65. DER UNSICHTBARE TURBAN

Es gab einst einen großen König. Eines Tages kam zu ihm ein Mann und

sprach: „König, ich will einen Turban weben, welcher dem legitimen

Sohne sichtbar, dem illegitimen aber nicht sichtbar sein soll.“ Der

König wunderte sich sehr über diese Rede und ließ sich von ihm den

Turban weben. Der junge Mann bezog nun vom Könige zur Bestreitung der

Kosten das nötige Geld, ging in einen Laden und hielt sich da einige

Zeit auf. Eines Tages faltete er die eine und die andere Seite eines

Papiers zusammen, nahm es und brachte es vor den König. Er sprach: „O

König, siehe, ich habe dir den Turban gewebt.“ Der König öffnete das

Papier und sah, daß nichts darin war. Alle Vezire und Fürsten, welche

zugegen waren, erblickten ebenfalls in dem Papiere nichts. Da sprach

der König zu sich: „Siehst du, da muß ich wohl ein Bastard sein.“ Alle

Vezire und Fürsten waren sehr bestürzt, daß sie auch Bastarde sein

sollten. Der König sprach nun zu sich: „Ich kann mir nicht anders

helfen, als das ich sage: ‚Ein schöner Turban, er gefällt mir.‘“ Darauf

sprach der König: „Alle Wetter, Meister, das hast du sehr schön

gewebt.“ Der Weber sagte: „O König, befiehl, daß man eine Mütze bringe,

ich will den Turban darum wickeln.“ Man brachte eine Mütze herbei. Der

junge Mann nahm das Papier vor sich, tat so, als ob er den Zipfel der

Kopfbinde nehmen und sie darum wickeln wollte und bewegte seine Hand

hin und her. Er hatte aber gar nichts in der Hand. Als er fertig war,

setzte er sie dem Könige auf. Alle umstehenden Vezire und Fürsten

sagten: „Alle Wetter, o König, was für ein schöner, feiner Turban ist

das!“ und lobten und priesen den jungen Mann. Dann stand der König auf,

ging mit seinen Veziren in ein Nebenzimmer und sprach: „O meine Vezire,

bin ich ein Bastard, daß ich den Turban nicht sehe?“ Die Vezire

erwiderten: „O König, bei Gott, wir sehen auch nichts und wissen nicht,

was das ist.“ Endlich sahen sie aber ein, daß es nichts war und daß

jener junge Mann ihnen nur irdischen Vorteils wegen einen Streich

gespielt habe.

Türkische Märchen · 第 88 / 91 题