bacaba~), die in ihrer Heimat überall um die Wohnungen der Eingeborenen
angepflanzt wird, von Wichtigkeit, da die gekochten und gepreßten
Früchte viel süßes Öl zum Küchengebrauche und zum Brennen und außerdem
ein beliebtes weinartiges, von den Indianern ~bakaba~ genanntes Getränk
liefern. An Nützlichkeit wird sie noch von der in Nordbrasilien und im
Orinokogebiet heimischen +Moritzpalme+ -- nach dem 1665 gestorbenen
Prinzen Moritz von Nassau, einem Beförderer der Botanik so genannt
-- (~Mauritia vinifera~) übertroffen, deren bis über 32 m hoher und
0,3-0,6 m dicker Stamm innen schwammig-weich ist und eine Art Sago
liefert, der in Scheiben geschnitten eine brotähnliche Speise gibt.
Fleisch und Kern der hühnereigroßen Früchte werden gegessen, der
durch Abschneiden der unentwickelten Blütenscheiden gewonnene süße
Saft liefert den betäubenden Palmwein der Guaraniindianer, während
die Oberhaut der Blätter vortreffliche Schnüre und Netze gibt und der
äußere Teil des Stammes als Nutzholz dient. Nach Alexander von Humboldt
ernährt diese Palme ausschließlich die im Mündungsgebiet des Orinoko
lebenden wilden Stämme der Guarani, welche sich Hängematten aus den
Blattstielen machen und dieselben zwischen den Stämmen ausspannen,
um in der Regenzeit, wenn das Mündungsgebiet des Flusses weithin
überschwemmt ist, ganz auf diesen Bäumen zu leben.
Nicht weniger nützlich ist für die Eingeborenen Chiles die +chilenische
Palme+ (~Jubaea spectabilis~), die einzige Palme Chiles und die
südlichste Amerikas, die auf ein kleines Gebiet der Küstenkordillere
vom Meeresstrand bis 800 m Höhe beschränkt ist. Sie erreicht 25 bis
28 m Höhe bei einem Stammdurchmesser von 1-2 m. Diese dickste
aller Palmen der Erde besitzt eine Krone von 50-60 2,5 m langen
Fiederblättern. Sie blüht erst in einem Alter von 60 Jahren, und
zwar fällt der Beginn der Blütezeit in den Oktober, den chilenischen
Frühling. Dann platzt die Hülle, die den Blütenstand einschließt, mit
lautem Knall. Der darin geborgene fleischige Blütenkolben entfaltet
gegen hundert Zweige, die zugleich mit männlichen und weiblichen
strohgelben, etwas rötlichen Blüten besetzt sind. Aus den weiblichen
entwickeln sich walnußgroße, apfelgelbe Steinfrüchte, deren den Kern
umhüllendes Fruchtfleisch an den Geschmack der Mispel erinnert. Die
Samenkerne, ~coquitos~ genannt, von denen ein einziger Baum in einem
guten Jahr 10000 zur Reife bringt, dienen als Ersatz für Mandeln und
sind namentlich in Peru sehr begehrt. Wie von allen Palmen werden
auch von ihr alle Teile ausgenutzt. Aus den Fasern des Stammes wird
eine zur Bedachung der Häuser geeignete Pappe gemacht, aus den
Fiedern der Blätter verfertigt man Körbe und Flechtwerk aller Art,
oder zerschleißt sie zu Polsterungsmaterial, die Mittelrippen werden
nach Europa exportiert und dort zu Spazierstöcken verarbeitet, aus
dem Stamme jedoch, wobei die Palme geopfert wird, gewinnt man den zu
Konfitüren der häuslichen Küche unentbehrlichen Palmenhonig (~miel de
palma~). Bestellt man in einem Restaurant Chiles beispielsweise einen
Pfannkuchen, so fragt der Kellner, der ihn serviert: „mit Zucker oder
Palmenhonig?“ Der Chilene zieht letzteren vor, der sich alsdann aus
der angebohrten Blechbüchse in dünnem, aber zähem gelbbraunen Strahl
auf das Gebäck ergießt. Zur Gewinnung dieses Palmenhonigs werden die
in Mittelchile noch in größeren Beständen wachsenden Palmen bevor der
Frühlingstrieb erfolgt in der Weise an der Wurzel gefällt, daß sie noch
durch einen Teil des Stammes mit dem Erdreich in Verbindung bleiben.
Dann wird das oberste Stammende nach Entfernung der Krone gekappt
und ein Gefäß darunter gestellt. Während des 6-8 Monate andauernden
Ausflusses von süßem Saft liefert sie insgesamt 300-400 Liter
desselben. Dabei muß nur von Zeit zu Zeit für eine neue Schnittfläche
gesorgt werden, da sich die alte mit der Zeit verstopft. Der Saft wird
dann auf Sirupdicke eingekocht. Eine Palme liefert 60-100 Liter Honig.
Im Innern Afrikas ist die +äthiopische Fächerpalme+ (~Borassus
aethiopum~), deren Stamm im zweiten Drittel angeschwollen ist, häufig
und wird auch teilweise von den Negern angepflanzt, da ihre kopfgroßen,
2-2,5 kg schweren Nüsse ihnen allgemein zur Nahrung dienen und
teilweise so wichtig sind wie die Datteln den Arabern. Auch die Triebe
der jungen Sämlinge werden roh gegessen.
Verwandt mit ihr und der Deleb- beziehungsweise Palmyrapalme (~Borassus
flabellifer~) ist die im Westgebiet des Indischen Ozeans heimische
+Seychellenpalme+ (~Lodoicea seychellarum~). Sie selbst ist noch
nicht sehr lange bekannt, während ihre bis 40 cm langen und 10 bis
13 kg schweren, vortrefflich zum Schwimmen über weite Meeresstrecken
eingerichteten, seltsam zweilappigen Früchte, deren Nährgewebe wie
dasjenige der Kokosnüsse schmeckt und gerne verspeist wird, schon im
Mittelalter in Indien und Hinterindien bekannt waren. Aus unbekannter
Ferne fand man sie bisweilen am Strande der Küste Vorderindiens
oder der vorgelagerten Inselgruppe der Malediven angeschwemmt. Kein
Mensch wußte zu sagen, woher diese merkwürdigen Gebilde kamen, und
so bildete sich die Sage aus, daß sie als eine Zauberfrucht am
Grunde des Meeres wüchsen. Deshalb nannte man sie Meerkokosnüsse
oder Wundernüsse Salomos, auch maledivische Nüsse, weil sie zumeist
von den Malediven nach dem indischen Festland in den Handel kamen.
Auf den Malediven mußte jede solche entdeckte Nuß als Eigentum des
Fürsten bei Todesstrafe sofort diesem gebracht werden, der sie dann
verschenkte oder verkaufte. Ihrer großen Seltenheit und geheimnisvollen
Herkunft entsprechend galt sie als ganz außerordentlich wertvoll und
man schrieb ihr die wunderbarsten Wirkungen zu. Besonders die Malaien
ließen sich daraus kostbare, wundertätige Trinkgefäße schnitzen. 1602
brachte der holländische Admiral Hermanson zuerst eine solche Nuß, die
er von einem indischen Fürsten geschenkt erhalten hatte, nach Europa,
wo ihr dieselben wunderbaren Kräfte wie in Indien zugeschrieben wurden.
Kaiser Rudolf II. (1552-1612) bezahlte für einen daraus geschnitzten
Becher, der als zauberkräftiger Talisman galt und heute noch in der
Schatzkammer des Kaiserhauses in Wien aufbewahrt wird, nicht weniger
als 4000 Goldgulden (im heutigen Werte von über 12000 Mark), eine
für die damalige Zeit ganz ungeheure Summe. Erst im Jahre 1769 wurde
gelegentlich einer vom Herzog von Praslin angeordneten Untersuchung
der Seychellengruppe auf einer winzig kleinen, nach Praslin benannten
Insel die Mutterpflanze in Gestalt der bis 40 m hohen Palme mit 7 m
langen und 4 m breiten Blattwedeln gefunden, und 1770 brachte ein
unternehmender französischer Kauffahrer diese Meernüsse in Menge
nach Kalkutta, wo er sehr gute Geschäfte damit machte. Später kamen
sie vielfach als Kuriosität in europäische Sammlungen. Daß die
Mutterpflanze getrenntgeschlechtig ist und nicht in dichten Beständen,
sondern zwischen den übrigen Urwaldbäumen zerstreut wächst, trägt nicht
wenig dazu bei, daß ihre Vermehrung nur überaus langsam fortschreitet.
Zudem brauchen die Früchte nicht weniger als sieben Jahre zum Reifen.
Erst ein Jahr nach dem Pflanzen derselben erscheint der Keimling, der
oft mehrere Meter unter der Bodenoberfläche dahinkriecht, bis er nach
oben hervorbricht. Bis ein Baum Blüten trägt, vergehen 30-40 Jahre.
[Illustration: Bild 15. Nuß der Seychellenpalme (~Lodoicea
seychellarum~). Nach dem Original im Baseler botanischen Institut.]
In Oberägypten häufig ist die 8-9,5 m hoch werdende +Dumpalme+
(~Hyphaene thebaica~), eine der wenigen Palmen, deren Stamm
sich 3 bis 4mal gabelt. Sie kommt in verschiedenen Arten in ganz
Afrika vor. Die etwa die Größe und Form einer Birne erreichenden
bräunlichgelben, völlig glatten Früchte besitzen um die harten
Samen ein süßes, wohlschmeckendes Fruchtfleisch, das besonders die
Affen und Elefanten, aber auch die Menschen sehr lieben. In manchen
Gegenden, so beispielsweise im Ambolande, bilden die Früchte dieser
„Pfefferkuchenpalmen“ ein sehr wichtiges Nahrungsmittel. Auch in
Ägypten gelangen sie heute noch wie zur Zeit der ältesten Dynastien zum
Verkauf. Die alten Ägypter aßen sie mit Vorliebe und gaben sie ihren
Toten als Wegzehrung mit. So finden wir sie häufig als Grabbeigaben,
besonders der 12. Dynastie seit dem Beginne des vorletzten Jahrtausends
v. Chr. Die Dumpalme hieß bei den Ägyptern ~mama~ und deren Früchte
~kuku~. Aus den Blättern wurden Sandalen hergestellt, deren sich
mehrere erhielten, so eine im Museum in Florenz.
Eine neuerdings auch bei uns eingeführte, äußerst wertvolle
Tropenfrucht sind die +Bananen+ oder +Paradiesfeigen+, auch +Pisang+
genannt. Diese mit den Liliengewächsen verwandten Pflanzen stellen
die Riesen unter den Stauden dar, indem ihr krautiger, nach außen
ausschließlich von dicken Blattscheiden gebildeter Stamm 6 bis zu
10 m Höhe erreicht. Nur wenn die Pflanzen als Abschluß ihres Daseins
zur Blüte gelangen, durchwächst dann im Innern ein solider Körper als
sogenannter Krautstamm den Stengel. Die außerordentlich großen, 3-4 m
langen und 60-90 cm breiten, saftig grünen Blätter besitzen eine sehr
starke Mittelrippe, von der sich parallele Seitennerven abzweigen,
zwischen denen sie der Wind oft arg zerschlitzt.
Die Bananenstaude bringt nur +ein+ Fruchtbüschel hervor, das aber
mit seinen Früchten 30-50 kg schwer wird und 60-100, bei einigen
Abarten bis 300 Einzelfrüchte enthält. Nachdem die Frucht gereift
ist, stirbt die Pflanze ab. Die Blüten brechen nach Beendigung des
Größenwachstums der Pflanze hervor und sitzen an einem bis 1,5 m
langen, meist hängenden Kolben, und zwar in 12-16 Ringen von je 15-20
fruchtbaren weiblichen Blüten, von denen jede mit einem großen, roten,
blauen oder violetten Deckblatte umgeben ist. Diejenigen der oberen
Scheiden, die am weitesten herabhängen, sind männlich und fallen nach
dem Verblühen samt den Blätterscheiden ab, während der Achsenteil, an
dem sie befestigt waren, erhalten bleibt und auch später noch weit über
den reifen Fruchtstand hinausragt. Dann folgen einige unfruchtbare
Zwitterblüten und darunter erst die fruchtbaren weiblichen, die nach
der Befruchtung die 20-30 cm langen und 5-8 cm dicken, schön gelb bis
rot gefärbten, sechskantigen, nicht aufspringenden Früchte hervorgehen
lassen. Diese gurkenförmig länglichen, sichelförmig gekrümmten,
ursprünglich dreifächerigen, weichen Beeren weisen bei sämtlichen
kultivierten Sorten als Zeichen einer uralten Kultur, bei der alles
Gewicht auf die möglichst reiche Entwicklung des Fruchtfleisches
gelegt wurde, keinerlei Samen mehr auf, so daß diese Kulturpflanze
sich nur noch durch Stecklinge fortpflanzt. Bei der wildwachsenden
südasiatischen Stammpflanze sind sie gedrückt kugelig, während sie bei
den kultivierten Arten zugunsten des Fruchtfleisches unterdrückt wurden
und nur noch als dunkle Punkte zu erkennen sind. Die Bananenfrüchte
schmecken, wie sich ein jeder von uns wohl selbst zu überzeugen
vermochte, wie mehlige, sehr aromatische Birnen und besitzen einen
außerordentlich hohen Nährwert.
Mit der vollständigen Entwicklung der Blüte hat das Wachstum der Banane
sein Ende erreicht, mit der Reife der Früchte stirbt der Schaft und
wird vom Menschen umgehauen, entwickelt aber neue Nebensprossen. Die
Lebensdauer beträgt je nach Boden, Klima und Eigenschaft der Spielart 9
Monate bis 3 Jahre, ist aber unter günstigen Lebensverhältnissen meist
nicht länger als 12-14 Monate. Beträgt sie unter dem Äquator 9 Monate,
so nimmt dieser Zeitraum in demselben Verhältnisse zu, je weiter vom
Äquator entfernt die Kultur dieser Obstpflanze getrieben wird.
Tafel 31.
[Illustration: Die aus dem südlichen China stammende Fächerpalme
~Livistona chinensis~ mit Früchten in einem Garten in Kamerun. Die auch
als Latanenäpfel bezeichneten Früchte besitzen unter der dünnen, sich
leicht ablösenden Schale ein schmackhaftes Fleisch. Diese Palme wird
wie andere niedere Schirmpalmen häufig als Zimmerpflanze kultiviert.]
Tafel 32.
[Illustration: Bananenpflanzung auf Jamaika.
Verladung von Bananen ins Schiff auf Jamaika.]
Der +gemeine Pisang+ (~Musa paradisiaca~) hat einen schlankeren Wuchs,
schmalere Blätter und längere, aber weniger schmackhafte Früchte als
der +Bananenpisang+ oder die eigentliche +Banane+ (~Musa sapientum~).
Von beiden Arten gibt es sehr viele Varietäten (in Amerika allein
440), neben +Obstbananen+ auch solche, die sich nur zum Kochen und
Backen eignen. Man nennt diese +Mehlbananen+. Aus ihnen, die roh ein
herbes Fruchtfleisch aufweisen und nur gekocht schmecken, kann ein
Mehl erhalten werden, daß in einigen Gegenden Afrikas, z. B. am Albert
Edward Nyansa, ein wichtiges Nahrungsmittel bildet. Anderswo wird
aus den unreifen Bananen ein Mehl bereitet, aus dem man Bananenbrot
bäckt. In manchen Gebieten Afrikas ernährt sich die Bevölkerung beinahe
ausschließlich von Bananen, und auch in Mittel- und Südamerika wie
auch auf den Südseeinseln bilden sie roh, geröstet oder gekocht die
Hauptnahrung des Menschen. Aus dem Safte der sehr zuckerhaltigen
Obstbanane wird auch ein sehr angenehmes, kühlendes Getränk von
weinartigem Geschmack hergestellt, das frisch süß und moussierend
schmeckt, bei längerem Stehen jedoch säuerlich wird und durch
alkoholische Gärung stark berauschend wirkt. Um diesen Bananenwein
noch stärker und gehaltreicher zu machen, wird ihm vielfach, so in
Ostafrika, geröstetes Kafferkorn oder Durra (~Andropogon sorghum~) mit
Wasser beigefügt. Das Herz, d. h. das Mark des Stammes und die jungen
Schosse dienen in der mannigfaltigsten Zubereitung als beliebte Speise,
die saftigen Blattscheiden und der noch nicht erhärtete Wurzelstock
werden von den Negern gegessen und aus dem Schafte der Blätter, der als
Wasserreservoir dient, kann ein trinkbares Wasser herausgepreßt werden.
Im Süden Chinas werden die Blüten zu einem geschätzten Salat verwendet.
Die großen Blätter dienen zum Decken der Hütten, zu Sonnenschirmen, als
Teller zum Auftragen der Speisen und dergleichen. Einige Male langsam
durch die Glut eines gelinden Feuers hin- und hergezogen, werden sie
weich und geschmeidig wie Papier und dienen dann als ein vorzügliches,
wasserdichtes Packmaterial, in denen man beispielsweise die Tabake von
Manila versendet. Die Blattscheiden enthalten Fasern, die seit den
ältesten Zeiten zu Matten, Stricken und anderem Flechtwerk, sowie zu
Geweben und zu Zunder verwendet werden. Aus dem Schafte aber wird eine
Art Hanf bereitet, der auf den Philippinen von der dort zur Gewinnung
des sogenannten Manilahanfes in ausgedehntem Maßstabe gepflanzten
Faserbanane (~Musa textilis~), in Vorderindien und in Ozeanien, auch
von ~Musa sapientum~, auf den Antillen, in Guiana und Angola von ~Musa
paradisiaca~ und in Neusüdwales auf der vor kurzer Zeit aus Abessinien
dort eingeführten ~Musa ensete~ gewonnen wird.
Da nun der Schaft der Banane nach der Bildung der Früchte allmählich
abstirbt, keimfähige Samen aber nicht ausgebildet werden, so beruht
die Erhaltung und Vermehrung der Art allein auf der Tätigkeit
des Wurzelstocks, der sich durch die reichliche Entwicklung von
Seitensprossen, sogenannten Schößlingen, auszeichnet. Hat eine
Banane Frucht getragen, so wird sie meist über der Wurzel abgehauen,
um das Mark derselben zum Essen zu verwenden. Von den während der
Entwicklung des Schaftes, bis die Fruchtbildung sich vollzogen hatte,
unterdrückten Schößlingen läßt man gewöhnlich nur zwei gegen das Ende
der Fruktifikation des Hauptstammes zur Weiterentwicklung gelangen und
schlägt dann den schwächeren mit dem ausgedienten Haupttrieb ab. Die
Vermehrung der Bananen erfolgt ausschließlich durch solche Schößlinge,
welche man in der Nähe ihrer Basis von der Mutterpflanze abschneidet
und in mit altem, gerottetem Mist gedüngte, etwa 30 cm tiefe
und ebenso breite Pflanzlöcher steckt, wo sie so weit mit Erde bedeckt
werden, daß nur etwa 5 cm des Schößlings frei herausragt.
Die Banane stellt eine der schönsten und anmutigsten Pflanzenformen
dar, die neben den Palmen das Hauptmotiv jeder vom Menschen bewohnten
Tropenlandschaft bildet und überall um die Hütten der Eingeborenen
gepflanzt wird. Als ursprüngliche Küstenpflanze liebt sie die von der
Seeluft erreichte Niederung. Nicht als ob sie nur in der Nähe des
Meeres fortkäme; sie erreicht aber da ihre üppigste Entwicklung. Außer
Wärme und Feuchtigkeit, die um so größer sein müssen, je höher die
betreffende Spielart wird, verlangt sie einen geschützten Standort;
denn ihr schlimmster Feind ist der Wind, der ihre großen Blätter bis
auf die Mittelrippe in lauter schmale Streifen spaltet. Wenn nun
dieser Vorgang immer wieder, bei allen sich neu entwickelnden Blättern
wiederholt wird, so büßt die Staude sehr an der Fähigkeit ein, Früchte
zu erzeugen und verliert sie schließlich ganz. Wird ihr solcher Schaden
in erheblichem Maße vor der Blüte zuteil, so treibt sie überhaupt
keine Blüte; hat sich bereits ein Fruchtbündel angesetzt, so reift es
unvollkommen aus. Auch wird sie leicht vom Sturme geknickt. Deshalb
müssen da, wo nicht Bodenerhebungen Schutz gewähren, tiefwurzelnde
Bäume als Windbrecher gepflanzt werden. Der Boden muß reich an
Nährsalzen sein, und zwar sagt feuchter, tiefgründiger und humusreicher
Lehmboden der Pflanze am besten zu. Deshalb findet sich die Banane
vorzugsweise an den Flußläufen angepflanzt, wo sie zugleich die für sie
nötige Bodenfeuchtigkeit findet. In solcher Weise kultiviert, liefert
sie zwölf Monate nach dem Setzen eines Schößlings eine Fruchttraube von
30-40 kg Gewicht, die gelegentlich auch, wie gesagt, auf 50 kg steigen
kann.
Die Kultur der Banane ist sehr einfach. Man pflanzt die Schößlinge 2 m
weit auseinander, am liebsten am Rande von sumpfigen Wassern. Ungefähr
8 Monate nach der Anpflanzung erscheint ein dunkelvioletter Knoten an
dem Punkt, wo sich die obersten Blätter trennen. Bald tritt er frei
aus seiner Umgebung hervor, an einem langen Stiele hängend, der sich
beugt unter dem Gewichte der inzwischen entwickelten, die Form eines
zugespitzten Eies aufweisenden Blütenhülle. Kaum zur vollen Größe
ausgebildet, öffnet sich ein Blatt dieses Blütenkolbens und rollt sich
bis zur Basis zurück, indem es eine Reihe von 5-6 Blüten dem Blicke
freilegt. Danach entfalten sich die übrigen Blätter der Blütenhülle
eins nach dem andern, bis schließlich 20-30 Blütenbündelchen aufgedeckt
sind, die alle an dem einen Stiele hängen. Wenn die Blätter der
Blütenhülle verwelken und abfallen, beginnen die Fruchtknoten zu
schwellen, und von da bis zu ihrer Reife vergehen 3-4 Monate. In dieser
Zeit wendet sich die Nahrungszufuhr der Pflanze auf die zahlreichen
Früchte, deren Haupternte vom Januar bis Mai stattfindet. Da aber die
Banane bereits lange vor der Blüte, wenn sie erst einige Meter hoch
ist, neue Schößlinge aus ihrem Wurzelstocke hervortrieb, von denen man
allerdings in geordneten Plantagen nur zwei stehen läßt, damit nicht
ein undurchdringlicher Wald entstehe, und diese später blühen und
Früchte zeitigen, so kommt es, daß man immer Blüten und Früchte auf
einer Bananenpflanzung findet. Einzig in den Gegenden, in denen eine
längere Trockenzeit herrscht, läßt die Fruchtreife in dieser Zeit nach,
so daß manchenorts die Tropenbewohner, die sich fast ausschließlich von
ihr ernähren, bisweilen kurze Zeit ohne Bananen sind, da sich diese
fleischigen Früchte nicht längere Zeit aufbewahren lassen, selbst wenn
man sie noch grün abschneidet. Weil sie leicht verderben und auch
viele Liebhaber unter der Tierwelt besitzen, so besonders Affen, dann
unter den Vögeln namentlich die prächtig gefärbten, bis 50 cm langen
Bananenfresser (~Musophagae~) und verwandte Arten, dann Eichhörnchen,
Fledermäuse, verschiedene Insekten und andere, werden die Früchte vor
der völligen Reife, wenn sie noch grüngelb sind, geerntet und die
Fruchttrauben unter Dach zur vollständigen Reife gebracht. Dabei färbt
sich die äußere Fruchtschale der Banane goldgelb, des gemeinen Pisang
purpurrot bis schwarz, wobei das Fruchtfleisch mehr und mehr erweicht
und sich die Stärke desselben ganz in Zucker verwandelt. Es gibt keine
andere Pflanze, die auf so kleinem Raum mehr Nahrungsstoff bietet als
die Banane, die auf derselben Grundfläche 3½mal mehr Nahrungsstoff als
die Kartoffel und 15mal mehr als der Weizen liefert. Dabei erneuern
sich die Stauden, die nur kurze Wurzeln besitzen, weshalb sie einzeln
stehend leicht vom Sturme zu Boden geworfen werden, aus dem Wurzelstock
60-80mal. In der glühenden Sonnenhitze und bei der größten Trockenheit
beschatten und befeuchten sie den Boden selbst und bewirken durch
die bedeutende nächtliche Wärmeausstrahlung ihrer riesigen Blätter
ein Sinken der Temperatur um 5° C., so daß sich infolgedessen der
Wasserdunst der Atmosphäre auf ihnen verdichtet, in großen Tropfen
zusammenfließt, am Schafte niedersickert und die Erde rings um die
Wurzeln anfeuchtet, als ob sie begossen sei. Nur den einen Nachteil
hat sie, eben als Folge ihrer außerordentlichen Leistungsfähigkeit,
daß sie den Boden in hohem Maße aussaugt. Deshalb schlägt man die
Pflanze nach der Ernte ihrer Fruchttraube nieder, zerschneidet sie in
Stücke und düngt damit den stehengebliebenen Wurzelstock mit den neuen
Töchterpflanzen.
Die Banane ist wohl eine der ältesten Fruchtpflanzen, die der
innerhalb der Tropenzone aus der Tierheit hervorgegangene Mensch
in seine Pflege nahm, da sie sehr rasch wuchs und ihm mühelos
in kürzester Zeit reichen Ertrag brachte. Ihre Heimat ist die
südostasiatische Inselwelt, von wo aus sie ihrer vorzüglichen Früchte
wegen vom Menschen schon in vorgeschichtlicher Zeit fast über die
ganze Tropenwelt verbreitet wurde. Jedenfalls wurde sie bei der
Entdeckung Amerikas wenigstens auf der Westseite dieses Kontinents,
besonders in Mittelamerika und Peru, angepflanzt gefunden, was
bei der gelegentlichen Verschlagung malaiischer Schiffe an dieses
Gestade schließlich auch kein Wunder ist. Der Peruaner Garcilasso
de la Vega, ein Nachkomme der Inkas, der in den Jahren 1530-1568
lebte, sagt in seinen spanisch geschriebenen ~Commentarios reales~
ausdrücklich, daß zur Zeit der Inkas in den gemäßigten Regionen der
Mais, die Quinoapflanze, die Kartoffel, und in den heißen die Bananen
den Hauptbestandteil der Nahrung der Eingeborenen ausmachten. Noch
andere Autoren führt Alexander von Humboldt in seinem französisch
geschriebenen Buche „Neuspanien“ an und sagt selbst, daß an den
Ufern südamerikanischer Ströme bei Indianerstämmen, die in keinerlei
Beziehungen mit europäischen Niederlassungen gestanden haben, neben den
Maniok- auch Bananenpflanzungen anzutreffen gewesen seien. Auch hat der
amerikanische Geschichtsforscher Prescott alte Werke oder Handschriften
gesehen, denen zufolge die Bewohner von Tumbez an der Küste von Peru
dem dort 1531 landenden Pizarro Bananen als Gastgeschenk brachten. Wenn
nun auch nach diesen allerdings nicht absolut beweisenden Zeugnissen
die Banane in Amerika vor der Invasion der Spanier höchstens an
der Westküste jenes Kontinents zu finden war, so hat sie zur Zeit
der Entdeckung Amerikas sicher in Westindien und im nordöstlichen
Südamerika gefehlt. Dort wurde sie sehr früh von den Portugiesen
eingeführt, und zwar war es der Pater Thomas de Berlengas, der sie im
Jahre 1516 von den Kanarischen Inseln nach San Domingo brachte, von wo
sie auf die übrigen Antillen und später auch nach Brasilien gelangte,
so daß sie jetzt allenthalben zu finden und auch verwildert ist.