55. DER FROMME MANN UND DIE DIEBE

Ein frommer Mann hatte sich für das Opferfest einen Hammel gekauft, um

dessen Hals einen Strick gelegt und führte ihn zu seinem Kloster.

Unterwegs sahen einige Diebe das Schaf: Ihre Diebslust regte sich und

sie gingen dem frommen Mann entgegen. Da sie nicht wie Wölfe oder Tiger

mit gewalttätiger Hand die Beute nehmen konnten, wollten sie listig wie

ein Fuchs zu Werke gehen und den frommen Mann in den Schlaf des Hasen

[45] versetzen. Sie verfielen auf eine ganz besondere List, durch die

sie das einfache und fromme Herz des Mannes zu fangen gedachten.

Nämlich folgendermaßen: Sie gingen einzeln dem frommen Manne entgegen.

Der erste sagte: „Scheich, was willst du mit dem Hunde machen?“ Der

zweite: „Scheich, beflecke dein Gewand nicht mit dem Hunde.“ Der

dritte: „Es sieht so aus, als ob du mit dem Hunde auf Jagd gehst.“ Ein

anderer sagte: „Jäger, von wem hast du diesen Jagdhund gekauft?“ Ein

anderer: „Der Scheich mit diesem Hunde sieht so aus wie ein

Nachtwächter.“ Ein anderer: „Dieser Mann mit dem Jagdhund ist

sicherlich ein Hundewärter des Kaisers.“ Kurz, alle die Diebe hatten

sich auf dies Wort geeinigt, warfen ihm ein solches Wort zu und machten

ihn zur Scheibe ihres Witzes.

Als der schlichte fromme Mann von ihnen allen übereinstimmend dies Wort

hörte, kamen ihm Zweifel, ob sein Hammel ein Hund sei und er sagte zu

sich: „Vielleicht war der Verkäufer ein Zauberer, der mich verzaubert

hat, daß ich den Hund für einen Hammel halte. Das Beste ist es, ich

lasse ihn fahren, gehe zum Verkäufer zurück und verlange mein Geld

zurück, das ich ihm gegeben.“

In seiner Einfalt ließ er den Hammel los und ging zurück, um den

Verkäufer zu suchen. Als die Diebe das sahen, stürzten sie sich wie

Wölfe auf den Hammel und nahmen ihn mit sich.

Türkische Märchen · 第 78 / 91 题