Von der südostasiatischen Inselwelt verbreitete sich die Banane nach

allen Seiten und wurde schon längst auch im Indusgebiet angepflanzt,

als die Griechen im Heere Alexanders des Großen im Jahre 327 v. Chr.

das Pandschab durchzogen. Obschon deren Früchte dort allgemein als

Volksnahrung dienten, hielt sie Alexander für ungesund und verbot

sie seinen Soldaten zu essen. Später erwähnt Plinius die Banane

unter dem Namen ~pola~, doch wird ihre Frucht wegen ihrer großen

Verderblichkeit kaum je in den Bereich der Mittelmeerländer gekommen

sein. Dieses ~pola~ des Plinius ist das Sanskritwort ~pala~, das Frucht

bedeutet, aus dem auch das Wort Banane hervorging, während ~pisang~

die malaiische Bezeichnung ist. ~Musa~ wurde dann die Pflanzengattung

von Linné nach der arabischen Bezeichnung ~muz~ für die Pflanze, die

sich schon im 13. Jahrhundert bei Ibn Baithar findet, genannt, und

zwar ~Musa sapientum~, weil die indischen Weisen (~sapientes~) von den

Früchten lebten und ~Musa paradisiaca~, weil sie im Paradiese stand.

Später hieß man sie auch Paradiesfeige oder Adamsapfel, weil sie nicht

nur feigenartig schmeckt, sondern weil sie auch für den Baum der

Erkenntnis des Guten und Bösen im Paradiese, von dem Eva dem Adam zu

essen gab, gehalten wurde.

Überall in den Tropen sind die Bananenfrüchte ein sehr wichtiger

Handelsartikel, der nach und nach für die ganze Kulturwelt von

Bedeutung geworden ist; denn durch die rasch fahrenden Schiffe

der Gegenwart ist dieses kostbare Erzeugnis der Tropen auch den

Bewohnern der klimatisch gemäßigten Länder zugänglich gemacht

worden. Besonders wird sie in großen Mengen aus Mittelamerika nach

den so obstfreundlichen Vereinigten Staaten eingeführt. So sind von

Nordamerikanern, speziell Minor C. Keith in Costarica, allein 15000

Hektar Land mit ~Musa~ bepflanzt worden, aus denen im Jahre 1908

über 15 Millionen Bündel Bananenfrüchte von durchschnittlich 30 kg

Gewicht im Wert von beinahe 20 Millionen Mark geerntet und nach den

Vereinigten Staaten eingeführt wurden. Bei ihrer geringen Haltbarkeit

müssen sie, sobald sie reif sind, in mit Kühlvorrichtungen versehenen

Schiffen und Eisenbahnen rasch spediert werden und schmecken dann

unendlich viel besser als die unreifen Früchte, die wir bisher aus

Westindien erhielten. So sind sie in allen Schichten der Bevölkerung

der Vereinigten Staaten zu einem eigentlichen Volksnahrungsmittel

geworden, ein Beispiel, das in Europa Nachahmung verdiente, da sie

eine vortrefflich bekömmliche und wohlschmeckende Nahrung bilden. Um

den Schwierigkeiten des Transportes aus dem Wege zu gehen, wurden

sie in England zuerst getrocknet eingeführt. Seitdem aber die

Transportverhältnisse sich gebessert haben und man gelernt hat, diese

Früchte fast reif zu uns zu bringen, gelangen sie in immer größerer

Menge frisch nach Europa und finden hier immer mehr Anklang, so daß

sie im Begriffe sind, sich zu einem Welthandelsartikel wie die Orangen

aufzuschwingen. Hat doch Deutschland allein in den sieben ersten

Monaten des Jahres 1909 78 Millionen kg davon eingeführt.

Bei uns wird die südchinesische +Zwergpalme+ (~Musa cavendishi~), wie

auch die kleinbleibende ~Musa coccinea~ in Warmhäusern kultiviert

und als Zimmerpflanze gehalten. Sie, wie auch die größte aller

Bananensorten, die ~Musa ensete~ aus Abessinien mit roten Blattstielen

und Hauptnerven, werden gleichfalls im Sommer auf Rasenrabatten allein

oder mit anderen Blattpflanzen, besonders ~Ricinus~ und ~Canna~

zusammen angepflanzt. Diese ~enzeht~ der Abessinier ist die größte

aller Krautpflanzen überhaupt. Eine fünfjährige Pflanze im Palmenhause

zu Kew bei London hatte schon über 10 m Höhe und unten am Schaft 2 m

Umfang erreicht und besaß 6,5 m lange und 1 m breite Blätter. Wegen

dieser letzteren scheinen die alten Ägypter bereits die Pflanze

als Viehfutter kultiviert zu haben; denn es ist eine altägyptische

Darstellung bekannt, in welcher Nilpferde eine Bananenpflanzung

verwüsten. Durch Einschnitte in den mächtigen Schaft fließt ein

köstlich schmeckender Saft aus, der von den Abessiniern, mit Milch

und etwas Butter vermischt, sehr gerne gegessen wird. Das Innere des

Schaftes, wie auch die Schößlinge geben gekocht ein gutes Gemüse, das

von vielen ostafrikanischen Volksstämmen als wichtigste pflanzliche

Nahrung genossen wird. In ihrer Heimat trägt auch sie reichlich

Früchte, die wie alle anderen Bananensorten mit Vorliebe auch von den

Affen gegessen werden. Plündernd fallen sie in die Pflanzungen des

Menschen ein und schaden hauptsächlich dadurch, daß sie mehr verwüsten

als fressen. Auch den Maisfeldern sind sie sehr gefährlich, indem

sie beim Plündern der Maiskolben von Staude zu Staude springen und

natürlich jedesmal die Staude abbrechen. Die Abessinier sind, weil sie

keine Schrotgewehre zur Einschüchterung dieser frechen Diebe besitzen,

dieser Landplage gegenüber fast machtlos. Sie behelfen sich damit, daß

sie wie anderwärts die Bananentrauben abschneiden, bevor sie reif sind,

sie aber zum Nachreifen in die Erde vergraben; denn von dort stehlen

sie die Affen nicht.

Eine andere, in Treibhäusern nicht selten angetroffene Art ist

der auf Madagaskar heimische „+Baum der Reisenden+“ (~Ravenala

madagascariensis~), der auf einem ebenfalls bis 10 m hohen, blattlosen

Stamm einen Schopf großer, zweizeilig gestellter, im Gegensatz zu den

eigentlichen Bananen gestielter Blätter trägt. Seinen Namen hat er

daher, daß die Reisenden auf jener großen, Afrika benachbarten Insel

die Blattstiele mit ihren hohlen Wanderstöcken anstechen, um das

herausfließende schmackhafte Wasser zu trinken.

Wahrscheinlich auf der Halbinsel Malakka heimisch und von da im

gesamten tropischen Asien und auf der malaiischen Inselwelt kultiviert,

ist als eine der köstlichsten Tropenfrüchte die +Mangostane+ (~Garcinia

mangostana~) zu erwähnen. Sie wächst an einem 20-25 m hohen Baume mit

dicken, dunkelgrünen Blättern und ist eine fast kugelige Frucht von

5-7 cm Durchmesser, welche innerhalb einer dicken, weinroten Schale

ein schneeweißes, weiches, sehr süßes und aromatisches Fruchtfleisch

enthält, in welchem die Samen eingebettet sind. Das Fleisch ist als

Mantel des Samens zu deuten.

Angenehm säuerliche Früchte von etwa 1 kg Gewicht, deren Saft

sowohl zur Würze an Speisen getan, als auch zu kühlenden Getränken

benutzt wird, besitzt die nahe Verwandte der Mangostane, ~Garcinia

pedunculata~, ein gegen 20 m hoher Baum in Bengalen. Die getrockneten

Früchte pflegt man mit Vorliebe auf Seereisen mitzunehmen.

In Hinterindien, Südchina und dem malaiischen Archipel heimisch sind

die +Jambosen+ oder +Rosenäpfel+, auch Malaienäpfel genannt, die auf

6-12 m hohen, immergrünen Bäumen aus der Familie der Myrtengewächse

wachsen. ~Jambosa malaccensis~ trägt apfelgroße runde, rote, ~Jambosa

vulgaris~ dagegen, die noch auf den ostindischen Inseln wildwachsend

angetroffen wird, blaßgelbe, rosenrot angehauchte birnförmige,

rosenartig riechende Beerenfrüchte von der Konsistenz des Apfels, die

in einer weiten Höhle einen olivengroßen Kern bergen. Beide werden

ihres Wohlgeschmacks wegen in allen Tropengegenden, besonders den

Sandwich- und Fidschiinseln, neuerdings auch in Brasilien, auf den

Antillen und auf Madeira kultiviert. Ihre in Zucker eingemachten,

weinsäuerlich riechenden Blüten werden bei fieberhaften Krankheiten

verabreicht.

Ähnliche birnförmige, wohlschmeckende Früchte wie letztgenannte Art

liefert die ebenfalls in Südindien heimische ~Jambosa macapa~, die auch

anderwärts, so besonders auf Mauritius, in mehreren Abarten kultiviert

wird. Dasselbe ist mit der in Südchina zur Kulturpflanze erhobenen

~Jambolifera pedunculata~ der Fall, deren schwarze, süße Früchte einen

nicht unwichtigen Handelsartikel bilden.

In Südasien, besonders Indonesien, werden ebenfalls häufig ~Sandoricum

indicum~ wegen ihrer kleinen, orangeähnlichen Früchte und ~Dillenia

serrata~ und ~D. elliptica~ wegen ihrer über apfelgroßen, sauersüßen,

schleimigen Früchte, wie auch ~Erioglossum edule~ und ~Lansium

domesticum~ wegen ihrer Steinfrüchte angebaut. Besonders angenehm

schmeckt auch der große +Molukkenapfel+ (von ~Xanthochrymus dulcis~ und

~X. pictorius~).

Ebenfalls in Südasien heimisch und von da über die ganze Tropenwelt

verbreitet ist der 10-15 m hohe +Mangobaum+ (~Mangifera indica~) mit

lederartigen, länglichen, ganzrandigen Blättern und wohlriechenden,

kleinen, weißen Blüten, deren nierenförmige, außen grüne bis gelbe,

in einem rötlichgelben, saftreichen, sauersüßen Fruchtfleisch einen

einzigen großen harten Samen umschließenden, ei- bis faustgroßen

Früchte, die Mangos, von vielen Europäern als die edelste der

Tropenfrüchte erklärt werden. Manche Kulturformen liefern noch größere

Früchte, die bis 1 kg schwer werden. Sie schmecken sehr süß, aromatisch

und durch ihren Gehalt an Zitronensäure erfrischend säuerlich. Allen

Sorten ist aber ein mehr oder weniger ausgesprochener Geschmack nach

Terpentin eigen, welcher manchem den Genuß verleidet. Damit sich dieser

verliere legt man die geschälte Frucht einige Zeit in Wasser. Auch die

Samen werden geröstet gegessen und schmecken dann wie Kastanien. Der

Mangobaum, der in Südindien und Ceylon noch wild gefunden wird, aber

als solcher nur kleine Früchte zeitigt, ist heute in vielen Varietäten

über die ganze Tropenwelt verbreitet und wird in einer besonders

wohlschmeckenden Sorte auch in Brasilien kultiviert.

In Südasien heimisch, aber ebenfalls im ganzen Tropengürtel vielfach

kultiviert, ist der indische +Mandelbaum+ (~Terminalia catappa~), ein

großer Baum mit mächtiger Laubentwicklung mit abwechselnd gestellten,

gegen das Ende der Zweige zusammengehäuften, ganzrandigen, gestielten

Blättern, welche am Anfange der Trockenzeit schön rot werden, später

aber abfallen. Aus den in ährenartigen Infloreszenzen stehenden

kleinen, sitzenden Blüten entwickeln sich außen etwas fleischige, in

der Mitte zusammengedrückte Steinfrüchte, die in dem sehr harten Stein

einen wie Mandeln schmeckenden, länglich eirunden Samen einschließen,

der eine beliebte Speise bildet.

Tafel 33.

[Illustration: Ostindischer Mangobaum (~Mangifera indica~) in Rio

de Janeiro. (Nach einer in der Sammlung des botan. Instituts der

Universität Wien befindlichen Photogr. von M. Ferrez.)]

Tafel 34.

[Illustration: Ein junger Brotfruchtbaum in Westafrika. (~Artocarpus

incisa.~)

(~Copyright by F. O. Koch.~)

Junge Früchte des Tschakfruchtbaumes (~Artocarpus integrifolia~).]

Tafel 35.

[Illustration: Ein Zweig des Brotfruchtbaumes mit jungen Früchten aus

Ceylon. (~Artocarpus incisa.~)]

Tafel 36.

[Illustration: Während der sommerlichen Trockenzeit entblätterte Baobab

oder Affenbrotfruchtbäume in der Steppe am unteren Kongo (nach Chun).

Malaienwohnung auf Sumatra mit Melonenbaum.]

Ebenso geschätzt ist der gleichfalls über die gesamten Tropen

verbreitete, wahrscheinlich in Ostindien heimische +Gombo+ oder

+Ochro+ (~Hibiscus esculentus~), eine baumartige Malvacee, deren

wohlschmeckende junge Früchte, besonders gekocht, sehr beliebt

sind. Ähnlich verhält es sich mit dem sehr nahe damit verwandten

+Moschushibiscus+ (~Hibiscus moschatus~), der ebenfalls in den

heißesten Gebieten Ostindiens heimisch ist und von da aus die weiteste

Verbreitung fand. Seine Samen besitzen einen zarten Bisamgeruch, der

sie auch für die Parfümerie Verwendung finden ließ.

Einen, als die Europäer erschienen, in ganz Indonesien von Sumatra bis

zu den Markesasinseln angebauten Fruchtbaum stellt der +Brotfruchtbaum+

(~Artocarpus incisa~) dar, der zu den Maulbeergewächsen gehört. Es

ist dies ein 13-17 m hoher, einen zähen, fadenziehenden Milchsaft

führender, einhäusiger Baum, mit 33-50 cm dickem Stamm und bis 1 m

langen, oft 50 cm breiten, derben, tiefeingeschnittenen Blättern.

Diese sind an den Schößlingen oft ganzrandig, an den Sprossen und

stärkeren Zweigen dagegen nur zwei- bis dreilappig, während sie sonst

bis neun Lappen aufweisen. Sie sind oben dunkelgrün, von gelblichen

Nerven durchzogen, fast ganz glatt, unten rauh, bleicher gefärbt und

mit hervortretenden Rippen. Beim Welken durchlaufen sie die ganze

Farbenreihe zwischen dunklem Grün und brennendem Rot. Das eine Ende ist

oft noch samtgrün, während die Mitte goldgelb leuchtet und das andere

Ende purpurn oder scharlachrot strahlt. Die männlichen Blütenstände

sind kätzchenartig gestellt und entspringen von den jungen Zweigen,

während die weiblichen eirund sind und aus den älteren Zweigen

hervorgehen. Die Frucht ist eine über kopfgroße, bis 2 kg schwere

Scheinfrucht mit einem saftigen, nahrhaften Fleisch, in der als Zeichen

sehr langer Kultur meist keine Samen mehr zur Ausbildung gelangen. In

Scheiben geschnitten und mit oder ohne Fett gebacken, schmecken sie wie

die besten Kartoffeln. Auch die Samen, falls welche vorhanden sind, ißt

man in heißer Asche geröstet wie Kastanien. Man zieht aber diejenigen

Kulturvarietäten, die keine Samen mehr erzeugen, den anderen vor, weil

ihre Fruchtstände saftiger sind und einen höheren Nährwert besitzen.

Die Südseeinsulaner ernähren sich zum größten Teile von den Früchten

dieser Pflanze, von der zwei bis drei Bäume für den ganzen Unterhalt

eines Menschen genügen sollen. Die Heimat des Brotfruchtbaums scheint

in Java und den Sundainseln zu liegen, wo der deutsche Naturforscher in

holländischen Diensten Rumphius (1627-1702) eine anscheinend wilde Form

desselben angetroffen haben soll.

Der Brotfruchtbaum wird nur auf ungeschlechtlichem Wege durch

Schößlinge künstlich vermehrt. Er gedeiht im geeigneten Klima in

jedem Boden, selbst in solchem, der zu keiner anderen Kultur benutzt

werden kann. Der Baum bleibt 60 bis 70 Jahre lang tragbar; dabei

währt die Ernte 9 Monate lang, nämlich von November bis Juli, und

ist so außerordentlich ausgiebig, daß, wie der Weltumsegler James

Cook (1728-1779) sich ausspricht, „einer, der in seinem Leben 10

Brotfruchtbäume gepflanzt hat, seine Pflicht gegen sein eigenes

und sein nachfolgendes Geschlecht ebenso vollständig und reichlich

erfüllt hat, als ein Einwohner unseres rauhen Himmelstrichs, der

sein ganzes Leben hindurch während der Kälte des Winters gepflügt,

in der Sommerhitze geerntet und nicht nur seine jetzige Haushaltung

mit Brot versorgt, sondern auch seinen Kindern etwas an barem Geld

kümmerlich erspart hat.“ Das roh nicht eßbare, mehlige Fleisch der

halbreifen, grünen Früchte wird geröstet, zu Brot verbacken und als Mus

gegessen. Das Backen geschieht in heißer Asche oder auf heißen Steinen,

seltener in Öfen. Dabei wird das Innere der Früchte beim Braten weiß

und weich wie Brotkrume, muß indessen gleich gegessen werden, da es

nach 24 Stunden musig und fad wird. Nur in Scheiben geschnitten und

getrocknet hält sich die Frucht zwei Jahre, kann so den Schiffszwieback

ersetzen und wird auch von den Spaniern als solcher gebraucht. Die

Schiffsmannschaften ziehen diese Nahrung dem Brote vor. Auf den

Südseeinseln benutzt man die unreife Brotfrucht auch zur Herstellung

eines sehr schmackhaften Muses, indem man sie nur wenig röstet, dann

von der Schale befreit, das Fruchtfleisch in kaltes Wasser bringt

und darauf zu Brei quirlt. Eine sehr schmackhafte Speise bereitet

man ferner aus der geöffneten unreifen Brotfrucht, indem man ihr die

Rinde und das Kernhaus nimmt und sie in einem Mörser tüchtig stampft.

Dann gießt man darauf die aus dem saftigen Kern einer reifen Kokosnuß

durch Versieben entstandene dicke Milch, die man durch kleine, aus

feinen Kokosfasern geflochtene Beutel preßt. Von den Europäern wird

die unreife Brotfrucht meist in dünne Scheiben geschnitten, in Butter

oder sonstigem Fett gebacken gegessen, was eine sehr feine Speise gibt,

die, wie mir eine Jugenderinnerung sagt, in bezug auf den Geschmack an

knusperig gebratene Kartoffeln erinnert.

Ist die Mehrzahl der Brotfrüchte reif geworden, so findet die

Haupternte statt. Die reifen Früchte sind goldgelb, weich, inwendig

breiig, von widerlich süßem Geruch und Geschmack. Dieser Brei gilt

als ungesund und wird kaum gegessen. Dagegen verwendet man die feste

Rinde und das Kerngehäuse der geernteten Früchte, indem man sie in

Holzmörsern zu einer teigigen Masse zusammenstampft, die man in ~mahe~

genannten Laiben, sorgfältig in Blätter und Bast gehüllt, jahrelang an

einem kühlen Orte aufbewahren kann, wobei sie durch längeres Lagern

noch an Güte gewinnen. Die Südseeinsulaner backen daraus nach Bedarf,

nachdem sie den Teig haben gären lassen, Kuchen von bernsteingelber

Farbe und etwas herbem, aber durchaus nicht unangenehmem Geschmack, der

feinem Weizenbrot oder -- nach Anson -- gebratenen Kartoffeln ähnlich

sein soll. Mit dem Saft von Orangen getränkt, soll das Brot süß wie

Apfelkuchen schmecken. Auch kann man den Brotfruchtteig wie Pudding

zubereiten. Von dieser aufbewahrten Brotmasse nähren sich die Insulaner

von August bis Oktober, während welcher Zeit der Brotfruchtbaum keine

Früchte trägt.

Außer den Früchten liefert der Brotfruchtbaum noch andere nützliche

Produkte, so die Rinde zum Gerben und Färben, den Bast junger Zweige

zur Herstellung von ~tapa~ oder Rindenstoff, den Milchsaft zur

Herstellung von Vogelleim und Kitt; ein durch Einschnitte in den Stamm

gewonnenes Harz (das ~dammar selo~ der Malaien) kommt wie Kopallack

zur Herstellung von Firnis in den Handel. Das gelbe Holz benutzt man

zum Häuserbau, zur Gewinnung von Booten und Holzgeräten. Die Blätter

verwendet man wie starkes Papier zum Einwickeln von Gegenständen und

Aufbewahren von Lebensmitteln. Die halbverwelkten, bunten Blätter

werden von den Eingeborenen an der Mittelrippe aufgeschlitzt und als

Kopfbedeckung benutzt; sonst dienen sie auch als Tischtücher, Teller

und Servietten. Im tropischen Amerika wird der echte Brotfruchtbaum

wegen seiner schönen Belaubung mehr als Alleebaum, denn als Fruchtbaum

gepflanzt.

Der erste Bericht vom Brotfruchtbaum datiert aus dem Jahre 1697 von

dem englischen Seefahrer William Dampier (1652-1715), der ihn in

Menge auf den Marianen oder Ladronen, d. h. Diebesinseln -- jetzt

bekanntlich deutsche Kolonie -- angepflanzt fand. Genauere Nachrichten

über diesen so nützlichen Fruchtbaum verdanken wir dem Reiseberichte

des deutschen Naturforschers Joh. Reinhold Forster (1729 bis 1798), der

mit seinem Vater den Kapitän James Cook auf seiner zweiten Reise um die

Welt von 1772 bis 1775 begleitete und später bis zu seinem Tode als

Botanikprofessor in Halle tätig war. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts

brachte Sonnerat den Brotfruchtbaum nach der Insel Mauritius. Später

wollte König Georg III., der 22jährig 1760 auf den englischen Thron

gelangte, den er bis zu seinem Tode 1820 behauptete, auf Wunsch der

englischen Kolonisten in Amerika ihn in Westindien einführen. In seinem

Auftrage gelang es nun dem englischen Kapitän Bligh (sprich Blei) 774

junge Brotfruchtbäume einzuschiffen; allein die Expedition wurde durch

eine Meuterei der Mannschaft vereitelt. Erst die zweite Expedition

war von Erfolg begleitet. Von 1150 jungen Brotfruchtpflanzen überstand

ein großer Teil die Reise. 550 derselben wurden im Januar 1793 in St.

Vincent gelandet, die übrigen -- außer fünf für den Garten von Kew

bei London bestimmten -- kamen nach Jamaika. Die Hoffnung, durch die

Brotfruchtbäume ein neues Nahrungsmittel für die Sklaven in Amerika

zu erhalten, verwirklichte sich aber nur sehr unvollständig; denn

jene zogen der Brotfrucht die besser schmeckende Banane vor, die roh

zu genießen ist, sich ebenso leicht anpflanzen läßt und eher Früchte

trägt. Auch dem Südseeinsulaner ist es nicht angenehm, daß er die

Brotfrucht erst noch zubereiten muß, ehe er sie essen kann. „Daher

träumt er sich“ -- sagt Forster -- „auch in seinem Paradiese eine

Brotfrucht, die keiner Zubereitung bedarf und frisch vom Baume weg

gegessen werden kann.“ Bei der Geburt eines Kindes pflanzt er einen

Brotfruchtbaum, der für das Kind allein bestimmt ist.

Auf dem indischen Festland, auf welches die Brotfrucht schon sehr

früh verpflanzt wurde, ist außer dem weichhaarigen Brotfruchtbaum

(~Artocarpus pubescens~) mit ebenfalls eßbaren Früchten, die noch weit

größere und äußerst wohlschmeckende Früchte reifen lassende Verwandte,

der nach der indischen Bezeichnung ~tschaka~ für die Frucht als

+Tschakfruchtbaum+ (~Artocarpus integrifolia~) zu Hause. Seine großen

Blätter sind ganzrandig und die bis 40 kg schweren Tschakfrüchte von

ebenfalls grüner Farbe besitzen innen ein außerordentlich aromatisch

schmeckendes, gelbes Fruchtfleisch, das Menschen und Tiere mit

Leidenschaft essen. Besonders die Rinder riechen die Früchte von

weitem und eilen herbei, um sich der von ihnen so geliebten Speise zu

bemächtigen; doch gönnt ihnen der Mensch gewöhnlich nur die Schale.

Der schon sehr lange domestizierte, in ganz Südindien, Ceylon und

Indonesien anzutreffende Baum scheint seine eigentliche Heimat an der

Malabarküste zu haben, wo er manchenorts noch wildwachsend angetroffen

wird. Im Jahre 1782 wurde er nach Jamaika, bald hernach nach Brasilien

und an die verschiedensten Orte der Tropen verpflanzt, wo er überall

wegen seiner aromatischen Früchte geschätzt wird.

Vielleicht noch mehr als sie geschätzt, sowohl von den Europäern als

auch ganz besonders von den Eingeborenen, wird die im malaiischen

Archipel und auf der Halbinsel Malakka heimische, jetzt aber auch

vielfach in ganz Süd- und Südostasien kultivierte +Durianfrucht+.

Auch sie wird über kopfgroß, ist mit derben, kegelförmigen Stacheln

besetzt und wird so schwer, daß der Aufenthalt unter dem hochwipfligen

Baum zur Zeit der Fruchtreife geradezu lebensgefährlich ist. Teils

deswegen, teils auch weil den reifen Früchten von den gefräßigen

Flughunden als Lieblingsnahrung sehr nachgestellt wird, nimmt man sie

meist vor der vollsten Reife ab. Der Geschmack des weichen inneren

Fleisches der fünfklappigen Kapsel ist der einer stark mit Fruchtäther

gewürzten süßen Eierkreme, die geradezu berückend wirkt. Dabei hat sie

aber leider einen Beigeschmack und vor allem einen Duft, der zwischen

faulen Eiern und sehr stark riechenden Zwiebeln schwankt. Deshalb

können sich viele Europäer nicht dazu entschließen, sie auch nur zu

versuchen. Jedenfalls ist der Genuß des Durians wegen des unangenehmen

Geruchs in guter Gesellschaft verpönt und es darf demselben in den

Hotels, wie auch in den Geschäftsräumen der Kaufleute nur in einem

besonderen Raume nachgegangen werden. Der die Durianfrüchte liefernde

Baum (~Durio zibethinus~) gehört zu den Malvengewächsen und stellt

einen hohen Baum mit länglichen, ganzrandigen, lederigen Blättern dar.

Sein Hauptverbreitungsgebiet ist das südliche Asien mit Einschluß von

Indonesien.

Mit dem Durian verwandt ist der durch seine massige Größe, besonders

des Stammes, der bis zu 10 m Durchmesser erreicht, ausgezeichnete,

in den Steppen Mittelafrikas häufig vorkommende +Affenbrotbaum+

(~Adansonia digitata~). Seine sehr großen, einen Umfang von 60 cm

erreichenden weißen Blüten werden durch die den Kolibris ähnlichen

Nektarinen oder Honigvögel im Fluge bestäubt, die emsig die Blumen

besuchen, um den von ihnen gespendeten Honig zu naschen und die sich

daran gütlich tuenden kleinen Insekten zu haschen. Die Früchte sind

oben dicke und unten dünnere gurkenartige Körper, von oft mehr als

40 cm Länge und 10 cm Dicke, die unter der hellen Schale, in einem

säuerlichen Marke große, schwarze Samen enthalten. Beide sind eßbar und

werden von den Negerstämmen verzehrt, die auch den Bast des Stammes

seit uralter Zeit als wichtiges Bindematerial, namentlich auch zur

Anfertigung von Stricken und dünnen Seilen, benutzen. In neuerer Zeit

gelangt derselbe in größeren Mengen in den europäischen Handel und

dient vielfach auch zur Herstellung eines dem alten Büttenpapiere

ähnlichen Papieres.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte · 第 21 / 77 段