In einem zusammenhängenden, dichten Besiedelungsgebiet wächst

die Kokospalme besonders in ganz Südasien, der indischen und

polynesischen Inselwelt in dichten Hainen und befriedigt die meisten

Lebensbedürfnisse der Eingeborenen, deren Existenz sich ohne sie

gar nicht mehr denken ließe. Keine andere Nutzpflanze läßt sich an

vielseitiger Verwendung auch nur annähernd mit ihr vergleichen.

Von ihr sagt ein indisches Sprichwort, daß sie 999 Nutzanwendungen

gewähre und die 1000. sei überhaupt noch nicht gefunden. Aus der Rinde

der Kokospalme gewinnt man den Kokosgummi, womit sich die Bewohner

von Tahiti und anderer Inseln der Südsee die Haare bestreichen, um

ihnen Halt zu geben. In Indien werden die äußeren, gerbstoffhaltigen

Teile des Stammes zum Gerben benutzt. Der vom 35. Jahre an stark

verholzende Stamm dient als oft einziges Nutzholz zum Bauen und zur

Herstellung der Möbel und verschiedensten Geräte. Zur Anfertigung

feiner Möbel wird er besonders viel nach England ausgeführt. Die

Blätter benutzt man zum Dachdecken, sowie zu Matten und anderen

Geflechten, wie besonders Hüten und Regenschirmen, die Blütenscheiden

und alten, ausgetrockneten Blätter zusammengerollt zu Fackeln, die

Mittelrippe zu Kämmen, die zusammengebundenen Blätter zu Besen.

Das junge Mark unter der Endknospe, das einen süßen, an Haselnuß

erinnernden Geschmack besitzt, wird wie die ganz jungen Blätter als

Gemüse, sogenannten Palmkohl, gegessen. Das Fasernetz am Grunde der

Blätter, noch mehr aber die faserige Hülle der Früchte dient zu

unverwüstlichen Tauen, Stricken und Geflechten, besonders Matten,

Teppichen und Läufern, aber auch zu Besen, Pinseln und Bürsten. Aus

den noch geschlossenen Blütenscheiden wird durch Umschnürung mit

jungen Kokosblättern und Anschneiden der Toddy genannte Palmwein und

aus diesem durch Destillation Arrak, durch Einkochen ein Sirup und

endlich ein sehr angenehm schmeckender brauner Zucker, der Palmzucker

(~tschakara~, mit dem Sanskritworte ~sackara~, von dem unser Zucker

abstammt, zusammenhängend), von dem über 110 Millionen kg jährlich

produziert werden, gewonnen. Der dünnmilchige Saft besonders der

unreifen Früchte dient als überaus angenehmes, erfrischendes Getränk,

während der wie Haselnuß schmeckende weiße Kern roh verspeist oder

zerrieben dem Curry und anderen Speisen hinzugefügt wird, auch preßt

man aus ihm das zu 68 Prozent in ihm enthaltene Öl in Form eines

weißen, dem Schweineschmalz ähnlichen, bloß etwas unangenehm riechenden

Fettes, das zum Schmälzen der Speisen, als Brenn- und Salböl dient,

zu welch letzterem Zwecke es vielfach mit Sandelholz parfümiert wird.

Besonders aber dient es wie das afrikanische Palmöl zur Herstellung von

Kerzen und Seifen. Kokosseife ist besonders bei Seeleuten sehr beliebt,

da sie die einzige ist, die auch im Meerwasser schäumt. 15 Nüsse geben

durchschnittlich 2 Liter Kokosnußfett. Die Preßrückstände geben ein

wertvolles Viehfutter. Die harte Schale liefert Gefäße und Löffel

und wird in Europa zu allerlei Drechslerwaren, namentlich Knöpfen,

verarbeitet.

Welch ungeheure Werte der Mensch der Kokospalme verdankt, kann man sich

einigermaßen vorstellen, wenn man bedenkt, daß einzig die Insel Ceylon,

auf der die Europäer erst seit etwa 30 Jahren systematisch größere

Anpflanzungen dieser Palme vornahmen, aus ihren wenigstens 30 Millionen

Kokosbäumen jährlich einen Ertrag von rund 325 Millionen Mark bezieht,

während der Reis einen solchen von 112 Millionen Mark, der neuerdings

im großen Maßstabe gepflanzte Tee aber einen solchen von 100 Millionen

Mark liefert. Deshalb wird die Kokospalme auch in allen tropischen

Kolonien Deutschlands in Menge kultiviert. Die größten und wertvollsten

Bestände besitzen die Südseeinseln, wo sich neben den Kokoshainen

der Eingeborenen auch große, von Europäern angelegte Kokosplantagen

befinden. In Afrika wird sie in den Küstenstrichen fast nur von den

Eingeborenen kultiviert. Trotzdem haben die deutschen Kolonien im Jahre

1906 für 6¼ Millionen Mark der als Kopra bezeichneten getrockneten

Kokosnuß exportiert. Da die Gesamteinfuhr Deutschlands an Kopra in

demselben Jahre 16,9 Millionen Mark betrug, so ergibt sich, daß dieses

Land jetzt schon mehr als ein Drittel seines Koprabedarfes aus seinen

Kolonien zu decken vermag.

Die Eingeborenen der Tropen pflanzen die Kokospalme gern in und

um ihre Dörfer an, meist nur in kleineren Beständen, seltener als

größere Pflanzungen. Diese werden in der Regel von den Europäern

angelegt. Die Kultur der Kokospalme ist eine höchst einfache. Die

Vermehrung geschieht ausschließlich durch die Früchte, welche man nach

der Ernte noch 3-4 Wochen lang ausreifen und ankeimen läßt, bevor

man sie zur Aussaat verwendet. Wenn der Keimling etwa 2 cm aus der

Frucht herausragt, werden die Nüsse ihrer Länge nach in Furchen eines

aus sandiger, reich mit Salz oder Asche gedüngter Erde bestehenden

Saatbeetes gelegt und lose mit Erde bedeckt. Nach 7 bis 9 Monaten

werden die jungen Palmen an ihren definitiven Bestimmungsort gebracht,

wobei man sie etwa 7 m auseinander pflanzt. Doch müssen sie noch

längere Zeit bei allzu großer Hitze beschattet, gegen das weidende Vieh

beschützt und regelmäßig mit Holzasche gedüngt werden. Nach dem ersten

Jahre fangen die Blätter an gefiedert zu werden, d. h. sie verlieren

ihre für das Jugendstadium charakteristische zusammenhängende Form. Am

Ende des zweiten Jahres haben sie am Grunde einen Durchmesser von 8 cm.

Im dritten Jahre nimmt der Fuß der Krone die Gestalt eines Hufeisens an

und der Stamm beginnt sich über die Erde zu erheben. Im vierten Jahre

hat er 12 und im fünften Jahre 24 Blätter. In den folgenden Jahren

setzt er noch weitere 12 Blätter an, damit ist seine Krone vollständig.

Nun wendet sich das Wachstum mehr auf den Umfang der Pflanze. Vom

siebenten oder achten Jahre an beginnt die Palme zu blühen und das

ganze Jahr hindurch Früchte zu zeitigen. Die volle Tragfähigkeit tritt

aber meist erst im zwölften Jahre ein und dauert bis zum sechzigsten

bis achtzigsten Jahre, dann nimmt der Ertrag ab, so daß der Baum

schließlich umgehauen und durch eine junge Kokos ersetzt wird. Doch

kann der Baum ein Alter von 90-100 Jahren erreichen.

In bezug auf den Boden ist die Kokospalme nicht besonders wählerisch,

wenn sie nur genug Wasser, am liebsten brackiges hat. Am besten sagt

ihr ein tiefgründiger, humusreicher Lehm zu. Außer Wind, der ihr

überall an der Küste in reichem Maße zuteil wird, verlangt sie vor

allem reichen Sonnenschein. Luft und Licht sind zwei ihrer wichtigsten

Lebensbedingungen. Im Schatten verkümmert sie; daher finden wir niemals

Kokospalmen im geschlossenen Hochwalde. Im Halbschatten wächst sie

mangelhaft, bildet nur einen ganz dünnen Stamm und die wenigen Früchte,

die sie hier hervorbringt, sind klein und unansehnlich.

Begreiflicherweise war dieses Tropengewächs, das sehr früh die

Gestade Indiens besiedelte, den älteren Kulturvölkern am Mittelmeer

unbekannt. Die erste Beschreibung von ihm gab unter den Griechen der

pflanzenkundige Aristotelesschüler Theophrast (390-286 v. Chr.) in

seiner Naturgeschichte der Gewächse nach dem Bericht, den er über die

Kokospalme durch Begleiter Alexanders des Großen auf dessen Zuge nach

Indien erhalten. Er nannte sie ~kúki~. Der ägyptische Großkaufmann

Kosmas aus Alexandrien, der ums Jahr 550 mit seinem Begleiter Menas

auf einer Handelsreise bis Südafrika und Indien gelangte und später

als Mönch seine Reise beschrieb, sah in den Küstengebieten Indiens,

der von ihm ~Taprobane~ genannten Insel Ceylon und auf den Malediven,

die er besuchte, in Menge die von ihm ~argéllion~ genannte Kokospalme;

es ist dies das ~nargil~ der Perser und Araber, das aus dem indischen

~narikela~ stammt. Er sagt, daß man den von ihr gewonnenen süßen, in

alkoholische Gärung übergehenden Saft ~konchusúra~ nenne. Nach ihm

hat der weitgereiste Venezianer Marco Polo mit seinem Vater Niccolò

und seinem Oheim Maffeo Polo 1293 und 1294 auf seiner Heimreise von

China über Indonesien und Indien die Kokospalme häufig gesehen und

in seinem während der Gefangenschaft bei den Genuesen diktierten

Bericht beschrieben. Er nennt sie nur den „Palmbaum mit den indischen

Nüssen“. Der Name Kokosnuß wurde erst nach des Portugiesen Magelhaens’

Fahrten, der als erster Europäer die nach ihm benannte Meerenge

zwischen Patagonien durchfuhr und im November 1520 in den Stillen Ozean

gelangte, um am 27. April 1521 in einem Gefecht auf der Marianeninsel

Matan umzukommen, bei den Seeleuten bekannt. Nach Garcias und Klöden

soll er daher stammen, daß die portugiesischen Seeleute sie infolge

der Ähnlichkeit der drei Keimlöcher der inneren Frucht mit den beiden

Augen und der Nase einer Meerkatze (~macoco~) ~coco~ nannten. Die

Erforscher der malaiischen Inselwelt Rumphius und Thunberg im 17.

Jahrhundert nannten die Kokospalme nach der Bezeichnung der Amboinesen

Kulapa-Baum. Da sie im Sanskrit Indiens als ~narikela~ vorkommt,

muß sie dort schon vor 3-4000 Jahren bekannt gewesen sein. An der

Malabarküste wird sie als ~tenga~, d. h. Südfrucht bezeichnet, weil sie

von Süden her, speziell aus Ceylon, dort eingeführt wurde. Auf Tahiti

heißt sie ~ari~, wie sie auch von manchen Malaienstämmen genannt wird.

Jedenfalls hat sich diese von Martius als „wandelnde Seeuferpalme“

bezeichnete Kulturpflanze, die unfruchtbar bleibt, wenn sie nicht vom

Menschen gepflegt wird, zunächst durch die Meeresströmungen, dann durch

den Menschen von der pazifischen Küste Mittelamerikas zuerst über ganz

Ozeanien und dann die südasiatische Inselwelt verbreitet und wurde erst

nach der Entdeckung Amerikas im Bereiche des Atlantischen Ozeans, in

Westafrika, an den Küsten Brasiliens und im Gebiete ganz Westindiens

angesiedelt. Dagegen fanden die ersten Spanier, die von Mexiko nach der

Küste des Stillen Ozeans hinabstiegen, sie reichlich auf der Westküste

Mexikos wie ganz Mittelamerikas angepflanzt. Neu-Kaledonien ist die

südlichste Insel, an deren Nordküste die Kokospalme noch gedeiht.

Ihre nördlichste Verbreitung aber hat sie auf den Sandwich-Inseln,

beinahe unter dem Wendekreis des Krebses, gefunden, wo sie aber infolge

ungenügender Sonnenwärme nur spärlich Früchte hervorbringt. Dort

genossen in vorchristlicher Zeit nur die Männer die Früchte, die den

Weibern ~tabu~ waren und nicht einmal von ihnen berührt werden durften,

bis einmal eine mutige Häuptlingsfrau, von ihrem Manne gegen die Rache

der Priester beschützt, dieses altgeheiligte Verbot übertrat und, da

sie von den Göttern für diesen Frevel nicht bestraft wurde, ihrem

Geschlecht das Recht zum Genuß der herrlichen Früchte verschaffte.

Eine besonders für Westafrika sehr wichtige Palme ist die +Ölpalme+

(~Elaeis guineensis~), deren Vorkommen auf das tropische Afrika

beschränkt ist. Von der Westküste, wo sie sich in einem breiten

Streifen vom Gambia- bis zum Kuanzafluß findet, dringt sie nordöstlich

bis zum Albertsee und südöstlich bis zum Nordende des Nyassasees vor.

Sie kommt also auch im ganzen Kongobecken vor, wird aber im wilden

Zustande nur verhältnismäßig selten angetroffen. Die einzige außer

ihr noch vorhandene Elaeis-Art, ~Elaeis melanococca~, die gleichfalls

rote, zur Gewinnung von Öl benützte Früchte besitzt, hat ihre Heimat im

tropischen Amerika, wo sie um Bahia, an der Mündung des Amazonenstroms,

in Guiana, Venezuela und auf dem Isthmus von Panama wild wächst.

Deshalb vermutet man, daß auch die westafrikanische Ölpalme im

Dorado der Palmen, dem nördlichen Südamerika und Mittelamerika, ihre

ursprüngliche Heimat hat, von der sie schon im Tertiär auf der damals

noch bestehenden Landbrücke nach Westafrika gelangte.

Die westafrikanische Ölpalme ist ein sehr schönes Gewächs, gedeiht

aber nur dort, wo ein feuchtes, heißes Klima herrscht. Nur unter den

natürlichen Lebensbedingungen, im Walde, erreicht sie ihre normale

Höhe von 20 m, in der Kultur aber wird sie meist bloß 10-15 m hoch.

Ihr tief geringelter, mannsstarker Stamm schwillt vielfach über dem

Boden etwas an und ist unter den natürlichen Verhältnissen im obersten

Teil meist noch mit den Resten abgestorbener Blattstiele bedeckt. In

der Entfernung dieser, damit die Palme zum Herunterholen der reifen

Früchte bestiegen werden könne, beschränkt sich in der Regel die

ganze Pflege seitens der Eingeborenen. Die schöne Blattkrone besteht

aus 20-25 Wedeln bis zu 7 m Länge mit etwa 1 m langen Fiedern, die

sich aber schlecht zum Flechten eignen. In den Blattachseln des

Wipfels brechen die mit kätzchenartig angeordneten Blüten reichlich

besetzten Blütenstände hervor, die, wie bei den meisten Palmen,

getrennten Geschlechts sind, jedoch in der nämlichen Krone, nicht

auf verschiedenen Individuen sich entwickeln. Eine Palme bringt

während des Jahres durchschnittlich drei bis vier der massigen, nicht

herabhängenden Fruchtstände zur Reife. Sieben Monate nach der Blüte

reifen die Früchte heran. 600-800, ja bis 1500 an der Zahl finden sie

sich an einer riesigen, meist 20-30, gelegentlich bis 50 kg schweren

Traube, durch kurze Stacheln voneinander getrennt. Sie sitzen sehr fest

und sind wegen ihres gedrängten Wachstums unregelmäßig abgeplattet und

erscheinen fett glänzend, von hochgelber bis zinnoberroter Farbe. Am

Oberteile sind sie braunschwarz angelaufen. Zu äußerst bestehen sie

aus einer dünnen Lage eines fettreichen, faserigen Fleisches, das eine

dickschalige, steinharte, mit einem bläulich weißen Kerne versehene Nuß

umschließt. Etwa ein Drittel des Gewichtes der Fruchtstände wird von

den Früchten selbst gebildet. Deren ölhaltiges Fruchtfleisch bildet

eine Lieblingsnahrung der Affen und Papageien, aber auch des Menschen,

der es roh oder noch häufiger gekocht in Form der bei den Negern sehr

beliebten Palmölsuppe verzehrt. Besonders aber gewinnt er daraus

das für ihn so wichtige Palmöl, das ihm als Fettzusatz zu seiner an

Fett sonst so armen Pflanzenkost, außerdem aber zur Beleuchtung, zum

Einreiben des Körpers und als Arznei dient.

Zur Ölgewinnung wird der ganze Fruchtstand der Ölpalme abgehauen,

sobald die Palmnüsse reif sind. Dann werden die einzelnen Früchte

ausgebrochen und deren äußeres Fleisch durch Kochen in Wasser oder

durch Liegenlassen an der Sonne erweicht. Darauf werden sie in Mörsern

gestampft, wobei sich das Fleisch vom Kern löst und zugleich das im

Fruchtfleisch enthaltene Öl heraustritt. Dieses schön orangerote,

wohlschmeckende Palmöl wird zum geringeren Teil von den Eingeborenen

selbst im Haushalt verwendet, zum größeren Teil jedoch an die

europäischen Faktoreien verkauft. Im tropischen Westafrika, wo die

Ölpalme manchenorts ausgedehnte Wälder bildet, wird es in solchen

Mengen erzeugt, daß es gegenwärtig den wichtigsten Handelsartikel

dieser Gegenden bildet.

Aus den nach der Ölgewinnung übrigbleibenden bräunlichen, harten

Kernen wird das weiße Palmkernöl gewonnen, das sogar noch feiner und

wertvoller als das Palmöl ist. Dies wird von den Eingeborenen auf

sehr primitive Weise durch Aufklopfen der Kerne und Auspressen des

Samens gewonnen. Der weitaus größte Teil der Kerne gelangt aber in die

Faktoreien, um nach Europa gesandt zu werden, wo die Ölgewinnung aus

diesen vermittelst eigens dafür konstruierter Maschinen geschieht.

Die Abfälle bei der Ölbereitung, Palmkuchen genannt, geben ein

ausgezeichnetes Viehfutter.

Der Nutzen der Ölpalme beschränkt sich aber nicht bloß auf die

ölreichen Früchte. Sie liefert nämlich außerdem in ihren stattlichen

Wedeln das Material zur Umzäunung von Gehöften und zu größeren

Fischereianlagen, sowie paarweise zur Herstellung leichter und

zäher Tragkörbe. Die starken Blattrippen dienen als geschätztes

Material für den Hausbau und zur Herstellung von Palisaden, aus den

Fiederblättern werden Körbe und viele andere Geräte geflochten und

aus den Rippen gute Besen hergestellt. Die außerordentlich festen

Gefäßbündel der Wedelstiele vertreten die Stelle von Darmsaiten bei

den Musikinstrumenten der Eingeborenen. Endlich wird aus der Ölpalme

der bei den Eingeborenen so beliebte, frischem Äpfelmost ähnliche,

anfangs süße, bald aber durch Hefegärung stark alkoholhaltige und dann

berauschende Palmwein gewonnen. Zur Erlangung kleinerer Mengen davon

schneidet man die männlichen Blütenstände ab, zu derjenigen größerer

Mengen jedoch wird die Palme mit axtartigen Werkzeugen gefällt, indem

man damit das ganze Wurzelwerk durchhaut. Nachdem die Stämme 1-2

Wochen am Boden gelegen haben, schneidet man ihnen mit dem Buchmesser

die Wedel ab und höhlt da, wo das Mark in das Herzblatt ausläuft, von

oben aus ein ziemlich großes Loch in den Stamm, das mit einer kleinen

Öffnung bis auf die untere Seite desselben durchgeführt wird. Durch

dieses Loch wird eine dünne Holzröhre gesteckt, durch welche der Saft

tropfenweise in einen untergestellten Topf abläuft. Durch Schneiden und

Brennen wird das Loch täglich etwas erweitert, ein Vorgang, den die

Neger als das „Rufen des Palmweins“ bezeichnen. In den ersten 16 Tagen

fließt der süßeste Saft aus, dann wird der Ausfluß stärker, aber das

Produkt ist wässeriger. Nach höchstens 30 Tagen ist der Saftreichtum

des Stammes erschöpft. Dieser Palmwein wird von den Eingeborenen dem

von der Kokospalme gewonnenen vielfach vorgezogen.

Bei dem großen Nutzen der Ölpalme für den Menschen kann es uns

nicht wundern, daß der dem Neger so unentbehrliche Fruchtbaum im

18. Jahrhundert durch westafrikanische Negersklaven nach Westindien

gebracht wurde, wo er in ähnlicher Weise wie in seiner Heimat

kultiviert wird. Am besten gedeiht er im lockeren Buschwald, wo auch

die Fruchtstände am größten werden. Sonst wächst er auch willig auf

trockenem und leichtem, wie auf feuchtem und schwerem Boden. Entweder

werden zuerst Stecklinge aus reifen Früchten gezogen und dann in

Abständen von etwa 2 m verpflanzt, oder die Früchte werden gleich in

entsprechenden Entfernungen in den Boden gesteckt. Der Baum braucht bis

zur vollen Entwicklung etwa 10 Jahre; dann fängt er an zu blühen und

Früchte zu tragen, was wenigstens bis zum 60. Jahre andauert. Da jedes

Jahr 3-7 Früchtbündel zur Reife gelangen, kann man im Durchschnitt

bei geregelter Kultur wohl auf 50 kg Früchte pro Baum rechnen. Da

nun 250 kg frischer Früchte 24,5 kg Öl im Fruchtfleisch und 32 kg

Kerne liefern, die ihrerseits etwa 15 kg Kernöl abgeben können, so

besteht also fast ⅙ des Fruchtgewichtes aus Öl. Da aber dieses nicht

restlos aus ihnen gewonnen werden kann, so ist die wirkliche Ausbeute

eine bedeutend geringere und beträgt oft nicht einmal die Hälfte des

tatsächlich Vorhandenen. So gewinnt der Neger mit seinen unvollkommenen

Verfahren aus 50 kg Früchten, die also die mittlere Jahresernte

einer Palme darstellen, bloß 2,94 kg Öl und 3,84 kg Kerne. Die

Fruchtfleischrückstände enthalten noch sehr viel brauchbares Fett, das

durch kräftigeres Pressen leicht zu gewinnen wäre.

So lange die Ölpalmen jung sind, müssen sie namentlich gegen die Glut

der regelmäßig am Ende der Trockenzeit von den Negern angefachten

Steppenbrände geschützt werden. Haben sie aber eine gewisse Höhe

erreicht, so ertragen sie, ohne Schaden zu erleiden, sowohl die

Umschließung durch andere, sie überragende Gewächse, als auch

monatelange Überschwemmung ihres Standortes und die auflodernden

Flammen der Grasbrände.

Im Zentrum der Palmenentwicklung, dem Waldgebiet des nördlichen

Südamerika, ist die +Weinpalme+ (~Raphia vinifera~) heimisch, die

außerdem in Brasilien und Westafrika verbreitet ist. Der Stamm erreicht

bloß 5-10 m Höhe, besitzt aber bis 15 m lange Blätter mit gewaltigen,

oft über 2 m langen Fiedern. Durch Abschneiden der sich entwickelnden

Blütenkolben werden große Mengen eines zuckerigen Saftes gewonnen, der

durch alkoholische Gärung einen ebenfalls viel genossenen Palmwein

liefert; dieser soll aber an Güte dem von anderen Palmen gewonnenen

nicht gleichkommen. In Südasien und Indonesien werden verschiedene

andere Palmen als Weinpalmen bezeichnet, da sie ebenfalls zur Bereitung

von Palmwein benutzt werden.

Andere Palmengattungen liefern in ihren steinharten, weißen Früchten

einen wertvollen Ersatz für das durch die zunehmende Ausrottung der

Elefanten und die allmählich sich vermindernde Mammutelfenbeingewinnung

in Nordsibirien immer seltener und kostbarer werdende Elfenbein.

Es sind dies die von verschiedenen Palmenarten stammenden, als

„vegetabilisches Elfenbein“ auf den Markt gelangenden Steinnüsse.

Zuerst erlangten als solches die Nüsse der südamerikanischen

+Steinnußpalme+ (~Phytelephas macrocarpa~) Bedeutung, die seit dem

Jahre 1826 in zunehmender Menge in der Kulturwelt Verwendung finden

und deshalb einen der wichtigsten Handelsartikel des Staates Kolumbia

bilden. In ihrer Heimat, den Wäldern am Magdalenenstrom und dessen

Zuflüssen, werden sie von den Eingeborenen schon seit uralter Zeit zu

allerlei Schnitzereien verwendet. Zwei Spanier, Ruiz und Pavon, machten

bereits in einem 1798 erschienenen Werke die wissenschaftliche Welt auf

diese Palme und ihre Nüsse aufmerksam und gaben ihr den bis heute in

Geltung gebliebenen lateinischen Namen ~Phytelephas macrocarpa~, der

die großfrüchtige Pflanzenelfenbeinpalme bedeutet.

Tafel 25.

[Illustration: Ölpalmenhain in Westafrika.

Ansicht eines sumatranischen Dorfes mit einer blühenden Zuckerpalme in

der Mitte und einem Bambustrieb rechts.]

Tafel 26.

[Illustration: Gruppe von Kokospalmen auf Java.

Verschiedene Palmenarten auf Java.]

Die Steinnußpalme ist auf Südamerika beschränkt, liebt feuchte

Standorte und steigt den Flußläufen entlang aus den Niederungen bis zu

1000 m Höhe. Sie wächst meist in Gruppen, selten in größeren Beständen.

Der höchstens 6 m hohe Stamm ist teils von seinem eigenen Gewicht,

teils von den Luftwurzeln auf den Boden gedrückt. Darin und in ihrem

ganzen übrigen Aussehen gleicht sie auffallend der vorhin erwähnten

südamerikanischen Ölpalme (~Elaeis melanococca~). Bei der nahe mit ihr

verwandten Steinnußpalme mit etwas kleineren Früchten (~Phytelephas

microcarpa~) ist die Stammbildung fast ganz unterdrückt, so daß sie

sich mit ihrem Wipfel nur wenig über den Boden erhebt.

Tafel 27.

[Illustration: Junger Singhalese auf Ceylon mit zwei Fruchtbündeln von

Arekanüssen und zwei Kakaofrüchten davor.

Sagopalmen auf Celebes.]

Tafel 28.

[Illustration: Auf Arekapalmen kletternde Inder, die ihre Füße zum

besseren Kletternkönnen mit einem Tuch verbunden haben.]

Die Bäume sind getrennt geschlechtig, und zwar sind die männlichen

Exemplare stärker und aufrechter als die weiblichen. In den Achseln

der riesigen Blätter entwickeln sich die Blütenstände, welche an den

weiblichen Palmen über kopfgroße, kugelige Sammelfrüchte bilden,

die aus je sechs oder mehr eng aneinander gepreßten, holzigen

Einzelfrüchten mit höckeriger Oberfläche bestehen, die wiederum vier

bis sechs hornige Samen in besonderen Fächern aufweisen. In diesen

20-60 g schweren, etwa hühnereigroßen Samen, den Steinnüssen, liegt

von einer schwarzbraunen Schale umgeben der weiße, sehr harte Kern,

bestehend aus einem von dickwandigen Steinzellen mit reichlich Eiweiß

und Öl im Innern gebildeten Nährgewebe, das selbst nach 24stündigem

Liegen im Wasser nicht wesentlich erweicht. Beim Keimen aber sieht man

diese steinharte Masse plötzlich weich werden, indem dabei Fermente

ausgeschieden werden, die dem Keimling den wie beim Dattelkern sehr

harten Reservevorrat lösen und ihn in Form von Traubenzucker für dessen

Wachstum zugänglich machen. In diesem Stadium läßt sich ein angenehm

schmeckendes, süßes Getränk aus ihnen gewinnen, das als solches, oder

erst gegoren, von den Eingeborenen genossen wird. Diese Keimung der

Samen erfolgt, wie Kulturversuche ergaben, sehr leicht an feuchten

Orten der Tropen, so daß für die Anzucht der Steinnußpalme keinerlei

Vorrichtungen wie Saatbeete erforderlich sind.

Diese Palmnüsse bilden den wichtigsten Handelsartikel für die am

Meerbusen von Mexiko gelegenen Teile Südamerikas, und zwar sind

naturgemäß diejenigen Sorten am geschätztesten, deren Inneres dem

echten Elfenbein in Farbe und Tönung am nächsten kommt. Besonders

trifft dies bei der Sorte „Savanilla“ zu, deren gelblicher Kern

gebrauchtem Elfenbein auffallend ähnelt. Sie werden auf der Drehbank

bearbeitet und besonders in der Beinknopfindustrie in ungeheuren

Mengen verbraucht. Da sie sich gut färben lassen, verfertigt man auch

künstliche Korallen, Türkise usw. daraus. Die Abfälle werden zur

Darstellung von Pflanzenalbumen, einem speziell für Färbereizwecke

dienenden Eiweiß, leider aber auch zur Verfälschung von gepulverten

Gewürzen, die kaffeebraune Steinschale gepulvert zur weiteren

Verschlechterung von Kaffeesurrogaten verwendet.

Seit dem Jahre 1876 werden in zunehmendem Maße auch Steinnüsse aus

Polynesien unter der Bezeichnung +Tahitinüsse+ bei uns eingeführt, die

genau dieselben Eigenschaften wie die südamerikanischen besitzen, sich

aber infolge ihrer ansehnlicheren Größe noch besser verwenden lassen.

Wie sich später herausstellte, stammen sie nicht von den Tahiti-

oder Gesellschaftsinseln, sondern von den weiter im Westen gelegenen

Karolinen, Salomons- und Fidschiinseln von drei verschiedenen Arten der

Palmengattung ~Coelococcus~, die auf den genannten Inseln in größeren

Beständen gedeihen und einen recht ansehnlichen Export herbeigeführt

haben. Im Gegensatz zu den südamerikanischen Steinnüssen enthalten sie

innerhalb der Steinzellen Kriställchen von oxalsaurem Kalk in der Öl-

und Eiweißschicht eingebettet, bedürfen daher zu ihrer Bearbeitung

eines besonders gehärteten Stahls. Sie dienen ebenfalls vorzugsweise

der Knopffabrikation; jährlich werden etwa 13 Millionen kg derselben

gegenüber 38 Millionen kg südamerikanischer Steinnüsse über Hamburg

eingeführt.

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte · 第 18 / 77 段