Ackerbauschriftsteller Columella sagt: „Es gibt sehr verschiedene
Sorten Äpfel; sie schmecken gut und befördern die Gesundheit.“ Und
der aus Pergamon gebürtige griechische Arzt Claudios Galenos (131-200
n. Chr.) meint: „Unreife Äpfel sind zwar durchaus schädlich, reife
dagegen roh, gebraten und gekocht sehr gesund.“ Sie wurden gerne als
Wintervorrat aufbewahrt. Wie man dies zu tun habe, darüber schreibt
der überaus gelehrte und fruchtbare römische Schriftsteller Marcus
Terentius Varro (116-27 v. Chr.) in seiner Schrift über den Landbau:
„Die dauerhaften Apfelsorten wie beide Quittensorten (die Birnen- und
Apfelquitten) müssen an einem trockenen, kühlen Orte auf Spreu liegend
aufbewahrt werden. Beim Bau der Obstkammer (~oporotheca~, von den
Griechen entlehnt) muß von vornherein dafür besorgt sein, daß ihre
Fenster nach Norden stehen und daß der (kühle) Nordwind Einlaß habe;
jedoch müssen die Fenster für gewöhnlich mit Läden geschlossen sein,
weil allzuviel Wind das Obst austrocknet und welk macht. Man gibt auch
der Decke, den Wänden, dem Boden einen marmorartigen Überzug (von
Stuck), damit sie desto kühler sind. Manche richten die Obstkammer
so ein, daß sie darin speisen, und sich dabei an der Pracht der dort
lagernden Früchte ergötzen können. Es gibt freilich Leute in Rom,
die das Obst kaufen, statt es selbst zu ziehen, und schmücken damit
ihre Obstkammer; das sollte man nicht nachahmen. Die Äpfel legt man in
der Obstkammer auf Bretter oder auf Stroh oder auf Wollflocken, die
Granatäpfel in Fässer, die mit Sand gefüllt sind, die Quitten werden
schwebend aufgehängt, Birnen werden in (durch Kochen) eingedickten
Weinmost gelegt; Spierlingsfrüchte (+sorbum+ von ~Sorbus domestica~)
und Birnen werden auch zerschnitten und an der Sonne getrocknet, die
ersteren halten sich auch an jedem trockenen Orte lange frisch. Rüben
werden in Senf, Walnüsse in Sand gelegt.“
Der ältere Cato (234-149 v. Chr.) verlangt von der Wirtschafterin,
die das Hauswesen im Landhause (~villa~) besorgt und für alle
Bewohner derselben kocht, sie müsse viele Hühner und Eier im Vorrat
halten. „Ferner muß sie getrocknete Birnen, Spierlingsfrüchte,
Feigen, getrocknete Weinbeeren, in eingedicktem Most liegende
Spierlingsfrüchte, auch Birnen und Trauben in Fässern, ebenso Quitten
vorrätig haben. Sie muß Trauben haben, die in Weinmost, in Krügen und
in der Erde aufbewahrt werden. Außerdem muß sie frische pränestische
Nüsse im Krug unter der Erde, scantianische Äpfel in Fässern und
andere Obstarten, die man aufzubewahren pflegt, auch wilde, haben.“
Außerdem verlangt er von ihr, sie müsse die Kunst Mehl und Schrot, die
damals noch von jeder Haushaltung selbst hergestellt wurden, zu machen
verstehen, dürfe keine Schwätzerin sein und sich mit den Nachbarinnen
umhertreiben, auch ohne Befehl des Hausherrn oder der Hausfrau nicht
opfern, solle reinlich sein und auch die Villa rein halten, täglich,
bevor sie zu Bett gehe, den Herd reinigen, an Festen den Herd bekränzen
und an diesen Tagen dem Hausgotte opfern.
Von den in der späteren Kaiserzeit unterschiedenen 29 Äpfelsorten
gediehen die berühmtesten bei der Stadt Abella in Kampanien, die
jedenfalls hier eine sehr alte, schon von den Kelten betriebene
Äpfelkultur besaß; denn ihren Namen wird sie von der keltischen
Bezeichnung ~aball~ für Äpfel erhalten haben. Der römische
Ackerbauschriftsteller Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. sagt von den
Apfelbäumen: „Es gibt deren viele Sorten, und es wäre zu weitläufig,
sie aufzuzählen. Sie lieben einen kräftigen, fetten Boden, der nicht
durch Bewässerung, sondern von Natur feucht ist; besteht er aber aus
trockenem Sand oder Ton, so tut die Bewässerung gut. An kalten Orten
setzt man sie auf die Südseite der Berge. Man braucht die Erde um sie
weder durch Ackern, noch durch Graben aufzulockern; daher passen sie
gut auf Wiesen. Mist verlangen sie zwar nicht, nehmen ihn aber gerne
an, auch kann er mit Asche gemischt sein. Beim Beschneiden nimmt man
am besten nur was trocken oder falsch gewachsen ist weg. Der Apfelbaum
dauert nicht so viele Jahre wie der Birnbaum. Läßt er seine Äpfel vor
der Zeit der Reife fallen, so spaltet man eine Wurzel und keilt einen
Stein in den Spalt (natürlich ist dies Unsinn). Hängen die Äpfel in
zu großer Zahl am Baum, so nimmt man die schlechtesten weg (damit
sich die anderen umso schöner entwickeln). Die Zeit der Veredlung ist
der Februar und März. Apfelreiser gedeihen auf Apfel- und Birnbäumen,
Weißdorn, Pflaume, Spierling, Pfirsich, Platane, Pappel, Weide. -- Die
Äpfel, welche aufbewahrt werden sollen, müssen sorgfältig ausgelesen
werden. Man legt sie an einem dunkeln, windfreien Orte in abgesonderten
Haufen auf Stroh und teilt die Haufen oft. Manche schließen sie auch
in ausgepichte große Tonkrüge, deren Deckel mit Gips verstrichen wird,
oder hüllen sie in Ton oder bestreichen nur die Stiele mit Ton, oder
legen sie auf Hürden, die mit Spreu belegt sind, oder decken sie von
oben mit Stroh. Die sogenannten Kugeläpfel kann man ohne weiteres
ein ganzes Jahr aufbewahren. Manche Leute senken auch die in gut
ausgepichten und verpichten Gefäßen befindlichen Äpfel unter Wasser.
Andere nehmen die Äpfel einzeln vom Baum, tauchen ihre Stiele in
siedendes Pech, legen sie reihenweise auf die Gestelle und decken sie
mit Nußblättern. Viele legen sie zwischen Sägespäne von Pappel- oder
Tannenholz. Es ist bekannt, daß man die Äpfel so legen muß, daß der
Stiel unten ist, und daß man sie nicht eher anrühren darf, als bis man
sie braucht. Auch Wein und Essig wird aus Äpfeln wie Birnen gemacht.“
Die von ihnen in Italien angepflanzten besseren Äpfelsorten brachten
die Römer mit den übrigen von ihnen verbreiteten Obstsorten auch
über die Alpen nach Gallien und Germanien. Hier gab es zwar bereits
kultivierte Äpfel, aber doch noch nicht so feine Arten, wie sie die
Römer aus Italien mitbrachten, auch kannte man noch nicht die von jenen
geübten Methoden der Veredelung des Obstes durch Pfropfen. In allen
von den Römern beeinflußten romanischen und germanischen Sprachen
führen sowohl die Obstarten als auch die Ausdrücke für ihre Veredelung
(wie impfen, aus dem lateinischen ~impu(t)are~) ausnahmslos Namen,
die aus dem Lateinischen entlehnt sind. Nur +ein+ Obstname, nämlich
derjenige des Apfels, ist in den Sprachen Mitteleuropas nicht aus dem
Lateinischen entlehnt, sondern altes Erbgut der hier ansässigen Stämme.
Er lautet althochdeutsch ~apful~, nordisch ~appel~, urkeltisch ~aball~,
altslawisch ~jabluko~. Es ist deshalb anzunehmen, daß der Apfel, die
einzige Obstart, für die sich beim Eindringen der römischen Obstkultur
in den ersten Jahrhunderten nach Christus der altangestammte Name
in Germanien behauptete, hier schon in einer seit der Pfahlbauzeit
erhalten gebliebenen kultivierten, wenn auch minderwertigen Art
bekannt war, die sich allerdings ganz wesentlich vom römischen Apfel
unterschied. Er spielte in der Mythologie der alten Deutschen eine
nicht unbedeutende Rolle, indem er nach altgermanischer Vorstellung
als Symbol der Mutterbrust und der nährenden Liebe galt. In der
nordischen Mythologie sind Äpfel die Speise der Asen, des mächtigsten
Göttergeschlechts, das von den Riesen seinen Ursprung nahm. Iduna war
ihre Bewahrerin und sie besaßen die Kraft, den zu verjüngen, der sie aß.
Überall da, wo nun die Römer nördlich der Alpen ihre Militärstationen
gründeten und Märkte anlegten, machten sie bald auch Versuche mit
der Anpflanzung südlicher Obstsorten, die ihnen für ihre gewohnte
bessere Lebensführung unentbehrlich waren. So wissen wir aus der
Naturgeschichte des älteren Plinius (23-79 n. Chr.), daß die Belgier
schon zu seiner Zeit eine besondere kernlose Art von Äpfeln zogen.
Im 6. Jahrhundert bedankt sich der romanisierte Franke Venantius
Fortunatus bei seinem Freunde und Landsmann Gregor von Tours
(eigentlich Georgius Florentius geheißen, um 540 in Clermont-Ferrand
geboren, von 573-594 Bischof von Tours) in einem uns erhaltenen
poetischen Billett für Äpfel und Apfelpfropfreiser, die dieser
ihm gesandt hatte. In Karls des Großen ~Capitulare de villis vel
curtis imperii~, d. h. seinen Verordnungen über die Einrichtung und
Bewirtschaftung der königlichen Domänen aus dem Jahre 812, durch die er
auf sein Volk vorbildlich wirken wollte und die für uns das wichtigste
Dokument der frühmittelalterlichen Garten- und Obstkultur sind, werden
frühe und späte, säuerliche und süße Sorten, auch Daueräpfel unter
den damals gebräuchlichen Bezeichnungen wie Gosmaringer, Geroldinger,
Crevedeller und Sperauker genannt. Diese Bezeichnungen stammen meist
von Orten Süddeutschlands, wo innerhalb des Dekumatenlandes sehr früh
die von den Römern eingeführte Apfelkultur in Blüte kam und wertvolle,
aus dem Süden stammende, Sorten kultiviert wurden.
Ein ausgedehnter Raum sollte in den Meierhöfen zum Aufbewahren von
Obstsorten verschiedenster Art, besonders von Äpfeln, eingerichtet
sein. Als ein Obstgarten erscheint in der altsächsischen Dichtung
vom Heliand der Garten Getsemane. In ihm, den man sich möglichst
ungepflegt als einen mit Obstbäumen bestandenen Rasenplatz vorzustellen
hat, gab die Bauerndirne ihrem Geliebten ein Stelldichein und
fanden bei festlichen Anlässen die Lustbarkeiten statt. Den in ihm
befindlichen Obstbäumen wurde meist nur geringe oder gar keine Pflege
zuteil. Vorbildlich in der Obstkultur gingen vor allem die Klöster den
Bauern mit gutem Beispiel voran; denn im frühen Mittelalter waren sie
ganz besonders die Heger und Pfleger der von den Römern übernommenen
Kulturgüter, und wenn die Mönche auf ihren stetigen Wanderungen eine
neue Sorte entdeckten, so brachten sie dieselbe mit in ihr Kloster.
Und aus dem Klostergarten gelangten später Pfropfreiser davon in die
Gärten der benachbarten Dörfer. So berichtet uns der Geschichtschreiber
des Klosters Morimund, daß die Brüder, die auszogen, um eine neue
Kolonie zu gründen, Samen und Pflänzlinge von allen Sorten für den
Garten des neu zu gründenden Klosters mitnahmen. Die Mönche, welche
nach Altenkampen im Kölnischen gingen, nahmen die graue Reinette mit,
welche im Bassigny um Morimund häufig war. Von Altenkampen verpflanzten
sie andere Mönche desselben Ordens nach Walkenried, von dort nach
Pforte, von Pforte nach Leubus in Schlesien, von wo sie sich durch ganz
Schlesien verbreitete. So ist auch der Borsdorfer Apfel ein Produkt der
Cistersiensermönche von Pforte, den sie mit südländischen Pfropfreisern
auf dem für Obst- und Weinpflanzungen besonders geeigneten Ackerhofe
zu Borsendorf bei Dornburg an der Saale gezogen hatten. In demselben
Pforte wird zuerst im Jahre 1271 ein Obstgärtner als ~magister pomi~
erwähnt. So verbreiteten sich durch die segensreiche Kulturtätigkeit
dieser Mönche diese edleren Obstsorten, die sie auch auf die Wildstämme
der umliegenden Bauernhöfe pfropften. Bald drang so statt der wilden
Kirschen, sauren Holzäpfel und Schlehen wohlschmeckendes Obst als
weitergeleitetes altes Erbe des römischen Kulturvolkes auch in die
entlegensten Gaue Germaniens vor.
Was seither die vorzugsweise von Laien fortgeführte Veredelung aus
dieser westasiatischen Obstart gemacht hat, ist genugsam bekannt, so
daß wir nicht näher darauf einzugehen brauchen. Es genüge, hier zu
bemerken, daß nicht nur in ganz Europa, sondern auch in Nordamerika,
besonders Kalifornien, die Apfelkultur sich zu ganz außerordentlicher
Blüte entfaltet hat, so daß in einem Jahre schon über eine Milliarde
Kilogramm frischen Obstes von dort allein nach England eingeführt
wurde. Auch getrocknet, mit Zucker als Kompott oder zu Mus eingekocht
gelangen die Äpfel heute überall in den Handel, und aus ihnen wird
auch an vielen Orten ein angenehm säuerlicher, schwach alkoholhaltiger
Trank als sogenannter Äpfelwein hergestellt.
Fast ebenso viele Formen wie von den Kulturäpfeln gibt es von den
kultivierten +Birnen+ (~Pirus communis~), deren Stammeltern ebenfalls
aus Westasien zu uns gelangten. Besonders waren es die orientalische
herzblätterige Birne (~Pirus cordata~) und die persische Birne (~Pirus
persica~), die miteinander und später auch mit unserer einheimischen
Holzbirne gekreuzt wurden und zu zahlreichen Varietäten Anlaß gaben.
Daher kommt es denn auch, daß weder die Äpfel- noch die Birnensorten
samenbeständig sind. Durch die Aussaat entstehen fast stets nur Bäume
mit ganz minderwertigen Früchten. Um nun die gewünschten edlen Früchte
zu erhalten, muß der Wildling veredelt werden, d. h. man schneidet
den oberen Teil desselben ab und schiebt in die Wundfläche zwischen
Rinde und Holz einen Zweig der guten Sorte, ein „Edelreis“. Nachdem
die betreffende Wundstelle gut verbunden und durch Aufstreichen von
Baumwachs luftdicht abgeschlossen ist, verwächst der Wildling mit
dem Edelreis; jener übernimmt die Ernährung des letzteren, das nun
austreibt und eine neue Krone bildet.
[Illustration:
Tafel 15.
Längsspalier von Birnbäumen auf einer der Obstpflanzungen der
Konservenfabrik Lenzburg (Schweiz).]
[Illustration:
Tafel 16.
Kreuzspalier von Birnbäumen auf einer der Obstpflanzungen der
Konservenfabrik Lenzburg (Schweiz).]
Die Kultur der Birne ist wie diejenige des Apfels schon aus
klimatischen Gründen Syrien und Ägypten fremd, dagegen in Persien und
Armenien eine uralte. Über Kleinasien gelangte sie schon ebensofrüh
als diejenige des Apfels nach Griechenland, wo die Birne bei Homer
~ónchnē~, vom großen Pflanzenkundigen Theophrast daneben auch ~ápios~
und bei den Griechen später ausschließlich ~ápios~ genannt wurde.
Außer der Insel Thasos war besonders auch der Peloponnes durch den
Reichtum an Birnen bekannt. Ja, nach der Angabe des um 200 n. Chr.
in Alexandrien lebenden Athenaios führte diese Halbinsel aus diesem
Grunde auch den Beinamen Apia, d. h. Birnenland. Nach Italien müssen
nach dem Funde des bronzezeitlichen Pfahlbaus von Baradello schon die
aus dem Norden des Balkans dahin wandernden Stämme des vorletzten
Jahrtausends v. Chr. den Birnbaum gebracht haben. In der Folge nahm
sein Anbau in Italien, wo die Birne ~pirum~ genannt wurde, immer
größere Ausdehnung an. In seiner Schrift über den Landbau sagt der
ältere Cato (234-149 v. Chr.): „Es gibt eine Menge Birnensorten, so
die volemische, anicianische, sementivische, tarentinische (von den
Griechen aus Tarent übernommen), Most- und Kürbisbirne und andere. Sie
werden gepflanzt und gepfropft.“ 200 Jahre später schreibt Plinius
in seiner Naturgeschichte: „Es gibt eine sehr große Menge von
Birnensorten. Roh sind sie sämtlich selbst für ganz gesunde Leute
schwer verdaulich und werden daher Kranken verboten. Auch die Waldbirne
wird getrocknet, um sie als Arznei zu gebrauchen.“ Sein Zeitgenosse,
der griechische Arzt Dioskurides, meint: „Alle Birnen (~ápios~), und
es gibt deren viele Sorten, haben zusammenziehende Kräfte. Verzehrt
man rohe Birnen nüchtern, so schaden sie leicht. Aus Birnen macht
man Birnenwein, wie man auch welchen aus Quitten, Spierlingen und
Johannisbrot macht. Alle diese Weine haben etwas Zusammenziehendes und
sind gesund.“ Nach dem ebenfalls um die Mitte des 1. Jahrhunderts
n. Chr. lebenden, aus Spanien nach Rom gekommenen Ackerbauschriftsteller
Columella wurden aus noch nicht ganz reifen Birnen und Äpfeln an der
Sonne gedörrte Schnitze hergestellt, die nebst getrockneten Feigen
einen sehr wichtigen Teil der Nahrung der ländlichen Bevölkerung
bildeten. Zur Mostgewinnung pflanzte man besondere Mostbirnen, und
feinere Birnen wurden in eingekochtem Most konserviert. Palladius im
4. Jahrhundert rät, die Birnbäume 30 Fuß auseinanderzusetzen, die Erde
aufzulockern und feucht zu halten, auch einmal jährlich zu düngen.
„Zweckmäßiger als aus Samen ist es, sie durch Pfropfen von Wildstämmen
zu gewinnen, und zwar pfropft man sie auf wilde Birnbäume, Apfelbäume
und, wie einige angeben, auch auf Mandel- und Granatbäume, Quitten und
Eschen (griechische Schriftsteller fügen dieser Liste die Maulbeerbäume
hinzu und sagen, daß die darauf gewachsenen Birnen rot werden). Will
man Birnen lange aufbewahren, so sucht man mit der Hand gepflückte,
ganz unbeschädigte, noch nicht völlig reife aus, tut sie in ein
ausgepichtes Gefäß, befestigt darauf den Deckel ganz dicht, legt es so
um, daß der Deckel nach unten kommt und vergräbt es an einer Stelle, um
die jahraus, jahrein Wasser fließt. Man hebt auch Birnen in Spreu und
Getreide auf.“
Neben der als ~ápios~ bezeichneten Kulturbirne wurden von den
Griechen die als ~áchras~ bezeichneten wilden Birnen gelegentlich
noch gesammelt und gegessen. In der Urzeit muß dies eine regelmäßige
Nahrung der Griechenstämme gewesen sein, wie das uralte Fest der
Achraden bei den Argivern beweist, und wie das aus dem Holz des wilden
Birnbaums geschnitzte Herabild zu Tiryns auf den wilden Birnbaum
als ersten Nährbaum der Tiryntier hinweist. Je weiter wir in der
Menschheitsgeschichte zurückgehen, desto ausschließlicher finden wir
den wilden Birnbaum mit seinen herben, wenig zum Genusse verlockenden
Früchten als Nahrungsspender. So wurden zur jüngeren Steinzeit, wie
uns die Funde in den Kulturschichten der Pfahlbaustationen von Wangen
und Robenhausen in der Schweiz beweisen, neben wilden Äpfeln auch wilde
Birnen gesammelt und, in Schnitze geschnitten und an der Sonne gedörrt,
als Wintervorrat aufgehoben. Die saftige Kulturbirne aber fehlte bis
ins erste Jahrhundert unserer Zeitrechnung in Mitteleuropa durchaus.
Sie gelangte im Gegensatz zum Apfel, der sich hier bereits seit dem
Ende des dritten vorchristlichen Jahrtausends kultiviert vorfand, erst
durch die Römer der Kaiserzeit in die Länder nördlich der Alpen. Zwar
wurden Samenkerne dieser Obstarten nicht im Wegwurf der römischen
Militärstationen gefunden, was bei der Kleinheit und Vergänglichkeit
derselben einigermaßen begreiflich ist. Wohl aber fanden sich die viel
größeren und sehr harten Steinkerne der bald zu besprechenden Pflaumen,
Mirabellen, Kirschpflaumen, Süß- und Sauerkirschen, Pfirsiche und
Aprikosen und die Schalen der Walnüsse und großen Haselnüsse, nicht
bloß in den ausgemauerten, sondern vornehmlich in den zahlreichen
mit Holz ausgekleideten Schachtbrunnen der Saalburg bei Homburg, die
nachweislich schon von den Römern selbst im 2. Jahrhundert n. Chr.
durch ausgemauerte Brunnen ersetzt und zugeschüttet wurden. Hier lagen
sie in einer Schlammschicht 5-10 m unter der Oberfläche. Daß sie etwa
erst in späteren Jahrhunderten in die Brunnen geworfen sein könnten,
ist unter diesen Umständen völlig ausgeschlossen, ganz abgesehen davon,
daß das Kastell unter Gallienus (260-268 n. Chr.) definitiv an die
Germanen verloren und von jenen eingeäschert und zerstört wurde und
seither keine menschliche Niederlassung mehr hier vorhanden war. Erst
einige Jahrhunderte später ist dann die Kulturbirne von den Germanen in
Pflege genommen worden, worauf die Bildung von althochdeutsch ~pira~,
später ~bira~ aus dem lateinischen ~pirum~ deutet.
In dem aus dem Jahre 812 datierenden Verzeichnis der auf den Gütern
Karls des Großen zu haltenden Obstbäume figurieren neben den ~pomarii~,
den Apfelbäumen, auch die ~pirarii~, von denen ebenfalls mehrere
Sorten erwähnt werden, so süßere, frühreife und spätreife. Und der im
Jahre 849 verstorbene fränkische Mönch Walahfrid Strabo, ein großer
Gartenfreund, der es trotz seiner edlen Abkunft nicht verschmähte,
durch tüchtiges Zugreifen, wie er selbst sagt, sich die Hände schwielig
zu machen und zu bräunen, hat in einem lateinischen Gedichte „über
die Pflege der Gärten“ beschrieben, wie er in seinem Garten im Juli
Pfirsiche und im August Feigen, Pflaumen, Nüsse und große volemische
Birnen pflücke, von denen eine die ganze Hand ausfüllt. Zu den von
den Römern übernommenen Birnensorten sind dann durch die Bemühungen
der Klöster und später auch der Laien zahlreiche neue hinzugekommen.
So zählt Valerius Cordus in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts
mehr als 50 in Mitteldeutschland kultivierte Sorten auf, die sich
inzwischen, besonders durch die Bemühungen belgischer Obstzüchter, ganz
wesentlich vermehrt haben.
Vom Obstbau der alten Kulturvölker haben wir nur eine geringe Kenntnis,
da ihre Schriftsteller von solch allgemein bekannten Dingen keine
Aufzeichnungen hinterließen. In Ägypten und Babylonien hat das Kernobst
keinerlei Rolle gespielt, wohl aber in dem durch seine Höhenlage
kühleren Persien, in welchem Lande schon zu den Zeiten des älteren
Kyros (um 550 v. Chr.) die Straßen, welche von der Hauptstadt nach
den Provinzen führten, mit Obstbäumen als nützlichen Schattenspendern
bepflanzt waren. Schon damals hatten die persischen Großkönige die
Gepflogenheit, bei feierlichen Anlässen Obstbäume mit eigener Hand zu
pflanzen, -- beides Sitten, die sich bis auf unsere Zeit erhalten haben.
Schon sehr frühe drang der Obstbau aus Vorderasien über Kleinasien
zu den Griechen und später zu den Römern, die sich seiner mit Liebe
annahmen. Schon bei Homer finden wir die zwischen den Krautgärten
gelegenen Obstgärten der Vornehmen erwähnt, die in der Regel von
älteren Familienangehörigen besorgt wurden. So finden wir in der
Odyssee die Obhut der Obstbäume vorzugsweise Greisen anvertraut, die
niedergebückt im Garten pflanzten, gruben und beschnitten. So hat sich
auch der greise Laertes, Odysseus Vater, in seine Gärten zurückgezogen,
und sein Genosse hierin war der gealterte Sklave Dolios, den einst
Penelope von ihres Vaters Hause in dasjenige ihres Gatten Odysseus mit
hinübergebracht hatte.
Der Baumgarten des Altertums war wie der Rebberg durch eine Mauer,
einen Graben oder einen Zaun, später auch durch eine lebende Hecke als
Privateigentum abgegrenzt. Wer nun diese Grenze nicht respektierte,
machte sich eines frevelhaften Einbruchs in fremdes Eigentum schuldig.
Wie schwer solche Vergehen bisweilen geahndet wurden, beweist uns
die von dem griechischen Geschichtsschreiber Apollodoros berichtete
Episode des Herrschers von Kalydon auf Kreta Oineus (d. h. Winzer), der
seinen eigenen Sohn Toxeus (d. h. den Schützen) tötete, weil dieser es
frevelhaft gewagt hatte, den Graben, der seinen Weinberg umschloß, zu
überspringen.
Nach der Schilderung in der Odyssee trug Laertes bei seinen Arbeiten im
Obstgarten zum Schutz seiner Beine vor Beschädigungen durch die Dornen
ein Paar alter Beinschienen aus Leder und dazu einen geflickten Rock.
Der Garten war von einer Dornenhecke umgeben und enthielt wohlgepflegte
Apfel-, Birn-, Feigen- und Ölbäume. Ein hoher Birnbaum fiel besonders
auf; unter ihm stand Odysseus nach seiner Heimkehr, eine Weile mit der
Rührung kämpfend, da er seinen Vater in der Ferne beobachtet. Und als
er sich ihm zu erkennen gibt, erinnert er ihn an die Zeit der Kindheit,
als er ihm einst 13 Birnbäume, 10 Äpfelbäume, 40 Feigenbäume und 50
Weinstöcke zu eigener Nutznießung schenkte.
Die alten Römer nannten ihre Obstgärten nach den vorzugsweise darin
kultivierten Apfelbäumen ~pomarium~, während sie den Lustgarten
~hortus~, den Blumengarten ~floralium~ und den Küchengarten mit den
Gemüsen ~hortus pinguis~ oder ~rusticus~, d. h. den fetten oder
ländlichen Garten nannten. In den großen Obstgärten der Reichen waren
zugleich Magazine zum Aufbewahren von Obst, wie auch daran sich
anschließende bescheidene Wohnungen für die Gärtnerdienst tuenden
Sklaven vorhanden. Sonst wissen wir sehr wenig von ihnen, nur so viel,
daß in ihnen, wie wir bald sehen werden, schon eine ganze Menge aus dem
Osten importierter Fruchtbäume gediehen.