wird. Die gleiche Form war schon im Altertum üblich. Im Hintergrunde
Stützbäume für Weinreben.]
[Illustration: Die Entwicklung des Pfluges, dargestellt in den Modellen
des Deutschen Museums in München (Phot. und Verlag von M. Stuffler).]
Ursprünglich bestanden diese Handmühlen, die uns in großer Zahl in
den prähistorischen Museen entgegentreten, aus zwei losen Steinen,
einem kleineren, walzenförmigen, der auf einem größeren, flachen über
das zu mahlende Korn hin und her gerieben wurde. Später wurden zwei
annähernd gleich große Steine so zugehauen, daß der obere, an welchem
exzentrisch ein hölzerner Handgriff angebracht war, um den unteren
herumgedreht werden konnte, wie dies heute noch an den im Morgenlande
überall gebräuchlichen Hausmühlen zu sehen ist. Solche einfache
steinerne Handmühlen besaßen noch die deutschen Stämme zur Zeit
der Völkerwanderung. Gotisch hießen sie ~quairnus~, althochdeutsch
~quirn~ oder ~quern~. An letztere erinnern noch manche Eigennamen wie
Querner, Kerner, Körner, die also gleichbedeutend mit unserem Worte
Müller sind, und Ortsnamen wie Quirnfurt, Querfurt, Körnbach usw. Daß
aber ganze Orte nach der Handmühle ~quirn~ bezeichnet wurden, zeigt,
daß es im Mittelalter neben den kleineren auch größere Mühlen gab, wie
sie nicht in jedem Hause, nicht einmal an jedem Orte vorkamen, weil
sie sonst kein unterscheidendes Kennzeichen für die Benennung hätten
abgeben können. Wahrscheinlich wurden sie später so vergrößert, daß
sie durch Tiere getrieben wurden, was bei den Griechen und Römern der
späteren Zeit bereits allgemein üblich war. Aber mit dem Untergange
der hellenisch-römischen Kultur verfielen in den Bedrängnissen der
Völkerwanderungszeit diese bequemen Einrichtungen an den meisten Orten
und kamen außer Gebrauch. So benutzten die Germanenstämme des frühen
Mittelalters noch ausschließlich die kleinen Handmühlen. Erst nach
und nach kamen bei ihnen die von den Römern in den von ihrer Kultur
befruchteten Gebieten gebauten ~molinae~, d. h. meist schon durch
Wasser- statt Tierkraft getriebenen Mühlen auch in Germanien allmählich
in Aufnahme. Deren Anlage erheischte jedoch so viel Vorbereitungen, wie
Erwerb von Wasserrechten und Land, Stauung des Wassers, Einrichtung der
Wasserräder und der an sie gekuppelten Maschinen, daß diese „Mülinen“,
wie sie im späteren Mittelalter genannt wurden (franz. ~moulin~),
sich nur sehr langsam neben den allgemein gebräuchlichen Quirnsteinen
einbürgerten.
[Illustration:
Tafel 3.
(~Copyright by Underwood & Underwood~.)
Das Dreschen des Getreides in Galiläa. Die gleiche Art war schon im
Altertum üblich.]
[Illustration:
Tafel 4.
Dampfdreschmaschine mit Strohselbstbinder der Maschinenfabrik Heinrich
Lanz in Mannheim. (Im Betrieb auf Gut Boldebuck in Mecklenburg.)]
Die Wassermühlen waren übrigens durchaus keine römische Erfindung,
sondern dienten schon sehr früh im Orient zum Ersatze der menschlichen
oder tierischen Kraft bei der Mehlbereitung. Bereits Mithridates der
Große (132-66 v. Chr.), der im Jahre 88 von den Küstenländern am
Schwarzen Meere aus ganz Kleinasien eroberte und daselbst alle Römer,
etwa 80000 an der Zahl, ermorden ließ, besaß in seinem Reiche welche.
Es waren dies oberschlächtige Wasserräder, die früher bekannt waren und
dem Mühlenbetriebe dienten als die unterschlächtigen, von denen uns
erst der römische Kriegsingenieur unter Cäsar und Augustus, Vitruvius,
berichtet. Öffentliche Wassermühlen kamen in Rom erst zu Ende des 4.
Jahrhunderts n. Chr. unter den Kaisern Honorius und Arkadius auf, und
das älteste darauf bezügliche Gesetz aus dem Jahre 398 zeigt deutlich,
daß sie damals noch eine neue Einrichtung waren, die man durch
öffentlichen Schutz sichern mußte. Darauf bezügliche Befehle wurden
noch gegen das Ende des 5. Jahrhunderts von Kaiser Zeno erneuert.
Diese Mühlen lagen an den Kanälen, die Wasser nach Rom führten, und
konnten, da sie nur von wenig Wasser getrieben wurden, jedenfalls nur
verhältnismäßig geringe Kraft entwickeln. Als der Gotenkönig Vitiges im
Jahre 536 den Feldherrn des oströmischen Kaisers Justinian, Belisar, in
Rom belagerte und die 14 großen Wasserleitungen der Stadt verstopfen
ließ, geriet dieser in große Verlegenheit, nicht wegen Wassermangel
überhaupt -- denn dagegen sicherte ihn der Tiberstrom --, sondern wegen
Verlustes desjenigen Wassers, das die Mühlen trieb, die alle an diesen
Kanälen lagen. Pferde und Ochsen, die man zum Treiben der Mühlen hätte
gebrauchen können, fehlten den Einwohnern der belagerten Stadt. Da
geriet Belisar auf den Gedanken, die Mühlen auf im Tiber verankerte
Fahrzeuge zu bringen und sie vom Strome treiben zu lassen. Damit wurde
er zum Erfinder der Schiffsmühlen. Diese funktionierten ganz gut.
Und als die Belagerer starke Balken in den Strom warfen, um sie zu
zerstören, schützten sich die Belagerten durch vorgezogene Ketten.
[Illustration: Bild 4 u. 5. Durch Arbeitssklaven oder wohl häufiger
durch ein Maultier getriebene Mühle aus Pompeji. (Nach Mau.)
4. Die aus Lava gehauenen beiden Mahlsteine samt dem gemauerten
Unterteil ohne die zerfallenen Holzteile, die zum Bewegen des oberen
Steines um den festliegenden unteren dienten; 5. Querschnitt derselben
mit Rekonstruktion der Holzteile.]
Vor der Erfindung der Wassermühlen war tierische oder menschliche Kraft
zum Treiben der Mühlen gebräuchlich. Bei der Unmenge von Sklaven,
über die man in Rom verfügte, besorgten diese lange Zeit hindurch das
Drehen der großen Mühlen, die aus zwei Steinen aus rauhem Trachyt
bestanden, wie man an den uns in Pompeji ziemlich zahlreich erhaltenen
Exemplaren sehen kann. Die Unterlage bildete ein kreisförmiger, großer
Stein mit erhöhtem Rand. In seiner Mitte ruhte ein am oberen Ende
wagerecht abgestutzter Kegel, aus dessen Mitte ein kurzer Eisenzapfen
hervorragte, der in eine entsprechende Höhlung einer eisernen Scheibe
am sogenannten Läufer paßte. Dieser Läufer war ein sanduhrförmiger
Doppeltrichter, in den oben das Getreide geschüttet wurde, um durch
vier Löcher, von welchen die Eisenscheibe durchbohrt war, zwischen
Bodenstein und Läufer zu geraten und beim Drehen des letzteren zermalmt
zu werden. Das fertig gemahlene Mehl wurde am Rande der Unterlage mit
der Hand hinweggenommen.
Neben diesen moderneren Mühlen haben die Römer noch lange Zeit hindurch
ihr Getreide geröstet von Sklaven in Mörsern stampfen lassen. Vom
lateinischen ~pinsere~ stampfen nannte man die Leute, die dieses
Geschäft besorgten, ~pinsores~, später ~pistores~. Besonders wurde
dies mit dem alsbald zu besprechenden Spelt oder Dinkelweizen gemacht,
da damit die Hüllspelzen desselben leichter zu entfernen waren.
Verordnungen über die Mühlensklaven kommen noch unter dem Kaiser
Valentinian vor, der von 364-375 regierte. Erst unter dem 379 von
Gratian zum Mitregenten ernannten Theodosius dem Großen, der 395 in
Mailand starb, nachdem er sein Reich unter seine beiden Söhne Arkadius
und Honorius geteilt hatte, hörte man, wie uns Antonius berichtet, auf,
Sklaven zu halten und Mühlen von Menschen treiben zu lassen.
Windmühlen waren im Altertum noch nicht im Gebrauch. Diese kamen
vielmehr erst um die Mitte des 11. Jahrhunderts in Deutschland auf.
Jahrhunderte hindurch blieb dann hier das Mühlenwesen auf der einmal
erreichten Stufe stehen, bis von den praktischen Nordamerikanern aus
ein mächtiger Anstoß zu Verbesserungen im Mühlenbetriebe erfolgte.
In Pennsylvanien und am Mississippi bestanden bereits zu Anfang des
vergangenen Jahrhunderts Mühlen, die die Leistungen der europäischen
Mühlen weit übertrafen, indem sie auf Großbetrieb eingerichtet waren.
Dazu kam die Anwendung der Dampfmaschine zuerst 1784 in England, dann
1825 in Deutschland, und zwar Magdeburg, und 1828 in Frankreich, so
daß von dieser Zeit an Dampfmühlen nach amerikanischem System rasche
Ausbreitung fanden. Vom Jahre 1834 an, da Sulzberger solche Neuerung
einführte, wandte man eiserne Walzen statt der Mühlsteine an, wodurch
das Mahlverfahren noch weiter gehoben wurde, bis zuletzt der höchste
Aufschwung durch die Erfindung von Porzellanwalzen im Jahre 1874 durch
den Züricher Wegmann erfolgte.
Wie der Weizen das Hauptgetreide des klassischen Altertums war, so
ist er es heute noch bei allen romanischen Völkern, wie auch bei den
Engländern, die ihn Korn, wie wir den Roggen nennen. Man stellt daraus
das „weiße Gebäck“ dar. Die Körner sind entweder durch den reichen
Gehalt an einer als Kleber bezeichneten Eiweißart glasig oder durch
relativen Mangel daran in Verbindung mit Vorwiegen des Stärkemehls
mehlig. Keine von beiden Formen ist im Extrem zum Verbacken sehr
tauglich. Im ersteren Falle liefert er ein sehr festes Produkt, im
letzteren dagegen bäckt er wegen des mangelhaften Klebergehaltes
nur schlecht. Deshalb wird der rein mehlige Weizen besonders zur
Stärkefabrikation benutzt, während der kleberreiche speziell zur
Herstellung von Nudeln, Makkaroni und Grieß Verwendung findet. Die
Bedeutung vieler deutscher Seestädte, welche mit Getreide nach dem
Auslande handelten, wie Danzig und Königsberg, bestand vorzugsweise
darin, daß man dort Gemische unseres mehligen deutschen Weizens mit dem
glasigen russischen Weizen herstellte, wie sie von den verschiedenen
Absatzgebieten gewünscht wurden.
Das Weizenstroh ist zwar kurz, aber doch wertvoll und wird meist
zu Häcksel verschnitten. Eine auf sehr schlechtem Boden in Toskana
gezogene Sorte liefert in ihren dünnen, festen Halmen das Material zu
den geschätzten florentiner Strohhüten.
Von echten Weizenarten sind noch der +Zwerg+- oder +Binkelweizen+
(~Triticum compactum~) und seine vorgeschichtliche Varietät, der
+Kugelweizen+ (~Triticum compactum globiforme~) zu nennen. Letzterer
wurde bereits in neolithischen Stationen in Bosnien, Ungarn,
Oberitalien und Süddeutschland gefunden und dehnte dann sein Gebiet
im Laufe der Bronzezeit bis nach Dänemark aus. Ersterer wurde,
wie verschiedene Funde beweisen, in der Schweiz von der jüngeren
Steinzeit bis in die römische Epoche ununterbrochen kultiviert. In
der Westschweiz baut man stellenweise den Zwergweizen heute noch an,
während der Kugelweizen sich in Schweden und Norwegen bis in die
Gegenwart erhielt und dort noch ziemlich verbreitet ist. Der +welsche
Weizen+ (~Triticum turgidum~) wurde bis jetzt nur in vorgeschichtlichen
Fundstellen Oberitaliens und der Schweiz gefunden, hat aber nie in
Europa eine größere Bedeutung erlangt.
Viel wichtiger als diese mehr historisches Interesse beanspruchenden
Weizenarten sind die bespelzten Weizensorten, der +Spelt+, +Emmer+ und
+Einkorn+. Unter ihnen ist der +Spelt+ oder +Dinkelweizen+ (~Triticum
spelta~) weitaus der wichtigste. Olivier will ihn nebst Weizen 1807 in
Mesopotamien wildwachsend angetroffen haben. Doch wurde er zu keiner
Zeit weder in Babylonien, noch Ägypten angebaut. Auch im Sanskrit,
im Indischen und Persischen fehlt ein Name für ihn, während seine
europäischen Namen auf eine alte Kultur im östlichen Europa hindeuten.
Heute wird er vorzugsweise nur noch in Süddeutschland und der Schweiz,
dann in Südtirol und Nordspanien in größerem Umfange angebaut. Aber
auch hier, wie auch in Italien und Frankreich, wo er früher viel
angepflanzt wurde, ist er mehr und mehr auf den Aussterbeetat gesetzt
worden. Besonders sind es die alamannischen Stämme, die noch aus
alter Gewohnheit an der früher von ihnen als „Korn“ bezeichneten
Getreideart hängen. Seine Ähre gleicht derjenigen des gemeinen Weizens
in allen wesentlichen Punkten, abgesehen davon, daß die Ährchen etwas
weitläufiger an der Spindel verteilt sind. Nur insofern ist ein
durchgreifender Unterschied zu konstatieren, als die Ährenspindel bei
der Reife, als ursprüngliches Merkmal aller darin nicht durch Kultur
verbesserter Getreidearten, noch zerbrechlich ist und die Körner bei
der Reife von den Spelzen eingeschlossen bleiben und auch beim Dreschen
nicht wie beim Weizen ausfallen. Um das Speltkorn aus der Umhüllung
herauszuschälen, ist ein eigener Mahlprozeß, das sogenannte Schälen
oder Gerben erforderlich, das in den Mühlen in besonderen Gängen, den
„Gerbgängen“, vorgenommen wird.
In der Kultur hat der Spelt immerhin gewisse Vorzüge vor dem gemeinen
Weizen, indem er geringe Ansprüche an Boden und Klima macht und seine
Körner vor dem Raube durch die Sperlinge und andere Vögel gesichert
sind, die oft große Teile der Weizenfelder verwüsten. Auch die
Festigkeit des Halmes ist beim Spelt eine höhere als beim Weizen, so
daß schwerer Gewitterregen das Getreide nicht so leicht knickt und zu
Boden schlägt. Wo aber ein guter Boden und ausreichende Sommerwärme
zur Verfügung stehen, da übertrifft bei rationeller Kultur der Ertrag
des Weizens denjenigen des Speltes beträchtlich, und das mag wohl der
Grund sein, weshalb der Anbau des Speltes auch in den Gebieten, wo er
alteingesessen ist, mehr und mehr zurückgeht.
Das Speltkorn liefert ein gelbliches Brotmehl, das im allgemeinen
weniger geschätzt wird als das Weizenmehl. Als Handelsware trifft man
vielfach, besonders in Süddeutschland, den Speltgrieß an, der als
Einlage zu Suppen sehr beliebt ist. Zu demselben Zwecke wird der
gleichfalls vom Spelt gewonnene Grünkern verwendet, der die noch
unreifen Körner darstellt, die aus den gedörrten, unreifen Ähren durch
Schälen gewonnen werden.
Die Heimat des Speltes ist vermutlich Südosteuropa, d. h. Südrußland
oder Westasien, jedenfalls ein Land mit kurzen Wintern und heißen
Sommern. Er ist ein typisches Wintergetreide, das im Herbst gesät und
im Frühsommer geerntet wird; als Sommerfrucht kommt er kaum je zur
Aussaat. Schon daß er eine solche Winterfrucht ist, beweist seine
Herkunft aus dem russisch-asiatischen Steppengebiet. Dort wird das
Getreide stets im Herbst gesät und im Frühjahr geerntet; auf diese
Weise entgeht es der alles versengenden sommerlichen Hitze. Denselben
Entwicklungsgang haben dort viele Gewächse, die ihn auch nach ihrer
Einwanderung in Gegenden ohne Sommerdürre wie die unserige bewahrt
haben, so die Trespenarten und andere Gräser, die bei uns im September
keimen, über Winter wachsen solange es nicht zu kalt ist, jedenfalls
nicht vom Froste groß leiden, im Juli ihre Früchte reifen lassen und
dann absterben. Diese Tatsache gibt uns einen willkommenen Fingerzeig,
weshalb und woher Winterfrucht in Gegenden wie bei uns aufkam, wo
sonst nur Sommerfrucht zu gedeihen und also auch heimisch zu sein
vermag. So hat auch das mittelländische Getreide, wie Volkart zuerst
darauf hinwies, bei seiner Wanderung nach Norden als Kulturpflanze die
Aussaat im Herbste beibehalten. Aus dem Wintergetreide entstanden dann
in hohen Lagen, die erst später besiedelt wurden, nach und nach auch
Sommergetreideformen; es ist dies ein Prozeß, den wir übrigens noch
heute beim Roggen zu verfolgen vermögen.
A. de Candolle und Buschan geben das südöstliche Europa als die
Heimat der Speltkultur an, von wo aus sie nach Mittel- und Südeuropa
eingeführt worden wäre. Dies ist vom pflanzenbiologischen Standpunkte
aus sehr wohl möglich; ist doch, wie Hoops hervorhebt, auch der
Roggen, ebenfalls ursprünglich eine Winterfrucht, zweifellos in diesen
Gegenden zu Hause. Volkart dagegen meint, der Spelt sei ursprünglich
mediterraner Herkunft; dies wohl mit Unrecht. Auch der namhafte
Straßburger Botaniker H. Graf zu Solms-Laubach, der die Heimat des
Speltes wie die der anderen Hauptkulturformen des Weizenstammes nach
Zentralasien verlegt, dürfte im Irrtum sein, schon aus dem Grunde, daß
dieses Getreide, soweit wir bis jetzt wissen, weder in früherer noch in
neuerer Zeit in Zentral- und Ostasien kultiviert wurde. Weit eher noch
dürfte Westasien, diese uralte Wiege der menschlichen Kultur, der wir
so viele pflanzliche und tierische Erwerbungen, wie auch technische
und geistige Kulturgüter zu verdanken haben, als Heimat des Speltes in
Frage kommen.
Schon im ältesten Ägypten wurde neben Weizen und Gerste auch Spelt
gepflanzt. Die alten Ägypter nannten ihn ~bôti~ und unterschieden von
ihm eine weiße und eine rote Sorte. Der Grieche Theophrast im vierten
vorchristlichen Jahrhundert nennt Spelt das alexandrinische Korn,
und der Römer Plinius im 1. Jahrhundert n. Chr. bemerkt, das aus ihm
bereitete Mehl sei feiner und weißer als gewöhnliches Weizenmehl,
obwohl es nach der Angabe seines Zeitgenossen, des griechischen Arztes
Dioskurides aus Kilikien, weniger Nährwert als Weizenbrot besitze
und leichter austrockne. In Ägypten selbst galt allerdings Speltmehl
für geringwertiger als Weizenmehl, denn nur das letztere ward zu den
Opferbroten verwendet.
In Europa war der Spelt schon zur Bronzezeit nördlich der Alpen
bekannt und wurde von den an den Seeufern ansässigen Pfahlbauern der
frühen Metallzeit in ihren Hackfeldern am Lande angebaut. Ist nun
diese Tatsache durch Funde unwiderleglich bewiesen, so ist anzunehmen,
daß er damals sicher auch in Südfrankreich kultiviert wurde; denn
die alte Völkerverkehrsstraße vom Mittelmeer nach der Westschweiz,
wo wir die verkohlten Speltkörner in den Überresten der Pfahlbauten
der Bronzezeit finden, führte das Rhonetal aufwärts. Wahrscheinlich
war aber der Spelt zur Bronzezeit schon im ganzen Mittelmeergebiet
heimisch und dürften mit der Zeit Spuren einer solchen prähistorischen
Speltkultur auch bei Ausgrabungen in Italien zum Vorschein kommen.
Jedenfalls haben ihn später besonders die Römer als altgewohntes
Getreide kultiviert und ihn in der Folge innerhalb des ganzen von ihnen
beherrschten Reiches populär gemacht. Sie, die in der ältesten Zeit
ausschließlich von Spelt lebten und auch noch in späterer Zeit als
äußerst konservativ im Kulte dessen Körner, gewöhnlich geröstet, mit
Salz ihren Göttern als gebräuchlichstes Opfer darbrachten, waren die
Hauptträger der Speltkultur. Plinius bezeichnet ihn als die gemeinste
Kornfrucht Italiens und sagt, daß er in den Hülsen aufbewahrt werde,
da er sich nicht gut aus ihnen dreschen lasse. Varro, der fruchtbarste
und bedeutendste Gelehrte Roms (116-27 v. Chr.) gibt an, daß, wenn man
den in den Ähren aufbewahrten Spelt zu verspeisen beabsichtige, man ihn
im Winter vom Speicher hole, in Holzmörsern zur Enthülsung stampfe und
dann röste.
Dieses von ihnen als ~far~ bezeichnete Getreide, das bei den Griechen,
die es kaum anpflanzten, ~zeiá~ oder ~zeá~ hieß, eine Bezeichnung,
die übrigens heute als Genusname dem aus Amerika zu uns gekommenen
Mais verliehen wurde, brachten die Römer nach Gallien, Germanien
und Britannien und empfahlen es den dortigen Völkern zum Anbau. Das
deutsche Dinkelgebiet hält sich genau innerhalb der Grenzen des
alten römischen Reiches. Ihre Nachfolger in der Hochschätzung des
Speltbaues waren dann später die Alamannen, die nach dem Verlassen
ihrer ostelbischen Heimat beim Einwandern ins römische Dekumatenland
ihn dort kennen lernten. Sie nannten dieses Getreide, das auch in
solchem Boden noch gedieh, in welchem der Weizen keinen guten Ertrag
mehr gab, ~spelta~, ein Wort, das dann den Römern im Laufe des 3. und
4. Jahrhunderts durch den Getreidehandel mit jenen geläufig wurde. Seit
jener Zeit ist bis auf den heutigen Tag die Speltkultur in Deutschland
vorzugsweise eine Eigentümlichkeit des schwäbischen Stammes geblieben,
an der dieser mit großer Zähigkeit festhielt, bis in neuerer Zeit die
Verdrängung desselben durch den profitableren Weizen auch hier nach und
nach überhand nahm.
Noch ältere Bestandteile unseres Getreidebaues, die aber in noch
weit geringerem Grade als der Spelt kultiviert werden, sind die uns
schon bei den neolithischen Pfahlbauern Mitteleuropas vor 4000 bis
5000 Jahren begegnenden +Emmer+ und +Einkorn+. Erstere, mit dem Spelt
sehr nahe verwandte Weizenart (~Triticum dicoccum~) hat gleichfalls
eine zerbrechliche Ährenspindel und am Korn festsitzende Spelzen.
Während aber beim Spelt die Ährchen besonders locker an der Spindel
befestigt sind, stehen sie beim Emmer vielmehr dicht gedrängt. Wie beim
Emmer ist auch beim Einkorn (~Triticum monococcum~) die zweizeilig
ährchentragende Ähre stets begrannt; für gewöhnlich entwickelt sich
aber in jedem Ährchen nur eine einzige reife Frucht.
Obschon diese Getreidearten von allen am genügsamsten sind und mit
überaus magerem Boden und rauher Lage vorlieb nehmen, werden sie aber
wegen ihres noch geringeren Ertrages heute bei uns in geringerem
Umfange als selbst der Spelt angepflanzt. In Deutschland sind sie
fast nur in Schwaben und Thüringen anzutreffen. Dagegen stehen sie in
Gebirgsgegenden Südeuropas, besonders in Spanien, Frankreich, Italien,
Serbien, ebenso in Kleinasien, Ägypten, Abessinien und Arabien immer
noch in Ehren. In Europa werden ihre Samenkörner wie diejenigen des
Speltes zur Gewinnung von Grünkern, Grieß und Stärkemehl benutzt.
Das war in vorgeschichtlicher Zeit anders. Da war man noch nicht so
verwöhnt und anspruchsvoll wie heute und baute auch diese weniger
ergiebigen Getreidearten gerne. Von der neolithischen Zeit, besonders
aber von der Bronzezeit an, wurden sie nicht nur in Vorderasien und
Ägypten, sondern auch in den Mittelmeerländern und in Mitteleuropa
kultiviert. In Ägypten findet sich besonders der Emmer (altägyptisch
~emrai~ genannt) in den Grabbeigaben der ältesten Pharaonendynastien
und noch in der fünften Dynastie, die auf die Zeit der großen
Pyramidenerbauer folgte (2700-2550), wurden vielfach die Leichen in
Spreu von Emmer gelegt und die Grabkammer damit aufgefüllt. In den
Trümmern von Hissarlik-Troja fand Schliemann unter den verkohlten
Vegetabilien das Einkorn so massenhaft aufgespeichert, daß es damals
als Brotgetreide zweifellos die erste Stelle muß eingenommen haben.
Auch in Syrien und Palästina bildete es einst ein sehr wichtiges
Getreide. Es ist das im Alten Testament mehrfach erwähnte ~Kussémet~,
aus dem einst die Juden und ihre syrischen Nachbarn, wie später die
Araber ihr Brot bereiteten. Nach Indien scheint seine Kultur niemals
vorgedrungen zu sein.
Eine wilde Stammform kennen wir bis jetzt nur von letzterem, dem
Einkorn, die in Mesopotamien, in Syrien am Antilibanon, in Kappadocien,
in Kleinasien und im Taurusgebiet, aber auch in Griechenland und
Serbien in wildem Zustande in der Form von ~Triticum aegilopoides~
gefunden wird.
II.
Die Getreidearten.
Gerste, Roggen, Hafer, Hirse und Buchweizen.