Noch beliebter als das Mark seiner Früchte ist dasjenige einer

australischen Art (~Adansonia gregorii~), welche der +Sauregurkenbaum+

genannt wird. Da zur Zeit der völligen Fruchtreife in der Trockenzeit

die Blätter der Affenbrotbäume abgefallen sind, so bieten sie mit

ihren an sehr langen Stielen hängenden Früchten einen überaus

merkwürdigen Anblick dar.

Ebenso große, gleichfalls mit einem säuerlichen Fruchtfleisch erfüllte,

an 2-2,5 m langen Stielen herabhängende Früchte besitzt der im

tropischen Westafrika bis zum Seengebiet verbreitete +Leberwurst-+

oder +Fetischbaum+ (~Kigelia africana~), dessen in langen Trauben

herabhängende, sehr große, hellrötliche Blüten ebenfalls von den

Honigvögeln besucht und befruchtet werden. Seine Früchte dienen außer

zu Zauber mancherlei Art mit Vorliebe als Opfergaben an die als

Fetische verehrten Seelen der Verstorbenen; daher der Name Fetischbaum.

Östlich vom Seengebiet wird er nicht mehr im wilden Zustande

aufgefunden. Hier vertritt ihn die verwandte ~Kigelia aethiopica~.

An der feuchtheißen Westküste des tropischen Afrika, von Oberguinea

(Sierra Leone) bis zur Kongomündung, wächst in den Küstenurwäldern

und landeinwärts bis 360 km von der Küste der +Kolabaum+ (~Cola

acuminata~). Es ist dies ein 10-18 m hohes Gewächs mit glänzenden,

lederartigen Blättern und getrenntgeschlechtigen, gelben Blüten, die in

Rispen wie beim Kakao oft unmittelbar aus dem Stamm oder aus älteren

Zweigen entstehen. Nach der Befruchtung bilden sich aus ihnen die aus

4-6 Kapseln bestehenden Früchte, die sternförmig um den Fruchtstiel

angeordnet sind. Jede Kapsel enthält bis zu sechs fast kastaniengroße,

etwa 30 g schwere rötlich-braune Samen. Letztere schmecken stark

bitter, besitzen aber einen Gehalt von 2,4 Prozent Koffein und 0,023

Prozent Theobromin, wodurch sie anregend auf das Nervensystem und die

Muskulatur bei Ermüdung wirken. Deshalb werden sie eifrig von den

Negern gesammelt und gekaut, wie die Peruaner zu demselben Zwecke die

Blätter der Kokapflanze kauen. Auf ihren langen, oft Monate dauernden

Handelsreisen durch schwach bevölkerte Gebiete würden die Eingeborenen

ohne den Genuß der Kolanüsse nicht auskommen, der ihnen für lange

Zeit das Gefühl von Hunger und Durst unterdrückt und sie zugleich vor

Ermüdung schützt.

Wegen dieser seiner hochgeschätzten Früchte wird der Kolabaum, wie

auch ein Verwandter, +Cola macrocarpa+, seit langem von den Negern

angepflanzt und werden seine Früchte, die Kola- oder Gurunüsse, als

gesuchter Handelsartikel weithin durch ganz Zentral- und Nordafrika

in Tausch gebracht. Denn außer den anregenden und die Müdigkeit

beseitigenden Stoffen enthalten sie in beträchtlicher Menge auch

wirkliche Nährstoffe, wie Eiweiß, Stärkemehl und Zucker. Den größten

Kolahandel betreibt das Hinterland der Goldküste, vor allem die

Landschaft Gondja. Von hier aus gelangen die Kolanüsse vor allem nach

dem Sudan, jedoch selten oder gar nicht nach Europa. In Deutsch-Togo

und Kamerun sind neuerdings auch von Europäern Kolapflanzungen angelegt

worden und die Ausfuhr der Kolanüsse, die im Jahre 1907 in Kamerun

schon einen Wert von 21000 Mark darstellte, dürfte in der Zukunft

bedeutend steigen, da sie in der Heilkunde eine zunehmende Wichtigkeit

erlangt haben. Man stellt daraus Kolapillen, Kolapastillen, Kolawein,

dann Tinkturen, Extrakte und Liköre her, die bei Nervenschwäche

und in der Rekonvaleszenz von Krankheit gute Dienste leisten, auch

für Sportsleute bei anstrengenden Kraftleistungen unentbehrlich

sind. Deshalb wird neuerdings die Einführung der Kolapräparate als

Stärkungsmittel bei der Armee zur Erlangung höchster Marschleistungen

versucht. Am besten wird die gemahlene Nuß dem Kakao beigemischt und

mit Gewürzen aller Art und Zucker zu einer Kolaschokolade verarbeitet.

Auf diese Weise bekommt man ein Anregungs- und Stärkungsmittel, das

zugleich ein Nahrungsmittel ersten Ranges darstellt, da es unmöglich

ist, in konzentrierterer Form als in ihr Nährstoffe auf engstem Raume

darzubieten. Als Kaffee-Ersatz eignen sich die Kolanüsse trotz ihres

hohen Koffeingehaltes, der sogar höher als selbst beim Kaffee ist,

nicht, da beim Rösten derselben etwa die Hälfte des Koffeins verloren

geht.

Durch Negersklaven ist der Kolabaum zu Anfang des vorigen Jahrhunderts

auch nach Amerika verpflanzt worden. Dort wird er jetzt, besonders

auf den Antillen, vielfach und mit gutem Erfolge auch von den Weißen

angebaut. Der Baum liefert vom 8.-10. Jahre an volle Erträge, bestehend

in etwa 4000 Nüssen jährlich. Auf dieser Höhe des Ertrages hält er sich

bis zum 50. Jahre. Westindische Pflanzer sind der Ansicht, daß, wenn

der Preis der Kolanüsse nur die Hälfte des Kaffeepreises erreichen

würde, die Kolapflanzungen einträglicher als die Kaffeeplantagen wären.

Ein anderer großer Baum des tropischen Westafrika, die Intsia africana,

liefert über 20 cm lange scharlachrote, bohnenartige Hülsen, deren

fleischige Samenmäntel namentlich von den Eingeborenen gerne gegessen

werden. Eine weitere baumartige Leguminose des tropischen Afrika, die

heute in der gesamten Tropenwelt kultiviert wird und sich daselbst

auch vielfach verwildert vorfindet, ist die +Tamarinde+ (~Tamarindus

indica~), die gleichfalls Hülsen, und zwar von 14 cm Länge, mit

angenehm säuerlichem Fruchtfleisch entwickelt. Dieses letztere ist sehr

erquickend und leicht verdaulich, wirkt aber schwach abführend und

wird daher auch als Arzneimittel -- meist in Form von Pastillen --

verwendet. In Ostindien werden auch die übrigens wenig schmackhaften

Samen besonders in Zeiten der Not geröstet oder gekocht gegessen.

Aus seiner engeren Heimat in Zentralafrika im Gebiet des oberen Nil

gelangte der Tamarindenbaum schon sehr früh ins obere Niltal und

wurde auch unter dem Namen ~nutem~, was „Schotenbaum“ im allgemeinen

bedeutet, von den alten Ägyptern kultiviert. Sein Fruchtmus wurde nach

dem Papyrus Ebers bereits als Abführmittel verwendet. Eine größere

Bedeutung erlangte er in Ostindien, wohin er in früher Vorzeit kam und

als geschätzter Frucht- und Schattenspender willkommen geheißen wurde.

Von dorther lernten die Araber seine Früchte kennen und gaben ihm den

Namen, den er in Europa besitzt; denn die arabischen Ärzte machten das

daraus hergestellte Fruchtmus als leichtes, angenehmes Abführmittel

zuerst im Abendlande unter der Bezeichnung Tamarinde bekannt. Letzteres

stammt aus dem Arabischen und ist aus ~tamr~ (hebräisch ~tamar~)

Dattelpalme und ~hindi~ indisch entstanden, bedeutet also indische

Dattel, offenbar infolge der Ähnlichkeit des Fruchtmuses beider

Pflanzen. Sie muß schon sehr früh nach Indien gekommen sein und wurde

dort als Schattenbaum in der Nähe der Häuser und den Straßen entlang

kultiviert, da sie schon in der alten Sanskritliteratur mehrere Namen

besitzt. Die Griechen und Römer kannten die Tamarinde und deren Mus

noch nicht. Als Amerika entdeckt wurde, folgte sie der Völkerwanderung

nach dem neuen Erdteil und wurde namentlich in Westindien willkommen

geheißen. Später verbreitete sie sich über die Südseeinseln, wo sie

zwar nicht überall, aber doch auf den größeren Eilanden hier und da

zu finden ist. Sie fehlt nur in wenigen tropischen Gegenden, und

zwar solchen, die weitab vom großen Verkehr liegen, wie Neuguinea

und im Innern Brasiliens. Überall ist sie der beliebteste Alleebaum,

der außer den Früchten, die gedörrt oder in Form von Mus besonders

aus Ost- und Westindien, wie auch Ekuador in den Handel kommen, auch

durch sein schweres Holz sehr nützlich ist. Infolge seiner schönen

Maserung und Farbe ist es für Möbel sehr geschätzt, dient aber auch

zur Herstellung von allerlei Werkzeugen und Stampfmörsern für Reis und

Ölfrüchte. In Form von Holzkohle ist es ein vorzügliches Rohmaterial

für Schießpulver. Die Tamarinde wird aus Samen gezogen und wächst auf

jedem Boden, ausgenommen sumpfigem.

Tafel 37.

[Illustration:

(Nach Photogr. von W. Busse in „Karsten u. Schenck,

Vegetationsbilder“.)

Im Vordergrund Kolabäume, dahinter Pandanus und Ölpalmen bei Mokundange

in Kamerun. Über den Wolken ist der kleine Kamerunberg sichtbar.]

Tafel 38.

[Illustration: Frucht des Durian (~Durio zibethinus~) auf Ceylon.

Fruchtzweig der Mangostane (~Garcinia mangostana~).

(Beide nach einer in der Sammlung des botan. Institutes der Universität

Wien befindlichen Photographie.)]

Im tropischen Westafrika heimisch ist der 10-20 m große, durch eine

sehr reiche Fruchtentwicklung ausgezeichnete +Akeebaum+ (~Blighia

sapida~), dort Amejichian genannt. Auf einem Sklavenschiffe nach

Amerika gebracht, hat sich der Baum auf den westindischen Inseln und in

Venezuela unter dem Namen ~akee~ sehr verbreitet und wird heute seiner

Früchte wegen in großem Maße kultiviert; diese stellen mandelartige,

aber fast zur Hälfte von einem dicken, weißen Samenmantel umgebene

Bohnen dar. Zu dreien liegen sie in einer dreifächerigen, an ihrer

Spitze dreiklappig aufspringenden Kapsel. Ihr Samenmantel ist von

äußerstem Wohlgeschmack und wird im tropischen Amerika an Stelle von

Eierspeisen aufgetischt.

Tafel 39.

[Illustration: Ananaspflanzung auf Jamaika.

Allee von Tamarindenbäumen in Surabaya auf Ostjava.]

Tafel 40.

[Illustration: Melonenbaum in Surabaya an der Nordküste der Insel Java.]

Aus der Familie der Ebenholzgewächse liefern eine ganze Reihe von

Arten der Gattung der +Götterpflaumenbäume+ (~Diospyros~) in den

Tropen der alten und neuen Welt geschätzte Früchte und werden deshalb

vielfach angebaut. Der bekannteste darunter ist der in Japan heimische

+Kakibaum+ (~Diospyros kaki~), dessen orangengroße, prächtig gelb oder

rötlich gefärbte, angenehm süß schmeckende Beerenfrüchte das wichtigste

Obst in Japan und China darstellen. Neuerdings werden sie vielfach

auch in Italien angepflanzt, wo sie noch an den oberitalienischen

Seen gedeihen. Von dort gelangen sie als beliebtes Obst in unsere

Südfruchthandlungen. Wegen ihres reichen Gehaltes an Gerbstoff dürfen

sie nicht mit eisernen Messern geschnitten werden. Derselbe bedingt die

Verwendung ihres Saftes in Ostasien zum Dauerhaftmachen von Netzen und

Fischereigerät, von Packpapier und Anstrichfarben.

Außer diesen Götterpflaumen ist in Ostasien auch der die +chinesischen+

oder +japanischen Haselnüsse+ liefernde +Litschibaum+ (~Litchi

chinensis~) ein wichtiger Obstspender, der seiner äußerst angenehm

schmeckenden Nüsse wegen in vielen Varietäten kultiviert wird. Er

ist ein etwa 6 m hoher Baum aus der Familie der Sapindazeen oder

Seifenbaumgewächse mit zwei- bis dreijochig gefiederten, lanzettlichen,

oben glatten Blättern, gestielten Blüten in Rispen und 4 cm dicken,

eiförmigen, rotbraunen, mit zahlreichen annähernd sechseckigen Schilden

bedeckten Früchten, die in der Mitte je eine kurze Erhabenheit

tragen. Der braune Same ist vom saftreichen Samenmantel umhüllt. Der

ursprünglich in China und auf den Philippinen heimische Baum wird

nicht nur in ganz Ostasien, sondern auch in Westindien und anderen

Tropengebieten kultiviert.

Im nördlichen Südamerika heimisch, wo sie noch zahlreich in einer

Form mit kleineren Früchten wildwachsend in den Küstengebieten

angetroffen wird, und von da noch vor der Entdeckung des neuen

Weltteils überall im tropischen Amerika angepflanzt, so daß sich

zahlreiche Kulturvarietäten ausbildeten, ist die +Ananas+ (~Ananassa

sativa~). Sie wird je nach den Sorten 0,5-1,25 m hoch und entwickelt

Früchte von 2-12 und sogar 15 kg Gewicht, letzteres aber nur bei sehr

sorgfältiger Kultur; wird diese vernachlässigt, so sinkt das Gewicht

von 2 auf 1 kg und von 12 auf 5 kg und noch weniger. Die Farbe der

Früchte ist purpur-, scharlach- oder schwarzrot, gelb, grün oder weiß

in den verschiedensten Schattierungen. Aus einer Rosette von 0,3-0,8 m

langen, steifen, gezähnten Blättern wächst ein kurzer Fruchtstengel

heraus, der in einen Blütenzapfen endigt und daher nur +eine+ Frucht

trägt. Aus ihrem brasilianischen Namen ~nana~ bildeten die Portugiesen

die Bezeichnung Ananas, während die Spanier sie wegen der Ähnlichkeit

der Frucht mit einem Pinienzapfen ~pinas~ nannten. Christoph Kolumbus

lernte sie auf seiner zweiten Reise im Jahre 1493 auf der westindischen

Insel Guadeloupe kennen. Alle Schriftsteller, die zuerst über Amerika

schrieben, erwähnen sie; so gibt der Spanier Hernandez de Oviedo in

seiner 1535 erschienenen Naturgeschichte Indiens die erste Beschreibung

und Abbildung der Pflanze und sagt, daß sie in den warmen Gegenden

von Tahiti und Mexiko wachse, und Geronimo Benzone meint in seiner

1568 erschienenen Geschichte der Neuen Welt, keine Frucht auf Gottes

Erdboden könne angenehmer sein als sie. Bei den Azteken hieß sie

~matzatli~. Die erste Ananas kam im Jahre 1514 nach Spanien. Als man

einmal eine solche Karl V. zu kosten geben wollte, mißtraute er der

Sache und wollte die Frucht durchaus nicht kosten. Im Jahre 1592 kam

die Pflanze nach Bengalen, bald darauf nach Südchina. Schon vorher

war sie durch die Portugiesen nach Java gelangt, wo sie 1599 bereits

eingebürgert war und von da aus gelegentlich auch nach Europa gebracht

wurde. Heute ist sie über die ganze Tropenwelt verbreitet.

Die ersten Kulturversuche in Europa in Treibhäusern schlugen fehl,

bis zu Ende des 16. Jahrhunderts der holländische Kaufmann Le Cour im

Gewächshause seines Gartens zu Driehock bei Leiden die ersten eßbaren

Früchte erzielte. In Deutschland gewann Kaltschmidt in Breslau 1703

die erste reife Frucht. Bald hernach hat sie in diesem Lande Wilh.

Weinmann in Wort und Bild beschrieben und populär gemacht, so daß

sie in der Folge mehrfach auch bei uns ihre überaus aromatischen

Früchte reifte, die roh mit Zucker genossen oder zu Bowlen verwendet

sehr geschätzt werden. Ihr Saft, der in den Tropen vielfach auch zu

Wein und Branntwein verarbeitet wird, enthält ein sehr wirksames,

Bromelin genanntes Ferment, das bei 40-50° C. Fleisch löst und es in ein

haltbares Pepton verwandelt. Deshalb benützen die Neger Westindiens

den Ananassaft gegen Diphtherie, wie die Amerikaner und nach ihnen die

Europäer den Saft der Früchte des gleich zu besprechenden Melonenbaums

zu demselben Zwecke anwandten.

Die Früchte der wilden Ananas sind viel kleiner und bedeutend weniger

schmackhaft als die äußerst aromatischen kultivierten, die über 15

Prozent Zucker enthalten und als Zeichen einer sehr alten Kultur meist

keine Samen mehr bilden. Nur eine weiße verwilderte Art in Ostindien

entwickelt in ihren Früchten noch welchen. Sie wird in mehreren

bezüglich Gestalt, Größe, Farbe und Geschmack der Früchte verschiedenen

Spielarten gezogen, von denen bei der Entdeckung Amerikas bereits drei

vorhanden waren. In Brasilien gedeiht sie am besten. In Peru wird aus

ihrem Safte ein sehr wohlschmeckendes weinartiges Getränk bereitet. Die

Vermehrung erfolgt nur auf vegetativem Wege entweder durch Schößlinge

des ausdauernden Wurzelstocks oder noch besser durch den aus der

fleischigen Fruchtachse vorsichtig herausgedrehten Blätterschopf,

den man einfach kurz vor der Regenzeit in den gut gedüngten Boden

steckt, worauf die Frucht nach einem Jahre geerntet werden kann.

Merkwürdigerweise geben die als Stecklinge gepflanzten Blätterschöpfe

der Früchte viel gewürzreichere und süßere Früchte als die aus den

Wurzelstöcken entstandenen Sprosse. Nur wenn letztere frühzeitig von

der Mutterpflanze losgelöst und sorgfältig angepflanzt werden, tragen

sie ebenfalls gute Früchte. Die Blätter enthalten ein sehr feines und

festes, als +Pitafaser+ bezeichnetes Gespinnstmaterial, derentwegen die

Pflanze jetzt ebenfalls umfangreich kultiviert wird, und zwar besonders

in Westindien und den Bahamainseln, die Millionen von Früchten nach

Nordamerika und Europa auf den Markt bringen. Da sie aber unreif

gepflückt werden müssen, um den Transport möglich zu machen, so haben

sie bei uns lange nicht das feine Aroma, das ihnen nur dann zukommt,

wenn sie vollreif geerntet werden können.

Eine weitere, ebenfalls für das gesamte Tropengebiet von der größten

Bedeutung gewordene Obstpflanze des tropischen Amerikas ist der

+Papai+ oder +Melonenbaum+ (~Carica papaya~), ein naher Verwandter

der Passionsblumengewächse, den die Karaiben Westindiens ~ababai~

nannten. Vor der Ankunft der Europäer wurde er in Brasilien, auf

den Antillen und besonders in Mexiko angepflanzt. Es ist dies ein

getrennt geschlechtlicher, 6-9 m hoher, schlanker, unverzweigter, fast

staudenartiger Baum, der ungemein schnell aus den Samen schießt, das

ganze Jahr hindurch blüht und Früchte trägt, aber schon im vierten

Jahre abstirbt. Der Stamm, dessen Holzkörper von einem gelben, bitteren

Milchsaft strotzt, trägt an der Spitze einen Schopf langgestielter,

handförmig gelappter Blätter. Zwischen diesen letzteren sind die

männlichen oder weiblichen halbfingerlangen, weißen Blüten angebracht,

von denen letztere nach der Befruchtung einfächerige, vielsamige,

fleischige Beeren von Form und Größe einer Melone hervorbringen, die

wegen ihres wohlschmeckenden, zuckerreichen Fruchtfleisches so beliebt

sind, daß der Baum kurze Zeit nach der Entdeckung Amerikas über das

ganze Tropengebiet verbreitet wurde. Das 2 cm dicke, fast butterartige,

etwas mehlige, rotgelbe, wohlschmeckende Fruchtfleisch bildet eine

Höhlung, deren innere Wand von zahlreichen braunen oder braun-grünen

Samen ausgekleidet wird, die wegen ihres starken Kressengeschmacks vor

dem Genusse der Früchte entfernt werden müssen. Doch sind letztere

heute durch Kulturauslese so weit verbessert worden, daß die besseren

Sorten vollständig samenlos geworden sind. Man ißt sie roh mit Zucker,

auch gekocht und eingemacht; die unreifen Früchte werden wie bei uns

die Gurken mit Salz und Essig eingemacht oder in Stücke geschnitten

wie Gemüse zubereitet. Der nicht bloß in den Früchten, sondern auch in

allen übrigen Teilen der Pflanze, besonders den Blättern, enthaltene

Milchsaft besitzt zu 50 Prozent ein pepsinartiges Ferment, das Eiweiß

verdaut. Es ist dies das Papain, das in neuerer Zeit statt Pepsin bei

Verdauungsschwäche gegeben wird, wie es eine Zeitlang bei Diphtherie

zur Auflösung der Membranen durch Bepinselung damit benützt wurde.

Überall dort, wo die Pflanze kultiviert wird, besonders in ihrer

Heimat, dem tropischem Amerika, setzt man frisch geschlachtetem und

sonst zähem Fleisch etwas Blätter oder Milchsaft des Melonenbaums beim

Kochen hinzu, wodurch es alsbald weich und leicht verdaulich wird.

Wie bei vielen Kulturpflanzen ist auch die Stammpflanze des

Melonenbaums nicht bekannt. Sehr wahrscheinlich ist diese Nutzpflanze

ein Kreuzungsprodukt mehrerer Arten, die in den feuchten Gebirgstälern

des nördlichen Südamerikas und Mittelamerikas wild vorkommen. Es gibt

dort noch manche Formen, deren Früchte sogar ein bei weitem feineres

Aroma als diejenigen des gewöhnlichen Melonenbaums besitzen. Dahin

gehört z. B. die köstliche Chamburu der tieferen Lagen der Anden von

Ekuador. Von Brasilien bis Westindien ist der als Mamão bezeichnete

Melonenbaum ein sehr geschätzter Obstbaum, der von den Indianern und

zugewanderten Weißen und Schwarzen wie die Banane neben ihren Häusern

gezogen wird. Seine Übertragung nach Ostindien und der malaiischen

Inselwelt durch die Portugiesen muß schon im 16. Jahrhundert erfolgt

sein; bereits im Jahre 1626 kamen Samen von ihm aus Ostindien nach

Neapel. Seine weitere Verbreitung über die ganze Tropenwelt der Erde

erfolgte in den beiden letzten Jahrhunderten.

Im tropischen Südamerika wie auch im gegenüberliegenden Teile

Westafrikas sind die gelben, roten oder schwarzen +Icacopflaumen+ (von

~Chrysobalanus icaco~) heimisch, die sowohl frisch, als eingemacht

trotz ihres etwas herben Beigeschmackes gerne von den Eingeborenen

und ansässigen Weißen gegessen werden. In Westindien hat der 19

bis 22 m hohe, zu den Guttiferen gehörende +Mammeibaum+ (~Mammea

americana~) mit breit ausladender Krone seine Heimat, der wegen seiner

wohlschmeckenden, über faustgroßen, rötlichgelben Früchte ebenfalls

seinen Weg über das Tropengebiet beider Hemisphären fand. Sie, die

meist Mammeiäpfel genannt werden, obschon sie mit den Äpfeln nichts

zu tun haben, enthalten in einer dicken, bitter schmeckenden Rinde

ein goldgelbes, den Aprikosen ähnlich schmeckendes Fleisch und werden

deshalb überall, wo der Baum angepflanzt wird, roh oder als Marmelade

gerne gegessen.

Ebenfalls in Westindien und im nördlichen Südamerika heimisch ist

die Sapotazee ~Lucuma mammosa~, ein Milchsaft führender Baum, der

eiförmige, an Geschmack den Bergamottbirnen ähnliche Früchte reifen

läßt, die als +Mammeizapote+ oder +surinamsche Mispeln+, in Peru als

Lucuma, in ganz Mittel- und Südamerika, wo der Baum häufig angepflanzt

wird, viel gegessen werden. Ein in denselben Gegenden wild wachsender

und auch häufig angebauter Baum ist der ihm sehr nahe verwandte

+Breiapfelbaum+ (~Achras sapota~), in seiner Heimat Zapota, von

den Spaniern dagegen ~nispero~, d. h. Mispel genannt, der eine der

bevorzugtesten Tropenfrüchte liefert, deren süßes, weiches Fleisch

von sehr angenehmem Geschmacke ist. Deshalb wird er auch sonst in

den heißesten Landstrichen der Erde allgemein kultiviert. Besondere

Wertschätzung genießen die 4 cm dicken Früchte bei den Brasiliern, die

aus ihm ein sehr wohlschmeckendes Mus bereiten, das auch exportiert

wird. Da die Fledermäuse sehr lüstern über sie herfallen, wenn sie zu

reifen beginnen, werden sie meist schon vor der Reife abgenommen, um

sie auf dem Lager nachreifen zu lassen.

Derselben Familie der milchsaftführenden Sapotazeen, von denen uns

Artgenossen der malaiischen Inselwelt das wertvolle Guttapercha

liefern, gehört der +Sternapfelbaum+ (~Chrysophyllum cainito~) an,

dessen purpurrote, glatte, runde, süße Früchte ein von den Antillen

über das tropische Amerika und die übrige heiße Zone verbreitete

Delikatesse bilden. Der Lieferant dieses wohlschmeckenden Obstes

ist ein schöner Baum von 9-12 m Höhe mit großen, auf der Unterseite

goldglänzenden Blättern (daher auch der Name Goldblattbaum) und

kleinen purpurroten Blüten. Nicht minder beliebt ist der gleichfalls

in Westindien heimische +Marmeladeapfel+ (~Vitellaria mammosa~).

Nahe Verwandte haben sehr ölreiche Samen wie beispielsweise der

westafrikanische +Butterbaum+ (~Butyrospermum parkii~), der die später

zu besprechende Schibutter liefert.

Ebenfalls in Westindien heimisch ist der +Acajoubaum+ (~Anacardium

occidentale~), der auch nach Brasilien und Westafrika verbreitet

wurde und besonders im Kongogebiet vielfach angepflanzt wird. Der

ziemlich hohe, mit umgekehrt eiförmigen Blättern bedeckte Baum erzeugt

Früchte, welche großen Bohnen gleichen. Sie sind dadurch ungemein

auffällig, daß ihr Stiel zur Zeit der Reife mächtig anschwillt und

einen etwa 8 cm langen, birnförmigen, fleischigen Körper bildet,

der süßsäuerlich schmeckt und als erfrischendes Obst gerne gegessen

wird. Die eigentliche Früchte kommen unter dem Namen „amerikanische

Elefantenläuse“ in den Handel. Sie enthalten einen sehr ölreichen,

geröstet eßbaren Samen, der aber von einer Schale umschlossen wird,

die in zahlreichen Höhlungen ein äußerst scharfes, an der Luft

schwarz werdendes Öl enthält. Von diesem auf der äußeren Haut leicht

Entzündungen und Blasen erzeugenden Reizstoffe macht man in der

Tierarzneikunde Gebrauch.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte · 第 22 / 77 段