Zu den Myrtengewächsen gehört die ursprünglich ebenfalls im

tropischen Amerika heimische und von da über den ganzen Tropengürtel

verbreitete +Guajave+ (~Psidium guajava~), deren bald birn-, bald mehr

apfelförmige, beerenartige, grüne oder gelbe Früchte von Pfirsichgröße

mit einem goldgelben bis rosenroten, süßsäuerlichen, angenehm

schmeckenden Fruchtfleisch erfüllt sind und sehr gerne teils roh, teils

gekocht als Kompott oder Marmelade gegessen werden. Auch wird ein

sehr geschätztes Gelee von ihnen gewonnen. Besonders eignet sich dazu

die Schale und das Innere der Frucht, das mit etwas lästigen kleinen

Kernen, wie bei den Johannisbeeren, erfüllt ist. Überall in den Städten

Südamerikas kauft man als dulce eingekochtes Guajavenmus, das, in

kleine Blechkisten gefüllt, allenthalben auf den Straßen der Städte

feilgeboten wird.

Dieselbe Heimat wie die Guajaven haben die mit den Magnolien nahe

verwandten +Gewürz-+ oder +Zimtäpfel+ (~Anona squamosa~), die bis 2

kg schwer werden und ein starkes, gewürziges Aroma besitzen. Obschon

sie einen stark zusammenziehenden Terpentingeschmack aufweisen, an

den sich der europäische Gaumen erst gewöhnen muß, steht dieses Obst

doch überall in hoher Gunst und wird etwa auch einmal in unseren

Delikateßläden angeboten.

In die Familie der Lorbeergewächse endlich gehört ein hoher Fruchtbaum

mit schönen Lorbeerblättern, ~Persea gratissima~, der ursprünglich

gleichfalls im tropischen Amerika heimisch war und besonders von

den alten Mexikanern kultiviert wurde, jetzt aber überall in den

Tropen gezogen wird und selbst noch in Südspanien aushält. Die

olivengrüne, birnförmige Frucht erreicht eine Länge von 10 cm und

enthält ein weißes, sehr stark aromatisches, zucker- und fettreiches

Fruchtfleisch, das man allein, oder mit Kognak oder Sherry übergossen,

sehr gerne genießt. Bei den Mexikanern hieß die Frucht ~ahuaca~ oder

~aguacate~, daraus machte man Avagatobirne, endlich Advokaten- und

sogar Alligatorbirne. An diesem Beispiel sieht man wie merkwürdige

Verballhornisierungen einheimischer Bezeichnungen entstehen, wenn

fremde Zungen sie sich zurecht legen.

Endlich sei noch als wichtiger Fruchtbaum Indonesiens und Polynesiens

der von den Kanaken auf Hawai (Sandwichinseln) ~ohia~, von den Malaien

Sumatras dagegen ~jambo~ genannte Baum mit apfelartigen Früchten

(~Metrosideros polymorpha~) genannt.

Selbstverständlich gibt es außer den genannten Obstarten noch eine

Menge anderer, denen aber keine so große Bedeutung zukommt wie diesen.

Doch wird diese kurze Aufzählung der wichtigsten Tropenfrüchte genügen,

um zu zeigen, welche Fülle herrlicher Früchte das das Pflanzenleben

in hohem Maße begünstigende Sonnenlicht innerhalb der Wendekreise

hervorbringt. Wie überaus ärmlich ist dagegen die ursprünglich in

Europa heimische Fruchtvegetation, bevor sie durch den Import aus

Westasien in unvergleichlicher Weise bereichert wurde. Unser Kontinent

mit seinem niederschlagsreichen, mit Nebel und Winterkälte reichlich

bedachten Waldklima besaß in der Vorzeit außer den Beerenfrüchten

der Waldlichtungen wie Erdbeere, Brombeere, Himbeere, Heidelbeere,

Preiselbeere und Moosbeere, welch letztere in Sümpfen und Torfmooren

wächst, nur Holzapfel und Holzbirne, Schlehe und Vogelbeere, die faden

Früchte von Weiß- und Rotdorn, die Vogelkirschen und Haselnüsse. Auch

das waldbedeckte Italien und Griechenland, in das die Viehzucht und

Ackerbau treibenden Stämme der Italiker und Hellenen einzogen, barg

durchaus nicht mehr als diese hier aufgezählten ärmlichen Fruchtarten.

Alles andere, ohne das wir uns diese sonst klimatisch so bevorzugten

Landstriche gar nicht vorstellen können, hat noch vor dreitausend

Jahren und weniger jenen Gegenden vollkommen gefehlt. Da erntete man

nicht bloß zum Genusse der als Haustiere in eingehegten Plätzen um die

Hütten der Menschen gehaltenen Schweine, sondern auch für die Menschen

die eiweißreichen, aber herben Eicheln und die ölreichen Bucheckern,

die man zerrieben und mit Wasser angemacht zu Brot und Fladen buk.

Niemand würde glauben, daß die Edelkastanien und Walnüsse, die heute

als selbstverständliche Produkte des warmen Südeuropas angesehen

werden, auch hier erst verhältnismäßig spät eingebürgerte Fremdlinge

sind. Wie die großen Haselnüsse als pontische Nüsse, gelangten auch

die Kastanien und Walnüsse als persische oder königliche Nüsse,

weil sie aus Lydien, also einer Gegend stammten, die dem persischen

Könige untertan war, nach Griechenland. Und als diese überseeischen

Schalenfrüchte, die in Säcken auf den Markt, z. B. von Athen,

gelangten, schon längst hier eingebürgert waren, schwankte noch

ihre Benennung so sehr, daß der populäre Name „Zeus-Eichel“, ~Diós

bálanos~, der in Griechenland meist die Kastanie bezeichnete, in

der entsprechenden lateinischen Form ~juglans~ (~Jovis glans~ =

Jupiterseichel) die Bedeutung Walnuß erhielt.

Tafel 41.

[Illustration: Melonenbäume, Kaffeestauden und andere Kulturpflanzen

der Tropen im Gewächshaus der deutschen Kolonialschule in Witzenhausen

a. d. Werra.]

Tafel 42.

[Illustration: Fruchtladen auf Ceylon mit einheimischen Früchten, an

der Schnur hängt eine Bananenstaude.

Fruchtladen in Südindien, oben hängen Ananas und Bananen, rechts an die

Wand gelehnt ein Haufen Zuckerrohrstengel.]

In ihrer nördlicheren Urheimat bezeichneten die Griechen mit dem Worte

~bálanos~, wie die Römer mit ~glans~, die einst auch dem Menschen zur

Nahrung dienende Eichel, von der noch der einer hochkultivierten Zeit

angehörende Plinius in seiner Naturgeschichte sagt: „Eicheln machen den

Reichtum vieler Völker aus. Bei Getreidemangel werden sie getrocknet,

gemahlen und zu Brot verbacken; in Spanien werden auch Eicheln zum

Nachtisch aufgetragen. In Asche gebraten schmecken sie besser.“ Damit

sind jedenfalls die Früchte der in Italien und auf der Iberischen

Halbinsel wachsenden Speiseeiche (~Quercus esculus~) gemeint, während

in Griechenland die Knoppereiche (~Quercus aegilops~) eine für

anspruchslose Menschen eßbare und noch jetzt vom Landvolk gegessene

Eichel hervorbringt. In der älteren Zeit wurden diese Eicheln nicht nur

in Zeiten des Getreidemangels, sondern regelmäßig gegessen. So sagt

der aus Askra in Böotien gebürtige griechische Dichter Hesiod im 8.

Jahrhundert v. Chr.: „Wo gerechte Menschen wohnen, da ist Hungersnot

unbekannt. Ihnen geben die Götter reichlichen Unterhalt, Eichen

(~drýs~), die mit Eicheln (~bálanos~) beladen sind, Honig, Schafe.“

Und Herodot im 5. vorchristlichen Jahrhundert schreibt in seiner

Geschichte: „Nach dem Tode des (um 820 v. Chr. lebenden Königssohns,

der Sparta Gesetze gab und es dann verließ, ohne je wieder dahin

zurückzukehren) Lykurgos wurden die Spartaner bald mächtig, bekamen

Lust zu Eroberungen und fragten in Delphi an, ob sie wohl Arkadien

(nördlich von Lakonien, dessen Hauptstadt Sparta war) erobern könnten.

Die Pythia antwortete: ‚In Arkadien wohnen viel eichelverzehrende

Männer, die werden euch zurückschlagen.‘“

Als die Griechenstämme in Hellas einwanderten, übertrugen sie

begreiflicherweise das alte Wort ~bálanos~ (Eichel) auf verschiedene

neue Früchte, unter denen sich auch die wilde +Edelkastanie+ (~Castanea

esculenta~) befand. Dieser Baum ist in einer kleinfrüchtigen Form

in ganz Südeuropa heimisch und tritt uns auch weiter nördlich schon

in vorgeschichtlicher Zeit entgegen. So finden wir sein Holz in

Norditalien bei der Herstellung der bronzezeitlichen Pfahlbauten und

Terramaren verwendet, und in den verkohlten Überresten der Terramaren

der ältesten Eisenzeit aus dem Beginne des letzten vorchristlichen

Jahrtausends ließen sich seine Früchte ebenfalls nachweisen. Auch

auf der Iberischen Halbinsel reicht der Nachweis des Vorkommens von

Kastanien bis in die Übergangszeit von der Stein- zur Bronzezeit

zurück. Da nun die Früchte dieses Wildlings von den alten Griechen so

wenig als von der heutigen Bevölkerung Griechenlands gegessen wurden,

empfanden sie auch keinerlei Bedürfnis, diese Früchte mit besonderem

Namen zu belegen. Erst als großfrüchtige ausländische Sorten in

Griechenland aufkamen, mußte man unterscheidende Bezeichnungen für sie

schaffen. Dabei behalf man sich damit, daß man sie zunächst einfach

nach den Ländern ihrer Herkunft benannte.

Noch der hochgebildete Xenophon, ein Schüler des Sokrates, kannte

keinen Namen für diese Früchte, als sie ihm im Hochlande von Armenien

zuerst unter die Augen kamen. Als er im Jahre 400 v. Chr. die

zehntausend Mann griechischer Soldtruppen, die dem jüngeren Kyros

gegen dessen Bruder Artaxerxes Mnemon zu Hilfe gezogen waren, nach

der unglücklichen Schlacht bei Kunaxa über das armenische Hochland

zum Schwarzen Meere und von da nach Byzanz zurückführte, fand er im

Lande der Mosynoiken bei Trapezunt „unter den Dächern der Häuser große

Vorräte von breiten Nüssen, welche durchaus keinen Einschnitt hatten.

Diese Früchte bildeten das wichtigste Nahrungsmittel der Einwohner

und wurden teils gekocht, teils zu Brot verbacken.“ Daß Xenophon bei

der Umschreibung der Kastanien als „breite Nüsse ohne Ritze“ an die

Walnüsse zum Vergleiche gedacht hat, ist offenkundig. Merkwürdig aber

bleibt unter allen Umständen die Tatsache, daß er kein besonderes Wort

für diese ihm fremdartig vorkommenden Früchte anzugeben weiß.

Nach dem trefflichen Pflanzenkundigen Theophrast (390-286 v. Chr.)

scheint die einheimische Benennung der Kastanie Zeus-Eichel (~Diós

bálanos~) gewesen zu sein. Und als großfrüchtige Kastanien aus den

Ländern am Südrande des Schwarzen Meeres nach Griechenland importiert

wurden, erhielten sie die Bezeichnung Eicheln oder Nüsse aus Herakleia,

Sinope oder Paphlagonien, oder auch sardische Eicheln, nach Sardes, der

Hauptstadt von Lydien. Letztere Bezeichnung gebraucht beispielsweise

der aus Sinope stammende, als Dichter der neuattischen Komödie im

3. vorchristlichen Jahrhundert in Athen lebende Diphilos, der sagt:

„Die Eicheln von Sardes sind sehr nahrhaft und gesund, doch schwer zu

verdauen, namentlich in rohem Zustande“. Sein Zeitgenosse Nikander

bezeichnet sie zum erstenmal mit dem Namen, der ihnen später haften

bleiben sollte; er nennt sie nämlich „kastanische Nüsse“, doch wußte

niemand später anzugeben, wo das Land Kastanis liege. Heute wissen

wir, daß diese Bezeichnung gar nicht auf eine geographische, sondern

auf eine sprachliche Benennung zurückgeht, die dem Kastanienbaum

im Armenischen zukam. ~Kaskeni~ bedeutet nämlich im Armenischen

Kastanienbaum und ~kask~ Kastanie. Aus ersterem entstand dann die

griechische Bezeichnung „kastanische Nuß“ (~kastanaikón káryon~)

und später mit Weglassung des Wortes Nuß einfach ~kastánaion~ oder

~kástanon~. Letztere Bezeichnung treffen wir beispielsweise in dem

Buche des Atheners Mnesitheos, der nach dem um 200 n. Chr. lebenden

Athenaios sagt: „Die Kastanien (~kástanon~) heißen auch euböische

Nüsse; sie sind schwer zu verdauen, machen aber diejenigen, die sie gut

verdauen können, fett. Übrigens sind sie gleich anderen Nüssen gekocht

oder geröstet eine viel gesündere Speise als roh.“

[Illustration: Bild 16. Die Edelkastanie (~Castanea esculenta~).

~a~ blühender Zweig mit oben männlichen und unten weiblichen Blüten an

den Blütenähren, ~b~ männliche, ~d~ weibliche Blüte; ~c~ drei weibliche

Blüten in einer Fruchthülle; ~e~ drei Samen in einer Fruchthülle, ~i~

dieselben im Durchschnitt; ~f-h~ junge Kastanien. (Nach Hegi.)]

Mit der Frucht übernahmen auch die Römer die Bezeichnung derselben von

den Griechen. Wann nun dieser Fruchtbaum nach Italien kam, läßt sich

nicht mehr sagen. Wahrscheinlich hat ihn der römische Komödiendichter

Plautus (254-184 v. Chr.), der die griechischen Stücke des eben

erwähnten Diphilos und seines älteren Rivalen Menandros (342-290

v. Chr.) nachahmte, gekannt. Er spricht nämlich an einer Stelle von

einem das Dach beschattenden Baum, der eine „weiche Nuß“ (~mollescam

nucem~) trage. Nun kann darunter sowohl eine weichschalige, als eine

weich zu essende Nuß verstanden sein. Allem nach scheint aber ersteres

das wahrscheinlichere zu sein, so daß wir also darunter wohl die

Kastanie zu verstehen haben. Aber bei dem Mangel eines feststehenden

Namens kann wohl von einer allgemeinen Kultur dieser Bäume in Italien

vor dem Beginn des 2. vorchristlichen Jahrhunderts keine Rede sein.

Noch der ältere Cato (234-149 v. Chr.), der als Zensor die altrömische

Einfachheit in der Lebensweise und Sittenstrenge aufrechterhalten

wissen wollte, erwähnt in seiner sonst alle in Italien angepflanzten

Bäume anführenden Schrift über den Landbau die Kastanien so wenig als

Walnüsse und Mandeln, nur die von den Griechenstädten Süditaliens

nach Kampanien versetzten großen Haselnüsse, die den Griechen aus dem

Pontusgebiet zugekommen waren.

Erst zu Ende der Republik tritt uns der Baum und die Frucht als

zweifellos in Italien heimisch entgegen. Unter der von den Griechen

übernommenen Bezeichnung „kastanische Nuß“ (~castanea nux~ oder kurz

~castanea~) erwähnt sie zuerst der römische Dichter Vergil (70-19

v. Chr.), indem er an einer Stelle seiner Eklogen sagt „Ich will dir

Kastanien (~castanea nux~) und wachsgelbe Pflaumen (~prunum~) geben“

und an einer andern: „Wir haben schmackhaftes Obst, auch weiche

Kastanien und Vorrat von Käse.“ Dann nennt der Dichter Ovid (43 vor bis

7 n. Chr.) diese Frucht, indem er von seiner Geliebten Amaryllis sagt:

„sie liebte Kastanien und Nüsse“.

Der ältere Plinius (23-79 n. Chr.) sagt in seiner Naturgeschichte:

„Auch die Kastanien (~castanea~) werden Nüsse (~nux~) genannt, obschon

es passender wäre, sie Eicheln (~glans~) zu nennen. Sie sind mit

Stacheln besetzt, wozu sich bei den Eicheln nur der Ansatz findet.

Obgleich sie die Natur unter ihrer Stachelschale versteckt hat, sind

sie doch sehr häufig. Zuweilen stecken in einer einzigen Schale drei

Kerne. Die Haut, welche zwischen Schale und Kern liegt, verschlechtert,

wie bei den Nüssen, den Geschmack. Man verspeist sie lieber geröstet

als roh. Sie werden auch gemahlen und können dann ein Brot geben.

Ursprünglich sind sie in Sardes heimisch, und deswegen nennen sie

die Griechen auch sardische Eicheln; denn Zeus-Eicheln sind sie erst

später genannt worden, als sie durch gute Pflege veredelt waren. Jetzt

gibt es mehrere Arten von Kastanien; die tarentinischen sind flach,

die sogenannte ~balanitis~ ist runder, die ~pura~ geht leicht aus der

Schale, die ~salariana~ ist flach, die ~corelliana~ ist gut, ebenso

die von ihr gezogene ~eterejana~, doch stellt nur ihre rote Schale sie

über die dreikantigen, gemeinen schwarzen, welche auch Kochkastanien

(~coctiva~) heißen. Die besten Kastanien wachsen um Tarent und Neapel.

Bei den geringen Kastaniensorten zieht sich die Schale bis in den Kern;

sie sind daher schwer verdaulich und dienen nur zu Schweinefutter.“

Sein Zeitgenosse, der griechische Arzt Dioskurides, sagt in seiner

Arzneilehre: „Die Kastanie hat verschiedene Namen: sardische Eichel,

~lópimon~, ~kástanon~, auch ~móton~, Zeus-Eichel. Sie sind der Wirkung

nach den eßbaren Früchten der Eichenbäume ähnlich; besonders haben die

Häute zwischen Schale und Fleisch zusammenziehende Eigenschaften.“

Zur Erklärung der Bezeichnungen corellianische und eterejanische

Kastanien schreibt derselbe Autor an einer andern Stelle: „Als eine

Merkwürdigkeit mag hier folgendes erwähnt werden: Der römische Ritter

Corellius, aus Ateste gebürtig, veredelte einmal im Neapolitanischen

einen Kastanienbaum mit dessen eigenem Reise, und aus diesem erwuchs

eine vortreffliche Kastaniensorte, die noch jetzt nach jenem Ritter

die corellianische heißt. Später veredelte sein Freigelassener namens

Eterejus diese Kastanie wieder, und nun zeigte sich der Unterschied,

daß die corellianische reichlichere, die eterejanische aber bessere

Früchte trug.“

In den ~Geoponika~ sagt ein griechischer Autor, daß die (schwarze)

Maulbeere auf Kastanie (~kástanon~) und Speiseeiche (~phagós~ von

~phageín~, essen) gepfropft werde. Und der zur Zeit Cäsars und

Augustus’ lebende griechische Geschichtschreiber Diodoros aus Sizilien,

daher Siculus zubenannt, schreibt in seinem Geschichtswerk: „In

Arabien wird gediegenes Gold in Stücken gefunden, welche die Größe

einer Kastanie (~káryon kastanaikón~) haben“, und an einer andern

Stelle: „Im Lande der Ichthyophagen (d. h. Fischesser, bei den Alten

zwei Völker, in Gedrosien und Arabien) wachsen viele Ölbäume, deren

Frucht einer Kastanie ähnlich ist.“ Der aus Spanien gebürtige römische

Ackerbauschriftsteller Columella im 1. Jahrhundert n. Chr. sagt:

„Der Kastanienbaum (~castanea~) ist der Steineiche (~robur~) ähnlich

und deswegen zu Pfählen für den Weinstock sehr brauchbar. Die Frucht

(~nux~, d. h. Nuß) wird im Herbst in zweimal gegrabenen Boden gesät

und keimt rasch. Neben jede steckt man einen kurzen Rohrstab, um

beim Jäten zu wissen, wo sie liegt. Sobald die Stämmchen zweijährig

sind, verpflanzt man so viele, daß die bleibenden je zwei Fuß

auseinanderstehen, damit sie einander nicht schaden. Die Samen werden

deswegen dichter gelegt, weil sie durch verschiedene Zufälle am Keimen

verhindert werden können, z. B. durch Trockenheit oder ein Übermaß von

Nässe, durch Mäuse und Maulwürfe.“ Und Palladius sagt im 4. Jahrhundert

n. Chr.: „Versetzt man Kastanienbäumchen (~castanea~), die irgendwo

von selber gewachsen sind, so gedeihen die so schlecht, daß man oft

zwei Jahre lang nicht weiß, ob sie am Leben bleiben oder nicht. Besser

als im November werden die Kastanien im Februar gesät, nachdem man

sie zuerst, im Schatten getrocknet und 30 Tage mit Flußsand bedeckt

hat stehen lassen und dann durch Werfen in kaltes Wasser geprüft hat,

welche untersinken und somit gut sind und welche schwimmen und damit

bekunden, daß sie krank sind. Wenn sie zweijährig sind, werden die

jungen Bäumchen versetzt. Wenn sie angewachsen sind, pfropft man sie,

und zwar, wie ich selbst probiert, im Monat März oder April in die

Rinde; doch kann man sie auch okulieren. Man pfropft Kastanien auf

Kastanien oder Weiden (~salix~). Doch reift in letzterem Falle die

Frucht später und schmeckt weniger angenehm. Man hebt die Kastanien in

Hürden auf, doch so, daß sie nicht aufeinander liegen, oder man legt

sie so einzeln in Kies, daß sie sich nicht berühren, oder man tut sie

in neue irdene Töpfe und vergräbt diese an einem ziemlich trockenen

Orte, oder man bewahrt sie in Körben auf, die luftdicht mit Lehm

bestrichen sind, oder unter feiner Gerstenspreu, oder in Behältern, die

dicht aus Binsen geflochten sind.“

Mit den gleich zu besprechenden Walnüssen kamen auch die Kastanien

in der römischen Kaiserzeit über die Alpen und daraus wurden in den

römischen Kolonien von den sich hier ansiedelnden Veteranen die

betreffenden Fruchtbäume gezogen. So fanden sich in den älteren, später

von den Soldaten selbst mit allerlei Wegwurf zugeschütteten Brunnen

des römischen Kastells auf der Saalburg zahlreiche Walnußschalen, und

bei Ausgrabungen in Mainz stieß man wiederholt auf Kastanien, welche

von der Beliebtheit dieser beiden Fruchtarten bei den Römern Kunde

geben. Venantius Fortunatus, der Freund und Landsmann des fränkischen

Bischofs Gregor von Tours in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts

n. Chr. sandte seiner Freundin Radegunde ein Körbchen mit Kastanien,

das von einem poetischen, uns noch im Wortlaut erhaltenen Billette

begleitet war, worin er ihr als ländliche Gabe ~molles~ (d. h. weiche)

~castaneas~, „die der Baum auf dem Felde trug“ anbietet. Später

verordnete Karl der Große die Anpflanzung von ~castanearios~ in den

kaiserlichen Krongütern. Nach England kam dieser Baum erst am Anfang

des 16. Jahrhunderts.

Die eßbare Kastanie geht weniger weit nach Norden als der Nußbaum.

In warmen Lagen Deutschlands, wie am Rhein, wurde er aber schon in

den ersten Jahrhunderten n. Chr. eingebürgert. Teilweise ist er hier

verwildert und hat sich so gut eingelebt, daß er beispielsweise auf

den Bergen um Heidelberg herum und an der Bergstraße geradezu zu einem

Charakterbaum der Landschaft wurde. Weder zur Römerzeit noch auch

später drang er nach Norddeutschland vor, wo es ihm zu rauh ist und er

keine Früchte mehr zeitigt, so daß er höchstens als Zierbaum gehalten

werden kann. Deshalb fehlt auch sein Name gänzlich in den Orts- und

Flurnamen Mittel- und Norddeutschlands. Nur in Italien, Südfrankreich,

Spanien, Korsika, Sardinien usw. bildet der edle Kastanienbaum ganze

Waldungen. So sehr sind seit der Römerzeit seine schmackhaften Früchte

in diesen Gebieten zur Volksnahrung geworden, daß man in Frankreich die

Trägheit der Korsen ihren Kastanien zuschrieb. In der Tat genügt einer

korsischen Familie der Besitz von zwei Dutzend Kastanienbäumen und

einer das ganze Jahr hindurch im Freien weidenden Ziegenherde, um alle

ihre Bedürfnisse zu decken.

Nach der Eroberung Teneriffes durch die Spanier am Ende des 15.

Jahrhunderts wurde der Kastanienbaum auch auf diese Insel verpflanzt.

Auch hier bildet er ausgedehnte Waldungen und gedeiht so üppig wie

in seiner Heimat, dem nördlichen Kleinasien, wo Wutzer auf seiner

Orientreise nicht nur gewaltige Bäume der großen Haselnußart, sondern

auch Platanen und Kastanien sah, deren Größe ihn in Erstaunen versetzte.

Die Früchte einer in Nordamerika vorkommenden Spielart des

Kastanienbaums finden dieselbe Verwendung wie diejenigen der

altweltlichen. Auch werden dort die der ~Castanea pumila~, der

~Chincapin~, gegessen. Ebenso hat China in der ~Castanea chinensis~

und Indonesien in der ~Castanea argentea~ und ~Castanea tungurrut~

einen Ersatz für unsere Eßkastanie. Übrigens gibt es in den Tropen der

ganzen Erde verschiedene Bäume, die den Kastanien an Wohlgeschmack

gleichkommende Früchte besitzen, die sowohl roh als geröstet gegessen

werden. Unter ihnen ist der wichtigste ~Bombax malabaricum~, ein

ungeheurer Baum Ostindiens mit süßen, angenehm schmeckenden Samen.

Auch die mehlreichen Samen von ~Carolinea princeps~ in Guiana und

dem übrigen nördlichen Südamerika und von ~Carolinea insignis~ auf

den Antillen schmecken geröstet wie Kastanien und werden, wie die

jungen Blätter und Blumen als Gemüse gern verspeist. Ähnlich schmecken

die süßen Samen von ~Melicocca bijuga~ und ~Cupania tomentosa~ in

Westindien. Ausgezeichnet süß, kastanienartig schmecken auch die

Samen des westafrikanischen Baumes ~Blighia sapida~, die samt dem

fleischigen, sie umgebenden Mantel gekocht und gebraten gern gegessen

werden. Durch Negersklaven wurde der Baum auch nach Westindien

gebracht, wo er öfter kultiviert angetroffen wird. Dasselbe ist

bei ~Laurus chloroxylon~ in Brasilien und bei ~Sloanea dentata~ im

nördlichen Südamerika der Fall. Auch der durch seine kindskopfgroßen

Früchte ausgezeichnete +Topfbaum+ (~Lecythis ollaria~) des tropischen

Amerika ist seiner kastanienartigen Samen wegen beliebt und wird,

wie auch mehrere andere ~Lecythis~-Arten mit ähnlichen Samen, häufig

angepflanzt. Endlich ist noch der australische Baum ~Castanospermum

australe~ zu nennen, dessen aus der Hülse gelösten kastaniengroßen

Samen wie Kastanien verspeist werden.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte · 第 23 / 77 段