in den von ihnen gegründeten Kolonien anpflanzten, erhielten die
alten Griechen den +Granatapfel+ (~Punica granatum~). Dieser ist
in ganz Vorderasien, vom nordwestlichen Indien über Persien bis
Kleinasien, zu Hause, erscheint im wilden Zustande stets strauchartig
und besitzt nur kleine Früchte, die erst durch Kulturauslese zu
Faustgröße gediehen. Durch seine feuerroten Blüten und seine
rotwangigen, kernreichen Früchte mit säuerlichem Fruchtfleisch mußte
er frühe schon die Aufmerksamkeit des Menschen auf sich ziehen,
der ihn dann in seine Pflege nahm und ihn in Beziehungen zu seinem
Hauptgotte, dem Sonnengotte, brachte. Als Kultpflanze spielte er im
syrisch-phönikischen Gottesdienste eine wichtige Rolle und verbreitete
sich über das Gebiet der Westsemiten, bei denen er ~rimmôn~ genannt
wurde, als ~ahrmani~ nach Ägypten, wo wir ihm im neuen Reiche zuerst
begegnen. Die älteste Erwähnung desselben finden wir an der Wand der
Grabkammer des Schreibers Anna, der unter Thutmosis I. (1547-1501
v. Chr.) starb. Hier wird er unter den Bäumen des Totengartens
erwähnt, unter denen der Geist des Verstorbenen wandelnd gedacht war.
Da jener Fürst Thutmosis den ersten Feldzug nach Syrien unternahm,
scheint die Granate als Folge desselben nach dem Niltale gekommen zu
sein. Die älteste Darstellung des Granatbaums stammt aus der Zeit
des erfolglosen Reformators der ägyptischen Staatsreligion Amenhotep
IV. am Ende der 18. Dynastie (1375-1358 v. Chr.) in einem Grabe bei
seiner damaligen Residenz, dem heutigen Teil el Amarna nördlich von
Theben, während die ältesten Granatfrüchte unter den Totenbeigaben
eines Grabes der 20. Dynastie zur Zeit Ramses IV. (1167-1148 v. Chr.)
aus der Totenstadt von Theben gefunden wurden. Diese Granatäpfel sind
kleiner und einfacher gebaut als die heutigen. Während nämlich letztere
meist 6-8 Fruchtfächer besitzen, haben die ersteren deren nur 4-6.
In späterer Zeit finden wir diesen Fruchtbaum auch auf Wandgemälden
und seine Früchte unter den Opfergaben ziemlich häufig abgebildet.
Aus seinen schön roten Blüten flocht man Girlanden, mit denen man die
mumifizierten Toten schmückte, und aus seinem säuerlichen Fruchtfleisch
stellte man eine Art Limonade her, die in den altägyptischen Texten
als ~schedech-it~ erwähnt wird. Diese Frucht war so beliebt, daß sich
die Juden auf ihrer Wüstenwanderung unter Moses, wie uns im Pentateuch
berichtet wird, nach den Granatäpfeln und Weintrauben Ägyptens
zurücksehnten. Und als sie sich ums Jahr 1250 v. Chr. Kanaan erobert
und im Lande häuslich niedergelassen hatten, wandten sie den im Lande
schon längst angebauten Granatbäumen große Sorgfalt zu; denn auch in
ihrem Kulte spielte bald die Blüte und die Frucht des Granatbaums eine
bedeutungsvolle Rolle. Ihre Priester mußten nämlich, wenn sie ins
Heiligtum eintraten, ein Kleid anhaben, an dessen Saum Granatäpfel
hingen. Auch der zu Beginn des letzten vorchristlichen Jahrtausends
unter ungeheurem Aufwand an Geld gebaute salomonische Tempel barg
in seinen zahlreichen Verzierungen häufig das Granatapfelmotiv, und
speziell die Säulen trugen Kapitäle in Form von aufgeschichteten
vergoldeten Granatäpfeln. Was die praktische Verwendung der säuerlichen
bis süßen Früchte anbetrifft, so wurden sie auch bei den Juden außer
als Speise in frischem Zustande zur Herstellung eines durstlöschenden
Saftes verwendet. So gab es im alten Palästina eine Ortschaft
Gath-rimmôn, was „Kelter des Granatapfels“ bedeutet. Bekannt ist ihre
Rolle in dem um 800 v. Chr. entstandenen Hohen Liede, wo es in Kap.
6, 6 von der Geliebten heißt: „Deine Wangen sind wie ein Ritz am
Granatapfel zwischen deinen Zöpfen“ und in Vers 10: „Ich ging hinab
in den Nußgarten, zu schauen die Sträucher am Bach, nachzusehen, ob
der Weinstock blühete, ob die Granatbäume grüneten,“ oder ebendort 4,
13: „Dein Gewächs ist wie ein Lustgarten von Granatbäumen mit edlen
Früchten.“
Auch in ganz Vorderasien muß der Granatapfel und ein aus seinem
sauersüßen Fruchtsafte hergestellter Trank beliebtes Genußmittel
gewesen, was uns die Stelle von Herodot verrät, daß der Perserkönig
Dareios I. (Sohn des Hystaspes, Großneffe des Kyros, der nach Kambyses
kinderlosem Absterben und der Ermordung des falschen Smerdis 521
v. Chr. den Thron bestieg, bekanntlich 490 den Zug zur Unterjochung
Griechenlands unternahm, die an dem Siege der Griechen unter Miltiades
bei Marathon scheiterte, und 485 starb) diese Frucht nicht missen
mochte.
Von Kleinasien aus, und zwar speziell aus Karien, kam der Granatapfel
ebenfalls in Verbindung mit religiösen Anschauungen zu den Griechen,
denen sein Kernreichtum ein Sinnbild der Fruchtbarkeit war, weshalb
sie ihn den chthonischen Gottheiten Demeter (= ~Gḗ mḗtēr~, d. h.
Mutter Erde) und Persephone weihten. Schon zu homerischer Zeit scheint
man den Granatbaum gekannt zu haben, da in der Odyssee neben Birn-
und Apfelbäumen auch Granatbäume (jonisch ~roiḗ~) in den Gärten
des Alkinoos und Laertes erwähnt werden. Der berühmteste Arzt des
Altertums, Hippokrates (460-364 v. Chr.), empfiehlt den Saft des
Granatapfels, in Attika ~roá~ genannt, als Labetrunk für Kranke,
besonders Fiebernde, und der Schüler des Aristoteles, Theophrast im
4. vorchristlichen Jahrhundert, schreibt, daß die Granatblüte auch
gefüllt vorkomme, so daß sich ihre Masse wie bei einer gefüllten Rose
ausbreitet. Über 400 Jahre später sagt Dioskurides: „Der Granatapfel
(~roá~) schmeckt gut, ist gesund, gibt aber sehr wenig Nahrung.“
Da die Römer diese Frucht nicht nach dem Griechischen nannten, sondern
als punischen Apfel (~malum punicum~) oder Granatapfel (~malum
granatum~, woraus das italienische ~melogranato~ oder ~granato~
entstand) bezeichneten, muß die Bekanntschaft derselben durch die
Punier, d. h. Karthager, vermittelt worden sein, doch werden sie den
Baum selbst wohl zweifellos durch die Griechen Kampaniens erhalten
haben. Noch Plinius sagt: „Bei Karthago wachsen die besten Granatäpfel;
es gibt davon verschiedene Sorten. Ihr Genuß bekommt nicht sonderlich
gut. Die einzelnen Teile des Baumes gebraucht man als Heilmittel.“
Und der ums Jahr 120 n. Chr. verstorbene witzige Epigrammdichter
Martialis schrieb einem Freunde bei Zusendung eines Körbchens mit
diesen Früchten: „Du erhältst keine kernlosen afrikanischen Granaten,
sondern inländische Früchte aus meinem Garten.“ Trotzdem das Klima von
Mittelitalien den Anbau des die Wärme liebenden Granatbaumes nicht
gerade günstig war, wurde er hier gepflanzt; doch wurden die viel
süßeren nordafrikanischen Sorten, die einst von den Phönikiern aus
Syrien eingeführt worden waren, den ziemlich saueren einheimischen
Sorten bei weitem vorgezogen. So besitzen wir noch ein Zeugnis aus
der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts, worin Flavianus Myrmecius in
einem kleinen Gedichte seinen Freund Rufus Festus Avienus bittet, er
möchte ihm, wenn sein Schiff aus Afrika komme, einige dort gewachsene
süße Granatäpfel senden. Sein eigener Garten trüge zwar auch solche,
aber sie seien sauer und herb und nicht den nektargleichen Früchten zu
vergleichen, wie sie die warme Sonne Afrikas hervorbringe.
Wie bei den Griechen, die ihnen den Granatbaum übermittelten, erhielt
er auch bei den Römern eine gewisse sakrale Bedeutung. So trug nach
altem römischen Opferritual die das Abbild der römischen Matrone aus
der Urzeit darstellende Gattin des Oberpriesters auf dem Haupte einen
Granatbaumzweig, dessen Enden mit einem weißen Wollfaden verknüpft
waren, wie das Haupt ihres Mannes mit einem Ölzweig geschmückt war.
Die aus der karthagischen Zeit übernommenen Granatbaumanpflanzungen
kultivierten die Römer in ihrer Provinz Afrika weiter und zogen eine
sehr süße, blutrote, scheinbar kernlose, d. h. sehr weichkernige Sorte,
die den Vandalen, die im Jahre 429 von Spanien aus unter Geiserich nach
Nordafrika einfielen und 439 hier ein ausgedehntes Reich gründeten,
besonders gemundet zu haben scheint. Auch die Araber ließen sich
seine Kultur angelegen sein und brachten ihn, als sie nach dem Siege
von Xeres de la Frontera 711 Südspanien besetzten, dahin. Hier wurde
diese Frucht in der Folge viel gezogen und die im 10. Jahrhundert von
den Mauren gegründete Stadt Granada erhielt von der Granate, deren
Abbild dann auch ins Stadtwappen überging, ihren Namen. Sonst ist die
arabische Bezeichnung der Frucht ~roma~.
In den altbyzantinischen Geweben, die dann das Abendland nachahmte,
spielt das Granatapfelmuster eine große Rolle. Gern pflanzte man dort
wie im ganzen Abendlande den Strauch mit den hübschen Blüten in Kübel
und stellte ihn zur Einfassung von Treppen und zur Verzierung von
Altanen auf. Von dem spätgriechischen Namen der Blüte, ~balaústion~ --
wohl auch einem orientalischen Fremdwort -- hat sich das italienische
~balaustro~ und davon ~balaustrata~ gebildet, woraus unser Balustrade
entstand. Vom säuerlichen, rotgefärbten Fruchtsafte stellt man die
Grenadine her, jenen Sirup, der mit Wasser verdünnt auf sehr angenehme
Weise den Durst löscht. Heute haben aber die Zitrone und die Orange dem
Granatapfel den Platz geraubt, den er bei den Alten einnahm. Doch noch
jetzt verknüpft das Volk in Griechenland, wo man die Pflanze häufig
verwildert antrifft, mit der Frucht die Vorstellung reichen Segens und
der unzählbaren Menge, und die feuerrote Blüte ist als Geschenk ein
Zeichen feuriger Liebe. Im Mittelalter aber diente allgemein wie in
Südeuropa, so auch bei uns eine Abkochung der Frucht als Fiebermittel,
bis die Chinarinde im 16. Jahrhundert aufkam und dieses ältere Mittel
verdrängte.
Auch die +Mispel+ (~Mespilus germanica~) stammt aus dem Orient, und
zwar ist sie in Nordpersien zu Hause. Dieser Baum, dessen wenig
schmackhafte Früchte nur im überreifen, teigigen Zustande genießbar
sind und sich im allgemeinen in unserer verwöhnten Zeit keines
besonderen Ansehens erfreuen, kam frühzeitig nach Griechenland, wo er
schon von dem ums Jahr 700 v. Chr. auf der Insel Paros lebenden Dichter
Archilochos und später von Theophrastos aus Lesbos (390 bis 286
v. Chr.) unter dem Namen ~méspilon~ erwähnt wird. In Italien war er
nach Plinius noch zur Zeit Catos, der im Jahre 149 v. Chr. starb,
unbekannt, gelangte aber nach dem makedonischen Kriege aus Makedonien
unter seinem griechischen Namen dahin. Plinius spricht mehrfach vom
~mespilus~, und Palladius im 4. Jahrhundert nach Chr. sagt: „Die
Mispeln gedeihen an warmen Orten gut, aber auch an kalten. Man zieht
sie aus Stecklingen, welche im März oder November in gut bearbeiteten
und gedüngten Boden eingesetzt werden. Der Baum wächst sehr langsam.
Man pfropft die Mispel im Februar auf Mispel- oder Birn- oder
Apfelstämmchen; dabei nimmt man das Reis von der Mitte des Stammes,
denn von der Spitze genommen taugt es nichts. Immer muß in den Spalt
gepfropft werden, denn beim Propfen in die Rinde gedeiht es nicht. Die
Früchte nimmt man vom Baume, ehe sie eßbar sind, denn sie bleiben auch
am Baume sehr lange hart. Man verwahrt sie in ausgepichten Töpfen oder
hängt sie einzeln auf, oder legt sie in eingedickten Most; auch legt
man sie so in Spreu, daß sie sich nicht berühren.“
Daß die Römer den Mispelbaum im südlichen Gallien bereits vorfanden,
beweist, daß er vermutlich von der griechischen Kolonie Massalia aus
in das Gebiet der Rhone gebracht wurde. Durch die Römer wurde er auch
in ihren nordischen Militärstationen angesiedelt. Im Mittelalter wurde
er in Frankreich und Deutschland so häufig angepflanzt, daß er heute
vielerorts verwildert auftritt, so daß noch Carl von Linné, der ihm den
Beinamen des „Deutschen“ gab, glaubte, er sei in Deutschland von jeher
heimisch gewesen. Auch er gehört als ~mespilarius~ zu den Bäumen, die
im ~Capitulare de villis~ und in zwei Garteninventaren aus der Zeit
Karls des Großen aus dem Anfange des 9. Jahrhunderts vorgeschrieben
werden.
Viel besser als die „deutsche Mispel“ schmeckt die seit kaum hundert
Jahren in die Mittelmeerländer eingeführte +japanische Mispel+
(~Eriobotrya japonica~), deren gelbe, angenehm säuerliche Früchte
von den Franzosen kurz ~nèfles~, d. h. Mispeln, genannt werden. Wer
an der Riviera oder in Algerien gereist ist, dem sind die im ersten
Frühjahre als erstes Obst reifenden Früchte, wie auch der dichtbelaubte
Baum mit seinen großen, oben glänzenden und unten dicht wollfilzigen,
lederartigen Blättern sehr wohl bekannt. Obschon wenig haltbar,
gelangen die Früchte, seit wir durch gute Zugsverbindungen nach der
Durchtunnelung der Alpen dem Süden gleichsam näher sind, immer häufiger
zu uns und werden jetzt regelmäßig in den Früchtehandlungen zum Kaufe
angeboten. Diesen Bürger Ostasiens brachte Sir Joseph Banks im Jahre
1778 aus Japan zuerst nach England, von wo er bald in die ihm mehr
zusagenden, weil wärmeren Länder am Mittelmeer gelangte. Doch gedeiht
er noch ganz gut an dem vor rauhen Winden geschützten Nordufer des
Genfersees. Auch in Chile wurde er zu Beginn des vorigen Jahrhunderts
eingeführt. Er hat sich dort so gut eingebürgert, daß seine Früchte in
jenem Lande wie in den Mittelmeerländern zum gemeinsten Obste gehören.
Noch unschmackhafter als die faden Mispeln sind die gleichfalls
erst, wenn sie durch längeres Hängen am Baume teigig geworden sind,
genießbaren, mehligen Früchte des +Spierlings+ (~Sorbus domestica~),
der Kulturform der Eberesche (~Sorbus aucuparia~), die aber gleichwohl
schon im Altertum gerne gegessen wurden. Die sie liefernden Bäume
wurden schon von den alten Griechen und Römern kultiviert. Der
griechische Pflanzenkenner Theophrast im 4. Jahrhundert v. Chr.
beschreibt ausführlich den von ihm ~oía~ genannten Spierlingsbaum
und sagt: „Manche Spierlingsbäume tragen runde, andere längliche
Früchte, die sich auch durch den Geschmack unterscheiden; im
ganzen sind die runden wohlriechender und süßer. Sie sind leicht
dem Wurmstich ausgesetzt, wie auch die Bäume selbst, die am besten
an kalten, feuchten Stellen gedeihen.“ Palladius im 4. Jahrhundert
sagt. „Die Spierlingsbäume (~sorbus~) werden im April gepfropft,
und zwar auf andere Spierlingsbäume, auf Quitten und auf Weißdorn.
Man hebt die Früchte in irdenen, gut geschlossenen Gefäßen auf,
die man an einem trockenen, sonnigen Orte in die Erde gräbt; auch
zerschneidet man sie in Stücke und dörrt diese an der Sonne. Diese
Schnitzchen kocht man dann, wenn sie gegessen werden sollen. Man
hängt ferner die Früchte einzeln an einem schattigen, trockenen
Orte auf, soll auch Wein und Essig aus ihnen gemacht werden.“
Nördlich der Alpen werden die Spierlingsbäume zuerst im ~Capitulare
de villis~ Karls des Großen von 812 und im Entwurf des St. Galler
Klostergartens vom Jahre 820 erwähnt. Seine im Hochsommer in großen
Trauben reifenden scharlachroten bis gelben Beeren, die besonders von
den Drosseln begierig gefressen werden, dienen, wie auch diejenigen
des Elsenbeerbaumes (~Sorbus torminalis~), vielfach zur Herstellung
eines würzig schmeckenden, starken Schnapses, der besonders gegen
Durchfall getrunken wird. Der Baum, der sie liefert, ist ursprünglich
in Südeuropa zu Hause und verdankt seine Überführung nach dem Norden
ebenfalls den Römern. Im Mittelalter wurde er wie die Mispel häufig
kultiviert. In Süddeutschland und Frankreich wird er noch jetzt
vielfach als Obstbaum gezogen, doch hat hier seine Kultur nie größere
Bedeutung erlangt, so wenig als diejenige des +Weißdorns+ (~Crataegus
oxyacantha~), dessen als +Rotdorn+ bezeichnete rotblühende Form als
prächtiger Baum überall gezüchtet wird. Seine roten, wenig fleischigen,
als +Mehlbeeren+ bezeichneten Früchte werden von den anspruchslosen
Kindern gern gegessen. Bloß einige neuerdings bei uns eingeführte
amerikanische Arten, wie ~Crataegus coccinea~ haben saftigere, auch von
den Erwachsenen gern genossene Früchte von der Größe einer Kirsche,
die auch wegen ihrer prächtigen, lebhaft roten Farbe ein Schmuck des
Baumes sind. Immerhin ist dieser bei uns einheimische Strauch, der
häufig in Wäldern der Gebirgsgegenden wild vorkommt, insofern für die
Obstbaumzucht von Bedeutung, als er als Unterlage zum Aufpfropfen
edler Birnensorten dient. Aber auch die leuchtend roten Scheinfrüchte
der einheimischen wilden und verwilderten Rosen, die +Hagebutten+,
bieten in ihrem fleischig gewordenen Blütenboden nach Entfernung der
ihn innen bedeckenden kleinen, weichen Haare und der eingeschlossenen
einsamigen, nußähnlichen Früchtchen mit Zucker gekocht ein durch
seinen Wohlgeschmack ausgezeichnetes Fruchtmus, das, als „Buttenmost“
bezeichnet, geradezu einen Leckerbissen bildet, dessen einfache
Abkunft man ihm gar nicht anmerken würde. Aber auch roh bilden sie,
wenn ein Frost über sie gegangen ist und sie infolgedessen einen süßen
Geschmack erlangt haben, eine noch heute von den Kindern gern gegessene
Speise. Schon die Pfahlbauern müssen sie gesammelt und gegessen haben;
denn man fand die Samenkerne der Hundsrose in größerer Menge in den
spätneolithischen Pfahlbauten von Robenhausen und Moosseedorf.
Zur Pfahlbauzeit war man ja in bezug auf die pflanzliche Nahrung
sehr wenig wählerisch, so hat man außer den Hagebutten auch die
schwarzen +Holunder+- und +Attichbeeren+ (von ~Sambucus nigra~ und
~S. ebulus~), dann die Wasser- und Buchnüsse, die Mehl- und anderen
Beeren wie Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Heidel- und Preißelbeeren,
die Haselnüsse, Holzäpfel und Holzbirnen, Schlehen und Wildkirschen
gesammelt und gegessen. Reste von der +Kornelkirsche+ (~Cornus mas~)
sind nicht unter jenem Wegwurfe gefunden worden, so daß der Strauch,
der sich im Frühjahr über und über mit gelben Blüten bedeckt und später
schön kirschrote, glänzende Steinfrüchte von pflaumenähnlicher Gestalt,
nur bedeutend kleiner und von säuerlichem Geschmack, reifen läßt,
damals noch nicht nördlich der Alpen vorkam. In den Pfahlbautenresten
von Castione bei Parma in Oberitalien sind seine Fruchtsteine dagegen
zahlreich gefunden worden. Im ganzen Altertum wurden seine Früchte
gegessen. In der Ilias und Odyssee werden sie als ~kranía~ erwähnt,
auch Theophrast spricht von ihnen. Da man im Altertume aus den geraden
Stämmchen Lanzenschäfte machte, nennt der römische Dichter Vergil die
Kornelle (~cornus~) gut zum Krieg. Plinius unterscheidet männliche
und weibliche Sträucher und findet nur das Holz der ersteren zu
Lanzenschäften geeignet, da es zu den härtesten Holzarten gehöre; das
des weiblichen aber sei schwammig. Was für eine Pflanze er unter der
letzteren Bezeichnung meint, läßt sich allerdings nicht sagen. Er sagt:
„Die Kornelkirschen werden zur Speise gezogen und der griechische Arzt
Dioskurides empfiehlt sie zum Einmachen.“ Wie solche Konserven bei den
alten Römern hergestellt wurden, teilt uns sein Zeitgenosse Columella
mit. Er sagt in seinem Buche über den Landbau: „Die Kornelkirschen,
welche wie Oliven gegessen werden, die Nagelpflaumen (eine gewisse
Sorte der Kulturpflaume), Haferpflaumen (auch Krieche von ~Prunus
insititia~, stammt wahrscheinlich aus dem Orient, ist dornig und
einem Schlehenbaume ähnlich, trägt ebensolche, nur doppelt so große
Früchte je nach den Kultursorten von dunkelblauer, rötlicher, gelber
oder grüner Farbe und säuerlichem Fruchtfleisch, weshalb sie schon im
Altertum in Südeuropa häufig angepflanzt wurde) und die verschiedenen
Sorten von Birnen und Pflaumen werden in folgender Weise eingemacht.
Man sammelt sie, wenn sie weder überreif, noch allzu unreif sind.
Sie werden einen Tag lang im Schatten getrocknet und dann mit einer
Mischung von gleichviel Essig und eingedicktem Most übergossen. Es ist
auch etwas Salz beizufügen, damit keine Würmchen oder andere Tierchen
in der Masse entstehen. Noch besser ist es übrigens ⅔ eingedickten
Most und nur ⅓ Essig zu nehmen. Die Birnen sammelt man, wenn sie der
Reife nahe sind, untersucht sie genau, ob sie keine Fehler oder Würmer
haben, legt sie in einen irdenen, ausgepichten Topf, gießt aus halb
eingetrockneten Trauben bereiteten Wein oder eingedickten Most darüber,
so daß der Topf voll und jede Birne mit der Flüssigkeit bedeckt ist,
verschließt den Topf mit einem Deckel und verstreicht den Ritz mit
Gips. Übrigens können die Birnen wie die Äpfel auch in Honig aufbewahrt
werden. Ich rate wenigstens so viele in Honig zu legen, daß sie für
Fälle vorrätig sind, in denen sie Kranken nützlich sein können. Mit
anders eingemachten darf man sie jedoch nicht mischen, sonst verdirbt
eines das andere. Sonst werden Äpfel und Birnen von recht süßem
Geschmack, die aber noch nicht ganz reif sein dürfen, mit einem aus
Rohr oder Knochen verfertigten Messer zerschnitten und an die Sonne
gelegt, bis sie eintrocknen. Hat man recht viel solcher gedörrter
Äpfel- und Birnenschnitzchen in Vorrat, so sind sie nebst getrockneten
Feigen ein sehr wichtiger Teil der ländlichen Nahrung für den Winter.“
In Rußland werden die Kornelkirschen viel gegessen und auch mit Zucker
eingemacht. Auch bei den Türken bilden sie eine beliebte Speise und
werden unter dem griechischen Namen ~krania~ überall auf den Straßen
von Konstantinopel, Smyrna usw. von Händlern ausgeboten. Mit Wasser
verdünnt bildet ihr Saft ein angenehmes, Scherbet (vom arabischen
~scharab~ für Trank) genanntes Getränk. Ebenso werden die süßen
pflaumengroßen Früchte von ~Prunus ursina~, eines bedornten baumartigen
Strauchs Vorderasiens, der besonders am Antilibanon in Menge wild
wächst, wie auch diejenigen des kleinen, ganz der Erde angepreßten
Gebirgsstrauchs ~Prunus prostrata~, sehr gerne gesammelt und gegessen.
Eine weit größere Rolle als diese doch recht bescheidenen, kaum
kultivierten Früchte spielen die zu den Rosenblütlern gehörenden
+Kirschen+ und +Pflaumen+. Diese sind in den edlen Kultursorten
erst in geschichtlicher Zeit nach Südeuropa und von da über die
Alpen nach Norden gelangt. Die vorgeschichtlichen Europäer kannten
als Steinobst einzig die herben, wenig schmackhaften Früchte der
+Vogelkirsche+ (~Prunus avium~), der +Traubenkirsche+ (~Prunus
padus~) und +Schlehe+ (~Prunus spinosa~). Reste von ihnen sind in den
neolithischen Pfahlbauten der Schweiz, Italiens und Österreichs und in
den verschiedensten bronzezeitlichen Stationen Mitteleuropas gefunden
worden. Auch die primitiveren Völker des Altertums sammelten sie noch,
um sich ihrer als Speise zu bedienen. Bei manchen Volksstämmen erfreute
sich die Traubenkirsche besonderer Beliebtheit. So berichtet uns der
griechische Geschichtsschreiber Herodot (484 v. Chr. in Halikarnassos
geboren und um 424 zu Thurii in Unteritalien gestorben) von den
Argippäern, „plattnasigen Leuten mit langem Kinn, die nördlich von den
Skythen am Fuße hoher Berge wohnen und eine eigene Sprache reden“, --
man hat in ihnen wohl mit Recht die Vorfahren der heutigen Baschkiren
am Südende des Uralgebirges vermutet -- daß sie von den Früchten eines
~póntikon~ genannten feigenbaumgroßen Baumes leben, der saubohnengroße,
kernhaltige Früchte besitzt. „Die Argippäer schlagen die reifen Früchte
in Tücher, pressen eine dicke, schwarze Flüssigkeit heraus, welche
~aschy~ heißt. Diese genießen sie ohne Beimischung oder mit Milch. Aus
den Trebern machen sie Kuchen, welche ihre Speise sind.“ Dieses von
Herodot beschriebene Verfahren traf der deutsche Forscher Adolf Ermann,
wie er in seiner Reisebeschreibung durch Sibirien berichtet, noch bei
den heutigen Baschkiren, in deren Sprache sich merkwürdigerweise noch
derselbe Name für den Traubenkirschsaft wie vor mehr als 2000 Jahren,
nämlich ~atschui~, findet. Daraus dürfen wir mit Recht schließen, daß
Herodot unter dem ~póntikon~ den Traubenkirschbaum verstand.
Auch die Früchte der in ganz Mittel- und Südeuropa wildwachsend
angetroffenen +Schlehe+ (~Prunus spinosa~) wurden trotz ihres herben
Geschmacks, der erst nachdem Frost auf sie eingewirkt hat etwas
angenehmer säuerlich wird, von den unverwöhnten Gaumen der Menschen
der Stein- und frühen Metallzeit gegessen und teilweise ein Mus
daraus gemacht, wie uns der ältere Cato aus der ersten Hälfte des
2. vorchristlichen Jahrhunderts von den Römern berichtet. Noch die
später heilig gesprochene Äbtissin Hildegard, Vorsteherin des Klosters
Rupertsberg bei Bingen (1098-1197), führt die Schlehe unter den
Obstbäumen ihrer Zeit an. Bis in die Neuzeit hinein war Schlehenmus
eine auf dem Lande beliebte Zukost zu Brot, auch wurde daraus eine
Art Schnaps gebrannt. In der Moldau-Wallachei werden die Schlehen roh
gegessen und auch getrocknet für den Winter aufbewahrt. Mit Traubenmost
zusammengestampft geben sie den roten, mandelartig schmeckenden
Schlehenwein.