Von großer Bedeutung für sämtliche Südasiaten und Indonesier ist die

ursprünglich in Südasien heimische +Arekapalme+ (~Areca catechu~), die

wegen ihrer diesen Menschen als Genußmittel unentbehrlichen Nüsse in

den Tropen daselbst häufig angepflanzt wird. Es ist dies eine wunderbar

zierliche Palme von 10-20 m Höhe mit dünnem, kerzengeradem, weißem

Stamm und einer Krone von dunkelgrünen Fiederblättern, deren einzelne

Fiedern etwas nach aufwärts gebogen sind, und leicht vom Winde bewegt

werden, so daß die bilderreiche indische Dichtung diese Palme mit einem

von der Gottheit in die Erde geschossenen Pfeile vergleicht, dessen

Kielfedern noch vom Fluge erzittern. Viele Europäer bezeichnen sie als

die anmutigste aller asiatischen Palmen, ja manche als die schönste

der Palmen überhaupt. Das Wichtigste und Wertvollste an ihr sind die

an einem nahezu 0,5 m langen Kolben erzeugten, im reifen Zustande

orangefarbenen Früchte von der Größe kleiner Hühnereier, die unter

einer glatten Außenhaut eine dicke, faserige Mittelschicht und unter

dieser eine gelbliche, dünne Schale besitzen, an welcher der Same

fest angewachsen ist. Letzterer ist sehr hart und enthält ein weißes,

von fast bis zum Zentrum eindringenden schwarzen Platten durchzogenes

Nährgewebe, das sehr reich an einem Katechu genannten Gerbstoff

ist, der als solcher daraus gewonnen und in großen Mengen ausgeführt

wird. Noch viel wichtiger aber ist ihr Gebrauch als Genußmittel der

Eingeborenen. Die Nuß ist nämlich ein wesentlicher Bestandteil des

„Betels“, der in ganz Süd- und Ostasien mit Leidenschaft von jedermann

gekaut wird. Man wickelt zu diesem Zwecke ein Stückchen derselben in

das Blatt des Betelpfeffers (~Piper betel~) ein, fügt etwas gelöschten

Kalk, dann Gambir und eventuell Gewürze wie beispielsweise Kardamomen

hinzu und kaut dies wie die Arbeiter und Matrosen bei uns den

Priemchentabak. Durch den Reiz dieses Gemisches werden große Mengen

eines roten Speichels ausgeschieden, der Zahnfleisch und Zähne rot

färbt und jene Betelkauer zu Virtuosen des Spuckens gemacht hat, die

darin höchstens durch die gumkauenden Yankees übertroffen werden.

Die Arekapalme gedeiht sowohl in Meereshöhe, wo sie häufig im Verein

mit der Kokospalme gezüchtet wird, als auch in größeren Erhebungen,

wenn auch selten über 1000 m über Meer. Sie ist seit unvordenklicher

Zeit über ganz Südasien verbreitet und, da sie im wilden Zustande nicht

mehr vorzukommen scheint, ist es unmöglich, mit absoluter Sicherheit

ihre engere Heimat festzustellen. Doch kann kaum ein Zweifel darüber

bestehen, daß dies die Sundainseln sind. Zur Gewinnung der ihnen

geradezu unentbehrlichen Arekanüsse wird sie von den Eingeborenen

jeweilen in nur wenigen Exemplaren um ihre Wohnungen gepflanzt. Die

Früchte fallen erst nach der Vollreife von den Fruchtzapfen ab. Unter

besonders günstigen Umständen beträgt die Jahresproduktion einer Palme

800 Früchte, doch können durchschnittlich nicht mehr als 250-300

angenommen werden. Die Tragbarkeit beginnt im fünften und endet

gewöhnlich im dreißigsten Jahre. Ausgedehnte Arekapalmenplantagen

gibt es auf Ceylon, das außer seinem eigenen großen Verbrauch etwa 13

Millionen kg davon jährlich ausführt, dann besonders in Nordindien

und auf der Halbinsel Malakka. Neuerdings wird sie auch auf den

Philippinen, in Neuguinea, ganz Indonesien und Ostafrika für den Export

angepflanzt; denn für mehrere hundert Millionen Menschen ist ihr Genuß

zum Kauen ein geradezu unentbehrliches Reizmittel, dem sie so wenig als

die Gewohnheitsraucher dem Tabak entsagen würden.

Die Betelnüsse werden gepflückt, bevor sie vollständig reif sind,

in dem Zustande nämlich, in welchem die unter der faserigen Hülle

liegende Schale noch nicht ganz verhärtet ist. Für die Beurteilung

ihrer Güte ist die Größe durchaus nicht maßgebend, sondern nur das

Aussehen des aufgeschnittenen Kerns. Wenn der weiche, markige Teil,

der den härteren roten Teil durchsetzt, eine bläuliche Schattierung

besitzt und der rote, gerbstoffhaltige Teil tiefrot ist, wird die Nuß

für erste Qualität erklärt. Wenn aber der markige Teil weiß ist und zu

sehr vorherrscht, was der Fall ist, wenn sie zu reif geworden ist, so

besitzt sie dann nicht mehr den gewünschten, stark zusammenziehenden

Geschmack und wird daher als geringwertig betrachtet. Meist werden

die Nüsse, nachdem sie von ihrer faserigen Hülle befreit wurden, mit

einem scharfen Messer halbiert und an der Sonne getrocknet. Manchmal

werden die Halbstücke vor dem Trocknen gekocht. Am geschätztesten ist

der Artikel, wenn er in folgender Weise hergestellt wurde. Die -- also

unreif -- geernteten Nüsse werden enthülst und in wenig Wasser gekocht.

Dabei entsteht eine rote, dicke, gallertige Brühe, die eingedampft und

getrocknet wird. Sie dient zum Einreiben der Nüsse, nachdem dieselben

in Stücke geschnitten und an der Sonne getrocknet wurden. Die Stücke

werden dadurch glänzend schwarz und in dieser Zubereitung als eine

Delikatesse ersten Ranges betrachtet. Auch ungeschnitten werden die

Nüsse zuweilen getrocknet, im übrigen aber nach demselben Verfahren

behandelt. Der Verbrauch an den Produktionsorten der Nüsse geschieht

häufig ohne jede Zubereitung oder nach einem kurzen Einweichen in

heißem Wasser.

Die Kultur der Betelpalme erfolgt wie diejenige der Kokospalme. Oft

werden beide Palmen durcheinander auf demselben Grundstücke angebaut.

Die frischen Nüsse von bester Beschaffenheit werden in Saatbeeten in

Abständen von 20-30 cm zum Keimen gebracht. Wenn sie 1-1½ Jahre alt

sind, werden sie in der Hauptregenzeit auf ein Feld 3 m auseinander

ausgepflanzt, in welchem vorher Bananenstauden als Schattenspender

wachsen gelassen wurden. Später ist den Arekapalmen die volle

Sonnenbestrahlung sehr dienlich und man pflanzt sie sogar häufig als

Schattenspender für Kakao, Betelpfeffer und andere Nutzpflanzen. Wenn

auch ihre Krone voll der Sonne ausgesetzt sein soll, so liebt sie doch

einen Boden, der durch Beschattung frisch und kühl erhalten wird. In

Anbaugebieten dieser Palme mit langen Trockenzeiten ist eine mehrmalige

gründliche Bewässerung der Arekaanpflanzung während der Trockenzeit

nötig.

Als Nahrungspflanze sehr wichtig für die Bewohner der Molukken und

von Neuguinea sind die verschiedenen ostindischen +Sagopalmen+, die

im Innern des Stammes eine große Menge Stärkemehl als Reservevorrat

aufspeichern, um am Ende ihres Lebens den mächtigen Blütenstand

aufzubauen und die Früchte reifen zu lassen. Die wichtigste derselben

ist die gesellig wachsende, 8-12 m Höhe bei einem Durchmesser von

0,6-1,5 m erreichende echte +Sagopalme+ (~Metroxylon rumphii~, nach

dem 1627 in Hanau geborenen und 1702 gestorbenen Rumphius benannt, der

lange auf der Insel Amboina lebte und diese Palme zuerst beschrieb).

Sie treibt im Alter von 10-12, ausnahmsweise auch 15 Jahren,

schwachrötliche Blüten in großer Menge an einer gewaltigen, die Palme

überragenden, endständigen, vielfach verzweigten Blütenrispe. Je mehr

die Früchte ihrer Reife entgegengehen, desto mehr schwindet natürlich

das Stärkemehl aus dem Stammkern, da es ja zur Fruchtbildung verwandt

wird. Sobald die pflaumengroßen, von einem gelbbraunen, glänzenden

Schuppenpanzer umgebenen trockenen Früchte reif sind, ist der

Stärkevorrat erschöpft, doch lebt der Baum noch einige Jahre weiter und

stirbt im 20. bis spätestens 25. Lebensjahre.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der ihr nahe verwandten ~Metroxylon

sagus~, die im Gegensatz zu der vorgenannten keine Dornen an den

den Blattstiel umgebenden Blattscheiden trägt. Diese +unbewehrte

Sagopalme+, wie man sie im Gegensatz zur vorgenannten dornigen nennen

könnte, birgt weniger und geringwertigeres Stärkemehl. Während erstere

mehr auf den Molukken und in Neuguinea wächst und neuerdings auch,

seitdem eine größere Nachfrage nach Sago vorhanden ist, anderwärts

angepflanzt wird, wird die dornige Sagopalme mehr im westlichen Teil

des malaiischen Archipels, namentlich auf Borneo, Sumatra und Java,

wild und kultiviert angetroffen und liefert weitaus den größten Teil

des von Singapur aus in den Welthandel gelangenden Sagos.

Kurz bevor nun die Sagopalmen zu blühen beginnen, werden sie etwa

im 9. oder 10. Jahre zur Gewinnung des in ihnen in reicher Menge

angesammelten körnigen Stärkemehls gefällt und in 2-3 m lange Blöcke

zersägt, die sich leicht aufspalten lassen. Der dadurch freigelegte,

ziemlich feste Kern wird in großen Schollen losgebrochen und diese

werden in einem Troge zu grobem Mehl zerstampft. Dieses Mehl wird nun

zur Ausscheidung der Fasern mit Wasser vermischt und durch ein Sieb in

einen andern Trog gegossen. Nachdem sich das Stärkemehl auf dem Boden

niedergeschlagen hat und das Wasser abgelassen wurde, wird es in den

ersten Trog zurückgeschaufelt, mit Wasser vermischt und nochmals durch

das Sieb getrieben. Dieses Verfahren wird ein drittes und manchmal

noch ein viertes Mal wiederholt. Dann ist die Reinigung vollzogen und

das Stärkemehl für den Gebrauch für die Eingeborenen fertig, die sich

fladenartige, dünne Brote daraus herstellen und sie als Zukost zu ihren

Fischen oder anderer tierischer Kost essen.

Zur Herstellung des +Sagos+ -- das Wort stammt aus dem Malaiischen und

heißt eigentlich ~sagu~, was „eßbares Mehl“ ohne nähere Bezeichnung

der Herkunft bedeutet -- wird das sich nach dem Schlämmen absetzende

Mehl, wenn halb getrocknet, zerstoßen und durch ruckweises Hin- und

Herschütteln in einem Tuche, das an zwei von der Decke des Schuppens,

in dem die Zubereitung stattfindet, herabhängenden Seilen befestigt

ist, zu kleinen, als „Perlen“ bezeichneten Kügelchen geformt. Die diese

Arbeit verrichtenden Leute müssen besonders geschickt sein, da von der

Art des Schüttelns die Größe der Sagokügelchen abhängt. Diese werden

dann durch Siebe mit verschiedenen Maschen gesondert, in heißen Schalen

unter beständigem Rühren schwach geröstet und dann, auf großen Öfen

ausgebreitet, bei mäßiger Hitze vollständig getrocknet. Der Sagoertrag

eines einzelnen Baumes schwankt je nach der Gründlichkeit der Gewinnung

-- meist ist sie eine sehr oberflächliche -- zwischen 200 und 350 kg.

Die Gesamtmenge des jährlich von Singapur aus in den Handel gebrachten

Sagos wird auf 50 Millionen kg berechnet. Noch weit mehr konsumieren

die Eingeborenen, die zum großen Teil davon leben.

Die Sagopalme wird besonders in sumpfigen Talgründen, den Wasserläufen

entlang, angepflanzt. Eine kräftige Sagopalme erzeugt 300-400 kg

Stärkemehl. Dabei erneuert sich die Anlage von selbst, indem man von

jedem Baum, nachdem er gefällt ist, einen Schößling treiben läßt,

der seine Stelle einnimmt. Dieser ist meist nach 8 bis 10 Jahren

schlagreif und verlangt keinerlei Pflege. Die ersten Sagoproben

brachte der weitgereiste Venezianer Marco Polo (1256-1323) 1295 nach

Venedig. Aber erst durch die Portugiesen kam die Ware seit dem 16.

Jahrhundert in den Handel. Da man aber in neuerer Zeit fand, daß Sago

nur ein reines Stärkemehl ist, so bereitet man aus dem Stärkemehl

der Kartoffel deutschen Sago, der denselben Nährwert besitzt. Jetzt

wird die Sagopalme außer in ihrer Heimat noch an vielen Orten der

Tropen, besonders auch in Westindien, kultiviert. In derselben Weise

werden auch verschiedene Verwandte des echten Sagobaumes ausgebeutet.

Ein minderwertiges, nicht in den Handel gelangendes Sago gewinnt man

übrigens auch aus dem Marke der kürzeren, plumpen Stämme verschiedener

+Farnpalmen+, deren einfach gefiederte, große, lederartige Blätter an

Stelle der eigentlichen Palmenwedel unter dem Namen Palmenzweige bei

Leichenfeierlichkeiten verwendet werden.

Eine der berühmtesten Palmen ist die 20-25 m hohe fächerblättrige

ostindische +Talipotpalme+ (~Corypha umbraculifera~), die in den

feuchtesten Strichen Ceylons und des Festlandes wächst und zur

leichteren Wasserverdunstung gewaltige Blätter von 7-8 m Länge und

5-6 m Breite entwickelt. Unter einem solchen Blatte können zehn

Personen mit Leichtigkeit Platz und Schutz finden. So ist es nicht

zu verwundern, daß die Eingeborenen sich aus ihr sehr zweckmäßige

Sonnen- und Regenschirme herstellen, die sich die Vornehmen unter

ihnen, besonders die Häuptlinge, von ihren Dienern über den Kopf halten

lassen. Auch zum Decken der Häuser werden sie benutzt, während die

Blattknospen als Palmkohl gegessen werden und man aus dem Stamm eine

geringe Sorte Sago gewinnt. Jahrzehnte hindurch sammelt diese Palme

das nötige Nährmaterial, um am Ende ihres Lebens den außerordentlich

mächtigen, Tausende von weißen Blüten tragenden, reich verzweigten

Blütenstand hervorzubringen und dann, nach der Fruchtbildung,

abzusterben. Auf die in Längsstreifen gespaltenen Blätter ritzen

die Inder und Singhalesen mit eisernen Griffeln ihre Schrift ein.

Alle heiligen Schriften der Buddhisten Ceylons bestehen aus solchem

Schreibmaterial, das zu Büchern aufeinandergelegt und durch Schnüre

zusammengefaßt wird. Die Blattfasern dienen zu Stricken usw. Das weiche

Holz des Stammes wird kaum benutzt, dagegen dient das innere Mark

besonders in Zeiten der Not zur Gewinnung von Sago. Ähnlich, nur noch

vielseitiger, ist die Verwendung der nahe verwandten +Gebangpalme+

(~Corypha gebanga~) der Sundainseln. Eine andere Verwandte, die

ebenfalls in Vorder- und Hinterindien heimische +Kitulpalme+ (~Caryota

urens~) liefert namentlich Fasern und durch Ausschneiden der sich zum

Auftrieb bereitenden Blütenstände einen süßen Saft in solcher Menge --

bis über 50 Liter in 24 Stunden --, daß nicht nur Palmwein, sondern

durch Eindampfen auch bräunlicher Palmzucker (~tschakara~) daraus

gewonnen wird.

Zur Palmweingewinnung von etwas geringerer Güte dient auch eine andere

Fächerpalme, die überall im feuchtwarmen Gebiete des tropischen Afrika

als +Delebpalme+ und in Südasien und der asiatischen Inselwelt in einer

wenig verschiedenen Abart als +Palmyrapalme+ (~Borassus flabellifer~)

gedeiht. Die stattliche, durchschnittlich 20 m Höhe erreichende Palme

ist in ihrer afrikanischen Abart dadurch ausgezeichnet, daß der

Stamm in seinem oberen Teile bauchig angeschwollen ist, was bei der

südasiatischen Form durchaus fehlt, indem der Stamm der letzteren

durchwegs zylindrisch ist und sich nach oben hin etwas verjüngt.

Sie ist wie die meisten Palmen von der größten Nützlichkeit für die

Eingeborenen, die alles an ihr benutzen. Neben der Kokospalme ist

sie, die von den Malaien ~lontar~ genannt wird und durch die ganze

indonesische Inselwelt bis Neuguinea vorkommt, die Hauptnutzpalme

besonders Ostindiens, und ein uraltes indisches Lobgedicht auf sie

zählt nicht weniger als 801 Nutzanwendungen von ihr auf. Sie ist für

Ostindien deshalb so bedeutsam, weil sie dem Menschen gerade dann

einen bedeutenden Teil seiner Nahrung liefert, wenn Reis und andere

Lebensmittel hoch im Preise stehen, die Produkte der Palmyrapalme aber

billig sind, da sie umsonst aus den Wäldern gewonnen werden können. Sie

wird auch eigens zur Nahrung kultiviert und die jungen Keime werden

als wohlschmeckendes Gemüse (Palmkohl) gern gegessen. Aus dem Marke

gewinnt man Sago. Die kokosnußähnlichen Früchte von der Größe eines

Kinderkopfes dienen Menschen und Vieh zur Nahrung. Sie werden roh und

geröstet gegessen und sind für Millionen Inder eine Hauptnahrung.

Durch das Abschneiden der noch von den Scheiden umgebenen jungen

Kolben der männlichen Bäume wird der Toddy genannte Palmwein gewonnen.

Man beginnt von der Spitze her von diesen Kolben dünne Scheiben

abzuschneiden; dabei tritt ungefähr acht Tage nach dem ersten Schnitt

das Ausfließen des Saftes ein, welches so lange anhält, bis der ganze

Kolben weggeschnitten ist, was vier bis sechs Monate dauert. Man kann

daraus entnehmen, welche große Mengen süßen Palmsaftes auf diese Weise

gewonnen werden. Durch Einkochen desselben und Behandeln mit Kalk

wird brauner Palmzucker, von den Eingeborenen ~tschakara~ genannt,

hergestellt.

Tafel 29.

[Illustration: Blühende Talipotpalme auf Ceylon.]

Tafel 30.

[Illustration: Junge Seychellenpalme im botanischen Garten von

Buitenzorg auf Java.

Vorn ~Victoria regia~ und hinten ein afrikanischer Leberwurstbaum

(~Kigelia africana~) im botanischen Garten von Buitenzorg auf Java.]

In den jungen, noch nicht reifen Früchten ist das Nährgewebe der Samen

gallertartig weich und wohlschmeckend. Das harte, hornartige Nährgewebe

der reifen Frucht ist ebenfalls eßbar, wenn es durch Fermentwirkung

bei der Keimung weich geworden ist. Zu diesem Zwecke läßt man die

Samen ankeimen, indem man sie in lockere Erde gräbt. Meist jedoch wird

der keimende Samen seiner Entwicklung zum Keimpflänzchen überlassen;

wenn dieses dann die Größe einer kräftigen Mohrrübe erreicht hat,

liefert es in verschiedener Zubereitung eine schmackhafte Speise.

Namentlich die inneren, zarteren Teile des Keimpflänzchens, das

sogenannte Herz, werden wegen ihrer zarten Beschaffenheit zum Essen

bevorzugt. Die jungen, weißlichen Blätter dienen als Schreibmaterial,

während die älteren grünen Blätter in ähnlicher Weise wie diejenigen

der Fächerpalmen zu Matten, Körben, Säcken, Hüten, Fächern und zur

Bedeckung der Hütten benutzt werden. Das durch seine Härte und

Dauerhaftigkeit, besonders seine Widerstandskraft gegen die sonst

kaum eine pflanzliche Substanz verschonenden Termiten ausgezeichnete

Holz älterer Bäume dient zum Hausbau und wird als Tischlerholz zu

allen nur erdenkbaren Gegenständen verarbeitet. Aus den dunkelfarbigen

Rindenschichten älterer Bäume werden in Europa Spazierstöcke und

mancherlei Drechslerwaren verfertigt. Das Holz jüngerer Bäume dagegen,

das nur in den äußeren Teilen des Stammes sehr hart ist, wird, nachdem

man den weichen inneren Teil entfernt hat, zu Wasserröhren, Dachrinnen

usw. benutzt. Die Blattscheiden endlich liefern einen sehr wertvollen

Faserstoff, der als Borassus- oder Palmyrapiassave in den Handel kommt.

Auch bei der in den Wäldern Ostafrikas, Ostindiens und Indonesiens

bis zu den Molukken heimischen +echten Zuckerpalme+ (~Arenga

saccharifera~), in Malabar Gomutipalme genannt, die 16-19 m hoch wird

und 6,5-8 m lange Blätter treibt, besteht der Hauptnutzen im süßen,

durch Abschneiden der jungen Blütenkolben, selten durch Einschnitte

in den Stamm in Menge gewonnenen Saft, den man zur Herstellung eines

stark berauschenden Palmweins, noch häufiger aber durch Einkochen zur

Gewinnung eines dunkeln Palmzuckers benutzt. Aus dem Mark bereitet

man eine Art Sago. Zwischen dem Ursprung der Blattstiele stehen

roßhaardicke schwarze Fasern, die als Gomutifasern oder Ejuh in den

Handel gelangen und zur Herstellung von Schnüren, Segeln, Ankertauen

und Besen verwendet werden. Ihre mit Zucker eingemachten unreifen

Früchte gelten in Cochinchina als Leckerbissen, aber das saftige

Fleisch der reifen Steinfrüchte ist so brennend, daß die Lippen

davon anschwellen. Auch das rote Fruchtfleisch der kastaniengroßen

Früchte der vorhin erwähnten, bis 16 m hohen ostindischen +Kitulpalme+

(~Caryota urens~), mit bis 6,5 m langen doppeltgefiederten Blättern,

kann wegen des heftigen Brennens, das sie im Munde verursachen, in

reifem Zustande nicht genossen werden.

Außerordentlich beliebt bei den Malaien und in wenigen Dörfern

Javas, Sumatras und Borneos fehlend, ist die +Salakpalme+ (~Zalacca

edulis~), eine stammlose, buschige Palme mit großen, stacheligen

Fiederblättern. Die Blätter dienen zum Dachdecken, und die mit einem

braunroten Schuppenpanzer umgebenen eiförmigen Früchte bergen drei von

einer weichen, weißen Fruchtmasse eingehüllte Samen. Deren angenehm

säuerliches, etwas zusammenhängendes Fruchtfleisch wird roh, mit Zucker

oder gekocht gegessen. Oft bezahlen die Malaien dafür sehr hohe Preise.

Eine niedrige Schirmpalme, welche vielfach als Topfpflanze bei

uns kultiviert wird, ist die in China heimische und früh nach der

Insel Bourbon verpflanzte ~Livistona chinensis~, deren Früchte, die

+Latanenäpfel+, unter der dünnen sich leicht ablösenden Schale ein

schmackhaftes Fleisch enthalten.

Eine der Hauptnahrungspflanzen der süd- und mittelamerikanischen

Indianer ist die bei einer Stammdicke von 13-21 cm 25-29 m hoch

werdende +Pupunhapalme+ (~Guilelmia speciosa~) mit 2-2,3 m langen

Blättern. Deren Früchte bilden gekocht und geröstet eine sehr

wichtige Speise der Eingeborenen, weshalb sie den Baum um ihre Hütten

anpflanzen. Aus den Samen wird auch Palmöl gewonnen. Dieser Fruchtbaum

der tropischen Waldgebiete Amerikas steht schon so lange in der Kultur

des Menschen, daß er nur noch durch Schößlinge fortgepflanzt werden

kann.

Gleicherweise liefern die Früchte der auf dem Gebiet von

Britisch-Honduras große Wälder bildenden +Cohunepalme+ (~Attalea

cohune~) das dem Kokosnußöl bei weitem vorgezogene Cohuneöl, das

bei 24° C. gerinnt. Diese schöne Palme bringt nur +eine+ Ernte im

Jahre hervor, gewöhnlich aus 700-800 Früchten bestehend. Wenn die

Früchte von den Bäumen gefallen sind, werden sie gesammelt und in

sehr roher Weise zur Ölgewinnung benutzt. Ihre sehr harten Schalen

werden mit einem Stein aufgeschlagen und die Kerne in einen hölzernen

Mörser geworfen, in dem sie zerstoßen werden. Die dabei entstehende

Masse wird in Kesseln gekocht und das an die Oberfläche kommende Öl

abgeschöpft. In unreifem Zustande enthalten die Früchte eine kühle,

angenehm schmeckende Flüssigkeit, die sehr abführend wirkt. Hat sich

diese Flüssigkeit zu einem weichem Kern verdichtet, so wird derselbe

zerstoßen, mit wenig warmem Wasser übergossen und durch ein Tuch

geseiht. Die erhaltene milchige Flüssigkeit dient zur Vermischung mit

Kaffee und zur Herstellung einiger Gerichte. Aus dem süßen Safte der

Palme wird ein weinartiges Getränk bereitet. Die bis 9 m langen Blätter

mit 1 m langen Fiedern dienen zur Bedachung der Hütten.

Auch aus den eßbaren Früchten der brasilischen ~Alfonsia oleifera~ und

noch mehr aus denjenigen der westindischen +Macahubapalme+ (~Acrocomia

sclerocarpa~) wird ein sehr wohlriechendes Öl gewonnen, das vielfach

zur Fabrikation von feinen Toilettenseifen Verwendung findet. Letztere

Palme ist 6-12 m hoch; ihr Stamm verdickt sich am Grunde etwas und

wird von 3-5 m langen, lebhaft grünen Blättern gekrönt, die mit

braunen Stacheln bewehrt sind. Die kugeligen, olivengrünen Früchte

von der Größe einer Aprikose enthalten einen sehr harten Kern, der

eine schöne Politur annimmt und deshalb vielfach von den Negern zu

Schmucksachen verarbeitet wird. Um das Öl zu erhalten, werden die Samen

leicht geröstet und in einer Mühle zu Brei zerrieben. Derselbe wird

schwach erwärmt, zu einem Viertel seines Gewichts mit kochendem Wasser

vermischt und in einen Sack gebracht, der zwischen zwei erwärmten

Eisenplatten gepreßt wird. Das erhaltene Öl reinigt man, indem man es

kocht und filtriert. Nach dieser Behandlung hat es die Beschaffenheit

von Butter, ist goldgelb gefärbt, riecht veilchenähnlich und besitzt

einen süßlichen Geschmack. Es dient meist als Speisefett und kommt auch

nach Europa. In verschlossenen Gefäßen läßt es sich lange aufbewahren.

Der Luft ausgesetzt, verliert es bald seine schöne gelbe Farbe und sein

angenehmes Aroma.

In sumpfigen Niederungen des Amazonenstroms und sonst in Brasilien

wächst die bis 30 m hohe +Assaipalme+ (~Euterpe oleracea~), die

schlehenartige Früchte zeitigt. Diese werden, wenn reif, in irdene

Töpfe gelegt und mit warmem Wasser übergossen, das bald eine purpurne

Färbung annimmt. Nach einer Stunde wird der größte Teil des Wassers

abgegossen, etwas kaltes Wasser hinzugefügt und das inzwischen weich

gewordene Fruchtfleisch mit den Händen zerdrückt. Sind die grünlichen

Steine entfernt, so wird die rahmartige Flüssigkeit durch ein Sieb

getrieben und ist zum Genusse fertig. Als ~assai~ wird es überall in

den Ortschaften von Straßenverkäufern feilgeboten. Außerdem werden die

Blattknospen aus dem Innern der Blattscheiden gekocht als Gemüse oder

roh als Salat (Palmkohl) feingeschnitten und mit Öl und Essig gemischt

gegessen. Die Stämme dienen häufig zu Pfählen und Palisaden.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte · 第 19 / 77 段