Ein frommer Mann hatte sich für das Opferfest einen Hammel gekauft, um
dessen Hals einen Strick gelegt und führte ihn zu seinem Kloster.
Unterwegs sahen einige Diebe das Schaf: Ihre Diebslust regte sich und
sie gingen dem frommen Mann entgegen. Da sie nicht wie Wölfe oder Tiger
mit gewalttätiger Hand die Beute nehmen konnten, wollten sie listig wie
ein Fuchs zu Werke gehen und den frommen Mann in den Schlaf des Hasen
[45] versetzen. Sie verfielen auf eine ganz besondere List, durch die
sie das einfache und fromme Herz des Mannes zu fangen gedachten.
Nämlich folgendermaßen: Sie gingen einzeln dem frommen Manne entgegen.
Der erste sagte: „Scheich, was willst du mit dem Hunde machen?“ Der
zweite: „Scheich, beflecke dein Gewand nicht mit dem Hunde.“ Der
dritte: „Es sieht so aus, als ob du mit dem Hunde auf Jagd gehst.“ Ein
anderer sagte: „Jäger, von wem hast du diesen Jagdhund gekauft?“ Ein
anderer: „Der Scheich mit diesem Hunde sieht so aus wie ein
Nachtwächter.“ Ein anderer: „Dieser Mann mit dem Jagdhund ist
sicherlich ein Hundewärter des Kaisers.“ Kurz, alle die Diebe hatten
sich auf dies Wort geeinigt, warfen ihm ein solches Wort zu und machten
ihn zur Scheibe ihres Witzes.
Als der schlichte fromme Mann von ihnen allen übereinstimmend dies Wort
hörte, kamen ihm Zweifel, ob sein Hammel ein Hund sei und er sagte zu
sich: „Vielleicht war der Verkäufer ein Zauberer, der mich verzaubert
hat, daß ich den Hund für einen Hammel halte. Das Beste ist es, ich
lasse ihn fahren, gehe zum Verkäufer zurück und verlange mein Geld
zurück, das ich ihm gegeben.“
In seiner Einfalt ließ er den Hammel los und ging zurück, um den
Verkäufer zu suchen. Als die Diebe das sahen, stürzten sie sich wie
Wölfe auf den Hammel und nahmen ihn mit sich.