt der im Jahre 131 n. Chr. in Pergamon geborene und ums
Jahr 200 in Rom verstorbene berühmte Arzt Galenos: „Die Pistaziennüsse
(~pistákion~) wachsen bei Alexandria in Ägypten, aber noch weit
häufiger bei der Stadt Berrhoea in Syrien. Sie geben wenig Nahrung,
sind aber gesund.“
Plinius nennt unter den Bäumen Syriens den, „der die bekannten
Pistaziennüsse (~pistacium~) trägt“ und berichtet, daß ihn der Römer
Lucius Vitellius -- nicht zu verwechseln mit dem nachmaligen Kaiser
Aulus Vitellius --, der zur Zeit des Tiberius zwischen den Jahren
20 und 30 n. Chr. Legat in Syrien war und von dorther allerlei
Gartenfrüchte und Obstbäume auf sein Landgut bei der Stadt Alba in
Mittelitalien verpflanzte, nach Italien, und Flaccus Pompejus, ein
römischer Ritter, der mit Vitellius Kriegsdienste tat, nach Spanien
brachte. In Mittelitalien wird aber jedenfalls das Klima zu rauh
für den empfindlichen medisch-persischen Baum gewesen sein; denn
noch in Kalabrien und auf Sizilien, wo ihn in der Folge die Römer
akklimatisierten, liefert er weniger schmackhafte Früchte als in seiner
orientalischen Heimat.
Auch in Sizilien und Sardinien wuchs der Baum, von dem gewöhnlich
Edelreiser auf die im Mittelmeergebiet überall heimische
Terpentinpistazie gepfropft wurden. Noch im 4. Jahrhundert n. Chr.
berichtet uns Palladius, der selbst Güter auf der Insel Sardinien
besaß, vom Anbau dieses Fruchtbaumes. Aber die Kultur desselben
muß in den Stürmen, die die Völkerwanderung über Italien brachte,
vollständig außer Gebrauch gekommen sein, und es blieb den Arabern
vorbehalten, mit so manchen anderen asiatischen Kulturpflanzen wie
Dattelpalme, Mohrhirse, Safran und Zitrone auch die Pistazie wieder
an dafür geeigneten Orten am Mittelmeer, das sie ja um die Wende des
1. christlichen Jahrtausends völlig beherrschten, angesiedelt zu
haben. Seitdem sie die Pistazie wiederum in Sizilien und Süditalien
anpflanzten, blieb der Fruchtbaum bis auf den heutigen Tag in der
Kultur der sie in der Herrschaft ablösenden Christen, die die Früchte
gerne aßen und in der Küche verwandten. Am häufigsten trifft man bei
uns die sizilischen Pistazien; die tunesischen sind wegen ihrer schönen
grünen Farbe besonders geschätzt, während diejenigen Aleppos sehr groß
und gelb sind.
Wie der Pistazienbaum wurde auch der +Johannisbrotbaum+ oder
+Caroubier+ (~Ceratonia siliqua~) erst durch die Araber in den
wärmeren Gegenden am Mittelmeer als Spender eines billigen
Volksnahrungsmittels angesiedelt. Dieser heute namentlich in den
östlichen Mittelmeerländern weit verbreitete Hülsenfrüchtler stellt
einen nicht sehr hohen, breitausladenden, schattenreichen Baum dar mit
paarig gefiederten, lederartigen Blättern. Sein bevorzugter Standort
sind die sonnendurchwärmten, felsigen Halden in der Nähe des Meeres,
die vor dem kalten Nordwind geschützt sind; denn dieses sonnenverwöhnte
Kind Vorderasiens liebt diesen durchaus nicht. Hier wächst er langsam,
trägt erst nach zwanzig Jahren, dauert aber jahrhundertelang aus.
Seine flachen, hornartig gekrümmten Schoten mit süßem, nahrhaftem
Fruchtfleisch, das innen glänzend dunkle, bohnenartige Samen birgt,
werden nicht nur mit Vorliebe von Schweinen, Pferden und Eseln, sondern
auch vom Menschen roh und geröstet oder gebacken überall im Orient
gegessen. Auch auf unsern Jahrmärkten erscheint das Johannisbrot
als geschätzter Leckerbissen mit der Süßholzwurzel und den schwarzen
Lakritzenstangen. Lakritz ist aus dem griechischen ~glykyrrhíza~, d.
h. Süßwurzel zusammengezogen, und erfreut hier besonders die Kinder.
Aus den als Karuben bezeichneten Fruchthülsen -- das Wort stammt aus
dem arabischen ~charrûb~ -- wird auch ein süßer, honigähnlicher Saft
gepreßt, der als ~keratomeli~, d. h. Hörnchenhonig im Morgenlande sehr
beliebt ist. Nach ihrer hörnchenartig gekrümmten Form nannten die
alten Griechen, die den Baum selbst nicht kannten, sondern nur die aus
dem Orient eingeführten Früchte gelegentlich auf dem Markt kauften,
die Johannisbrotschoten ~kerátia~ oder ~kerōnia~, d. h. Hörnchen und
glaubten irrtümlicherweise, sie kämen aus Ägypten. Erst der Schüler
von Aristoteles, Theophrastos (390-286 v. Chr.), versichert mit
Nachdruck, sie kämen nicht von dorther, sondern aus Syrien und Ionien;
denn zu seiner Zeit war der Karubenbaum bis Knidos im südwestlichen
Kleinasien und bis zur Insel Rhodos im Ägäischen Meere vorgedrungen.
Auch Strabon, der ums Jahr 25 n. Chr. verstorbene griechische Geograph
aus der kleinasiatischen Stadt Amasia südlich vom Schwarzen Meer, sagt,
er wachse nicht in Ägypten, sondern zugleich mit der Dattelpalme in
Äthiopien, wo er in Menge gedeihe.
Seine eigentliche Heimat hat der Johannisbrotbaum in Syrien, wo er
mit anderen Fruchtbäumen und Nutzpflanzen vermutlich vom uralten
Volke der Chetiter in Kultur genommen und veredelt wurde. Einst, wie
jetzt, bildeten seine süßen Schoten dort und in Palästina eine gemeine
Speise. Johannes der Täufer soll sich während seines Aufenthalts
in der Wüste damit genährt haben, weshalb sie überhaupt den Namen
Johannisbrot erhielten. Noch den Reisenden neuerer Zeit wird der
angebliche Baum gezeigt, von dessen Früchten der Vorläufer des Messias
sein Leben während der Zurückgezogenheit in der Wüste gefristet
haben soll. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn, das im 15. Kapitel des
Evangeliums nach Lukas berichtet wird, begehrt der verlorene Sohn, der
zum Schweinehirten herabgesunken ist, seinen Hunger mit den Hörnchen
(im Urtext ~apó tón keratión~, fälschlich von Luther, der die wahre
Bedeutung dieses Wortes nicht kannte, mit Treber übersetzt), die die
Schweine fraßen, zu stillen, aber niemand gab sie ihm. Diese Hörnchen
sind nichts anderes als das Johannisbrot.
Tafel 43.
[Illustration: Bäume mit eßbaren Kastanien am Vierwaldstättersee.]
[Illustration:
(Photographie von G. Kraskowits.)
Gewöhnlicher Feigenbaum und Feigenopuntie auf der Insel Korfu.]
Tafel 44.
[Illustration: Johannisbrotbaum.
(Nach einer Photogr. von L. Adamovic in „Karsten u. Schenck,
Vegetationsbilder“.)
Zitronenhain bei Saló am Gardasee.]
Auch die alten Ägypter kannten das Johannisbrot, das unter dem
Namen ~dscharudsch~ oder ~garuta~, d. h. Schote, aus Syrien zu
ihnen gebracht wurde. Man aß es hier trocken oder eingekocht und
bereitete daraus einen ~tarruku~ genannten süßen Trank. Auch als
Medizin wurde es viel angewandt. Unter den Totenbeigaben sind in
Kahun aus Gräbern der 12. Dynastie im mittleren Reich (2000-1788
v. Chr.) Reste von Schoten des Johannisbrotbaumes, samt Fruchtkernen,
ebenso in solchen des ägyptisch-griechischen Gräberfeldes von Hawara
im Fajûm gefunden worden. Nach Unger findet sich Johannisbrot auch
auf einer altägyptischen Darstellung von Totenspeisen in einem Grabe
der 12. Dynastie abgebildet. Später wurde der Fruchtbaum in Ägypten
selbst angepflanzt. So fand Kotschy in einem Sarkophag neben einer
Mumie einen Stock, der sich bei mikroskopischer Untersuchung als vom
Johannisbrotbaum herrührend erwies.