sehr zuträglich, verdaue sich aber besser, wenn man ihn vor als nach
der Mahlzeit esse. Ein Jahrhundert vor ihm erklärten Dioskurides:
„Der Pfirsich ist eine gesunde Speise, wenn er gehörig reif ist,“ und
Plinius: „Der Pfirsich bekommt einem besser als die Pflaume und das
meiste andere Obst. Bei der Pfirsichsorte, die man ~duracinum~ (aus dem
Griechischen ~dōrakinón~ laut Geoponika) nennt, geht das Fleisch nicht
vom Kern.“ Diese allein läßt sich nach Palladius „auf verschiedene
Weise eine Zeit lang aufbewahren.“ Bei den gewöhnlichen Sorten war dies
nicht möglich; denn Gargilius Martialis klagt: „Man hat auf mancherlei
Weise versucht, Pfirsiche lange aufzubewahren, aber vergeblich.“
Nach Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. kann man Pfirsichbäume aus
Kernen ziehen, die im November oder Januar mit der Spitze nach unten
in tief gegrabene Beete, je zwei Fuß voneinander gelegt werden, oder
auf Wildlinge pfropfen, und zwar auf Pfirsiche, Mandeln, Pflaumen
und Aprikosen. „Am besten werden die Früchte an warmen Stellen, auf
sandigem, feuchtem Boden. Wachsen die Bäume an kalten und windigen
Stellen, so gehen sie ein, wenn sie nicht vor Kälte und Wind geschützt
werden. Im Herbst wird die Erde um die Bäume aufgehackt und sie werden
mit ihren eigenen Blättern gedüngt. Um große Früchte zu bekommen,
begießt man den Baum zur Blütezeit 3 Tage lang mit Ziegenmilch.“
Tafel 17.
[Illustration:
(Phot. von E. Reinhardt.)
Blühende Mandelbäume bei Assisi in Umbrien.
Traubenernte in der Provence in Südfrankreich.]
Tafel 18.
[Illustration: Das Einmachen von Obst in der Konservenfabrik Lenzburg.]
Wie rasch diese geschätzten Obstsorten durch die Römer nordwärts der
Alpen gebracht wurden beweist die Tatsache, daß bereits zu Columellas
Zeit gegen das Ende des 1. christlichen Jahrhunderts eine besondere
gallische Pfirsichsorte bekannt war. In den ältesten Schachtbrunnen
der Römer auf der Saalburg sind, wie bereits erwähnt, sowohl Aprikosen-
wie Pfirsichkerne gefunden worden. Auch im Pfahlwerk des Fuldatales
aus spätrömischer Zeit kamen 25 Pfirsichsteine zum Vorschein; wie
Vonderau berichtet, wurde ein Teil derselben einer Kulturschicht
entnommen, die auch mehrere Bruchstücke der glänzend-roten ~terra
sigillata~ enthielten. Pater de la Croix entdeckte beim Dorfe Sanxay
in Poitou einen kleinen Pfirsichkern in einer Mauer, die aus dem
2.-4. Jahrhundert n. Chr. stammen soll. Ein anderer Fund wurde aus
dem Pfahlwerk von Paladru im Departement Isère aus der Merowingerzeit
gemacht. Unter den ~persicarii diversi generis~, d. h. Pfirsichbäumen
verschiedener Art, die wir im Verzeichnis der Obstbäume aus den
Gärten Karls des Großen 812 erwähnt finden, werden sich jedenfalls
auch Aprikosen befunden haben, welche im Mittelalter teils zu den
Pfirsichen, teils zu den Pflaumen gerechnet wurden. Noch Albertus
Magnus (geb. 1193 in Schwaben, gest. 1280 in Köln), einer der größten
Gelehrten des Mittelalters, nennt den Pfirsich ~prunum persicum~
und die Aprikose ~prunum armeniacum~, und die Botaniker des 16.
Jahrhunderts sahen die Aprikose meist als eine Pfirsichsorte an.
Heute blüht die Kultur der Pfirsiche und Aprikosen außer um Paris, wo
besonders diejenigen von Montreuil berühmt sind, besonders im südlichen
Nordamerika, speziell in Kalifornien, das ganze Bahnzüge davon frisch
oder getrocknet nach den östlichen Vereinigten Staaten versendet.
Ebenso in Südamerika, speziell in Argentinien, wohin diese Obstbäume
durch die Jesuiten gelangten, werden sie im großen gezogen. Jetzt
finden wir in der Nähe der alten Niederlassungen der Spanier reiche
Bestände völlig wildwachsender Bäume, die von den Argentiniern nicht
bloß ihrer Früchte, sondern auch ihres Holzes wegen geschätzt werden.
Oft findet sich der rasch wachsende Baum mitten in den sonst baumlosen
Pampas des Holzes wegen ~kultiviert~.
Auch in Chile spielen sie neben dem übrigen von Europa dorthin
importierten Obst eine große Rolle. Prof. Otto Bürger schreibt
darüber in seinem Buche: Acht Lehr- und Wanderjahre in Chile: „In der
Vorkordillere bilden Pfirsiche, süße und saure Kirschen -- ~cerezos~
und ~guindos~ -- fruchtbeladene Haine. Nach der chilenischen Weihnacht
beginnt die Zeit ihrer Reife. Da sind die Verkaufsstände voll Kirschen,
~duraznos~ und ~priscos~ (verschiedene Sorten Pfirsiche), ~ciruelas~
(Pflaumen) und Frühbirnen. Was umschließt allein das Wort ~durazno~ für
eine Fülle von Früchten, die sich durch Größe, Form, Farbe, Glätte,
Flaum, früheres oder späteres Reifen voneinander unterscheiden und
dementsprechend verschiedene Namen im Volke führen. Der Pfirsich oder
~durazno~ (offenkundig aus dem lateinischen ~duracinum~ abzuleiten)
ist seit der Eroberung in Chile heimisch (1541 wurden die nördlichsten
Provinzen durch die Spanier erobert, nachdem Diego de Almagro 1536
von Peru aus zuerst dorthin vorgedrungen war) und war schon um die
Mitte des 18. Jahrhunderts der gemeinste Obstbaum. Eine grünlichgelbe
Sorte mit roten Wangen, bei welcher der Kern freiliegt, wird ~prisco~
genannt. Die ~duraznos~ werden in Menge getrocknet und dann, wenn es --
wie meistens -- mit dem Kern geschieht, als ~huesillos~ oder ohne ihn
als ~orejones~ bezeichnet und vom Volke mit ~mote~ (gekochten Weizen-
oder Maiskörnern) gegessen. Die ~ciruelas~ (Pflaumen) und ~damascos~
(Aprikosen) sind ebenfalls schon lange in Chile heimisch und gedeihen
wie die ~duraznos~ am besten in Mittelchile, während die Feigenbäume
-- ~las higueras~ --, die im Dezember die größeren und saftigeren
~brevas~ und im Herbste die kleineren und süßen ~higos~ liefern, im
Norden sogar noch besser vorwärts kommen. Die getrockneten Feigen
sind die der zweiten Ernte. Unter ~tunas~ versteht man die Früchte
eines ursprünglich auf den Antillen beheimateten Kaktus (~Opuntia
tuna~). Die ~nisperas~, d. h. Mispeln, sind die gelblichen, rundlichen
Früchte eines japanischen Baumes (~Eriobotrya japonica~), die in ihren
vollständigen, traubigen Fruchtständen gebrochen werden. Sie haben
einen säuerlichen Geschmack und sind ein wenig das Aschenbrödel unter
ihren Genossen. Der Spanier hat einen Spruch:
„~Quien come nisperas~ Wer (japanische) Mispeln ißt
~I bebe cerveza~ Und Bier trinkt
~I beza a mujeres viejas,~ Und alte Weiber küßt,
~Ni come, ni bebe, ni beza!~“ Der hat nicht gegessen,
getrunken, geküßt.
Außerdem gibt es bräunlichgrüne Lucumafrüchte von der Größe eines
Apfels von einem aus Peru stammenden dichtbelaubten Sapotaceenbaume
(~Lucuma obovata~). Weiter gibt es in Chile eine wilde Art (~L.
valparadisea~), welche die feuchten und schattigen Schluchten der
Provinzen Aconcagua und Valparaiso bewohnt, deren viel kleinere Früchte
wohl süß, aber zugleich adstringierend schmecken und darum nicht
gegessen werden. Birnen und Äpfel liefert der Süden, vom Rio Biobio ab,
in wahren Prachtexemplaren; es gibt Birnen von einer Größe und süßen
Saftigkeit und Äpfel der verschiedensten Sorten von einer Feinheit
und Reinheit der Zeichnung und des Aromas, die unseren besten nicht
nachstehen. Aus gewissen Sorten wird seit alters Äpfelwein -- ~chicha
de manzana~ -- in vorzüglicher Qualität hergestellt, dessen Fabrikation
von den Deutschen der Provinz Valdivia ausgedehnt und vervollkommnet
wurde.
Und was gibt es noch? Vor allem Trauben, schwarze und gold-grüne, die
ebenfalls wie die Wassermelonen mit rotem Fleisch -- ~sandias~ -- und
die gelben Melonen zu den Artikeln des Massenkonsums gezählt werden
dürfen, so beliebt und billig sind sie, dann Orangen -- ~las neranjas~
--, die aber erst im September am wohlschmeckendsten werden, saure
und süße Limonen, Mandeln, Walnüsse und ~avellanos~, die chinesische
Haselnuß, die schwere Menge, und dann noch etwas echt Chilenisches,
~piñones~, die Samen der Araukarie des Südens. Ferner die einheimische
und europäische Erdbeere, die aus Brasilien oder Peru eingeführte
Ananas und Banane, ~platanos~ genannt, die ~chirimoya~ (~Anona
cherimolia~), eine Frucht von ganz apartem, wunderbarem Aroma, und die
~palta~ (~Persea gratissima~), welche den Lorbeergewächsen zugehört.
Diese reifen in den gegen das Meer hin offenen, warmen und feuchten,
gegen die trockenen, eisigen Winde der Hochkordillere geschützten
~Chacras Quillótas~.“
Welche Fülle von herrlichem Obst hat also nicht die Alte Welt der
Neuen zu ihren zahlreichen einheimischen Produkten hinzugegeben, die
auch sehr schätzenswert sind! Wir werden im folgenden Abschnitte
einige der wichtigsten unter denselben kennen lernen. Sonst sind außer
den +Guajaven+ (~Psidium pyriferum~) mit birnförmigen und dem nahe
verwandten ~Psidium pomiferum~ mit kugeligen, pflaumen- bis apfelgroßen
Früchten vom Ansehen der Orangen, unter deren lederartiger Schale ein
nach innen schön rosenrot gefärbtes, zartes Fruchtfleisch von Erd-
und Himbeergeschmack sich findet, die eirunde und über faustgroße
westindische +Anchojebirne+ (von ~Grias cauliflora~) zu nennen. Unsere
Kirschen vertreten im warmen Südamerika die vorzüglich in Guiana
heimische +Pitanga+ (von ~Eugenia michelii~) und die +Jabuticaba+ (von
~Eugenia cauliflora~). Die Frucht der letzteren von der Größe unserer
Herzkirsche hat unter der zarten, schwarzen Haut ein weißes, weiches,
sehr saftiges Fleisch mit 2-3 Kernen. Sie steht an Geschmack unseren
Kirschen nach, reift in Brasilien am Ende des Winters (September und
Oktober) und ist doppelt geschätzt, da sie zu der Zeit die einzige
Frucht bildet, welche frisch zu haben ist. Eine andere Frucht von
der Größe und Form unserer Pflaumen sind die +Ibametara-Arten+ (von
~Spondias myrobalanus~) u. a., die in Westindien und dem nördlichen
Südamerika wildwachsen und hier überall, wie auch anderwärts in den
Tropen, wohin alle diese Fruchtbäume verbracht wurden, vom Menschen
angepflanzt werden, weil er ihre wohlschmeckenden, süßen Früchte
überaus schätzt, Mus daraus bereitet und allerlei Getränke davon macht.
Kehren wir nach diesem kurzen Abstecher nach Südamerika in unsere
Heimat zurück, so ist in bezug auf die Kultur der Pfirsiche und
Aprikosen zu bemerken, daß sie bei uns nur in südlichen Gegenden
oder an sonniger, geschützter Lage gut gedeihen, aber als Hochstämme
wohlschmeckendere Früchte denn als Spalierbäume liefern. Mit Vorliebe
zieht man sie in den ebenfalls sonnige Lage beanspruchenden Weingärten;
aber auch in den wärmeren Obstgärten gedeihen sie gut. Besonders
die sattroten, direkt dem Stamm aufsitzenden, vor den Blättern
erscheinenden Blüten des Pfirsichs verleihen durch ihre hübsche Färbung
zwischen dem weißen Blust des übrigen Kernobstes und den rosafarben
angehauchten Apfelblüten einem gemischten Obstgarten ein höchst
eigenartiges, manchmal geradezu bezauberndes Gepräge.
Im Gegensatz zum Pfirsich, dessen saftige äußere Fruchtschale gegessen
wird, ißt man bei der verwandten +Mandel+ (~Amygdalus communis~) den
Samenkern, der in einer süßen und bitteren Abart vorkommt. Diejenigen
der letzteren Sorte enthalten in erheblicher Menge die giftige
Blausäure und sind deshalb, in größerer Menge genossen, auch dem
Menschen schädlich, während sie kleinen Tieren sicheren Tod bringen.
Sie dienen vorzugsweise zum Würzen der Speisen. Die süßen Mandeln
dagegen werden ihres Ölgehaltes wegen gegessen und allerlei Gebäck
und Mehlspeisen zugesetzt. Unter der samtig behaarten äußeren Haut,
welche zur Zeit der Reife in einem Längsspalt aufspringt, befinden
sich die in der Regel sehr harten, festen Schalen. Man kultiviert
aber auch Formen mit brüchigen Schalen, die Knack- oder Krachmandeln,
deren Samen wie Nüsse gegessen werden. Die Fruchtknoten aller Kirsch-,
Pflaumen- und Mandelarten, die bekanntlich mit dem Kernobst in die
Familie der Rosazeen gehören, enthalten zwei Samenanlagen, von denen
aber in der Regel nur eine zur Ausbildung gelangt; entwickeln sich
aber in den Knackmandeln beide, so entstehen solche Exemplare, die als
„Vielliebchen“ dienen.
Der Mandelbaum wächst in Afghanistan, Turkestan, Persien wild und
kommt auch hier mit bittern und süßen Samen vor. Indien und Ostasien
ist er ursprünglich fremd; dort hat man auch keine einheimische
Bezeichnung für ihn. In den Schriften des Sanskrit wird er nicht
erwähnt, ebensowenig in der älteren chinesischen Literatur. Erst in
chinesischen Werken des 10. oder 11. Jahrhunderts wird er angeführt,
und zwar als „Baum aus den Ländern der Muhammedaner“. Er scheint also
durch die Handelsbeziehungen der Chinesen mit Baktrien als Tausch
gegen Aprikose und Pfirsich von dort her nach China gelangt zu sein.
Auch in den vorgeschichtlichen Niederlassungen Südeuropas hat man
nirgends Spuren von Mandeln gefunden. Aber in Persien begegnen wir
diesem Fruchtbaum sehr früh. Von dort gelangte er schon vor der
Mitte des letzten vorgeschichtlichen Jahrtausends nach Syrien und
Kleinasien und von da vor dem Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. nach
Griechenland. Seine Frucht wird als ~naxía amygdálē~, d. h. Mandel von
Naxos -- einer Insel der Cycladen, welche, weil in der Mitte zwischen
dem südlichen Kleinasien und Griechenland liegend, eine natürliche
Zwischenstation beim Übergang von Kleinasien nach Griechenland
bildet -- zuerst von Phrynichos, einem Dichter der älteren attischen
Komödie und Zeitgenossen des Aristophanes im 5. Jahrhundert v. Chr.
erwähnt. Bei den attischen Komödiendichtern des 4. vorchristlichen
Jahrhunderts ist seine Frucht als ~amygdálē~ schlechthin schon ganz
gewöhnlich. Von den Griechen lernten dann die Römer den Fruchtbaum
kennen. Noch gegen die Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. kennt Cato in
Italien die Mandeln nur als fremde Importware unter der Bezeichnung
„griechische Nüsse“, als Beweis dafür, daß die Römer diese Früchte
durch Vermittlung der Griechen Unteritaliens erhalten hatten. Erst bei
Columella, einem römischen Ackerbauschriftsteller des 1. Jahrhunderts
n. Chr., ist der Mandelbaum unter der griechischen Bezeichnung
~amygdala~ auch in Mittelitalien heimisch, während seine Früchte immer
noch griechische Nüsse heißen. Die Bezeichnung ~amygdala amara~ und
~dulcia~, d. h. bittere und süße Mandeln, treten uns zum erstenmal
in der „Zusammenstellung der gebräuchlichsten Medikamente“ des
Scribonius Largus entgegen, die noch vor der Mitte des 1. christlichen
Jahrhunderts verfaßt wurde. Seither ist die Pflanze in ganz Italien
eingebürgert, und aus dem griechisch-lateinischen ~amygdale~ ist im
Laufe der Jahrhunderte das italienische ~mandorle~ und daraus unser
Mandel geworden. In allen Gärten stehen in Italien die Mandelbäumchen
im Februar und März im Schmucke ihrer schneeigen Blüten, bevor noch die
Blätter hervorgekommen sind. Ihre Früchte sind nicht bloß eine beliebte
Volksnahrung, sondern man gewinnt heute auch aus ihnen ein als sehr
mild geschätztes Öl, aus den bittern dagegen das in der Parfümerie
Verwendung findende Bittermandelöl und ein bei Husten reizmilderndes
blausäurehaltiges Wasser, das übrigens gleicherweise auch aus den
Kirschlorbeerblättern bereitet wird.
Nördlich der Alpen ist der Mandelbaum, soweit er in den klimatisch
milderen Gegenden noch zu gedeihen vermag, erst in nachrömischer Zeit
naturalisiert worden. Bei den Ausgrabungen des römischen Militärlagers
der Saalburg bei Homburg vor der Höhe hat man keine Spur von Mandeln
gefunden, und der Fund einer Mandelschale in dem wahrscheinlich
spätrömischen Pfahlwerk im Tale der Fulda nördlich des Mains wird
von den maßgebenden Forschern mit einem Fragezeichen registriert.
Der althochdeutsche Name ~mandulae~ hat zwar gegenüber dem gelehrten
angelsächsischen ~amigdal~ einen entschieden volkstümlichen Anstrich,
er kann aber wegen des unverschobenen ~d~ frühestens im 8. Jahrhundert
aufgenommen worden sein. Im ~Capitulare de villis~ Karls des Großen vom
Jahre 812 und in dem nach dem Muster desselben abgefaßten Entwurfe zum
St. Galler Klostergarten vom Jahre 820 werden unter den zu pflanzenden
Bäumen auch ~amandalarii~, d. h. Mandelbäume aufgeführt, aber in den
Inventaren der kaiserlichen Gärten vom Jahre 812 fehlen sie.
Der Mandelbaum, der in bezug auf Kälte noch empfindlicher ist als der
Pfirsichbaum, scheint also auch in der Karolingerzeit nur ausnahmsweise
und wohl nur in einigen besonders warmen Landesteilen gezogen worden
zu sein. Obwohl er gegenwärtig am Oberrhein und in der Rheinpfalz
recht gut gedeiht und seine Früchte reift, so pflegen wir doch auch
heute noch die Mandel zu den Südfrüchten zu zählen. Ähnlich war es im
Mittelalter. Die Mandeln, welche damals in Deutschland konsumiert und
zu medizinischen Zwecken verwendet wurden, stammten wohl größtenteils,
wie heute noch, aus Italien. Die Bewohner Nordfrankreichs dagegen
scheinen ihren Bedarf an Mandeln außer aus den südlichen Teilen des
eigenen Landes namentlich aus Spanien bezogen zu haben, wie die
Geschichte des altfranzösischen Namens ~almande~ vermuten läßt.
Die nahe Verwandtschaft zwischen Mandel und Pfirsich spricht sich auch
darin aus, daß beide sehr leicht gekreuzt werden können und auch dann
noch reichlich Früchte tragen. Wie der Pfirsich seine rosenroten,
treibt auch die Mandel ihre weißen Blüten vor der Entfaltung der
Blätter, damit diese um so ausgiebiger von den Bienen befruchtet
werden. Wie in den Mittelmeerländern wird auch im Süden der Vereinigten
Staaten, besonders in Kalifornien, die Mandelkultur manchenorts im
großen getrieben.
In den lichten Wäldern Transkaukasiens und Armeniens ist die wegen
ihrer süßen, saftigen Trauben so geschätzte +Weinrebe+ (~Vitis
vinifera~) zu Hause, wo sie heute noch wild, wenn auch mit kleinen
und wenig schmackhaften, etwas herben Früchten gefunden wird. Als
Schlingpflanze rankt sie sich wie bei uns die Waldrebe von Baum zu
Baum und klettert in die Wipfelregion ans Licht empor. Hier ist sie
wohl zuerst durch Kulturauslese veredelt und zur Kulturpflanze mit
großen, süßen Früchten gemacht worden. Doch ist Westasien nicht die
ausschließliche Heimat dieser Waldliane. Ihr Vorkommen reicht von
hier ostwärts bis in das gemäßigte Mittelasien hinein und westwärts
über ganz Südeuropa und einen Teil Mitteleuropas. Doch wurde sie
hier nirgends kultiviert, sondern, wie Funde aus Südfrankreich, der
Schweiz und Norditalien beweisen, wurden ihre Früchte schon zur
Steinzeit gelegentlich vom Menschen gesammelt und gegessen, wo wir
dann zur Seltenheit einmal ihre harten Samen unter dem Speiseabfall
seiner Niederlassungen finden. Immerhin sind manche Angaben über
das Wildvorkommen der Rebe in Süd- und Mitteleuropa mit Vorsicht
aufzunehmen, da diese Kulturpflanze in den Weinbau treibenden Ländern
leicht verwildert und dann als dort heimisch angesehen wird. So ist es
sehr zweifelhaft, ob die in Baden und im Elsaß gefundenen angeblich
wilden Reben wirklich ursprünglich wild wachsend oder nicht bloß seit
der Einführung des Weinstocks in diesen Gegenden verwildert sind, was
immerhin das wahrscheinlichste sein dürfte, da sonst wilde Reben in
Deutschland außerhalb der Weinbauregion noch nicht nachgewiesen werden
konnten.
Der heute über die ganze Welt ausgedehnte Rebbau hat seinen Ursprung
in den Ländern südlich des Kaukasus und des Kaspisees genommen,
wo die wilde Rebe ganz besonders üppig gedeiht und den Menschen
geradezu zu ihrer Domestikation auffordert. Von Armenien kam er im
4. vorchristlichen Jahrtausend nach Babylonien, Syrien und Palästina
und läßt sich von der 5. Dynastie, d. h. seit 2700 v. Chr. an auch in
Ägypten nachweisen. Über Kleinasien und Griechenland wanderte er dann,
wie wir später bei der Besprechung des Weinbaus eingehender sehen
werden, nach Italien und von da nördlich der Alpen zu den gallischen
und rätischen Stämmen und zuletzt zu den Germanen.
Alle Ausdrücke dieser Völker, die auf den Weinbau Bezug haben, sind dem
Lateinischen entnommen von ~vindemia~ (franz. ~vendange~) Wingert oder
Weinlese bis ~mustum~ (franz. ~moût~) Most und ~vinum~ (franz. ~vin~)
Wein.
Sehr zahlreich sind die Anweisungen der antiken Ackerbauschriftsteller
über die beste Art des Rebbaus. Schon der im 8. Jahrhundert v. Chr.
lebende griechische Dichter Hesiod singt: „Wenn der Frühling beginnt
und die Schwalbe kommen will, dann mache dich ans Beschneiden der
Weinstöcke (~oínē~),“ und „wenn der Orion und der Sirius bis zur Mitte
des Himmels steigen, dann ist die Zeit da, in der du die Trauben
abschneiden und nach Hause bringen mußt.“ Varro und Columella berichten
eingehend über die Anlage des Weingartens (~vinea~) und die Behandlung
der Rebe (~vitis~). Letzterer meint: „Die Zahl der verschiedenen
Weinsorten ist so zahllos wie die Sandkörner der libyschen Wüste; denn
jede Gegend und fast jeder kleine Ort hat seine besonderen Sorten und
für diese besondere Namen. Manche haben auch ihren Namen geändert,
indem sie anderswohin versetzt wurden; manche haben in ihrer neuen
Heimat ihre Eigentümlichkeit verloren, so daß sie der Ursorte gar nicht
mehr ähnlich sind. Ganz richtig haben schon Cato und nach ihm Celsus
gesagt, man solle nur Weinsorten pflanzen, die in gutem Rufe stehen,
und solle sie nur in dem Falle behalten, daß sie sich als gut bewähren.
Für einen recht günstigen Standort müssen wir recht edle Sorten wählen,
für einen ungünstigen aber solche, die große Mengen von Trauben zu
geben pflegen.“
Wie von jeher die Orientalen, so waren auch die alten Griechen und
Römer große Liebhaber der Traube, die von ihnen als die edelste der
Früchte gepriesen wurde. Um solche möglichst lange essen zu können,
wurde sie frisch oder gedörrt und auf die mannigfaltigste Weise
konserviert aufbewahrt. Verschiedene solche Verfahren beschreibt
Columella. Von seinen zahlreichen Angaben über die Aufbewahrung von
Trauben wollen wir hier einige anführen: „Um Trauben (~uva~) ein Jahr
lang frisch zu erhalten, verpicht man ihren Stiel sogleich, wenn man
sie vom Stocke geschnitten hat. Dann füllt man ein neues irdenes Gefäß
mit recht trockener Spreu, die man durch Sieben vom Staube gereinigt
hat, und legt die Trauben darauf. Alsdann bedeckt man das Gefäß mit
einem andern, verpicht die Fuge mit Lehm, der mit Spreu vermischt
ist, stellt das Gefäß auf ein recht trockenes Gestell und bedeckt es
mit trockener Spreu. Eine andere Art, Trauben frisch zu erhalten, ist
folgende: In einen großen Tonkrug (~dolium~) wird eingedickter Most
gegossen, über diesen werden Stöcke in die Quere eingeklemmt, die
jedoch den Most nicht berühren dürfen. Auf diese Stöcke werden neue
irdene Schüsseln gesetzt und in diese die Trauben so gelegt, daß sie
einander nicht berühren. Dann werden die Deckel auf die Schüsseln
gelegt und verstrichen. Nächstdem setzt man neue Stöcke über den
Schüsseln ein und auf diese neue Schüsseln, und fährt so fort, bis das
ganze Faß voll ist. Endlich setzt man den Deckel auf, der gut gepicht
und inwendig tüchtig mit eingedicktem Most bestrichen wird, worauf man
die Fugen noch mit Asche verklebt. Andere tun eingedickten Most in das
Tongefäß, stemmen Stöcke hinein, hängen die Trauben an die Stöcke, so
daß sie den Most nicht berühren, legen den Deckel auf und verstreichen
ihn. Andere legen Trauben schichtweise in Gerstenkleie, oder Sägemehl
von Pappeln oder Tannen, oder Gipsmehl. Mein Onkel Marcus Columella
(zu Gades in Spanien) tat die Trauben in große Tonkrüge, die in- und
auswendig stark gepicht waren; sie durften einander nicht berühren und
von jeder war der Stiel in siedendes Pech getaucht. War der Deckel
aufgelegt und die Fuge mit Gips verstrichen, so wurde auch der Gips
noch tüchtig gepicht, so daß durchaus keine Feuchtigkeit eindringen
konnte. Nun wurden die Krüge in Quell- oder Brunnenwasser gestellt und
so mit einem Gewichte beschwert, daß sie ganz unter der Oberfläche
blieben. Auf solche Weise halten sich die Trauben vortrefflich, müssen
aber, wenn sie herausgenommen sind, gleich gegessen werden, weil sie
sonst sauer werden. Als allgemeine Regel muß noch die aufgestellt
werden, daß man Äpfel und Trauben nicht an demselben Orte aufbewahren
darf, ja daß der Geruch der Äpfel nicht einmal aus einiger Entfernung
die Trauben erreichen darf, denn er verdirbt sie.“
Häufig wurden auch Traubenbeeren und ganze Trauben an der Sonne
getrocknet (~uva passa~) und dann in Töpfen aufbewahrt. Vielfache
Verwendung fand in der griechischen und römischen Küche auch der durch
Kochen eingedickte Traubenmost (~defrutum~), wie auch der aus sauer
gewordenem Wein hergestellte Essig (~acetum~).
Alle diese Produkte hat schon vorher der Orient gekannt und benützt.
So sind von der Traube gelöste, getrocknete Weinbeeren seit der Zeit
der Pyramidenerbauer, d. h. seit dem Beginne des 3. vorchristlichen
Jahrtausends, häufig als Wegzehrung den Toten mitgegeben worden und
finden sich teilweise so gut in den altägyptischen Gräbern erhalten,
daß sich der Zucker darin noch nachweisen läßt.