Es gab einst einen großen König. Eines Tages kam zu ihm ein Mann und
sprach: „König, ich will einen Turban weben, welcher dem legitimen
Sohne sichtbar, dem illegitimen aber nicht sichtbar sein soll.“ Der
König wunderte sich sehr über diese Rede und ließ sich von ihm den
Turban weben. Der junge Mann bezog nun vom Könige zur Bestreitung der
Kosten das nötige Geld, ging in einen Laden und hielt sich da einige
Zeit auf. Eines Tages faltete er die eine und die andere Seite eines
Papiers zusammen, nahm es und brachte es vor den König. Er sprach: „O
König, siehe, ich habe dir den Turban gewebt.“ Der König öffnete das
Papier und sah, daß nichts darin war. Alle Vezire und Fürsten, welche
zugegen waren, erblickten ebenfalls in dem Papiere nichts. Da sprach
der König zu sich: „Siehst du, da muß ich wohl ein Bastard sein.“ Alle
Vezire und Fürsten waren sehr bestürzt, daß sie auch Bastarde sein
sollten. Der König sprach nun zu sich: „Ich kann mir nicht anders
helfen, als das ich sage: ‚Ein schöner Turban, er gefällt mir.‘“ Darauf
sprach der König: „Alle Wetter, Meister, das hast du sehr schön
gewebt.“ Der Weber sagte: „O König, befiehl, daß man eine Mütze bringe,
ich will den Turban darum wickeln.“ Man brachte eine Mütze herbei. Der
junge Mann nahm das Papier vor sich, tat so, als ob er den Zipfel der
Kopfbinde nehmen und sie darum wickeln wollte und bewegte seine Hand
hin und her. Er hatte aber gar nichts in der Hand. Als er fertig war,
setzte er sie dem Könige auf. Alle umstehenden Vezire und Fürsten
sagten: „Alle Wetter, o König, was für ein schöner, feiner Turban ist
das!“ und lobten und priesen den jungen Mann. Dann stand der König auf,
ging mit seinen Veziren in ein Nebenzimmer und sprach: „O meine Vezire,
bin ich ein Bastard, daß ich den Turban nicht sehe?“ Die Vezire
erwiderten: „O König, bei Gott, wir sehen auch nichts und wissen nicht,
was das ist.“ Endlich sahen sie aber ein, daß es nichts war und daß
jener junge Mann ihnen nur irdischen Vorteils wegen einen Streich
gespielt habe.