im nördlichen Kleinasien von einer dortigen Art Vogelkirsche gezüchtet
worden. Der römische Naturkundige Plinius der Ältere berichtet um die
Mitte des 1. christlichen Jahrhunderts, daß die Kirsche ihren Namen
~kérasos~ von der gleichnamigen Stadt an der Südküste des Schwarzen
Meeres zwischen Sinope und Trapezunt erhielt, die im Jahre 68 v. Chr.
durch den römischen Feldherrn Lucius Licinius Lucullus zerstört wurde.
Dieser durch seinen Tafelluxus und seine Schlemmerei sprichwörtlich
gewordene vornehme Römer habe von dorther im Jahre 64 v. Chr. den
Kirschbaum bei seinem Triumph in Rom aufgeführt und so nach Italien
verpflanzt. Die Stelle in seiner Naturgeschichte lautet wörtlich
folgendermaßen: „Ehe Lucius Lucullus den Mithridates besiegt hatte,
wuchsen in Italien keine Kirschbäume (~cerasus~). Im Jahre 680 nach
Roms Erbauung brachte er den ersten aus dem Pontusgebiet nach Italien,
und er hat sich in weniger als 120 Jahren bis Britannien verbreitet.“
Merkwürdigerweise erwähnt aber der griechische Geschichtschreiber
Plutarchos (50-120 n. Chr.) diese Tatsache in seinem „Leben des
Lucullus“ mit keinem Wort. Jedenfalls hat es schon lange vor
Lucullus kleine Süßkirschen in Italien gegeben, nur hat dieser Römer
eine besonders edle Sorte aus dem von ihm verwalteten Kleinasien
mitgebracht, wie auch Servius in einer Erläuterung zu Vergils Georgica
zur Tat des Lucullus hinzufügt: „Übrigens wuchsen in Italien schon
vor der Zeit des Lucullus Kirschen, aber harte.“ Jedenfalls müssen,
wie schon aus der griechischen Benennung dieser Frucht hervorgeht, zu
des Lucullus Zeit um die sinopische Kolonie Kerasos Edelkirschen von
besonderer Güte kultiviert worden sein, denn zweifellos erhielt jene
kleinasiatische Stadt ihren Namen von den in großer Zahl um sie herum
angepflanzten Edelkirschbäumen und nicht umgekehrt die Kirsche ihren
Namen von jener Stadt, wie die alten Autoren sagen. Übrigens sollen
nach Koch die Bewohner der pontischen Gebirge noch heute die Süßkirsche
mit dem Namen ~kirash~ bezeichnen. Derselbe Autor weist auch auf eine
Mitteilung des griechischen Arztes Dioskurides aus der Mitte des 1.
Jahrhunderts n. Chr. hin, wonach der pontische „Kerasia“-Baum Gummi
ausschwitze, eine Erscheinung, die ausschließlich der Süßkirsche und
niemals der Sauerkirsche zukommt. Dieser Kirschgummi soll nach den
Angaben dieses griechischen Arztes „ein gutes Mittel gegen den Husten
und überhaupt gesund sein“.
Auf kleinasiatischem Boden, am Idagebirge und bei Milet, scheint man
veredelte Süßkirschen schon zur Zeit des Königs Lysimachos gekannt zu
haben, der 361-281 v. Chr. lebte, nach dem Tode Alexanders des Großen
als einer von dessen Feldherrn Thrakien zu einer selbständigen Satrapie
erhob und sich 306 mit den übrigen Diadochen den Königstitel beilegte.
Ja, schon Theophrastos und sein Zeitgenosse Diphilos von Siphnos aus
dem Ende des 4. vorchristlichen Jahrhunderts beschreiben den Kirschbaum
als einen in Griechenland bekannten und angebauten Fruchtbaum. Ersterer
sagt, man erkenne den Baum schon von weitem, er sei im ganzen nicht
sehr reich an Ästen, habe weiße, der Birnenblüte ähnliche Blüten und
rote Früchte so groß wie Saubohnen. Er wachse mit Linden zusammen
vorzüglich an Gewässern und schwitze einen Gummi aus. Daß Theophrast
ihn so ausführlich beschreibt, beweist, daß er für die meisten seiner
Landsleute noch etwas Neues war.
Bei dem regen Verkehr der Griechen untereinander konnte es nicht
ausbleiben, daß der edle Süßkirschbaum früh in die griechischen
Kolonien nach Sizilien und Unteritalien gelangte. Doch wurde er von
hier erst verhältnismäßig spät an die Römer abgegeben. So nennt noch
der ältere Cato, der im Jahre 149 v. Chr. gestorbene unversöhnliche
Gegner Karthagos, in seinen Schriften über den Landbau die Kirsche als
Kulturgewächs überhaupt nicht, und der im Jahre 27 v. Chr. gestorbene
Varro, einer der gelehrtesten Männer Roms, gedenkt ihrer nur ein
einziges Mal, indem er sagt, daß der Kirschbaum (~cerasus~) zur Zeit
des kürzesten Tages gepfropft werde. Servius bezeugt, daß in Italien
schon vor der im Jahre 64 v. Chr. erfolgten Heimkehr des Lucullus
aus Kleinasien, wo er als Statthalter amtete, Kirschbäume gewachsen
seien, aber nur solche mit kleinen, harten Früchten. Demnach scheint
also der Feinschmecker Lucullus nur eine besonders großfrüchtige
und wohlschmeckende Kulturform der Süßkirsche in Mittelitalien
angesiedelt zu haben. Von hier aus verbreitete sich der Obstbaum durch
die Vermittlung der Römer nach Norden, so daß er also nach Plinius
schon 120 Jahre nach jener Kulturtat des reichen Lucullus bis nach
Britannien vorgedrungen war. Derselbe Plinius sagt fernerhin: „Es
werden verschiedene Sorten Kirschen gezogen, gute auch in Belgien
und am Rhein. Kürzlich ist durch Pfropfen auf Lorbeer eine Sorte
geschaffen worden, die ~laurea~ heißt, herb, aber nicht unangenehm
schmeckt. Der Kirschbaum liebt einen kühlen Standort, seine Früchte
reifen früh, man trocknet sie auch an der Sonne oder bewahrt sie wie
Oliven in Fässern auf. In Ägypten ist es ihm zu warm, so daß dort
der Kirschbaum selbst bei der größten Sorgfalt nicht gedeiht.“ Und
der römische Ackerbauschriftsteller Palladius im 4. Jahrhundert
n. Chr. schreibt: „Der Kirschbaum liebt einen kalten Standort, an einem
warmen bleibt er klein, einen heißen erträgt er gar nicht. Er liebt
Berge und Hügel. Junge wilde Kirschstämmchen versetzt man im Oktober
oder November in den Garten und veredelt sie anfangs Januar. Man sät
auch die Früchte und aus diesen kommen die Bäumchen äußerst schnell.
Ich habe auch selbst erlebt, daß Kirschzweige, die ich als Stützen in
Weingärten gesteckt hatte, schnell zu Bäumen heranwuchsen. Ich habe es
am besten befunden, zwischen Rinde und Holz zu pfropfen. Man pfropft
Kirschreiser auf Kirschbäume, Pflaumenbäume, Platanen; andere sagen
auch, man könne sie auf Pappeln pfropfen. Der Kirschbaum steht gern
einzeln, liebt das Behacken, verdirbt aber durch Mist. Martialis sagt,
wenn man Kirschen (~cerasum~) ohne Kern habe wolle, so müsse man den
Baum auf 2 Fuß zurückschneiden, dann bis zur Wurzel spalten, das Mark
ganz herauskratzen, beide Teile zusammenbinden und die Wunde mit Mist
verstreichen. Nach Jahresfrist ist die Wunde fest verwachsen. Nun wird
der Stamm mit Reisern, die noch keine Frucht getragen, gepfropft, und
diese tragen dann, wie Martialis versichert, kernlose Früchte. (Dies
ist natürlich Unsinn!) Kirschen werden nur aufbewahrt, wenn sie an der
Sonne getrocknet sind.“ Der römische Arzt Celsus meint: „Die Kirsche
ist dem Magen gesund,“ und sein griechischer Kollege Dioskurides sagt:
„Der Genuß frischer Kirschen (~kerásion~) hat andere Wirkung als der
getrockneter.“
Als aus dem Pontusgebiet, einer Gebirgsgegend mit kalten Wintern
stammend, fühlte sich dieser Fruchtbaum nördlich der Alpen offenbar
besonders wohl und zeitigte hier besonders wohlschmeckende Früchte,
die zudem den großen Vorzug besaßen, zu einer Zeit zu reifen, da die
übrigen Obstarten noch im Rückstande waren. In dem gleichmäßig milden
Italien hatte er eben diese für ihn günstigsten Verhältnisse nicht
gefunden.
Jedenfalls haben sich unter den verschiedenen Kirschenarten, die von
den römischen Schriftstellern der Kaiserzeit erwähnt werden, auch
+saure Sorten+ befunden; denn auf zwei Wandgemälden in Pompeji sollen
nach dem Urteil gewiegter Kenner auch Darstellungen von Sauerkirschen
abgebildet sein. Weiterhin hat man, was noch viel mehr besagen will,
in dem Schachtbrunnen des befestigten Lagers der Saalburg bei Homburg
vor der Höhe unzweideutige Kerne der Sauerkirsche gefunden. Der sie
liefernde Baum, die +Sauerkirsche+ (~Prunus cerasus~), dürfte in
Transkaukasien, wo er heute noch wildwachsend angetroffen wird und wo
auch die Süßkirsche besonders üppig gedeiht, heimisch sein. Er scheint
eine Abart der Vogelkirsche von geringerer Größe und im Gegensatz zu
jener, die unterseits behaarte Blätter besitzt, mit völlig kahlen
Blättern zu sein, die auch viel leichter als jene Wurzelschößlinge
treibt. Diese Sauerkirsche kam etwas später als die Süßkirsche zu
den Griechen und Römern. Deren Einführung muß durchaus unbemerkt vor
sich gegangen sein; wenigstens erfahren wir nichts darüber von den
Schriftstellern des Altertums, die sonst alles Neue gewissenhaft
anzuführen pflegen. Süße und sauere Arten haben wir uns jedenfalls
auch unter den verschiedenerlei Sorten von Kirschbäumen (~ceresarii~)
zu denken, die im ~Capitulare de villis~ Karls des Großen angeführt
werden. Im Laufe des Mittelalters hat sich die Kirschenzucht in
Mitteleuropa intensiv entwickelt und spielt heute für viele Gegenden
eine bedeutende Rolle, indem die Früchte, soweit sie nicht frisch
gegessen werden, zur Bereitung einer trefflichen Konfitüre und eines
starken Schnapses, des Kirschwassers, in England ~cherry brandy~
geheißen, benutzt werden.
Mit der Frucht übernahmen die alten Deutschen auch die Bezeichnung
der Römer dafür; denn das deutsche Wort Kirsche ist so gut wie das
französische ~cerise~ und das englische ~cherry~ vom lateinischen
~cerasus~ abzuleiten. Zuerst hieß die Frucht Kerasbeere, dann
Kersbeere, Kerschbeere und schließlich einfach Kersche oder Kirsche.
Noch vielfach wird in Norddeutschland das aus dem Kersbeere entstandene
Kesber oder Kesper dafür gebraucht. Die Bezeichnung Wissel dagegen,
aus dem unser Weichsel wurde, scheint der alte vorrömische Name der
Deutschen für die einheimische Vogelkirsche zu sein, der dann speziell
auf die Sauerkirsche übertragen wurde. Die +Felsenkirsche+ oder der
+echte Weichsel+ (~Prunus mahaleb~) mit kleinen, blauschwarzen,
bitterlichen Früchten stammt aus Südosteuropa und dem Orient.
~Mahaleb~ ist die ursprüngliche arabische Bezeichnung des Gewächses,
das erst im 16. Jahrhundert nach Westeuropa kam und namentlich in
Frankreich rasch Verbreitung fand. Wegen des wahrscheinlich durch
einen Gehalt an Kumarin hervorgebrachten Wohlgeruchs seines Holzes
und namentlich seiner Rinde wird es zur Parfümierung von allerlei
Spezereien gebraucht, besonders aber zur Herstellung von wohlriechenden
Pfeifenrohren verwendet, indem namentlich im Elsaß und um Baden bei
Wien die Kultur des Weichsels, dessen Stockausschläge benützt werden,
im großen Maßstabe getrieben wird.
Dem deutschen Schlehe, althochdeutsch ~slêha~, entspricht das slawische
~sliva~ in der Bedeutung von Pflaume, wie dem französischen ~crèque~
das deutsche Krieche und das niederdeutsche Kreke nachgebildet sind.
Weit edler als die Schlehe ist die +Pflaume+, die bereits von den
Griechen der älteren Zeit als Obst gekannt und geschätzt war unter
der Bezeichnung ~kokkýmēlon~ (deren erste Hälfte wahrscheinlich ein
orientalisches Wort ist und kaum Kuckuck bedeutet). In einer der
Idyllen des aus Syrakus gebürtigen griechischen Dichters Theokrit, die
ums Jahr 280 v. Chr. verfaßt wurde, wird die Ankunft der Geliebten
so süß genannt wie der Frühling im Gegensatz zum Winter und die
Pflaume im Gegensatz zur Schlehe (~brábylon~). Der Begründer der
Botanik Theophrast im 4. vorchristlichen Jahrhundert spricht vom
Pflaumenbaum und vom Gummi, der aus ihm quillt und vielfach ärztliche
Verwendung fand. Neben der Bezeichnung ~kokkýmēlon~ kennt er auch den
Namen ~prúmnon~, unter welchem die Pflaume von den Griechen zu den
Römern gelangte, welche daraus ~prunum~ machten. Der berühmte, 131
n. Chr. in Pergamon geborene und um 200 in Rom verstorbene griechische
Arzt Claudius Galenos berichtet, daß die Frucht des Pflaumenbaums
(~kokkymḗlea~) in Asien ~prúmnon~ heiße. Der Pflaumenbaum (~Prunus
insititia~) wächst in Südeuropa und durch Kleinasien bis zum Kaspischen
Meere wild und wurde, wie die Kulturschichten der neolithischen und
bronzezeitlichen Pfahlbauniederlassungen der Schweiz, Oberitaliens und
Österreichs beweisen, schon in früher vorgeschichtlicher Zeit durch
die regen Handelsbeziehungen mit dem Süden in Mitteleuropa eingeführt,
wo der Baum dann später, der menschlichen Aufsicht entwachsen,
verwilderte. Die großfrüchtige Kulturpflaume aber ist gleich der
Kirsche in den Ländern südlich vom Schwarzen Meer, in Armenien und
Transkaukasien, aus der dort heimischen Wildpflaume gezüchtet worden,
während die größere +Zwetsche+ (~Prunus domestica~) im Kaukasus und
nördlichen Persien heimisch ist. Die Kultur dieser Steinobstarten kam
etwa im 5. vorchristlichen Jahrhundert und diejenige der Pflaume etwas
später nach Syrien, wo sie besonders um die Stadt Damaskus in später
als besonders wohlschmeckend gerühmten Arten kultiviert wurde. Das
Wort Zwetsche soll nach Schmeller aus dem griechischen ~damáskenon~
entstellt sein, eine Deutung, die jedenfalls falsch ist. Zu Beginn des
3. vorchristlichen Jahrhunderts, d. h. nach Eröffnung des Orients durch
Alexander den Großen, kamen diese Steinobstarten nach Griechenland und
über die süditalischen griechischen Pflanzstädte etwa zu Anfang des 2.
vorchristlichen Jahrhunderts unter dem griechischen Namen ~prúmnon~ zu
den Römern. Der ältere Cato (234-149 v. Chr.) nennt in seiner Schrift
über den Landbau den Pflaumenbaum nur einmal als einen in seiner
römischen Heimat wenig bekannten Obstbaum. Plinius dagegen behauptet,
daß alle Pflaumenarten erst nach Cato in Mittelitalien eingebürgert
worden seien. Jedenfalls wurden sie erst im augusteischen Zeitalter in
den Gärten der Römer häufiger gepflanzt, nachdem besonders die Krieche,
d. h. die runde, schwarzbraune Pflaume und die gelbe Mirabelle durch
die Kriegszüge des Pompejus in Westasien den Römern bekannt geworden
waren. Sie schätzten diese Früchte so, daß sie nach Plinius schon in
der zweiten Hälfte des 1. christlichen Jahrhunderts in den Gärten der
vornehmen Römer in großer Menge und zahlreichen Spielarten gezogen
wurden. Dieser Autor sagt in seiner Naturgeschichte: „Es gibt eine
ungeheure Schar von Pflaumen, bunte, schwarze, weiße und solche, die
man Gerstenpflaumen nennt, weil sie mit der Gerste reifen. Eine andere,
ebenso gefärbte Sorte, welche später reift und größer wird, heißt
Eselspflaume, weil sie sehr wohlfeil ist. Es gibt auch Pflaumen von
Onyxfarbe, aber beliebter sind die wachsgelben und purpurroten, von
den ausländischen die wegen ihres Wohlgeruchs geschätzte armenische
(unter letzterer ist zweifellos die Aprikose verstanden).“ Die mit der
Obstkultur vertrauten syrischen und kleinasiatischen Sklaven veredelten
auch diese Frucht immer mehr und pfropften die edle Pflaume sogar auf
den wilden Schlehdorn. So berichtet der Dichter Horaz (65-8 v. Chr.),
daß bei seinem Landhause Pflaumen auf Dornen wüchsen, und Plinius
meldet: „Merkwürdig sind die auf Walnußbäume gepfropften Pflaumen; sie
sehen aus wie Nüsse, schmecken aber wie Pflaumen und heißen Nußpflaumen
(~nuciprunum~). In Bätica (der nach dem Bätisflusse genannten,
Südspanien umfassenden altrömischen Provinz) pfropft man Pflaumen
auf Apfelbäume und auf Mandelbäume. Der Kern der letztgenannten ist
wie ein Mandelkern. Als beste Art gilt die Damaszenerpflaume; dieses
Erzeugnis Syriens, das seinen Namen von Damaskus hat, wächst auch seit
langer Zeit in Italien, wo sie jedoch einen größeren Kern und weniger
Fleisch hat, auch beim Trocknen keine Runzeln bekommt, weil ihr die
heimische Sonne fehlt.“ Nach dem griechischen Arzt Claudios Galenos
aus Pergamon (131-200 n. Chr.) ist die spanische Pflaume die beste
nach der Damaszener, und Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. gibt an,
daß die Pflaume im Januar am besten auf Pflaume gepfropft werde; man
könne sie auch auf Pfirsich-, Mandel- und Apfelbäume pfropfen, aber
die Früchte verlören dabei an Güte. „Die Pflaumen werden auf Hürden an
der Sonne getrocknet, auch taucht man frisch gepflückte Pflaumen in
siedendes Meer- oder Salzwasser und trocknet sie dann entweder in einem
Backofen oder an der Sonne.“ Der erwähnte Galenos sagt: „Die Pflaumen
(~kokkýmēlon~) werden fast alle bei der Reife süß, geben nicht viel
Nahrung, können im Vorrat getrocknet werden.“ Dioskurides meint, daß
die Pflaumen dem Magen nicht sehr gut bekommen, am besten noch die
getrockneten Damaszener Pflaumen.
Gleich den übrigen Obstarten haben die Römer auch die Pflaumen und
Zwetschen nördlich von den Alpen angesiedelt. Diese Einführung der dort
vorher unbekannten Fruchtbäume nach dem Norden haben die Funde aus den
Schachtbrunnen der Saalburg und aus einem spätrömischen Pfahlbau bei
Fulda in Form von Steinkernen dieser Obstarten bestätigt. Wie aus dem
griechischen ~prúmnon~ das ~prunum~ der Römer entstand, so ging aus dem
Pluralis des Lateinischen ~pruna~ das althochdeutsche ~pfruma~ und aus
diesem schließlich ~pflume~, Pflaume hervor. Im ~Capitulare de villis~
Karls des Großen aus dem Jahre 812 werden ~prunarii diversi generis~,
d. h. Pflaumenbäume verschiedener Sorten erwähnt, worunter wohl nicht
bloß Pflaumen-, sondern auch Zwetschenbäume in mehreren Spielarten zu
verstehen sind.
Die großfrüchtige Zwetsche, die in Turkestan und im südlichen
Altaigebirge ihre Heimat hat, kam erst mit den Turkvölkern nach dem
Abendlande. Erst vor 400 Jahren wurde sie durch die massenhafte
Einfuhr der getrockneten Früchte aus Ungarn und Mähren, wohin sie
von der Türkei aus bald gelangte, bei uns bekannt. Auch die von der
in Turkestan und Vorderasien heimischen und in Persien angebauten
+Kirschpflaume+ (~Prunus cerasifera~) stammende Mirabelle -- die
~Myrobalane~ der älteren Botaniker -- kam erst in der zweiten Hälfte
des 16. Jahrhunderts in Mitteleuropa in Aufnahme. In Europa wird die
großfrüchtige Türkenzwetsche seit längerer Zeit besonders an der
unteren Donau im großen gezogen. Dort begegnet man, besonders in
Bosnien, ganzen Wäldern von Zwetschenbäumen, deren Früchte im Herbst
4-6 Wochen hindurch die Hauptnahrung der Bevölkerung bilden und in
gedörrtem Zustande massenhaft nach Europa und anderwärts ausgeführt
werden. Von dem überreichen Ertrag wird auch ein beliebter Branntwein,
Sliwowitza genannt (von ~sliva~, verwandt mit Schlehe, Zwetsche),
hergestellt, der in Unmengen im Lande selbst konsumiert und auch
exportiert wird.
Im Laufe des Mittelalters ist in dem durch seine Obstbaumzucht
hervorragenden Frankreich außer anderen saftigen, süßen Spielarten
auch die +Reineclaude+ hervorgegangen, die einer nicht festgestellten
französischen Königin zu Ehren diesen Namen erhielt, wie heute noch
neue Varietäten von Obst oder Blumen gerne nach vornehmen Damen
genannt werden. Von Europa sind dann die verschiedenen Pflaumen- und
Zwetschenarten nach Nordamerika eingeführt worden, wo sie sich rasch
einbürgerten. Gleich allen anderen Obstarten werden sie besonders in
Kalifornien im großen gezüchtet und in eisgekühlten Eisenbahnwagen
überallhin durch die Vereinigten Staaten versandt, wo sie willige
Abnehmer finden.
Edle Früchte hat der Mensch ferner in der armenischen Pflaume oder der
+Aprikose+ (~Prunus armeniaca~) und der persischen Pflaume oder dem
+Pfirsich+ (~Prunus persica~) -- früher nach Linné ~Amygdalus persica~,
d. h. persische Mandel genannt -- gewonnen. Beide Fruchtbäume stammen
aus dem Innern Asiens noch jenseits des Kirschen- und Pflaumenlandes,
und zwar die Aprikose aus dem östlichen Turkestan, der Dsungarei,
der südlichen Mandschurei und Nordchina und der Pfirsich (chinesisch
~tao~) aus Mittelchina, wo in den Gebirgen der Provinzen Schen-si
und Kan-su eine als ~Prunus davidiana~ bezeichnete sehr nahestehende
Art mit kleinen Früchten, die vielleicht die Stammpflanze des
Kulturpfirsichs ist, heute noch wildwachsend angetroffen wird. Das
Volk, das beide Fruchtarten zuerst in seine Pflege nahm, sind die
Chinesen. Aus den Berichten in den chinesischen Annalen wissen wir,
daß ihr Anbau in verschiedenen Varietäten bis ins 3. vorchristliche
Jahrtausend zurückreicht. Nur sehr langsam verbreitete sich ihre Kultur
west- und südwärts. Weder im Sanskrit noch im Hebräischen existiert
ein Name für diese Früchte. Den Ägyptern wurden beide erst in der
griechisch-römischen Periode bekannt.
Wie die Forschungen des Sinologen Bretschneider die bis dahin in
Kleinasien gesuchte Heimat von Aprikose und Pfirsich nach Ostasien
verlegten, so haben sie uns auch einen Einblick in die Wanderung dieser
beiden Steinobstarten nach Westen verschafft. Wir wissen jetzt aus
chinesischen Annalen, daß im Jahre 128 v. Chr. der kühne chinesische
General Tschang-kiën bis zu den Ländern am Oxus und Jaxartes vordrang.
Seit diesem denkwürdigen Zuge entspann sich zwischen den Chinesen und
dem Volke der Ansi, in denen man mit großer Wahrscheinlichkeit die
Parther vermutet, ein lebhafter Handelsverkehr, der das ganze letzte
Jahrhundert v. Chr. andauerte. Dieser muß das Verbreitungsgebiet der
beiden Obstsorten westwärts ausgedehnt haben. Und die Ansi ihrerseits
besorgten den Austausch der aus China kommenden Waren mit den
angrenzenden Distrikten Vorderasiens, mit Persien und Mesopotamien.
Aus Persien gelangte dann der Pfirsichbaum und aus Armenien der
Aprikosenbaum nach der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., als die
römische Kaisermacht sich nach dem Untergange des Königs Mithridates
im Jahre 63 Armeniens und bald darauf auch Persiens bemächtigte,
zuerst nach dem Lande der Sieger, Italien. Hier nahmen nun die vorhin
erwähnten syrischen Sklaven der vornehmen Römer diese beiden neuen
Fruchtbäume in Pflege, und bald wurden sie auch nach Griechenland und
in die übrigen Provinzen des römischen Reiches gebracht.
Dieser ihrer Geschichte gemäß weiß kein römischer Schriftsteller weder
der ausgehenden Republik, noch des augusteischen Zeitalters irgend
etwas vom Pfirsich. Erst auf einem Wandgemälde der im Jahre 79 n. Chr.
durch den bekannten Vulkanausbruch verschütteten Stadt Pompeji findet
sich eine bildliche Darstellung dieser Frucht, und der bei jener
Katastrophe als Befehlshaber der beim Kap Misenum stationierten
römischen Flotte umgekommene ältere Plinius berichtet, daß zu seiner
Zeit eine einzelne Frucht des Pfirsich (~persica~), der weder in
Italien, noch in Kleinasien und Griechenland heimisch, sondern aus
Persien nach Italien gebracht worden sei, mit 300 Sesterzien, das sind
nach unserem Gelde etwa 45 Mark, bezahlt wurde, so selten und kostbar
war sie damals noch. Man nannte sie nach dem Orte ihrer Herkunft
~persica mala~, d. h. persische Äpfel, auch ~persica~ allein, die
Aprikosen dagegen ~armeniaca mala~, d. h. armenische Äpfel. Aus dem
~persica~ der Römer hat sich dann später das ~pesca~ der Italiener,
das ~pêche~ der Franzosen und das Pfirsich der Deutschen gebildet.
Die ~armeniaca~ dagegen wurden später von den Römern in Anlehnung an
ihre Benennung im Griechischen ~prēkókkion~, die wir bei Dioskurides
und Galen finden, meist als ~praecoqua~ bezeichnet, eine Benennung,
die uns Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. noch anführt, indem er
berichtet, daß die sogenannten Aprikosen im Januar auf Pflaumen
gepfropft werden. Und zwar haben die Römer, wie uns Galen belehrt,
eine bessere Aprikosensorte mit der Bezeichnung ~praecoquum~ versehen,
während sie der geringeren die Benennung ~armeniacum~ beließen. Aus
dem ~praecoquum~ der Römer haben dann die Araber, die bei ihrem
Siegeszuge über Syrien und Nordafrika den Fruchtbaum kennen lernten,
ihr ~albarkuk~ (wobei ~al~ der Artikel ist) gebildet, und diesen
übernahmen dann die Italiener als sie in Sizilien und Unteritalien mit
der sarazenischen Kultur in Berührung kamen und den Fruchtbaum von
dorther kennen lernten. Wie die Italiener aus dem arabischen ~albarkuk~
ihr ~albercocco~ bildeten, formten die Spanier, die die Bezeichnung
mit der Frucht den Mauren entlehnten, ihr ~albaricoque~, woraus das
französische ~abricot~ und aus diesem wiederum das deutsche Aprikose
wurde.