Daß dieser edle Fruchtbaum schon sehr früh von Babylonien nach Syrien

und Palästina gelangte, kann uns nicht überraschen. Allerdings gedieh

er in letzterem Lande in den höheren Lagen nicht mehr recht, so daß er

im Alten Testament keine nennenswerte Rolle als Fruchtbaum spielte.

Noch David, der zweite König von Israel, der Jerusalem zur Residenz

erhob und nach Sauls Fall 40 Jahre lang (1033-993 v. Chr.) den Thron

von Juda behauptete, zählt die Dattelpalme nicht unter den Bäumen

auf, die man in den Gärten pflanzen solle. Aber in den Ebenen und an

der Küste Syriens gedieh sie vortrefflich und war bald ein durchaus

unentbehrlicher Fruchtbaum, den auf ihren Küstenfahrten zu verbreiten

sich die schiffahrtkundigen Phönikier angelegen sein ließen. Sie

brachten ihn zuerst bei der Aussendung von Kolonien nach Nordafrika, wo

das von ihnen gegründete und später mit Rom rivalisierende Karthago die

Dattelpalme als Wappenbild auf ihre Münzen schlug.

Durch die regen Verbindungen mit Syrien und Babylonien gelangte die

Dattelpalme schon zu Ende des 3. vorchristlichen Jahrtausends, etwa

gleichzeitig mit dem Feigenbaum, nach Ägypten, wo sie uns in den

Darstellungen an den Wänden der Gräber der 12. Dynastie, also zu Beginn

des mittleren Reiches unter der Bezeichnung ~bunnu~ oder ~phunnu~ zum

erstenmal als offenbar nicht mehr seltener Fruchtbaum entgegentritt.

So sehen wir in einer hübschen Darstellung des Grabes Nr. 2 zu Beni

Hassan, wie erwachsene Bäume dieser Art gefällt werden, was wohl

nicht der Fall gewesen wäre, wenn dies eine kostbare Neueinführung

gewesen wäre. In der Folge war die Dattelpalme ein in Ägypten viel

angepflanzter und neben der Dumpalme häufig dargestellter Baum, dessen

Früchte zahlreich unter den Totenbeigaben gefunden werden. Aus den

Stengeln der Fiederblätter -- altägyptisch ~bai~ genannt -- stellte

man Stöcke, Käfige und leichte Stühle her, während die Fiedern selbst

-- altägyptisch ~utu~ -- zum Flechten von Matten, Körben, Sandalen und

dergleichen mehr dienten. Von den altägyptischen Ärzten wurden den

Kranken häufig Datteln zum Abführen verordnet.

Neben der Dattelpalme wurde von den alten Ägyptern auch ein dem

Sonnengotte Ra geheiligter, besonders in der Sonnenstadt Heliopolis

verehrter adlerähnlicher Vogel, der sich alle 500 Jahre selbst

verbrennen und aus der Asche verjüngt auferstehen sollte, ebenfalls

~bunnu~ oder ~phunnu~ genannt. Nun besteht zweifellos zwischen diesen

beiden gleichgenannten Dingen irgend eine nicht mehr zu ergründende

sagenhafte Beziehung, die den Griechen durch Vermittlung phönikischer

Handelsleute zu Gehör kam. So nannten sie diesen mythischen Vogel

und die Dattelpalme aus ~phunnu~ verändert ~phoínix~ und gaben den

semitischen Kaufleuten von der Küste Syriens selbst diese Bezeichnung,

während später die Römer diesem Handelsvolke den sichtlich aus ~bunnu~

abgeleiteten Namen ~puni~ oder ~poeni~ gaben.

Dem homerischen Zeitalter war die Dattelpalme noch durchaus fremd.

Erst an einer Stelle der Odyssee, die nicht früher als aus dem 9.

vorchristlichen Jahrhundert stammen dürfte, wird in Worten höchster

Bewunderung von einer heiligen Palme auf der Insel Delos gesprochen,

mit der der vielgewanderte Dulder Odysseus die schlanke Tochter

des Königs der Phäaken, Nausikaa, vergleicht, die ihn nach seinem

Schiffbruch, als er nackt und ohne irgend welche Habe von den Wogen ans

Land geworfen wurde, freundlich aufnahm und zu ihrem Vater Alkinoos

geleitete. Es war das die einzige Palme, die er auf seinen weiten

Wanderungen sah; ja, er sagt von ihr, daß sonst nirgends auf Erden

ein solcher Baum wachse, als nur dort: „denn nicht trägt ein solches

Gewächs sonst irgend die Erde.“

Wenn schon die zierliche Gestalt des nicht Frucht tragenden Baumes

im Abendlande solches Entzücken erregte, so wird man begreifen, daß

im Morgenlande selbst, wo der Baum durch seine wohlschmeckenden,

nahrhaften Früchte dem Menschen ganz unentbehrlich ist, er als

Inbegriff der durch große Nützlichkeit hervorgehobenen Schönheit von

den Dichtern in den schönsten Bildern besungen wird. Wer denkt da

nicht an die Stelle im Hohen Lied des Alten Testaments, dem einzigen

uns erhaltenen, ums Jahr 800 v. Chr. entstandenen und ganz mit Unrecht

dem König Salomo zugeschriebenen Erzeugnis der weltlichen Lyrik der

Hebräer, da der Sänger seine Geliebte in begeisterten Worten beschreibt

und von ihr sagt: „Dein Wuchs gleicht der Palme und deine Brüste den

Datteltrauben“, dann an den Gebrauch der Israeliten und Vorderasiaten

überhaupt, ihre Töchter mit Vorliebe ~tamar~, d. h. Dattelpalme zu

heißen.

Die athenische Sage berichtet, daß ihr mythischer König Theseus nach

der Überwindung des Minotaurus auf seiner Heimfahrt von Kreta auf

Delos gelandet sei und mit seinen Genossen zu Ehren des dort verehrten

Gottes Apollon ein Kampfspiel aufgeführt habe. Die Sieger seien dann

mit Zweigen jener berühmten Palme geschmückt worden, und seither sei

der Palmwedel das Symbol des Siegers und der Siegesfreude. Schon in

der Mitte des 7. vorchristlichen Jahrhunderts stiftete der Tyrann

Kypselos, der Herrscher der auf phönikischen Ursprung zurückgehenden

Stadt Korinth, eine eherne Palme als Weihgeschenk für den delphischen

Apollon, wie später auch die Athener nach ihrem Doppelsiege über die

Perser am Flusse Eurymedon im Jahre 466 v. Chr. Endlich prägten Ephesus

und andere Griechenstädte, so auf Kreta und Euböa, Palmen auf ihre

Münzen.

Von den Griechen kam die Dattelpalme zu den Römern, die vorher bloß die

auf heißen Standorten Siziliens und Unteritaliens wachsende Zwergpalme

(~Chamaerops humilis~) gekannt hatten. Auch bei ihnen war der

Palmwedel das Abzeichen und der Preis des Siegers in den öffentlichen

Spielen wie bei den Triumphzügen, und mit ihm bestickten sie als

ganz besondere Auszeichnung die ~tunica palmata~, das kurzärmelige,

wollige Unterkleid, das die Männer unter der Toga trugen. Die ersten

Dattelpalmen auf italienischem Boden pflanzten die unteritalischen

Griechen um die dem Apollon geweihten Tempel und von ihnen drangen

sie mit der Zeit zu den Römern vor, von denen der Geschichtschreiber

Livius das erste Exemplar aus dem Jahre 291 v. Chr. aus dem Hain des

Apollo in der Hafenstadt Antium in Italien erwähnt. Aber erst im

letzten vorchristlichen Jahrhundert kamen die Früchte dieses Baumes

als Handelsartikel durch die Vermittlung der Griechen häufiger zu

den Römern unter der dem semitischen Worte dafür ~dachel~ entlehnten

griechischen Bezeichnung ~dáktyloi~, woraus das lateinische ~dactyli~

und zuletzt unser deutsches Wort Dattel wurde. Daß nun die Griechen aus

dem von den Phönikiern gehörten Wort ~dachel dáktyloi~ machten, mag

wohl auf einer Ideenverbindung mit dem Worte Finger, was ~dáktylos~

eigentlich bedeutete, beruhen, da diese Früchte entfernt fingerförmige

Gestalt besitzen.

Da die Dattelpalme auf europäischem Boden keine süße Frucht trägt, sind

mit dem Untergang der antiken Welt auch die anmutigen hier gepflanzten

Exemplare, weil keine Früchte tragend, als nutzlos zugrunde gegangen.

Die Araber dagegen verbreiteten dieses ihr heimatliches Gewächs überall

hin, wo sie ihren Fuß setzten. So soll der Kalif Abdurrahman I. um

das Jahr 756 in einem Garten bei Cordova mit eigener Hand die erste

Dattelpalme auf spanischem Boden gesetzt haben, von der alle übrigen in

Spanien abstammen sollen. Oft soll er sie in sehnsüchtiger Erinnerung

an die arabische Heimat betrachtet haben. Die Sarazenen brachten den

Baum wiederum nach Sizilien und Süditalien, wo sich seiner in der Folge

die Christen bemächtigten, um die Blattwedel am Palmsonntage weihen zu

lassen und das Jahr über als Schmuck in ihren Wohnungen aufzubewahren.

Dieser Sitte verdankt Italien seinen größten Palmenhain, der sich bei

Bordighera zwischen San Remo und Ventimiglia unter fast 44° nördlicher

Breite befindet. Eßbare Früchte liefern sie natürlich hier nicht, dafür

aber müssen sie ihre Blattwedel opfern. Die Einwohner dieses Städtchens

haben das durch Gewohnheit geheiligte Vorrecht, zum Osterfest Palmen

nach Rom zu liefern, und diese Industrie schuf mit der Zeit die über

4000 Stämme zählende Palmenanpflanzung. Dieses Vorrecht verlieh Papst

Sixtus V. im Jahre 1586 der Familie Bresca als Belohnung dafür, daß

ein Glied dieser Familie, ein Schiffskapitän, in jenem Jahre, während

der Aufstellung des unter Kaiser Caligula 39 n. Chr. aus Heliopolis

in Ägypten nach Rom gebrachten und damals den vatikanischen Zirkus

schmückenden Obelisken auf dem Platz von St. Peter in Rom, als die

trockenen Taue zu versagen drohten, durch den rechtzeitigen Ruf:

„Wasser auf die Taue!“ dem die Aufstellung besorgenden Baumeister

Fontana aus schwerer Verlegenheit half.

Den Palmwedel hat die christliche Kirche, wie so viele andere Symbole

der Bildersprache des Orients entnommen. Wie Palmenwedel bei den

Festen des Osiris in Ägypten, beim feierlichen Einzuge der Könige

in Jerusalem prangten, die Sieger in Olympia schmückten und die

Festgewänder römischer Imperatoren zierten, so bedient sich ihrer

heute noch die katholische Kirche in Erinnerung an den Einzug des

Christus (d. h. Messias) in die jüdische Hauptstadt. Bei der Feier des

Palmsonntags sollen sie nicht bloß ein Zeichen des Sieges des Urhebers

des Christentums, sondern zugleich ein Bild himmlischer Reinheit sein,

deren Beispiel jener gab. Damit nun die Palmwedel möglichst farblos

weiß bleiben, d. h. sich ohne Ausbildung des Blattgrüns entwickeln,

werden die Kronen vom Hochsommer an fest zusammengebunden, so daß die

innersten Blätter, vom Licht unberührt, vergeilen. Der Reisende, der um

diese Zeit die Riviera di Ponente besucht, sieht dann die Palmwipfel

in Form von riesigen Kugeln und begreift anfangs nicht, was diese

Verstümmelung des schönen Baumes bezweckt. Im Dunkeln gehalten, werden

solche Wedel auch schlank und lang. An ihren Enden laufen sie spitz aus

und bleiben biegsam und weich, so daß sie leicht in beliebige Formen

geflochten werden können.

Aber auch das ältere Judentum benutzt noch die Palmwedel in Verbindung

von Myrte und Bachweide zum Feststrauß für das Laubhüttenfest, das

ursprünglich ein Erntefest war. Es verlor aber nach der Zerstreuung

der Juden, die sich in der Fremde dem Handel zuwandten, diese seine

Bedeutung und behielt nur die andere geschichtliche bei, eine

Erinnerung an den göttlichen Schutz während der Wüstenwanderung zu

sein, als ihre Vorfahren unter Mose in Hütten aus Palmzweigen wohnten.

Die Bestandteile dieses, bei jenem im Oktober gefeierten Feste zur

Aufstellung gelangenden Straußes mußten gewisse Bedingungen erfüllen,

so auch der Palmwedel, der für die Juden grün bleiben muß. Der Schopf

zu diesem Zwecke gehaltener Palmen wird in Bordighera weniger stark

zusammengebunden, so daß auch die jüngeren Blätter etwas Licht erhalten

und ergrünen können. Sie bleiben zugleich kürzer, schließen mit

stumpfer Spitze ab und werden härter als diejenigen für die Katholiken.

Früher trug auch die Umgegend des kalabrischen Reggio und von

Palermo auf Sizilien ganze Palmenwaldungen, die aber als Nachlaß der

ungläubigen Sarazenen von den Christen zerstört wurden. Einzig in

Südspanien, bei Elche, befindet sich noch ein aus mohammedanischer

Zeit herrührender Palmenwald von etwa 60 000 Stämmen, der nicht

nur Blätter für fromme Gläubige liefert, sondern auch genießbare

Früchte zeitigt. An der Riviera wird neuerdings sehr häufig neben der

Dattelpalme die ihr sehr ähnliche kanarische Phönix gepflanzt, von ihr

nur durch gedrängteren, üppigeren Wuchs und kräftigere Blattentwicklung

verschieden. Ihre Blätter werden gleichfalls häufig zu der an der

Riviera blühenden Palmenflechterei benutzt.

In den Oasen Nordafrikas und Westasiens ist die Dattelpalme das

wichtigste Kulturgewächs, ohne welches der Mensch hier nicht

existieren könnte. Hier treibt sie ihre Wurzeln sehr tief in den

Boden, bis die wasserführende Schicht erreicht ist, so daß sie ohne

künstliche Bewässerung üppig gedeiht. Alles an ihr wird von den armen

Oasenbewohnern verwertet. Die Früchte sind das fast ausschließliche

Nahrungsmittel, das roh, getrocknet oder gekocht täglich mehrmals

gegessen wird. In Körbe gepreßt oder in Sand gegraben, können sie bis

zwei Jahre aufbewahrt werden und verderben selbst in der brennendsten

Sonnenhitze nicht. Deshalb bilden Datteln auf den Karawanenreisen ein

unentbehrliches Proviantmittel. Der Stamm der Dattelpalme liefert

die Pfosten der Häuser, die Gerüste zu den Ziehbrunnen, die Bretter

zu Türen und das Werkzeugmaterial überhaupt. Die Blätter dienen zur

Bedachung der Hütten, die Rippen zur Einzäunung der Grundstücke wie

auch zu Wanderstäben; ihre Fiedern werden zu Sandalen und Körben

geflochten. Aus dem Fasergewebe der Blattansätze werden sehr haltbare

Stricke gedreht, die besonders widerstandsfähig gegen Salzwasser

sind und deshalb vielfach in der Schiffahrt Verwendung finden; die

Herzblätter der Stammspitze liefern den wohlschmeckenden Palmkohl und

durch Anzapfen des Stammes erhält man einen zuckerhaltigen Saft, der

vergoren einen berauschenden Wein liefert. Meist aber wird solcher

Dattelwein durch Gärenlassen von mit Wasser verdünntem Dattelhonig

gewonnen, der durch Auspressen der frischen Datteln erhalten wird.

Die Fortpflanzung der Dattelpalme geschieht bisweilen durch die

Fruchtkerne, in denen das Nährgewebe für den Embryo in Form von

hornartig hartem Holzstoff angehäuft ist, das dann durch Fermente

gelöst und in Zucker verwandelt wird, um dem jungen Pflänzchen zum

Wachstume zu dienen. Am häufigsten aber wird dieser Fruchtbaum durch

Schößlinge vermehrt, die man im Herbste aus der unmittelbaren Nähe des

Mutterbaumes ausgräbt, verpflanzt und etwa drei Monate lang begießt,

von wo an sie sich selbst erhalten können. Nach sechs bis acht Jahren

beginnen diese die ersten Blüten zu treiben, aber erst vom 20. Jahre

an liefern sie volle Erträge, die bis zum 70. oder 80. Jahre andauern.

Von da an wird der Ertrag geringer, und etwa im Alter von 100 Jahren

sterben die Bäume ab.

Stets werden die weiblichen Dattelpalmen in der Weise befruchtet, daß

man in ihre Rispen Teile eines stäubenden männlichen Blütenstandes

befestigt oder darüber schüttelt, damit der Pollen in reichen Mengen

auf erstere hinunterfalle. In einem Fruchtstande gelangen meist über

hundert Beeren zur Entwicklung, die dann im Herbste geerntet werden,

doch nicht gleichzeitig. Man pflückt nämlich diejenigen, die als

Vorrat aufbewahrt werden sollen, vor ihrer völligen Reife, um sie

an der Sonne ausreifen, zugleich aber auch trocken und fest werden

zu lassen. Die am Baume völlig reif gewordenen ißt man vorweg. Als

Durchschnittsernte rechnet man auf einen Baum einen Jahresertrag von 50

kg, die an Ort und Stelle etwa drei Mark wert sind.

Endlich hat die Dattelpalme auch in der Kunst eine wichtige Rolle

gespielt. Bei den alten Babyloniern gab ihr Stamm den Anlaß zur

Entstehung der später aus Stein nachgebildeten runden Säule, während

ihr Wipfel das in der babylonischen und assyrischen Kunst so beliebte

Motiv der Palmette gab, welches dann die Griechen aus dem Orient

übernahmen. In Ägypten dagegen wurden die Säulen aus Papyrus und Lotus

nachgeahmt; dadurch entstand die kanelierte Säule, die die Griechen

von dorther übernahmen und in ihrer dorischen und korinthischen Säule

weiter bildeten. Da sie ihnen aber nüchtern vorkam, wurde sie mit

den Blättern des im Mittelmeergebiet in mehreren Arten verbreiteten

Acanthus gekrönt, wodurch das korinthische Kapitäl entstand. Die

Voluten des ionischen Kapitäls dagegen sind wahrscheinlich den

gewundenen Gehäusen der Tonnenschnecken (~Dolium~) nachgebildet. So hat

die Dattelpalme den weitgehendsten Einfluß auf die allgemeine Kultur

des in ihrem Bereiche lebenden Volkes ausgeübt.

Die im tropischen Afrika einheimische und namentlich an den Flußufern

sehr verbreitete +Ukindu+- oder +wilde Dattelpalme+ (~Phoenix

reclinata~) liefert ungenießbare, holzigtrockene Früchte, doch werden

die Fiedern der Blätter zu Flechtereien aller Art benutzt. Wichtiger

als sie ist die indische +Dattel-Zuckerpalme+ (~Phoenix silvestris~),

die nur 9 bis 13 m hoch wird und eine dichte, halbkugelige Krone aus

3 bis 5 m langen Fiederblättern trägt. Sie wird in ihrer Heimat,

besonders in Bengalen, seit unvordenklicher Zeit zur Gewinnung

von Palmenzucker kultiviert. Ende Oktober entfernt man an ihr die

unteren Blätter, die zum Flechten von Matten und Säcken für die

Zuckerverpackung oder als Brennmaterial dienen, und macht einige Tage

später an jener entblößten Stelle einen Einschnitt in den Stamm,

in welchen man ein gespaltenes Bambusröhrchen einsetzt, das den

aus der Wunde rieselnden süßen Saft in ein Gefäß leitet. Der Saft

fließt besonders nachts, und zwar um so stärker, je kühler sie ist.

Früh morgens geht der Eigentümer mit seinen Gehilfen von Baum zu

Baum, um den Saft zu sammeln und sofort an Ort und Stelle zu einem

~gur~ genannten Sirup zu kochen. Dieser wird meist verkauft und von

besonderen Zuckerkochern zu Palmenzucker eingedickt. Wenn der Saftfluß

nach etwa acht Tagen erschöpft ist, so läßt man die Wunde zuheilen und

versucht eine Woche später an einer anderen Stelle nach vorhergehendem

Schälen des Stammes weiteren Saft zu gewinnen. Ein vollkräftiger Baum

kann während der Erntezeit in 50 Nächten abgezapft werden und liefert

240 Sihr (= 100 Liter) süßen Saft, aus denen 24 Sihr (= 10 Liter) Sirup

eingekocht wird. Die Bäume werden aus Samen auf gutgedüngtem Boden

gezogen und werden nach Ablauf des fünften Lebensjahres zum erstenmal

angezapft. Die erste Ernte beträgt nur die Hälfte des Ertrags eines

vollkräftigen Baums. Durchschnittlich beträgt die Erntefähigkeit 40,

unter besonders günstigen Verhältnissen 45 bis 50 Jahre.

Ganz außerordentliche Wichtigkeit kommt der Königin der Palmen,

der +Kokospalme+ (~Cocos nucifera~) zu, die überall in den Tropen

in der Nähe der Küsten schon seit sehr langer Zeit eine geradezu

unentbehrliche Nutzpflanze bildet. Da die übrigen 28 Arten der

Palmengattung ~Cocos~ im Küstengebiet von Mittelamerika heimisch sind,

muß auch sie, die man nirgends mehr wild findet, von dorther stammen,

wie zuerst Martius vermutete. Sie hat sich teils durch den Menschen,

der sie überall mit sich nahm, teils durch die Meeresströmungen über

den ganzen Tropengürtel verbreitet. Als ausgeprägte Strandpflanze,

von der man sagt, daß sie nur soweit gedeiht, als der Seewind sie

erreicht, sind nämlich ihre mächtigen, undeutlich dreikantigen Früchte

auf lange andauernden Transport durch die salzige Flut eingerichtet.

Zu diesem Zwecke haben sie eine 2 Finger dicke, außerordentlich zähe

und dauerhafte Faserhülle, die als Schwimmkörper dient; außerdem ist

der Keimling in eine steinharte Schale eingeschlossen, welche auch

nach allfälliger Auflösung der äußeren Faserhülle den zarten Keimling

vor der schädlichen Einwirkung des scharfen Meerwassers abhält.

Dieser Umstand erklärt es, weshalb die zierliche Palme, deren wehende

Blätterkronen einen der schönsten und charakteristischen Züge der

tropischen Landschaft bilden, sich auch ohne Zutun des Menschen als

vielfach einzigen Vertreter der Baumvegetation auf allen Koralleninseln

der Südsee angesiedelt hat.

Ursprünglich ist die Kokospflanze eine ausschließliche Küstenpflanze.

Erst durch den Menschen wurde sie auch fern von der Küste angesiedelt.

Da, wo sie ihre Wurzeln ins Grundwasser tauchen kann, das auch salzig

sein darf, gedeiht sie nämlich auch fern von der Salzflut. So hat man

sie neuerdings nicht bloß in Indien und auf Ceylon, sondern auch in

Ostafrika bis 500 km vom Meere entfernt angesiedelt. Und sie kommt

hier so gut als an der Küste fort. Sie wird gewöhnlich nur etwa 20 m

hoch, kann aber gelegentlich 25 bis 30 m Höhe erreichen. Auf ihrem

von den vorherrschenden Winden meist etwas gekrümmten, schlanken,

geringelten Stamm von 30 bis 60 cm Durchmesser erhebt sich eine Krone

von 10-12 bis 5 m langen, gefiederten Blättern, deren unterseits

rinnenförmig ausgehöhlter Stiel am Grunde von einem zähen, braunen

Geflecht umgeben ist. Aus den Achseln der untersten Blätter kommen

die bis 1 m langen, zusammengedrückten Blütenscheiden hervor, welche

lange, vielfach verzweigte Kolben mit gelben männlichen und grünen

weiblichen Blüten umschließen. Aus letzteren gehen die 29 : 26 cm

messenden, blaß aschgrauen bis rötlichen Früchte hervor, die fast ein

Jahr zu ihrer Reife brauchen. Ein jeder Fruchtkolben, deren mehrere

gleichzeitig am Baume zu sehen sind, trägt 10 bis 30 Nüsse. So reifen

das Jahr über an einem Baume günstigenfalls bis 150 Nüsse; doch

rechnet man durchschnittlich nur auf einen Jahresertrag von 60 bis 80

Nüssen per Baum in vier bis fünf Ernten. Die junge Nuß ist mit einer

milchigen Flüssigkeit, der Kokosmilch, erfüllt, die einen süßlichen,

etwas zusammenziehenden Geschmack besitzt und frisch ein angenehmes,

kühlendes Getränk bildet. Bei der Reife verdichtet sich diese milchige

Flüssigkeit in den äußeren Partien zu einem festen, weißen Kern, der

neben Eiweißstoffen besonders reichlich Fett enthält. In der Höhlung

dieses festen Teiles des Nährgewebes findet sich aber auch nach

der Reife noch ein flüssiger Teil als Milch, welche später bei der

Keimung zuerst zur Verwendung gelangt. Der kleine Keimling liegt im

festen Nährgewebe unterhalb des Keimlochs des nicht fehlgeschlagenen

Fruchtknotenfaches.

Tafel 23.

[Illustration: Dattelpalmen in Algier.

Dattelernte in einer nordafrikanischen Oase.]

Tafel 24.

[Illustration: Fruchttragende Kokospalme in Westafrika mit einem Neger,

der im Begriffe ist sie zu besteigen, um Nüsse herunterzuholen.]

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte · 第 17 / 77 段