Die ganze Erscheinung des Ölbaumes mit den schmalen, oben mattgrünen,

unten silberiggrau schimmernden Blättern auf knorrigem Stamme

deutet auf seine Herkunft aus einem Klima mit längeren Perioden von

Trockenheit. Im wilden Zustande, als Oleaster, ist er strauchartig mit

verdornten Zweigspitzen und bildet undurchdringliche Dickichte, während

er durch Kultur zu einem 6-8 m hohen, dornlosen Baume wird, der ein

Alter bis zu 1000 Jahren erreicht. Er verlangt einen trockenen, vor

Wind geschützten Kalkboden und muß vom zweiten Jahre an reichlich mit

stickstoffhaltigem Dünger versehen werden. Die Vermehrung geschieht

am zuverlässigsten durch Samen, woraus Wildlinge hervorgehen, die wie

die ebenfalls zur Vermehrung benutzten Stecklinge und Wurzelauswüchse

im zweiten Jahre durch Pfropfen oder Okulieren veredelt werden

müssen. Am vorteilhaftesten ist die Niederstammzucht, wobei durch

regelmäßiges Abkneifen der Zweigspitzen und Auslichten der erschöpften

Tragzweige das Austreiben junger Fruchtzweige veranlaßt werden muß. Die

Tragbarkeit beginnt mit dem 7. Jahre, wird mit dem 10. Jahre lohnend

und erhält sich vom 40. bis zum 100. Jahr auf der Höhe.

Im Mai oder Juni ist der Ölbaum über und über mit lieblich duftenden,

kleinen, gelblichweißen Blüten bedeckt, die an diejenigen unseres

Hartriegels (~Ligustrum vulgare~) erinnern, der auch in Wirklichkeit

ein naher Verwandter desselben ist. Die Frucht ist eine 4 cm

lange, pflaumenartige, dunkelviolette bis schwarze Steinbeere, die

vom November bis Ende Januar geerntet wird, und zwar beträgt die

durchschnittliche Ernte eines vollkräftigen Baumes zwischen 70 und

75 kg Früchte, die in ihrem grünlichweißen Fruchtfleisch zwischen

30 und 50 Prozent Öl enthalten. Das ursprünglichste Verfahren bei

der Olivenernte besteht darin, daß Männer auf die Bäume steigen

und die Oliven mit Stangen hinunterschlagen, die dann von Frauen

und Kindern am Boden gesammelt werden, wobei auch die schon früher

abgefallenen überreifen oder faulenden mit den guten zusammen kommen.

Begreiflicherweise ist das daraus gepreßte Öl nicht von besonders guter

Qualität. Will man feines Olivenöl gewinnen, so muß man die Oliven

einzeln vom Baume pflücken und alle minderwertigen beseitigen, auch die

Pressung möglichst beschleunigen, bevor diese irgendwelche Veränderung

erfahren haben. Das allerfeinste Öl gewinnt man bei schwacher Pressung,

wenn die Steinkerne der Früchte unzerdrückt bleiben. Es ist dies

das „Jungfernöl“, dessen geschätzteste Sorte aus Nizza und Lucca in

Oberitalien kommt. Doch wird im Großbetriebe kaum je so verfahren,

sondern die Pressung gleich bis zum Zermalmen der Kerne gesteigert.

Der so gewonnene Brei gelangt in Säcke, die kalt gepreßt werden. Das

abfließende Öl ist die nächstbeste Qualität, das Provenceröl, so

genannt, weil es am meisten in der Provence gewonnen wird. Aus den

Rückständen und den weniger guten Früchten macht man unter Anwendung

von Wärme das weniger gute, geringwertigere Baumöl, welches als

Brennöl und besonders zur Herstellung milder Seifen -- speziell der

Marseillerseife -- Verwendung findet. Heute wird das Olivenöl vielfach

durch den Zusatz von Erdnußöl verfälscht, das neuerdings in großer

Menge besonders nach Frankreich eingeführt wird.

Als Nahrungs- und Heilmittel, wie auch in der Technik zum Ölen und

zur Herstellung von Seife, ebenso zur Salbung und letzten Ölung

der Katholiken spielt das Olivenöl eine bedeutende Rolle. Obschon

Südfrankreich etwa 26 Millionen kg davon hervorbringt und das übrige

Frankreich aus anderen Pflanzen über 80 Millionen kg Öl erzeugt, deckt

es damit seinen eigenen Bedarf noch nicht. Es führt deshalb noch

reichlich Olivenöl aus Süditalien ein. So soll das meiste Provenceöl

aus Apulien stammen. Es wird von Bari aus nach Nizza verschifft, wo

es als Provenceöl verkauft wird. Italien produziert 1,6 Millionen

Hektoliter Olivenöl im Werte von 200 Millionen Franken und führt davon

für 70 Millionen Franken aus. Spanien produziert 10,6 Millionen kg

Olivenöl und führt für etwa 12 Millionen Mark aus. Griechenland erntet

etwa 122 Millionen kg Oliven und führt für etwa 3 Millionen Mark

aus. Algier besitzt etwa 4 Millionen Ölbäume, und Tunis verschifft

durchschnittlich 3,5 Millionen kg Olivenöl im Jahre. Syrien erzeugt

etwa 7 Millionen kg Olivenöl.

Wie seit dem frühesten Altertum, so ist heute noch der Ölbaum der

nützlichste Baum, ja geradezu das Wahrzeichen Syriens und Palästinas.

Fast jedes Dorf ist von einem Ölbaumhain umgeben, dessen Bäume außer

gelegentlichem Ausputzen der Zweige und Umpflügen des Landes, um

Atmungsluft leichter zu den Wurzeln gelangen zu lassen, keinerlei

Pflege bedarf. Unverwüstlich leben sie weiter und tragen jährlich ihre

Früchte, die den größten Reichtum des Landes bilden. Der Fellache,

d. h. Landmann, sagt: Der Weinstock sei eine ~sitt~, eine zärtliche

Dame und verlange Pflege und Aufmerksamkeit, der Feigenbaum sei eine

~fellacha~, eine abgehärtete Bäuerin, die schon bei wenig sorgfältiger

Behandlung gedeihe, der Ölbaum sei aber eine ~bedauije~, ein auch

in der Wildnis und bei absoluter Vernachlässigung noch arbeitsames

Beduinenweib.

Der Ölbaum bedarf zu seinem Gedeihen einzig nur ein von anderen

Kulturen freies Land; er duldet nicht, daß man Weinreben oder

Feigenbäume dazwischen pflanzt. Diese Unduldsamkeit des Ölbaumes

erklärt uns, weshalb in der Bibel stets Weinstock und Feigenbaum,

aber nie Weinstock und Ölbaum nebeneinander genannt sind. Wie

unsere Obstarten wird er aus Wildlingen veredelt, aber nicht durch

Pfropfreiser, wie noch zur Zeit des Apostels Paulus, sondern durch

Okulieren. Selten zieht man die jungen Wildlinge aus Samen, da

es bei ihrem äußerst langsamen Wachstume zu lange ginge, bis sie

veredelungsfähig wären, und auch veredelt würden sie Jahre hindurch

unansehnliche Bäumchen bleiben. Es werden vielmehr die um den

knorrigen Wurzelstock der alten Bäume drängenden Schößlinge, deren

frische Jugendkraft dem alttestamentlichen Psalmendichter zu dem Bilde

Veranlassung gibt: „Deine Kinder sind wie Ölzweige um den Tisch herum,“

als Ableger verwendet. Sobald sie einigermaßen erstarkt sind, werden

sie zur Zeit der Olivenblüte okuliert. Man schneidet am Wildling ein

rechteckiges Stück Rinde aus, überträgt ein von einem fingerdicken

Edelreis genommenes gleichgroßes Stück mit guten Augen auf den

Ausschnitt und verbindet die Veredelung auf eine Dauer von 12 Tagen mit

Bast.

War die Veredelung von Erfolg begleitet, so löst man die veredelten

Stämmchen vermittelst einer Axt derart vom Mutterbaume los, daß man

ihnen ein klotzartiges Stück des Wurzelstocks beläßt. Hierauf schneidet

man ihre Edeltriebe ziemlich nahe der Verbindungsstelle ab, weil sie

im ersten Jahre, da sie selbständig Wurzel fassen, nicht genügend Saft

hätten, diese Triebe weiter zu entwickeln, und versetzt sie. Bereits

vom dritten Jahre an kann ein solcher Baum Früchte tragen. Will man

einen schon großen, wilden oder halbzahmen Ölbaum veredeln, so bringt

man an jedem Ast in Mannshöhe eine Veredelung an und trennt oberhalb

derselben in Form eines Ringes die Rinde bis auf das Holz los, damit

sich die Säfte des Baumes mehr dem Edelreise zuwenden. Im Herbst werden

dann nach der Ernte die Äste an der geringelten Stelle mit dem Beil

abgeschlagen; sie abzusägen würde, wie die Fellachen sagen, dem Baume

schaden.

Tafel 21.

[Illustration: Ein großer Ölbaum bei Antibes an der Riviera.]

Tafel 22.

[Illustration: Olivenhain auf Capri.

Dattelpalmen an den Ufern des Nils in Ägypten.]

Der Olivenertrag ist nur jedes zweite Jahr ein reichlicher, wobei ein

großer Baum etwa 120 kg Oliven ergibt, aus denen 25 Liter Öl gewonnen

werden kann. Bei der Ernte werden sehr viele Oliven roh verspeist,

andere eingemacht und der Rest zur Gewinnung von Öl verwendet, wobei

das beste und feinste Öl aus den unreifen Oliven gewonnen wird. Je

fleischiger nämlich die Olive wird, desto weniger und geringer ist

das Öl, das sie gibt. Die zur Ölbereitung bestimmten Beeren werden

zunächst auf dem flachen Dache oder am Boden ausgebreitet und dann

einige Zeit aufgehäuft, „damit sie“, wie der Fellache sagt, „in Gärung

geraten“. Hierauf kommen sie in die Ölpresse, die aus einem wagrechten,

kreisrunden Stein mit tellerartiger Vertiefung besteht, in welcher ein

aufrecht stehender Mühlstein durch ein Maultier oder einige Männer

im Kreise bewegt wird. Nachdem die Oliven von diesem Steine zu Brei

zermalmt sind, werden sie in einer der Weinkelter ähnlichen Presse

ausgepreßt, wobei das Öl in eine kleine, auszementierte Zisterne läuft

und aus dieser in Lederschläuche oder große irdene Gefäße gefüllt

wird. Ärmere Leute schütten die Oliven wie in der Vorzeit in die Mulde

eines Felsens und zerdrücken sie mit einem walzenförmigen Stein.

Die zermalmten Früchte werden in einem Kessel mit siedendem Wasser

übergossen, worauf das Öl oben zu schwimmen kommt und abgeschöpft wird.

Dieses Öl dient als Nahrung, als geschätzte Arznei, als Brennmaterial

zur Erhellung der Hütten während der langen Winternächte und zum Salben

des ganzen Körpers, wovon die Leute stark und kräftig zu werden glauben.

Wie in allen Gegenden, in welchen der Ölbaum gedeiht, kann man sich

auch in Palästina eine Mahlzeit ohne Oliven kaum denken. Sie werden

meist in der Weise konserviert, daß man sie, nachdem ihr Fruchtfleisch

durch leichtes Klopfen mit einem Stein aufgerissen wurde, in

Salzwasser legt, oder man verbringt sie in große Strohkörbe, streut

Salz darauf, fügt zur Würze Zweige der Raute bei, bedeckt sie mit

Steinen, vermischt sie nach zehn Tagen mit Olivenöl und genießt sie,

auf solche Weise haltbar gemacht, das ganze Jahr hindurch. Dergleichen

Oliven und Olivenöl, das sich heute noch wie vor 3000 Jahren bei

der Witwe zu Sarepta im Kruge der ärmsten Bäuerin findet, sind mit

Weizenbrot, in Zeiten der Teuerung auch Gersten- und Durrabrot, die

Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung. Das Olivenöl vertritt bei den

Bauern ganz die Stelle des Schmalzes und der Butter, die nur die

nomadisierenden herdenbesitzenden Beduinen gebrauchen, und wenn der

Landmann, der Fellache, seinen frisch aus dem Ofen kommenden Brotfladen

in etwas Öl eintauchen kann, so gilt ihm das als Leckerbissen. Alle

Orientalen, die es sich leisten können, lieben es, nicht bloß ihre

Salate und Gemüse, sondern überhaupt sämtliche Speisen förmlich in Öl

schwimmend zu genießen.

Aus dem gelben, im Innern dunkel geaderten und gefleckten Holz, das

angenehm nach Öl duftet und eine hübsche Politur annimmt, werden in

manchen Gegenden Palästinas, besonders in Betlehem, allerlei hübsche

Gebrauchsgegenstände angefertigt, die von den Fremden gerne als

Andenken gekauft werden.

Ein aus alten Stämmen schwitzendes, vanilleartig riechendes Gummiharz

dient in Italien zum Räuchern. Auch die Früchte des +amerikanischen

Ölbaums+ (~Olea americana~) in Carolina und Florida werden in ihrer

Heimat gegessen. Das überaus harte Holz der alten Bäume wird dort

als ~devil-wood~ vielfach bearbeitet. Seine Blüten sind beinahe so

wohlriechend wie diejenigen des in China, Cochinchina und Japan

wachsenden +wohlriechenden Ölbaums+ (~Olea fragrans~), eines etwa 2 m

hoch werdenden immergrünen Strauchs, dessen Blüten zur Parfümierung des

chinesischen Tees, wie ihn der Abendländer liebt, benutzt wird.

V.

Die Fruchtbäume.

Zweiter Teil.

Mit den im vorigen Abschnitte aufgezählten Fruchtbäumen ist das

Verzeichnis der der alten Kulturwelt geschenkten Gaben der Ceres noch

lange nicht erschöpft. Man denke zunächst nur an die große Schar von

köstliche Frucht tragenden Palmen, denen im Haushalte des Menschen die

allergrößte Bedeutung zukommt. Schon durch ihre äußere Erscheinung

bestimmen sie vielerorts den Charakter der Landschaft; denn in den

Tropen erreichen sie vielfach eine gewaltige Größe und genießen infolge

ihrer ungemein großen Nützlichkeit eine hohe Verehrung, ja mancherorts

geradezu göttliche Ehre.

In Europa gibt es gegenwärtig nur eine einzige wildwachsende Palme,

die ganz unscheinbar ist und auch dem Menschen nur geringen Nutzen

gewährt. Es ist dies die +Zwergpalme+ (~Chamaerops humilis~), welche

in Südspanien, in Süditalien und in Griechenland an heißen, trockenen

Standorten Gestrüppe bildet. Besonders häufig aber ist sie im

trockenen, warmen Nordafrika, wo sie den europäischen Kolonisten das

größte Hindernis bei der Urbarmachung des Bodens bildet, indem ihre

über 1 m tief eindringenden Wurzeln darin ein undurchdringliches, kaum

zu beseitigendes Geflecht bilden, deren Ausrodung überaus mühevoll

und kostspielig ist. Ihr Stamm ist so niedrig, daß er oft kaum über

die Erde emporragt; er trägt eine Krone von fächerförmigen Blättern,

an deren Achseln die mit gelben, zweihäusigen Blüten besetzten

Blütenstände hervortreten. Die weiblichen erzeugen einsamige Beeren,

die eine gewisse Ähnlichkeit mit Oliven aufweisen.

Die früher als lästiges Unkraut betrachtete Palme hat sich

als Nutzpflanze erwiesen, indem aus den Fasern ihrer Blätter

Polstermaterial für Matratzen und Kissen gewonnen wird, das gegenüber

den Pferdehaaren den Vorzug besitzt, 75 Prozent billiger zu sein und

nicht von Insekten angegriffen zu werden. Der Verkaufspreis der

Rohblätter am Gewinnungsorte in Algerien, wo die Pflanze am häufigsten

ausgebeutet wird, beträgt 2 Mark pro Zentner, und da ein fleißiger Mann

4 Zentner in einem Tage schneiden kann, so verdient er einen guten

Taglohn. Dies gilt in bezug auf die öffentlichen Ländereien Algeriens,

wo die Blätter der Zwergpalme von eingewanderten Spaniern, die

gleichzeitig Spartgras schneiden, und von Arabern abgeerntet werden,

während die Frauen und Kinder sie hecheln. Solche gehechelte Blätter

gelten 8-9 Mark pro Zentner und kommen seit 1845 in zunehmendem Maße

als „vegetabilisches Pferdehaar“ nach Europa, besonders Frankreich,

in den Handel. Außerdem werden die Blätter neuerdings auch zur

Papierfabrikation benutzt.

Von dieser Zwergpalme erhielt die kleine Insel Palmaria bei Spezia

ihren Namen, da sie von ihr einst förmlich überwuchert war. Schon

der treffliche griechische Botaniker Theophrastos (350-286 v. Chr.)

unterschied sie deutlich von der +Dattelpalme+, obschon sie denselben

Namen trug. Er sagt, sie wachse häufig auf Kreta, aber noch mehr

auf Sizilien und aus ihren breiten Blättern würden Körbe und Matten

geflochten. Noch heute ist dies der Fall, außerdem verfertigt man

Kehrbesen aus ihnen, dreht Stricke daraus und ißt gelegentlich

die jungen Gipfeltriebe, Wurzeln und Früchte. Von dieser wenig

schmackhaften Kost ernährten sich nach dem Berichte des Cicero (106-43

v. Chr.) in seiner zweiten Rede gegen Verres die Matrosen der an der

Küste Siziliens von ihrem Führer verlassenen Flotte. In einer Satire

des römischen Dichters Horaz (65-8 v. Chr.) ist von aus Blättern dieser

Palme verfertigten Kehrbesen die Rede, mit denen die Mosaikfußböden

gereinigt würden, und der zu Gades in Spanien geborene römische

Ackerbauschriftsteller Columella im 1. Jahrhundert n. Chr. spricht von

daraus verfertigten Palmmatten, mit denen sein Onkel zu Gades (Cadix)

in der das südliche Spanien umfassenden Provinz Baetica während der

größten Sommerhitze seine Weinreben bedecke.

Die erste größere Palme, die uns an der Riviera durch ihre zierliche

Erscheinung erfreut, ist die +Dattelpalme+ (~Phoenix dactylifera~),

die hier als weit nach Norden vorgeschobener Vorposten des

sonnenreichen Südens erscheint und auch niemals Früchte zeitigt.

Durch ganz Nordafrika von Marokko und den Kanaren bis Syrien, Persien

und Arabien ist sie der heutigen muhammedanischen Bevölkerung eine

zum Lebensunterhalt völlig unentbehrliche Fruchtpflanze, deren

zierliche Kronen von Fiederblättern überall, wo sie auftauchen,

die menschlichen Ansiedelungen ankündigen. Ihre süßen, sehr

wohlschmeckenden und nahrhaften Früchte bilden das tägliche Brot und

zugleich den wichtigsten Handelsartikel der Araber, die sich ihren

Anbau sehr angelegen sein lassen. Sie gedeiht am besten zwischen

dem 19. und 35.° nördlicher Breite, und bedarf nach Norden zu einer

mittleren Jahreswärme von 21-23°, um genießbare Früchte zu zeitigen.

Sie verlangt Sandboden mit Grundwasser zu ihrem guten Gedeihen und

will ihren Blätterschopf in der Sonnenglut baden. Kein Sturm bricht

oder entwurzelt sie, da ihr Stamm von den verflochtenen Fasern der

Blattstiele umgeben wird und ihre zahlreichen, sehr tief reichenden,

zähen Wurzeln sie überaus fest im Boden verankern. Ihr 20-30 m, in

einzelnen Fällen sogar 40 m hoher Stamm trägt einen Schopf von 40 bis

80 Stück 2-3, ja 4 m langer, graugrüner Fiederblätter, die das Licht

durchlassen, so daß an ihrem Fuße noch Gemüse und kleinere Fruchtbäume

gedeihen. Zudem spenden sie willkommene Kühlung, indem die Blätter,

je stärker sie von der Sonne bestrahlt werden, um so mehr Wasser

verdunsten lassen, wobei Wärme gebunden wird. Meist bildet sich in

jedem Jahr nur ein neues Blatt, während ein altes abstirbt; dies

fällt nicht ab, wird aber bei den in Kultur befindlichen Bäumen von

Menschenhand entfernt.

Die einzelnen Exemplare der Dattelpalme sind männlich oder weiblich

und bringen ihre Fruchtorgane in großen Rispen hervor. Jede Rispe

enthält beim männlichen Baum etwa 12000 Blüten, beim weiblichen

dagegen 100-200 Fruchtansätze. Dabei überträgt die Luftströmung den

Pollen von den hängenden Rispen des männlichen auf die Blütenstände

des weiblichen Baumes. Die Getrenntgeschlechtlichkeit dieser Pflanze,

deren weibliche Individuen die Datteln hervorbringen, war bereits den

alten Babyloniern, Ägyptern und Griechen bekannt, und sie wußten sehr

gut, daß Gruppen von vereinzelt stehenden weiblichen Bäumen nur dann

Frucht ansetzen, wenn stäubende männliche Blütenrispen in ihre Kronen

aufgehängt werden.

Derselbe Prozeß der Auslese und Kultur, der aus einem Wildling den

edlen Ölbaum schuf, hat auch in Südwestasien in vorgeschichtlicher

Zeit die Dattelpalme geschaffen. Als die Stammpflanze derselben gilt

die wilde Dattelpalme (~Phoenix silvestris~), die noch heute in Iran

und dem wüstenhaften Vorderindien weit verbreitet gefunden wird, aber

kaum eßbare, kleine, herbe Früchte liefert. Als Ursprungsland der

Dattelkultur wird meist Südarabien angesehen, doch ist die älteste

für uns nachweisbare Stätte der Anpflanzung des veredelten Baumes

Babylonien, das Tiefland des Euphrat und Tigris, zu einer Zeit bevor

noch die semitische Einwanderung hier stattfand, die diesen Fruchtbaum

als höchst kostbares Kulturgut mit andern solchen Kulturgütern

übernahm. Schon die Siedelungen des altbabylonischen Volkes von Sumer

und Akkad waren, wie heute noch diejenigen der Araber, im Schatten der

Dattelpalmen errichtet. Ein uns erhaltener babylonischer Hymnus zählt

uns 360 Arten -- eine mystische astrologische Zahl, die bei diesen

abergläubigen Menschen eine große Rolle spielte -- von Nutzen dieses

Baumes auf, der bei den Assyrern, wie uns verschiedene Basreliefs auf

Alabaster beweisen, geradezu als heilig verehrt wurde. Der älteste

griechische Geschichtschreiber, Herodot, der ums Jahr 460 v. Chr.

Babylonien selbst bereiste, berichtet in seiner Geschichte des Orients

und Griechenlands, daß die Dattelpalme der einzige Baum sei, der in

den Ebenen Babyloniens gepflanzt werde und dort in ganzen Hainen

wachse. „Man sieht dort weder Ölbäume, noch Reben, noch Feigenbäume.

Nur Dattelpalmen wachsen überall und tragen Früchte, aus welchen man

Speisen, Wein und honigsüßen Saft gewinnt. Die Leute pflegen ihre

Palmen sehr gut und binden die Blütenrispen der männlichen Bäume in die

Krone der weiblichen, fruchttragenden, damit die Gallwespe (~psēn~)

von jenen auf diese übergehe und sie zur Reife bringe. Geschieht dies

nicht, so fallen die Früchte ab. Es tragen nämlich die männlichen

Dattelbäume in ihren Rispen Gallwespen wie die Feigenbäume.“ Diese

Behauptung, die kein anderer Schriftsteller des Altertums wiederholt,

war natürlich unrichtig, indem dies geschieht, damit der Wind die

Befruchtung vornehme. Er schloß nur aus der in seiner Heimat am

Feigenbaum geübten Sitte auf diese ihm sonst unerklärliche babylonische

Gepflogenheit, die später der große Schüler des Aristoteles,

Theophrastos (390-286), ganz richtig erklärt, indem er bemerkt, daß man

dies tue, um den Blütenstaub sicher auf die weiblichen Blüten gelangen

zu lassen.

Herodot berichtet weiter: „Meistens führen sie (die Babylonier) Krüge

von Palmwein darauf“ -- nämlich auf ihren runden, gepichten Fahrzeugen,

auf denen sie den Euphrat hinunter nach Babylon fahren. Eingehender

berichtet uns der griechische Geschichtschreiber Xenophon, ein Schüler

des Sokrates (440-355 v. Chr.), über die von ihm in Babylonien

beobachteten Dattelpalmen. Als er im Jahre 400 die zehntausend Mann

griechischer Truppen, die dem jüngeren Kyros gegen dessen Bruder

Artaxerxes Mnemon zu Hilfe gezogen waren, nach der unglücklichen

Schlacht bei Kunaxa über das armenische Hochland nach der Südküste des

Schwarzen Meeres und von da weiter nach Byzanz führte, baute er, um

die breiten, brückenlosen Kanäle zu passieren, Brücken aus Palmstämmen

und quartierte dann seine Leute in Dörfern ein, in denen großer Vorrat

von Getreide, Dattelwein und Dattelessig war. „Die Datteln selbst,

welche dem Gesinde gegeben wurden, waren so wie diejenigen, welche

man in Griechenland sieht; diejenigen aber, die für die Herrschaft

bestimmt waren, besaßen eine wundervolle Schönheit und Größe. Der Farbe

nach waren sie dem Bernstein gleich. Auch wurden sie getrocknet zum

Verspeisen aufbewahrt. Aß man die getrockneten zum Trank, so schmeckten

sie zwar süß, bewirkten aber Kopfweh. Dort aßen die Soldaten auch zum

erstenmal das Hirn der Dattelpalme (~enképhalon tu phoínikos~). Sie

bewunderten das Aussehen und den eigentümlich angenehmen Geschmack

dieser Speise; aber sie bewirkte ebenfalls starkes Kopfweh. Übrigens

stirbt jede Palme ab, wenn ihr das Gehirn genommen wird.“ Und an einer

anderen Stelle schreibt er: „Sie (die Soldaten) fuhren dann auf ihnen

(den wasserdicht zusammengenähten und mit Heu ausgestopften Fellen,

die ihnen als Fahrzeuge dienten) hinüber (über den Euphrat) und holten

sich aus der Stadt (Charmande) aus Datteln hergestellten Palmwein und

Hirsebrot, dergleichen in der Gegend im Überfluß zu haben war.“

Auch der ältere Plinius sagt um die Mitte des 1. christlichen

Jahrhunderts, daß nicht nur der aus den in Wasser eingeweichten

Datteln gepreßte Dattelwein, sondern auch die frischen Datteln Kopfweh

verursachen, getrocknet weniger. Die Dattelpalme sei nach dem Weinstock

und Ölbaum der edelste Baum; man unterscheide viele Sorten, von denen

die sogenannten königlichen Datteln zu Babylon die berühmtesten

seien. Im Süden seien auch die Syagren (d. h. Wildschweindatteln) und

Margariden berühmt; letztere seien kurz, rund und weiß, weshalb sie

auch ihren Namen von der Perle (~margarita~) erhalten hätten. Nach

diesen seien die Sandaliden (d. h. Sandalendatteln) und Karyoten (d.

h. Nußdatteln)[A] die geschätztesten. Vorzugsweise sei Judäa durch

seine Dattelpalmen berühmt. Ihr Hauptwert bestehe in dem fetten Safte

mit weinartigem, süßem Honiggeschmack. Die weniger saftigen dortigen

Datteln heißen Nikolaen;[B] sie seien ungemein groß, so daß vier davon

zusammen die Länge einer Elle ausmachen. Weniger ansehnlich, aber im

Geschmack fast ebensogut wie die Karyoten seien die Adelphiden (d.

h. Geschwisterdatteln), während die dritte hierher gehörige Art, die

Pateten (d. h. zertreten aussehenden Datteln), zu viel Saft haben,

weswegen sie noch am Baume platzen und dann wie zertreten aussehen.

Eine mehr trockene Sorte seien die langen, schlanken Daktylen (die den

eigentlichen Dattelnamen tragen); „diese, die wir den Göttern weihen,

nennen die Juden, welche sich durch Verachtung der Götter auszeichnen,

Chydäen (d. h. Ausschuß).“

Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte · 第 16 / 77 段